Offene Läden bringen das kleine Jesuskind zum Weinen

Offenbar klagen die Kirchen gemeinsam mit dem DGB und Verdi vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Berliner Ladenöffnungsgesetz. Sie sind der Meinung, dass die Öffnung der Geschäfte an einigen Sonntagen, insbesondere denen in der Adventszeit, unter anderem das Recht auf freie (gemeinsame) Religionsausübung verletzt und deshalb grundgesetzwidrig ist. Der Sonntag ist schließlich für Gottesdienste da.
Ich will mich hier aber gar nicht groß mit den rechtlichen Argumenten auseinandersetzen, das langweilt die meisten Leser ja bloß. Ich möchte nur mal fragen, was das eigentlich für ein Armutszeugnis ist, dass die Kirchen der Meinung sind, die Menschen kämen nur dann zum Gottesdienst , wenn sie nichts anderes zu tun haben. Dass man den Menschen gesetzlich verbieten muss, am Sonntag einkaufen zu gehen, damit sie stattdessen aus lauter Langeweile und Verzweiflung die Kirche besuchen müssen.

Und sogar, wenn es um die Leute geht, die in den Geschäften arbeiten und die deshalb nicht die Wahl haben: Es macht mich manchmal einfach krank, mit welcher Selbstverständlichkeit die christlichen Kirchen in Deutschland die bevorzugte Behandlung einfordern, die sie gewohnt sind. Andere Religionen haben auch Feiertage, und bloß weil unsere Kirchen es doof finden, wenn am Sonntag gearbeitet wird, ist das noch lange nicht verfassungswidrig. Es will mir sowieso nicht recht in den Kopf, wie der Staat das Grundrecht auf freie Religionsausübung – oder irgendein Grundrecht - verletzen kann, indem er ein ordnungspolitisches Verbot aufhebt. Entgegen dem Anschein, den die Kirchen gern erwecken, wird ja niemand gezwungen, seinen Laden am Sonntag zu öffnen oder am Sonntag einkaufen zu gehen.

Auch bei den Gewerkschaften darf man vielleicht fragen, was das über diese Organisationen aussagt, deren Aufgabe es ist, der starke Verhandlungspartner der Arbeitgeber zu sein und dadurch die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Sie sehen sich dazu offenbar in vielen Fällen nur noch in der Lage, indem sie so lange herumheulen, bis der Gesetzgeber sich erbarmt und eine Regelung in ihrem Sinne trifft. Was ist denn aus der Tarifautonomie geworden, war die nicht auch mal ein hohes Gut?

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4 Antworten zu Offene Läden bringen das kleine Jesuskind zum Weinen

  1. pyrrhussieg sagt:

    Ach, ein geschlossener Sonntag ist schon nicht verkehrt. So wie die Feiertage auch nicht verkehrt sind. Wer dafür im Endeffekt kämpft, ist eigentlich egal. Hauptsache die Menschen finden ein wenig Ruhe…

    PS: Bei mir hat das Posting eine merkwürdige Typo: Die ersten drei Absätze sind kleiner.

  2. Muriel sagt:

    Hast wieder Recht, danke. Ich habs repariert.
    Und ob es reicht, dass an manchen Sonntagen manche Läden geschlossen sind, damit die Menschen Ruhe finden, bezweifle ich. Ich will nicht wie der Zen-Meister klingen, äh… Doch, ich will eigentlich schon ein bisschen wie der Zen-Meister klingen: Ruhe findet der Mensch nur in sich selbst. Und zwar an jedem Tag.

  3. obba sagt:

    Mit der Religionsfreiheit ist das sowieso so ne Sache, von der ich glaube, dass das gar nicht absolut möglich ist. (Z.B., weil man eigentlich weder weiß was “Religion” noch “Freiheit” genau sein soll.)

    Aber als Christ gegen verkaufsoffene Sonntage könnte man argumentieren, dass die Leute, die Sonntags aus religiösen Gründen nicht öffnen wollen, dann weniger verdienen und das wäre ungerecht.

    Auf die besonderen Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern muss man ja auch auf Kosten der Mehrheit eingehen.

    Ich persönlich würde einfach sagen “Ätsch. Ich erlaube einfach zu meinem Nutzen und euerm Schaden verkaufsoffene Sonntage.”, obwohl das auch verfassungswidrig sein könnte.

  4. Muriel sagt:

    @obba: Interessanter Gedanke. Ich finde ja, eine Freiheit sollte sich in der Regel nicht in Verboten für andere äußern. Ich habe nichts dagegen, dass manche Menschen aufgrund ihrer Religion kein Schweinefleisch essen, Burkas tragen oder eben Sonntags nicht arbeiten. Sie sollen dann aber bitte nicht erwarten, dass alle anderen sich aus lauter Rücksicht auch an ihre Gebote halten.

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