And I could go on and on and on…

Ich lese gerne. Nicht nur im Netz, gerne auch mal offline, richtige Bücher. Und ich lese auch gerne Serien, die aus mehreren Büchern bestehen, weil es mir schwerfällt, mich von liebgewonnen Charakteren zu trennen und weil mir die etwas großräumigere (um den Ausdruck “episch” zu vermeiden) Erzählstruktur gefällt, die mehrbändige Serien ermöglichen. Es gibt da aber ein paar Dinge, die mir an diesen Serien überhaupt nicht gefallen, und über die möchte ich heute sprechen. Das wird mal wieder eine Weile dauern, deswegen bitte ich alle ungeduldigen Leser mit niedriger Labertoleranz, einfach weiterzugehen, für euch gibt es hier nichts zu sehen. Die anderen folgen mir bitte hier entlang…

Danke schön und herzlich willkommen. Setzt euch, nehmt von den Keksen, wenn ihr mögt, jetzt gehts los. Vielleicht erkennt der eine oder die andere ja eigene Erfahrungen wieder.

1. Es fängt schon damit an, die Bücher bei Amazon zu bestellen. (Kann man Bücher auch noch woanders kaufen?) Warum kriegt der beste, größte, schönste, schnellste, sympathischste und kompetenteste Online-Händler der Welt es nicht auf die Reihe, mir zu sagen, vor dem wievielten Band einer Serie ich gerade stehe? Warum steht das meistens nicht einmal in der detaillierten Beschreibung eines Buches? Warum kriege ich manchmal nicht einmal raus, ob das Buch, das ich gerade kaufen will, überhaupt zu einer Serie gehört oder nicht? (Der Fairness halber: Manchmal steht es dabei. Aber oft eben auch nicht.) Wer nicht versteht, was ich meine, folge mir bitte einmal kurz zu einem willkürlich ausgewählten Online-Händler und suche aus dieser Liste den vierten Titel der Serie The Fey.
Und die Verlage sind auch nicht besser. Ich habe sogar in echten Buchhandlungen schon öfter Bücher in der Hand gehalten und gerätselt, ob es sich um den ersten Band einer Serie handelt, oder um einen anderen, oder ob er überhaupt zu einer Serie gehört. Wie schwer kann das sein? Man schreibt irgendwo an halbwegs prominenter Stelle den Namen der Serie und eine Zahl.

2. Manche Autoren halten es für nötig, am Anfang eines jeden Bandes die Erinnerung ihrer Leser an die bisherigen Ereignisse und die bereits bekannten Charaktere aufzufrischen. Besonders unsympathisch lästig ulkig gewöhnungsbedürftig finde ich dabei den Ansatz, dies in der laufenden Erzählung zu tun. Wenn da vor der Geschichte ein paar Seiten “Was bisher geschah” steht, kann ich darüber die Augen verdrehen und es überblättern, oder ich lese es, weil es wirklich eine Weile her ist. Wenn aber mittendrin beim Auftreten eines Charakters plötzlich noch einmal wiedergekäut wird, was wir alles schon über ihn wissen, dann macht das für mich eine ganze Menge Stimmung kaputt. Vielleicht sagt ihr jetzt, sowas passiert ja auch nur in schlechten Serien, selbst Schuld. Vielleicht habt ihr Recht.

3. Für mich ist es auch schlimm, wenn eine Serie in ihrem Verlauf degeneriert. Das trifft mich deshalb härter als viele andere Leser, weil ich eine Geschichte nur ganz schlecht aufgeben kann. Einmal angefangene Bücher lese ich fast immer zu Ende, egal, wie weh es tut, und bei Serien halte ich das so ähnlich. Ich erlebe deshalb gerade Höllenqualen beim Lesen des dritten Bandes von “House of Night”. Das ist so eine Teenager-Vampir-Geschichte, von der ich den ersten Band noch mit Vergnügen gelesen habe (was vielleicht eher an meinem Geisteszustand zu dieser Zeit lag als an irgendwelchen Qualitäten des Machwerks). Von dem dritten und hoffentlich letzten allerdings bekomme ich jedes Mal schweres Zähneknirschen, kalte Schweißausbrüche und stechende Kopfschmerzen, wenn ich ihn in die Hand nehme. Übrigens auch ein hervorragendes Beispiel für den Kritikpunkt Nr. 2. Genauso schlimm: “Sword of Truth” von Terry Goodkind. Aber da habe ich entgegen meiner Grundsätze vor dem Ende aufgehört, wenn auch erst nach dem neunten (?) neunten (!) neunten Band.

4. Der letzte Punkt liegt mir besonders am Herzen. Bei Serien baut der Autor nolens volens eine beachtliche Erwartung bei seinen Lesern auf, dass der langen Geschichte nun auch ein würdiges Finale folgen möge. Diese Erwartung wird nahezu zwangsläufig enttäuscht, manchmal auf eine fast körperlich schmerzhafte Art. Bleiben wir bei der bereits erwähnten, eigentlich sehr empfehlenswerten Reihe The Fey. Kristine Kathryn Rusch entwirft hier eine grandiose und wirklich epische Geschichte um ein magisches begabtes Volk (die Fey), das eine kleine Insel zu erobern sucht und auf überraschend zähen Widerstand trifft. Die Geschichte stellt beide Seiten des Konflikts sowie die Motive der Handelnden verständlich und durchaus sympathisch dar. Niemand ist einfach nur böse und niemand einfach nur gut. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, den Ausgang eines bestimmten Handlungsstrangs vorher sehen zu können, und ich war regelrecht begeistert. Zum Schluss dann aber entscheidet sich die Autorin, ihren Lesern einen großen Kübel Dung über den Kopf zu schütten und hämisch kichernd wegzulaufen. Der mächtigste Magier der Fey fällt durch einen dummen Zufall vom Pferd und bricht sich das Genick, und die Verteidiger der Insel verstecken sich vor dem König der Fey in einer Höhle, die durch einen glücklichen Zufall von guten Geistern bewohnt ist. Diese wenden den tödlichen Zauber des Königs gegen ihn, seine Tochter wird Königin und alles wird gut. In solchen Momenten könnte ich in den Teppich beißen. Dann doch lieber ein offenes Ende.

Die einzige Serie, die mir gerade einfällt, auf die keines der oben beschrieben Probleme zutrifft, ist das hervorragende “A Series of Unfortunate Events” von Lemony Snicket. Das sollte wirklich jeder gelesen haben. Weitere Beispiele hervorragender Serien (aber nicht mängelfrei) sind “A Song of Ice and Fire” von George R. R. Martin und “Prince of Nothing” von R. Scott Bakker. Machtvolle Erzählkunst, die auch niemand verpassen darf.

Und damit endet meine kleine Tirade. Ich bedanke mich bei denen, die noch da sind, für ihre Aufmerksamkeit, freue mich wie immer über jeden Kommentar und wünsche euch allen eine sichere Heimreise.

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15 Antworten zu And I could go on and on and on…

  1. juliaL49 sagt:

    Wow, so viele Bücherserien gibt es außer Harry Potter und Herr der Ringe?! Kleiner Scherz, ich lese gerne Bücher von Autoren, die dieselben Charaktere durch ihr Leben verfolgen, aber keine größeren Handlungsbögen haben (Bsp: Rebus-Reihe von Ian Rankin – angefangen habe ich, weil ich in Edinburgh studiert habe).

    Zu Punkt 1: WIKIPEDIA! (hilft zumindest beim Onlineshoppen. In der Buchhandlung hilft das Fragen von menschlichen Avataren.
    Zu Punkt 2: Diese Zusammenfassungen haben was für sich. Über Weihnachten habe ich die Hebammentrilogie gelesen (jaja) und habe aus Versehen mit dem zweiten Band angefangen. Ich hab die ca. 600 Seiten komplett durchgelesen und habe mich gewundert/gefreut, dass die Hintergrundgeschichte so ausgearbeitet ist. War sie aber nicht, denn das war alles im ersten Band passiert!
    Zu Punkt 3: Unterschreibe ich so in dieser Form!
    Zu Punkt 4: Unterschreibe ich in Abstrichen, denn ich lese wie gesagt selten handlungsübergreifende Serien. Aber z.B. die Kay Scarpetta-Romane von Patricia Cornwell habe ich irgendwann aufgegeben, weil sie so dermaßen schlecht wurden.

  2. nothingelse89 sagt:

    Immer schlechter werdende Serien finde ich am schlimmsten.
    Besonders aufgefallen ist mir das bei der Bis(s)-Reihe. Das erste Buch fand ich noch großartig, die Serie ist danach immer schlechter geworden. Beim vierten Teil musste ich mich regelrecht zwingen, das Buch zu Ende zu lesen – das kommt bei eigentlich nie vor. Zudem war das Ende so grottenschlecht, dass die gesammte Serie bei mir einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat. Da wird über viele Kapitel hinweg (mehr oder weniger) Spannung aufgebaut und dann so furchtbar aufgelöst…

    Meine Lieblingsserien sind übrigens “Unter dem Weltenbaum” und die Fortsetzung “Das Haus der Sterne” von Sara Douglass.

  3. Muriel sagt:

    Hör mir auf mit Herr der Ringe, sonst folgt gleich die nächste Litanei… Wäre ja alles nur halb so schlimm, wenn das nicht immer als die Größte Geschichte aller Zeiten gehandelt würde. (Film und Buch, passt beides.)
    Danke für den Wikipedia-Hinweis. Meistens bin ich dafür zu faul, weil ich immer sowas Irrationales denke wie “Das kann doch nicht sein, das muss doch auch so gehen.”
    Rebus habe ich übrigens auch mal eins gelesen, aber ich bin nicht so richtig reingekommen.

  4. Muriel sagt:

    Das kenn ich beides gar nicht. Schau ich mir mal an, danke!
    Und Bis(s) hab ich nicht gelesen, aber ich komme gerade von einer weiteren Etappe “House of Night”. Meine Schreibtischkante ist bald durch… Manchmal wünschte ich, ich fände öfter mal die Entschlossenheit, ein Buch einfach aus dem Fenster zu werfen.

  5. nothingelse89 sagt:

    Das Problem bei Bis(s) ist, dass du nach dem ersten Buch regelrecht süchtig wirst. Da enttäuscht der meiner Meinung nach katastrophale 4. Band und dessen Ende natürlich umso mehr.

    Ich hab da auch so meine Probleme. Ich habe schon so viele schlechte Bücher gelesen, aber ich kann ein Buch einfach nicht halb gelesen aus der Hand legen – richtig fies war beispielsweise “Life is a bitch”, so ein seltsamer “Frauenroman”, den ich billig auf einem Bücherflohmarkt erstanden habe. Dieses Buch war mit Sicherheit die langweiligste schlecht geschriebene Geschichte, die ich je gelesen habe. Durchgekaut habe ich sie trotzdem. Hach, da lobe ich mir doch meine Terry-Pratchett-Sammlung, von denen weiß ich genau, dass sie alle saugut sind :D

  6. Muriel sagt:

    Ich glaube, an Vampirbücher werd ich mich jetzt ohnehin eine Zeitlang nicht mehr herantrauen. Ganz schlimm ist übrigens meiner Meinung nach Dean Koontz, weil er gelegentlich fantastische Geschichten schreibt wie “Seize the Night” oder “Odd Thomas”, meistens aber so schauderhaften Mist wie “The Husband” oder “Survivor”. Jedes Mal, wenn ein Buch von ihm erscheint, muss ich entscheiden, ob ich lieber riskiere, was Großes zu verpassen oder mich schon wieder durch so ein uninspiriertes peinliches Machwerk wie “Whispers” zu quälen.

  7. nothingelse89 sagt:

    In solchen Fällen hilft mir immer Amazon. Wobei sich Geschmäcker natürlich unterscheiden.
    Irgendwie ist Hohlbein da ein ähnlicher Fall. Oft finde ich seine Bücher relativ langweilig, wenn ich mal reinlese. “Flut” aber habe ich atemlos durchgelesen, das fand ich toll. “Dunkel” war zwar nicht direkt schlecht, aber doch ein bisschen langweilig.

  8. Muriel sagt:

    Von Hohlbein habe ich auch viel Gutes gehört; ich habe allerdings von ihm bisher nur ein Werk gelesen. Das war eine Kurzgeschichte namens “Die Videohexe”, wenn ich mich richtig erinnere, und ich wäre beim Lesen vor Fremdscham beinahe gestorben. Seitdem bricht mir immer der kalte Schweiß aus, wenn ich Bücher mit seinem Namen drauf sehe, und ich fange an, unkontrolliert zu zittern.

  9. nothingelse89 sagt:

    Hehehe, war die Geschichte so schlimm?
    Ich weiß nicht genau, was ich von Hohlbein halten soll. Ich habe vor vielen Jahren das hochgelobte Märchenmond gelesen, damals fand ich es gut. Heute schaff ich es nicht einmal mehr über die ersten 10 Seiten hinaus. Flut wurde auf Amazon ziemlich zerrissen, ich fand es gut. Allgemein scheinen sich die Rezessenten dort relativ einig zu sein, dass einige seiner Bücher saugut und andere wiederum richtig mies sind. Es scheint so zu sein, dass man seine “richtige” Fantasy ruhigen Gewissens lesen kann, während diejenigen, in denen Realität und Fantasy vermischt sind, ziemlich grottig zu sein scheinen. Ach, ich weiß auch nicht ;)

  10. Muriel sagt:

    Das würde aber passen, die Videohexe war auch so eine Mischgeschichte, und sie war wirklich RICHTIG schlimm. So, dass sich einem die Nägel hochrollen. Ein deutsches Wort für “Cringe” gibt es ja leider nicht. Für diese Geschichte müsste man es erfinden. Vielleicht kennst du das, wenn Charaktere so pseudo-hipp daherreden, weil der Autor meint, das würde jugendlich und cool klingen? Und es geht aber ganz fürchterlich daneben? So war das.
    Die Amazon-Rezensionen sind so eine Sache. Die Bücher von Terry Goodkind werden da teilweise auch in den Himmel gelobt, obwohl er wirklich regelmäßig Sachen in seine Geschichten schreibt, die ich drei oder viel Mal lesen musste, bevor ich glauben konnte, dass da wirklich so ein Quatsch steht.

  11. nothingelse89 sagt:

    Hui, das klingt aber fies. Dabei bin ich doch sowieso ein Fan einer etwas altertümlichen, zumindest aber korrekten Sprache in Geschichten.
    Von Terry Goodkind habe ich noch gar nichts gelesen. Was schreibt der denn Blödsinniges?

  12. Muriel sagt:

    Sword of Truth. Auch Fantasy, ziemlich konventionell, aber die ersten Bände fand ich noch ganz nett zu lesen. Ich mochte sogar ein paar der Charaktere, allen voran den alten Zauberer Zed.
    Aber irgendwann merkt man, dass Goodkind eigentlich in jedem Band die gleiche Geschichte mit wechselnden Bösewichten erzählt, und so ab dem sechsten, glaube ich, fängt er ganz fürchterlich an zu predigen. Der Protagonist hält teilweise seitenlange Monologe, in denen er erklärt, warum Freiheit gut ist und Diktatur nicht. Natürlich hat er damit Recht, aber es nervt trotzdem. Er ist übrigens selbst ein Diktator, aber das stört niemanden, weil er eben ein guter Typ ist.

  13. Außenstehende Person sagt:

    Gilt “Der Dunkle Turm” auch? …naja zumindest ist es eine Art Fortsetzungsroman, und in den ersten Bänden auch ein verdammt guter, nur leider scheinen herrn King zum schluss die ideen ausgegangen zu sein und das ende ist gelinde gesagt enttäuschend.
    Es tut einem richtig um die charaktere leid, die einem wirklich ans herz gewachsen sind *seufz*

  14. Muriel sagt:

    @Außenstehende Person: Total! King lässt einem immerhin zwei Enden zur Auswahl, aber das ändert nichts am Problem, und wenn wir mal ehrlich sind: Wer die ganze Geschichte gelesen hat, hört nicht fünf Seiten vor Schluss auf, bloß weil King schreibt: Wenn Sie wollen, können Sie hier schon aufhören.

  15. [...] Ich hab keine Ahnung. Schon ganz grundsätzlich neige ich nicht dazu, mich auf Bücher zu freuen, bevor ich sie aufgeklappt habe. Und nur in seltenen Ausnahmefällen erlaube ich mir immerhin schon mal ein bisschen Freude, bevor ich sie wieder zuklappe, denn ich weiß ja genau, dass man mit genug bösem Willen auch ein eigentlich echt gelungenes Werk über ein paar Seiten noch komplett in den Abgrund stürzen kann. [...]

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