Entgegen weit verbreiteten Vorurteilen spinnen Japaner und Japanerinnen gar nicht selbst. Dafür haben sie Spezialisten. Und Spezialistinnen, nehme ich an. Man sieht das nicht so von Weitem.

24. Januar 2016

Wir waren im Urlaub. Das ist schon eine Weile her, aber ich will euch trotzdem noch davon erzählen. Es war toll. Wir waren in Japan.

Oh. Ihr wollt noch mehr Einzelheiten? Dann müsstet ihr bitte einmal da drauf klicken:

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Because who cares if it’s voluntary, right?

20. Januar 2016

 

What if I’d babysit for you?

Or as some would call it, “kidnapping”

I guess what this world really needs is more euphemisms for the use of violence.

[via wirres.net]


Sometimes it’s OK to steal patients’ wallets

8. Dezember 2015

I have this great idea, you see, and I think I’m going to submit it to Scientific American for publishing, because I suspect it will be just what their readers are expecting of a magazine with a longstanding history of award-winning coverage of advances in science and technology and their impacts on society.

I am about to explain why it’s sometimes okay to steal sick people’s wallets. Groundbreaking, isn’t it? Well, prepare to be impressed:

Ms. V was in her late 20s, and she was chronically ill, shivering and very frightended when she was admitted. Writhing in pain, she was clutching her mother’s hand. She was diagnosed with numerous infections in her liver and lungs.

One morning after rounds, I happened to glance over at Ms. V’s room and saw a woman walk in and inconspicuously put V’s wallet into her own rucksack. The visitor was a thief who had come to steal from the hospital’s patients. To distract them, she usually talked to them for a while, very pleasantly, and conveyed to them a feeling of friendship and care. After her visit, Ms. V told me that the other woman’s visits helped her stand the suffering her disease caused her. She felt comforted and refreshed by the thief’s friendly words and easy humour, she said.

Now, make no mistake: I have to admit that stealing patients’ wallets doesn’t have proven benefits and is widely considered a criminal or even despiccable act in the medical and scientific communities. In other words, perhaps stealing from people isn’t in itself beneficial, but rather the sense of companionship and support stemming from spending time with a sympathetic person.

Interestingly, some patients continue to welcome the thief although they realise her true intention. Ms. I, for example, was a patient of mine who suffered from severe pain as a result of advanced breast cancer. When I asked her why she enjoyed talking to the criminal, she shrugged, saying she enjoyed the company and found that chatting with her provided a refreshing period of rest.

Of course, stealing patients’ wallets has its drawbacks, like the financial cost, which may be borne by the patient, an insurance company, or the hospital, depending on the circumstance. Also, it’s certainly dangerous for a patient to decide to have her wallet stolen at the expense of treatments with proven medical benefits. Luckily, having her wallet stolen didn’t stop Ms. V or Ms. I from undergoing life-saving medical tratment and didn’t prevent this treatment from working.

When I learned later on that Ms. V had died, the news hit me hard, and thinking back to her treatment in our hospital, I hoped that among all her misery, we had managed to ease her suffering through our therapies – criminal or not.

So? What do you think? Great stuff, right? What? You think this kind of nonsense might not be quite up to Scientific American’s standards?

Well, think again.


Ich hab Staatsfernsehen

7. Dezember 2015

Ich hab mir jetzt auch mal dieses Video von Jan Böhmermann angesehen. Dieses neue. Ihr wisst schon. Das, von dem seit November immer mal wieder jemand redet, weil er damit mal eben aus dem Handgelenk den deutschen Gangsterrap beerdigt hat. Das hier:

Und nun ist es so: Ich mag Jan Böhmermann nicht. Und ich fürchte, dafür habe ich nur teilweise gute Gründe. Es ist auch mindestens ein bisschen eine nicht so rationale Hype-Aversion, die es mir zum Beispiel auch schwer macht, Game of Thrones gut zu finden, obwohl ich nicht ernsthaft bestreiten kann, dass es eine in jeder Hinsicht verdammt gut gemachte Fernsehserie ist. Wenn alle irgendwas mögen, muss ich das Problem darin finden. Das ist nicht besonders sympathisch, oft anstrengend, und nicht immer wünschenswert. Na gut, und bei Böhmermann gibt es ja durchaus Leute, die ihn nicht mögen. Ich will mich jetzt nicht als einsamen Streiter für das Wahre und Gute gerieren. Mich hat an ihm jedenfalls immer gestört … Also, einmal ist sein Humor nicht so mein Ding. Ich kann mit ihm nicht viel anfangen, auch unabhängig davon, wie ich inhaltlich zu ihm stehe. Aber das darf ja ruhig so sein. Was mich wirklich stört, ist, dass er es meiner Wahrnehmung nach geschafft hat, sich als Instanz des Punk zu etablieren, als schonungslosen Systemkritiker und bissigen Anarchisten, obwohl er in Wahrheit eigentlich ein ganz braver, staatstragender ZDF-Moderator ist.

So sehe ich das auch hier. “Ich hab Polizei” kommt gefällig daher. Es ist wertig produziert, gelungen (im Kontext einer Rap-Parodie) getextet und hat mir oberflächlich durchaus auch ein bisschen gefallen. Aber. Und das ist jetzt ein bisschen schwierig, denn es ist ja kein Zufall, dass Böhmermann es geschafft hat, sich als knallharter Anarcho und subversiver Systemkritiker bekannt zu machen. Er thematisiert in seinem Video zum Beispiel Polizeigewalt, grundrechtswidrige Überwachung und Militarisierung der Polizei und bricht damit ironisch die dominante Botschaft “Polizei ist voll viel besser als ihr armen Gangster und auch noch cool dabei, und wir braven Bürgerinnen und Bürger haben die, um uns vor euch zu schützen”. Aber ich finde, das macht es nicht mal viel besser, nur schwerer zu erkennen. Ich glaube, diesen Song könnten sich auch mit breitem Grinsen Leute ansehen, die einen Funkscanner zu Hause haben, und die Wände und den Facebook-Stream voll mit Bildern von cool posierenden SEKs und neuen schnellen Einsatzfahrzeugen und so, und könnten begeistert dazu nicken, und sie würden ihn dabei nicht mal völlig missverstehen.

Die Kritik am Versagen des Systems ist angedeutet, aber nicht vollzogen. Sie muss im Gesamtkontext meines Erachtens nicht mal unbedingt als echte Kritik gelesen werden, sondern kommt bei mir eher als “Na gut, das ist vielleicht nicht ganz in Ordnung, eigentlich, aber andererseits doch auch gut, wenn diese Armleuchter so richtig einen auf die Fresse kriegen, oder?” an. Was bei mir als ganz dominante und zwar wie gesagt lustig gebrochene, aber unwiderrufene Hauptaussage stehen bleibt, ist “Wir haben die Polizei, um uns zu beschützen, und das ist super, und cool, und dagegen haben Gangster keine Chance”.

Das wirkt vielleicht ein bisschen unfair aus Sicht von jemandem, der Böhmermann besser kennt und lieber mag als ich. Ich will zugeben, dass dieses Video ambivalent ist und mehrere Deutungen zulässt, darunter auch eine durchaus polizeikritische, oder vielleicht sogar eine, die sich über den vorgeblich dominanten Inhalt lustig macht. Oder meinetwegen auch eine, die gar nichts so richtig über die Polizei sagen will, sondern nur Rapper wie Haftbefehl auf die Schippe nehmen, was ja sogar unbestreitbar ein ehrenvolles Anliegen wäre, wenn auch kein sehr herausforderndes. Aber zumindest bei mir kommt es völlig anders an, gerade zum Schluss, wenn in dieser schönen Montage ganz viele normale Bürger wie die alte Dame mit dem Rollator selbstbewusst nicken dürfen zum Refrain “Ich hab Polizei”, vor dem Abschluss “Polizei ist dein Feind – Polizei ist mein Helfer”, zu dem dieselbe alte Dame noch mal die Faust ballen darf, in einem Bild, das für mich unmissverständlich vermittelt, dass auch die Schwachen stark sein können, weil und wenn sie eben diesen starken Helfer haben.

Und dann finde ich, müssen wir schließlich noch bedenken, dass dieses “Jo, Polizei ist cool und viel stärker als Verbrechen und beschützt uns, jo!”-Video eben nicht von einem crowdgesourceten Indie-Anarcho-Team gemacht wurde, sondern vom ZDF, von einem Sender, der sich durch Zwangsgebühren finanziert und dessen angebliche Staatsferne und ihre praktische Umsetzung mehrere eigene Blogbeiträge füllen würde, die ich hier der Übersichtlichkeit halber mal sicherlich konsensfähig als zumindest zweifelhaft bezeichnen will. In meinen Augen bekommt es damit noch mal einen besonders unerfreulichen Beigeschmack.

Das führt mich zu dem Ergebnis, dass es nicht nur an meinen Vorurteilen gegen Herrn Böhmermann liegt, wenn ich dieses Video dann doch nicht so mag, und ein bisschen problematisch finde, und mir wünschte, es wäre anders gemacht, zum Beispiel mit echter Kritik an den Problemen des Systems und nicht nur einem augenzwinkernden “Ja gut, manchmal schlagen sie ein bisschen über die Stränge”. Das ist nämlich nicht nur extrem uncool, sondern in meinen Augen aus demselben Grund unschön wie das ganze System Böhmermann: Man darf sich für bitterböse kritisch halten, obwohl man in Wahrheit nur im Takt mitnickt.

Ach ja, fast vergessen: Verflixt noch mal, wenn man lustig und anders sein will, muss man dann wirklich noch die laszive Stripper-Polizistin aus der Klamottenkiste kramen? Fällt einem da echt nichts Besseres ein? Ist es eine Parodie auf Sexismus im Gangster-Rap, wenn man ihm eigenen Sexismus entgegensetzt?

Oder was meint ihr?


Sie sind Helden.

2. Oktober 2015

Reiner Burger erzählt uns für die FAZ was von den

Helden der Leitkultur,

und er bemüht dafür (bewusst oder unbewusst, das kann ich nicht beurteilen, und traue mir auch keine Einschätzung zu, was ich trauriger fände) denselben ollen Kniff, den … sagen wir mal: konservativ eingestellte Teilnehmende in solcherlei Debatte gerne bemühen, wenn sogar sie selbst eigentlich mitgekriegt haben, dass ihre Ideen Mist sind: Sie geben sie natürlich nicht offen auf, sondern sie lockern die Definition der dafür verwendeten Begriffe so weit auf, dass vom Space Shuttle bis zum Flugzeugträger alles reinpasst, konstatieren, dass doch in den Begriff, von dem sie seit Jahren reden, alles reinpasst, was auch die anderen gerne hätten, und schlussfolgern dann, dass sie doch schon immer recht hatten, um sich mehr oder weniger offen hämisch freuen zu können, dass das jetzt sogar die anderen endlich einzusehen beginnen. Das “sogar” ist wichtig, denn es kennzeichnet das enorme Ausmaß des eigenen Triumphes.

Sogar politische Wunder sind dann und wann möglich. Gerade macht die Linke ihren Frieden mit der „Leitkultur“. Nach nur 15 Jahren!

Unfassbar, oder? 15 Jahre mussten Helden wie Herr Burger für die doch so wunderbare Idee der Leitkultur kämpfen, bevor endlich die gottverdammte Linke ihren Frieden damit macht.

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Fischen im Drüben

27. September 2015

Ich weiß ja, dass es eine ziemlich abgenutzte Technik ist, den großen Zeitungsverlagen ihr ständiges Herumreiten darauf vorzuhalten, wie unverzichtbar bedeutsam ihre gründlich recherchierten und professionell nicht nur auf Faktizität, sondern auch auf Ethik und Stil abgeklopften Meldungen für den Fortbestand unserer Gesellschaft sind, wenn sie mal wieder irgendeinen Stuss unkritisch in die Welt tröten. Aber andererseits, was soll man denn sonst machen?

Die SZ hat da also eine Reportage über die “Heilertage am Chiemsee” schreiben lassen, unter dem Titel

Trost aus der esoterischen Parallelwelt

Wie dieser Titel schon andeutet, ist der Tenor dieses Artikels auch in vieler Hinsicht gar nicht so schlimm. Der Verfasser Jan Stremmel hat aufgeschrieben, dass die Leute da ein bisschen alternativ sind, aber nicht so alternativ, wie man vielleicht denken würde, dass es oft nur darum geht, bestätigt zu kriegen, was man eh schon zu wissen dachte, und jemanden zu haben, die einem zuhört, weil Ärzte dafür oft keine Zeit haben, und so. Er hat durchaus eine gewisse Distanz zu seinem Gegenstand, oder tut zumindest so.

Aber das ist eben nicht alles. Zeitungen wie die SZ haben sich nun einmal selbst diese enorme Verantwortung als vierte Gewalt aufgeladen, und auch unabhängig von dieser speziell erhöhten Messlatte macht die hier exemplifizierte, aber meiner Erfahrung nach verbreitete Wurstigkeit gegenüber der Wahrheit mich so wütend, dass die Frequenz der Posts hier sich allmählich schon fast wieder alten Zeiten nähert. Aber keine Sorge, ich beruhige mich auch wieder.

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Ich verstehe ja die Versuchung.

24. September 2015

Wir haben wahrscheinlich jeden Tag und ziemlich ununterbrochen diesen nagenden Verdacht, was Besseres zu sein. Dieses drängende Gefühl, dass die Welt so viel besser wäre, wenn mehr Leute so wären wie wir. Diesen zunehmend begründeten Eindruck, dass andere Menschen irgendwie … weniger sind als wir selbst. Schlechter. Minderwertig.

Nun leben wir in einer Gesellschaft, in der wir zu unserem ständigen Verdruss dieses Gefühl nicht so gut äußern können, weil sich in großen Teilen der Öffentlichkeit die Überzeugung durchgesetzt hat, alle Menschen seien ungefähr gleich viel wert, oder man solle das zumindest nicht offen sagen, wenn man es anders sehe.

Deswegen ist selbstverständlich die Freude groß, wenn wir nun doch wieder eine Gruppe ausgemacht haben, die man wieder ohne Missbilligung anderer als Untermenschen sehen und wüst beschimpfen darf, einfach weil sie dümmer, hässlicher, ärmer, weniger gebildet und natürlich auch weniger fleißig, eben offensichtlich rundum weniger sind als wir selbst. Schlechter. Minderwertig, halt.

Und mal ehrlich, wer könnte solche Ansichten missbilligen, solange es gegen Nazis geht?

Eben.

Und so passiert es dann zum Beispiel, dass man in ein ehemals irgendwie linkes und bedeutsames und, weiß nicht, im Großen und Ganzen menschenrechtlich orientiertes Magazin wie den Spiegel offenbar schreiben darf, dass es ganz gut so ist, dass solches Pack, das wahrscheinlich nicht mal über einen Schulabschluss verfügt, deshalb weniger gut die deutsche Sprache beherrscht als wir selbst und bestimmt auch nur ganz miese Jobs hat, wenn überhaupt, nicht nur ausgegrenzt und benachteiligt werden darf, sondern sogar muss, wenn wir die Zivilisation erhalten wollen, wie wir sie kennen.

Und … Ja, völlig klar. Leute, die Asylunterkünfte anzünden und Menschen wirklich angreifen und verletzen, sind kurzfristig die größere Bedrohung, und sogar diesseits körperlicher Gewalt ist die Gegenseite auch ausgesprochen eklig, aber …

Ich bin mir manchmal nicht mehr ganz sicher, was mir mehr Sorgen bereitet, und wofür ich mich mehr schäme.


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