Was hast du dir da nur gedacht, Jan-Josef?

Die Finanztransaktionssteuer mag eine gute Sache sein, auch wenn ich das nach bisherigem Kenntnisstand bezweifle. Ich weiß nicht viel darüber. Aber dieser Spot hier, der ist ekelhaft:


[via Dondahlmann]

Weil er nämlich die Intelligenz seiner Zuschauer beleidigt. Weil er so tut, als wäre eine Steuer schon gerechtfertigt, wenn man sie bloß in niedrigen Prozentzahlen ausdrücken kann und sie scheinbar hohe Erträge bringt. Weil er mit der Illusion spielt, etwas könnte gleichzeitig viel Geld einbringen und trotzdem niemanden was kosten. Weil er den Eindruck erweckt, als wäre die Bekämpfung von Armut bisher nur daran gescheitert, dass man genau diese Steuer nicht erhoben hat. Weil er ein prinzipiell ehrenwertes Anliegen missbraucht, um seine armselige kleine Lügenbotschaft voller Neid und Missgunst zu verbreiten.

Pfui, Schämt euch!

[Nachtrag, auch aus aktuellem Anlass: Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass die Finanztransaktionssteuer eine ausgesprochen dumme Idee ist. Und mit dem “ehrenwerten Anliegen” meinte ich natürlich die Vermeidung von Armut, nicht die willkürliche Besteuerung von Vorgängen, die einem irgendwie Angst machen, weil man sie nicht versteht.]

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26 Antworten zu Was hast du dir da nur gedacht, Jan-Josef?

  1. Tim sagt:

    Ich habe einen besseren Vorschlag: Wir besteuern Armut, und zwar kräftig. Dann hat niemand mehr einen Anreiz, zuwenig Geld zur Verfügung zu haben.

  2. rgr sagt:

    Die Großen rollen halt die Milliardenkugeln, und die Kleinen fallen als Kegel. Kann man ruhig bisschen Sand auf die Bahn streuen.

  3. Muriel sagt:

    @Tim: Warum bist du noch nicht Außenminister?
    @rgr: Mag ja alles sein. Hier wird der Sand aber mit der großen Geste des Wohltäters in die Augen der Kleinen gestreut, und das ekelt mich an.

  4. Falk D. sagt:

    Fast jedes Geschäft, also mit Waren und Dienstleistungen, wird besteuert und zwar mit 7% oder 19%. Ausnahmen sind u.A. Banken, Anwälte, Ärzte und Vermieter. Das stellst Du nicht in Frage.

    Der andere Punkt ist: Eine Tobin-Steuer dämpft die Dynamik der Bankgeschäfte aber:
    ungedämpfte Systeme sind nie stabil.
    Allein aus der Systemtheorie MUSS besteuert werden.
    Eine Tobinsteuer hätte die Bankenkrise effektiv verhindert. Es gibt keine Aussage, wie die Wirtschaft mit Tobin-Steuer aussähe, aber platzende Kredit-Blasen wären nahezu unmöglich.

    Warum sollen Banken mit 11% Kapitalrendite kalkulieren dürfen, während der ganz Rest der Wirtschaft mit 4,etwas zufrieden sein soll?

    Du wirfst den Befürwortern Ausblendungen vor, aber Dein Argument verfängt nicht wirklich.

  5. Tim sagt:

    @ Falk. D

    Wenn ich das richtig sehe, hat Muriel nicht die Tobin-Steuer oder ähnliche Ideen kritisiert, sondern einen peinlichen Werbespot dafür, der ein hochkomplexes Thema auf Kindergartenniveau herunterbricht.

  6. axeage sagt:

    Also meine Intelligenz beleidigt dieser Spot nicht. Ja gut, man kann über den Plot “Steuer gegen Armut” streiten, aber welcher Werbespot spielt nicht irgendwie mit einer Illusion.
    Und hast Du Dir mal die Homepage der “Gegenseite” angesehen? Also deren “Argumente” beleidigen meine Intelligenz schon wesentlich mehr. Im Grunde führen die Banken, deren Hauptaufgabe es ist, die Märkte mit Geld und Krediten zu versorgen und die dieser Aufgabe vor allem seit der Finanzkrise nur noch äußerst halbherzig nachkommen, nichts anderes ins Feld, als dass eine solche Steuer die Kredite noch teurer machen würde. Damit konstruieren sie sich nur noch ein zusätzliches Argument, Zurückhaltung bei der Kreditvergabe zu üben. Das ist ein mindestens ebenso dünnes Brett, wie das, eine Steuer sei schon gerechtfertigt, wenn man sie bloß in niedrigen Prozentzahlen ausdrücken kann und sie scheinbar hohe Erträge bringt.

    Old Muriel, steck’ Deine Faust wieder in die Tasche.
    “Pfui, Schämt euch!” haben ganz andere verdient.

  7. Muriel sagt:

    @axeage: Natürlich ist Werbung per se nicht unbedingt die ehrlichste aller Kommunikationsformen. Aber wer auf dermaßen penetrante Weise für sich die moralische Hochebene in Anspruch nimmt, sollte sein Anliegen vielleicht schon ein bisschen anständiger an den Mann bringen als irgendein Kosmetikunternehmen seine Faltencremes.
    Insofern finde ich den Vergleich mit der Gegenseite auch schon unnötig. Trotzdem kommen mir die Argumente dort wesentlich sachlicher und ausgewogener vor – wie gesagt, ohne dass ich jetzt die Sachkunde der mich beanspruchen könnte, um zu entscheiden, welche Seite recht hat. Ich habe auch keinesfalls den Eindruck, dass die Verteuerung von Kredite das einzige Argument wäre. Aber sogar, wenn es so wäre, warum wäre es denn dann ein schlechtes?
    Dieser Spot hier ist in meinen Augen ein strahlendes Beispiel für die Diskussionskultur, die ich vorgestern kritisiert habe und die nicht nach Erkenntnisgewinn strebt, sondern nur danach, die Zuschauer zu blenden.
    Du magst das anders sehen, aber ich finde das verachtenswerter als Zumwinkels Steuerhinterziehung. Im Zusammenhang mit der hatten übrigens durchaus auch Journalisten und Staatsanwaltschaft Grund, sich zu schämen, aber das führt jetzt wirklich zu weit.

  8. Muriel sagt:

    @Falk D.: Danke für deinen Kommentar, aber, sag mal, hast Du meinen Beitrag gelesen?
    “Die Finanztransaktionssteuer mag eine gute Sache sein, auch wenn ich das nach bisherigem Kenntnisstand bezweifle. Ich weiß nicht viel darüber.”
    Steht gleich am Anfang.

  9. Falk D. sagt:

    Ich habe ihn gelesen, aber wollte herausarbeiten, dass jegliche Darstellung verkürzt werden würde und hatte auf die “Argumente” der Gegenseite referenziert, die kurz mal unter den Tisch fallen ließen, dass sie steuerlich in der Regel bislang gar nicht berücksichtigt wurden.
    Ich versuche derzeit, einen Werbeflyer in B5 zu gestalten. Das Produkt ist verglichen mit ein der Tobin-Steuer relativ einfach, da ich Veranstaltungstechnik vermiete und meine Dienste, als DJ, Veranstaltungstechniker und Berater an die Person bringen möchte. Alle Versuche hier etwas Sinnwiedergebendes, trotzdem Griffiges mit hohem Erinnerungswert zu schaffen, kann ich als gescheitert bezeichnen.

    Von daher halte ich Steuer-Gegen-Armut geradezu für einen Geniestreich. Der Begriff und der Spot mögen total Banane und auch sinnentstellend wie einst die Ich-AG sein, aber mit etwas Glück hat die Tobin-Steuer dadurch ein der _breiten_ Öffentlichkeit bekannten Platzhalter.

  10. Tim sagt:

    Mal eine ernsthafte Frage an alle Freunde der Tobin-Steuer: Glaubt Ihr wirklich, Armut ließe sich mit Geld bekämpfen? Normalerweise hat Armut vielfältige Ursachen, die man nicht einfach mit Kapitaleinfluß beheben kann. Leider gibt es auch genügend Beispiele dafür, daß Geld die Zukunftschancen ganzer Regionen verdüstern kann, wenn es in wohltätiger Absicht zur Verfügung gestellt wird.

    Die Frage, die sich bei ernsthafter Armutsbekämpfung stellen, sind jedenfalls viel, viel komplexer, als es dieser dümmliche Spot weismachen will.

  11. Falk D. sagt:

    Tim: Du setzt falschrum an und der Spot eigentlich auch. Die Tobin-Steuer ist keine Abgabe, damit fällt sie einfach in den großen Topf. Wenn Politiker sagen eine Steuer wäre für einen bestimmten Zweck, tun sie das, was sie am Besten können: Lügen.
    Die wichtigste Funktion ist, dass sich bestimmte Geschäfte nicht mehr lohnen, vor allem die Selbstverkäufe und Wiederselbstverkäufe, aber auch zigfach geschachtelte Geschäfte fallen komplett weg. Es macht keinen Sinn mehr Scheine an sich selbst zu verkaufen, nur um ihre Herkunft zu verschleiern oder die Risikobewertungen zu vernebeln. Hoch riskante Lease-and-Lease-back-Geschäfte (Sachsen LB…), bestimmte PrivateEquity-Muster und die meisten Hedge-Fonts, aber auch solche “normalen” Sachen wie spekulative Optionsgeschäfte lohnen sich damit auch nicht mehr. Im Grunde bringt jede Besteuerung von Finanztransfers das Geld der Kunden näher an die Ware bzw. der Wert der Ware wird wieder eher vom Markt bestimmt und nicht von der Spekulation (Maispreis in Mexico = 50% Spekulation). Das Reizvolle dabei ist, dass man im Grunde keine komplizierten Verbote durchsetzen oder den Handel auf anderen Börsen unterbinden sondern nur eine Steuer eintreiben muss. Gleichzeitig bringt man die Geldmengen wieder näher zusammen, da Geld nicht mehr weiterverliehen wird. Der Wirtschaftsraum wird effektiver, wenn auch weniger volatil. Außer Banken, Großkonzern mit Capital-Sparte und Börsenzockern gibt es fast nur Gewinner.

  12. Muriel sagt:

    @Falk D.: “bestimmte PrivateEquity-Muster und die meisten Hedge-Fonts, aber auch solche “normalen” Sachen wie spekulative Optionsgeschäfte lohnen sich damit auch nicht mehr”
    Womit du ja auch gleich ein ganz wichtiges Gegenargument gebracht hast, falls diese These stimmt. Optionsgeschäfte haben durchaus einen Sinn. Die gerne geäußerte These, das wäre das Gleiche wie Casinospiele, zeugt aus meiner Sicht von einem traurigen Unverständnis der Funktionsweise unserer Finanzmärkte. Spekulationen dienen dazu, Risiken abzusichern und bieten außerdem auch einen Mechanismus zur Verwertung von Informationen.
    Deine wilden Schlaraffenlandbehauptungen über die Steuer
    “Eine Tobinsteuer hätte die Bankenkrise effektiv verhindert.”
    “platzende Kredit-Blasen wären nahezu unmöglich”
    “fast nur Gewinner”
    sehe ich aus meiner Lebenserfahrung heraus schon mal als deutliche Alarmsignale.
    Zuerst fällt mir zum Beispiel ein: Wenn du Recht hast und all diese Spekulationsgeschichten – die wie gesagt durchaus ihre Berechtigung haben und meines Wissens für funktionierende Märkte kaum verzichtbar sind – im Wesentlichen wegfallen, wo kommen dann noch die 100 Milliarden Steuereinnahmen gegen Armut her?
    So ähnlich habe ich mich das schon bei der “Öko-Steuer” gefragt. Man muss sich entscheiden, ob man den Kuchen essen oder behalten will.
    [Edit, 20:23 Uhr: Meine Güte. Man sollte echt mal überlegen, bevor man schreibt. Na gut. Ich lasse diesen Kommentar im Prinzip stehen, auch wenn er ein bisschen durcheinander ist. Aber ein paar ganz schlimme Formulierungen habe ich gerade nachträglich repariert. Nur, damit sich keiner wundert.]

  13. Tim sagt:

    Ich verstehe auch überhaupt nicht, warum Volatilität schlecht sein soll. Angenommen, man geht davon aus, daß die angeblich unnötigen Finanzmarkttransaktionen ein wichtiger Krisentreiber sind. Selbst wenn man nun alle Krisenverluste der – sagen wir mal – letzten 40 Jahre zusammenzählt, sind sie doch in Relation zur Gesamtwirtschaftsleistung in diesem Zeitraum außerordentlich unbedeutend.

    Gelegentliche Kleinkrisen gehören zum Kapitalismus wie Dauerkrisen zu anderen Wirtschaftsmodellen. Verhungert ist daran noch niemand. Man sollte sich einfach damit abfinden.

  14. Zur Info: Die Macher des Spots fordern nicht die Tobinsteuer und die Tobinsteuer hätte auch nicht die Effekte, die die Macher fordern und die hier diskutiert werden.

    Hätte man wissen können, wenn man sich mit dem Anliegen des Spots auf der entsprechenden Internetseite beschäftigt hätte. ;-)

    Nichts für Ungut.

  15. Muriel sagt:

    @Daniel Drungels: Danke, guter Hinweis. Hätte ich auch immer mal drauf hinweisen wollen, aber im entscheidenden Moment war’s dann irgendwie doch nicht. Insofern ist mein Link zu Wikipedia oben auch irreführend, aber da gibts eben keinen anderen Eintrag.

  16. Peter H. sagt:

    @Falk D.

    Wie kommst Du drauf, daß auf anwaltliche Leistungen keine MwSt / USt. anfällt?
    Schlicht falsch.

  17. Muriel sagt:

    @Peter H.: Danke für die Unterstützung, aber ich fürchte, dass Falk sich schon von uns verabschiedet hat.
    Ansonsten hätte mich zum Beispiel auch interessiert, wie er auf die steile These kommt, der Maispreis in Mexiko beruhe zu genau 50% auf Spekulation, und was er damit überhaupt sagen will.

  18. meykosoft sagt:

    Hilft vielleicht weiter:

  19. Muriel sagt:

    @meykosoft: Nicht besonders. Ich weiß schon, dass es sehr bequem ist, den bösen Spekulanten die Schuld für alles Elend dieser Welt in die Schuhe zu schieben. Wenn man keine Argumente hat, kann man das im Zweifel immer noch durch moralische Entrüstung darüber ausgleichen, dass die “vom Elend anderer profitieren”, oder so.

  20. meykosoft sagt:

    “Nicht besonders” ist schon ein wenig ;-)

    und “oder so” find ich auch okay…

  21. Muriel sagt:

    Das ist zwar sehr freundlich von dir, aber wenn du nicht mal versuchen willst, mich zu überzeugen, dann frage ich mich, warum du dir überhaupt die Mühe machst, hier reinzuschauen.
    Komm, gib’s mir!

  22. meykosoft sagt:

    Naja, Du weißt halt schon wie alles geht und kennst vermutlich auch zufällig jeden Film im Netz, sodass du nur etwa Zwei Minuten benötigst einen Fünfminutenfilm zu verstehen und parallel einen Fünfzeiler Kommentar rauszuhaun… Da reicht mir „Nicht besonders“ und “oder so” halt aus ;-)

  23. Muriel sagt:

    Naja, dir wird schon klar sein, dass es Leute gibt, die Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als jedes YouTube-Video, das du ihnen ohne weitere Erläuterung vor die Füße wirfst, brav bis zum Ende anzuschauen, oder?

  24. meykosoft sagt:

    Ich habe nicht geworfen, aber weitere Erläuterungen kosten meine und Deine Zeit. Drum bin ich auch zufrieden mit „Nicht besonders“ und „oder so“…

  25. Muriel sagt:

    Ja gut. Ich kann dich nicht zwingen, mir deinen Standpunkt zu erklären.
    Dann mach’s mal gut.

  26. meykosoft sagt:

    Ja, danke Du mach’s auch mal gut. Ich schau mal wieder rein,,,

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