Menschenähnlich (26)

Überschaubare Relevanz weiß, was ihr denkt. Ihr denkt, dass es schon lange mal wieder Zeit ist für eine neue Episode unseres Fortsetzungsromans Menschenähnlich. Und ihr habt Recht. Bitteschön:

Was bisher geschah
Im ersten Kapitel wohnen wir dem Aufbruch zweier Raumfahrer namens Jake und David bei, die eine kostbare Fracht aus 13 Androiden zu einem fremden Planeten transportieren sollen.
Bereits im zweiten Kapitel folgt der abschussbedingt gewaltsame Abbruch dieser Reise. Dafür lernen wir Kalon und An’Yik kennen, die sich als reisende Helden betätigen und dabei anscheinend auch manchmal vor ethisch nicht ganz einwandfreie Vorgehensweisen zurückschrecken. Sie sehen den Absturz des Raumschiffes und hoffen auf reiche Beute.
Im dritten Kapitel erwachen Jake und David in ihrem abgestürzten Raumschiff und retten sich, einen der Androiden und ein paar andere Kleinigkeiten in ein Rettungsboot, bevor das Schiff im Meer versinkt. Gleichzeitig lauert ein Schlichter gemeinsam mit ihrem verräterischen Gefährten Berren den beiden reisenden Helden auf, um sie einem unerfreulichen Schicksal zuzuführen.
Im vierten Kapitel packen David und Jake ihr neues Spielzeug aus, und Kalon erwacht aus der Betäubung, in die der Blasrohrpfeil des Schlichters in versetzt hat. Er stellt fast, dass seine Gefährtin An’Yik ihn zwar aus der unmittelbaren Gefahr retten konnte, nun aber ihre ganz eigenen Probleme mit dem Pfeilgift hat.
Im fünften Kapitel haben wir den Autokraten und seinen Ersten Sekretär Larn kennengelernt, die gemeinsam danach streben, die kostbare Ladung der Emerald-17 in die Hände zu bekommen. Währenddessen lernten David und Jake ein Stück dieser Ladung noch etwas näher kennen, und Kalon und An’Yik fanden ihre Spuren im Sand.
Auch im sechsten Kapitel kam noch mal jemand Neues dazu: Shianuk und ihr Onkel Noot haben einen unserer Androiden am Strand gefunden, werden aber leider unterbrochen, bevor sie ihn näher kennenlernen können. Währenddessen erklärt Jake David, was genau ihn an der Maschine so sehr stört, bis die mit Kalon und An’Yik ans Lagerfeuer zurückkehrt.
Im siebten Kapitel muss der Erste Sekretär unter äußerst widrigen Umständen eine Reise beginnen, Kalon bietet sich und An’Yik als Führer an, wird aber von der überraschenden Ankunft weiterer Besucher unterbrochen, und Shianuk lernt den Mann aus der Kiste kennen.
Jake findet im achten Kapitel seine Munition nicht, aber Kalon kann die Gruppe mit einem gewagten Bluff retten. Shianuk beantwortet die Fragen des Mannes aus der Kiste, so gut sie kann, und lässt sich überreden, sich mit ihm auf die Reise zum Autokraten zu machen.
Im neunten Kapitel lernt der Zweite Sekretär den Autokraten kennen, und der Erste Sekretär erfährt von der Begegnung der vier Soldaten mit den Weltraumfahrern. Seine Patrona macht einen Vorschlag.
Im 10. Kapitel baut der Mann aus der Kiste ein Floß für Shianuk, Jake, David, An’Yik, Kalon und die Androidin teilen sich auf.
Der Autokrat besucht im 11. Kapitel eine alte Freundin, die ihm bei der Suche nach den Flüchtlingen helfen soll, und An’Yik, Jake und die Androidin lernen sich unterwegs etwas besser kennen.
Im 12. Kapitel lässt der Erste Sekretär sich erwehttp://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/wp-admin/post-new.phpichen, und Shianuk und der Androide erobern den Palast des Autokraten, nachdem sie den sonderbaren und völlig unpassend benannten Kopfkäfer kennengelernt haben.
Im 13. Kapitel werden David und Kalon von Dick und Doof verhaftet, und die An’Yik macht sich Sorgen, weil die beiden nicht pünktlich am Treffpunkt erscheinen, nachdem sie entschieden hat, Jake vorerst nicht zu essen.
Shianuk und der Androide werden im 14. Kapitel vom Autokraten überrascht, und David, Kalon, Dick und Doof fallen in die Hände einer Einheit der Autokratischen Armee.
Im 15. Kapitel werden die Gefangenen dem Ersten Sekretär vorgeführt, aber etwas kommt dazwischen, und genau dieselbe Störung nutzen An’Yik, Shu’Nim und Jake, um einen Befreiungsversuch zu unternehmen. Shu’Nim macht einen Witz.
Im 16. Kapitel kommen die drei gerade rechtzeitig, um einen Versuch zu vereiteln, David und Kalon aus der Gefangenschaft zu entführen und sie dann selber zu befreien. Gleichzeitig muss die Pontifex an J2 herumbasteln, obwohl sie gar nicht will.
Shianuk wird im 17. Kapitel von der Pontifex aus ihrem Gefängnis befreit. David und An’Yik streiten darüber, ob sie die Inquisitoren töten, und Larn lernt die hübsche Doppelgängerin kennen, die An’Yik im 16. Kapitel getötet hatte.
Im 18. Kapitel befreit J2 Shianuk von den autokratischen Soldaten, und die Doppelgängerin bereitet Larn eine unerfreuliche Überraschung.
Die Doppelgängerin und Jeana lernen sich im 19. Kapitel besser kennen, während David, Jake und die anderen eine Sklavenbefreiung planen.
Im 20. Kapitel reist Shianuk mit J2 zum Kehlar-Turm, und wir sehen die Welt durch die Augen des Doppelgängers.
Im 21. Kapitel bricht der Autokrat zu einer Reise auf, der Erste Sekretär bekommt etwas zu essen und Jake, David und die anderen erreichen den Kehlar-Turm.
Shianuk und J2 betreten im 22. Kapitel zum ersten Mal den Turm, und einer von ihnen wird sofort wieder rausgeworfen. Der Autokrat enttarnt die Doppelgängerin, aber sie entkommt vorerst.
Im 23. Kapitel lernt Shianuk die Stimme des Turms kennen, während David und Jake und die anderen J2 begegnen.
Im 24. Kapitel brechen der Autokrat, Jeana und Larn auf zum Turm, und Shianuk wird von einem freundlichen jungen Mann befreit, der sich Alidae nennt.
Alidae und Shianuk treffen im 25. Kapitel auf den Autokraten und seine Begleiter, und David und seine Freunde lernen die Stimme kennen.

Was heute geschieht
An’Yik dachte für den ersten Moment, dass sie die Stimme einfach falsch verstanden hatte, aber alle anderen sahen genauso verwirrt und überrascht aus wie sie sich fühlte.
„Was? Wer ist denn Shianuk, und warum will sie dich umbringen?“ fragte David.
„Ich habe sie darum gebeten“, antwortete die Stimme.
„Warum würdest du so etwas tun?“ Jake klang vollkommen fassungslos. Sein Mund stand weit offen, und seine Augenbrauen waren eng zusammengezogen.
„Ich bin schon sehr lange hier, und es wird mit der Zeit sehr, sehr langweilig.“
„Kann sie dich nicht stattdessen befreien? Dann kannst du irgendwohin gehen, wo mehr los ist.“
„Befreien?“ fragte die Stimme, als hätte sie das Wort zum ersten Mal gehört und würde jetzt ausprobieren, wie es beim Aussprechen schmeckte. „Ja, das will sie doch.“
„Du hast doch gesagt…?“
Sie kicherte leise. „Ihr nehmt wahrscheinlich an, dass ich irgendwo in einem kleinen Raum mit verschlossener Tür sitze und in ein Mikrofon spreche. Aber das stimmt nicht. Ich bin mit einem neuronalen Netz verschmolzen. Ich habe keinen Körper, mit dem ich entkommen könnte.“
„Oh“, machte Jake.
An’Yik war sich nicht sicher, ob sie verstand, was die Stimme meinte, aber sie glaubte, es sich ungefähr vorstellen zu können.
„Sie haben dich in ihren Turm eingebaut?“ fragte sie.
„Ja, so ungefähr. Sie wollten einen intelligenten Zentralcomputer, und sie fanden, dass es viel einfacher ist, eine vorhandene Intelligenz dafür zu benutzen, statt selbst eine zu konstruieren.“
„Das ist widerlich“, murmelte David.
„Kann sein“, sagte die Stimme in ihrem fröhlichen Plauderton, „Aber vielleicht wollt ihr das jetzt lieber nicht ausdiskutieren, sondern euch beeilen, zu eurem Schiff zu kommen, bevor ich tot bin und ihr hier gefangen seid.“
„Das klingt vernünftig“, sagte Kalon.
An’Yik stieß einen erschrockenen Aufschrei aus und sprang einen Schritt zurück, als sich plötzlich neben ihr die Wand öffnete und den Blick in einen metallglänzenden Schacht freigab. Mit einer Mischung aus Furcht und Faszination trat sie wieder näher und spähte in den Schacht, während sie sich mit beiden Seiten an den Rändern der Öffnung festhielt. Sie wagte nicht, zu nah heranzutreten oder sich zu weit nach vorne zu beugen, weil sie sich noch erinnerte, wie plötzlich und lautlos die scheinbar unverrückbare Wand gerade eben verschwunden war.
Der Schacht schien sich sowohl nach unten als auch nach oben endlos weiter zu erstrecken, nur hin und wieder waren Öffnungen an den Seiten zu sehen. Wenn sie zu lange direkt nach oben oder unten sah, wurde ihr schwindlig. Es gab keine Griffe und keinen Halt, nur eine glatte glänzende Metallwand.
„Ich bin noch nicht dazu gekommen, diesen Aufzug zu reparieren“, sagte die Stimme. „Noch ein Grund, euch zu beeilen. Aber seid vorsichtig, manchmal nisten sich Parasiten in den Schächten ein, wenn ein Aufzug eine Weile nicht funktioniert.“
„Entzückend“, knurrte Jake. Er trat auch ein Stück vor, um den Schacht besser sehen zu können. David und Kalon folgten ihm, während die beiden Androiden reglos da stehen blieben, wo sie waren.
„Wie sollen wir denn da hoch klettern?“ fragte David. „Und vor allem bis ganz nach oben! Das müssen doch über 100 Kilometer sein!“
Wieder gab die Stimme dieses fröhliche helle Kichern von sich.
„Quatsch!“ antwortete sie, „Natürlich müsst ihr nicht bis ganz hoch klettern, nur 20 Meter bis zu dem Quergang, und dann müsst ihr noch mal 580 Meter laufen, bis ihr einen funktionierenden Aufzug erreicht.“
Kalon spähte noch einmal skeptisch in den Gang. „Trotzdem glaube ich nicht, dass wir an einer glatten Metallwand 20 Meter hoch klettern können, wie viel auch immer 20 Meter sind.“
„Shu’Nim und ich können uns halten, indem wir Arme und Beine gegen die Wände stemmen und auf diese Weise hinaufklettern“, schlug der männliche Android vor.
„Die Wände sind zu weit auseinander dafür“, widersprach David. „Sogar, wenn ihr die Arme ausstreckt, könnt ihr doch höchstens zwei Meter überbrücken. Der Schacht ist mindestens drei Meter breit.“
„Wenn ich ihre Knöchel halte, kann sie ihre Hände an die entgegensetzte Seite stemmen und ich meine Beine an diese.“
Alle vier Lebewesen sahen den Androiden skeptisch an.
Shu’Nim erklärte in ihrem stets distanziert freundlichen Tonfall: „Die Kraft auch zweier hervorragend trainierter Menschen würde dafür nicht reichen, aber für uns ist es keine anspruchsvolle Aufgabe.“
Jake täuschte ein Husten vor und stieß darin verborgen ein „Angeber!“ hervor.
David honorierte es mit einem pflichtbewussten Lächeln.
„Wir sind nun in der Lage, Ihr Gewicht zu dem Quergang zu befördern“, verkündete Shu’Nim, nachdem die beiden wie angekündigt eine Brücke zwischen den Wänden des Schachtes gebildet hatten, schräg unterhalb der Öffnung, sodass sie daneben an der Wand hinaufklettern konnten, nachdem alle aufgestiegen waren.
„Das sieht nicht so aus, als könnte es uns vier tragen“, sagte An’Yik.
„Nein, überhaupt nicht“, pflichtete Kalon ihr bei.
David nahm einen tiefen Atemzug und stellte sich vor die Öffnung in der Wand. „Nein, es sieht nicht so aus, aber es wird trotzdem gehen. Die beiden können mit bloßen Händen Stahlträger verbiegen, da werden sie jawohl uns vier ein Stück weit tragen können.“
„Wunderbar“, sagte Jake, „Dann steig auf, Cowboy.“
„Ich wusste, dass du sowas sagen würdest…“ murmelte David.
Er hielt sich weiterhin an der Wand fest, sichtbar bemüht, nicht nach unten in den endlosen Schacht zu sehen, und streckte prüfend einen Fuß in Richtung der Beine des männlichen Androiden aus.

Es kneift die Lider zusammen und schüttelt den Kopf, während es versucht, sich zu konzentrieren. Es versucht, die schleimige Flüssigkeit fortzuwischen, die permanent von seiner Stirn über seine Brauen in seine Augen läuft, die ohnehin nur rudimentär ausgebildet sind, gibt den Versuch aber wieder auf, als es erkennt, dass die Rückstände, die seine sich auflösenden Finger hinterlassen, seine Sicht genauso behindern.
Es versucht einige Minuten lang, sich auf alle Viere aufzurichten, doch wieder und wieder rutschen seine Gliedmaßen nur hilflos auf der metallenen Oberfläche des Lüftungsschachtes herum, ohne die nötige Koordination zu finden, die erforderlich wäre, um weiterzukrabbeln.
Geräuschvoll saugt es den Schleim wieder ein, der aus seinem Mund, seiner Nase und seinen Ohren läuft und beschließt endlich, seine Gliedmaßen zurückzubilden und den Rest des Weges zu kriechen.
Es hasst seine eigene Hilflosigkeit, es hasst seine eigene Dummheit, die Trägheit und Zerstreutheit seines Verstandes, und hat schnell wieder vergessen, warum es so verärgert ist. Es hasst es, Aspekte von sich abzuspalten und sich in zwei separate Wesen zu teilen. Nicht nur, weil beide Wesen viel schwächer und dümmer sind als der vollständige Doppelgänger; sondern auch, weil die abgespaltenen Aspekte manchmal die Einheit vergessen, der sie entstammen, und sich der Wiedervereinigung verweigern oder sogar zu fliehen versuchen. Oft resultiert außerdem… Es erinnert sich nicht an den dritten Grund, aus dem es die Abspaltungen hasst. Vielleicht hätte es doch einen etwas größeren Teil abspalten sollen, um diese Mission auszuführen. Aber es erinnert sich immerhin wieder an sein Ziel. Es hat eine Botschaft, die es überbringen muss, auch wenn es nicht mehr weiß, wie die Botschaft lautet.
Unter Aufbietung all seiner Willenskraft und Konzentration zwingt es seinen Körper in eine kohärente Form und beginnt, in Richtung der Weltraumreisenden zu kriechen.
Als es anhand des Luftzugs spürt, dass es eine Öffnung des kleinen Tunnels erreicht hat und die Wärme anderer Lebewesen empfindet, ist es maßlos erleichtert, und für einen Moment fällt ihm sogar wieder ein, warum es die Reisenden finden will. Es muss sie warnen, und sie bitten, dass sie es mitnehmen, wenn es ihnen gelingt, zu entkommen.
Es kriecht in Richtung der Öffnung und schiebt sich hindurch. Es lässt sich fallen und landet mit einem harten schmerzhaften Aufprall auf dem Boden. Während es versucht, sich an eine Form zu erinnern, in der es den Menschen erklären kann, warum es hier ist, hört sie ihre Stimmen:
„Ah! Was ist das denn?“
„Uääh!“
„Bah! Das muss einer von den Parasiten sein. Glaubt ihr, es ist gefährlich?“
„Bitte treten Sie zurück, damit Sie nicht verletzt werden. Soll ich versuchen, es zu vernichten?“

„Du schon wieder“, wisperte der Autokrat, und Larn war nicht sofort klar, was er damit meinte.
Erst als der junge Mann hinter dem Mädchen in dem kleinen metallenen Raum ein anzügliches Lächeln aufsetzte, ihm zuzwinkerte und seinen Augen dabei für einen Moment dieselbe blaugrüne Farbe wie Larns eigene Augen verlieh, verstand der Erste Sekretär.
„Das Konstrukt!“ rief er.
Jeana stolperte mit einem erschrockenen Aufschrei einige Schritte vor dem scheinbar harmlosen jungen Mann zurück, und Larn musste sich zwingen, es ihr nicht gleich zu tun.
Er konnte sich nur zu gut noch erinnern, wie die Doppelgängerin plötzlich auf ihn zugesprungen war, um ihn zu packen und zu fesseln, alles scheinbar in einer einzigen völlig unmöglichen Bewegung. Es war so schnell gegangen, dass er keine Chance gehabt hatte, sich zu verteidigen.
Das Mädchen in dem kleinen Raum stand mit vor Schreck geweiteten Augen und offenem Mund da, bevor sie schließlich auf die Knie fiel, sich auf ihre Hände stützte und sich vorbeugte, um ihr Gesicht auf den metallenen Boden zu drücken. Nach einer kurzen Pause stieß sie leise und zögernd hervor: „Bitte vergeben Sie mir, Gebieter! Ich wusste nicht, dass er… Ich… Er hat mich gezwungen, und ich wusste nicht, dass er… Dass er die Soldaten alle…“
Der Autokrat sah für einen Moment mit seinem schwer zu deutenden Blick auf sie herab.
„Du bist Shianuk, richtig?“ fragte er. „Du warst mit dem Androiden in Tashino-Ri.“
„Ja, Gebieter“, antwortete sie mit brüchiger Stimme.
„Steh auf und schweig, bis ich dich etwas frage“, wisperte er.
Sie sprang auf, ihr Blick konzentriert auf ihre eigenen Füße gerichtet, und wusste kurz nicht, was sie mit ihren Händen machen sollte, bevor sie sie schließlich sittsam auf Hüfthöhe faltete.
„Diesmal möchtest du nicht fliehen?“ wisperte der Autokrat, an Alidae gewandt.
„Diesmal glaube ich nicht, dass ich in Gefahr bin“, antwortete die Doppelgängerin in der ruhigen, freundlichen Stimme ihrer derzeitigen Gestalt. „Ich kann Ihnen helfen.“
„Was ist unser gemeinsames Interesse?“
Der freundliche junge Mann lächelte und wartete einen Moment, bevor er antwortete: „Sie wollen verhindern, dass die Weltraumreisenden entkommen. Ich will Larkoom.“ Er zuckte die Schultern. „Ich glaube, wir könnten da irgendwie zusammenkommen.“
Der schmale, fast lippenlose Mund des Autokraten verzog sich zu einem Ansatz eines Lächelns. „Larkoom habe ich. Aber was hast du für mich?“
„Sie lügen!“ zischte der junge Mann, plötzlich aufgebracht und mit wutverzerrtem Gesicht, das sich schnell wieder glättete, bevor er ruhiger hinzufügte: „Sie haben kein Larkoom, das könnte ich riechen.“
Das Lächeln des Autokraten wurde ein wenig breiter. „Natürlich habe ich jetzt keines bei mir“, flüsterte er. „Aber ich kann dir so viel davon verschaffen, wie du brauchst. Vielleicht mehr, wenn du willst. Aber warum sollte ich das tun?“
„Ich kenne diesen Turm. Ich habe hier für lange Zeit gelebt.“
„Warum muss ich dir dann zeigen, wo das Larkoom ist?“
„Ich habe nicht gesagt, dass ich jeden Gegenstand in jedem Winkel dieses Turms hier finden kann“, antwortete er. Und mit einem Seitenblick auf Shianuk fügte er hinzu: „Falls überhaupt wirklich Larkoom in diesem Turm ist.“
Larn war durchaus versucht, den Autokraten zu warnen, so etwas zu sagen wie „Vertrauen Sie ihr nicht!“, aber er wusste, dass es ihm nicht zustand, und dass es ihm nicht mehr einbringen würde als einen kurzen abschätzigen Blick dieser schrecklichen weißen Augen mit den winzigen Pupillen und einen abwertenden Eintrag in den mentalen Büchern, die der Autokrat über alle seine Höflinge führte.
Der Autokrat flüsterte: „Ich verstehe. Und jetzt sag mir, was genau du als Gegenleistung bietest, bevor ich entscheide, dass du nur meine Zeit verschwendest.“
„Ich weiß, wie man die Vorrichtungen zum Start von Raumschiffen lahmlegen kann. Ich kann euch hinführen.“
„Warum sollten wir nicht einfach die Stimme des Turms töten? Dann wird auch niemand mehr ein Schiff starten können, und sie wird uns mit Vergnügen den Weg zeigen und uns noch danken.“
Der junge Mann lächelte ein selbstzufriedenes Lächeln. „Hat sie Ihnen das vorgeschlagen? Hat sie dabei erwähnt, dass hier auch sonst nichts mehr funktionieren wird, wenn sie stirbt? Die Türen? Die Aufzüge? Die Belüftung? Hat sie erwähnt, dass wir und alle anderen hier im Turm langsam und qualvoll verenden, wenn sie stirbt?“
Shianuks Kopf ruckte mit weit aufgerissenen Augen zu ihm herum, sie öffnete den Mund und holte Luft, als wollte sie gerade etwas sagen. Dann warf sie einen Blick in Richtung des Autokraten und schloss ihren Mund wieder.
Der Autokrat nickte langsam und sagte mit seiner leisen tonlosen Stimme: „Nein. Aber ich hatte so etwas vermutet.

Lesegruppenfragen:

  1. Keoni und ich können uns nicht immer so ganz an alles erinnern, was in der letzten Szene passiert ist und haben uns deshalb gefragt, ob ihr es gut fändet, wenn ich ein paar mehr Wiederholungen oder sonstige Hinweise zur Gedächtnisauffrischung einbaute. Wie wäre das?
  2. Fandet ihr die erste Szene zu ausführlich? Nicht ausführlich genug? War sie zu früh zu Ende? Oder zu spät? Naja, ich weiß selbst nicht genau, aber ich glaube, ich bin mit der nicht sehr zufrieden.
  3. Leuchtet euch ein, was es mit der Aufspaltung des Doppelgängers auf sich hat und wofür das gut sein soll? Fals nein, stört euch das oder könnt ihr damit leben, dass es später noch deutlicher wird?
  4. Huh, seid ihr auch so gespannt, ob mir noch rechtzeitig ein vernünftiges Ende einfällt?
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4 Antworten zu Menschenähnlich (26)

  1. Guinan sagt:

    1. Kleine Hinweise bringst du ja auch bisher schon ein, ist bei diesem Fortsetzungskonzept ja auch sinnvoll. Bisher ist mir jedenfalls während des Lesens immer alles wieder eingefallen.
    Zu viele Wiederholungen finde ich in Romanen meist ziemlich nervig, weil ich eher schnell lese. Ich denke dann immer: Das weiß ich doch, nu mach hinne.
    2. Mir war’s zu kurz. Zuerst konnte ich mir nicht richtig vorstellen, wie das mit der Kletterei funktionieren soll, das musste ich zweimal lesen. Ich fände gut, wenn die Gruppe jetzt da wenigstens noch bis nach oben gekommen wäre, dann wird das vielleicht klarer.
    3. Ich habe zumindest eine Ahnung, in welche Richtung das geht. Sollte ich mich irren – auch nicht schlimm. Ich mag ja überraschende Wendungen.
    4. Vollstes Vertrauen, du machst das schon.

  2. Andi sagt:

    1. Mir geht´s da eigentlich wie Guinan. Dennoch sind kurze Gedächtnis-Auffrischungen nicht verkehrt, wenn sie dosiert eingesetzt werden. Generell gehts mir schon so, dass, wenn ich ein bißchen gelesen hab, mich auch wieder erinnern kann. Ich könnte zwar jetzt nicht alles nacherzählen, was im letzten Kapitel passiert ist, aber ich kann noch recht problemlos folgen.

    2. Hmm, ich fand das genau richtig. Wie die Klettern ist mir relativ egal. Sie klettern halt. Und ich fand die Szene sehr gut aufgelöst, dann in der 2. Szene. Ich glaub, besonders jetzt so zum Ende hin, muss man keine langen ausführlichen Szenen mehr schreiben. Kurz und knackig, das Wesentliche, keine Schwätzerei mehr. Ich finde, du hast das gut hingekriegt. Da war Tempo drin, trotzdem weiß jeder, was gemeint ist und die Gespräche waren stimmig.

    3. Bei mir isses noch immer so, dass es mich keineswegs stört, wenn etwas nicht sofort erklärt wird. :)

    4. Ach, du weißt immer noch so gar nicht, wie es enden wird? Lustig. :)

  3. Muriel sagt:

    @Guinan: 1. Ja, das geht mir auch oft so. Gerade bei Serien ist das oft ganz fürchterlich.
    2. Ich gebe zu, dass ich partiell auch einfach keine Lust hatte, das zu schildern. Du hast jedenfalls nichts verpasst. Trotzdem danke ich natürlich für die Kritik, vielleicht versuche ich’s nächstes Mal ausführlicher.
    4. Na, wir werden es sehen.
    @Andi: 1. Gut, das reicht mir.
    2. Schön.
    4. Ja, das ist schon irgendwie lustig, aber es sollte kein Dauerzustand sein…

  4. Guinan sagt:

    2. Ich weiß, ich bin nervig, aber ich hacke trotzdem noch einmal auf dem Thema herum. Wenn du die Geschichte irgendwann für die endgültige Veröffentlichung überarbeitest, denk doch noch einmal über die Kletteraktion nach.
    Der Schacht ist drei Meter breit. Da muss man erstmal die andere Seite erreichen, um überhaupt Spannung aufbauen zu können. So übermenschlich groß sind die Androiden aber nun auch nicht beschrieben. Bei einem ebenerdigen Raum könnten sie sich auf den Boden legen, dort die beschriebene Brücke bilden und sich nach oben schieben – aber in einem Fahrstuhlschacht? Bei mir kommt einfach kein funktionierendes Bild an.

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