Wie gate der Gaucho?

17. Juli 2014

Eigentlich hat Anatol Stefanowitsch schon alles Nötige zum Thema gesagt, aber ich hätte dieses Blog nicht so genannt, wenn ich die Absicht gehabt hätte, nur das Nötige zu schreiben, deshalb sag ich auch noch was dazu:

Was mich an so gate-tauglichen Ereignissen am meisten stört, ich bleibe jetzt einfach mal beim konkreten Beispiel:

das ist oft gar nicht so sehr das Ereignis selbst.

Ich fände das Ganze gar nicht besonders erwähnenswert, wenn diese Herren diesen Tanz aufgeführt hätten, im Überschwang der Gefühle und getragen von der … ähm … naja, rassistischen, nationalistischen und auch sonst rundum widerwärtigen Grundstimmung, die bei so einer FIFA-WM offenbar herrschen muss, damit sie richtig Spaß macht, und dann hinterher, darauf angesprochen, sowas gesagt wie: “Joa, also, ohje, da haben Sie recht, das war echt daneben, und ich schäme mich auch ein bisschen dafür. Ich muss zugeben, da haben wir einen echt blöden Fehler gemacht. So sollte man echt nicht. Ehrlich. Tut mir leid.” oder so. Damit käme ich gut klar. Menschen machen Fehler, ich auch, gerade, wenn wir unter emotional intensiven Umständen handeln.

Was mich an diesen Ereignissen am meisten stört, sind also nicht die Ereignisse an sich, sondern der Umgang damit in der Rückschau. Diese unfassbare Demonstration der völligen Abwesenheit nicht nur jeglichen Problembewusstseins, sondern jeglicher Bereitschaft, auch nur über die Möglichkeit nachzudenken, dass da irgendwo ein Problem sein könnte. Die nicht mehr begreifbare Dummdreistigkeit der Ausreden und die manchmal schon fast wieder bemitleidenswerte Hiflosigkeit der Beschwichtigungsversuche. Das ist der Teil, der mich wirklich aufregt, weil er demonstriert, wie kaputt unsere Gesellschaft ist, und dass es sich bei Vorfällen wie diesem albernen Gauchotanz eben nicht um ein Augenblicksversagen euphorisierter Sportler handelt, sondern um ein Symptom einer tief sitzenden Erkrankung unserer Systems.

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Restebloggen-Befreiungsschlag (103)

6. Juli 2014

Dieser Post liegt seit dem 15. März 2014 in meiner Entwürfebox und hat in dieser Zeit kaum kalkulierbaren Schaden angerichtet, indem er sich einerseits aus komplexen Gründen, die zu erklären der Raum in dieser schmalen Marge leider nicht ausreicht, hartnäckig der Veröffentlichung verweigerte, und andererseits auch nicht zuließ, dass weitere Restebloggen-Posts an seiner statt erscheinen. Um diesen für alle Beteiligten (und technisch gesehen natürlich auch für die anderen) unbefriedigenden Zustand zu beseitigen, veröffentliche ich ihn nun einfach, ungeachtet, seines eklatanten Mangels an Akutalität oder sonstiger erfreulicher Eigenschaften, um den Weg für zukünftige Restebloggen-Posts freizumachen.

Ich hoffe auf euer Verständnis.

 

  1. Da sag noch mal einer, Superhelden seien langweilig und letzten Endes alle gleich.
  2. Es gibt zahlreiche Probleme, die insbesondere für sorglose weitgehend gesunde Menschen wie uns hippen jungen schönen und sportlichen Internetbenutzercommunityangehörigen beinahe lächerlich erscheinen, für die Betroffenen aber erheblich dazu beitragen können, dass das Leben keinen Spaß mehr macht. Muskelzittern ist sowas, insbesondere das Essen mit, und so habe ich mich sehr gefreut dass jemand (anscheinend) ein ziemlich wirkungsvolles Hilfsmittel für zumindest einen damit verbundenen Verlust an Lebensfreude gefunden hat: Liftware.
  3. Titanic hat eine sehr gelungene Parodie auf fefe geschrieben, und  fefe hat, so ungern ich das zugebe, sehr souverän drauf reagiert.
  4. Qualitätsmedien und so, ihr wisst schon.
  5. Die Pixelmacher hatten offenbar vor einiger Zeit ihre letzte Sendung (?), und ich finde, sie ist ganz ganz hervorragend geworden. Dringende Ansehempfehlung.
  6. Eigentlich gar nicht so toll, dieser Comic, aber weil ich gerade kürzlich im Zusammenhang mit dem Organspende-Thema drüber nachdachte, wie sonderbar und schade dass doch ist, dass manche Christen, vielleicht sogar viele, ich müsste noch mal nachzählen, es nicht mal schaffen, die paar erfreulichen Dinge umzusetzen, die sich aus ihrem ungerechtfertigten Glauben ergeben könnten, wenn sei ihn ernst nähmen, lass ich ihn drin.
  7. Man, if Satan ever starts losing his hair, there will be hell toupet. Ich krieg mich nicht ein vor Freude, jedes Mal, wenn ich das lese.
  8. [T]he universe is different from our everyday experience. That doesn’t sound like a surprising statement, but we really need to take it to heart. To look at a modern cosmological model and say, “Yes, but what was the cause?” is like looking at someone taking pictures with an iPhone, and saying, “Where does the film go?” It’s not that the answer is difficult or inscrutable, it’s completely the wrong question to be asking. …Why should we expect that there are causes, or explanations, or reasons why in the universe in which we live? It’s because the physical world in which we are imbedded has two important features: There are unbreakable patterns, laws of physics, things don’t just happen, they obey the laws. And there is an arrow of time, stretching from the past to the future. The entropy was lower in the past, increases toward the future. Therefore, when you find some event or state of affairs B today, we can very often trace it back in time, to just one or a couple of possible predecessor events, that we therefore say is the cause of that, which leads to B according to the laws of physics. But crucially, both of these features of the universe that allow us to speak the language of causes and effects are completely absent when we talk about the universe as a whole. We don’t think that our universe is part of a bigger ensemble that obeys laws. Even if it’s part of a multiverse we don’t think the multiverse is part of a bigger ensemble that obeys laws. Therefore, nothing gives us the right to expect some kind of external cause. The idea that our intuitions about cause and effect that we get from our everyday experience of the world should somehow be extended without modification to the fundamental nature of reality is fairly absurd.

Kleider machen Leute.

3. Juli 2014

Ich habe gestern diesen Beitrag geschrieben, in dem ich über die jüngste EGMR-Entscheidung zum französischen Verhüllungsverbot schimpfe, und nicht erst wegen Golda Meirs Kommentar bereue ich seitdem, Anlass zu der Vermutung gegeben zu haben, ich wäre der Meinung, derlei Unfug sei eine Spezialität der Franzosen, oder der Belgier, die eine ähnliche Vorschrift haben und deshalb vor dem EGMR auf Frankreichs Seite standen.

Nein, so ziemlich jedes Land schreibt seinen Bürgern und deren Besuchern vor, wie sie sich anzuziehen haben, soweit ich weiß, oder macht zumindest Vorgaben dazu. Auch hier im kuscheliegen Deutschland haben wir nicht die Wahl, wie und ob wir uns kleiden, sondern müssen in aller Regel mit Strafe rechnen, wenn wir uns nicht in der Form verhüllt haben, dass der Rest der Gesellschaft für angemessen befindet.

Und das ist natürlich genauso inakzeptabler und unsinniger Quatsch wie das Verhüllungsverbot in Frankreich, und genauso dumm begründet, vielleicht mit dem geringfügigen Unterschied, dass sie die deutschen Staatsgewalten immerhin darauf berufen können, dass nackte Menschen in der Öffentlichkeit tatsächlich regelmßig eine Störung verursachen, wobei ich natürlich behaupten würde, dass diese nicht von ihnen ausgeht, sondern von den armen bornierten Personen, die sich an ihnen stören, was die Staatsgewalten ein winziges bisschen exkulpiert (wiewohl ich natürlich von ihnen fordern würde, dass sie nicht Unschuldige bestrafen, sondern die Verantwortlichen für ein Problem, wenn sie sich denn schon mal anmaßen, überhaupt jemanden zu bestrafen.), das Gesamtversagen der Gesellschaft aber nicht weniger beschämend macht.

Insofern gilt mein Aufruf zur allgemeinen Scham natürlich nicht nur den Franzosen, sondern uns allen, die wir es in all der Zeit immer noch nicht geschafft haben, eine Gesellschaft zu errichten, die auf blödsinnige Gängelei, willkürliche Bestrafungen und völlig ungerechtfertigte Bevormundung ihrer Mitglieder verzichtet. Ich bin ziemlich überzeugt, dass wir es besser könnten. Aber das macht es im Ergebnis natürlich eher noch schlimmer.

Oder was meint ihr?


Man kann sich gar nicht so viel verhüllen, wie man … äh … Naja.

2. Juli 2014

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat nun also entschieden: Das Verbot von gesichtsverhüllenden Kleidern in Frankreich verstößt nicht gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das ist jetzt eher so mittelüberraschend, klar, und ihr kennt meine Position in der Sache ja ohnehin schon, aber ich finde trotzdem, dass man über die Begründung mal ein bisschen nachdenken darf, und sich fragen, wer sämtlichen für dieses Ergebnis verantwortlichen womöglich in ihrer Kindheit weh getan haben mag, oder so, dass aus ihnen solche Menschen geworden sind.

the Court accepted that the barrier raised against others by a veil concealing the face in public could undermine the notion of “living together”. In that connection, it indicated that it took into account the State’s submission that the face played a significant role in social interaction. The Court was also able to understand the view that individuals might not wish to see, in places open to all, practices or attitudes which would fundamentally call into question the possibility of open interpersonal relationships, which, by virtue of an established consensus, formed an indispensable element of community life within the society in question. The Court was therefore able to accept that the barrier raised against others by a veil concealing the face was perceived by the respondent State as breaching the right of others to live in a space ofsocialisation which made living together easier.

Das ist laut der Pressemitteilung des EGMR die tragende Erwägung.

Zusammengefasst auf Deutsch: Frankreichs Vertreter meinten, dass die Franzosen eben einen Anspruch darauf haben, die Gesichter anderer Menschen zu sehen, und nicht wünschen, an öffentlichen Orten Praktiken oder Haltungen zu sehen, die die Möglickeit zwischenmenschlicher Beziehungen fundamental infrage stellen, und weil Burkas das tun, halten nicht nur das französische Parlament und die französische Regierung es für legitim, Leute zu bestrafen, die anderen lieber nicht ihr Gesicht zeigen möchten. (Und darüber hinaus will Frankreich natürlich die armen Frauen nur vor Unterdrückung beschützen und befreien, indem es sie zwingt, sich so anzuziehen, wie die Franzosen das für richtig halten, und sie sonst bestraft. Isjaklar, ne?)

Mir fällt nicht viel ein, was ich noch sagen könnte, um die unfassbar dummdreiste Anmaßung und widerliche Heuchelei in dieser Haltung angemessen zu kommentieren oder zu verdeutlichen. Diese Begründung spricht für sich selbst. Oder vielmehr gegen sich selbst. Und ich schäme mich, Teil der Gesellschaft zu sein, die sie gerade offiziell für akzeptabel befunden hat.Schämt sich jemand mit? Und noch wichtiger: Weiß jemand, wo man online vernünftige Burkas bestellen kann? Die Auswahl bei Amazon kommt mir nicht ganz zufriedenstellend vor.


Ohne Herz und Hirn

28. Juni 2014

In letzter Zeit fahre ich öfter mal an Plakaten der BZgA vorbei, auf denen mehr oder weniger Prominente einen Organspendeausweis in die Kamera halten, untertitelt mit Sprüchen wie zum Beispiel

Und dann überlege ich jedes Mal, was ich davon halte. Und wie wütend ich bin, bzw. angemessenerweise sein sollte. Weil man ja schon sagen muss, es ist besser als nichts, und gut gemeint, und sie bieten ja auch Links zu weiterführenden Informationen, aber andererseits ist es auch bei Weitem nicht genug. Also, andere Beispiele: Wenn Politik und Prominenz öffentlich sowas sagen würden wie:

“Wissen Sie, wenn Sie mal auf einer einsamen Landstraße an einem hilflosen Menschen vorbeifahren, der röchelnd in der Böschung liegt und dort langsam verblutet, dann sollten Sie sich entscheiden, ob sie versuchen, diesem Menschen irgendwie zu helfen, oder ob Sie einfach weiter fahren, ohne auch nur den Notruf zu wählen. Echt jetzt. Aus Verantwortung.”

oder

“Also, ich habe mich entschieden ob ich was unternehme, wenn ich zusehe, wie jemand ein vierjähriges Mädchen vergewaltigt, oder ob ich einfach stumm zusehe und ihn gewähren lasse, und es dann für mich behalte. Tut gut, dass ich das für mich geklärt habe.”

oder

“Ich habe entschieden, ob ich für oder gegen Rassismus bin. Das nimmt mir niemand ab.”

dann wäre das komisch, oder? Also, es wäre in gewisser Weise nicht ganz falsch, weil ja, es ist gut und nötig, sich in diesen Situationen zu entscheiden, wie man mit ihnen umgeht, aber … es gibt halt schon ziemlich klar richtige und falsche Alternativen, und wenn ich mich für eine von den falschen entscheide, dann sollte ich zumindest den Anstand haben, mich hinterher nicht noch über moralischen Druck zu beschweren, und ich finde, wenn man sich schon mal die Mühe macht, für sicherlich viel viel Geld eine öffentliche Kampagne zu so einem Thema zu organisieren, dann kommt es mir doch arg unangemessen vor, dabei diese merkwürdig neutrale Haltung einzunehmen und zu implizieren, jede Alternative wäre völlig okay, solange man sich nur für eine entscheidet.

Das ist nicht der Fall. Eine der Alternativen ist ganz eindeutig nicht okay.

Ich verstehe zwar, warum in Anbetracht der derzeitigen Stimmung unserer Gesellschaft zu dem Thema die BZgA sich nicht für eine deutlichere Positionierung entschieden hat, obwohl ich es bedaure und kritisiere, aber vor allem verstehe ich nicht, warum unsere Gesellschaft so insgesamt zu diesem Thema nicht mal den Kopf aus dem Arsch zieht und sich klar macht, wie offensichtlich diese Entscheidung ist. Ich meine, bei Kondomen fährt die BZgA doch auch keine “Ich entscheide, ob ichs mit oder ohne mache”-Kampagne, dabei gibt es da durchaus in Einzelfällen mal was abzuwägen, und Sex ohne Kondom kann durchaus auch mal gerechtfertigt sein, denke ich.

Und weil ich finde, dass man es nicht oft genug sagen kann, sage ich es noch mal:

Dem sehr wahrscheinlichen Vorteil, ein Menschenleben zu retten, steht also im Falle einer Organspende keinerlei Nachteil für den Spender gegenüber. Buchstäblich gar keiner.

Ich begreife nicht, wie in Anbetracht dieser Tatsachen jemand der Meinung sein kann, man solle keinen moralischen Druck aufbauen. Warum denn nicht? Wenn jemand die Möglichkeit hat, ohne irgendeinen Nachteil für sich selbst das Leben eines anderen Menschen zu retten, warum um Himmels Willen sollten wir auf diesen Jemand keinen Druck ausüben, es zu tun? Wir sollten.

Und kein hehreres Ziel hat dieser Beitrag: Wenn du als Angehöriger oder selbst Betroffener (dann natürlich im Vorhinein per Verfügung) eine Organspende verweigerst, zum Beispiel, weil du Angst hast, dass das Organ vielleicht das Leben von jemandem rettet, der es deiner Meinung nach nicht verdient hätte, weil er jemanden bestochen hat, um an das Organ zu kommen, dann macht dich das nach so ziemlich jedem denkbaren moralischen Maßstab zu einem … Spaten.

Zum Glück hast du die Wahl. Sei kein Spaten. Spende Organe. Zumindest, bis es legal wird, sie zu verkaufen.


Mehr Fairness im Netz

28. Juni 2014

Ayn Rand hätte ihre Freude, wenn sie noch vom Leistungsschutzrecht erfahren hätte, und mich ärgert das ein bisschen, denn ich gönne es ihr nicht. Sogar in ihrer völlig albernen Karikaturwelt waren die Schmarotzer nicht dummdreister und widerlicher, und obwohl ich nur das eine Buch von ihr gelesen habe, will ich wetten, dass sich in ihrem gesamten Werk kein erbärmlicheres Beispiel dafür findet, wie sich Menschen hinter dem Rockzipfel der Staatsgewalt vor der bösen Welt zu verstecken versuchen und schimpfend und zeternd Leviathan dazu auffordern, die Hand, die sie füttert, doch noch ein bisschen kräftiger zu beißen.

Da ist also diese Gemeinschaft von Verlagen, die sich einerseits einbilden, eine unersetzlich kostbare Leistung zu erbringen, die unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Wert konstitutiv für unsere Gesellschaft und die Demokratie und wahrscheinlich auch für den Fortbestand von süßen Katzenbabys ist und ohne die aber auch wirklich gar nichts mehr ginge, und andererseits der Meinung sind, dass diese Leistung nicht angemessen vergütet wird, weil es da dieses niederträchtige, ebenso dreiste wie durchsichtige Unternehmen gibt, das sie anderen Menschen zugänglich macht, davon profitiert, und ihnen dadurch die Kunden und Umsätze wegschnappt, die sie gerne selbst hätten. Auf allfällige Hinweise, dass es ihnen ja jederzeit frei stünde, ihre kostbaren Inhalte nur noch direkt zu vertreiben und durch wenige Tastendrücke dem Zugriff des niederträchtigen Parasiten zu entziehen, reagieren sie wahlweise gar nicht oder mit unverschämten Lügen, und fordern stattdessen eine gesetzliche Regelung, die ihnen eine zwangsweise Vergütung für die Nutzung ihrer Inhalte garantiert, die ihnen wahlweise entweder sowie schon zugestanden hätte oder jetzt willkürlich allen anderen Produzenten anderer Inhalte vorenthalten wird.

Darauf reagiert – wer hätte das gedacht? – der niederträchtige Parasit mit dem Angebot, die kostbaren Inhalte der Verlage einfach nicht mehr weiter zu verbreiten, gibt ihnen aber auch die Möglichkeit, auf ihren Vergütungsanspruch zu verzichten, wenn er es doch tut. Die Verlage entscheiden sich daraufhin mit überwältigender Mehrheit dafür, den Parasiten weiter machen zu lassen, ohne die Gebühr zu bezahlen, weil sie genau wissen, dass in Wahrheit sie selbst es sind, die bisher  unentgeltlich von der Leistung anderer profitiert haben, und dass sie auf die Leistung des Parasiten nicht verzichten können, wenn sie überleben wollen.

Als den Verlagen klar wird, was passiert ist, und wie unschön das ist, beschließen sie nach einiger Bedenkzeit, dass es ja wohl nicht sein kann, dass so unfassbar unverzichtbare Säulen der Gesellschaft, wie sie es sind, sich jetzt schon entscheiden müssen, ob sie ihren Kuchen essen oder behalten wollen. Wo kämen wir denn da hin? Wutentbrannt fordern sie beides: Der Parasit möge bitte zahlen, und zwar ohne die Möglichkeit, auf die Leistung zu verzichten, von der er angeblich so sehr profitieren soll, was – wir erinnern uns – ursprünglich mal die Rechtfertigung der ganzen Aktion war.

Und die Politik ist natürlich dabei, was sicher nichts damit zu tun hat, dass etwa die SPD erhebliche Teile ihres Vermögens in Verlage investiert hat, so dreist und durchsichtig wären die bestimmt nie. Andererseits ist anders schwer erklärbar, auf wie unverschämte Weise sich zum Beispiel unser Justizminister Herr Maas (SPD) öffentlich auf die Seite der Verlage stellt und nun behauptet, wenn Google aufhören würde, auf unverschämte Weise von den ehrlich im Schweiße ihres Angesichts erarbeiteten Leistungen deutscher Verlage zu profitieren, was – ich denke, man kann nicht oft genug dran erinnern – der ursprüngliche Vorwurf der Verlage war, dann wäre das Zensur, und weiter:

Es kann nicht sein, dass Internet-Giganten ihre Marktmacht missbrauchen, um sich auf Kosten deutscher Verlage zu bereichern. Das ist nicht gerecht, das ist nicht fair.

Wir halten fest: Wenn Google die Inhalte der Verlage (auszugsweise) in seinen Suchergebnissen anzeigt und zugänglich macht, dann profitiert es damit auf unlautere Weise von ihrer Leistung, und wenn Google das nicht mehr tut, dann … auch. Oder so. Und deshalb soll Google zahlen, und zwar ordentlich, und zwar schnell, weil sonst ist das nicht fair.

Und währenddessen fordert unsere Arbeitsministerin Frau Nahles (SPD) eine Ausnahme vom Mindestlohn für Zeitungsausträgerinnen, weil es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können …

Hat noch jemand das Gefühl, dass da irgendwas strukturell kaputt ist?


Kumquat

23. Juni 2014

So, recently, Jeff Strand, who, as many of you might know, is my favourite writer of all time, of ALL time, made this terrific offer of getting his new novel Kumquat as a preview, for free, and the only thing I had to do in return is consider saying something nice about it on the internet, which, of course, I would have done anyway, so I volunteered, and he sent me the file, and I read it, and …

Well …

It’s a story about a guy, ordinary guy, not very ambitious, kind of a slacker, really, but very nice, smart, funny, you get the picture, who meets a very special woman, finds out she’s going to die from an aneurysm, possibly soon, falls in love with her, and they decide to take a trip to a hot dog stand very far away.

I’d go into more detail, but I don’t know how much I’m allowed to tell you, so I’ll limit myself to this short summary. Also, there’s really not much more to tell, because … well …

Do you know that feeling of listening to a podcast by people you really like? You don’t particularly care if they talk about interesting stuff or if they convey relevant information or say particularly smart things, but they’re reasonably funny, and you like them, so you enjoy listening to them, but if someone else would ask you, you probably wouldn’t wholeheartedly recommend the podcast, because … well, you might even feel a little embarrassed, because deep down, you know there’s not a lot worth recommending?

That’s Kumquat for me.

Not a lot happens in this book, at least not a lot that’s interesting, and while I found some humor in being led on to expect some big development again and again, only to find it resolved two pages later, this started grating after a while, and the end was a complete disappointment to me. Yes. Still. I read the whole book and was still disappointed in the end. I still thought he might turn this around and give me something great. That’s how much I love Jeff Strand, and that’s how much I trust him. Goes to show what a great idea trust is.

Oh, but wait, there’s one thing that I wholewheartedly loved about Kumquat. It’s this quote:

The only reason people eat escargot is because it’s socially unacceptable to just drink a cup of garlic butter.

That quote alone was worth the time. To me, at least. It’s pure genius in its simplicity and truth. So that’s something.

But talking about quotes, I just need to mention the Exit Red quotes at the beginning of each chapter. Exit Red is a fictitious SF series which both protagonists consider the greatest thing since the separation of heaven and earth and follow religiously. It’s kind of important to the plot, for certain values of “plot”.

“Infinity is a hell of a long time to live with regrets”

“I think you mean eternity.”

“Shut up.”

–Exit Red, Season 6, Episode 6

I learned to hate those, although I have to admit, this might just be my thing, although I don’t think they were particularly entertaining, but mostly it’s because I hate this tumblresque hyping of TV series (even fake ones), I don’t have any rational argument against it, it’s completely alright, and I realize I should be glad that other people find joy in their fandom, but I can’t help it, it simply makes my blood boil. It might be because of Breaking Bad. Because I hate Breaking Bad. I fucking hate it. So much. Wait. This doesn’t have anything to do with Kumquat anymore, does it? I’ll resume talking about Kumquat now. Sorry for this.

So, here’s what I have to say, in a nutshell: I love Jeff Strand’s style. I love his humor. I love how all his characters share that sort of humor, and how their dialogue and their actions reflect this. And if you love all of that as well, then by all means, buy Kumquat. But if all this is true for you, you’d have bought it anyway. If you’re not yet a fan, first: What’s wrong with you, moron? And second: Please buy another one. Buy Dweller. It’s a wonderful, funny, bizarre, sad, surprisingly touching, wonderful, extremely wise story about friendship with a monster, romance, and probably life in general, all rolled in one. Or buy Wolf Hunt, it’s quite possibly the best werewolf story ever written. And if not that, it’s the funniest, for sure. And then, once you are a fan … you’re going to buy this book, and maybe then you can come back here and tell me what’s great about it, and what I missed. I hope you’re going to like it more than I could. I hope you’ll give it the love and understanding it needs and quite possibly deserves, but I was unable to give. I’m sorry, Kumquat. I’m sorry, Jeff. I let you down. But we’re still friends, right? Still meant for each other, right?

Right?


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