Menschenähnlich (27)

Ich bin zurzeit ein bisschen nachlässig und hoffe, dass ihr mir das nicht übel nehmt. Es wird jedenfalls wieder besser, versprochen. Hier ist das neue Kapitel unseres Fortsetzungsromans “Menschenähnlich”! Es besteht diesmal nur aus einer Szene, aber die ist dafür auch ziemlich lang. Ich hoffe, dass sie euch trotzdem nicht so vorkommt. Viel Spaß!

Was bisher geschah
Im ersten Kapitel wohnen wir dem Aufbruch zweier Raumfahrer namens Jake und David bei, die eine kostbare Fracht aus 13 Androiden zu einem fremden Planeten transportieren sollen.
Bereits im zweiten Kapitel folgt der abschussbedingt gewaltsame Abbruch dieser Reise. Dafür lernen wir Kalon und An’Yik kennen, die sich als reisende Helden betätigen und dabei anscheinend auch manchmal vor ethisch nicht ganz einwandfreie Vorgehensweisen zurückschrecken. Sie sehen den Absturz des Raumschiffes und hoffen auf reiche Beute.
Im dritten Kapitel erwachen Jake und David in ihrem abgestürzten Raumschiff und retten sich, einen der Androiden und ein paar andere Kleinigkeiten in ein Rettungsboot, bevor das Schiff im Meer versinkt. Gleichzeitig lauert ein Schlichter gemeinsam mit ihrem verräterischen Gefährten Berren den beiden reisenden Helden auf, um sie einem unerfreulichen Schicksal zuzuführen.
Im vierten Kapitel packen David und Jake ihr neues Spielzeug aus, und Kalon erwacht aus der Betäubung, in die der Blasrohrpfeil des Schlichters in versetzt hat. Er stellt fast, dass seine Gefährtin An’Yik ihn zwar aus der unmittelbaren Gefahr retten konnte, nun aber ihre ganz eigenen Probleme mit dem Pfeilgift hat.
Im fünften Kapitel haben wir den Autokraten und seinen Ersten Sekretär Larn kennengelernt, die gemeinsam danach streben, die kostbare Ladung der Emerald-17 in die Hände zu bekommen. Währenddessen lernten David und Jake ein Stück dieser Ladung noch etwas näher kennen, und Kalon und An’Yik fanden ihre Spuren im Sand.
Auch im sechsten Kapitel kam noch mal jemand Neues dazu: Shianuk und ihr Onkel Noot haben einen unserer Androiden am Strand gefunden, werden aber leider unterbrochen, bevor sie ihn näher kennenlernen können. Währenddessen erklärt Jake David, was genau ihn an der Maschine so sehr stört, bis die mit Kalon und An’Yik ans Lagerfeuer zurückkehrt.
Im siebten Kapitel muss der Erste Sekretär unter äußerst widrigen Umständen eine Reise beginnen, Kalon bietet sich und An’Yik als Führer an, wird aber von der überraschenden Ankunft weiterer Besucher unterbrochen, und Shianuk lernt den Mann aus der Kiste kennen.
Jake findet im achten Kapitel seine Munition nicht, aber Kalon kann die Gruppe mit einem gewagten Bluff retten. Shianuk beantwortet die Fragen des Mannes aus der Kiste, so gut sie kann, und lässt sich überreden, sich mit ihm auf die Reise zum Autokraten zu machen.
Im neunten Kapitel lernt der Zweite Sekretär den Autokraten kennen, und der Erste Sekretär erfährt von der Begegnung der vier Soldaten mit den Weltraumfahrern. Seine Patrona macht einen Vorschlag.
Im 10. Kapitel baut der Mann aus der Kiste ein Floß für Shianuk, Jake, David, An’Yik, Kalon und die Androidin teilen sich auf.
Der Autokrat besucht im 11. Kapitel eine alte Freundin, die ihm bei der Suche nach den Flüchtlingen helfen soll, und An’Yik, Jake und die Androidin lernen sich unterwegs etwas besser kennen.
Im 12. Kapitel lässt der Erste Sekretär sich erwehttp://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/wp-admin/post-new.phpichen, und Shianuk und der Androide erobern den Palast des Autokraten, nachdem sie den sonderbaren und völlig unpassend benannten Kopfkäfer kennengelernt haben.
Im 13. Kapitel werden David und Kalon von Dick und Doof verhaftet, und die An’Yik macht sich Sorgen, weil die beiden nicht pünktlich am Treffpunkt erscheinen, nachdem sie entschieden hat, Jake vorerst nicht zu essen.
Shianuk und der Androide werden im 14. Kapitel vom Autokraten überrascht, und David, Kalon, Dick und Doof fallen in die Hände einer Einheit der Autokratischen Armee.
Im 15. Kapitel werden die Gefangenen dem Ersten Sekretär vorgeführt, aber etwas kommt dazwischen, und genau dieselbe Störung nutzen An’Yik, Shu’Nim und Jake, um einen Befreiungsversuch zu unternehmen. Shu’Nim macht einen Witz.
Im 16. Kapitel kommen die drei gerade rechtzeitig, um einen Versuch zu vereiteln, David und Kalon aus der Gefangenschaft zu entführen und sie dann selber zu befreien. Gleichzeitig muss die Pontifex an J2 herumbasteln, obwohl sie gar nicht will.
Shianuk wird im 17. Kapitel von der Pontifex aus ihrem Gefängnis befreit. David und An’Yik streiten darüber, ob sie die Inquisitoren töten, und Larn lernt die hübsche Doppelgängerin kennen, die An’Yik im 16. Kapitel getötet hatte.
Im 18. Kapitel befreit J2 Shianuk von den autokratischen Soldaten, und die Doppelgängerin bereitet Larn eine unerfreuliche Überraschung.
Die Doppelgängerin und Jeana lernen sich im 19. Kapitel besser kennen, während David, Jake und die anderen eine Sklavenbefreiung planen.
Im 20. Kapitel reist Shianuk mit J2 zum Kehlar-Turm, und wir sehen die Welt durch die Augen des Doppelgängers.
Im 21. Kapitel bricht der Autokrat zu einer Reise auf, der Erste Sekretär bekommt etwas zu essen und Jake, David und die anderen erreichen den Kehlar-Turm.
Shianuk und J2 betreten im 22. Kapitel zum ersten Mal den Turm, und einer von ihnen wird sofort wieder rausgeworfen. Der Autokrat enttarnt die Doppelgängerin, aber sie entkommt vorerst.
Im 23. Kapitel lernt Shianuk die Stimme des Turms kennen, während David und Jake und die anderen J2 begegnen.
Im 24. Kapitel brechen der Autokrat, Jeana und Larn auf zum Turm, und Shianuk wird von einem freundlichen jungen Mann befreit, der sich Alidae nennt.
Alidae und Shianuk treffen im 25. Kapitel auf den Autokraten und seine Begleiter, und David und seine Freunde lernen die Stimme kennen.
Im 26. Kapitel beginnen Jake, David, Kalon, An’Yik und die Androiden eine Kletterpartie, ein Teil des Doppelgängers findet sein Ziel, und der Autokrat erfährt, warum er die Stimme des Turms doch besser am Leben lassen sollte.

Was heute geschieht
„Es… Nein, wartet… Oh mein Gott…“ Angewidert und fasziniert zugleich beobachtete David, wie sich die schleimschillernde madenähnliche Gestalt von der Größe eines Dobermannes auszudehnen begann und ein Gesicht herausbildete, das zunehmend dem eines Menschen ähnelte. Eines bestimmten Menschen.
Während unterhalb des Kopfes Schultern entstanden, Arme, und Beine am entgegengesetzten Ende der Gestalt, formte sich eine elegante schmale Nase, hohe Wangenknochen, etwas zu schmale Lippen und ein paar unverkennbarer großer leicht mandelförmiger Augen mit leuchtend violetten Iriden.
Sie standen in einem blank polierten Metallgang mit kreisförmigem Querschnitt, in einer dicht gedrängten Halbelipse um die merkwürdige Gestalt herum, die plötzlich vor ihnen aus einer Öffnung in der Wand gefallen war, die sich nun schon wieder hinter ihr geschlossen hatte. Die Androiden standen am weitesten in Richtung des Schachtes, durch den sie hierher hinaufgeklettert waren, viel näher, als ein Mensch es je gewagt hätte. David fühlte sich sogar schon vom Hinsehen ganz schwindlig, wenn er sah, dass Shu’Nimms Fersen sich keine zehn Zentimeter von der Kante des Abgrundes befanden. Immerhin verhinderten die beiden auf diese Weise, dass einer der anderen hinunterfiel, und glücklicherweise hatte er gerade auch etwas ganz anderes zum Hinsehen.
Die junge Frau schloss ihre leuchtenden violetten Augen und ließ ihren jetzt beinahe schleimfreien Kopf mit einem beinahe lustvollen Stöhnen auf den metallenen Boden sinken. Sie hatte lange schimmernde rote Haare, das hatte er beim letzten Mal unter dem Kaftan nicht sehen können. Sie lagen wie ein Heiligenschein um ihren Kopf herum ausgebreitet. Wie ein nasser, schleimiger, nicht besonders hygienischer Heiligenschein.
„Ich bin müde“, murmelte sie in einem leichten träumerischen Singsang, „Ich… wollte… Huh…“
„Sie wollte Huh?“ Jake prustete, als hätte er lange nichts so Lustiges mehr gehört.
David verdrehte die Augen.
„Was machst du hier?“ fragte er.
Ohne ihre Augen zu öffnen, antwortete sie in demselben verträumten Tonfall, in dem sie zuvor gesprochen hatte: „Sie wollen… den Turm… Es… Ich bin hier, damit ihr… Wir müssen sie aufhalten. Ich kann euch…“ Sie schüttelte ihren Kopf und fixierte den Blick ihrer violetten Augen auf David. Er erkannte mit einer Mischung aus Missmut und Belustigung, dass er sich noch immer sehr zu ihre hingezogen fühlte, obwohl er sie vorhin in ihrer anderen Gestalt gesehen hatte – ihrer wahren? – und obwohl er sicher war, dass sie genau aus diesem Grund diese Gestalt angenommen hatte, und dass sie aus genau diesem Grund ihn ansah, statt An’Yik oder einem der Androiden.
„Ich kann euch zu ihnen führen, damit wir sie aufhalten können“, fuhr sie fort, noch immer sehr leise und atemlos, aber merklich kohärenter als zuvor. „Ich kann euch helfen, zu entkommen, wenn ihr mir auch helft.“
„Wir können ihr nicht trauen“, sagte An’Yik in demselben düster-sachlichen Ton, in dem sie nach einem Blick aus dem Fenster vielleicht gesagt hätte: Es regnet schon wieder. „Sie ist ein Konstrukt.“
„Wie sollen wir dir helfen?“ fragte David, und er ersparte es sich, einen Blick in An’Yiks Gesicht zu werfen. Er konnte es sich auch so ganz gut vorstellen, wie sie ihn ansah.
„Wenn ihr mir helft… Ohh…“ Ihr ganzer Körper begann zu beben, sie streckte Arme und Beine steif von sich und biss hörbar ihre Zähne zusammen. Ihr Finger krümmten sich zu einer klauenähnlichen Form zusammen und sahen für einen Moment so aus, als hätten sie echte Klauen herausgebildet – war es nur eine Täuschung, oder hatte er das wirklich gesehen? .- bevor der Anfall zu Ende war und ihr verschleierter Blick wieder klarer wurde. Ihren Augen waren nun nicht mehr wirklich violett, es war eher ein schmutziges dunkelblau, ihre Wangenknochen hatten an Definition verloren, und ihre Füße hatten keine einzelnen Zehen mehr.
„Wenn ihr mir helft, zu entkommen, helfe ich euch. Ich will mit euch fliehen.“
An’Yik stieß ein verächtliches Schnauben aus.
„Sogar wenn sie das ehrlich meinen würde, sie kann nicht einmal selbstständig aufstehen und will uns helfen, den Planeten zu verlassen? Das kannst du nicht ernst nehmen, David.“
Hatte An’Yik ihn schon mal bei seinem Namen genannt? Er konnte sich jedenfalls an keine Gelegenheit erinnern. Es spielte keine Rolle, aber es war eine dieser merkwürdigen kleinen Fragen, gegen die man sich nicht wehren kann, so unnütz sie auch sein mögen.
Die Doppelgängerin versuchte, aufzustehen. Sie winkelte ihr rechtes Bein an und stützte ihren linken Ellenbogen auf, nur um damit abzurutschen und mit dem Kopf hart auf den metallenen Boden zu schlagen.
„Oh.“
David trat vor, um ihr zu helfen, aber der Android mit dem männlichen Äußeren, beugte sich zu ihr hinab und hob sie auf, als wäre sie schwerelos. Stand hinter ihr und hielt sie mit den Händen unter ihren Armen und stellte sie auf ihre Füße, deren Zehen jetzt schon wieder erkennbar waren.
„Können Sie sich selbstständig aufrecht halten?“ fragte er.
Sie drehte sich zu ihm um, drehte ihr Gesicht um die vollen 180°, um ihm ins Gesicht zu sehen. David verzog seine Miene angesichts der unmöglichen Bewegung und sah, dass Jake, Kalon und sogar An’Yik ähnliche Grimassen schnitten.
„Ich… Ich glaube, es geht…“ murmelte sie.
Während der Android seine Hände wieder auf Hüfthöhe sinken ließ, drehte sie ihren Kopf wieder zurück, sodass sie direkt in Davids Augen sah. Er war jetzt nah genug, um die kleinen roten Sprenkel in ihren Iriden erkennen zu können.
„Ich weiß, was der Autokrat vorhat“, sagte sie, „Er will den Turm sabotieren. Und wenn wir ihn nicht aufhalten, dann wird er verhindern, dass ihr jemals diesen Planeten verlasst. Ich kann das nicht alleine, ich brauche Hilfe, und ich riskiere dabei mein Leben. Ist es zu viel verlangt, dass ihr mich dafür mitnehmt?“
Ihr Atem roch noch immer nach überreifem Obst, aber weniger intensiv als beim letzten Mal.
Ein vorsichtiges Lächeln flackerte um ihre Mundwinkel, und ihre großen violetten Augen sahen David mit einem Blick an, der möglicherweise sein Herz hätte schmelzen lassen, wenn die Illusion ihrer Menschlichkeit nicht ein bisschen darunter gelitten hätte, dass sie gerade eben selbst noch in Gefahr schien, zu schmelzen.
„Sie lügt!“ zischte An’Yik.
Und doch glaubte David der Doppelgängerin. Aber warum? Weil sie so ehrlich aussah? Natürlich tat sie das, sie war als Blenderin und Lügnerin geschaffen worden.
„Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr mir glaubt, und was, wenn nicht?“ fragte sie.
Jake schnaubte ein Lachen, schüttelte seinen Kopf und zuckte ratlos die Schultern. „Was tun wir, Furchtloser Anführer?“ fragte er.
Kalon studierte mit großer Sorgfalt abwechselnd seine Schuhe und die völlig glatte, makellose Wand. Und die Augen der beiden Androiden waren natürlich starr und blicklos geradeaus gerichtet.
David fluchte innerlich und ballte seine Fäuste. Er hatte einfach zu wenig Informationen, um eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Sein Gefühl sagte ihm, dass er der Doppelgängerin glauben sollte, aber er war sich alles andere als sicher, ob das nicht nur daran lag, dass sie ihm eben gefiel. Er lächelte ein bitteres kleinen Lächeln, als er daran dachte, dass sie ihn wahrscheinlich leichter hätte überzeugen können, wenn sie sich nicht erkennbar solche Mühe gegeben hätte, möglichst überzeugend auf ihn zu wirken.
Er hob die Augen zur Decke des kreisförmig geformten Tunnels und sprach zu der Stimme des Turms: „Was ist mit dir? Was sagst du? Sagt sie die Wahrheit, oder will sie uns täuschen?“
Die großen violetten Augen der jungen Frau vor ihm weiteten sich noch mehr und folgten seinem Blick nach oben, mit sorgenvoll gehobenen Brauen. Hatte sie Angst, dass ihre Lüge entlarvt wurde, oder hatte sie Angst, dass die Stimme ihrerseits lügen würde? Aber warum sollte sie? Sie hatte doch sicher kein Interesse daran, dass jemand den Turm sabotierte.
Die Stimme zögerte mehrere Sekunden, bevor sie schließlich in hörbar unschlüssigem Ton antwortete: „Ich glaube, sie sagt die Wahrheit, aber… Ich bin nicht ganz sicher?“
„Sie hofft noch, dass die anderen sie töten“, murmelte die Doppelgängerin. Sie sprach jetzt bereits erheblich deutlicher. „Deswegen will sie nicht, dass wir sie aufhalten.“
„Ich habe den Eindruck, dass die Kehlar eine denkbar ungeeignete Steuereinheit für ihre Basis ausgewählt haben“, sagte Shu’Nim.
Die Doppelgängerin lächelte und schüttelte langsam ihren Kopf, vorsichtig, als könnte die Bewegung ihr wehtun. „Früher war es nicht so schlimm, als der Turm noch bewohnt war. Da war sie noch… nicht wahnsinnig. Da waren wir alle…“ Sie schüttelte wieder den Kopf, diesmal ein bisschen heftiger. „Nicht so wichtig“, flüsterte sie.
David warf einen Blick zu An’Yik. Die reptilienhafte Kriegerin zuckte ihre Schultern. Ihr Schwanz wickelte sich langsam um ihr rechtes Bein und ihre gelben Raubtieraugen blinzelten schnell. Sie leckte sich die Lippen, und dann wieder – für einen Moment sah es so aus, als hätte sie zwei Zungen.
„Vielleicht lügt die Stimme auch“, sagte sie.
„Das ergibt doch keinen Sinn“, widersprach Kalon, der seinen Blick nun doch von seinen Schuhen losgerissen hatte. „Warum sollte sie uns zuerst den Weg zu einem Schiff zeigen, um uns dann wieder davon abzulenken?“
„Um uns aufzuhalten?“ schlug An’Yik vor, „Oder einfach nur, um mit uns zu spielen. Sie langweilt sich bestimmt hier. Und sie ist genauso ein Konstrukt der Kehlar wie dieses… Ding da.“ Sie fletschte ihre spitzen Raubtierzähne. „Es ergibt Sinn, dass die gemeinsame Sache machen.“
„Mehr als die Alternative, dass das Ding wirklich mit uns den Planeten verlassen möchte und der Autokrat uns aufhalten will?“ fragte Kalon.
Für eine kurze Zeit herrschte Schweigen, während An’Yiks Zungen wieder über ihre Lippen fuhren – sie hatte gewiss zwei, jetzt konnte David es deutlich sehen – und ihr Schwanz sich langsam von ihrem rechten Bein löste, um sich um das linke zu wickeln.
„Furchtloser Anführer?“ fragte Jake.
Ach, zur Hölle.
„Wir vertrauen ihr“, entschied David. „Aber wir gehen nicht alle mit. Ein paar von uns gehen weiter zum Schiff, um es für die Abreise vorzubereiten.“ Er dachte kurz nach, wie er die Gruppe aufteilen sollte. Schon wieder diese Aufgabe, die ihm beim letzten Mal schon so viel Spaß gemacht hatte. „Jake, du und ich gehen beide zum Schiff, weil wir uns damit auskennen. Einen der Androiden sollten wir auch dabei haben, und jemanden, der von hier stammt. Kalon. An’Yik und der andere Android, ihr geht mit… Wie heißt du eigentlich?“
Sie öffnete ihren Mund, um zu antworten, stockte aber. David sah, dass sie keine Zähne geformt hatte, und dass ihre Zunge… nicht richtig aussah. „Ich glaube… Ich werde gerne Alidae genannt“, antwortete sie schließlich.
„Gut. Also, An’Yik und… Shu’Nim, ihr geht mit Alidae, und wir anderen machen uns auf den Weg zum Schiff.“
[„Wir sollten widersprechen“, stimmten die beiden Androiden lautlos überein. Shu’Nim trug den Gefechtskopf in sich, und falls das Raumschiff nur mit einem Teil der Gruppe startete, musste sie auf jeden Fall dabei sein. Außerdem hatte sie mehr Zeit mit Jake und David verbracht. Sie würden ihr eher vertrauen als J2.
„Aber wir brauchen einen Vorwand“, sagte sie.
„Was würde sie überzeugen?“ fragte J2, „Und welcher von uns sollte es aussprechen?“
„Du hast Erfahrung mit dem Autokraten und seiner Waffe“, antwortete Shu’Nim, „Deswegen solltest du mitgehen.“
Es war offenbarer Unsinn, denn J2 konnte seine Erfahrungen mit dem Autokraten genauso schnell und mühelos an Shu’Nim übertragen, wie er sich mit ihr über die Täuschung der Menschen und ihre anderen Pläne austauschen konnte, aber die beiden waren sich einig, dass die Gefahr gering war, ertappt zu werden.]
„Ich halte es für sinnvoller, dass ich Alidae begleigte“, sagte der männliche Android mit der weißen Klaue anstelle seiner linken Hand. „Ich habe den Autokraten bereits getroffen und wurde von ihm angegriffen. Ich bin deshalb mit seinen Verhaltensmustern und der Bedrohung vertraut.“
„Natürlich“, stimmte David zu, verärgert, dass er daran nicht selbst gedacht hatte. „Du gehst, und Shu’Nim, du kommst mit uns.“
[„Du könntest ohne uns aufbrechen, sobald ihr das Raumschiff gefunden habt“, schlug J2 vor. „Auf diese Weise wäre das Risiko minimiert, dass noch etwas den Start verhindert.“
„Jake und David werden nicht einverstanden sein“, widersprach Shu’Nim.
„Das wäre kein Hindernis.“
„Ich denke noch immer, dass ihre Anwesenheit meiner Mission förderlich ist. Ich werde erst dann gegen ihren Willen aufbrechen, wenn ich Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung habe.“
„Einverstanden.“
„Vielleicht solltest du An’Yik töten, wenn du mit ihr alleine bist. Sie ist für die Mission nicht erforderlich und könnte sie sogar gefährden.“
„Alidae wird es bemerken, und ich bin nicht sicher, dass ich sie auch töten kann. Sie könnte entkommen und David und Jake warnen. Das Risiko ist zu groß.“
So entschieden die Androiden, weiterhin darauf zu verzichten, ihre Gefährten zu ermorden.]
„Also dann“, sagte Jake, schlug seine Handflächen zusammen und rieb sie aneinander. „Machen wir uns auf den Weg, tiefer in das Spukhaus. Schön auch, dass wir uns aufteilen. Was kann schon passieren, hm?“
„Sei bloß still“, knurrte David.

Lesegruppenfragen:

  1. Das war, glaube ich, die bisher längste Szene in dieser Geschichte. Gleichzeitig war es möglicherweise das kürzeste Kapitel. Kam es euch nun auch lang vor, oder war es schnell vorbei? Es ist ja eigentlich nicht viel passiert, aber das Schreiben zumindest war spannend. Wie ging es euch?
  2. Ich weiß immer noch nicht, wie es ausgeht, aber ich bin ziemlich sicher, dass nur noch ein oder zwei Kapitel erscheinen, bevor es soweit ist. Dies könnte also eure letzte oder vorletzte Chance sein, mich mit euren Vorschlägen und Wünschen zu beeinflussen. Will jemand?
  3. Zu diesen kleinen, völlig unpassenden Fragen wie der, ob An’Yik David schon mal bei seinem Namen genannt hat: Wisst ihr, was ich meine, oder fandet ihr die Stelle total merkwürdig? Mir geht das dauernd so, und manchmal spreche ich es sogar aus. Die Leute gucken dann oft so komisch…
  4. Wie steht ihr ansonsten zu Davids Entscheidungen? Hättet ihr Alidae geglaubt?

„Es… Nein, wartet… Oh mein Gott…“ Angewidert und fasziniert zugleich beobachtete David, wie sich die schleimschillernde madenähnliche Gestalt von der Größe eines Dobermannes auszudehnen begann und ein Gesicht herausbildete, das zunehmend dem eines Menschen ähnelte. Eines bestimmten Menschen.

Während unterhalb des Kopfes Schultern entstanden, Arme, und Beine am entgegengesetzten Ende der Gestalt, formte sich eine elegante schmale Nase, hohe Wangenknochen, etwas zu schmale Lippen und ein paar unverkennbarer großer leicht mandelförmiger Augen mit leuchtend violetten Iriden.

Sie standen in einem blank polierten Metallgang mit kreisförmigem Querschnitt, in einer dicht gedrängten Halbelipse um die merkwürdige Gestalt herum, die plötzlich vor ihnen aus einer Öffnung in der Wand gefallen war, die sich nun schon wieder hinter ihr geschlossen hatte. Die Androiden standen am weitesten in Richtung des Schachtes, durch den sie hierher hinaufgeklettert waren, viel näher, als ein Mensch es je gewagt hätte. David fühlte sich sogar schon vom Hinsehen ganz schwindlig, wenn er sah, dass Shu’Nimms Fersen sich keine zehn Zentimeter von der Kante des Abgrundes befanden. Immerhin verhinderten die beiden auf diese Weise, dass einer der anderen hinunterfiel, und glücklicherweise hatte er gerade auch etwas ganz anderes zum Hinsehen.

Die junge Frau schloss ihre leuchtenden violetten Augen und ließ ihren jetzt beinahe schleimfreien Kopf mit einem beinahe lustvollen Stöhnen auf den metallenen Boden sinken. Sie hatte lange schimmernde rote Haare, das hatte er beim letzten Mal unter dem Kaftan nicht sehen können. Sie lagen wie ein Heiligenschein um ihren Kopf herum ausgebreitet. Wie ein nasser, schleimiger, nicht besonders hygienischer Heiligenschein.

„Ich bin müde“, murmelte sie in einem leichten träumerischen Singsang, „Ich… wollte… Huh…“

„Sie wollte Huh?“ Jake prustete, als hätte er lange nichts so Lustiges mehr gehört.

David verdrehte die Augen.

„Was machst du hier?“ fragte er.

Ohne ihre Augen zu öffnen, antwortete sie in demselben verträumten Tonfall, in dem sie zuvor gesprochen hatte: „Sie wollen… den Turm… Es… Ich bin hier, damit ihr… Wir müssen sie aufhalten. Ich kann euch…“ Sie schüttelte ihren Kopf und fixierte den Blick ihrer violetten Augen auf David. Er erkannte mit einer Mischung aus Missmut und Belustigung, dass er sich noch immer sehr zu ihre hingezogen fühlte, obwohl er sie vorhin in ihrer anderen Gestalt gesehen hatte – ihrer wahren? – und obwohl er sicher war, dass sie genau aus diesem Grund diese Gestalt angenommen hatte, und dass sie aus genau diesem Grund ihn ansah, statt An’Yik oder einem der Androiden.

„Ich kann euch zu ihnen führen, damit wir sie aufhalten können“, fuhr sie fort, noch immer sehr leise und atemlos, aber merklich kohärenter als zuvor. „Ich kann euch helfen, zu entkommen, wenn ihr mir auch helft.“

„Wir können ihr nicht trauen“, sagte An’Yik in demselben düster-sachlichen Ton, in dem sie nach einem Blick aus dem Fenster vielleicht gesagt hätte: Es regnet schon wieder. „Sie ist ein Konstrukt.“

„Wie sollen wir dir helfen?“ fragte David, und er ersparte es sich, einen Blick in An’Yiks Gesicht zu werfen. Er konnte es sich auch so ganz gut vorstellen, wie sie ihn ansah.

„Wenn ihr mir helft… Ohh…“ Ihr ganzer Körper begann zu beben, sie streckte Arme und Beine steif von sich und biss hörbar ihre Zähne zusammen. Ihr Finger krümmten sich zu einer klauenähnlichen Form zusammen und sahen für einen Moment so aus, als hätten sie echte Klauen herausgebildet – war es nur eine Täuschung, oder hatte er das wirklich gesehen? .- bevor der Anfall zu Ende war und ihr verschleierter Blick wieder klarer wurde. Ihren Augen waren nun nicht mehr wirklich violett, es war eher ein schmutziges dunkelblau, ihre Wangenknochen hatten an Definition verloren, und ihre Füße hatten keine einzelnen Zehen mehr.

„Wenn ihr mir helft, zu entkommen, helfe ich euch. Ich will mit euch fliehen.“

An’Yik stieß ein verächtliches Schnauben aus.

„Sogar wenn sie das ehrlich meinen würde, sie kann nicht einmal selbstständig aufstehen und will uns helfen, den Planeten zu verlassen? Das kannst du nicht ernst nehmen, David.“

Hatte An’Yik ihn schon mal bei seinem Namen genannt? Er konnte sich jedenfalls an keine Gelegenheit erinnern. Es spielte keine Rolle, aber es war eine dieser merkwürdigen kleinen Fragen, gegen die man sich nicht wehren kann, so unnütz sie auch sein mögen.

Die Doppelgängerin versuchte, aufzustehen. Sie winkelte ihr rechtes Bein an und stützte ihren linken Ellenbogen auf, nur um damit abzurutschen und mit dem Kopf hart auf den metallenen Boden zu schlagen.

„Oh.“

David trat vor, um ihr zu helfen, aber der Android mit dem männlichen Äußeren, beugte sich zu ihr hinab und hob sie auf, als wäre sie schwerelos. Stand hinter ihr und hielt sie mit den Händen unter ihren Armen und stellte sie auf ihre Füße, deren Zehen jetzt schon wieder erkennbar waren.

„Können Sie sich selbstständig aufrecht halten?“ fragte er.

Sie drehte sich zu ihm um, drehte ihr Gesicht um die vollen 180°, um ihm ins Gesicht zu sehen. David verzog seine Miene angesichts der unmöglichen Bewegung und sah, dass Jake, Kalon und sogar An’Yik ähnliche Grimassen schnitten.

„Ich… Ich glaube, es geht…“ murmelte sie.

Während der Android seine Hände wieder auf Hüfthöhe sinken ließ, drehte sie ihren Kopf wieder zurück, sodass sie direkt in Davids Augen sah. Er war jetzt nah genug, um die kleinen roten Sprenkel in ihren Iriden erkennen zu können.

„Ich weiß, was der Autokrat vorhat“, sagte sie, „Er will den Turm sabotieren. Und wenn wir ihn nicht aufhalten, dann wird er verhindern, dass ihr jemals diesen Planeten verlasst. Ich kann das nicht alleine, ich brauche Hilfe, und ich riskiere dabei mein Leben. Ist es zu viel verlangt, dass ihr mich dafür mitnehmt?“

Ihr Atem roch noch immer nach überreifem Obst, aber weniger intensiv als beim letzten Mal.

Ein vorsichtiges Lächeln flackerte um ihre Mundwinkel, und ihre großen violetten Augen sahen David mit einem Blick an, der möglicherweise sein Herz hätte schmelzen lassen, wenn die Illusion ihrer Menschlichkeit nicht ein bisschen darunter gelitten hätte, dass sie gerade eben selbst noch in Gefahr schien, zu schmelzen.

„Sie lügt!“ zischte An’Yik.

Und doch glaubte David der Doppelgängerin. Aber warum? Weil sie so ehrlich aussah? Natürlich tat sie das, sie war als Blenderin und Lügnerin geschaffen worden.

„Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr mir glaubt, und was, wenn nicht?“ fragte sie.

Jake schnaubte ein Lachen, schüttelte seinen Kopf und zuckte ratlos die Schultern. „Was tun wir, Furchtloser Anführer?“ fragte er.

Kalon studierte mit großer Sorgfalt abwechselnd seine Schuhe und die völlig glatte, makellose Wand. Und die Augen der beiden Androiden waren natürlich starr und blicklos geradeaus gerichtet.

David fluchte innerlich und ballte seine Fäuste. Er hatte einfach zu wenig Informationen, um eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Sein Gefühl sagte ihm, dass er der Doppelgängerin glauben sollte, aber er war sich alles andere als sicher, ob das nicht nur daran lag, dass sie ihm eben gefiel. Er lächelte ein bitteres kleinen Lächeln, als er daran dachte, dass sie ihn wahrscheinlich leichter hätte überzeugen können, wenn sie sich nicht erkennbar solche Mühe gegeben hätte, möglichst überzeugend auf ihn zu wirken.

Er hob die Augen zur Decke des kreisförmig geformten Tunnels und sprach zu der Stimme des Turms: „Was ist mit dir? Was sagst du? Sagt sie die Wahrheit, oder will sie uns täuschen?“

Die großen violetten Augen der jungen Frau vor ihm weiteten sich noch mehr und folgten seinem Blick nach oben, mit sorgenvoll gehobenen Brauen. Hatte sie Angst, dass ihre Lüge entlarvt wurde, oder hatte sie Angst, dass die Stimme ihrerseits lügen würde? Aber warum sollte sie? Sie hatte doch sicher kein Interesse daran, dass jemand den Turm sabotierte.

Die Stimme zögerte mehrere Sekunden, bevor sie schließlich in hörbar unschlüssigem Ton antwortete: „Ich glaube, sie sagt die Wahrheit, aber… Ich bin nicht ganz sicher?“

„Sie hofft noch, dass die anderen sie töten“, murmelte die Doppelgängerin. Sie sprach jetzt bereits erheblich deutlicher. „Deswegen will sie nicht, dass wir sie aufhalten.“

„Ich habe den Eindruck, dass die Kehlar eine denkbar ungeeignete Steuereinheit für ihre Basis ausgewählt haben“, sagte Shu’Nim.

Die Doppelgängerin lächelte und schüttelte langsam ihren Kopf, vorsichtig, als könnte die Bewegung ihr wehtun. „Früher war es nicht so schlimm, als der Turm noch bewohnt war. Da war sie noch… nicht wahnsinnig. Da waren wir alle…“ Sie schüttelte wieder den Kopf, diesmal ein bisschen heftiger. „Nicht so wichtig“, flüsterte sie.

David warf einen Blick zu An’Yik. Die reptilienhafte Kriegerin zuckte ihre Schultern. Ihr Schwanz wickelte sich langsam um ihr rechtes Bein und ihre gelben Raubtieraugen blinzelten schnell. Sie leckte sich die Lippen, und dann wieder  – für einen Moment sah es so aus, als hätte sie zwei Zungen.

„Vielleicht lügt die Stimme auch“, sagte sie.

„Das ergibt doch keinen Sinn“, widersprach Kalon, der seinen Blick nun doch von seinen Schuhen losgerissen hatte. „Warum sollte sie uns zuerst den Weg zu einem Schiff zeigen, um uns dann wieder davon abzulenken?“

„Um uns aufzuhalten?“ schlug An’Yik vor, „Oder einfach nur, um mit uns zu spielen. Sie langweilt sich bestimmt hier. Und sie ist genauso ein Konstrukt der Kehlar wie dieses… Ding da.“ Sie fletschte ihre spitzen Raubtierzähne. „Es ergibt Sinn, dass die gemeinsame Sache machen.“

„Mehr als die Alternative, dass das Ding wirklich mit uns den Planeten verlassen möchte und der Autokrat uns aufhalten will?“ fragte Kalon.

Für eine kurze Zeit herrschte Schweigen, während An’Yiks Zungen wieder über ihre Lippen fuhren – sie hatte gewiss zwei, jetzt konnte David es deutlich sehen – und ihr Schwanz sich langsam von ihrem rechten Bein löste, um sich um das linke zu wickeln.

„Furchtloser Anführer?“ fragte Jake.

Ach, zur Hölle.

„Wir vertrauen ihr“, entschied David. „Aber wir gehen nicht alle mit. Ein paar von uns gehen weiter zum Schiff, um es für die Abreise vorzubereiten.“ Er dachte kurz nach, wie er die Gruppe aufteilen sollte. Schon wieder diese Aufgabe, die ihm beim letzten Mal schon so viel Spaß gemacht hatte. „Jake, du und ich gehen beide zum Schiff, weil wir uns damit auskennen. Einen der Androiden sollten wir auch dabei haben, und jemanden, der von hier stammt. Kalon. An’Yik und der andere Android, ihr geht mit… Wie heißt du eigentlich?“

Sie öffnete ihren Mund, um zu antworten, stockte aber. David sah, dass sie keine Zähne geformt hatte, und dass ihre Zunge… nicht richtig aussah. „Ich glaube… Ich werde gerne Alidae genannt“, antwortete sie schließlich.

„Gut. Also, An’Yik und… Shu’Nim, ihr geht mit Alidae, und wir anderen machen uns auf den Weg zum Schiff.“

[„Wir sollten widersprechen“, stimmten die beiden Androiden lautlos überein. Shu’Nim trug den Gefechtskopf in sich, und falls das Raumschiff nur mit einem Teil der Gruppe startete, musste sie auf jeden Fall dabei sein. Außerdem hatte sie mehr Zeit mit Jake und David verbracht. Sie würden ihr eher vertrauen als J2.

„Aber wir brauchen einen Vorwand“, sagte sie.

„Was würde sie überzeugen?“ fragte J2, „Und welcher von uns sollte es aussprechen?“

„Du hast Erfahrung mit dem Autokraten und seiner Waffe“, antwortete Shu’Nim, „Deswegen solltest du mitgehen.“

Es war offenbarer Unsinn, denn J2 konnte seine Erfahrungen mit dem Autokraten genauso schnell und mühelos an Shu’Nim übertragen, wie er sich mit ihr über die Täuschung der Menschen und ihre anderen Pläne austauschen konnte, aber die beiden waren sich einig, dass die Gefahr gering war, ertappt zu werden.]

„Ich halte es für sinnvoller, dass ich Alidae begleigte“, sagte der männliche Android mit der weißen Klaue anstelle seiner linken Hand. „Ich habe den Autokraten bereits getroffen und wurde von ihm angegriffen. Ich bin deshalb mit seinen Verhaltensmustern und der Bedrohung vertraut.“

„Natürlich“, stimmte David zu, verärgert, dass er daran nicht selbst gedacht hatte. „Du gehst, und Shu’Nim, du kommst mit uns.“

[„Du könntest ohne uns aufbrechen, sobald ihr das Raumschiff gefunden habt“, schlug J2 vor. „Auf diese Weise wäre das Risiko minimiert, dass noch etwas den Start verhindert.“

„Jake und David werden nicht einverstanden sein“, widersprach Shu’Nim.

„Das wäre kein Hindernis.“

„Ich denke noch immer, dass ihre Anwesenheit meiner Mission förderlich ist. Ich werde erst dann gegen ihren Willen aufbrechen, wenn ich Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung habe.“

„Einverstanden.“

„Vielleicht solltest du An’Yik töten, wenn du mit ihr alleine bist. Sie ist für die Mission nicht erforderlich und könnte sie sogar gefährden.“

„Alidae wird es bemerken, und ich bin nicht sicher, dass ich sie auch töten kann. Sie könnte entkommen und David und Jake warnen. Das Risiko ist zu groß.“

So entschieden die Androiden, weiterhin darauf zu verzichten, ihre Gefährten zu ermorden.]

„Also dann“, sagte Dave, schlug seine Handflächen zusammen und rieb sie aneinander. „Machen wir uns auf den Weg, tiefer in das Spukhaus. Schön auch, dass wir uns aufteilen. Was kann schon passieren, hm?“

„Sei bloß still“, knurrte David.

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12 Antworten zu Menschenähnlich (27)

  1. Harald sagt:

    Habe diese Seite heute erst gefunden und diese Geschichte vom ersten Kapitel an bis hierher gelesen. Finde sie gut uns spannend.
    1. war spannend, schade eigentlich, dass ds Ende naht.
    2. ?
    3. Finde ich nicht merkwürdig, bringt den Charakteren mehr Profil…
    4. Weiß nicht…

    Freue mich schon auf Kapitel 28

  2. Muriel sagt:

    @Harald: Das ist aber nett! Danke für deinen Kommentar und willkommen zu meinen Geschichten!
    Schön, dass es dir gefällt.

  3. Andi sagt:

    1. Die längste Szene… Ja, das kann sein, aber ergibt das nicht Sinn, wenn es jetzt aufs Ende zuläuft? Da lösen sich doch zumeist immer ein paar Handlungsstränge auf oder laufen mit anderen zusammen. Aber es war auch spannend zu lesen. Interessante Entscheidung, die die Herrschaften da treffen mussten.

    2. Gute Frage… Jake foltert Alidae und David outet sich als Vegetarier… Keine Ahnung, du machst das schon. :)

    3. Ehrlich gesagt, weiß ich grad nichtmal, wie die Frage gemeint ist. :)

    4. Ob ich Alidae geglaubt hätte, weiß ich nicht. Aber ich kann zumindest verstehen, dass David Alidae glaubt.

  4. Muriel sagt:

    @Andi: 2. Die Themen sind doch bis zum nächsten Kapitel schon wieder total letzte Woche. Da muss ich mir schon was Neues einfallen lassen.
    3. Es ging darum, dass David sich zwischendurch kurz fragt, ob An’Yik ihn schon mal “David” genannt hat.

  5. Andi sagt:

    Muriel:
    2. Manche Themen sind sehr sehr zeitlos. :)
    3. Ja, das hab ich soweit verstanden. Aber ich hab deine Frage nicht verstanden. Wann gucken Leute komisch? Wenn du solche relativ unbedeutenden Fragen laut stellst?

  6. Muriel sagt:

    @Andi: 3. Ach soo… Ja, genau dann. Aber das war auch sowieso kaum noch Bestandteil der ursprünglichen Frage.

  7. Guinan sagt:

    1. Man merkt, der Showdown naht. Du hast so spannend geschrieben, dass die Kapitellänge absolut nebensächlich war.

    2. Ich spinne mal etwas rum: J2 tötet den Autokraten, Larn wird oberster Herrscher, Alidae erlöst die Stimme, nachdem das Raumschiff mit der restlichen Gruppe gestartet ist. ShuNim macht sich auf, die Erde zu zerstören.

    3. Beim Lesen ist mir die Stelle überhaupt nicht aufgefallen, das passte nahtlos in den Stil der Geschichte. Ansonsten bin ich an solche “unpassenden” Fragen (die es meiner Meinung nach nicht gibt)gewöhnt. Ist doch schön, dass du dir diese spezielle Art des Hinterfragens erhalten konntest.
    Hängen geblieben bin ich dagegen an dem ‘unhygienischen’ Heiligenschein und ganz zum Schluss an der Wort ‘ermorden’ in einem Austausch der Androiden. Vielleicht magst du die Wortwahl noch einmal überdenken.

    4. Ich hätte Alidae nicht geglaubt, weil ich den Suchthintergrund kenne (Nach Verlassen des Planeten kein Larkoom). Kennt David den auch? Ich kann mich nicht erinnern, ob das in seiner Gegenwart zur Sprache kam. Aber die Geschichte muss ja weitergehen, gelegentliche Fehlentscheidungen sind im Sinne der Story manchmal erforderlich.

  8. Muriel sagt:

    @Guinan: 1. Ich fühle mich sehr geschmeidelt.
    2. Hm. Magst du vielleicht weiterschreiben? Ist zwar teilweise ein bisschen anders, als ich es mir vorgestellt hätte, klingt aber auch gut.
    3. Sehr schön. Also, ich fand das mit dem Heiligenschein eigentlich ziemlich lustig, und den Begriff ermorden benutzen ja immerhin nicht die beiden Androiden selbst, der ist vom Erzähler. Ich freue mich üebr den Vorschlag, aber ich würde die eigentlich gerne lassen, glaube ich.
    @alle anderen, die gerade mitlesen: Wie fandet ihr die beiden Begriffe denn? Stören die euch auch?
    4. Na, mal sehen, wer Recht behält. Ich bin mir selbst noch nicht sicher.

  9. Guinan sagt:

    2. Ich schreibe immer alle Geschichten im Kopf weiter. Beim Weiterlesen freue ich mich dann, wenn ich richtig lag, aber noch mehr, wenn der Autor eine bessere Lösung gefunden hat. Daher mag ich unvorhersehbare Wendungen so gern, das gibt mir immer neue Möglichkeiten zum Weiterträumen.
    3. Es war nicht der Heiligenschein, der mir da aufgestoßen ist, sondern das ‘nicht besonders hygienisch`. Kurz vorher beschreibst du die Haare noch als schimmernd.
    Das ‘Ermorden’ empfinde ich als nicht neutral genug.

  10. Chlorine sagt:

    Ich habe die letzten drei Kapitel in einem Rutsch gelesen, weil ich länger nicht dazu gekommen war. Von mir aus kannst du gern eher zwei als nur ein weiteres Kapitel schreiben. :)

    Einen Einwand habe ich: In den letzten Zeilen sprichst du von “Dave” und “David”, wobei ich denke, dass einer von beiden eher “Jake” sein müsste.

    Der Begriff “ermorden” stört mich nicht wirklich, aber ich denke trotzdem, dass “vernichten” in diesem Zusammenhang besser klingt.

  11. Muriel sagt:

    @Guinan: 2. Geht mir auch manchmal so. Oft genug wählen Autoren auch eine Lösung, die man sich vorher sarkastisch als konsequente Fortsetzung des bisherigen Blödsinns gedacht hat. Und toll finde ich es auch z.B. bei Stephen King (Ich lese gerade Under the Dome.), wo man schon vor der ersten Seite eine Liste mit den Charakteren erstellen kann und dann beim Lesen nur noch die Namen danebenschreiben muss, wenn sie einer nach dem anderen auftauchen.
    3. Ja, vielleicht sollte ich mich da bei dem Heiligenschein auf eine Sache festlegen. Es geht mir bei der Hygine natürlich um den Schleim. Und was das Ermorden angeht, gebe ich dir nach längerem Nachdenken tendenziell doch Recht. Andererseits ist “töten” mir zu schwach. Vielleicht folge ich ja Chlorines Vorschlag, der klingt für mich auf Anhieb ganz gut.
    @Chlorine: Das hört der Autor natürlich gerne. Ich glaube, zwei Kapitel könnten realistisch sein, aber letzten Endes ist es nur bedingt eine bewusste Entscheidung. Wir werden das abwarten müssen.
    Danke für den Hinweis auf Dave, das war natürlich wirklich Quatsch!

  12. Günther sagt:

    Ich hab in der letzten Woche Stück für Stück die Geschichte gelesen, bin gerade hier angekommen. Hat Spaß gemacht. Bin zwar etwas spät dran, aber ich wollte jetzt auch mal einen Fragebogen ausfüllen, bevor die Geschichte auch schon wieder zuende ist ;)

    1. Die Szene war nicht zu lang, war spannend zu lesen.

    2. Amour und knisternde Erotik.

    3. Bin ich beim Lesen etwas drüber gestolpert. Jetzt hab ich zwar verstanden was du meintest. Aber erst hab ich mich gefragt, was mir diese “unwichtige” kleine Randnotiz denn sagen sollte und ob sich darin ein Hinweis für den weiteren Verlauf der Handlung versteckte.

    4. Schon. Dass der fiese Herrscher die Weltraumreisenden gefangen nehmen will, kann man sich gut vorstellen.

    Ich hab beim Lesen ein paar Dinge notiert, an denen ich hängen geblieben bin, in erster Linie Tippfehler. Wenn du interessiert bist könnte ich dir die schicken.

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