Wenn ich die Augen zumache, können sie mich nicht sehen…

30. April 2010

Aha. Es ist also mal wieder soweit. Nieder mit den Zockern. Wer mit Spekulationen Staaten in Schieflage bringe, gehört gebrandmarkt. Ich glaube manchmal, dass die CSU es nicht besser hinbekäme, mich zu ärgern, wenn sie es gezielt darauf anlegten. “Der Gegner sind die Spekulanten an den internationalen Finanzmärkten, die staatliche Währungen kaputtmachen wollen und auf Staatsbankrotte setzen” sagt der Generalsekretär dieser Selbsthilfegruppe bornierter Dorftrottel, und bekanntermaßen steht er mit seiner Einstellung auch außerhalb seines blauweißen Kegelclubs keineswegs alleine da. Deshalb einmal kurz zum Einstieg an alle, die undifferenziert über Casino-Kapitalismus schimpfen: Ihr regt mich auf. So. Jetzt kann ich wieder sachlich.

Falls ihr noch gar nicht wisst, wovon ich rede: Herr Dobrindt findet es doof, dass manche Leute mit verschiedenen Finanzinstrumenten darauf gesetzt haben, dass Griechenland seine Schulden nicht bezahlen kann. Die Einzelheiten dieser Instrumente erkläre ich hier nicht, weil sie aus meiner Sicht für diejenigen unter euch, die es nicht eh schon wissen, wohl furchtbar langweilig wären. Aber stark vereinfacht ist der Vergleich vielleicht gar nicht so falsch, dass es sich dabei um eine Art Wette auf einen griechischen Staatsbankrott handelt. Das ist in meinen Augen erst einmal eine Ausübung der allgemeinen Handlungsfreiheit, die der Staat nicht zu unterbinden hat, sogar, wenn ich mich nur aus Jux und Tollerei dazu entscheide.

Darüber hinaus erfüllen diese Spekulationen aber sogar noch verschiedene wichtige Funktionen: Sie sind ein Informationsinstrument. Sie sammeln die Informationen der Marktteilnehmer und machen sie verfügbar. Sie erlauben damit bessere Prognosen über die Zukunft, ähnlich wie die Quoten von Buchmachern eine ziemlich gute Prognose darüber erlauben, wie Sportwettkämpfe ausgehen. Genauso wie diese Quoten liegen sie nicht immer richtig. Aber sie liegen auf lange Sicht öfter richtig als jede einzelne Person, und sei sie auch noch so klug und gut informiert. Das liegt daran, dass diese Quoten und Preise aggregiert sind aus vielen, vielen Einzelprognosen und uns daher erlauben, auf elegante und effiziente Art, die Weisheit der Vielen zu nutzen.

Das Ziel des Verbots solcher Spekulationen rechtfertigt sich, so wie ich es verstehe, ungefähr so: Wer darauf wettet, dass zum Beispiel der Wert einer Aktie sinkt, der hat ein Interesse daran, dass es dem entsprechenden Unternehmen schlechter geht. Er hat also einen Anreiz, dem Unternehmen zu schaden. Oder einer Währung, oder einem Staat, um beim aktuellen Beispiel zu bleiben. Damit er das nicht tut, verbietet man diese Art von Spekulation. Das ist in meinen Augen ungefähr so, als würde man Gebäude-Brandversicherungen verbieten, damit Hauseigentümer keinen Anreiz mehr haben, ihre Häuser anzuzünden.

Denn auch das ist eine Funktion von Finanzderivaten: Sie begrenzen Risiken. So ist das beispielsweise bei den Leuten, die darauf spekulieren, dass Griechenland seine Kredite nicht bedienen kann. Viele von ihnen sichern auf diese Weise einfach nur Kredite ab, die sie an Griechenland gegeben haben. Aber ich will das hier nicht zu weit ausufern lassen und wieder zum Kern der Sache zurückkommen:

Genauso, wie man auf fallende Kurse spekulieren kann, kann man auch auf steigende wetten. Zum Beispiel, indem man heute eine Aktie zu einem bestimmten Termin kauft und darauf hofft, dass der Preis dafür bis dahin höher liegen wird als der, den man jetzt vereinbart. Ich würde sogar behaupten, dass tatsächlich zu jeder Spekulation auf fallende Preise jemand gehört, der auf steigende oder zumindest weniger stark fallende Preise spekuliert. Weil es keinen Verkauf ohne Käufer geben kann. Und wer das macht, der hat einen Grund, Märkte so zu manipulieren, dass die Preise steigen, was auch gefährlich sein kann. Das Problem an den gefürchteten Immobilienblasen ist ja nicht, dass die Preise am Ende zusammenbrechen, denn das ist gerechtfertigt. Das Problem ist, dass die Preise vorher endlos steigen.

Man schließt durch den von Herrn Dobrindt gewünschten Kampf gegen die schlechten Spekulanten also gewissermaßen einige Stimmen aus dem Markt aus, die fallende Preise prognostizieren. Das verringert die Prognosefähigkeit des Marktes und verzerrt die Preisbildung. Oder, um es mit Rayson von B.L.O.G. zu sagen: “Spekulation ist wohl nur dann echte Spekulation, wenn sie dem Willen der Politik zuwiderläuft.”


Coffin, Baby Boy

29. April 2010

Den regelmäßigen Lesern dieses Blogs ist unter Umständen schon einmal der Verdacht gekommen, dass ich möglicherweise manchmal einen etwas infantilen Humor habe. Nun, ihr müsst euch nicht länger den Kopf zerbrechen, ich kann diesen Verdacht offiziell bestätigen.

Das äußert sich unter anderem in einer kindlichen Freude an dummen Wortwitzen, von denen ich aber leider die meisten nur auf Englisch kenne. Das soll mich nicht davon abhalten, sie mit euch zu teilen. Ich fürchte, dass ich der Einzige bleiben werde, der über die folgenden Geschichten lachen kann, aber das ist ja das Fantastische an so einem Blog: Ich darf sie trotzdem hier veröffentlichen, und ihr könnt einfach warten, bis wieder was Vernünftiges erscheint. Also hoffentlich morgen.

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Menschenähnlich (16)

27. April 2010

So, es ist spät und ich muss in’s Bett, deshalb hier ohne Umschweife und große Worte das nächste Kapitel Menschenähnlich. Viel Spaß!

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Missverständnisse

26. April 2010

Die zukünftige niedersächsische Sozialministerin hat in einem Interview gesagt, dass sterbende Juden an antiken Folterinstrumenten Kruzifixe aus Schulen entfernt werden sollen. Nach einem problemorientierten Gespräch mit unserem Ministerpräsidenten hat sie er nun dankenswerterweise klargestellt: So war das nicht gemeint. Ach so.

Die Stammleser unter euch wird es vielleicht überraschen, dass es mir eigentlich herzlich egal ist, ob irgendwo Kruzifixe hängen. Ich wäre in meiner Schulzeit nie auf die Idee gekommen, mich darüber zu beschweren, wenn jemals eins in einem Klassenzimmer gehangen hätte – obwohl es mir sehr, sehr merkwürdig vorgekommen wäre, aber mir kam auch so schon vieles merkwürdig vor, das wäre also gar nicht weiter ins Gewicht gefallen. Schließlich finde ich, dass jemand, der sich von so einem Ding ernsthaft belästigt oder beängstigt oder unterdrückt fühlt, noch viel dringendere Probleme hat als seine beeinträchtigte Religionsfreiheit.

Was mich stört, sind also nicht die Kruzifixe. Was mich stört, ist die übelkeitserregende Heuchelei, die aufgefahren wird, um sie zu verteidigen. Das fängt schon mal mit so Sprüchen an wie diesem:

„Wir bitten zu beachten, dass das christliche Kreuz nicht nur ein religiöses Symbol ist, sondern für uns auch Ausdruck unseres westlichen Werteverständnisses, welches die Grundlage unserer christlich-demokratischen Partei ist.”

Nein, klar. Das christliche Kreuz ist nicht nur ein religiöses Symbol und deshalb total okay. Genau wie das Kopftuch. Äh. Nee. Moment. Das Kopftuch ist zwar auch nicht nur ein religiöses Symbol, aber genau deshalb nicht okay. Glaube ich. Oder wie? Naja. Egal. Jedenfalls ist das Kreuz auch ein Symbol der CDU und muss deshalb unbedingt in jeder Schulklasse… Nee, auch wieder nicht. Naja, ihr wisst schon, wie der Lechner das meint.

Vollends übel wird mir, wenn ein Integrationsbeauftragter (!) unserer größten Volkspartei (!) meint, sich mit der Bemerkung hervortun zu müssen:

“Politiker, die Kreuze aus Schulen verbannen wollen, sollten sich überlegen, ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen Stelle sind”

Verdammt noch mal, wie schwer ist das eigentlich? Ein bisschen Selbstreflexion? Mal nachdenken, bevor man sich in irgendwelche Mikrophone erbricht? Was würde die CDU wohl sagen, wenn eine SPD-Regierung das Kommunistische Manifest in Klassenräumen aushängen würde? Wenn die Grünen da, wo sie mitregieren, darauf bestünden, dass “Atomkraft – Nein, danke!”-Aufkleber an den Tafeln angebracht werden? Wenn die FDP Hakenkreuze

Ich vermute, dann würde den CDU-Leuten plötzlich wieder einfallen, dass unsere Schulen eben nicht dazu da sind, das zu verbreiten, was die gerade herrschende Partei für richtig hält, sondern Kinder aller Religionen und aller Abstammungen möglichst weltanschauungsneutral zu erziehen und zu bilden.


Restebloggen zum Wochenende (36)

25. April 2010
  1. Was bewegt eigentlich Leute, an’s Telefon zu gehen, um dann reinzuzischen, dass sie gerade nicht sprechen können?
  2. Jetzt wird’s schwierig. Humor mit einem Mem, das ihr wahrscheinlich gar nicht kennt. Naja. Ich find’s halt lustig. Kurze Erklärung: Es gibt da so eine Szene in Star Trek Deep Space Nine, in der ein romulanischer Botschafter namens Vreenak einen Chip mit gefälschten Daten als genau das erkennt, was er ist:

    Ein sympathischer YouTube-Nutzer hat aus diesem Mem etwas ganz Fantastisches gemacht. Vreenak erklärt die Welt. Bitteschön:
  3. Für diejenigen unter uns, die sich den Unterschied einfach nicht merken können, hat SeaLife Hannover es freundlicherweise mal ganz anschaulich auf den Punkt gebracht:

    Niedrigwasser und Hochwasser.
  4. Nicht, dass Hauck & Bauer nicht immer toll wären, aber “Ganz schlechter Empfang” ist große Kunst. Dauert ein paar Augenblicke, bis man’s begriffen hat, aber dann wird’s schön.
  5. So, endlich habe ich jetzt auch “Männer, die auf Ziegen starren” gesehen. Sehr empfehlenswert, sehr lustig, auch wenn ich mir teilweise ein bisschen mehr Originalität gewünscht hätte. Man darf gar nicht drüber nachdenken, dass die USA tatsächlich Geld für diesen Psi-Quark ausgegeben haben…
  6. Falls ihr auch Probleme damit habt, euch den Namen des Vulkans zu merken, der eure Flugreisen und die Auslieferung eurer Amazon.com-Lieferungen verzögert hat, kann das NYT-Blog helfen.

    Besonders interessant fand ich auch die Information, dass der letzte Ausbruch des Eyjafjallajokull sich offenbar über zwei Jahre hingezogen hat. Noch so etwas, worüber man am besten nicht nachdenkt.

Behindert ist man nicht…

23. April 2010

Zu meinen Lieblingsblogs gehören auch zwei, die sich – mal mehr, mal weniger – regelmäßig mit dem Thema Hörbehinderung befassen. Einer der Mitarbeiter in dem Unternehmen, für das ich arbeite, ist selbst hörbehindert. Und ich habe mal eine Folge House, M.D. gesehen, in der es um das Thema ging. Damit endet die vollständige Aufzählung meiner Berührungspunkte mit dem Thema Hörbehinderung. Ich verstehe also wirklich nicht viel davon. Unter anderem deshalb habe ich lange damit gewartet, etwas darüber zu schreiben, aber jetzt mache ich es doch. Ich freue mich über jeden Widerspruch, der mich weiterbringt.

Ich verstehe diese Idee nicht, dass Taubheit oder Schwerhörigkeit nicht als Behinderung angesehen werden, sondern als Zugehörigkeitsmerkmal einer “ethnischen Minderheit”. Sicher, es ist erst einmal eine gute Sache, sich von einer Behinderung nicht runterziehen zu lassen. Körperliche Fähigkeiten sagen nichts über den Wert eines Menschen aus, und ob man nun taub, blind oder einbeinig ist, man kann trotzdem hervorragend sein in was auch immer man eben tut.

Bedenklich wird das aber für mich, wenn man sich Möglichkeiten widersetzt, eine Behinderung zu überwinden und diese Möglichkeiten im Ernstfall auch bei seinen Kindern ablehnt. Das ist auch der Grund, warum ich gerade jetzt diesen Beitrag schreibe. Bei Charlotta habe ich vorgestern von “Matthias” gelesen, einem hörbehinderten Kind, dem ein Arzt ein so genanntes Cochleaimplantat (CI) empfohlen hatte. Der Spruch des Arztes, dem Kind würde so ein “lebenswertes Leben” ermöglicht, ist natürlich so dumm, dass man es gar nicht weiter erklären muss, und außerdem darf man sich dieses Implantat nicht so vorstellen, dass es wie ein Zauber alle Hörprobleme löst. Es bringt tatsächlich sogar eine ganze Menge eigener Probleme mit sich. Wer der Meinung ist, dass das Implantat deshalb seine Lebensqualität nicht verbessern würde, der muss das natürlich für sich selbst entscheiden, und ich werde mir nicht anmaßen, ihm zu widersprechen.

Besonders zu denken gibt mir, dass ich den Eindruck gewonnen habe, dass Träger solcher Implantate teilweise quasi als Verräter an der Gemeinschaft der Hörbehinderten gesehen werden, weil sie sich sozusagen dem Druck der hörenden Gesellschaft beugen und sich anpassen. Bei aller Sympathie für die Idee, dass man sich von einer Behinderung nicht unterkriegen lassen darf und trotzdem ein herrliches Leben haben kann, bin ich doch der Meinung, dass man sich der Tatsache stellen muss, dass Gehörlosigkeit eine Einschränkung ist. Es fehlt ein Sinn, den andere Menschen haben. Ein Sinn, dessen Vorhandensein unsere Gesellschaft größtenteils voraussetzt und dessen Fehlen es erschwert, sich in unserer Welt zurechtzufinden.

Ich kenne einen Menschen, dem beide Beine fehlen. Er lebt ein sehr erfülltes Leben und hat einen Beruf im technischen Außendienst, er ist Sportler in einer Nationalmannschaft, und wenn man ihn nicht näher kennt, merkt man gar nicht, dass er eine Behinderung hat. Er geht auf zwei Prothesen. Die haben natürlich auch Nachteile. Sie scheuern am Stumpf, sie müssen gewartet und repariert werden, und manchmal stürzt er damit. Wenn er sich deshalb entschieden hätte, lieber darauf zu verzichten, würde ihm wahrscheinlich einiges verloren gehen, aber ich könnte es verstehen. Wenn er aber auf die Prothesen verzichten würde, weil er sich nicht als behindert ansieht, sondern als Teil einer Ethnie ohne Beine, wenn er sich wie Matthias’ Eltern bei seinen Kindern “freuen” würde, wenn sie auch ohne Beine geboren werden (Ich weiß, jetzt ist mein Beispiel nur noch Quatsch, aber vielleicht versteht ihr trotzdem, worauf ich hinaus will.), dann kann ich nicht anders als das sehr, sehr falsch zu finden. Was meint ihr?


The best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity

22. April 2010

Ich hatte ja schon ein bisschen was von meinen Bewerbungserlebnissen geschrieben. Mir fällt dabei immer wieder auf, dass es im Grunde nur zwei Arten von Bewerbungen gibt, mit ein paar Abstufungen dazwischen: Die eine ist so lieblos geschrieben, dass man zweifelt, ob der Absender überhaupt Interesse an der Stelle hat. (Einige sind ja wirklich auf eine Ablehnung aus, um ihre Verpflichtung gegenüber der Arbeitsagentur formal zu erfüllen. Und bevor mich jetzt jemand mit Hitler vergleicht: Ich weiß das, weil einige es mir ausdrücklich gesagt haben.) Sie sind offensichtlich mehrfach kopiert, manchmal mit Kaffeeflecken oder handschriftlichen Korrekturen, die gefühlte Hälfte der Wörter ist falsch geschrieben und manche Sätze hören einfach mittendrin auf.

Die anderen klingen zum Beispiel so:

“Der Beruf des Raumpflegeassistenten war schon immer mein Wunschberuf. Ich habe große Freude am Umgang mit anderen Menschen und wäre durch meine Teamfähigkeit und selbstständige Arbeitsweise sicher eine Bereicherung für Ihr Unternehmen.”

Kein Inhalt, kein Schwung, keine Information, nur Gelaber.

Die erste Variante zeugt gewissermaßen von zu viel Selbstvertrauen, die zweite eher von keinem. Beides macht – zumindest auf mich – überhaupt keinen guten Eindruck. Ich weiß, dass es da draußen eine Menge Personalverantwortliche gibt, die genau die langweiligen, konformistischen, bornierten, bigotten, kleinkarierten und pedantischen Bleistiftschieber sind, für die die Bewerbungsberater sie halten. Deswegen bitte ich, dieses kleine Gedankenspiel hier nicht als Empfehlung zu nehmen, sondern eher als – ah, vielleicht eine Art Gedankenanstoß. Ich habe eine Bewerbung geschrieben, die mich wirklich beeindrucken würde und mich nahezu unabhängig von der Konkurrenz und der formalen Qualifikation des Bewerbers dazu brächte, ihn zu einem Gespräch einzuladen:

“Sehr geehrter Herr Silberstreif,

Ihre Stellenanzeige in der Warensbütteler Wochenblattfanfarenweltzeitungsrundschau habe ich mit verhaltenem Interesse gelesen. Ich kann mir noch nicht richtig vorstellen, worum es überhaupt geht, aber die Darstellung auf Ihrer Homepage fand ich ziemlich sympathisch, deswegen würde ich mich gerne vorstellen, um mal zu schauen, ob das was für mich ist.

Ich habe mich im Vorfeld noch nicht besonders eingehend über den Beruf des Löwendompteurfahrermundschenkassistenzgehilfen informiert, weil ich davon ausgehe, dass Sie mir im Bewerbungsgespräch ohnehin erzählen werden, was ich für Sie tun kann. Wenn wir uns gut verstehen, macht es mir vielleicht sogar Spaß, aber in der Hauptsache geht es mir darum, dass ich Geld brauche. Ich werde Ihnen jetzt nicht irgendwelchen Bullshit darüber auftischen, wie unbändig ich mich auf die Chance freue, bei Ihnen den Kopierknecht zu machen, weil Sie genauso gut wie ich wissen, dass mir spontan vier Dutzend Dinge einfallen, die ich lieber täte, als einer geregelten Arbeit nachzugehen, aber Dienst ist Dienst, und wenn ich schon mal da bin, dann mache ich auch was draus, versprochen.

Direkter Kundenkontakt geht mir ziemlich auf die Nerven, aber das halte ich schon aus, wenn es nicht überhand nimmt, und auch sonst mache ich eigentlich alles mit. Wenn es Sie nicht stört, dass ich es noch nie geschafft habe, mal eine Stunde am Stück zu arbeiten, ohne dass mein Google-Reader oder YouTube mich mit irgendeiner putzigen Kleinigkeit abgelenkt hätte, dann laden Sie mich doch ein, und wir schauen mal, ob wir uns einig werden.

Mit freundlichen Grüßen …”

Na gut. Hier und da müsste man noch ein bisschen feilen, und sicher könnte man diesem Bewerber auch mit Recht ein bisschen zu viel gesundes Selbstvertrauen vorwerfen, aber verdammt noch mal, er ist ehrlich, er hat sein Anschreiben frei verfasst, und er hat mich ein oder zwei Mal zum Schmunzeln gebracht. Damit fällt es schon kaum noch ins Gewicht, dass es auch hier vielleicht ein bisschen am Inhalt fehlt, denn damit ist seine Bewerbung auf Anhieb schon mal um Längen interessanter als buchstäblich jede andere, die ich bisher gelesen habe.


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