Klassenfeindclown

13. April 2014

Die Zeit der Familienfernsehabende ist vorbei. Und die Zeit der harmlosen Wetten auch. Gewettet wird heute nicht im Fernsehstudio auf kleine Kunststücke, sondern an den Finanzmärkten auf den Kollaps von Staaten. Topp, die Wette gilt!

schreibt Michael Hanfeld in der FAZ [via Altpapier, denn freiwillige lese ich Hanfelds Kram nicht], und ich fand diese Idee gleich auf Anhieb so charmant, dass ich gerne eine entsprechende Show für euch pitchen möchte. Ein angemessener Sendeplatz wird ja demnächst frei, wenn ich alles richtig verstehe. Ob die Sendung dann tatsächlich unter dem obigen Arbeitstitel erscheint, oder unter einem ZDF-zielgruppentauglicheren wie “Spekulieren, dass..?” oder ganz kuschelig “Unser Ulli”, würde ich den verantwortlichen Gremienkonferenzvorsitzendenkonferenzvorsitzendenassistentenstelldicheinschriftführern überlassen, oder gerne auch jemand anderem, falls die Gremienkonferenzvorsitzendenkonferenzvorsitzendenassistentenstelldicheinschriftführer dafür gar nicht zuständig sein sollten.

Zur Sache:

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Wie wir sie kennen, Zug 5

13. April 2014

Ich komme zurzeit aus dem Umentschuldigungbitten nicht so richtig raus, ne? Aber ist ja auch ein sympathischer Zug, sagt man. Ich glaub, ich komm damit klar. Und zumindest hier gelobe ich auch konkret Besserung, nicht nur Bemühen. Wir (im Sinne von im Wesentlichen ich) haben unser Rollenspiel in den letzten Monaten sehr vernachlässigt, aber es ist immerhin nie ganz eingeschlafen, auch wenn davon wenig nach außen durchgedrungen ist. Aber jetzt habe ich immerhin ein neues Kapitel für euch, und gelobe auch das nächste spätestens bis Ende Mai, falls nicht noch große Katastrophen stattfinden. Das mag nicht so besonders beeindruckend klingen, als Gelöbnis, aber wenn ihr bedenkt, dass das letzte Kapitel (das ihr vielleicht noch mal lesen wollte, um euch in Erinnerung zu rufen, was zuletzt passiert ist) ziemlich genau ein halbes Jahr zurück liegt, dann ist es eine dramatische Verbesserung gegenüber dem bisherigen Verfahren. Und wenn ihr mich fragt, dann sage ich zumindest immer noch, dass die Qualität und der inhaltliche Unterhaltungswert der ganzen Sache nach wie vor ganz ganz exquisit ist und mich insbesondere auch die schriftstellerische/rollenspielerische Leistung meiner Mitspielerinnen immer wieder beeindruckt.

Ich hoffe, ihr wisst das zu schätzen.

Undankbares Pack.

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Google, wie die SZ sich’s wünscht

4. April 2014

Offenbar hat Google mit Unterstützung von Unitimedia Kabel BW, diversen Bildungsministerien und einer EU-Initiative eine Broschüre herausgebracht, mit deren Hilfe Jugendliche sich mit ihren eigenen Fertigkeiten und Rechten im Umgang mit dem Internet und Dings auseinandersetzen sollen.

Das kann man kritisieren. Wahrscheinlich sollte man das sogar, irgendwie. Ich bin mir zum Beispiel auch nicht sicher, wie angemessen ich es finde, dass staatliche Stellen so etwas in Kooperation mit privaten Unternehmen tun, die eigene Vorstellungen davon haben, wie Jugendliche mit dem Internet umgehen und von ihm und ihnen denken sollen. Und generell bin ich natürlich immer dafür, dass man Dinge infrage stellt, die andere einem erzählen, ganz gleich, ob sie nun die Interessen von Google, eines Ministeriums, oder eines EU-Organs vertreten.

Die SZ hat diese Gelegenheit gesehen und sich entschieden, sie nicht nur zu nutzen, sondern sich dabei auch gleich nach Kräften des bisschens Respekt und Sympathie zu entkleiden, das sie zum Beispiel bei mir manchmal als gefühlt immerhin vertrauenswürdigste Tageszeitung Deutschlands noch genießt.

Wir wissen ja, wie die deutschen Zeitungsverlage zu Google stehen. Nämlich ungefähr so:

Und da kann man es ihnen einerseits nicht verdenken, dass es ihnen schwerfällt, halbwegs sachlich über Google zu berichten, so wie ich zum Beispiel auch verstehen kann, dass es meinem Vater schwerfiel, halbwegs sachlich über meine Mutter zu sprechen. Andererseits … Also, mein Vater erzählte immer diesen Witz von Friedrich II., der die Ausstellung eines Malers besuchte, und diesen darauf hinwies, dass in seinen Bildern ja alles blau sei. Auf die Erläuterung des Malers: “Majestät, ich sehe das so”, erwiderte der König: “Ach, da hättense keen Maler werden dürfe.” Oder so.

Wovon rede ich eigentlich? Die SZ schreibt in ihrem Teaser:

vorgestellt hat den Leitfaden der Konzern Google – darum gibt es auf die Frage nach Datenschutz wohl keine Antwort.

und impliziert damit für mich ganz eindeutig, dass die Broschüre das Thema Datenschutz schamhaft verschweigt, weil Google nicht will, dass Jugendliche sich darum Gedanken machen. Der Text bestätigt diese Interpretation:

 “Auf die Frage nach Datenschutz hat die Broschüre aber keine Antwort”, sagt Stephan Groschwitz von der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend. Das klingt schon ganz anders. Eher so, als mache es die Broschüre vor allem ihrem Financier leicht: Google selbst.

Ich finde, das sind schon relativ klare Vorwürfe, die sich zwar ein bisschen in unscharfen Formulierungen und unentschlossenem Rumgedruckse verstecken, aber mir nicht weniger dummdreist erscheinen, wenn man bedenkt, dass die SZ im letzten Drittel ihres Artikels selbst die Erklärung liefert:

Die Broschüre hat überhaupt keine Antworten. Sie enthält Fragen, und Übungen, und Vorschläge zum Nachdenken, wie:

Glaubst du, dass es in der heutigen Zeit noch möglich ist, anonym zu bleiben? Wie behältst du die Kontrolle über die Inhalte, die du oder deine Freunde online stellen? Welche Fotos lädst du hoch und welche deiner Freunde markierst du?

Zu keinem Themenkomplex liefert sie fertige Antworten. Weder zum Thema Copyright, noch Identity, noch Information/knowledge, noch Privacy, dem aber immerhin sieben von 50 Seiten der Broschüre gewidmet sind.

Natürlich ließe sich auch hier wieder darüber diskutieren, wie die Broschüre die Fragen formuliert, wie mit den Problemen umgeht, und was der richtige Weg wäre, Jugendliche darüber zu informieren und zum Nachdenken anzuregen. Das wäre angemessen und nützlich.

Keins von beidem ist es aber in meinen Augen, mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten niederträchtige Absichten zu insinuieren, jeglichen Beleg für diese Unterstellungen zu verweigern und dann zum Schluss noch mal genau so unfundiert zu unken:

Andererseits könnte dieser Ansatz auch Strategie sein: Indem die Broschüre nur Fragen stellt, geht Google Antworten zur eigenen Datensammel-Praxis aus dem Weg.

Und wie das halt bei Unterstellungen im Konjunktiv so ist: Klar. Das könnte sein. Aber wie das halt bei öffentlichen Unterstellungen so ist: Auch wenn ich sie im Konjunktiv formuliere, sollte ich sie irgendwie belegen, wenn ich mich nicht selbst dem Verdacht aussetzen will, mit ruchlosen Absichten zu arbeiten. Googles Broschüre schlägt ja schließlich immerhin die Auseinandersetzung vor mit Konzepten wie:

Und vor diesem Hintergrund würde ich es schon für angemessen halten, dass der SZ-Autor Andreas Glas klar (Pun not intended, ich schwör!) sagt, wo genau Google seiner Meinung nach beim Thema Datenschutz unsauber gearbeitet hat und was genau er dem Konzern und/oder der Broschüre vorwirft.

Dass er das nicht tut, sondern sich stattdessen entschlossen hat, vage irgendwas zu vermuten und zu hoffen, dass seine Leser sein dumpfes Ressentiment schon irgendwie teilen werden, ist genau die Art von Desinformation und haltloser öffentlicher Diffamierung anderer, die es Leuten wie mir verleiden, Geld für die selbst ernannte Qualitätspresse auszugeben, obwohl wir an und für sich sowohl die Mittel als auch das Interesse hätten, uns von jemandem informieren zu lassen, der seinen Job versteht, und ihn halbwegs vertrauenswürdig zu erledigen versucht.

Schade eigentlich, oder?


Murielistan

1. April 2014

Ich wurde ja verschiedentlich schon mal gebeten, nicht immer nur zu sagen, was ich an unserem heutigen Gesellschaftssystem doof finde, sondern einfach mal zu erklären, wie ich mir eine Gesellschaft wünsche. Nicht immer nur, welche Regeln ich doof und illegitim finde, sondern welche ich für angemessen halte, und warum, und wie ich das alles organisieren würde. Zuletzt zum Beispiel hat Onkel Maike, bevor sie mir den Dialog aufkündigte und meine letzten Kommentare löschte, mich hier um eine Erläuterung gebeten. Und weil erstens solche Dinge mir natürlich schon zu denken geben und ich zugeben muss, dass es nicht okay ist, nur rumzunörgeln, ohne zu wissen, wie es besser geht, und weil zweitens hier jetzt echt unangemessen lange kein Beitrag mehr erschienen ist, und ich gerne sicher gehen möchte, dass sich niemand Sorgen um mich micht, und so, dachte ich, ich packe das jetzt endlich mal an und erkläre euch, wie ich diese politischen Systemfragen gerne beantwortet hätten würde.

Nämlich so:

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Even Cops Call 911

11. März 2014

(Ja, ich weiß natürlich, dass archäologische Notgrabungen eigentlich nichts besonders Lustiges sind und offenbar sogar den Großteil der heute in Deutschland stattfindenden Grabungen ausmachen, aber der Begriff klingt halt so schön albern, dass ich meine Assoziationskette nicht mehr ganz unter Kontrolle halten konnte.)

Neulich in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Einige Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Einige weitere Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Am selben Tag, einige Stunden später in der archäologischen Notrufzentrale:

Klick.

[Einige Minuten Pause.]

„Ja.

[..]

Hallo.“

[…]

Am nächsten Tag in der archäologischen Notrufzentrale:

„Hier ist die archäologische Notrufzentrale.

[Einige Stunden später.]

Was können wir denn für Sie tun?“

[…]

„Oh.

[…]

Oh ja.“

Am nächsten Tag in der archäologischen Notrufzentrale:

„Das klingt wirklich nach einem Notfall.“

Einige Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

„Wo befindet sich denn der Ausgrabungsnotfall?“

[…]

„Ah. Danke.“

[Einige Stunden später]

„Das Wichtigste ist dass Sie jetzt Ruhe bewahren. Wir rechnen damit, dass wir noch in dieser Epoche jemanden zu Ihnen schicken können.“

Einige Legislaturperioden später, am Fundort:

Ein Mobiles Archäologisches Einsatzkommando trifft mit eingeschaltetem Infrarotlicht ein. Der Lautsprecher auf dem Dach knackt in regelmäßigen, sehr langen Abständen.

Der Einsatzleiter führt den Kalendervergleich mit seinem Team durch, springt aus dem Wagen, liest eine Ausgabe des American Journal of Archaeology, trinkt einen Kaffee, packt seinen Laptop aus, schreibt einen Aufsatz über die Bedeutung von Runensteinen in protogermanischen Stammesgemeinschaften und eilt sofort anschließend mit gezogenem Flüssigszintillationsspektrometer auf den Fundort zu.

Ein Bauarbeiter: “Hey, was machen Sie denn hier? Hier ist Helmpflicht. Hey! Sie! Hallo! Nun sagen Sie doch endlich was! Sie da! Ja meine Güte …”

Der Einsatzleiter des Archäologischen Einsatzkommandos: “Keine Bewegung!”

Ein Teammitglied, mit Taschenlampe, hinter ihm: “Schon gut, die sind inzwischen eh alle nach Hause gegangen. Wollen wir denn jetzt loslegen?”

Einsatzleiter: “Nicht so eilig! Sehen Sie die Klinge da drüben?”

Teammitglied: “Nein! Es ist stockfinster.”

Einsatzleiter: “Leuchten Sie doch mal mit der … oh, egal, jetzt ist eh gerade die Sonne aufgegangen. Also, was ich sagen wollte: Der sieht mir doch sehr nach einem Henkerbeil aus.”

Teammitglied: “Verdammt.”

Einsatzleiter: “Schnell! Rufen Sie ein rechtsarchäologisches Notgrabungsteam!”

Teammitglied: “Meinen Sie nicht, dass es dafür zu spät ist?”

Einsatzleiter: “Wieso? Und können Sie bitte die Taschenlampe wieder einschalten, man sieht hier ja …”

Teammitglied: “Naja, in sieben oder acht Monaten ist doch schon wieder Winter, und bei gefrorenem Boden hat das doch hier alles keinen Zweck.”

Einsatzleiter: “Sie haben Recht! Lassen Sie uns … Ähm, hallo? Was ist denn … Wo wollen Sie denn hin?”

Teammitglied: “Ich bin in Rente.”

Einsatzleiter: “Verdammt.”


Angelic Duties (20)

10. März 2014

Just for future reference: Do you like me to go on apologizing for the long delays, or is this about as embarrassing to you as it is to me, and we’d all rather just pretend nothing’s wrong?

And just for your possibly welcome reassurance: This current ebb of activity here is not because something’s wrong. I’m fine, just otherwise occupied, sometimes even pleasantly so, and the final chapters are always the most difficult because I can no longer just fantasize away but need to pull the threads together and lead them all to a more or less satisfactory conclusion, which is, as you might have noticed, not so much my strong suit.

Enjoy!

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balkanisierte Weimarer Kaninchenzüchter

4. März 2014

Es geht bergauf. Letztens musste ich noch Matthias Matussek in Schutz nehmen, heute ist es schon bloß noch das BVerfG. Wer weiß – vielleicht darf ich mich ja demnächst sogar mal wieder auf die Seite von jemandem schlagen, den ich tatsächlich respektiere, und mit dem ich einer Meinung bin, oder so. Das FAZ-Interview von Thomas Thiel mit dem Soziologen Ulrich Beck ist aber andererseits so schlimm blödsinnig, dass ich sogar Hitler dagegen zu verteidigen bereit wäre, wenn es sein müsste. Und der war Vegetarier. Ans Werk also. Worum gehts? Um die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die die Drei-Prozent-Sperrklausel im Europawahlrecht für verfassungswidrig erklärte. Und was hält Ulrich Beck davon?

Ahja. Das war zu befürchten, oder? Experteninterviews sind so. Aber wir haben ja Humor, deswegen schauen wir uns das Elend mal im Detail an:

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