In Paris, you can buy a beer at McDonald‘s

Und ich kann euch jetzt sogar sagen, was für eins: 16684. Das ist offenbar ein französisches Bier. Habe ich aber natürlich nicht bestellt, sondern stattdessen ein Pistazien-Frappé, das sich als unglaublich lecker erwies. Kann ich euch nur empfehlen, falls es das auch in Deutschland gibt. Egal. Ich will mal am Anfang anfangen:

Keoni und ich wollten schon lange mal nach Paris, um den Hype zu checken, und dieses Wochenende hatten wir mal Lust und Zeit dazu, deswegen kauften wir uns Thalys-Tickets und fuhren los. Am ersten Abend kamen wir ziemlich spät an, deswegen war da nicht mehr viel mehr zu tun als eine Bouillabaisse am Gare du Nord zu essen und dann den Boulevard de Magenta hinunterzuschlendern, bis wir unser Hotel in der Rue des Vinaigriers fanden. Und ich glaube, darauf basieren schon mindestens 80% der Magie Frankreichs. Ein so simpler Vorgang wie zu Abend zu essen und dann zum Hotel zu gehen, klingt gleich unglaublich mondän und weltmännisch, wenn man dabei ein paar französische Begriffe und Straßennamen droppen kann. Wem sich jetzt schon die Zehennägel hochrollen, der sollte diesen Beitrag vielleicht überspringen, das geht jetzt nämlich die ganze Zeit so weiter.

Wir hatten noch nie so eine Hop-on-hop-off-Busstadtrundfahrt ausprobiert, und weil wir keine Ahnung hatten, was in Paris so los ist und was man gesehen haben muss, hielten wir es für eine gute Idee und kauften gleich am Samstagmorgen ein Paar Tickets für zwei Tage. Es war so lala. Weiß nicht, ob ich das wieder machen würde. Einerseits ist es nett, sich einfach an den Sehenswürdigkeiten vorbeifahren zu lassen, über Kopfhörer eine Erklärung zu kriegen und bei Interesse aussteigen und sich die Sachen näher ansehen zu können, andererseits sind die Erklärungen schon ziemlich dürftig, die Musik zwischendurch war teilweise unerträgliches Geplärr und Geleier, und es ist gar nicht so leicht, von einem fahrenden Bus aus brauchbare Bilder zu machen. Ein paar haben wir aber doch geschafft. Dies ist das Hôtel de Ville von der Île de la Cité aus:

Der Dämon, den Saint Michel völlig unprovoziert überfallen und schwer verletzt hat:

Und der Arc de Triomphe am einen Ende der Champs Élysée:

Eine sehr interessante Statue in den Tuilleriegärten:

Muss man eigentlich ignorieren können, dass man permanent von sehr plastischen Gewaltdarstellungen umgeben ist, um Paris unglaublich romantisch zu finden, oder kann man das auch irgendwie verbinden?

Architektonisch sehr ansprechend sind ja auch immer die Gottläden Kirchen. Meiner Meinung nach die schönste in Paris ist Sacré Coeur in Montmartre:

Da drin darf man leider nicht fotografieren, aber ich hatte den Eindruck, dass das Geschäft ganz gut läuft. Überall stehen kleine Souvenirmedaillenautomaten herum, es gibt eine Buchhandlung, und wenn man Lust hat, mit dem Feuer zu spielen, darf man zwischen Teelichten für 2 Euro und etwas größeren Kerzen für 10 wählen. Offenbar wird hier seit 1885 ununterbrochen gebetet. Als wir Sacré Coeur besichtigten, war es ein indischer Priester, der auf Indisch zu einer größtenteils indischen Gemeinde sprach und dann auf einem kleinen Keyboard ein Liedchen zu spielen anfing. Alle Beteiligten schienen großen Spaß zu haben, und für uns war es zumindest eine nette Abwechslung von den oft doch eher eintönigen deutschen Gottesdiensten, die man bei Kirchenbesichtigungen manchmal mitbekommt.

Möglicherweise ein bisschen bekannter (wegen des Glöckners) ist Notre Dame. Keoni findet die auch schöner als Sacré Coeur, und wir können jedenfalls festhalten, dass sie besucherfreundlicher ist, denn sie hat kein Fotoverbot:

Gibt es wohl eine liturgische Erklärung dafür, dass Geistliche sich Dämonen und Ungeheuer an ihre heiligen Häuser mauern lassen? Ich finde solche Figuren ja sehr hübsch, aber die haben da doch eigentlich gar nichts zu suchen, wo er das Sagen hat:

Auch wenn ich bei solchen Besichtigungen nicht ganz darüber hinwegsehen kann, was für eine unfassbar traurige Verschwendung das alles ist, muss ich natürlich zugeben, dass dabei schöne Bilder rauskommen.

Dringend abraten muss ich übrigens von einem Besuch des Restaurants schräg gegenüber auf der anderen Flussseite rechts der Pont Neuf. Der Kellner fragte uns innerhalb von geschätzt zwei Minuten drei Mal, ob wir uns jetzt schon entschieden hätten und verdrehte sichtbar genervt die Augen, als wir ihn wierholt vertrösteten, und das Essen war auf klassischem Touristenfallenniveau. Ich schäme mich, und es war das erste Mal, aber was ist ein Blog schon wert, wenn man dann seinen Lesern nicht die Wahrheit sagt, deswegen gestehe ich, auch wenn es weh tut: Ich habe nachgesalzen. Bitte glaubt mir, es musste sein.

Das war’s für’s Erste, und beim nächsten Mal erzähle ich euch von dem Jahrmarkt in den Tuilleriegärten, Zwerggemüse und dem krönenden Abschluss auf dem verdammt noch mal romantischsten Stahlfachwerkturm der Welt.

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20 Antworten zu In Paris, you can buy a beer at McDonald‘s

  1. Rayson sagt:

    Wie überall: Den wahren Zauber einer Stadt erspürt man nur abseits der Touristenattraktionen, Ich kann nur empfehlen, einfach mal quer durch die Innenstadt zu pilgern. Im Notfall ist die nächste Metrostation ja nicht weit.

    Wer aber nur wenig Zeit hat: Ich finde, ein Pariserlebnis ist unvollkommen ohne einen Sonnenuntergang auf den Treppen von Sacré Coeur und ohne eine Bootsfahrt auf der Seine bei Nacht.

    Für Liberale Pflicht: Raymond Arons Grab auf dem Friedhof von Montparnasse. Dort sind übrigens auch Sartre und Serge Gainsbourg beerdigt. Während die letzte Ruhestätte der beiden Philosophen jeweils eher schmucklos daherkommt, kann man bei Gainsbourg von immer frischem Grabschmuck ausgehen, gerne auch in Form von Metro-Tickets.

  2. Muriel sagt:

    Rayson: Klar, wir sind auch eine Zeitlang frei herumgelaufen und haben dabei einige interessante Kleinigkeiten entdeckt. Und auf dem Friedhof waren wir auch. Ich wusste zwar nichts von der liberalen Pflicht, aber Sartre und Gainsbourg haben wir gesehen, ebenso wie Poincarré, den ich auch für durchaus verpflichtend halte. Aber dazu mehr im nächsten Bericht.

  3. Matt Blu sagt:

    Nur der Vollständigkeit halber, das frz. Bier dürfte wohl eher 1664 von Kronenbourg gewesen sein. Ist aber letzten Endes egal, schmeckt eh’ nicht.

  4. Muriel sagt:

    Matt Blu: Ja, danke! Ich hatte die ganze Zeit dieses nagende Gefühl, dass mir da mein Gedächtnis einen Streich spielt.

  5. Rayson sagt:

    Ich freue mich drauf.

    Ad cervisiam: Yep. Hier die abschließende Liste der Länder, in denen man als Kenner einheimisches Bier trinken darf: Niederlande, Belgien, Tschechien, Japan, Australien. Mit Abstrichen: Polen und Österreich. Ausgewählt: Indien.

    In allen anderen Regionen würde ich lieber zum Wein greifen. Es sei denn natürlich, man ist Teetotalitarist…

  6. Maxi sagt:

    Rayson: Leider muss ich dir da ein klein wenig wiedersprechen, denn ich sehe deine kleine, aber feine Liste noch nicht als abschließend an. Zywiec ist eine sehr gutes polnisches Bier (daher aus meiner Sicht nicht mit Abstrichen) und in deiner Aufzählung hast du England und Irland vergessen. Gut, es ist alles Geschmackssache…

  7. Katja sagt:

    Zwar keine liturgische, aber eine Erklärung zu den Gargoyles hält Wikipedia bereit.

    Ich finde es immer echt erstaunlich, wie anziehend Kirchen auf Touristen, ob religiös oder nicht, wirken. Selbst in Orten, wo es wirklich viele sehenswürdige Bauwerke und Orte gibt, sind es immer wieder die Kirchen, die mich in ihren Bann ziehen und die ich bei begrenzter Zeit besuche. (Obwohl ich mit der Institution Kirche nichts anfangen kann, es sind nur die Gebäude.)

  8. Andi sagt:

    Und Tschechien gehört natürlich aus der Liste entfernt. :)

    Ich liebe Reiseberichte. Meinetwegen könntest du hier jeden Montag einen veröffentlichen. Und ich suche die Reiseziele aus. Abgemacht?

    Übrigens hab ich heute mal auf die Foto-Bemerkungen geachtet. “Echt arm dran” gefiel mir gut. :)

  9. Muriel sagt:

    @Bier: Da kann ich nicht mitreden, für mich schmeckt das alles scheußlich. Aber ich kann euch die abschließende Liste der Länder geben, in denen man als Kenner einheimisches Leitungswasser trinken kann: Deutschland.
    @Katja: Danke für den Link. Das mit dem Beschützen kenne ich wohl, ergibt aber für mich wenig Sinn, dafür ist doch der Kerl am Kreuz da. Aber die wissen schon, was sie tun.
    Erstaunlich finde ich das mit den Kirchen nicht unbedingt. Die sind eben in fast jeder Stadt herausragende architektonische Leistungen, weil die Menschen lange Zeit dachten, dass der Schöpfer des Universums unheimlichen Wert darauf legt, dass wir ihm ein schönes Haus bauen. Außerdem sind sie meistens problemlos und kostenfrei zu besichtigen.
    @Andi: Sagen wir mal, wie arbeiten konsequent auf dieses Ziel hin.
    “Echt arm dran”. Ja, ist er ja einerseits, obwohl ich andererseits finde, dass es mit seinem Opfer für uns nicht so weit her ist. Ich würde mich auch drei Tage lang opfern (von denen ich die meiste Zeit eh tot bin), um dann der Vizechef des Kosmos zu werden.

  10. Guinan sagt:

    “Muss man eigentlich ignorieren können, dass man permanent von sehr plastischen Gewaltdarstellungen umgeben ist, um Paris unglaublich romantisch zu finden”

    Hach, Paris. In der passenden euphorisch-romantischen Stimmung nimmt man die Gewalt gar nicht wahr.

    “eintönigen deutschen Gottesdiensten, die man bei Kirchenbesichtigungen manchmal mitbekommt.”

    Du besichtigst Kirchen, während da gerade ganz großes Theater gespielt wird, und die Gläubigen in Ehrfurcht versinken? Hmm.

  11. Muriel sagt:

    @Guinan: Na gut. In der passenden euphorisch-romantischen Stimmung findet man wahrscheinlich auch Essen toll. Aber ich will ja nur sticheln, Paris ist wirklich schön, und mich persönlich stören Gewaltdarstellungen auch sowieso nicht.
    ad 2: Was kann ich denn dafür, dass die Gläubigen unbedingt gerade dann in Ehrfurcht versinken müssen, wenn ich ich ihre Kirche besichtige? Ich meine, natürlich, ich bin schon ziemlich… Nee, schon gut, doch nicht, das kann’s nicht sein.

  12. WallaceRope sagt:

    Ich glaube, Essen findet man nie toll, egal in welcher Stimmung man gerade ist. Hagen Rether fasste das mal so zusammen:
    “Wenn so Essen aussieht, wie sieht dann erst Kotzen aus.”

    Und Paris … Paris ist einfach immer toll.

    ———
    [Film School - Lectric]

  13. Arctica sagt:

    Komm mal nach Schottland. Da geht das mit dem Nachsalzen bestimmt weiter ;)

  14. Coleogne sagt:

    Warst du zufällig im Hotel Soft? Dort hatte ich im Winter bei einem Paristrip eingecheckt.

  15. Muriel sagt:

    @Arctica: Jemand sagte meinem Vater mal, dass es in Schottland tollen Fisch gebe. Schade sei nur, dass die Schotten ihn dann bei der Zubereitung ruinieren.
    @Coleogne: Hau mich einer mit ‘ner Schaufel! Ja, im Hotel Soft waren wir.

  16. Coleogne sagt:

    @Muriel: jaja, das Internet ist klein ;-)

    @alle: Im bitterkaltesten Winter kann ich einen Paristrip nur sehr bedingt empfehlen

  17. theomix sagt:

    Die dämonen sind draußen, weil sie nicht reindürfen, denn drinnen hat er das sagen.
    So hat man sich das wohl vorgestellt, bzw.dem analphabetischen volk vor augen geführt.
    Und da er auch draußen das sagen hat, sehen sie auch eher wie comicfiguren aus und nicht wie der stoff für albträume.
    Eine liturgische erklärung gibt es da aber nicht. Außer vielleicht auf umwegen. Aber für umwege ist es einfach zu warm…

  18. Muriel sagt:

    @theomix: Ach, schau mal an, schön, dass du auch noch da bist. Danke für die Erläuterung; ich finde es aber trotzdem reichlich merkwürdig, eine Kirche mit Dämonen zu schmücken. Er hat schließlich nach Überzeugung der Insassen draußen genauso das Sagen, oder nicht?

  19. theomix sagt:

    Ja, ab und zu.

    “Wir müssen leider draußen bleiben” mit entsprechenden piktogrammen ist in der modernen (oder postmodernen) welt nichts anderes.
    Und herrchen oder frauchen bleiben eine stunde im laden einkaufen und haben die ganze zeit das sagen, schließlich ist der hund an die leine gelegt.

    Ob das nun merkwürdig ist, ist eine stilfrage. Romanischer und gotischer stil finden es nicht merkwürdig…

  20. [...] Relevanz, und da haben die Dinge ihre gute Ordnung und erscheinen in der richtigen Reihenfolge. Ich schulde euch noch einen Paris-Bericht, also gibt es auch einen. Und wenn ich das richtig sehe, schulde ich euch Babygemüse, also gibt es [...]

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