Schwarz-Gelb also

29. September 2009

So, Bundestagswahl vorbei. Ich weiß, schon seit vorgestern, aber ich bin ja weit weg, da brauchen solche Dinge ein bisschen länger, um anzukommen.

Ich bin zufrieden. Ich freue mich ein bisschen über das Wahlergebnis, und ich will kurz erklären, warum:

Erstens wird die FDP nach allem menschlichen Ermessen Regierungspartei. Das finde ich gut. Ich stehe den Ideen der FDP nahe, auch wenn mir natürlich auch vieles nicht gefällt, was die machen, und ich habe auch gewisse Sympathie für Westerwelle als Person. Bei beiden werde ich sehen, ob sie meine Zuneigung verdient haben, aber zunächst mal freue ich mich mit ihnen und gönne ihnen den Sieg, für den sie so lange gearbeitet haben.
Ich habe nie ganz verstanden, woher der weitverbreitete Hass gegen diese Partei kommt und frage mich jetzt gerade aktuell, was für ein Selbstbild jemand haben muss, der als Grund für seine Ablehnung ernsthaft die sexuelle Ausrichtung des Vorsitzenden angibt.

Die CDU ist stärkste Partei und regiert voraussichtlich gemeinsam mit der FDP. Finde ich auch gut, weil ich sie gegenüber der SPD für das kleinere Übel halte. Das wird mancher angesichts der Netzsperren und der unsinnigen Einschränkungen von Bürgerrechten auch in anderen Bereichen nicht verstehen können, aber ich traue der CDU unter Angela Merkel einfach mehr und gründlichere Reformen zu, wie ich sie mir wünsche. Die SPD ist eben - zumindest wirtschaftlich gesehen – doch etwas weniger liberal ausgerichtet als die CDU, und dieser Aspekt ist mir sehr wichtig. Bei den Bürgerrechten darf man nicht vergessen, dass die SPD da durchaus mit den Schwarzen mithalten kann – muss ich an Otto “Big BrotherSchily erinnern?

Und schließlich gibt es wieder eine Volkspartei in der Opposition. Die Große Koalition ist zu Ende. Das halte ich für wichtig, weil jede Regierung eine starke Opposition braucht. Muss ich nicht weiter erklären, oder? Obwohl mir gerade einfällt, dass die Bezeichnung “Volkspartei” für die SPD allmählich diskutabel wird. Trotzdem.

Die Voraussetzungen sind meiner Meinung nach also gut. Ich bin gespannt, was wir daraus machen.


Restebloggen zum Wochenende (9)

27. September 2009
  1. Von wegen Genörgel über die Dienstleistungswüste Deutschland: Ich finde es eigentlich ganz angenehm, wenn ich mich nicht an jedem Bahnhof und jeder Bushaltestelle alle zwanzig Sekunden eines Taxifahrers mit gierig blitzenden Augen erwehren muss, der mir seine Dienste einschließlich Fremdenführung und Schuheputzen aufdrängen will. It’s a jungle out here.
  2. Ich sehe das zwar nicht so pessimistisch wie der Wortvogel, aber interessant finde ich diesen Baukasten schon.
  3. Hält sich jemand von euch für besonders aufmerksam? Dann interessiert ihr euch bestimmt für diesen kleinen Test
  4. Ich nochmal so: Yeaahh! Lukas hat ein Lied geschrieben, und weil ich sein Fan bin, habe ich es mir angehört. Aber ich kann es nicht mögen, auch wenn ich wollte. Es ist einfach traurig, wie so ein fantastischer Gag in so kurzer Zeit so ausgelutscht wird. Sebastian sieht das offenbar ähnlich und weist darauf hin, dass der Erfinder dieses Spruchs auf dem Wahlplakat inzwischen “ein sehr, sehr trauriger Mensch” sein muss. Das habe ich auch oft gedacht.
  5. Noch mal Sebastian. Ich will nicht einseitig werden, aber dieser Beitrag von ihm ist große Kunst, und irgendwas zur Wahl sollte ich heute ja vielleicht auch haben. Wenn ihr ansonsten auf keinen Link in dieser Sammlung klicken mögt, bitte folgt auf jeden Fall diesem. Es lohnt sich. Versprochen.
  6. Elmi hat mich vor einiger Zeit mal freundlicherweise auf diese Seite hingewiesen, insbesondere auf diesen Cartoon. Es ist bestimmt nicht jedermanns Humor, und ein paar Sachen gefallen mir auch nicht besonders, aber der Badger-Badger-Badger-Badger-Song ist für mich der Sommerhit des Jahres.

Von künstlerischer Empfindsamkeit und religiösen Symbolen

25. September 2009

Für alle, die sich gefragt haben: Ja, wordpress.de ist in China tatsächlich blockiert. Toll. Wer von euch war das? Wer hat hier was Regimekritisches geschrieben und damit riskiert, dass ich neun Tage lang keine neuen Beiträge veröffentlichen kann? Aber ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut und trotzdem einen Weg gefunden, euch den nächsten Reisebericht zu übermitteln, in dem es aber erst mal noch gar nicht um China gehen soll. Bin ja gerade erst angekommen.

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“Guten Tag! Danke! Bratwurst! Sauerkraut!”

23. September 2009

Hier ist der aktuelle Südkorea-Reisebericht, nur für euch: Nach Seoraksan sind wir zwar nach Seoul zurückgekehrt, aber da ich eure Geduld auch nicht überstrapazieren will, überspringe ich diesen Teil. Das bewahrt euch auch vor den Überschriften “All About Seoul” und “You’re My Heart, You’re My Seoul”, die ich mir gedanklich bereits zurechtgelegt hatte.

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Und alle so: “Is’ jetzt auch mal wieder gut!”

21. September 2009
  1. Und alle so: Yeaahh! Wahrscheinlich kennt es inzwischen schon jeder, aber ich finde es immer wieder lustig.

So wollte ich diesen Link ursprünglich in der Rubrik Restebloggen präsentieren. Aber seitdem ist ein bisschen was passiert, und jetzt passt er dort nicht mehr rein, deswegen steht er hier. Das Plakat fand ich noch sehr, sehr lustig. Aber dann gab es einen Song, und es gab einen Aufruf zum Flashmob. Na gut, dachte ich. Kann ich mir jetzt nicht so recht vorstellen, aber mal sehen.

Der Flashmob wurde während der Merkel-Rede abgehalten und sah offenbar so aus, dass die Mobber nach jedem Halbsatz laut “Yeaahh!” geschrien haben. Hm. Natürlich verdient die Politik der CDU und auch die Rede der Kanzlerin Kritik, und die darf auch gerne humorvoll sein. Aber den Flashmob finde ich nicht lustig. Vier-, fünfmal, das wäre vielleicht lustig gewesen. Nach jedem Halbsatz ist einfach nervig, und ich mag einfach diese Tendenz nicht, dass, wenn mir nicht gefällt, was jemand sagt, ich dann hingehe und dazwischenschreie.

Dann kamen noch die Kommentare bei Spreeblick dazu, und das war der Zeitpunkt, zu dem ich das Foto von dem “Yeaahh!”-Plakat wieder von meinem Desktop-Hintergrund entfernte, weil ich es nicht mehr sehen konnte. Die Art, wie sich dort gegenseitig auf die Schulter geklopft und jede Kritik weggebissen wird, die finde ich ziemlich widerwärtig. Mann, sind wir lustig und politisch aktiv, Mann, haben wir es denen gezeigt, und wer das nicht für die Zukunft der Demokratie hält, der hat den Witz nicht verstanden.

Überhaupt möchte ich zum Thema Protest mal was Grundsätzliches sagen: Manche Leute scheinen der Meinung zu sein, sie wären politisch aktiv, wenn sie nur möglichst deutlich und laut sagen, dass sie Politik doof finden und alle Politiker doch eh lügen. Aber das reicht nicht. Wenn Protest Sinn ergeben soll, und wenn Demonstrationen etwas bewirken sollen, dann brauchen sie meiner Meinung nach nicht nur den “Dagegen”-Inhalt, sie brauchen auch was Konstruktives.
Nicht wer sagt, dass der Fluss schmutzig ist, ist ein Aktivist, sondern derjenige, der ihn sauber macht.
Damit scheidet der “Yeaahh!”-Flashmob als Beitrag zum politischen Diskurs aus, es bleibt die Funktion als Witz. Und ich fand’s nicht lustig.


Restebloggen ausnahmsweise erst nach dem Wochenende (8)

21. September 2009

Tut mir Leid, ich hatte in den letzten Tagen ein bisschen Probleme mit der Infrastruktur, deswegen bekommt ihr heute die aufgewärmten Reste der letzten Woche mit ein bisschen Verspätung. Der Vorteil ist, dass ich Änderungen der Lage aktuell einarbeiten konnte, was dazu geführt hat, dass ich einen Teil des Restebloggens ausgelagert habe.

  1. Vorgestern Abend habe ich zum Nachtisch “Fried Ice Cream” bestellt, weil ich das schon immer mal probieren wollte, das vorher nie auf einer Speisekarte gesehen hatte und mir das nie so richtig vorstellen konnte. Nach ein paar Minuten kam der Kellner zurück und sagte:
    “I’m sorry, but the fried ice cream is difficult to make…”, und ich musste was anderes bestellen.
    Natürlich ist mir klar, dass er sich da einfach in der englischen Wortwahl ein bisschen vergriffen hat – für alle, die es nicht mitbekommen haben, ich bin in Südkorea -, aber viel lustiger finde ich die Vorstellung, dass er mit meiner Bestellung in die Küche kam, der Koch ihn verwirrt ansah und meinte:
    “Was will der? Frittiertes Eis? Was’n Quatsch, das schmilzt doch! Sag ihm das mal!”
  2. “Cocoa Tea” gibt es hier am Automaten. Ich habe mir schon gedacht, dass es sich dabei um genau das gleiche handelt, was bei uns “heiße Schokolade” heißt. Schmeckt aber überraschend gut.
  3. Die Insel Jeju ist nicht weit von der eigentlichen koreanischen Halbinsel entfernt, aber eine ganz eigene Welt. Das Hawaii Koreas. Klang immer komisch, aber jetzt ergibt es Sinn. Mehr Details bekommt ihr später.
  4. Man kann zu den JuLis stehen, wie man will. Dieser Wahlwerbespot hier ist richtig gut.
  5. Und die Piraten haben jetzt auch sowas.
  6. Wer auch mal eine gute Vodafone-Werbung sehen will, muss natürlich im Ausland suchen. [via kurt in den Kommentaren bei Niggemeier]
  7. Wenn Videospiele realistisch wären, würden sie natürlich keinen Spaß mehr machen. Dies hier macht aber trotzdem Spaß. [via Peter bei Facebook]

Nimmermehr (18)

18. September 2009

Hier ist aus dem fernen Korea der 18. Teil meines Fortsetzungsromans Nimmermehr. Die Fragen, mit deren Antworten ihr mir helfen könntet, stehen am Ende des Textes, nur hier, nicht im PDF.

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There is no way to happiness

16. September 2009

Da sich “Seoulmates” ganz ordentlicher Beliebtheit erfreut, nehme ich mal an, dass an einer Fortsetzung meines Reiseberichts noch Interesse besteht. Außerdem ist es schön symmetrisch, dass ich den Bericht über Seoul im Bus in den Park geschrieben habe und nun den Bericht über den Park im Bus nach Seoul schreibe. Ich beginne mit einer kurzen Einführung.
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Warnungen

15. September 2009

Weil es sich gerade irgendwie aufdrängt, hole ich heute mal den Projekt-52-Beitrag zum Thema “Warnungen” nach. Und da ist er schon:

Warnungen 1

Und weil’s so schön war, gibt’s für alle, die mögen, noch einen gratis dazu: Den Rest des Beitrags lesen »


Seoulmates

14. September 2009

Ja, tut mir Leid, der musste sein. Heute schreibe ich mal einen kleinen Reisebericht für euch. Bei dieser Gelegenheit werde ich auch gleich mein Bestes tun, die Projekt-52-Fotos, die ich euch noch schulde, möglichst ungezwungen einzuflechten. Für die, die es interessiert: Ich schreibe diesen Bericht im Bus nach Sokcho. Mit Seoul ist also erst einmal Pause, da geht es Mittwoch weiter. Bis dahin wird der Seoraksan-Nationalpark bewandert, der voller malerischer Berge, seltener Tierarten und romantischer Wasserfälle sein soll. Aber weil ich den ja noch gar nicht gesehen habe, geht es erstmal um Seoul. Wohlan.

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