A propos fundamentales Missverständnis

9. Februar 2016

The Daily Beast hat mit Joel und Ethan Coen gesprochen, über #OscarsSoWhite und so. Ich mag die Filme der beiden, meistens zumindest. Zumindest so, dass ich ihnen erheblich mehr zugetraut hätte als das Lehrstück an Ignoranz, das dabei herausgekommen ist.

Oscar-winning duo Joel and Ethan Coen let out matching bemused groans at the mention of the hot-button #OscarsSoWhite controversy […]

“[That’s] assigning way too much importance to the awards,” said Joel

Genau. Wenn das mal keine valide Reaktion darauf ist, dass Leute finden, dass die Academy Awards nicht genug Repräsentanz für nicht privilegierte Gruppen (Ich bin gerade zu faul, einen treffenderen Sammelbegriff zu bilden.) bieten, dann weiß ich auch nicht. Ist doch egal, stellt euch nicht so an. Wir als erfolgreiche weiße Filmemacher finden, dass ihr das überdramatisiert.

Ja gut, kann man jetzt sagen. Einem einzigen Satz solltest du nicht so viel Gewicht beimessen. Vielleicht ist das halt ein Steckenpferd von Joel Coen, dass ihm auf den Geist geht, wie wichtig Leute die Awards nehmen, obwohl Awards ja nun mal doof sind, und das sind sie doch sogar wirklich, oder? Und sein Bruder sagt doch sogar: “Diversity’s important“, und das zeigt doch, dass sies doch verstanden haben, oder nicht?

Ja gut, müsste ich dann sagen. Aber zum Glück geht das Gespräch noch weiter, und wird noch … Je nach dem, wie mans sieht, besser oder schlimmer: Die Interviewerin fragt nämlich auch noch, warum der aktuelle Film der beiden Brüder, Hail Caesar, nicht mehr Charaktere enthält, die Minderheiten angehören. Und auch hier wieder könnte man vermuten, dass Joel direkt aus dem “Wie mans nicht macht”-Handbuch vorliest:

“Why would there be?” countered Joel Coen. “I don’t understand the question. […] Not why people want more diversity—why they would single out a particular movie and say, ‘Why aren’t there black or Chinese or Martians in this movie? What’s going on?’ That’s the question I don’t understand. The person who asks that question has to come in the room and explain it to me. […] It’s a fundamental misunderstanding of how stories are written. So you have to start there and say, ‘You don’t know what you’re talking about. […] You don’t sit down and write a story and say, ‘I’m going to write a story that involves four black people, three Jews, and a dog,’—right? That’s not how stories get written. If you don’t understand that, you don’t understand anything about how stories get written and you don’t realize that the question you’re asking is idiotic.

Und das ist halt der Punkt, an dem wir nicht mehr um die Erkenntnis herum kommen, dass Joel und Ethan – er pflichtet seinem Bruder zwischendrin bei – nicht die Leute sind, mit denen man über sowas reden sollte, wenn man nicht wie ich perfekte Beispiel für schauderhaften Bullshit sucht, um anschließend drüber zu schimpfen.

Außerdem ist das vielleicht der Punkt, an dem wir die Interviewerin wirklich ernsthaft dafür bewundern, dass sie noch weiter mit den beiden redet. Aber wir wollen uns nicht ablenken lassen.

Denn Joel Coen demonstriert mit seiner Antwort erschütternderweise nicht nur, dass er auch keine Ahnung davon hat, wie Geschichten geschrieben werden. Das ist übrigens nicht so überraschend, wie man meinen sollte, denn man kann nun mal großartige Kunstwerke erschaffen, ohne sich drüber im Klaren zu sein, wie. Ich kann auch nicht komplett erklären, wie ich meine Geschichten schreibe. Aber was jedenfalls noch wichtiger ist: Joel Coen demonstriert auch, dass er ganz fundamental nicht versteht, worum es bei der Frage nach Repräsentation geht. Denn genau das, was er sagt, als Beleg dafür, dass es kein Problem gibt, zumindest nicht in seinem Film, genau das ist das Problem.

Warum spielen in meinen Geschichten fast nur weiße, heterosexuelle cis-Männer und -Frauen ohne Migrationshintergrund mit? Liegt das daran, wie Ethan Coen sagt, dass

It’s important to tell the story you’re telling in the right way, which might involve black people or people of whatever heritage or ethnicity—or it might not.

Habe ich mir gründlich überlegt, wie ich meine Geschichten schreibe, und dann entschieden, dass der einzig richtige, der beste Weg zu ihrem stets beeindruckenden Finale über vorrangig privilegierte Bevölkerungsgruppen führt? Oder ist es vielleicht so, dass es mir meistens gar nicht in den Sinn kommt, Charaktere zu schreiben, die Minderheiten angehören, weil der Standard eben für mich weiß, heterosexuell, cis und so weiter ist?

Für mich ist es Letzteres, und ich finde, das macht meine Geschichten … vielleicht nicht mal unbedingt schlechter im Unterhaltungswert, oder vielleicht sogar doch. Aber es ist jedenfalls jedes Mal eine vertane Chance, Minderheiten, die in unserer Gesellschaft immer noch benachteiligt werden, Repräsentation zu bieten, sie ein bisschen normaler zu machen, und die privilegierten Gruppen ein bisschen weniger zum Standard.

Und natürlich kann ich nicht ausschließen, dass Joel und Ethan das ganz anders machen. Vielleicht ist das ja der Grund, dass ihre Geschichten von Millionen von Menschen rezipiert werden, und meine maximal von Dutzenden. Vielleicht prüfen sie wirklich immer ganz gründlich, ob die eine richtige Art, ihre Geschichten zu erzählen, Minderheiten berücksichtigt oder eher nicht, und kommen dann halt immer zu dem Ergebnis, dass diese eine richtige Art Minderheiten eher nicht so sehr berücksichtigt.

Aber ich glaubs halt nicht, und ich denke, wer das anders sieht, muss nur das Interview noch mal lesen.

Oder was denkt ihr?


Have you ever told a lie?

8. Februar 2016

fragt Ray Comfort gerne in seinen Bekehrungsgesprächen. Er fragt das, weil er weiß, dass jede(r) von uns darauf ehrlicherweise mit “Ja, ziemlich oft sogar.” antworten muss. Er fragt das, weil er daraus dann folgert, dass die Person, mit der er redet, ein Lügner ist, oder eine Lügnerin, und deshalb kein guter Mensch sein kann, und deshalb ordentlich Angst vor seinem Gott haben muss, weil er ihn nach seinem (oder ihrem) Tod richten wird.

Wie ich darauf jetzt komme? Ja, das ist so:

Dunja Hayali hat eine Goldene Kamera gewonnen (Sehr schöner Erfahrungsbericht hier.), und in ihrer Dankesrede dazu gibt sie sogar zu erkennen, dass sie Comforts Gambit nicht akzeptiert.

Wir sind Journalisten, wir sind keine Übermenschen. Wir machen Fehler. Deswegen sind wir aber noch lange keine Lügner.

Und natürlich sagt sie auch noch ganz viele andere gute Sachen und wirkt rundum wie eine extrem sympathische und wunderbare Person, aber sie sagt auch etwas, das ich als ein bisschen problematisch empfinde. Sie sagt:

wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt noch mal ein Rassist.

Und … Sie meint das gewiss gut. Und in gewisser Weise ist da auch was dran, und in gewisser Weise ist es vielleicht sogar wichtig, sowas zu sagen. Aber in anderer Hinsicht ist halte ich es eben auch für schwierig.

Denn wir alle äußern uns gelegentlich rassistisch. Das liegt daran, dass wir alle gewisse rassistische Denkmuster, Ideen, Gefühle, und so weiter, internalisiert haben, weil wir gar nicht anders können. Macht uns das alle zu Rassisten, und Rassistinnen? In gewisser Weise ja, und wie gesagt, in gewisser Weise ist es gut, sich daran zu erinnern.

Aber wenn man so etwas in so einem Kontext ohne nähere Erläuterung sagt, dann ist es schwierig. Denn dann klingt es eher wie Ray Comforts Ansatz, der den Unterschied verwischt zwischen Leuten, die gelegentlich mal lügen (wie wir alle), wenn sie mehr oder weniger gute Gründe dafür haben, und Leuten, die gewohnheitsmäßig lügen und denen man deshalb nicht vertrauen kann. Wenn ich jemanden ohne nähere Erläuterung als Rassistin bezeichne, dann drücke ich damit nicht nur aus, dass diese Person mal was Rassistisches gesagt hat, sondern dann drücke ich damit normalerweise aus, dass ich diese Person für so durchdrungen und überzeugt von rassistischem Gedankengut halte, dass … ja, was eigentlich? Vielleicht so: Dass Beiträge von ihr zumindest zu Themen in derartigen Zusammenhängen nicht mehr ernst zu nehmen sind. Vielleicht sogar so, dass ich sie für einen schlechten Menschen halte.

Und deshalb finde ich diesen Satz von Frau Hayali nicht so gut. Weil ich sehr dafür bin, Ideen zu kritisieren, gerne auch hart und direkt, aber eher dagegen, Leute aufgrund einzelner Fehler gleich mit Etiketten zu versehen, die vielleicht gar nicht passen. Weil das auch die Debatte erschwert, denn wenn ich jemanden in einer Diskussion einen Rassisten nenne, dann werde ich damit in der Regel bewirken, dass die Person sich angegriffen fühlt und zumacht, und vergebe damit wahrscheinlich meine Chance, ihr zu erläutern, warum ich, was sie gesagt hat, als rassistisch wahrnehme, und warum das ein Problem ist.

Das Risiko kann man in Kauf nehmen, klar. Aber ich finde, dass es meistens viel wichtiger ist zu klären, ob bestimmte Äußerungen (und Verhaltensweise, und Gedanken, und so weiter) rassistisch sind, oder nicht, und warum, und inwiefern das schädlich sein könnte, als drüber zu streiten, ob bestimmte Menschen dabei schon ein Maß erreicht haben, das ausreicht, um Rassismus zu einem so dominierenden Zug ihrer selbst zu machen, dass wir ihn ihnen als Etikett ankleben dürfen.

Ich finde ein anderes Prinzip eigentlich viel wichtiger:

Wenn Sie sich rassistisch äußern, dann haben Sie sich verdammt noch mal rassistisch geäußert. Ganz egal, ob Sie sich selbst oder irgendjemand sonst Sie generell als Rassistin wahrnehmen.

Oder?


Entgegen weit verbreiteten Vorurteilen spinnen Japaner und Japanerinnen gar nicht selbst. Dafür haben sie Spezialisten. Und Spezialistinnen, nehme ich an. Man sieht das nicht so von Weitem.

24. Januar 2016

Wir waren im Urlaub. Das ist schon eine Weile her, aber ich will euch trotzdem noch davon erzählen. Es war toll. Wir waren in Japan.

Oh. Ihr wollt noch mehr Einzelheiten? Dann müsstet ihr bitte einmal da drauf klicken:

Den Rest des Beitrags lesen »


Because who cares if it’s voluntary, right?

20. Januar 2016

 

What if I’d babysit for you?

Or as some would call it, “kidnapping”

I guess what this world really needs is more euphemisms for the use of violence.

[via wirres.net]


Sometimes it’s OK to steal patients’ wallets

8. Dezember 2015

I have this great idea, you see, and I think I’m going to submit it to Scientific American for publishing, because I suspect it will be just what their readers are expecting of a magazine with a longstanding history of award-winning coverage of advances in science and technology and their impacts on society.

I am about to explain why it’s sometimes okay to steal sick people’s wallets. Groundbreaking, isn’t it? Well, prepare to be impressed:

Ms. V was in her late 20s, and she was chronically ill, shivering and very frightended when she was admitted. Writhing in pain, she was clutching her mother’s hand. She was diagnosed with numerous infections in her liver and lungs.

One morning after rounds, I happened to glance over at Ms. V’s room and saw a woman walk in and inconspicuously put V’s wallet into her own rucksack. The visitor was a thief who had come to steal from the hospital’s patients. To distract them, she usually talked to them for a while, very pleasantly, and conveyed to them a feeling of friendship and care. After her visit, Ms. V told me that the other woman’s visits helped her stand the suffering her disease caused her. She felt comforted and refreshed by the thief’s friendly words and easy humour, she said.

Now, make no mistake: I have to admit that stealing patients’ wallets doesn’t have proven benefits and is widely considered a criminal or even despiccable act in the medical and scientific communities. In other words, perhaps stealing from people isn’t in itself beneficial, but rather the sense of companionship and support stemming from spending time with a sympathetic person.

Interestingly, some patients continue to welcome the thief although they realise her true intention. Ms. I, for example, was a patient of mine who suffered from severe pain as a result of advanced breast cancer. When I asked her why she enjoyed talking to the criminal, she shrugged, saying she enjoyed the company and found that chatting with her provided a refreshing period of rest.

Of course, stealing patients’ wallets has its drawbacks, like the financial cost, which may be borne by the patient, an insurance company, or the hospital, depending on the circumstance. Also, it’s certainly dangerous for a patient to decide to have her wallet stolen at the expense of treatments with proven medical benefits. Luckily, having her wallet stolen didn’t stop Ms. V or Ms. I from undergoing life-saving medical tratment and didn’t prevent this treatment from working.

When I learned later on that Ms. V had died, the news hit me hard, and thinking back to her treatment in our hospital, I hoped that among all her misery, we had managed to ease her suffering through our therapies – criminal or not.

So? What do you think? Great stuff, right? What? You think this kind of nonsense might not be quite up to Scientific American’s standards?

Well, think again.


Ich hab Staatsfernsehen

7. Dezember 2015

Ich hab mir jetzt auch mal dieses Video von Jan Böhmermann angesehen. Dieses neue. Ihr wisst schon. Das, von dem seit November immer mal wieder jemand redet, weil er damit mal eben aus dem Handgelenk den deutschen Gangsterrap beerdigt hat. Das hier:

Und nun ist es so: Ich mag Jan Böhmermann nicht. Und ich fürchte, dafür habe ich nur teilweise gute Gründe. Es ist auch mindestens ein bisschen eine nicht so rationale Hype-Aversion, die es mir zum Beispiel auch schwer macht, Game of Thrones gut zu finden, obwohl ich nicht ernsthaft bestreiten kann, dass es eine in jeder Hinsicht verdammt gut gemachte Fernsehserie ist. Wenn alle irgendwas mögen, muss ich das Problem darin finden. Das ist nicht besonders sympathisch, oft anstrengend, und nicht immer wünschenswert. Na gut, und bei Böhmermann gibt es ja durchaus Leute, die ihn nicht mögen. Ich will mich jetzt nicht als einsamen Streiter für das Wahre und Gute gerieren. Mich hat an ihm jedenfalls immer gestört … Also, einmal ist sein Humor nicht so mein Ding. Ich kann mit ihm nicht viel anfangen, auch unabhängig davon, wie ich inhaltlich zu ihm stehe. Aber das darf ja ruhig so sein. Was mich wirklich stört, ist, dass er es meiner Wahrnehmung nach geschafft hat, sich als Instanz des Punk zu etablieren, als schonungslosen Systemkritiker und bissigen Anarchisten, obwohl er in Wahrheit eigentlich ein ganz braver, staatstragender ZDF-Moderator ist.

So sehe ich das auch hier. “Ich hab Polizei” kommt gefällig daher. Es ist wertig produziert, gelungen (im Kontext einer Rap-Parodie) getextet und hat mir oberflächlich durchaus auch ein bisschen gefallen. Aber. Und das ist jetzt ein bisschen schwierig, denn es ist ja kein Zufall, dass Böhmermann es geschafft hat, sich als knallharter Anarcho und subversiver Systemkritiker bekannt zu machen. Er thematisiert in seinem Video zum Beispiel Polizeigewalt, grundrechtswidrige Überwachung und Militarisierung der Polizei und bricht damit ironisch die dominante Botschaft “Polizei ist voll viel besser als ihr armen Gangster und auch noch cool dabei, und wir braven Bürgerinnen und Bürger haben die, um uns vor euch zu schützen”. Aber ich finde, das macht es nicht mal viel besser, nur schwerer zu erkennen. Ich glaube, diesen Song könnten sich auch mit breitem Grinsen Leute ansehen, die einen Funkscanner zu Hause haben, und die Wände und den Facebook-Stream voll mit Bildern von cool posierenden SEKs und neuen schnellen Einsatzfahrzeugen und so, und könnten begeistert dazu nicken, und sie würden ihn dabei nicht mal völlig missverstehen.

Die Kritik am Versagen des Systems ist angedeutet, aber nicht vollzogen. Sie muss im Gesamtkontext meines Erachtens nicht mal unbedingt als echte Kritik gelesen werden, sondern kommt bei mir eher als “Na gut, das ist vielleicht nicht ganz in Ordnung, eigentlich, aber andererseits doch auch gut, wenn diese Armleuchter so richtig einen auf die Fresse kriegen, oder?” an. Was bei mir als ganz dominante und zwar wie gesagt lustig gebrochene, aber unwiderrufene Hauptaussage stehen bleibt, ist “Wir haben die Polizei, um uns zu beschützen, und das ist super, und cool, und dagegen haben Gangster keine Chance”.

Das wirkt vielleicht ein bisschen unfair aus Sicht von jemandem, der Böhmermann besser kennt und lieber mag als ich. Ich will zugeben, dass dieses Video ambivalent ist und mehrere Deutungen zulässt, darunter auch eine durchaus polizeikritische, oder vielleicht sogar eine, die sich über den vorgeblich dominanten Inhalt lustig macht. Oder meinetwegen auch eine, die gar nichts so richtig über die Polizei sagen will, sondern nur Rapper wie Haftbefehl auf die Schippe nehmen, was ja sogar unbestreitbar ein ehrenvolles Anliegen wäre, wenn auch kein sehr herausforderndes. Aber zumindest bei mir kommt es völlig anders an, gerade zum Schluss, wenn in dieser schönen Montage ganz viele normale Bürger wie die alte Dame mit dem Rollator selbstbewusst nicken dürfen zum Refrain “Ich hab Polizei”, vor dem Abschluss “Polizei ist dein Feind – Polizei ist mein Helfer”, zu dem dieselbe alte Dame noch mal die Faust ballen darf, in einem Bild, das für mich unmissverständlich vermittelt, dass auch die Schwachen stark sein können, weil und wenn sie eben diesen starken Helfer haben.

Und dann finde ich, müssen wir schließlich noch bedenken, dass dieses “Jo, Polizei ist cool und viel stärker als Verbrechen und beschützt uns, jo!”-Video eben nicht von einem crowdgesourceten Indie-Anarcho-Team gemacht wurde, sondern vom ZDF, von einem Sender, der sich durch Zwangsgebühren finanziert und dessen angebliche Staatsferne und ihre praktische Umsetzung mehrere eigene Blogbeiträge füllen würde, die ich hier der Übersichtlichkeit halber mal sicherlich konsensfähig als zumindest zweifelhaft bezeichnen will. In meinen Augen bekommt es damit noch mal einen besonders unerfreulichen Beigeschmack.

Das führt mich zu dem Ergebnis, dass es nicht nur an meinen Vorurteilen gegen Herrn Böhmermann liegt, wenn ich dieses Video dann doch nicht so mag, und ein bisschen problematisch finde, und mir wünschte, es wäre anders gemacht, zum Beispiel mit echter Kritik an den Problemen des Systems und nicht nur einem augenzwinkernden “Ja gut, manchmal schlagen sie ein bisschen über die Stränge”. Das ist nämlich nicht nur extrem uncool, sondern in meinen Augen aus demselben Grund unschön wie das ganze System Böhmermann: Man darf sich für bitterböse kritisch halten, obwohl man in Wahrheit nur im Takt mitnickt.

Ach ja, fast vergessen: Verflixt noch mal, wenn man lustig und anders sein will, muss man dann wirklich noch die laszive Stripper-Polizistin aus der Klamottenkiste kramen? Fällt einem da echt nichts Besseres ein? Ist es eine Parodie auf Sexismus im Gangster-Rap, wenn man ihm eigenen Sexismus entgegensetzt?

Oder was meint ihr?


Sie sind Helden.

2. Oktober 2015

Reiner Burger erzählt uns für die FAZ was von den

Helden der Leitkultur,

und er bemüht dafür (bewusst oder unbewusst, das kann ich nicht beurteilen, und traue mir auch keine Einschätzung zu, was ich trauriger fände) denselben ollen Kniff, den … sagen wir mal: konservativ eingestellte Teilnehmende in solcherlei Debatte gerne bemühen, wenn sogar sie selbst eigentlich mitgekriegt haben, dass ihre Ideen Mist sind: Sie geben sie natürlich nicht offen auf, sondern sie lockern die Definition der dafür verwendeten Begriffe so weit auf, dass vom Space Shuttle bis zum Flugzeugträger alles reinpasst, konstatieren, dass doch in den Begriff, von dem sie seit Jahren reden, alles reinpasst, was auch die anderen gerne hätten, und schlussfolgern dann, dass sie doch schon immer recht hatten, um sich mehr oder weniger offen hämisch freuen zu können, dass das jetzt sogar die anderen endlich einzusehen beginnen. Das “sogar” ist wichtig, denn es kennzeichnet das enorme Ausmaß des eigenen Triumphes.

Sogar politische Wunder sind dann und wann möglich. Gerade macht die Linke ihren Frieden mit der „Leitkultur“. Nach nur 15 Jahren!

Unfassbar, oder? 15 Jahre mussten Helden wie Herr Burger für die doch so wunderbare Idee der Leitkultur kämpfen, bevor endlich die gottverdammte Linke ihren Frieden damit macht.

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