These Boots Are Made For Walking

Bestimmt dachtet ihr schon, ich hätte es vergessen, aber weit gefehlt, hier ist der zweite Reisebericht aus dem fernen China:

Voran!

Am zweiten Abend lud Louise uns ein ein Hot-Pot-Restaurant ein. Hot Pot ist (fast selbsterklärend) ein chinesisches Gericht, das aus verschiedenen unanständigen Sachen besteht, die in sehr scharfer, sehr heißer Brühe auf dem Tisch gegart werden.

Das Restaurant, das sie dafür ausgewählt hatte, war so beliebt, dass man dort nicht nur einen Tisch reservieren, sondern außerdem noch über eine Stunde auf den reservierten Tisch warten muss. Dafür gibt es extra einen eigenen Wartebereich im Keller mit Fernseher, Spielzeug und Gratis-Snacks.

Wie so oft kommt übrigens auch hier das Beste zum Schluss. Nein, nicht der Nachtisch, sowas gibt’s in Beijing nicht, sondern die Nudeln. Die werden dort nämlich frisch angefertigt, und zwar so:

Am nächsten Tag ging es dann auf das Olympiagelände, davon habe ich eigentlich nicht viel zu erzählen, aber ein paar hübsche Bilder zu zeigen:

Anti-Vogelnest

Besonders gefallen hat uns, dass der Weg zum Vogelnest mit vogelnestförmigen Lampen gesäumt ist.

Watercube

Seht ihr das Hochhaus links hinter dem Watercube? Es liegt nicht am Smog, dass das nach oben hin so komisch verzerrt aussieht, und auch nicht an meiner Kamera.

Die, die es genau wissen wollen, können sich gerne auch noch mal das Vogelnest und den Watercube von innen ansehen. Für die anderen habe ich hier noch ein ganz fantastisches Hinweisschild, das meiner Meinung nach jedes einzelne “Betreten des Rasens strengstens verboten”-Schild hier in Deutschland ersetzen sollte:

The grass is smiling.

Und dann war die Mauer dran. Die kann man an verschiedenen Orten besichtigen, unsere chinesischen Freunde haben für den bei allen Touristen beliebten Klassiker Badaling abgestimmt. Bei mir ist als prägender Eindruck geblieben, wie steil diese Mauer ist. Ich hatte mir das in meiner beschränkten Naivität so vorgestellt wie das durchschnittliche mitteleuropäische Bollwerk: Man steigt eine Treppe rauf auf die Mauer, ist dann da und kann darauf ein bisschen hin und her laufen. Das ist Unsinn. Die Mauer ist eine Kletterpartie, und nicht überall gibt es Stufen, manchmal geht es einfach nur steil nach oben.

Mauer

Damit war die Sache mal wieder eine sehr anstrengende sportliche Übung, aber das war es uns wert.

Ich mag das Zeug nicht mal, aber so sieht's ganz hübsch aus, oder?

Einen Preis für besondere Tapferkeit hat sich übrigens diese junge Dame verdient, die uns mit ihrem Freund während unserer Wanderung immer wieder begegnete und sich nicht einmal davon abschrecken ließ, dass sie sich stellenweise am Geländer hangelnd fortbewegen musste, weil ihr wegen ihrer eindrucksvollen, aber nicht geländegeeigneten roten Stiefel einfach die Bodenhaftung fehlte.

IMG_9673

Obwohl wir zurück zum Parkplatz die Seilbahn nahmen, waren wir am Ende des Tages erschöpft genug, um uns für den folgenden ein bisschen zurückhaltender zu verplanen. Wir besuchten den Temple of Heaven, und sonst nichts weiter.

IMG_9853

Natürlich dürft ihr euch auch den nicht einfach wie ein Gebäude vorstellen. Der Temple of Heaven war wieder eine riesige Anlage mit vielen verschiedenen, eindrucksvollen Bauwerken, zahllosen Treppen und einem kreisförmigen Hof, der so perfekt ummauert sein soll, dass er wie ein Flüstergewölbe funktioniert. Wir wollten das natürlich unbedingt auch selbst mal ausprobieren, aber es ging nicht, weil der Hof voll war mit lauthals rumflüsternden Touristen, die das natürlich unbedingt auch selbst mal ausprobieren wollten. Rücksichtsloses Volk, schlimm ist das.

Immerhin konnten wir in dem Park aber ein einziges Mal während unseres neuntägigen Aufenthalts Chinesen dabei beobachten, wie sie morgens früh exotischen sportlichen Freizeitbeschäftigungen nachgehen.

Neues vom Spocht

Unser Reiseführer hat uns diesen Anblick für so ziemlich jeden Park versprochen, aber nur hier gab es ihn wirklich.

Das war der zweite Teil unseres Beijing-Berichts. Ich hoffe, dass er euch gefallen hat und dass ich es bald schaffe, den dritten zu veröffentlichen.

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10 Antworten zu These Boots Are Made For Walking

  1. pampashase sagt:

    Das hat mir wieder sehr gut gefallen! Ich freu mich schon auf den nächsten Teil.

  2. ruediger sagt:

    Dem schließe ich mich gerne an, ein feiner Bericht mit eindrucksvollen Bildern. Merci.

  3. juliaL49 sagt:

    Gibt es eigentlich Marathonläufe entlang der Mauer? Könnte man vielleicht ans Ende des Iron Man packen, damit es noch schwieriger wird :)
    Und das Grasschild werde ich garantiert für meinen eigenen Garten (, den ich irgendwann gewiss haben werde) auf jeden Fall übernehmen.

  4. Muriel sagt:

    @pampashase, ruediger: Danke, schön, dass es euch gefällt.
    @juliaL49: Es gab da eine Modenschau, aber von Marathon habe ich noch nichts gehört. Die Idee gefällt mir aber.

  5. Andi sagt:

    Was, bitte, ist das denn für eine Sportart, der die Chinesen da nachgehen? Ich kann da irgendwie keine Sportgeräte erkennen.

    Und das mir deine Reiseberichte gefallen, muss ich ja nicht wieder extra betonen. Meinetwegen kannste dauernd in den Urlaub fahren. :)

  6. Muriel sagt:

    @Andi: Danke. Meinetwegen auch. Trotzdem dauert’s wohl noch ein bisschen bis zum nächsten Mal.
    Die Gruppe im Vordergrund kickt mit so einer Art Federball herum, den man auf dem Foto aber wirklich kaum erkennen kann.

  7. keoni sagt:

    Hier kann man den Federfußball (Fußfederball?) ganz gut erkennen und das Spiel wird auch erklärt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Federfußball

    Es ist ziemlich schwer, herauszufinden, wie dieses Spielzeug tatsächlich heißt, Jainzi vielleicht. So heißt’s manchmal bei eBay.

  8. Arctica sagt:

    Machen die nicht alle immer Qui Gong im Park und so Sachen? Da braucht man doch auch keine Geräte oder?

    Also bei der Nudelmacherei stünde ja in Deutschland gleich das Gesundheitsamt auf der Matte, ob der Teig nicht doch mal über den Boden schleift oder so…ich glaube mir persönlich ist die übliche Zubereitungsweise auch irgendwie lieber.

  9. pampashase sagt:

    @ Arctica

    Ich mußte bei der Zubereitung der Nudeln sofort an meinen Hunde-Haar-Fußboden denken, die würden dann so “schön” durch die Luft wirbeln und sich lieblich um die Nudeln schlingen… :mrgreen:

  10. Andi sagt:

    Danke für den Link, Keoni. Wieder was gelernt. :)

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