Die Sterne lügen nicht

31. Dezember 2009

So kurz vor dem neuen Jahr darf natürlich wie schon angekündigt das Horoskop 2010 nicht fehlen. Als besonderen Service für meine Leser habe ich auf die umständliche Trennung zwischen Sternzeichen verzichtet und unter Aufbietung aller meiner paranormalen Fähigkeiten ein Einheitshoroskop für euch alle entwickelt. Freundliche Unterstützung bot mir dabei Erika Berger mit ihrem fantastischen Astroportal. 2010 wird anscheinend ein reichlich seltsames Jahr, wenn ich mir das noch mal anschaue, aber lasst euch davon nicht irritieren. Ihr wisst ja: Die Sterne lügen nicht.

Liebe und Partnerschaft
Sie besitzen ein wirklich außergewöhnliches Einfühlungsvermögen und wissen ganz genau, wonach sich ihr Partner sehnt. Zurückhaltung ist hier wirklich fehl am Platz, denn schließlich ist Ihnen instinktiv klar: Wer sich so aufreizend anzieht, der meint das als Einladung! Lassen sie sich nicht von irreführenden verbalen Äußerungen täuschen. Hören Sie einfach auf Ihr Herz, und denken Sie daran: Die (bzw. der) will es doch auch!

Karriere und Beruf
Gehen Sie an Projekte sorgsam und nicht zu ungeduldig heran. Wenn einmal nicht sofort alles nach Plan verläuft und länger braucht als geplant, machen Sie sich keine Sorgen, das renkt sich wieder ein. Nehmen Sie Vorgesetzte und Kunden nicht zu ernst, die Sie zur Eile zu drängen wollen. Sie marschieren eben zum Rhythmus Ihrer eigenen Trommel und wissen: Deadlines sind im Grunde auch nur unverbindliche Empfehlungen, und am Ende wird ja sowieso alles gut.

Gesundheit & Wohlbefinden
Legen Sie besonders viel Wert auf Körperpflege und Sauberkeit. Ihre Mitmenschen treten Ihnen sehr penibel in diesem Punkt gegenüber. Auch wenn Ihr letztes turnusgemäßes Bad also erst zwei Wochen zurückliegt, geben Sie sich mal einen Ruck und putzen sich vielleicht wenigstens mal wieder die Zähne oder probieren Sie sogar, wenn Sie sich besonders wagemutig fühlen, dieses neumodische “Deo”-Zeugs, dem Sie bisher immer so skeptisch gegenüberstanden.

Übrigens: Mit dem kommenden Jahr endet eine Dekade, deswegen ist es überragend wichtig, rechtzeitig einen vertrauenswürdigen spirituellen Führer zu finden. Seien Sie diesem gegenüber nicht knauserig, das rächt sich später. Jeder ihm zugewandte Euro wird direkt in Karmapunkte umgewandelt. Sollte er sich mit einer persönlichen Bitte an Sie wenden, dürfen Sie diese auf keinen Fall abschlagen, auch wenn sie auf den ersten Blick unverschämt erscheinen mag. Ihr spiritueller Führer weiß, was am besten für Sie ist und insbesondere, welche materiellen Besitztümer Sie nur belasten. Er nimmt Ihnen diese Last für einen kleinen Zusatzobulus gerne ab und stellt auf diese Weise sicher, dass Ihre Sterne auch in der kommenden Dekade immer günstig stehen.

Sollten Sie noch keinen spirituellen Führer haben, erhalten Sie unter dieser Mail-Adresse oder auf dieser Website jederzeit unabhängigen Rat zu sehr vernünftigen Preisen.


Gänsefleisch mal die Regeln einhalten?

29. Dezember 2009

Vorgestern Abend haben wir uns die Zeit mit so einem putzigen alten DDR-Spiel namens „Wer ist die Schlafmütze?“ vertrieben.

Es geht dabei kurz gesagt darum, die vor einem liegenden Karten in numerischer Reihenfolge auf die farblich passenden Stapel in der Mitte des Tisches aufzuteilen. Ich weiß, das klingt nach einer Mordsgaudi.

Die Spielanleitung enthält am Ende den Hinweis: „Alle genannten Regeln sind einzuhalten”, und wir fanden das jedenfalls schon mal zum Schreien komisch. Es läuft also nicht wie bei diesen verlotterten kapitalistischen Spielen aus dem Westen, wo sich jeder nur an die Regeln hält, die ihm passen und wo es für manche Bereiche vielleicht nicht einmal Regeln gibt. Man fühlte sich also von Anfang an richtig geborgen.

Und für Regelverstöße gab es natürlich auch eine Regel: “Bei Fehlern wird geklopft.” Dann erhält der Gesetzesbrecher zur Strafe Karten von den anderen. Man ist also verpflichtet, seine Mitspieler bei Regelverstößen zu denunzieren und erhält dafür einen persönlichen Vorteil. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. (Die Antwort auf die spielnamensgebende Frage lautete am Ende übrigens natürlich: Ich.)


Menschen und Willen und Himmelreiche

29. Dezember 2009

Kleiner Nachtrag zum gestrigen Restebloggen, auch, weil es ganz gut zu diesem älteren Beitrag über Sterbehilfe und Patientenverfügungen und Zeugs passt: Die FAZ hat einen äußerst lesenswerten Gastbeitrag mit einem ganz konkreten Beispiel für die Probleme mit dem Patientenwillen. Also, lesenswert für die, die sich für das Thema interessieren.

Ich selbst wünsche für mich jede denkbare Maßnahme zur Lebenserhaltung. Hatte ich ja schon mal erwähnt. Ulkigerweise geben die Leute einem immer das Gefühl, man müsse sich dafür rechtfertigen, wenn man mal über das Thema redet. Ein Notar, der ein thematisch passendes Dokument für mich beurkundete, wollte mir auch unbedingt so eine Patientenverfügung andrehen. Das finde ich dann wieder äußerst bedenklich. Ich frage mich, wie viele Menschen vor allem deshalb unterschreiben, weil sie das Gefühl haben, es werde von ihnen erwartet.

Ich dränge niemandem meine Einstellung zu dem Thema auf, aber wenn jemand mir einreden will, es wäre quasi die einzig vernünftige Entscheidung, bestimmte Maßnahmen zu untersagen, um mir und meinen Angehörigen Leid zu ersparen oder weil es dann ja eh keinen Sinn mehr hätte, dann werde ich doch ein bisschen fuchtig. Tot bin ich noch lange genug.


Restebloggen kurz nach dem Wochenende (22)

28. Dezember 2009

Ach herrje, da sind nur mal ein paar freie Tage nacheinander, und schon verliere ich völlig die zeitliche Orientierung. Gestern kurz vor Mitternacht fiel mir auf, dass ja Sonntag war und dass eigentlich ein Restebloggen angestanden hätte. Ich bitte alle um Verzeihung, die seit Samstag Morgen sehnsüchtig vor ihren Bildschirmen saßen und darauf warteten, dass ich ihnen sage, was sie sich mal anschauen sollten. Irgendwie ist die Ausbeute aber auch ein bisschen dünn diese Woche. Ob das jetzt mehr daran liegt, dass die anderen im Urlaub waren und nicht so viel geschrieben haben, oder dass ich im Urlaub bin und nicht so viel gelesen habe, kann ich nicht sagen. Jetzt geht’s aber jedenfalls los: 

  1. Sicherlich enthält dieser Beitrag von Stefan Niggemeier über die Recherchefreiheit unserer Medien keine neuen Erkenntnisse, aber mich schaudert es jedes Mal auf’s Neue, wenn ich so was lese und mich frage, wie viele unreflektierte Falschmeldungen man jeden Tag so aufnimmt, ohne sich Gedanken darum zu machen.
  2. Jede neue Rezension dieses Films „Avatar“ ist für mich ein ehrfurchtgebietendes Fanal dazu, wie unterschiedlich Menschen sein können. Ich gehöre ja zu denen, die einen Film nicht losgelöst von seiner Handlung, seinen Charakteren und seinen Dialogen betrachten können und Avatar deshalb für ausgesprochen mäßig halten und staune deshalb jedes Mal aufs Neue, wenn andere ihre Begeisterung über dieses Meisterwerk sprudeln lassen.
  3. Wenn man in einer größeren Gruppe um einen großen Tisch herumsitzt, kann man prima an mehreren Gesprächen gleichzeitig teilnehmen und bei keinem so richtig zuhören. Das eröffnet die Möglichkeit, dauernd die anderen mit völlig unpassenden Fragen und sonstigen Einwürfen zu unterbrechen und ist für alle ein großes Vergnügen.
  4. Ich habe rechtzeitig zum Jahresende mal wieder eine der viel zu seltenen Aktualisierungen meiner Blogroll vorgenommen und bitte um Beachtung. Neuzugänge sind AxeAge, Gehirnschluckauf, die spielplatztaube, Firma Haldemann und Vigilien. Alle empfehlenswert, alle unbedingt mal besuchen. Vorerst ausgesetzt habe ich “Die Welt, wie ich sie sehe” und zeineku.de. Das hat nichts damit zu tun, dass mir diese Blogs nicht mehr gefallen würden. Vielmehr ist dort seit langer Zeit kein neuer Beitrag mehr erschienen und ich bin nicht sicher, ob sie noch aktiv sind. Sollte sich da wieder was tun, wird das angepasst.
  5. Not quite like Beethoven schildert gerade in seinem Blog auf ganz faszinierende Weise seine ersten Erfahrungen mit dem neuen Cochlea Implantat. Lesen.
  6. Habt ihr euch schon öfter mal gefragt, wo die kleinen (und großen) Hunde herkommen? Bei Lonely Planet könnt ihr ein paar Beispiel nachlesen und bei der Gelegenheit noch viel mehr über die Welt lernen.
  7. Musik für zwischen den Jahren und überhaupt irgendwie anders:

    (Ja, das ist alt. Na und?)

Landwirtschaft dient allen

27. Dezember 2009

[Warnung: Dies ist ein Nörgelbeitrag. Wer noch in Weihnachtsstimmung ist und sich diese nicht verderben lassen will, sollte ihn vielleicht auslassen. Warnung Ende]

Vielleicht so als kurze Erklärung zum Einstieg: Ich kann Bauern nicht leiden. Der individuelle Landwirt ist vielleicht ein netter Kerl, so wie der individuelle Gewerkschafter oder der individuelle Geistliche, aber als Organisation habe ich ein Problem mit ihnen.

Das liegt daran, dass ich mich generell über Leute aufregen kann, die ganz selbstverständlich erwarten, dass der Rest der Welt sich nach ihnen richtet, und dann mit Aggression und Entrüstung reagieren, wenn sie feststellen dass es nun einmal nicht so läuft.

Wenn ich jemandem etwas verkaufen möchte, er aber nicht den Preis zahlen will, den ich verlange, dann nenne ich entweder einen niedrigeren Preis, oder sage ihm, dass er halt woanders kaufen muss. Vielleicht komme ich sogar auf die Idee, ihm zu erklären, warum ich meinen Preis für angemessen halte und dass billigere Anbieter ihn dann später eventuell teuer zu stehen kommen.

Aber zu keiner Zeit komme ich auf die Idee, den Käufer zu beschimpfen, er wolle mich ausbeuten, er müsse doch Rücksicht auf mich nehmen, ich müsse doch auch von irgendwas leben und meine Kosten decken. Ich würde nicht einmal im Traum daran denken, zu ihm nachhause zu fahren und seine Hofeinfahrt mit meinem Auto zu blockieren. Es läge mir völlig fern, eine Autobahn zu sperren, Barrikaden anzuzünden und von der Regierung zu verlangen, dafür zu sorgen, dass ich den Preis bekomme, den ich gerne hätte.

Landwirte denken anscheinend anders, und das nervt mich kolossal. Aus diesem Grund konnte ich mich nicht völlig zurückhalten, als ich gestern auf dem Kaffeetisch meiner Großmutter diese Milchtüte entdeckte:

Nachdem ich sie eine Weile betrachtet hatte, fragte mich jemand, was ich davon halten würde. Natürlich wäre es klug gewesen, darauf so etwas zu antworten wie: “Hm, naja, achja, ihr wisst schon, schönes Wetter heute, oder?“
Zumal diese Aktion von mir aus im Prinzip sogar in Ordnung geht. Schließlich kann jeder für sich entscheiden, ob er so eine teure Tüte Milch kaufen will oder nicht.

Ich fühlte mich aber berufen, das Schwert der Wahrheit zu zücken:
“Also, ich habe ja gar kein Herz für Erzeuger. Für unsere heimischen Landwirte kann ich gar nicht wenig genug bezahlen, ich kenne nämlich ein paar.“
Das führte natürlich zu einem kurzen Streitgespräch, an dessen Ende ich mich nicht mehr genau erinnern kann, weil sich so ein roter Schleier über mein Blickfeld senkte. Das letzte, was ich noch weiß, ist:

Oma: “Ja, aber im Ausland werden die Bauern doch subventioniert, und bei uns nicht!“
Ich: „Ouh! Ouh! Oooouh!“

Ich glaube, danach bin ich aufgesprungen und schwungvoll mit dem Kopf voran gegen die Wand gelaufen. Bin mir aber wie gesagt nicht sicher.


Menschenähnlich (1) – eine neue Ära beginnt

26. Dezember 2009

Der Fortsetzungsroman ist tot, es lebe der Fortsetzungsroman!

Ich hoffe, ihr hattet bisher schöne Weihnachtstage mit gutem Essen und seid trotzdem noch in der Lage, euch genug zu bewegen, um eure Computer zu erreichen, denn heute präsentiere ich euch voller Stolz – und mit ein bisschen schüchterner Unsicherheit – das erste Kapitel meines neuen Werks “Menschenähnlich”. Ich hoffe, diesem Anfang wohnt wie im Sprichwort ein bisschen Zauber inne.

Den Rest des Beitrags lesen »


Es hatte geschneit, und der Mondschein lag so silbern auf allem, als sei es heller Tag

24. Dezember 2009

Gestern Nacht haben Keoni und ich bei einem Spaziergang mit dem freundlichen Irish Setter, der bei ihrer Mutter wohnt, so einen Moment erlebt, in dem ich mich schwarz ärgern könnte, dass mein Nokia E71 keine vernünftige Kamera mitbringt.

Ein paar Meter von einer Laterne entfernt ragten zwei kleine kahle Bäumchen aus dem dicken Schnee und warfen Schatten auf die weiße Fläche, während die Schneekristalle das schwach herüberscheinende Licht reflektierten. Die kleinen Lichtpunkte schienen dabei im Raum über dem Schnee zu schweben, als blickte man in einen dreidimensionalen Sternenhimmel vor weißem Hintergrund.

Naja, wahrscheinlich hätte man das eh mit keiner noch so guten Kamera vernünftig einfangen können.

Ob ihr das nun nachfühlen könnt oder einfach nur kopfschüttelnd dasitzt und euch fragt, was daran Besonderes sein soll: Ich wünsche euch ein frohes Weihnachtsfest und schöne Feiertage, und falls ihr es vorher nicht mehr schafft, mich nochmal hier besuchen zu kommen, auch einen hoffnungsvollen Jahreswechsel.


Widdershins

23. Dezember 2009

Also, Keoni meint ja, dass jetzt über die Feiertage keiner mehr Zeit hat, Blogs zu lesen und hier deshalb nix los sein wird. Wollen wir doch mal sehen.

Es ist noch gar nicht lange her, dass ich es angekündigt habe, und schon jetzt hat mich die Geduld verlassen – ich will das jetzt ausprobieren: Dieser Beitrag läuft verkehrt herum. Erst schreibt ihr Kommentare, und danach erscheint ein Artikel, der mehr oder weniger dazu passt. Und wenn es gut klappt, machen wir das in Zukunft nur noch so.

Ich glaube, ich hatte schon mal von der transdimensionalen Teleportermaschine in meinem Keller erzählt, oder? Gut. Dann muss ich nämlich nicht noch mal diese endlose Geschichte erzählen, wie es dazu gekommen ist und wie das Ding funktioniert, sondern kann gleich zur Sache kommen. Mir ist damit nämlich ein kleines Missgeschick widerfahren:

Eigentlich benutze ich das Ding ja nie, weil man nie weiß, was man kriegt. Meine Mama sagt auch immer, die transdimensionale Teleportermaschine in unserem Keller sei wie eine Schachtel Pralinen, aber ich habe keine Ahnung, wovon sie da redet. Jedenfalls wollte ich die Maschine gar nicht benutzen, sondern sie nur mal wieder ein bisschen abstauben, sie wird sonst mit der Zeit so unansehnlich. Dabei muss ich irgendwie versehentlich an den Schalter gekommen sein, denn ich fand mich unvermittelt an einem fremden Ort wieder, von dem ich auf Anhieb sicher war, dass es nicht unser Keller sein konnte. Unser Keller ist nämlich keine gewaltige Wüste aus herrlich strandigem weißem Sand, die sich gleichmäßig in alle Richtungen ausbreitet.

Da die Maschine selbst natürlich stets im Keller verbleibt und nur der Reisende transdimensional teleportiert wird, stand ich nun ziemlich dumm da, denn mir war der Rückweg abgeschnitten, zumindest, bis jemand aus meiner Familie mein Fehlen bemerkte.

Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, gehört Schatten – neben dem unschätzbaren Wasserkonzentrat, das ich aus Sicherheitsgründen immer in einem paar alter Gummistiefel bei mir trage – zu den kostbarsten Dingen, über die man in der Wüste verfügen kann. Nicht, dass irgendjemand über Schatten verfügen könnte, aber ihr versteht sicherlich, was ich meine.

Ich war deshalb sehr betrübt, als ich auch zur Zeit meiner Mittagsrast noch immer keine Quelle erfrischender Dunkelheit finden konnte. Zwar hatte ich das Interesse eines kleinen Schwarms gelber Lilien geweckt, aber die blöden Dinger spendeten nicht mal genug Schatten für einen kachexischen Schlumpf, sodass ich sie ärgerlich verscheuchte, sobald sie näher an mich herankamen. Es bereitete mir durchaus ein schlechtes Gewissen, als einige von ihnen, in blinder Panik davonstiebend, von einem der gefürchteten Rückwärtsradfahrer dieser Wüste erfasst und in seinen Speichen zerkleinert wurden.

Anhand dieses Radfahrers konnte ich sofort erkennen, wo ich mich befand. Die Wüste musste in einer Welt liegen, die ich vor einiger Zeit bereits besucht und Widdershins getauft hatte, da die Zeiger meiner Uhr hier verkehrt herum liefen.

Als ich die Herde Giraffen bemerkte, die, in einen völlig enthemmten Blutrausch verfallen, hinter ihm her raste, vergaß ich meine Schuldgefühle und ergriff selbst das Hasenpanier. Von meiner kopflosen Flucht abgelenkt, verloren die Giraffen die Fährte des Fahrers und mussten für diesen Tag hungern.

Nachdem ich ein sicheres Versteck gefunden hatte und mir sicher war, dass die Giraffen sich ein anderes Opfer gesucht hatten, kostete es mich beinahe 20 Minuten, viel Geduld und einen großen Teil meines Stolzes, eine der wandelnden Dattelpalmen anzulocken. Sie sind für gewöhnlich eher scheu, werden aber durch einen kunstvoll ausgeführten Ententanz unwiderstehlich angezogen, wenn der Ententänzer in möglichst falschen Tönen eine bekannte Opernarie singt, Schlaghosen trägt und umgehend nach seiner Rückkehr in die Zivilisation ein Album der Gruppe „US 5“ erwirbt. Selbst jetzt, da ich mich unter den schützenden breiten Blättern der Palme von dem unbarmherzigen Brennen der Wüstensonne erholen kann, bin ich nicht sicher, ob es das wert war. Andererseits hat die Palme immerhin einen WLAN-Hotspot, sodass sich mir durch sie die Chance bietet, euch diese sonderbare kleine Geschichte zu erzählen.

Sobald ich das nächste Mal in meiner ziellosen Wanderung durch die Wüste eine Gelegenheit finde, werde ich euch über den Fortgang meiner Abenteuer berichten. Bis dahin wünsche ich euch geruhsame Feiertage und viel Spaß mit dem herrlich kühlen Wetter, um das ich euch von Herzen beneide.


Won’t somebody please think of the children?

22. Dezember 2009

Vor ein paar Wochen hat unser aller Ethikrat sich dafür ausgesprochen, die so genannten Babyklappen abzuschaffen, also diese kleinen beheizten Briefkästen, in denen Mütter nach der Geburt anonym ihre Kinder abgeben können, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, sie zu versorgen.

Daraufhin brach dann ein bisschen Entrüstung los, unter anderem von Seiten der Kirchen, die die Babyklappen befürworten und offenbar der Meinung sind, die Babyklappen müssten unbedingt erhalten bleiben, um das Leben der Kinder zu schützen.

Es gab also diesen Vorschlag des Rates, und es gab Protest dagegen. So etwas wie eine öffentliche Diskussion gab es leider nicht, was ich schade finde, denn das Thema ist eigentlich interessant und wichtig.

Der Ethikrat meint, die Kenntnis seiner biologischen Abstammung sei ein elementares Recht eines jeden Menschen und konstitutiv für das Selbstverständnis.  Deshalb sei es ratsam, die Babyklappen abzuschaffen, da sie ihren Zweck (Verminderung der Kindstötungen) sowieso nicht erfüllt hätten. Ich selbst kann dieses Argument nicht so ganz ernst nehmen, denn ich verstehe die überragende Bedeutung der Kenntnis der Abstammung nicht. Wenn ich von frühester Kindheit an von meinen Adoptiveltern aufgezogen worden wäre, dann wäre die Identität meiner biologischen Eltern meiner Meinung nach für mich ein Gegenstand abstrakter Neugier, wäre mir aber nicht besonders wichtig. Aber vielleicht geht es nur mir so, weil ich ein bisschen komisch bin. Ich will das nicht verallgemeinern.

Die Babyklappenbefürworter jedenfalls widersprechen ganz empört und finden die Idee lebensfern und unmenschlich und können gar nicht verstehen, wie man das Recht auf Leben gegen das Recht auf Kenntnis der eigenen Herkunft abwägen könnte. Andre Nahles von der SPD meint zum Beispiel:

„Jedes Kind, das durch eine Babyklappe gerettet oder vor Schaden bewahrt wird, ist ein Argument gegen die Entscheidung des Ethikrates.“

Nun stellen sich mir bei Argumenten, die auf dem “Und wenn nur ein einziger…!”-Prinzip basieren, sowieso immer schon die Nackenhaare auf, aber auch davon abgesehen, ist es nicht so einfach.

Denn der Ethikrat sagt ja eben gerade, dass aus seiner Sicht die Babyklappen keine Kinder retten, sondern es nur leichter machen, sich anonym von ihnen zu trennen. Nach Ansicht des Rates können die Mütter, die ihre Kinder töten oder sterben lassen, sowieso nicht vom Angebot der Babyklappen erreicht werden.  

Was ich damit sagen will: Beide Seiten reden hier anscheinend aneinander vorbei. Es ist ganz gut zu erkennen. Nur die diskutierenden Parteien merken es nicht oder wollen es nicht merken. Das ist aber meiner Meinung nach allgemein so ein Problem, wenn Menschen diskutieren. Jeder wiederholt immer wieder seinen Standpunkt und denkt sich, was für ein Rindvieh der andere doch ist, dass er es nicht endlich einsieht. Und man ist so aufgebracht und so damit beschäftigt, dem anderen zu erklären, warum er offensichtlich im Unrecht ist, dass man gar nicht dazu kommt, ihm zuzuhören.

Meiner Meinung nach ist die entscheidende Frage, ob tatsächlich durch die Babyklappen nennenswert weniger Kinder gestorben sind. Ist das der Fall, dann halte ich das Recht auf Kenntnis der eigenen Herkunft für zweitrangig. Ist das nicht der Fall, dann sind die Klappen wohl ein falscher Weg und die Empfehlung des Rates begründet. Vielleicht kann man darüber nicht so schön aufgeregt diskutieren und empörte Sprüche in irgendwelche Mikrofone bellen, aber andererseits hätte man das beruhigende Gefühl, die Debatte voranzubringen und etwas für die Kinder zu tun. Ich mein’ ja nur. Auch wegen Weihnachten und so…


Demokratie funktioniert nicht.

21. Dezember 2009

Soooooo meine lieben Freunde, unsere überschaubare Abstimmung über meinen nächsten Fortsetzungsroman ist abgeschlossen, und ich bedanke mich herzlich für eure Stimmen und das mir entgegengebrachte Vertrauen. Es war spannend bis zum Schluss. Man könnte nun das Ganze kritisch sehen und sagen, dass wir leider keine klaren Mehrheiten gefunden haben. Ich sehe darin aber eher eine Chance und ich hoffe, dass ihr da auf meiner Seite seid.

Einerseits wurden die “Nee, lass mal”-Vertreter mit 43% (9) der abgegebenen Stimmen die stärkste Fraktion, andererseits sind die übrigen 57% (12) ja alle mehr oder weniger dafür, dass es eine neue Geschichte gibt. Darüber hinaus haben 19 Personen über die Art der Geschichte abgestimmt. Einer davon hat zwar “Nix” gewählt, aber von den anderen 18 haben ein paar anscheinend einfach vergessen, bei der ersten Umfrage abzustimmen, denn da wollten nur 12 Leute überhaupt eine neue Geschichte. Na gut. Ich bin kein Wahlforscher, ich muss das nicht verstehen. Am Ende sehe ich hier aber jedenfalls eine Mehrheit für einen neuen Fortsetzungsroman, und wer der Meinung ist, dass das etwas damit zu tun hat, dass ich von vornherein einen schreiben wollte, der hat damit vielleicht auch nicht ganz Unrecht.

Bei der Genre-Abstimmung ist das Ergebnis auch nicht durch und durch erhellend: Wenn ich fragmentjunkie mitzähle, der meine Frage in den Kommentaren beantwortet hat, dann zähle ich fünf Stimmen für eine normale Geschichte (worunter ich eine verstehe, die in unserer Zeit in unserer Welt spielt, oder zumindest in einer, die ihr sehr stark ähnelt), fünf Stimmen für Science Fiction, drei für Fantasy, eine für eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, und noch eine Stimme für alles außer Western. Schließlich war da sogar noch eine Stimme für Lenore, über die ich mich sehr gefreut habe, aber andererseits zeige ich auch gerne, was ich außer Lenore noch so kann.

Das Volk hat also gesprochen, wenn auch ziemlich wild durcheinander. Das Gute daran ist, dass ich mit so einem Ergebnis eigentlich alles machen kann, was ich will. Muahahaha!!!!eins

Liebe Leser, noch einmal vielen Dank für die Beteiligung an meiner kleinen Umfrage sowie der Diskussion in den Kommentaren. Nach langer Beratung und aufreibenden, nächtelangen Verhandlungen kann ich voller Stolz erklären, dass es zu einer Koalition aus Science Fiction und Fantasy kommen wird, die auch der “Alles außer Western”-Fraktion entgegenkommen dürfte und damit mehrheitsfähig ist. Science Fiction stellt dabei den Kanzler, und Fantasy ist der kleine Partner.

Wenn alles gutgeht, dürfte noch diese Woche das erste Kapitel des neuen Fortsetzungsromans erscheinen. Er trägt den vorläufigen Arbeitstitel “Menschenähnlich”. Vielleicht müssen wir den noch anpassen, wenn wir sehen, wie unser Baby sich entwickelt. Ich hoffe, ihr freut euch ebenso darauf wie ich.


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 519 Followern an