Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt

16. Oktober 2014

Washington. Wie eine geheime Studie des US-Auslandsgeheimdienstes CIA kürzlich enthüllte, führen Versuche, Krisen durch Waffenlieferungen zu beeinflussen, selten zum Erfolg.

In einer ersten Stellungnahme dazu sagte US-Präsident Barack Obama: “Wahrscheinlich geht es besser, wenn wir die Waffen vorher an einer Metallplatte reiben.” Der neben ihm stehende Vizepräsident Joe Biden schüttelte daraufhin heftig den Kopf, verdrehte genervt die Augen und erwiderte: “Nein, Unfug. Das bringt überhaupt nichts! Man muss die Luft anhalten und dreimal trocken schlucken!” Der zufällig ebenfalls anwesende Direktor der CIA, John O. Brennan widersprach: “Quatsch. Unsere Studie zu diesem Thema ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber wir sehen Grund zu der Annahme, dass die aktuellen Krisen in unserem Sinne gelöst werden können, indem wir den Rebellen ein paar Mal heftig auf den Rücken klopfen. Also, bei meiner Oma hat das jedenfalls immer funktioniert.” “Nee!” warf der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff General Martin E. Dempsey ein, der soeben die Bühne betreten hatte. “Das bringt nichts. Ich denke, wir sollten versuchen, sie einmal tüchtig zu erschrecken, oder zum Lachen zu bringen, oder so. Bei meiner Frau hilft das immer!”

Aufgrund der noch bestehenden Uneinigkeit über die weitere Vorgehensweise beschloss die US-Regierung, sich in Bezug auf Maßnahmen zur Krisendeeskalation bis auf Weiteres auf Attentate auf feindliche Regierungschefs und die gezielte Liquidierung terroristischen Führungspersonals zu konzentrieren.


Was unser Leben bislang ausmacht

13. Oktober 2014

ist nach Michael Hanfelds Auffassung anscheinend, dass wir es nicht verstehen.

Na gut. Je nach Interpretation ist da natürlich sogar was dran, und wie so oft, wenn jemand meint, so pathetisch schreiben zu müssen, dass ein Wischmop dem Leser schon nicht mehr reicht, sondern ein Schmalzabscheider großindustrieller Dimensionen benötigt würde, um den Bildschirm jemals wieder ganz sauber zu kriegen, lässt Hanfeld uns jede Menge Spielraum für Interpretation, indem er nämlich nichts Greifbares schreibt, sondern nur Stuss blumig-impressionistisch seine eigenen Emotionen in die Tastatur kippt. Also, mutmaßlich. Vielleicht ist es unfair, Herrn Hanfeld zu unterstellen, was er da geschrieben hat, gebe wirklich sein eigenes Meinen und Sinnen wieder. Vielleicht ist es für ihn ja auch nur ein Job. Ich würde es ihm wünschen.

Äh, wo war ich, der ich vor Kurzem noch über anderer Leute gönnerhaft-herablassenden Stil schimpfte?

Richtig, bei Hanfelds, öh, Artikeldings zu der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier:

Der Mensch als Schöpfung

[gefunden via altpapier, das man gar nicht nachdrücklich genug empfehlen kann]

Was ist daran das Problem? Naja. Das gleiche wie eigentlich immer, wenn die FAZ zu diesem Thema schreibt: Natürlich ist Kritik an der Arbeitsweise von Google und Amazon und eBay und Paypal und Facebook nötig, wichtig, nützlich. Natürlich tun die schlimme Dinge, und natürlich wünsche auch ich mir, dass wir als Gesellschaft drüber diskutieren, wie wirs besser machen können.

Aber nicht jedes larmoyante Zetern ist Kritik, und bedeutungsschwangeres, aber inhaltsleeres Raunen über finstere Bedrohungen ist kein Beitrag zu einer konstruktiven Diskussion. Und was mich persönlich halt auch immer mehr ärgert:

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Mein Brief ans Ende der Welt

12. Oktober 2014

Die meisten von euch sollten eigentlich mitbekommen haben, dass drüben bei Frau Quadratmeter ein ganz wunderbarer Wettbewerb lief (und welcher Wettbewerb wäre in den Augen von so einem wie mir nicht ganz wunderbar?), an dem ich zusammen mit zwölf anderen teilgenommen habe. Es ging bei diesem Wettbewerb darum, sich vorzustellen, man wüsste, dass die Welt demnächst endet, zum Beispiel durch einen nahenden Asteroiden, und dann einen Brief zu schreiben, den man dann halt schreiben würde.

Weil ich mir vorstellen kann, dass einige von euch nicht genug Interesse aufbrachten, drüben vorbeizuschauen, und weil ich zum Komplettismus neige, veröffentliche ich meinen Brief nun auch hier.

Er ging natürlich an Lionel Souque:

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Wie Franz Müntefering auf die Idee mit der Drogenpflicht kam

11. Oktober 2014

Es sind ganz viele Menschen, die werden mit Drogenabhängigkeit geboren,
manche werden im Verlauf des Lebens abhängig.
Wer sagt, ich will kein verdammter Junky werden,
der trifft ja die abhängigen Menschen auch,
der erhebt sich auf eine Art und Weise, die ich nicht akzeptiere.

Alles Leben ist gleich viel wert.
Das ist unser Grundgesetz, und darauf verlasse ich mich, dass das so ist.
Auch die Menschen, die drogenabhängig sind,
sind Menschen,
und sie sind gleich viel wert.

Und wenn wir in einem Staat leben,
in dem wir letztlich Gesetze machen würden,
in denen klar ist, dass jeder, wenn er denn will, jederzeit aufhören kann,
unabhängig, ob er dafür einen Grund hat, ja oder nein,
dann wär’ das ein Land, das ich nicht nicht gut fände, und deshalb kämpfe ich dagegen.

Ich sage: Nein, es muss klar sein, dass alle gleich viel wert sind
und die, die so besoffen sind,
dass sie kaum noch krabbeln können,
was sollen die denn denken,
wenn einer sagt:
Ich nehm keine Drogen, weil ich nicht so sein will wie ihr?
Das kann’s nicht sein, und deshalb streite ich dagegen.


Das Fremde kommt einem immer so fremd vor

10. Oktober 2014

Natürlich lässt die Kritik an einer Sache sich nicht mit dem Hinweis entkräften, eine andere Sache sei ja auch nicht besser. Aber wenn jemand schon recht deutlich schreibt “Wir habens doch geschafft, warum können die das denn nicht auch?”, dann darf man ihn in meinen Augen darauf hinweisen, dass er gewisse Dinge im Vertrauten völlig okay findet, die ihm am Fremden mordsbedenklich vorkommen, insbesondere dann, wenn die Forderungen, die er aufstellt, ohnehin schon nicht besonders viel Sinn ergeben.

Und deshalb schreibe ich diesen Post über Jochen Bittners Artikel “Wo bleibt ein Imam der 95 Thesen?” auf Zeit.de.

Ich habe also zwei recht unterschiedliche Ansätze von Kritik an Bittners Ausführungen, und der Einfachheit halber handeln wir die mal ganz unoriginell klar getrennt nacheinander ab. Und weil wir ja dafür nun mal irgendeine Reihenfolge brauchen, nehmen wir doch einfach die, die da oben in meinem ersten Absatz mehr oder weniger zufällig schon steht:

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Irritierende Signale

25. September 2014

Gütiger Himmel, wie kann denn, also, wie ist denn, also, haben die denn, also, was zur Hölle qualifiziert denn …

Nee, anders.

Der Ethikrat hat ja kürzlich diese Stellungnahme abgegeben (Dank an onkelmaike für den Hinweis.), in der er sich für eine Abschaffung des Inzestverbotes ausspricht, und weil ich den Ethikrat für eine ziemlich verantwortungs- und ahnungslose Organisation halte, werde ich mich hüten, ihn dafür zu loben, und werde mich nicht mal damit begnügen, die eher missglückte Begründung dieser im Ergebnis berechtigten Forderung zu kritisieren, sondern stattdessen hier für euch die wirklich unfassbare (Es musste zumindest fett sein. Caps-Lock wäre noch besser gewesen, ist mir aber zu Caps-lockig.) Dummheit der Argumentation der neun Ratsmitglieder dokumentieren, die sich dieser Forderung nicht anschließen mochten. Nicht nur aus Missgunst gegenüber diesem armseligen Gremium, sondern auch, weil ich das für mich selbst noch ein bisschen verarbeiten muss, bevor ich wieder ruhig schlafen kann.

Das abweichende Votum erkennt zwar einige der Kritikpunkte der Mehrheit des Rates an, hält sie aber nicht für ausreichend, um das Verbot abzuschaffen, und rechtfertigt das – ihr ahnt es mutmaßlich schon – mit *Trommelwirbel* unser aller Lieblingsfeld aus dem konservativen Bullshitbingo *ansteigender Trommelwirbel*: Dem Schutz der Familie!

Kurze Pause, für alle, die kurz noch ihre Zähne aus der Tischkante hebeln müssen, bevor sie weiter lesen.

Eine wesentliche Aufgabe von Familie ist es, eine Lebensform für verlässliche Beziehungen zwischen Generationen und Geschlechtern zu konstituieren und zu gestalten. Die Erfüllung dieser Aufgabe wiederum ist Voraussetzung für die Realisierung bestimmter familialer „Leistungen“, insbesondere der Herausbildung von individueller und kollektiver Identität. Die inneren familialen Beziehungen werden spezifisch geprägt durch Elemente der Reziprozität oder Komplementarität, aber auch durch den Grad an Intimität. Die jeweiligen „Beziehungsgeschichten“ sind gekoppelt mit unterschiedlichen Rollen und Funktionen. Inzest bedeutet nun eine Rollenverdoppelung und zugleich eine „Fragmentierung familiärer Strukturen“. Damit aber werden die Geltungsbedingungen der – vorstehend skizzierten – familialen Aufgaben- beziehungsweise Leistungserfüllung fundamental infrage gestellt. Diese Gefahr abzuwehren, ist zentrales Anliegen der Strafvorschrift des § 173 StGB.

Oder in deutlich: Diese neun Personen sind der Meinung, die Mitglieder einer Familie haben für einander bestimmte Leistungen zu erbringen. Sie finden weiterhin, dass, wenn wir uns in gegenseitigem Einvernehmen aus freien Stücken dafür entscheiden, darüber hinaus noch eine ganz bestimmte weitere Leistung füreinander zu erbringen, es ihnen daraufhin zusteht, uns dafür zu bestrafen, weil sie die nicht näher begründete Sorge tragen, dass das erstens die Erbringung der von ihnen gewünschten Leistungen erschwert und zweitens ihre eigene Vorstellung dieser Leistungen und der uns von ihnen zugedachten Rollen infrage stellt. Oder noch mal anders: Sie hätten gerne eine Gesellschaft, in der der Staat uns bestimmte Rollen zuweist und uns bestraft, wenn wir sie nicht so spielen, wie er sie gerne hätte.

So weit, so wahnsinnig. Allerdings nicht wahnsinnig genug für unsere tollkühnen Neun, denn die erkennen im Übrigen an, dass § 173 StGB gar nicht macht, was sie bezwecken, weil er zum Beispiel gar nicht wirklich Familienverhältnisse regelt, sondern nur Blutsverwandschaft, ganz unabhängig davon, ob innerhalb oder außerhalb einer Familienstruktur, und darüber hinaus auch keineswegs die Rollenverdoppelung oder Fragmentierung familiärer Strukturen, was immer genau das ist, untersagt, sondern lediglich vaginalen Geschlechtsverkehr. Das ist auch so eine Sache, die man gar nicht genug betonen kann: Homosexuelle Handlungen werden durch diese Vorschrift genausowenig erfasst wie zum Beispiel Analsex, oder eben jegliche Handlung außer der Penetration einer Vagina durch einen Penis.

Oder in deutlich: Die Strafvorschrift ist evident ungeeignet, das von ihnen angestrebte (schreiend illegitime) Ziel zu erreichen, aber das ist ihnen egal, oder in ihren eigenen Worten:

Zwar vermag § 173 StGB insoweit aufgrund seiner Textfassung keine Schutzwirkung zu entfalten; doch lässt dies seine Schutzfunktion im Übrigen unberührt. Die fragmentarische Tatbestandsfassung erlaubt jedenfalls nicht den Schluss, § 173 StGB sei auf den Familienschutz gar nicht zugeschnitten.

Falls jemand raten will, wie das abweichende Votum diese These begründet, schreibe ich sie hier die Antwort mal so hin, dass ihr sie erst lesen könnt, wenn ihr sie mit dem Cursor markiert, sodass ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr euch spoilern lassen wollt: Gar nicht.

Und das ist es. Im Wesentlichen. Natürlich kommt danach noch ein bisschen Text, in dem die tollkühnen Neun versuchen, uns zu erklären, dass sie ja schon einsehen, dass es Einzelfälle gibt, in denen Inzest echt niemandem schadet und völlig okay wäre, dass das dann aber trotzdem schadet und nicht okay ist, weil diese Einzelfälle dann ja das Prinzip aufweichen würden, dass Inzest schadet und nicht okay ist, und dass außerdem ja ohne Inzestverbot ein wichtiges Signal dafür fehlt, dass Inzest verboten ist, und so.

Aber eigentlich ist es das. Mehr haben die nicht.

Da ist also dieses Gremium, das von unserem Bundestag per Gesetz eingerichtet wurde, um als unabhängiger Sachverständigenrat unter anderem die Öffentlichkeit zu informieren sowie Stellungnahmen und Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln zu erarbeiten, und wir wissen jetzt schon mal, dass der Sachverstand von neun seiner Mitglieder offenbar nicht ausreicht, um diese Argumentation als den grässlichen Bullshit zu erkennen, die sie ist.

Liegt das an mir, oder kommt euch das auch ein bisschen bedenklich vor?


Rape Culture

22. September 2014

Überschaubare Relevanz ist nicht tot. Es schläft nur zurzeit relativ viel. Das hat zahlreiche Gründe, aber ich schwöre, dass einer von denen auch darin besteht, dass mir zurzeit nicht so besonders viel über den Weg läuft, was genug Fleisch für einen Post hier abzuwerfen verspricht, und dann kennt ihr vielleicht auch diesen Mechanismus, dass Dinge, die man länger nicht mehr gemacht hat, einem zunehmend weniger naheliegend vorkommen, was dazu führt, dass man sie immer seltener macht, und … hm. Ich hoffe, mein Blog stirbt nicht. Es wäre nicht das erste, dessen letztes Dutzend Beiträge zu zwei Dritteln aus Entschuldigung dafür bestehen, dass so selten Beiträge erscheinen, und dass sie, wenn sie dann mal erscheinen, zu zwei Dritteln aus Entschuldigung dafür bestehen, dass so selten Beiträge erscheinen, und …

Überschaubare Relevanz ist nicht tot. Es schläft nur zurzeit relativ viel. Und weil das unter anderem daran liegt, dass mich gerade keine aktuellen Themen ansprechen, bis auf die Netzneutralitätsdiskussion vielleicht, aber die ist mir gerade wiederum zu mühselig, und außerdem hab ich dazu schon was geschrieben, dem ich bis auf Weiteres nichts hinzuzufügen habe, schreib ich halt zu einem nicht so oder sagen wir: schon sehr lange aktuellen Thema. Na gut, doch, ein bisschen was hätte ich schon hinzuzufügen, nämlich dass ich natürlich einsehe, dass das Netz mit staatlichen Mitteln gebaut wurde, und nun mal da ist, und die staatliche Regulierung dieses Netztes deshalb zumindest innerhalb der Staatsdoktrinen nicht ganz so abwegig ist, wie ich es dargestellt habe. Aber das will ich hier nicht hinschreiben, weil der Einstieg in diesen Beitrag ohnehin schon viel zu unübersichtlich und lang ist und eine unvoreingenommene Leserin allmählich auf die Idee kommen könnte, ich hätte den Titel da oben nur gewählt, um euch zu ködern, mein gedankenstrommäanderndes selbstrefenzielles Gefasel zu begleiten, das in Wahrheit gar nichts mit Rape Culture zu tun hat.

Weit gefehlt!

In diesem Beitrag geht es nämlich doch um Rape Culture. Nur nicht sofort. Er ist also, wenn ihr so wollt, ein Beleg dafür, dass man sich auch in diesem Internet noch Zeit nehmen kann, um Ideen zu entwickeln, und dass auch Blogger und Bloggerinnen noch mit Geduld und Liebe ihre Gedanken -

Ja, ja, ich komm jetzt zur Sache, schon gut.

Rape Culture also. Das ist so ein Begriff, mit dem ich schon lange nicht einverstanden bin, zu dem ich aber unter anderem deshalb nie was geschrieben habe, weil ich gerne den Eindruck vermeiden will, zu den Leuten zu gehören, die ihn typischerweise angreifen. Aber ich finde ihn wirklich verfehlt, weil er meines Erachtens die Verständigung eher erschwert, als sie zu erleichtern

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