Wie wir sie kennen (Ende Zug 6)

1. März 2015

Der längste Mailrollenspielzug aller Zeit endet mit diesem Post. Ich wünsche allen, die noch mitlesen, viel Vergnügen, und weise in diesem Kontext vielleicht noch mal darauf hin, dass derzeit mit Nina eine Figur frei wäre, die jemand übernehmen könnte, die Lust bekommen hat, mitzuspielen. Oder der. Wenn das Interesse wirklich groß ist, könnten wir eventuell auch über die Übernahme einer der anderen Figuren diskutieren. Ich möchte aber noch anmerken, dass ich dieses Angebot ohne die Zustimmung der Mitspielerinnen mache, unter deren Vorbehalt das Ganze natürlich steht.

Zur Sache:

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Der alte Konflikt zwischen Islam und Christentum darf nicht verniedlicht werden.

8. Februar 2015

Ulrich Greiner hat einen Artikel für DIE ZEIT geschrieben, und der ist eigentlich nichts Besonderes, sondern ganz typischer islamophober Christliches-Abendland-Unfug, aber gerade weil er so typisch ist, scheint es mir lohnend, ihn mal kurz durchzugehen, und außerdem hat er mich so geärgert, dass ich alleine schon zu Beruhigungszwecken gerne ein bisschen schimpfen würde.

Seid ihr dabei?

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Premiere: DIE ZEIT erstmals lustiger als der Postillon

6. Februar 2015

Während dem zu Recht bundesweit bekannten und geschätzten Satiremagazin “Der Postillon” zu der aktuellen Unterstützung des Oberhauptes der Katholischen Kirche für Gewalt gegen Kinder nur ein leidlich lustiges Spießumdrehen einfiel, hat das ansonsten als weitaus weniger unterhaltsam bekannte Satiremagazin DIE ZEIT ein brillantes und ungewohnt bissiges Stück veröffentlicht.

Dazu erzählte der Papst eine Anekdote: “Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‘Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen’.”

schreibt die satirische Wochenzeitung, und lässt darauf die Bemerkung folgen:

“Wie schön!”, erklärte Franziskus. “Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.”

Doch nicht nur Papst Franziskus selbst nehmen die Spaßvögel von DIE ZEIT aufs Korn. Auch die Haltung des Vatikans an sich wird äußerst gelungen karikiert:

Auf Nachfrage verteidigte Vatikan-Vertreter Thomas Rosica die Thesen des Papstes. Wer habe nicht schon einmal sein Kind gezüchtigt oder sei von den Eltern gezüchtigt worden, schrieb Rosica in einer E-Mail. […] Daraus irgendetwas anderes ableiten zu wollen, enthülle ein Problem bei jenen, die offenbar einen Papst nicht verstanden hätten, der eine Revolution der einfachen Sprache und Gesten anbelangt habe, erklärte Rosica.

Den Vogel abgeschossen haben die schonungslosen Witzbolde allerdings mit diesem Satz:

Im Übrigen sei man nur dafür verantwortlich, die UN-Kinderrechtskonvention innerhalb des Vatikanstaats umzusetzen, hieß es.

Die Redaktion von überschaubare Relevanz verneigt sich vor solch treffendem und verdientem Spott, muss allerdings beschämt eingestehen, dass es bisher nicht gelungen ist, die ursprüngliche Meldung zu finden, auf die die Humoristen sich beziehen. Um die Fairness des Spaßes zu beurteilen, wäre die Kenntnis der wahren Äußerungen der beiden Herren sicherlich hilfreich.

 

 


It’s tempting to get vocal and defensive

31. Januar 2015

Heute und morgen läuft in (Auf? Bei?) der ARD, dem Flaggschiffsender unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, von morgens bis abends die Sportschau, unterbrochen nur durch wenige Minuten einer Alibi-Nachrichtensendung. Ihr wisst schon, dass ist dieses ganz wichtige weil demokratiekritische System, für das wir alle, so ziemlich jede und jeder von uns, verpflichtet sind, monatlich zu bezahlen, ganz gleich, ob wir wollen oder nicht, ob wir es nutzen oder nicht, ob wir es uns leisten können oder nicht. So wichtig ist das. Wegen seines Bildungsauftrags und so. Falls ihr euch fragt, was es da gerade zu zeigen gibt, und ob ihr schon wieder eine Fußballweltmeisterschaft verpennt habt: Es ist Skeleton-Weltcup. Nein, das sind keine Paralympics für extrem kachektische Sportler und Sportlerinnen, sondern sowas.

Und weil mir das gerade aufgefallen ist, habe ich jetzt doch Lust, den gestrigen xkcd-Cartoon zu kommentieren, obwohl ich mich eigentlich schon dagegen entschieden hatte:

Für den Hovertext müsst ihr zu ihm rüber. Hinweis: Es lohnt sich nicht so richtig, aber tut auch nicht weh. Fans greifen zu, der Rest liest direkt hier weiter. Und da die Fans den Cartoon eh schon kennen, lesen wir jetzt alle gemeinsam hier weiter, schätze ich.

Und obwohl ich Randall Munroe bewundere und verehre wie einen Gott, finde ich, dass er hier daneben liegt. Zumindest teilweise. Dafür aber immerhin auf zwei Ebenen. Die erste ist schnell erledigt: Der Cartoon ist nicht lustig, nicht bizarr, nicht originell und auch sonst nicht unterhaltsam. Finde ich. Egal. Geschmackssache.

Zweitens, und viel wichtiger: Es mag sein, dass es, insbesondere unter Leuten, die xkcd mögen, tatsächlich eher eine Mehrheit von Leuten gibt, die auf Sportfans herabblicken und unangemessen unfreundlich und herablassend agieren, weil sie so bemüht sind, sich von ihnen abzugrenzen, und dass Randall dieses Problem zurecht kritisiert, aber ich selbst kenne es nicht, und ich finde vor allem, dass sein Vergleich zwei wichtige Aspekte vernachlässigt und damit irreführend wird, weil diese zwei Aspekte einen grundlegenden Unterschied ausmachen zwischen Sportfantum und Interesse an Klimasystemen und raumfahrenden Robotern:

  1. Sportfantum ist in unserer Gesellschaft so dominant, dass es permanent mit völliger Selbstverständlichkeit nicht nur unterstellt, sondern sogar erwartet wird. Medien, einschließlich der öffentlich-rechtlichen Medien, die ihrem Auftrag nach eben gerade dafür da sind, NICHT der Mehrheit und der Quote hinterherzulaufen, sondern einen Bildungsauftrag zu erfüllen, berichten über Sportereignisse in einer Lautstärke und einem Umfang, die und der meines Wissens buchstäblich jede andere denkbare Meldung nicht nur übertreffen, sondern völlig verschwinden lassen, vom Völkermord über Krieg zu bedeutenden wissenschaftlichen Durchbrüchen. Sportfans laufen gröhlend in Rudeln durch Städte, werfen mit Flaschen um sich und werden gelegentlich physisch gewalttätig gegenüber Leuten, die ihr Fantum nicht teilen. Ich will nicht behaupten, dass das alles für alle Sportfans gilt. Aber ich will darauf hinweisen, dass diese Phänomene im und für das Sportfantum existieren, und im und für das Interesse zum Beispiel an wissenschaftlich bedeutenden Ereignissen absolut gar nicht.
  2. Sportfantum ist schon von seiner seiner grundsätzlichen Ausrichtung her problematisch. Bestimmt existieren auch völlig sympathische und inordnunge Ausprägungen, aber die meiner Wahrnehmung nach dominante besteht darin, einer Mannschaft, der man sich, in der Regel aus lokalpatriotischen, nationalistischen oder sonstigen blödsinnigen Gründen unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistung (worin auch immer die bestehen sollte) verbunden fühlt, den Sieg zu wünschen, und (nur leicht dramatisiert) jeder anderen die Pest an den Hals. Um nur mal ein Beispiel zu nennen. Und auch das ist meines Erachtens eine Besonderheit, die vielleicht nicht nur, aber schon besonders Sportfantum prägt. Womöglich gibt es sogar bedeutende Gruppierungen von kosmologieinteressierten Raumfahrtfans, die ausschließlich Missionen der USA anfeuern und jeder russischen Rakete lautstark wünschen, sie möge schon vor dem Start explodieren, aber ich kenne sie jedenfalls nicht, und traue mir deshalb die These zu, dass sie in der Szene eine eher untergeordnete Rolle spielen. Und fürs Protokoll: Mir ist natürlich klar, das ein Haufen Leute das zum Beispiel im Kalten Krieg durchaus so gesehen haben, unter anderem aus nationalistischen Gründen. Diese Position finde ich dann aber natürlich auch blöd, und von der würde ich mich dann auch auf sehr vokale und defensive Weise abgrenzen wollen, zum Beispiel, indem ich nicht einfach nur interessierte Geräusche mache und begeistert grinsend nicke und zuhöre, während ich mich der Snacks und der Freundschaft erfreue. Ich hätte auch ein unkontroverses Beispiel wie Krebsforschung nehmen können, aber ich kenne ja meine Leser und weiß, dass ihr das sofort als erbärmlichen Versuch durchschaut hättet, einer möglichen Kontroverse auszuweichen. Nix da. So läuft das hier nicht.

Das beides heißt natürlich keineswegs, dass ich es super finde, Sportfans zu beleidigen und zu verachten, weil sie sich für Sport interessieren. Im Gegenteil. Ich stelle es mir brennend interessant vor, mal mit einem Sportfan ganz offen über seine Leidenschaft und deren Hintergründe und Details reden zu können. Ich selbst habe ja durchaus auch zweifelhafte Neigungen und Interessen, bestimmt. Sportfans sind weder schlechtere Menschen, noch ist es jemals in sich falsch, sich für irgendwas zu interessieren oder zu begeistern. Insoweit ist Randalls Cartoon sicherlich guter Rat. Aber insoweit, als er eine Gleichwertigkeit der Philae-Landung mit dem Superbowl impliziert, liegt er daneben, und ebenso in seiner Implikation, dass Sportfantum typischerweise nur eine völlig unproblematische menschliche Leidenschaft ist, der wir komischen verknöcherten Besserwisser uns bloß öffnen müssen, und dann gibt es Freundschaft und Snacks.

Oder was meint ihr?


Oscar Buzz

27. Januar 2015

Nun ist es ja offenbar schon wieder bald so weit, dass die Academy Awards verliehen werden, und allenthalben wird spekuliert und besprochen, was ich teilweise sehr albern finde, weil doch offensichtlich ist, dass Boyhood mindestens überall dort gewinnen muss, wo es nominiert wurde. Es hat immerhin zwölf Jahre gedauert, das zu filmen.

Dennoch habe ich so eine Frage, die mich schon lange umtreibt, und von der ich gerne wüsste, ob sie wirklich so selten öffentlich diskutiert wird, wie es mir scheint, oder ob ich es lediglich nicht mitkriege:

Warum eigentlich sind die Awards für Schauspieler(innen) in eine männliche und eine weibliche Kategorie unterteilt? Ihr wisst das bestimmt, weil nach meiner Erfahrung so ziemlich jeder Mensch auf der Welt sich mehr für die Academy Awards interessiert als ich, vielleicht mit wenigen Ausnahmen wie Louis XIV oder so, aber es gibt ja die Kategorien “Actor in a leading role” und “Actor in a supporting role”, sowie darunter (Ja, natürlich darunter.) die Kategorien “Actress in a leading role” und “Actress in a supporting role”. Und ich verstehs nicht. Warum sind das verschiedene Sachen? Tun Schauspielerinnen irgendwas grundsätzlich anderes als Schauspieler?

Und falls jetzt jemand von euch darauf hinweist, dass es ja vielleicht darum geht, Schauspielerinnen dadurch in einer von Männern dominierten Branche die Chance zu geben, dann könnte ich das einerseits nicht völlig von der Hand weisen, würde aber schon gerne anmerken wollen, dass aus meiner sicherlich eher ahnungslosen Perspektive gerade im Bereich Schauspiel die Dominanz der Männer sicherlich noch viel geringer sein dürfte als etwa bei der Regie [Nominiert: Alejandro G. Iñárritu, Richard Linklater, Bennett Miller, Wes Anderson, Morten Tyldum] oder den Drehbüchern [Nominiert: Dan Gilroy, (Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr. & Armando Bo), Richard Linklater, (E. Max Frye and Dan Futterman), (Wes Anderson & Hugo Guinness)], und dass es trotzdem in diesen Kategorien keine Trennung zwischen Männern und Frauen gibt. Man hätte also so oder so was zu diskutieren.

Und dass diese Debatte nicht öffentlichkeitswirksamer stattfindet, wundert mich auch. Nicht, weil ich persönlich die Awards jetzt für ein irre wichtiges Thema halte, aber so ziemlich alle unsere Medien zum Beispiel scheinen das ja zu tun. Da wäre doch bestimmt auch irgendwo Platz für sowas, wenn man dafür vielleicht einen Artikel weniger drüber schreibt, was Reese Witherspoon wohl am entscheidenden Abend für ein Kleid tragen wird.

Oder was meint ihr?


Niemand kann ihnen diese Verantwortung abnehmen

25. Januar 2015

Die nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete Serap Güler hat einen Gastbeitrag für die FAZ geschrieben. Darin versucht sie, sich mit dem Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus auseinanderzusetzen und fordert:

Wir dürfen uns nicht länger hinter der Phrase verstecken, Gewalt und Terror hätten nichts mit dem Islam zu tun.

Dass sie das ein bisschen merkwürdig macht, könnt ihr daran erkennen, dass ich diesen Artikel geschrieben habe. Was genau schief gelaufen ist, erfahrt ihr, wenn ihr mir hinter die Trennlinie folgt.

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Breaking: Ärmere Hälfte der Weltbevölkerung wäre weniger arm, wenn sie reicher wäre.

24. Januar 2015

Berlin. Eine vom Bundesentwicklungshilfeministerium auf Grundlage der jüngsten SZ-Enthüllungen zum Hunger in der Welt in Auftrag gegebene Eilstudie hat offenbar die These des von der SZ interviewten Professors für Philosophie und Internationale Angelegenheiten (Ja-woll!) Thomas Pogge bestätigt, dass der Wohlstand der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung sich um bis zu 60% steigern ließe, indem ihr Einkommen um 60% angehoben wird.

Die verblüffende Erkenntnis, so ein Sprecher des Ministeriums, könnte nicht nur die Entwicklungshilfepolitik der Bundesrepublik und anderer Staaten revolutionieren. Darüber hinaus sind bereits bahnbrechende Anwendungen auch in völlig anderen Bereichen im Gespräch. So soll das kalifornische Unternehmen Apple streng geheime Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben haben, um zu prüfen, ob sich die Displaygröße eines iPads steigern ließe, wenn es mit einem größeren Display ausgestattet wird, während der Verlag der Süddeutschen Zeitung ein Gemeinschaftsprojekt mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH in Angriff nehmen will, um herauszufinden, ob die Tendenz stetig sinkender Abonnementzahlen durch eine Steigerung der Abonnements um 60% gestoppt werden könnte.

Überschaubare Relevanz hat zu diesem Thema den Professor für Wirtschaftswissenschaften William Easterley um eine Stellungnahme gebeten, wartet aber derzeit noch auf eine Antwort. Offenbar fehlt Easterly aktuell die Zeit, die zahllosen eingehenden Anfragen zu bearbeiten. Subtilen Andeutungen seines Sprechers zufolge arbeitet Easterley allerdings bereits an einer eleganten und überraschend einfachen Lösung für dieses Problem.

 


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