Der Kontakt mit Menschen ist mir sehr wichtig und bereitet mir viel Freude

Ich weiß, dass es ein bisschen armselig ist, sich über Bewerbungen lustig zu machen, die von jungen Leuten voller Vertrauen an einen geschickt werden, in der Hoffnung, dass man ihnen zu einem Ausbildungsplatz verhelfen möge. Andererseits fände ich es auch nicht fair, meine heutigen Erlebnisse für mich zu behalten, zumal es ja auch einen aktuellen Bezug gibt. (Das mit der Dummheit der Lehrlinge kann ich übrigens aus meiner heutigen Erfahrung nicht bestätigen. Im Schnitt machten sie auf keinen Fall einen schlechteren Eindruck als ältere Bewerber das so meistens tun.)

  1. (Wir sprechen über eine andere Ausbildung, die der Bewerber abgebrochen hatte.)
    Bewerber: “Naja, die waren da irgendwie alle nicht fair zu mir immer, schon von Anfang an so, und dann hab ich irgendwann ‘n Fehler gemacht, und dann haben sie mir gesagt, dass sie nich’ mehr wollen, so eben…”
    Muriel: “Einen Fehler?”
    Bewerber: “Ja, also, ich sollte da sowas schreiben, aber der Zettel, der ist mir irgendwie… Also, da war so ‘n Spalt unter meinem Schreibtisch, wissen Sie, so zwischen der Platte und dem… Naja, also, und da muss er… da ist der wohl irgendwie reingerutscht, und da konnt’ ich den nicht sehen, und irgendwann war dann so ‘ne Mahnung da, oder so, und dann…”
  2. Ist es unhöflich oder eher hilfsbereit, wenn man einen Bewerber, der im Anschreiben seine guten Deutschkenntnisse hervorheben wollte, darauf hinweist, dass man das nicht “deutsch Kenntnisse” schreibt?
  3. Ja, ich weiß, diese ClipArts in Word sind wirklich zu lustig. Und ja, ich weiß, auch unter Lehrern und Professoren hält sich der Irrglaube, dass man die prima benutzen kann, um langweilige PowerPoint-Präsentationen und Overhead-Folien aufzupeppen. Nein, die gehören trotzdem nicht auf das Deckblatt einer Bewerbung.
  4. Das wohl fieseste Arbeitszeugnis, das ich je gelesen habe. Es stammt von einem Kindergarten und enthält unter anderem die Hinweise [Hervorhebungen von mir]:
    “[…] war nach einer Eingewöhnungszeit mit dem Tagesablauf und den Gruppenregeln vertraut und zeigte grundsätzlich Initiative […]”
    “Er konnte zu den meisten Kindern eine hinreichende Beziehung aufbauen.”
    “Die ihm übertragenen Aufgaben wurden in der erwarteten Art und Weise ausgeführt.”
    “In der Reflexion setzte er sich sachlich und kritisch mit seinem Handeln auseinander.”
  5. Meine Lieblingshobbys von heute:
    “PC (Internet surfen)”
    “Umgang mit Menschen”
    “Rechnen”
    Welcher Sadist hat dieses Feld in die Lebensläufe dieser Welt eingefügt?
  6. Was macht man mit einer Bewerberin, in deren Anschreiben steht, sie sei “tief gläubig”? Also, klar, darf sie sein. Aber warum in, ähem, Gottes Namen glaubt sie denn, dass das in ein Bewerbungsanschreiben gehört?
  7. Und jetzt noch einmal alle zusammen:
    “Meine größte Schwäche sehe ich darin, dass ich zu ungeduldig mit mir selbst bin und Fehler immer sofort korrigieren will.”
    Beim Nächsten, der das sagt, spreche ich mit, glaube ich. Besonders dankbar bin ich denen, die diese Antwort um den Hinweis ergänzen: “Kann man natürlich auch als Stärke sehen.” Hätte ich sonst nie bemerkt.
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12 Antworten zu Der Kontakt mit Menschen ist mir sehr wichtig und bereitet mir viel Freude

  1. rebhuhn sagt:

    klingt amüsant, so für 2-3 mal… dann ist aber auch schluß mit lustig :(. bist du ‘ne art personaler oder läuft das wie bei uns am institut, daß diejenigen, die sich später kümmern sollen, auch mit ‘casten’?

  2. Nardon sagt:

    Ich hasse nichts mehr wie Anschreiben zu verfassen, vor allem da ich gerade mal wieder selbst in der Zwickmühle stecke :)

  3. Andi sagt:

    Ach du Schreck… Du hast mein tiefstes Mitgefühl. Vor allem die “deutsch Kenntnisse” wollen mir nicht aus dem Kopf. Warum tust du dir das an? Kannste dafür nicht jemanden einstellen?
    Und dann wundern sich die Leute noch, warum sie keinen Job kriegen…

  4. Tim sagt:

    Wer “tief gläubig” ist, zeigt doch offenbar die größte Bereitschaft, bei jeder noch so unsinnigen Idee begeistert mitzumachen. In vielen Jobs ganz gewiß nicht die schlechteste Qualifikation, die man sich vorstellen kann!

  5. Muriel sagt:

    @rebhuhn: Eher eine Art Personaler.
    @rebhuhn und Andi: So schlimm war es eigentlich gar nicht. Naja, manchmal schon. Aber es waren auch total okaye Leute dabei.
    @Tim: Ja… Aber nicht ganz das, was ich suche.

  6. Muriel sagt:

    @Nardon: Oh, entschuldige, irgendwie habe ich deinen Kommentar beim Antworten übersehen. Wollte dich nicht absichtlich als einzigen auslassen.
    Ich wünsch dir viel Erfolg. Ich glaube, man sollte sich mit den Anschreiben nicht so quälen, sondern eher mal versuchen, halbwegs offen zu schreiben, wie man eben ist und warum man die Stelle will. Kann auch ruhig mal was anderes sein als in den Ratgebern steht.
    Je nachdem, wo du dich bewirbst, kann das aber natürlich auch schiefgehen.

  7. Arctica sagt:

    Kommt das mit dem Fehler sofort korrigieren so oft? Auf die Idee wär ich ja nie gekommen XD
    Aber ich finde es gut, wenn sich die Leute gleich in der Bewerbung als unbrauchbar entlarven, spart man sich doch jede Menge Ärger im Nachinein oder? Doof nur, wenn die alle so sind…

  8. Muriel sagt:

    @Arctica: Hat fast jeder gesagt. Ich gebe zu, dass die Formulierung varriert wurde, aber von… ähm, sieben Leuten hat das nach meiner Erinnerung nur ein einziger nicht gesagt. Das war der mit dem fiesen zettelfressenden Schreibtisch, und der hat geantwortet, dass Telefonieren offenbar nicht so sein Ding sei. Er finde zwar, er könne das gut, aber die unfairen Leute in seinem letzten Ausbildungsbetrieb hätten ihm immer gesagt, er müsse das irgendwie “anders” machen.
    Glücklicherweise waren die nicht alle richtig schlimm. Es war auch eher lustig als ärgerlich, obwohl wir keinen einzigen von denen dazu gekriegt haben, ein bisschen aufzutauen und aus seiner Bewerbungsschale rauszukommen.

  9. Bewerbungen *Augenroll*. Ich mag die auch gerne wenn sie per E-Mail und dann über 10 MB kommen. Oder das Anschreiben völlig nichtssagend und 08/15 ist. Oder mit E-Mail Adressen ala trinkenvorvier@saufbrueder.de versehen sind. Also ich finde das auch nicht einfach, versteh dann aber auch oft nicht, wieso man sich bei solch entscheidenen Fragen nicht Hilfe holt. Und sei es ein Buch dazu liest oder ein Kurs, den das Arbeitsamt ja z.B. auch gerne mal anbietet (und der war zumindestens bei mir gar nicht so schlecht), besucht.

    Wobei Antwort 7 ja schon davon zeugt dass sich deine Kandidaten da schon Gedanken gemacht haben, irgendwie scheint das so die Standartantwort aller Kurse/Bücher zu sein. Entweder ist man pingelig weil man alles ganz genau machen will oder man ist ungeduldig weil man so versessen darauf ist seine Arbeit tun zu dürfen. Okay, ich habe festgestellt dem ist dann real auch wirklich so, jedenfalls in meinem Job. Oder man gibt halt total marginale Sachen an wie das man die Büropflanzen immer tötet, eine kleine Naschkatze ist oder den Kaffee immer stark trinken muss.
    Wäre zwar ehrlich, aber wer setzt sich schon an den Tisch und sagt “Ja, ne, ich hab ne fiese Leserechtschreibschwäche und krieg keine 2 Sätze vernünftig auf Papier”, jedenfalls nicht wenn er nicht gerade ein Handwerk lernen will und selten bis nie schreiben brauch.

    Oh, und tief gäubig … ich nehme nicht an dass ihr nach einem Diakon sucht oder eine Vikarstelle bei euch frei wäre. Dann wär das sicherlich ein Kriterium. Also seine Kirchenaktivitäten anzugeben ist ja tendenziell sinnvoll, das zeigt eine gewisse soziale Kompetenz (je nachdem was man macht) aber der Glaube wäre für mich jetzt eher Privatsache.

  10. […] best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity Ich hatte ja schon ein bisschen was von meinen Bewerbungserlebnissen geschrieben. Mir fällt dabei immer wieder auf, dass es im Grunde nur zwei Arten von Bewerbungen gibt, mit ein […]

  11. Ninje sagt:

    Muriel lern doch selber mal deutsch “okaye Leute”

  12. tikerscherk sagt:

    Ich habe schon Bewerbungen auf dem Tisch gehabt, die mit “Hallihallo” anfingen, und mit “freundvollen Grüßen” endeten. Dazwischen die Aufforderung sich gegenseitig zu “beschnuppern” und dabei eventuell “in Resonanz zu gehen”.

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