Menschenähnlich (9)

Ich gebe zu, ich habe es wieder ein bisschen schleifen lassen, aber immerhin war es diesmal nur eine Woche. Das ist doch eigentlich gar nicht so übel, oder? Hier ist das neunte Kapitel unseres Fortsetzungsromans “Menschenähnlich”:

Was bisher geschah:
Im ersten Kapitel wohnen wir dem Aufbruch zweier Raumfahrer namens Jake und David bei, die eine kostbare Fracht aus 13 Androiden zu einem fremden Planeten transportieren sollen.
Bereits im zweiten Kapitel folgt der abschussbedingt gewaltsame Abbruch dieser Reise. Dafür lernen wir Kalon und An’Yik kennen, die sich als reisende Helden betätigen und dabei anscheinend auch manchmal vor ethisch nicht ganz einwandfreie Vorgehensweisen zurückschrecken. Sie sehen den Absturz des Raumschiffes und hoffen auf reiche Beute.
Im dritten Kapitel erwachen Jake und David in ihrem abgestürzten Raumschiff und retten sich, einen der Androiden und ein paar andere Kleinigkeiten in ein Rettungsboot, bevor das Schiff im Meer versinkt. Gleichzeitig lauert ein Schlichter gemeinsam mit ihrem verräterischen Gefährten Berren den beiden reisenden Helden auf, um sie einem unerfreulichen Schicksal zuzuführen.
Im vierten Kapitel packen David und Jake ihr neues Spielzeug aus, und Kalon erwacht aus der Betäubung, in die der Blasrohrpfeil des Schlichters in versetzt hat. Er stellt fast, dass seine Gefährtin An’Yik ihn zwar aus der unmittelbaren Gefahr retten konnte, nun aber ihre ganz eigenen Probleme mit dem Pfeilgift hat.
Im fünften Kapitel haben wir den Autokraten und seinen Ersten Sekretär Larn kennengelernt, die gemeinsam danach streben, die kostbare Ladung der Emerald-17 in die Hände zu bekommen. Währenddessen lernten David und Jake ein Stück dieser Ladung noch etwas näher kennen, und Kalon und An’Yik fanden ihre Spuren im Sand.
Auch im sechsten Kapitel kam noch mal jemand Neues dazu: Shianuk und ihr Onkel Noot haben einen unserer Androiden am Strand gefunden, werden aber leider unterbrochen, bevor sie ihn näher kennenlernen können. Währenddessen erklärt Jake David, was genau ihn an der Maschine so sehr stört, bis die mit Kalon und An’Yik ans Lagerfeuer zurückkehrt.
Im siebten Kapitel muss der Erste Sekretär unter äußerst widrigen Umständen eine Reise beginnen, Kalon bietet sich und An’Yik als Führer an, wird aber von der überraschenden Ankunft weiterer Besucher unterbrochen, und Shianuk lernt den Mann aus der Kiste kennen.
Jake findet im achten Kapitel seine Munition nicht, aber Kalon kann die Gruppe mit einem gewagten Bluff retten. Shianuk beantwortet die Fragen des Mannes aus der Kiste, so gut sie kann, und lässt sich überreden, sich mit ihm auf die Reise zum Autokraten zu machen.

Was heute geschieht:
Die Schuhe des Zweiten Sekretärs Mroskut waren nicht eisenbeschlagen wie die des Ersten, aber auch sein eiliger Schritt verursachte ein deutlich hörbares Klack-Klack-Klack, als er durch den Großen Saal eilte. Auch seine Rockschöße wehten hinter ihm her, und auch sein Blick war gehetzt, doch manches unterschied ihn von seinem Vorgesetzten.
So wichen zum einen die Höflinge weitaus weniger eifrig aus seinem Weg, und die Leibgardisten des Autokraten kreuzten mit lautem Klirren ihre Hellebarden vor der Mannluke zum Büro ihres Gebieters.
Mit einem ungeduldigen Schnauben überreicht er einem der Gardisten seine Aktenmappe und ließ sich von einem anderen gründlich abtasten. Als ob er 20 Jahre seines Lebens in der Bürokratie von Tashino-Ri gekatzbuckelt und die eisernen Sohlen dieses armseligen Gecken Larn geleckt hätte, um dann bei der ersten Gelegenheit mit seiner stets perfekt angespitzten Feder auf den Autokraten loszugehen. Das Gesindel würde schon noch lernen, ihn zu respektieren, wenn er mit dem Autokraten gesprochen hatte. Die Zeiten des Speichelleckens waren vorbei.
Der Leibgardist reichte ihm die schwarze Ledermappe mit einem herablassenden Kopfnicken zurück, das dem Zweiten Sekretär in lebhafte Erinnerung rief, warum die bronzenen Ritter von jedem Höfling genauso gehasst wie gefürchtet wurden.
„Vielen Dank”, murmelte er säuerlich, unruhig darauf wartend, dass sie ihm die Luke öffneten.
Er hatte schon vor über 10 Gläsern hier sein sollen, aber es war ihm nicht anders möglich gewesen. Erst hatte er noch diese wichtigen Anordnungen für die Wiedereinsetzung des Vogts von Iliuz und die Hinrichtung des Prätendenten unterzeichnen und versiegeln müssen, dann hatte er mit seiner Patrona noch etwas länger als geplant die Vorbereitungen für den Empfang des Legaten von Jankun besprochen, und nun standen ihm diese gepanzerten Esel im Weg. Mroskut hoffte, dass der Autokrat darüber hinwegsehen würde, nachdem er die Unterlagen gesehen hatte.
Endlich schob einer der Gardisten die Mannluke auf, und der zweite Sekretär betrat zum ersten Mal in seinem Leben die Gemächer des Autokraten.
Er hatte eigentlich vorgehabt, mit sicherem Schritt bis zum Schreibtisch des Autokraten zu gehen, dort niederzuknien und auf die Aufforderung zum Sprechen zu warten, aber nach den ersten drei Schritten blickte er kurz auf und blieb stehen, als wäre sein Werk abgelaufen und er müsse neu aufgezogen werden. Er hatte den Autokraten schon einige Male aus der Ferne gesehen, aber da hatte er immer seine weite schwarze Robe mit der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze getragen. Die Robe trug er auch heute, aber die Kapuze war zurückgeschlagen und er sah zum ersten Mal das Gesicht seines Herrschers.
Der Autokraten war kein Mensch. Er war auch kein Kehlar. Er war überhaupt nichts, was Mroskut jemals gesehen hatte. Seine Haut war glänzend schwarz, als wäre er gerade eben mit flüssigem Teer übergossen worden. Im Kontrast dazu standen zwei große, strahlend weiße Augäpfel mit winzigen Pupillen von der Größe eines Stecknadelkopfes ohne erkennbare Iris über zwei einfachen Löchern in seinem Gesicht, wo eine Nase hätte sein sollen. Ein wenig unterhalb der Stellen, an denen bei Menschen die Ohren ansetzen, entsprangen zwei spiralförmig gebogene Widderhörner, und über den Scheitel seines kahlen Hauptes verlief eine gelblich weiße Knochenleiste.
„Ach du…“ ächzte der Zweite Sekretär.
„Ja?“ Der Autokrat schaute ihn erwartungsvoll an. Vielleicht hätte er seine Augenbrauen gehoben, wenn er welche gehabt hätte. „Sagen Sie, was Sie zu sagen haben!“
Seine Stimme klang völlig anders als bei seinen öffentlichen Reden. Sie war ein leises, lauerndes Zischen, das den Zweiten Sekretär an die Stimme eines Dämons erinnerte, mit dem man um seine Seele feilscht.
„Ich… Verzeihung, mein Gebieter, ich war nur…“
Er wankte die letzten Schritte bis vor den Schreibtisch, wo er auf die Knie fallen und seinen Blick senken konnte und auch nicht mehr den bohrenden Blick dieser schwarzen Punkte in den nackten weißen Augäpfeln ertragen musste.
„Angeekelt? Erschrocken?“
„Oh nein, ich meinte… überrascht. Ich bitte um Vergebung, mein Herrscher.“
„Ein Mann in Ihrer Position sollte wissen, dass der Autokrat niemals vergibt“, antwortete die zischelnde Stimme.
Der Sekretär versuchte noch einmal, den Autokraten anzusehen. Er bereute es sofort. Sein Herrscher grinste zu ihm herab und entblößte dabei vier daumendicke Hauer in seinen Mundwinkeln.
„Ich vergaß, bitte verz- Äh… Es… Es soll nicht wieder vorkommen.“
Er versuchte, wieder etwas Würde in seine Haltung zu bringen und von Neuem zu beginnen.
„Dann können wir ja vielleicht zum Grund Ihres Besuches kommen, ja?“
Beinahe hätte der zweite Sekretär zugestimmt, konnte sich aber gerade rechtzeitig noch zurückhalten. Der Autokrat benötigte gewiss nicht seine Zustimmung für irgendetwas.
„Was haben Sie mir zu berichten?“
„Es gibt noch nichts Neues von dem… Ereignis, aber es gibt noch eine andere Angelegenheit, die ich gerne vortragen möchte.“
Der Autokraten nickte; oder senkte er nur den Kopf, um etwas auf seinen Schreibtisch zu suchen?
„Tragen Sie vor.”
Der Zweite Sekretär begann unsicher: “Es geht um… Larn, mein Gebieter.“
Der Autokrat hob seinen Kopf wieder und starrte ihn aus seinen perlweißen Augen mit den schwarzen Stecknadelköpfen darin an.
„Sie meinen den Ersten Sekretär?”
„Genau, mein Gebieter. Ich wollte Ihnen berichten, dass ich Grund zu der Befürchtung habe, dass er Ihnen nicht so treu ergeben ist, wie es wünschenswert wäre.“
Die Oberlippe des Autokraten schob sich etwas nach oben und entblößte seine Hauer noch ein Stück weiter. Es war nicht ganz klar, ob es sich um ein Zähnefletschen oder ein Lächeln handelte.
Mroskut schluckte und fuhr fort: “Ich habe Dokumente, die belegen, dass Larn in mehreren Fällen auf die hochnotpeinliche Befragung von Gefangenen hat verzichten lassen, obwohl sie erforderlich gewesen wäre. Außerdem hat er meines Erachtens eine beschämende Weichherzigkeit gegenüber Häretikern und Verrätern gezeigt.“ Er öffnete seine Aktenmappe. “Ich würde Ihnen gerne diese Protokolle hier“
„Was meinen Sie, wenn Sie das Wort ‚erforderlich’ benutzen?” unterbrach ihn der Autokrat.
Der Zweite Sekretär war verwirrt. „Ich… Ähm… Mein Gebieter, ich meine- Nun… Es wäre nötig gewesen, die Gefangenen hochnotpeinlich zu befragen, um sicherzustellen“
„Wie gelangen Sie zu der Erkenntnis, es wäre nötig gewesen?“ unterbrach der Autokrat ihn ein zweites Mal. Mroskut fürchtete, dass dieses Gespräch nicht so laufen würde, wie er erwartet hatte.
„Genau das wollte ich gerade erläutern, mein Gebieter wenn Sie mir erlau-“
Abermals zerschnitt das leise Zischen der Stimme des Autokraten die Worte des Zweiten Sekretärs: „Habe ich es gesagt? Hat der Erste Sekretär es gesagt?“
„Nein, mein Gebieter, aber ich-“
„Nein? Das ist merkwürdig.“
„Gebieter?“
„Ich bin alt, Mroskut. Sie müssen nachsichtig mit mir sein. Ich scheine vergessen zu haben, dass außer dem Ersten Sekretär und mir noch jemand in diesem Reich über die Autorität verfügt, den Entscheidungen des Ersten Sekretärs zu widersprechen.“
Mroskut war für einige schreckliche Sekunden sprachlos. Er spürte, wie das Blut aus seinem Gesicht wich. Er bemerkte erst, dass er den Atem angehalten hatte, als er es nicht länger konnte und Luft holen musste.
„Ich… Es… Ich meine… Lassen Sie mich bitte“ keuchte er „Ich würde gerne kurz erklären, was ich…“
Der Autokrat schob Mroskut eine kristallene Schale entgegen, die auf seinem Tisch stand. „Plätzchen?“
„Vielen Dank.“
Der Zweite Sekretär entspannte sich wieder ein wenig, griff zu und schob es sich ganz in den Mund. Er musste sich beherrschen um es nicht sofort wieder auszuspucken, und es dauerte eine ganze Zeit bis er seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle bekam. Das grauenvolle Gebäck war dermaßen versalzen, dass der Geschmack nach ranziger Milch und faulen Eiern fast übertönt wurde. Aber eben nur fast. Unter Aufbietung all seiner Willenskräfte schluckte der Zweite Sekretär das Plätzchen herunter. Es war bemerkenswert weich und hatte sich in seinem Mund fast sofort in einen widerlich schleimigen Brei verwandelt. Der Nachgeschmack war fast noch schlimmer, denn in ihm war der Anteil der faulen Eier noch wesentlich größer.
Der Zweite Sekretär fühlte einen starken Brechreiz, konnte sich aber mit Mühe noch beherrschen.
„Ist es gut?“ erkundigte der Autokrat sich.
„Oh, ja, ja…“
Er wandte sich vom Schreibtisch ab und versuchte, in Richtung Tür zu wanken. Doch noch bevor er sie erreicht hatte, verschwamm die Welt vor seinen Augen, und seinen Aufprall auf den Boden nahm er schon kaum noch war.
Der Autokrat nahm selbst eines der Plätzchen und schob es sich in den Mund. In einer über Jahrtausende eingeübten Bewegungsabfolge streifte er sich die Kapuze übers Gesicht, griff nach den Krücken hinter der Rückenlehne seines Sessels, erhob sich mit einem gequälten Stöhnen und humpelte zur Leiche des Zweiten Sekretärs.
Einige Sekunden lang blickte er grinsend auf ihn herab.
„Ich hoffe, mein Auftreten gegenüber Verrätern ist Ihnen unbarmherzig genug, Mroskut“, zischte er.
Er humpelte weiter zur Tür und trat vorsichtig dagegen. Sofort öffnete einer der Leibgardisten die Mannluke, blickte auf die Leiche herab, nickte, winkte zwei andere heran und wies auf den toten Körper.
„Ich fürchte, ich habe hier etwas fallengelassen“, wisperte der Autokrat. „Räumen Sie es doch bitte für mich weg.“
Sofort ergriffen die beiden den ehemaligen Zweiten Sekretär und trugen ihn fort.

„Ich habe eine Zeichnung von dem Objekt anfertigen lassen, so gut Weibel Jemyn und seine Männer es beschreiben konnten. Demnach wäre es-“
„Eine Dose!“ Larn stützte seine Ellenbogen auf den Schreibtisch und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Er saß in einem sehr geräumigen Zelt im Lager der Armee des Autokraten bei Lillith, gegenüber dem Befehlshaber derselben, General Karschekk. Karschekk war mit 37 Jahren ein für seinen Rang sehr junger Mann und nach Larns Auffassung etwas zu korpulent für einen Soldaten der autokratischen Armee, hatte aber ansonsten bisher einen ganz brauchbaren Eindruck hinterlassen.
Stumm im Hintergrund standen fünf autokratische Leibgardisten, die an Larns Knöchel gekettet hätten sein können, so penetrant folgten sie ihm bei jedem Schritt, und natürlich die junge Patrona, die in der Kutsche ihren Kopf gegen den seinen geschlagen hatte. Sie hatte das seitdem nicht wiederholt, was Larn reichte, um vorerst mit ihr zufrieden zu sein.
„Sie haben vier Jäger der Autokratischen Armee mit einem Erfrischungsgetränk in die Flucht geschlagen. General, ich kann das überhaupt nicht glauben, würden Sie mir bitte sagen, dass das nicht wahr ist?“
General Karschekk wiegte nachdenklich seinen Kopf von links nach rechts. „Sie konnten es nicht wissen. Trotzdem werde ich natürlich angemessene disziplinarische Maßnahmen-“
„Wie sind diese preisgekrönten Hornochsen überhaupt auf die Idee gekommen, mit nicht mehr als ein paar Armbrüsten fünf Weltraumreisende festnehmen zu wollen?“
„Der Befehl lautete, sie aufzuspüren und hierherzubringen, Exzellenz.“
„Ich habe den verdammten Befehl gegeben, General, und er lautete, sie zu aufzuspüren. Punkt. Vielleicht wären sie ja freiwillig mitgekommen! Und wenn nicht, hätte man vielleicht ein bisschen Verstärkung gebraucht. Haben Sie Ihren Männern das Denken verboten, oder haben die von selbst damit aufgehört?“
Larn konnte sehen, wie der General einige wütende Antworten erwog, um sie dann herunterzuschlucken.
„Ich werde dafür sorgen, dass so ein Vorfall sich nicht wiederholt, Exzellenz.“
„Konnten Ihre vier Spezialisten sich wenigstens neben der Granatendose auch noch erinnern, wie die Gesuchten aussahen?“
„Die Skizzen werden bereits verteilt, Exzellenz. Sie finden Sie in der Mappe hinter der Zeichnung der Waf- der Getränkedose. Sie werden wahrscheinlich erkennen, dass es sich nur um drei Weltraumreisende handelt, und zwei Einheimische. Sie scheinen in dieser Provinz eine gewisse Popularität als reisende Helden zu genießen. Sie retten entführte Kinder, beschützen Kaufleute vor Räubern und fangen gesuchte Verbrecher. Wir versuchen noch, mehr über sie herauszufinden, aber ich habe den Verdacht, dass die beiden etwas weniger heldenhaft sind, als es auf den ersten Blick scheint.“
„Bei wem ist das anders, hm?“
Der General zwang sich zu einem pflichtschuldigen Lachen und fuhr fort: „Einen Mast südlich von Lillith haben wir eine Kiste gefunden, für die das Objekt, das die Taucher entdeckt haben, den Deckel darstellen könnte.“
„Was für eine Kiste?“
„Eine längliche Kiste aus sehr leichtem Metall. Wir vermuten, dass es sich um einen Sarg handelt.
„Ein Sarg.“ Larn hob seine rechte Augenbraue. „Die stürzen mit ihrem Schiff ins Meer, retten in letzter Sekunde noch einen Sarg, den sie auf dem Weg zur Küste öffnen, um den Deckel ins Meer zu werfen. Am Strand lassen sie schließlich auch den Sarg selbst liegen und schleppen nur noch die Leiche mit. Was stimmt nicht an dieser Theorie?“
„Unsere Jäger haben keine Leiche bei ihnen gesehen. Wir vermuten deshalb, dass etwas anderes dahintersteckt“, erklärte der General.
„Sagen Sie bloß. Und was machen wir mit Ihren vier Gehirnakrobaten? Sie hatten Befehl, die Fremden zu uns zu bringen, aber sie haben es nicht getan. Sie haben die Angst um ihr eigenes Leben über ihre Befehle gestellt“, sagte Larn. „Die Strafe dafür ist Exekution, oder?“
„Selbstverständlich, Exzellenz.
„Dann sehen Sie mal zu, dass Sie eine kleine Show für Ihre Truppe auf die Beine stellen. Es soll sich ja auch lohnen.“
„Aber sie konnten es doch nicht wissen!“ erklang eine helle Stimme aus dem Hintergrund.
Der General sah aus, als hätte ihm jemand einen Eimer mit kaltem Wasser über den Kopf geschüttet. Larn hätte beinahe laut aufgelacht, aber er hatte es nicht zum Ersten Sekretär gebracht, weil er seine Impulse nicht unter Kontrolle hatte. Er wandte sich bedächtig zu seiner Patrona um und hob eine Augenbraue.
„Vielleicht ist das eine dumme Frage“, sagte er, „Aber… Hast du mir gerade widersprochen?“
Sie lief geradezu beängstigend rot und, begann zu zittern und senkte ihren Blick zu ihren Schuhen.
„Ich… Verzeiht bitte, Exzellenz, aber ich dachte… Sie haben doch immerhin alles zugegeben und von dem Vorfall berichtet. Wenn sie das nicht getan hätten, wüssten wir von nichts, und es scheint mir… Ich meine, vielleicht sollte man sie dafür nicht bestrafen, sonst erfahren Sie beim nächsten Mal gar nichts davon, wenn so etwas noch mal passiert. Oder?“
Larn hatte sein Gesicht von General Karschekk abgewandt, und seine Patrona starrte auf ihre Zehen. Er erlaubte sich eine Andeutung eines Lächelns.
„Wie ist eigentlich dein Name, Mädchen?“ fragte er.

Lesegruppenfragen:

  1. Zuerst das Grundsätzliche: Fandet ihr die Szenen interessant, oder war euch das zu viel Gelaber und zu wenig die eigentlichen Protagonisten?
  2. Glaubt ihr, dass es auch noch einen Dritten Sekretär gibt? Oder muss der Autokrat jetzt erst mal alles selber machen?
  3. Was würdet ihr an Larns Stelle mit den vier Soldaten machen? Was haltet ihr von der Wortmeldung seiner Patrona?
  4. An der Sache mit dem Hörbuch/Podcast arbeite ich. Vorerst scheint mir Youtube technisch die bei Weitem sinnigste Lösung zu sein, obwohl man von dort ja nichts downloaden kann. Alternativ kann ich auch hier direkt Videos und Klänge hochladen, wenn ich so ein komisches WordPress-Upgrade kaufe, von dem ich nicht genau weiß, wie es funktioniert. Habt ihr vielleicht noch bessere Ideen?
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12 Antworten zu Menschenähnlich (9)

  1. Guinan sagt:

    1. Mal wieder zu kurz, die Personen sind interessant genug für mehr Raum. Der Autokrat gefällt mir, Jahrtausende erleben, toll – ähm – oder vielleicht auch nicht.
    2. Es wird sicherlich auch noch einen Dreißigsten Sekretär geben. Evtl. aber auch zwei oder drei, die sich den dritten Posten teilen und sich für den Aufstieg zur Nummer 2 bewähren müssen.
    3. Strafe muss sein, alles andere wäre in dieser Gesellschaft unlogisch. Ich bin gespannt auf deine Entscheidung. Bleibt die positive Darstellung von Larn oder kehrt er jetzt wieder den Großkotz hervor?
    Erstaunlich, dass die Patrona sich traut etwas zu sagen. Da ist also anscheinend auch Entwicklungspotential.
    4. Malte fragen?

  2. Muriel sagt:

    @Guinan: Danke für den Kommentar!
    1. Doch, ich finde, schon. Wer früher stirbt, ist länger tot, und das finde ich eigentlich nicht besonders erstrebenswert.
    3. Mal sehen. Ich lerne meine Charaktere auch mit der Zeit immer besser kennen.
    4. Welchen Malte meinst du denn da?

  3. Guinan sagt:

    1. Jahrtausende können sich ganz schön hinziehen. Man ist immer nur auf der Durchreise und lässt alle Anderen hinter sich zurück.
    4. Malte Welding meinte ich. Da er schon einige Podcasts gemacht hat, kann er dir vielleicht eine einigermaßen praktikable Lösung empfehlen.

  4. Muriel sagt:

    @Guinan: 1. Das Argument habe ich nie ganz verstanden. Wer nur 70 Jahre lang lebt, lässt doch auch andere zurück und ist eigentlich noch viel mehr nur auf der Durchreise, oder? Aber das ist Geschmackssache. Ich will hier niemandem das ewige Leben aufzwingen, der es nicht will.
    4. Ich fürchte, der wird gerade keine Lust haben, mir zu helfen. Abgesehen davon arbeitet der aus einer anderen Position heraus als ich, nämlich mit einem eigenen Server. Trotzdem danke für den Tipp.

  5. Guinan sagt:

    1. Ich gehe jetzt mal von der Prämisse aus, man ist der einzige Unsterbliche in weitem Umkreis. Die Vorstellung, immer und immer wieder alle Freunde und Partner zu verlieren, erscheint mir sehr erschreckend. Es ist schon schlimmm, wenn man das nur einige wenige Male erlebt, aber was passiert mit der eigenen Psyche nach dem huntertsten Verlust? Kann man sich überhaupt noch an etwas erfreuen, wenn man genau weiß, ist ja doch bald wieder alles vorbei?

    4. Könntest vielleicht Recht haben, ich habe die Diskussion verfolgt. Äußerst unterhaltsam. Aber eigentlich – kleinliches Verhalten wegen unterschiedlicher Meinungen – nee, das glaub ich dann doch nicht.
    Warum nutzt du keinen eigenen Server? Der eröffnet dir ganz andere Möglichkeiten?

  6. Muriel sagt:

    @Guinan: 1. Ich verstehe das schon. Aber wenn man kurz lebt, ist ja auch bald wieder alles vorbei, nur nicht so oft.
    2. Nein, du hast Recht, ich glaube auch nicht, dass er das so ernst nimmt.
    Ich bin nicht sicher, ob ein eigener Server wirklich so viele Möglichkeiten eröffnen würde. Bei WordPress könnte ich ja auch alles direkt hochladen, es würde nur was kosten. Und den Server müsste ich auch bezahlen. Ansonsten vermisse ich eigentlich nichts.

  7. Chlorine sagt:

    Huch, wieder mal sehr kurzweilig!

    1. Von dem Punkt an, wo der Autokrat beschrieben wird, war mein Interesse so hoch wie bei den anderen Kapiteln.

    2. Der Autokrat braucht sicher jemanden, der ihn wäscht, zu Bett bringt und… hin und wieder die Kekse auffüllt. Wo kann ich mich bewerben? ;)

    3. Öffentliches Auspeitschen genügt völlig. Danach folgt die Bewährungszeit.
    Der Einwand konnte eigentlich nur von einer Frau kommen. Sie wird künftig den Autokraten stürzen; ganz sicher.

    4. Ich habe immer nur schlechtere Ideen. Du machst das schon!

  8. 1. Ich fand’s sehr interessant, nun wissen wir auch schon etwas mehr über den Herrscher, und die Sache mit den Plätzchen habe ich mir gleich mal als Anregung notiert. ;-)
    2. Da werden doch wohl genug Schlei… äh… verantwortungsvolle menschenähnliche Gestalten Schlange stehen, um diese Aufgabe zu übernehmen, hoffe ich. Herrscher können nicht alles alleine erledigen.
    3. Mutig von der Patrona, wohl auch etwas unüberlegt, aber ich bin gespannt, wie es mit den beiden weitergeht. Ob Larn sich dazu durchringen kann, seine Entscheidung umzustoßen?
    4. Ich habe ja diese WordPress-Ergänzung, Du kannst es Dir ja mal bei mir angucken, die Rubrik heißt glaube ich “Podcast des Monstergrauens” oder so ähnlich, und so heißt sie nicht ohne Grund. :-) Falls Du die Ergänzung nicht kaufen willst, könnte ich ja auch die Kapitel bei mir hochladen und Du verlinkst sie dann, das müsste ja eigentlich auch gehen. Speicherkapazität habe ich glaube ich noch genug über, meine Podcastreihe ist ja sehr überschaubar geblieben. (Nix zu danken, liebe Menschheit, gern geschehen.)

  9. Muriel sagt:

    @Chlorine: 2. Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Frage.
    4. Ich weiß dein Vertrauen zu schätzen.
    @Fellmonsterchen:
    1. Schön, dass ich dir bei deinen Weltbeherrschungsplänen helfen kann, und sei es nur in kleinen Details.
    2. Du sagst es.
    4. Mal schauen. Ich denke auch über das Upgrade nach. Eigentlich ist es ja wirklich nicht teuer.

  10. [...] das Podcast-Upgrade habe ich dann jetzt bei der Gelegenheit auch [...]

  11. Andi sagt:

    1. Ich fand die Szenen gut, weil man erstens weiß, mit wem man es zu tun hat, was der Autokrat für ein Mensch ist. Also, Mensch in weitestem Sinne. Also… du verstehst, was ich meine. (Mich hat´s bei dieser Szene sehr gefröstelt, ehrlich gesagt.)Zweitens, und das bezieht sich jetzt auf die zweite Szene, lernt man auch den Ersten Sekretär besser kennen. Und seine Schritte weiterzuverfolgen bzw. zu beschreiben, war ja auch notwendig. Insofern: nein, kein Gelaber.

    2. Ich schätze, der Autokrat wird schon noch jemanden haben, der die (Drecks)Arbeit für ihn erledigt. Ob das nun ein Dritter Sekretär ist oder sonstwer…

    3. Der Erste Sekretär handelt ja vermutlich auch nach Anweisung… und führt nun lediglich einen Befehl aus. Legitim also. Wenn auch moralisch höchst verwerflich…
    Der Einwurf der Patrona ist natürlich mutig. Wenngleich auch unsinnig, denk ich. Schickt der Erste Sekretär halt neue Soldaten los, um die Aufträge auszuführen. Ich denke, sie wird Mut geschöpft haben, nachdem der Erste Sekretär in der letzten Szene einen leichten Anflug von Nettigkeit bekam.

  12. Muriel sagt:

    @Andi: 1. Gefröstelt sogar? Bin begeistert.

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