Twilight: Was bisher geschah

29. Juni 2010

Weil schon einzelne Anzeichen von Ungeduld aufgetreten sind, ich aber mit diesem schwer erträglichen Machwerk noch nicht durch bin, möchte ich euch als Kompromiss, Vorgeschmack und zur Überbrückung der Wartezeit einen kleinen Einblick in mein Twilight-Erlebnis bieten. Die folgenden Zeilen habe ich, um Urheberrechtsstreitigkeiten vorzubeugen, nicht wörtlich dem Buch entnommen, sie könnten aber genau so drin stehen, ohne besonders aufzufallen.

Na gut, nach nochmaliger Überlegung muss ich wohl zugeben, dass ich ein bisschen übertreibe. Aber wirklich nur ein kleines.

Von meinem Platz in der Cafeteria aus konnte ich ihn und seine Geschwister in ihrer Ecke sitzen sehen, düster, geheimnisvoll, von göttlicher Schönheit und scheinbar weit distanziert von allen Sorgen, die uns gewöhnliche Sterbliche plagten. Mit einem letzten sehnsüchtigen Blick erhob ich mich von meinem Platz, um mich auf den Weg zum Biologieunterricht zu machen.

Weil ich, erfüllt von Unsicherheit, Angst und grenzenloser Liebe zugleich, weiter heimlich zu ihm hinüberspähte, bemerkte ich erst zu spät die Bananenschale, die jemand auf dem Weg fallengelassen hatte. Ich glitt aus, spürte, wie ich den Boden unter den Füßen verloren – und plötzlich hatte mich ein paar starker Arme ergriffen, deren Berührung mich so elektrisierte, so entzückte und mir den Atem raubte, dass ich nicht mehr tun konnte, als sprachlos in sein gottgleiches, unmenschlich schönes Antlitz zu blicken und in seinen goldenen Augen zu versinken.

Während ich mich noch fragte, wie er so schnell zu mir gelangt sein konnte, um mich ein weiteres Mal vor dem sicheren Tod zu retten, wischte er mit einer beiläufigen Bewegung des kleinen Fingers seiner linken Hand den Amboss mit der Aufschrift “ACME 1.000t” zur Seite, der von der Decke der Cafeteria auf mich herabstürzte, um gleichzeitig mit seiner rechten 8 brennende Tiger gleichzeitig zu jonglieren und, ohne dass ich, in seinen starken Armen geborgen, die geringste Erschütterung spürte, einen makellosen Riverdance aufzuführen.

Mir fehlten die Worte angesichts der tiefen Weisheit, die sich seinen Blick und seine Miene mit jugendlicher Verschmitztheit und ewigwährender Liebe teilte.

Ohne in seinem Tanz oder der Jonglage innezuhalten, setzte er mich sanft wieder auf meine Füße, obwohl meine zitternden Knie mich kaum zu tragen vermochten. Mit seiner nun freien linken Hand fing er mühelos den Konzertflügel ab, der aus dem Nichts auf uns zugeschleudert wurde – herrje, ich bin ja so ein Tollpatsch -, und begann beiläufig, Tschaikowskis Pathétique zu spielen, ohne einen einzigen Schritt seiner Tanzaufführung zu verpassen, während er tief in meine Augen sah und missmutig knurrte: “Das ist ja gerade noch mal gut gegangen, Bella, pass verdammt noch mal in Zukunft besser auf dich auf.”

Ach, Edward…


In Paris, you can buy a beer at McDonald‘s

28. Juni 2010

Und ich kann euch jetzt sogar sagen, was für eins: 16684. Das ist offenbar ein französisches Bier. Habe ich aber natürlich nicht bestellt, sondern stattdessen ein Pistazien-Frappé, das sich als unglaublich lecker erwies. Kann ich euch nur empfehlen, falls es das auch in Deutschland gibt. Egal. Ich will mal am Anfang anfangen:

Keoni und ich wollten schon lange mal nach Paris, um den Hype zu checken, und dieses Wochenende hatten wir mal Lust und Zeit dazu, deswegen kauften wir uns Thalys-Tickets und fuhren los. Am ersten Abend kamen wir ziemlich spät an, deswegen war da nicht mehr viel mehr zu tun als eine Bouillabaisse am Gare du Nord zu essen und dann den Boulevard de Magenta hinunterzuschlendern, bis wir unser Hotel in der Rue des Vinaigriers fanden. Und ich glaube, darauf basieren schon mindestens 80% der Magie Frankreichs. Ein so simpler Vorgang wie zu Abend zu essen und dann zum Hotel zu gehen, klingt gleich unglaublich mondän und weltmännisch, wenn man dabei ein paar französische Begriffe und Straßennamen droppen kann. Wem sich jetzt schon die Zehennägel hochrollen, der sollte diesen Beitrag vielleicht überspringen, das geht jetzt nämlich die ganze Zeit so weiter.

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Restebloggen zum Wochenende (45)

28. Juni 2010
  1. “France’s Dishonor is Complete in Loss to Host” titelt die New York Times, und ich bin einen Moment lang verwirrt, bevor mir klar wird, worum es geht. [Die haben auf ihrer Homepage den Titel geändert. Ich weiß nicht, warum. Ich habe ihn jedenfalls wortgetreu von meinem Kindle abgeschrieben.]
  2. Teetotalism. Teetotaler. Auf Englisch mag ich den Ausdruck viel lieber. Klingt nicht so militant wie der deutsche Anti-Alkoholiker. Ich bin nicht gegen Alkohol, und ich habe auch nichts gegen Alkoholiker, obwohl ich ihnen natürlich von ganzem Herzen gute Besserung wünsche. Ich sehe mich deshalb lieber als Teetotaler. Wie immer weiß Wikipedia mehr, falls ihr euch jetzt fragt, wovon ich rede:
    Teetotalism (sometimes tee-totalism) refers to either the practice of or the promotion of complete abstinence from alcoholic beverages. [...] When at drinking establishments, they either abstain from drinking or consume non-alcoholic beverages such as tea, coffee, water, juice, and soft drinks.
    Wer hätte das gedacht?
  3. Das sind mir immer die Richtigen: Leute, die Verkaufsschulungen und -beratung anbieten und denen dann unübersehbar die Gesichtszüge entgleisen, wenn man sagt, dass man nicht gleich unterschreiben, sondern lieber noch mal drüber nachdenken will. Those who can, do. Those who can’t, teach.
  4. Katja denkt darüber nach, wie das wohl für Autoren ist, wenn sie liebgewonnene Figuren in ihren Geschichten töten. Und ich denke mit. Ich habe darin schließlich Übung. Also im Töten, nicht im Denken. Ich meine… Ihr wisst schon.
  5. Meine Damen und Herren, es gibt eine neue Referenzklasse:
    demotivational posters - DEEP FRIED BUTTER
  6. Wann sparen sich Hotels endlich diesen Quatsch, dass jeden Tag jemand in unser Zimmer kommt und es aufräumt? Sogar in den billigsten Absteigen gehört das ganz selbstverständlich dazu. Das kostet die doch auch Zeit und Geld, und ich lege nicht nur keinen Wert darauf, dass jemand unsere Sachen durchwühlt und umsortiert, während wir nicht da sind, ich würde mich sogar ein bisschen wohler fühlen, wenn das unterbliebe.
  7. Ja, es ist das Wochenende über ein bisschen ruhig hier. Das liegt unter anderem daran, dass Keoni und ich bis morgen noch in Paris sind. Reisebericht folgt.

Veritas vos liberabit

25. Juni 2010

Dazu muss man nicht viel sagen, finde ich.

Aber ihr dürft natürlich gerne, wenn ihr wollt.

[via ProfMTH]


Und wofür benutzt ihr euren Kofferraum so?

24. Juni 2010

Ich habe am letzten Wochenende so eine Tagung in Köln besucht, bei der einer der Referenten in seiner Präsentation unter anderem zwei PR-Videos zeigte, die er für sehr gelungene Beispiele hielt. In gewisser Weise mögen sie das sein, aber sie beinhalten jeweils so eine Stelle, an der bei mir ganz laut die mentalen Bremsen quietschen und ich ein bisschen aus dem Narrativ geworfen werde, wenn ihr versteht, was ich meine. Den einen Spot kann ich hier einbinden, und wahrscheinlich kennt ihr ihn auch sowieso schon:

Da ist also dieser McDonald’s-Manager, der erst einmal immer ganz mitleidig angeschaut wird, wenn er sagt, wo er arbeitet. Und dann aber nicht mehr, wenn er in die Details geht. Aha. Wie muss ich mir diese Gespräche vorstellen, die der Herr ja offenbar regelmäßig auf Partys und mit Freunden führt?

“Tag, ich bin Isa, ich arbeite bei McDonald’s!”
“Oh, das tut mir Leid.”
“Aber ich bin Chef von 40 Leuten und verdiene gutes Geld!”
“Oh mein Gott, ich will ein Kind von dir!”

Ganz im Ernst: Wie hat der Texter dieses Videos sich das vorgestellt? Und etwas ab vom Thema: Sollte uns die Wertschätzung von Leuten wirklich so wichtig sein, die uns plötzlich mit völlig anderen Augen sehen, wenn sie unser Gehalt und unsere Führungsspanne kennen?

Im zweiten Spot ist dieser Moment ein bisschen subtiler, aber in meinen Augen genauso absurd. Den kann ich leider nicht einbinden, aber ihr findet ihn hier auf der BMW-Homepage. Ungeduldige können bis 2:45 vorspulen. Da geht es um den Kofferraum, und der Sprecher sagt:

“Der Kofferraum ist komplett getrennt vom Passagierbereich, wie bei einer Limousine. Alles kann diskret verstaut werden. Man sieht nichts, riecht nichts und hört nichts.”

Moment, halt, wie war das?

“[...] und hört nichts.”

Man hört nichts? Äh. Was könnte man denn im Kofferraum haben, das Ehegatte und Kinder nicht hören sollen, wenn man mit ihnen einen Ausflug macht?

Vielleicht kommt da bloß meine kranke Schriftstellerfantasie durch, aber mir drängt sich da die Frage auf, ob BMW auch daran gedacht hat, den Kofferraum speziell abzudichten, um Schutz vor auslaufenden Flüssigkeiten zu bieten. Vielleicht noch ein Kühlaggregat, falls man mal für längere Zeit…?


7,50 oder doch lieber 9? Warum nicht gleich 20?

23. Juni 2010

Hatte ich eigentlich schon mal geschrieben, wie ich diesen Spruch “Guter Lohn für gute Arbeit” als Slogan für einen gesetzlichen Mindestlohn verabscheue? Ich glaube, nicht. Dann hole ich das jetzt nach:

“Guter Lohn für gute Arbeit” klingt vernünftig, so, als könne niemand was dagegen haben und als wäre es die einzig faire Lösung. Natürlich ist guter Lohn für gute Arbeit fair. Aber es ist nicht das, was Gewerkschaften und Linke mit einem Mindestlohn fordern. Mindestlohn hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, sondern mit Gleichheit. Und entgegen dem, was manch einer uns glauben machen will, sind das zwei völlig verschiedene Sachen.

Ich denke, es ist unbestritten, dass es auch Leute gibt, die schlechte Arbeit abliefern. Ich kenne ein paar davon persönlich. Sollen die nach dem Willen von Gewerkschaftern und SPD dann schlechten Lohn erhalten? Natürlich nicht!

Darüber hinaus geht es natürlich nicht nur darum, für einen “guten” Lohn zu werben. Es geht darum, dass man Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht zutraut, sich auf einen guten Lohn zu einigen. Es geht darum, dass man meint, ihnen vorschreiben zu müssen, was sie vereinbaren dürfen und was nicht, weil man es besser weiß. Es geht darum, dass man Arbeitnehmer für unfähig hält, Entscheidungen im eigenen Interesse zu treffen und sie deshalb vor sich selbst schützen will.

In letzter Konsequenz heißt die Forderung also: “Der Lohn, den wir für richtig halten, für jede Arbeit”. Klingt natürlich nicht mehr so gut.

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Menschenähnlich (24)

23. Juni 2010

Das neue Kapitel unseres Fortsetzungsromans ist fertig. Es ist ein bisschen kurz geworden, aber das liegt natürlich nur daran, dass ich jetzt langsam schlafen gehen will die künstlerische Gesamtkonstruktion das so erfordert.

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Restebloggen zum Wochenende (44)

20. Juni 2010
  1. Astrodicticum Simplex berichtet [via Rechtslupe] über ein Urteil des OLG Stuttgart, nach dem Wahrsager keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf die vereinbarte Gegenleistung haben, weil die von ihnen versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind. Und ich bin nicht mal sicher, ob ich das gut finde. Wer zu einem Wahrsager geht, sollte wissen, dass er dort für sein Geld irgendwelchen sinnlosen Stuss erzählt bekommt. Sich hinterher dann zu beschweren, finde ich irgendwie kindisch. Andererseits behaupten Wahrsager natürlich ganz im Ernst, die Zukunft zu kennen, die Entscheidung ist also wohl im Ergebnis in Ordnung.
  2. Falls ihr mal in Köln seid und richtig gut essen wollt, kann ich das Restaurant La Vision im Hotel Wasserturm ziemlich vorbehaltlos empfehlen. Ich war gestern zum zweiten Mal da, und nicht nur das Essen ist fantastisch, der Service ist freundlich und aufmerksam, und die Atmosphäre angenehm entspannt. Unterhaltsam war außerdem der Herr am Nebentisch, der regelmäßig sehr laut und eher einsam über seine eigenen Witze lachte und zu Beginn seiner Mahlzeit quer durch den Raum nach einem Salzstreuer rief. Maggi hatte er wahrscheinlich sowieso in der Jackentasche.
  3. Ich hatte letztens in diesem Blog geschrieben, Wale seien mir egal. Das stimmt so natürlich nicht, und im Nachhinein bedaure ich diese unüberlegte Äußerung sehr. Entschuldigung.
    demotivational posters - HANDSHAKES
  4. Frau Kipping von der Linkspartei fordert die Einführung eines Einkommenskorridors, der von 1000 bis 40000 Euro pro Monat reicht. Alles darunter ist zu wenig, und alles darüber sieht sie auch nicht ein. Okay. Ich könnte mich darüber aufregen, aber glücklicherweise hat LeDru sich dazu schon geäußert.
  5. Bettler, die einfach nur da sitzen, sind Geschmackssache, Bettler, die Musik machen, finde ich vor allem lästig, aber vor dem Kölner Dom sitzt so einer, der ein Schachbrett dabei hat und gegen den man für Geld spielen kann. Er ist offenbar ein Großmeister aus Russland. Das finde ich cool. Leider bin ich kein guter Schachspieler. Nicht mal ein mäßiger.

Willkommen im Internet

20. Juni 2010

Eigentlich sollte ich ja irgendwann mal gelernt haben, mich über sowas nicht mehr aufzuregen. Habe ich aber nicht.

Ihr wisst vielleicht, dass ich Michalis “Mikis” Pantelouris’ Blog “Print Würgt” sehr gerne lese. Er ist klug, er schreibt unterhaltsam und treffend, und seine Meinung ist meist durchdacht und gut begründet.

Mit seinen letzten zwei Artikeln habe ich aber Probleme. Eigentlich nur kleine Probleme, aber sie sind, wie das oft so ist, mit der Zeit ein bisschen größer geworden. Und das kam so:

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Ich ist ich ist ich ist ich

18. Juni 2010

Dieser Artikel liegt schon eine ganze Weile hier herum, aber ich habe mich bisher nicht getraut, ihn zu veröffentlichen. Es handelt sich um eine Art Gedankenspiel zum Thema “menschliches Bewusstsein”. Das interessiert vielleicht nicht jeden, aber mich beschäftigt es öfter mal, und da zurzeit eh nichts Interessantes los ist, dachte ich, ich teile meine Überlegungen mit euch. Vielleicht habt ihr ja auch ein paar Ideen dazu.

Wen ich jetzt noch nicht vergrault habe, der ist herzlich eingeladen, mir ins Studierzimmer zu folgen, es geht hier entlang.

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