Respekt!

31. Mai 2010

Überschaubare Relevanz hatte Geburtstag, und um diesen Anlass gebührend zu feiern, hatte ich sechs Tage mit Artikeln versprochen, wie es sie hier noch nicht gegeben hat. Der erste war das legendäre Backbloggen vom Samstag, und heute kommt der zweite: Mein erstes richtiges YouTube-Video! Bitte schön:


Menschenähnlich (21)

31. Mai 2010

Ich hatte gestern schon eine Ausnahme für Menschenähnlich reklamiert, die ich nun also in Anspruch nehme. Ab morgen erscheinen dann Beiträge, die ihr so hier noch nicht gesehen habt. Baue ich hier gerade eine Erwartung auf, die ich unmöglich erfüllen kann? Ich fürchte schon. Aber das ist ja noch lange hin. Jetzt erst mal habe ich ein neues Kapitel unseres Fortsetzungsromans fertig und kann zu Bett gehen. Viel Spaß!

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überschaubares Jubiläum

29. Mai 2010

Ich hätte es selbst beinahe vergessen, aber heute wird mein freundliches kleines Blog ein Jahr alt. Ich kann gar nicht richtig glauben, dass ich das nicht schon viel länger mache, so sehr ist überschaubare Relevanz schon zu einem Teil meines Lebens geworden.

Bei dieser Gelegenheit muss, sollte und will ich auch ein Lob für alle meine Leser aussprechen. Ja gut, manchmal laufen hier auch eher befremdliche Kommentare auf, aber im Großen und Ganzen seid ihr ganz fantastische Leute. Vielen Dank, dass ihr dabei seid und euch für meine Beiträge interessiert. Von den meisten von euch kriege ich ja gar nichts mit, wenn ich den Statistiken trauen darf, aber ich bin sicher, dass auch diejenigen, die nicht kommentieren, insgesamt ganz in Ordnung sind. Vielleicht nimmt sich ja einer von euch sogar mal den Geburtstag zum Anlass, sein Schweigen zu brechen und mich wissen zu lassen, was er so denkt. Oder sie. Weiß ich ja nicht. Woher auch. Egal.

Für mich ist dieser Geburtstag ein besonderes Ereignis, und aus diesem Grund habe ich mir gedacht, dass ich von heute an eine Woche lang jeden Tag etwas völlig Neues ausprobieren werde. Eine Ausnahme müssen wir dabei aber einplanen, denn Menschenähnlich soll ja trotzdem erscheinen. Und ansonsten bin ich mir noch nicht sicher, ob mir wirklich sechs völlig neue Ideen einfallen. Vielleicht könnt ihr mir dabei helfen. Habt ihr Vorschläge?

Es geht heute los mit einer wenig spektakulären Idee, die aber dem Anlass angemessen ist: Wir backen eine Geburtstagstorte für überschaubare Relevanz. Wenn ihr mir also bitte in die Küche folgen mögt, es geht hier lang, Vorsicht, nicht auf die Katze treten…

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Restebloggen zum Wochenende (41)

28. Mai 2010

Ja, wir sind früh dran diesmal. Das liegt daran, dass dies ein besonderes Wochenende ist. Warum, erfahrt ihr dann morgen.

  1. Das hier ist mit das Lustigste, was ich seit Langem bei YouTube gesehen habe:
  2. Der amerikanische Supreme Court hat nach Berichten der Satirezeitung “The Onion” die Redefreiheit in einem Urteil voller widerwärtiger Obszönitäten verteidigt.
    “I’m beginning to wonder if you really understand what ‘abridging the freedom of speech’ means at all,” said Stevens, a 34-year veteran of the court known for his often-nuanced interpretations of the First Amendment. “I’m also wondering whether you and your fat-faced plaintiffs over there need to have some respect for constitutionally protected expression fucked into your empty hick skulls.”
  3. (Für die fehlerhaften Anführungszeichen kann ich nichts. Wenn mir jemand erklären kann, wie man WordPress beibringt, das richtig zu machen, bin ich auf ewig dankbar.)
  4. Und weil wir in Deutschland mindestens genau so lustige Nachrichten haben: Der Postillon berichtet “Katastrophe! BP-Ölpest erreicht Küstenabschnitt mit ringenden Frauen
  5. Morgen ist Eurovision Song Contest, und ich sehe ihn mir zum ersten Mal an. Der Medienmogul hat angeboten, mich auf diesem Weg zu begleiten, der ganz sicher kein leichter sein wird. Ich habe Angst.
  6. Der Postillon fand es noch lustig, aber es geht wirklich: Öl mit Haaren aufsaugen.
  7. Das kann ganz wunderbar ohne Kommentar für sich stehen. Wenn ihr klickt, wird’s größer.

    (Dank für den Tipp geht an Gilbert, den ihr hie alle nicht kennt, der sich aber vielleicht freut, wenn ich ihn erwähne.)


Bä-, dä-, ähh…

26. Mai 2010

Kennt ihr dieses Gefühl, dass ihr zwar redet, aber keiner richtig zuhört, geschweige denn euch versteht? Ich habe das öfter, und ein besonders surreales Beispiel hat sich vor Kurzem bei B.L.O.G. ereignet. (Ich weiß, ihr habt Recht, ich sollte da vielleicht einfach nicht mehr hingehen, aber andererseits hätte ich dann alles verpasst, was ich euch jetzt erzählen werde.)

Alles begann damit, dass im Handelsblatt eine – vorsichtig gesagt – missverständliche Kritik des Buches “Nudge” erschien, von dem ihr vielleicht noch in Erinnerung habt, dass ich es gelesen habe.

Kurzzusammenfassung der Kernaussage (Wen das Nudge-Konzept nicht interessiert, der kann diesen Absatz auslassen.): Jeder, der von anderen Menschen eine Entscheidung einfordert, sei er Arbeitgeber, Kellner oder Gesetzgeber,  ist ein “Entscheidungsarchitekt” und kann durch die Gestaltung der Entscheidung ihr Ergebnis erheblich beeinflussen. Es ist nicht möglich, eine Entscheidung so zu gestalten, dass diese Beeinflussung unterbleibt. Der Entscheidungsarchitekt sollte sich darüber im Klaren sein und sich bemühen, durch seine Entscheidungsarchitektur zu einem möglichst vorteilhaften Ergebnis zu kommen.
Wichtiger Nebenaspekt: Die geeignete Anwendung von kluger Entscheidungsarchitektur kann oft starre Regeln ersetzen und sowohl zu mehr Freiheit als auch zu besseren Ergebnissen für alle Beteiligten führen.
Wichtige Erläuterung: Die Nudge-Philosophie des “liberalen Paternalismus” sieht explizit keine heimliche Manipulation vor, keine Ausweitung von staatlicher Regelung, sondern im Gegenteil deren Minimierung. Die Autoren empfehlen explizit, die beabsichtigte Wirkung und Funktionsweise der Nudges offenzulegen.
Beispiel: Ein Mensa-Betreiber an einer Universität muss entscheiden, wie er die angebotenen Speisen anordnet. Er weiß, dass Anordnung und Präsentation der Speisen maßgeblich beeinflussen, für welche Gerichte die Kunden sich entscheiden. Er kann das zum Beispiel rein zufällig machen, oder so, dass er seinen Gewinn maximiert, oder so, dass die Studenten sich möglichst gesund und ausgewogen ernähren. Ersteres ist aus meiner Sicht sinnlos, und welche der letzten beiden Alternativen man besser findet, ist vielleicht eine ethische Frage. Jede Gestaltung ist aber ein “Nudge”, nur eben in unterschiedliche Richtungen. Und um es noch mal deutlich zu sagen: Wer den doppelten Cheeseburger und zum Nachtisch die Sahnetorte will, kann sie haben. Und noch einen Schokoshake dazu. Er muss sich schlimmstenfalls ein bisschen bücken, um dranzukommen.

Mein Lieblings-B.L.O.G.ger Rayson hat daraus einen kleinen Beitrag mit dem Titel “Warum ‘Nudge’ Quatsch ist” gemacht, ohne das Buch selbst gelesen zu haben. Seine Reaktion ist nach Lektüre der Handelsblatt-Kritik völlig verständlich:

“Der ach so neue und moderne “Nudge”-Ansatz greift wieder auf den Staat als “deus ex machina” zurück, der in der guten, alten Zeit der Ökonomie als sichere Gebrauchsanweisung für etatistisch denkende Politiker so populär war. [...] Zwar ist den Autoren des Handelsblatt-Artikels zuzugestehen, dass sie das freiheitsfeindliche Potenzial des “Nudge”, das selbst dann existieren würde, wenn die obige Kritik keine Grundlage hätte, immerhin erkennen, aber dessen naives Staatsbild scheinen sie ungeprüft zu übernehmen.”

Trotz mancher Meinungsverschiedenheit zwischen mir und Rayson hat er keineswegs völlig Unrecht. Nudge ist weiß Gott kein revolutionäres Buch. Das meiste, was da drin steht, ist trivial, und die Autoren könnten tatsächlich ein bisschen mehr darauf eingehen, dass auch der Entscheidungsarchitekt ein Mensch ist, und deshalb für genau die gleichen Fehler anfällig wie alle anderen. Von freiheitsfeindlichem Potential zu sprechen, tut dem Konzept aber Unrecht, zumal die Nudge-Autoren in ihrem Buch zahlreiche gute Ideen vorstellen, um bestehende starre Regeln durch freie Entscheidungen zu ersetzen, und zumal Nudge private Entscheidungsarchitekten genauso betrifft wie staatliche.

Ich wies Rayson darauf hin (Holy Misunderstanding, Batman! Somebody is wrong on the internet! Quick, to the Batmobile!) und machte in meiner weiteren Erläuterung den Fehler, das Beispiel Organspende zu nennen, was mir vehementen Widerspruch eintrug, aber darum geht es hier nicht, die Debatte hatten wir ja schon.

Es war wirklich dumm von mir, das Konzept an so einem kontroversen Beispiel erläutern zu wollen. Und es gibt vieles, was man an “Nudge” kritisieren kann, mir hat das Buch ja auch nicht so besonders gefallen. Was mich aber in dieser Diskussion immer wieder rat- und hilflos nach Luft schnappen ließ, war, dass die Leute hier fröhlich und voller Meinungsfreude über ein Buch urteilten, ohne sich dabei von der geringsten Sachkenntnis beeinflussen zu lassen, weil kein einziger von ihnen es gelesen hatte. Beispiele:

Manipulation macht süchtig. Es stellt sich also die Frage, wer die Manipulierenden kontrollieren soll.

Da wäre mir simples Law & Order schon lieber. Klare Linien, dort, wo es Not tut, niedrige Steuern und ein Maximum an persönlicher Freiheit. Das ist freiheitlicher als eine Gesellschaft, die vom Einsatz von Sozialtechnologien wie Nugde durchwirkt ist.” (Sozialtechnologien, yo.)

Unser Steuersystem ist bereits die Nudge-Hölle.

Meine Erläuterungsversuche wurden offenbar als sehr lästig empfunden und konsequent übergangen:

Aber wenn man die Beeinflussung transparent macht, dann ist es doch kein »nudge« mehr. Wenn jeder Kantinenbenutzer weiß, dass die Menüs nach bestimmten Regeln (z.B. nach Energiegehalt) angeordnet sind, dann verpufft doch der Effekt völlig.

Jetzt verwässerst du die Argumentation zu sehr.” (Den mag ich besonders, den benutze ich in Zukunft auch öfter, wenn mir jemand widerspricht.)

Ich verabschiedete mich dann irgendwann – nach einem Zeitraum, der durchaus ernste Zweifel an meiner Lernfähigkeit rechtfertigt – aus der Diskussion, las aber weiterhin mit. Das tat gut, denn nachdem ich selbst nicht mehr involviert war, konnte ich ziemlich befreit darüber schmunzeln, wie einer nach dem anderen sich seine eigenen Vorstellungen zu diesem ihm unbekannten Konzept machte, um diese dann zu verurteilen:

Die klassische Niggemeier-Kritik war natürlich auch mal dabei: “Ich verstehe daher die ganze Aufregung der Verhaltensforscher nicht,” (Es ist eine Gesetzmäßigkeit bei dieser Kritik, dass die nicht verstandene Aufregung in aller Regel gar nicht existiert. So auch hier.)

„Nudge“ ist nichts anderes als social engineering. Es versucht die Komplexität aus dem Wirtschaftssystem zu nehmen und führt allerhöchstens zu katastrophalen Lemming-Effekten.” (Katastrophale Lemming-Effekte????Esszett wtf m8?)

Ok es ist vielleicht kein typischer Nudge, aber es ist eine Voreinstellung.” (Zum Thema Organspende, und nur so nebenbei: Eine Voreinstellung ist im Grunde der typische Nudge.)

Das Prinzip des “Nudge” setzt generell voraus, dass der Staat es “besser weiß” als der Einzelne. Dieses “Du willst es doch eigentlich auch” gefällt aber nicht nur Feministinnen nicht.

Ich habe es kürzlich bei einer sehr weisen Bloggerin gelesen, die im Gegensatz zu vielen von uns lobenswerterweise zur Selbstkritik fähig scheint: Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten. Ist sogar dann oft eine gute Idee, wenn man doch ein bisschen Ahnung hat. Und vielleicht lerne ich das sogar auch irgendwann noch.


Religion revisited

25. Mai 2010

Ich habe hier hin und wieder schon meine Meinung zum Thema Religion dokumentiert. Ich lese regelmäßig über das Thema, und ich habe viele YouTube-Kanäle abonniert, die sich damit befassen. Mich fasziniert der Mechanismus dahinter, dass Menschen ihre Rationalität für bestimmte Bereiche völlig aussetzen. Dabei ist es (von der Ursache her) beinahe egal, ob der Schluss nun lautet, dass Jesus uns alle erlöst hat, dass man mit Zuckerpillen Krankheiten heilen kann oder dass die so genannte Finanzkrise von fiesen Spekulanten verursache wurde. Aber die großen Religionen eignen sich halt so schön zur Illustration, und sie sind besonders ärgerlich, weil sie so verbreitet und einflussreich sind. Und so unverschämt. Deshalb benutze ich sie auch weiterhin. Ich habe keinen richtig guten Weg gefunden, meine gesammelten Gedanken zu ordnen und hoffe, dass ihr mir das nachseht und mich vielleicht trotzdem eure Meinung dazu wissen lasst.

Zum Glauben gehört nach meiner Erfahrnug unweigerlich eine spezielle Art von Logik, die der Gläubige in keinem anderen Lebensbereich akzeptieren würde. Wer auf die Frage (z.B.) nach der Existenz des christlichen Gottes die gleiche Methode anwendet, die für ihn auch bei der Frage nach der Existenz von Kobolden oder Monstern unter dem Bett gilt, muss zu dem Schluss kommen, dass es Gott nicht gibt, wenn er nicht unter Wahrnehmungsstörungen leidet. Und weil ich die aufgebrachten Gläubigen schon im Geiste hören (oder besser lesen) kann: Nein, ich habe nicht gerade behauptet, dass ihr alle Halluzinationen habt. Ich habe behauptet, dass ihr für euren Glauben eine Methode zur Erkenntnisgewinnung benutzt, die ihr für den Rest eures Lebens genauso ablehnen würdet, wie ich es tue. Compartmentalization heißt das auf Englisch, und es ist schade, dass wir diesen Begriff im Deutschen nicht haben. Jemand kann glauben, dass Jesus nach seinem Tod am Kreuz auferstanden ist, und trotzdem ansonsten ein völlig vernünftiger Mensch sein, der sowohl Homöopathie als auch Horoskope problemlos als den Unfug erkennt, der sie sind.

Insbesondere beim christlichen Glauben fällt mir darüber hinaus auf, dass er nicht nur Tatsachenbehauptungen auf der Grundlage seiner fehlerhaften originellen Logik errichtet (“Gott existiert.”), sondern außerdem noch ethische Bewertungen aus dem Hut zaubert, die groteskerweise durch die eigenen Glaubensinhalte eindeutig widerlegt werden (“Gott ist gut.”). Wer beispielsweise konsequent dieselben ethischen Maßstäbe an den christlichen Gott anlegt, die er auch sonst akzeptiert, muss in meinen Augen zu dem Ergebnis kommen, dass Gott ungefähr so moralisch handelt wie der durchschnittliche Gangsterboss. Tu, was ich sage, sonst brech ich dir die Beine.

Nein, wenn ich noch mal überlege, ist der Gangsterboss eigentlich moralischer, denn dessen Strafe ist immerhin endlich und steht in einem bestimmten Verhältnis zum begangenen Verstoß. Beides kann man vom biblischen Gott nicht sagen, denn Hölle ist für alle Ewigkeit, und ich wüsste nicht, welches Verbrechen ein Mensch begehen könnte, das eine unendliche Strafe rechtfertigt. (Fun Fact: Die Hölle hat Jesus eingeführt, im Alten Testament gibt’s noch keine.)

Sogar wenn es Gott gäbe, wie er in der Bibel (und den anderen Büchern der drei Großen) beschrieben ist, läge es nach jeder menschlichen Vorstellung von Moral völlig fern, ihn aus anderen Gründen zu verehren, als eben dem, dass er einem sonst die Beine bricht den Zugang ins Paradies verwehrt und einen in alle Ewigkeit verdammt.

Aus diesen und weiteren Gründen ist es für mich schwer vorstellbar, wie ein denkender Mensch aufrichtig dieser Religion anhängen kann, oder irgendeiner anderen. Aber viele denkende Menschen tun genau das. Manchmal macht es Spaß, sich darüber lustig zu machen, aber es bringt einen natürlich nicht weiter. Vielleicht habe ich durch meine sehr harschen Äußerungen auch gelegentlich den Eindruck erweckt, jeder Gläubige müsse in meinen Augen entweder böswillig oder verrückt sein. Und wenn man die Äußerungen mancher Bischöfe liest, kann man zu dem Schluss kommen, dass die wiederum mich für mindestens eins von beidem halten würden.

Dieses gegenseitige Unverständnis macht es natürlich schwer, vernünftig miteinander zu reden. Und eigentlich kann jeder Mensch sich natürlich darauf berufen, dass es allein seine Sache ist, woran er glaubt und woran nicht. Aber ich bin davon überzeugt, dass es kritisches Denken und wissenschaftliche Forschung sind, die die Menschheit so weit gebracht haben, wie sie jetzt ist, und dass Religion und all die anderen Beispiel für die menschliche Fähigkeit zu völliger Aussetzung der Vernunft dafür verantwortlich sind, dass wir es bisher nicht noch viel weiter geschafft haben. Manche mehr, manche weniger, natürlich. Aber im Grunde sind sie für mich alle gleich.

Ich kann nicht für andere sprechen, aber für mich ist das der Grund, dass ich es oft einfach nicht lassen kann, zu widersprechen, wenn ich wieder irgendeinen scheinbar harmlosen abergläubischen Unfug lese. Meine Verachtung richtet sich dabei (naja, meistens) nicht gegen den Gläubigen. Nur gegen seinen Glauben.


Menschenähnlich (20)

25. Mai 2010

Was, schon so spät? Na gut, falls der eine oder die andere von euch nicht schlafen kann, habe ich hier genau das Richtige: Ein neues Kapitel “Menschenähnlich”, diesmal mit einer ganz neuen Perspektive. Viel Spaß!

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Restebloggen zum Wochenende (40)

23. Mai 2010
  1. Wenn Frauen in dieses Alter kommen, in dem sie, ohne sich total lächerlich zu machen, Ringe tragen können, die gefühlt ungefähr so groß sind wie ihre ganze Hand, müssten sie diese Ringe dann nicht trotzdem total blöd finden, weil die sie doch permanent daran erinnern, wie alt sie sind?
  2. Ich hatte immer Angst, dass ich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vielleicht nur aufgrund tumber Vorurteile nicht leiden kann. Ich habe mich oft gefragt, ob es vielleicht nur an ihrem albernen Nachnamen liegt, und daran, dass sie damals im Bundestag PR-wirksam geweint hat. Insofern empfand ich diesen Beitrag von ihr als sehr erfreulich, weil er mir gezeigt hat, dass die Frau wirklich weder meinen ethischen noch meinen fachlichen Anforderungen an eine Ministerin oder auch nur ein MdB genügt.
    “Wenn Investoren davon profitieren, dass sie Wetten auf das Risiko der Zahlungsunfähigkeit finanzschwacher Euro-Länder abschließen, wird das ethische Fundament der Sozialen Marktwirtschaft in Frage gestellt.”
    Nein, Frau Leutheusser-Schnarrenberger, für so dumm halte nicht einmal ich Sie. Zur Äußerung dieser These gehört auch noch die niederträchtige Absicht, aus der unterstellten Ahnungslosigkeit seiner Wähler politisches Kapital zu schlagen.
  3. Welchen Sinn hat Werbung auf Papierhandtüchern in den Waschräumen von Restaurants? Man zieht die Dinger mit nassen Fingern daraus, und erstens ist die Schrift deshalb auf Anhieb unleserlich, weil sie sich ihrem Zweck entsprechend sofort vollsaugen, und zweitens zerknüllt und zerfleddert man sie dann sofort, und spätestens dann ist jede Chance vorbei, noch etwas von der Botschaft wahrzunehmen. Sogar wenn mein Interesse soweit gereicht hätte, ein weiteres Tuch aus dem Spender zu ziehen, nachdem meine Hände trocken waren, hätte darauf wieder eine andere Werbung gestanden.
  4. Hat jemand vergessen, wer der Feind ist? Fox News ist der Feind.
  5. Herr Stefanowitsch vom Sprachlog mag das iPad auch nicht. Guter Mann!
    “Um das iPad sinnvoll einzusetzen, muss ich immer mein MacBook Pro dabeihaben. Damit das iPad dann aber im Prinzip nicht viel mehr als ein fünfhundert Euro teurer externer Monitor.”
  6. Gestern im Kino Prince of Persia gesehen. Liebe Kinder: Bitte, bitte, bitte nicht nachmachen!
  7. I’ve had it. Ich weiß nicht, warum dieses Demotivational sich nicht einbinden lässt, aber ich kann’s nicht ändern…

That’s what she said!

22. Mai 2010

“Humor – bierernst” hat Guinan sich gewünscht, und weil sie mein Preisrätsel als erste gelöst hat, wird der Wunsch erfüllt. Wehe, einer beklagt sich, dass das hier nicht lustig ist. Das muss so.

Humor heißt so viel wie Saft oder Feuchtigkeit, weil man in der Antike dachte, dass unsere Körperflüssigkeiten für unsere Stimmung zuständig sind. Die Verbindung zum Bier liegt also denkbar nahe. Aber dazu später mehr.

Trotz seiner besonderen Bedeutung für das menschliche Wohlbefinden, Zusammenleben und (nach irriger Auffassung mancher dieser Leute, die unbedingt irgendwelche klaren Abgrenzungen zwischen Menschen und Tieren brauchen, um sich zivilisiert zu benehmen) der Abgrenzung von humorlosen Rindviechern existiert bis heute keine umfassende Theorie des Humors. Überhaupt ist der Forschungszweig auf beklagenswerte Weise unterfinanziert und vernachlässigt, was so bedauerliche Fehlentwicklungen wie Cindy aus Marzahn und Mario Barth ermöglicht hat. Obwohl es also an einer gesicherten Erklärung für das Phänomen Humor fehlt, möchte ich mich heute genau daran versuchen.

Humor entsteht in aller Regel aus der Distanz zwischen Erwartetem und Tatsächlichem, aus einem überraschenden Ausbrechen aus der Konvention, einem Verstoß gegen die Regeln. Wie so ziemlich alles ist Humor auch eine Frage des richtigen Maßes. Ist die Distanz zu gering (Moishe kommt eines Abends nach Hause und erwischt dort seinen Freund Jakob in flagrante delicto im Bett mit seiner Frau. „Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Das hätte ich nie von dir gedacht!“), entsteht kein Humor. Ist sie zu groß („Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Pluto ist kein Planet mehr!“), genauso wenig. Nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite kann die Abweichung vom Erwarteten lustig sein. (Moishe kommt eines Abends nach Hause und erwischt dort seinen Freund Jakob in flagrante delicto im Bett mit seiner Frau. „Jakob!“ ruft er ganz aufgebracht, „Was hast du dir nur gedacht? Ich habe ja keine Wahl, aber du?“)

Man beachte in diesem Beispiel auch, dass die humorvolle Wirkung eines Witzes einerseits durch Unerwartetes entsteht – Moishe ist nicht erzürnt darüber, dass seine Frau ihn betrügt -, sondern auch durch das Spiel mit verbreiteten Klischees – Paare haben in der Ehe keine Freude mehr am Sex und finden einander nicht mehr attraktiv. Wie zum Beispiel auch in der Musik gehört im Humor zum Spiel mit den Erwartungen auch die Freude des Empfängers am Wiedererkennen vertrauter Muster. Insbesondere in Witzen auf Basis von Vorurteilen beruht der Humor sehr stark auf diesem Prinzip  (Wie viele heterosexuelle Kölner braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Beide!).

Humor kann sehr schnell entstehen (“Geht ein Zyklop zum Augearzt.”), er kann aber auch auf einer längeren Geschichte basieren, die auf eine Pointe hinleitet. (“Ein Spaziergänger auf dem Land entdeckt auf einer Streuobstwiese einen Bauern, der ein junges Hausschwein in einen der Bäume hält, damit es die Äpfel erreichen kann. Während das Tier Frucht um Frucht fröhlich grunzend und schmatzend vertilgt, beobachtet der Spaziergänger verunsichert den merkwürdigen Vorgang, bis er sich schließlich dazu durchringt, den Bauern anzusprechen.
“He, Sie da, entschuldigen Sie bitte!” ruft er.
“Was gibt’s?” antwortet der Bauer.
“Warum halten Sie denn das Schwein in den Baum?”
“Na, warum wohl?” fragt der Bauer. “Damit es die Äpfel fressen kann!”
“Könnten Sie die nicht auch einfach runterschütteln? Das würde doch gewaltig Zeit sparen!”
Der Bauer zuckt die Schultern, schürzt versonnen die Lippen und fragt: “Was bedeutet einem Schwein schon Zeit?”)
In beiden Fällen ist allerdings der wirklich humorvolle Teil nur ein kurzer Moment. Der darauf hinleitende Teil der Geschichte ist für sich betrachtet nicht komisch. Das lässt den schon aus der oben geschilderten Grundannahme, dass die Komik aus der Differenz zwischen Erwartung und Ereignis entsteht, naheliegenden Schluss zu, dass Humor im Moment entsteht, nicht über einen längeren Zeitraum.

Selbstverständlich kann Humor nicht nur auf Sprache basieren. Er kann auch Bilder einbeziehen.
demotivational posters
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Auch die wenigen hier dargestellten Grundprinzipien sind keinesfalls als feste Regeln zu verstehen. Wie bereits dargestellt, existiert keine umfassende Humortheorie. Humor kann auch außerhalb der genannten Bedinungen entstehen, beispielsweise durch völligen Unsinn (“Sitzt ein Ufo im Baum und strickt; kommt ein Bär vorbei und fragt: Bist du dafür nicht viel zu klein? Sagt das Ufo: Was, schon so spät?”) oder der Freude über Schaden, der anderen entsteht.
demotivational posters

Letzteres ist mutmaßlich durch die Erleichterung zu erklären, nicht selbst den Schaden erlitten zu haben. Hiermit eng verwandt ist Humor, der schlicht auf der Demütigung anderer basiert. Insbesondere diese Form wird häufig als niveaulos und als Zeichen niederen Charakters empfunden. Auf ein Beispiel wird hier deshalb verzichtet.

Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet weiterführende Informationen natürlich bei Wikipedia.


Go Mo

20. Mai 2010

Heute ist Draw-Mohammed-Day, also der Tag, an dem wir alle aufgerufen sind, ein Bild des islamischen Propheten Mohammed zu zeichnen und öffentlich zu zeigen, um so gegen islamische Extremisten zu protestieren, die Leute bedrohen, die Mohammed zeichnen. Es geht um die Freiheit, seine Meinung zu sagen, und das ist erst einmal eine gute Sache. Aus meiner Sicht ein Idealbeispiel dafür, wie die Zelebrierung dieses Tages aussehen kann, zeigt der zuverlässig fantastische YouTuber AronRa:

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