Menschenähnlich (29): Finis

Sooooo, ihr wisst ja, alle guten Dinge gehen irgendwann mal zu Ende, und heute widerfährt dieses unglückliche Schicksal unserem Fortsetzungsroman „Menschenähnlich“. Enden sind schwierig, aber ich hoffe, dass ihr an diesem trotzdem ein bisschen Spaß habt, und darüber hinaus habe ich noch eine gute Nachricht für euch:

Der nächste Fortsetzungsroman wartet bereits auf seinen Einsatz. Es gibt diesmal keine Umfrage, worum es gehen soll. Das liegt daran, dass ich in den kommenden Monaten ein bisschen mehr Zeit für andere Arbeit brauche und deshalb nicht wieder quasi live für euch schreibe. Diesmal kommt der Fortsetzungsroman also aus der Dose, und das Gute daran ist das Gute darin, dass ihr euch diesmal auf streng regelmäßige Veröffentlichung jeden Freitag freuen dürft, denn Verzögerungen sind bei einem fertigen Roman natürlich nicht zu erwarten. Er heißt „Eine Riesenmenge Geld“ und hat dazu noch einen Untertitel: „Eine Liebesgeschichte“.

Aber zuerst mal müsst ihr natürlich Menschenähnlich zu Ende lesen. Also los, an’s Werk:

Was bisher geschah
Im ersten Kapitel wohnen wir dem Aufbruch zweier Raumfahrer namens Jake und David bei, die eine kostbare Fracht aus 13 Androiden zu einem fremden Planeten transportieren sollen.
Bereits im zweiten Kapitel folgt der abschussbedingt gewaltsame Abbruch dieser Reise. Dafür lernen wir Kalon und An’Yik kennen, die sich als reisende Helden betätigen und dabei anscheinend auch manchmal vor ethisch nicht ganz einwandfreie Vorgehensweisen zurückschrecken. Sie sehen den Absturz des Raumschiffes und hoffen auf reiche Beute.
Im dritten Kapitel erwachen Jake und David in ihrem abgestürzten Raumschiff und retten sich, einen der Androiden und ein paar andere Kleinigkeiten in ein Rettungsboot, bevor das Schiff im Meer versinkt. Gleichzeitig lauert ein Schlichter gemeinsam mit ihrem verräterischen Gefährten Berren den beiden reisenden Helden auf, um sie einem unerfreulichen Schicksal zuzuführen.
Im vierten Kapitel packen David und Jake ihr neues Spielzeug aus, und Kalon erwacht aus der Betäubung, in die der Blasrohrpfeil des Schlichters in versetzt hat. Er stellt fast, dass seine Gefährtin An’Yik ihn zwar aus der unmittelbaren Gefahr retten konnte, nun aber ihre ganz eigenen Probleme mit dem Pfeilgift hat.
Im fünften Kapitel haben wir den Autokraten und seinen Ersten Sekretär Larn kennengelernt, die gemeinsam danach streben, die kostbare Ladung der Emerald-17 in die Hände zu bekommen. Währenddessen lernten David und Jake ein Stück dieser Ladung noch etwas näher kennen, und Kalon und An’Yik fanden ihre Spuren im Sand.
Auch im sechsten Kapitel kam noch mal jemand Neues dazu: Shianuk und ihr Onkel Noot haben einen unserer Androiden am Strand gefunden, werden aber leider unterbrochen, bevor sie ihn näher kennenlernen können. Währenddessen erklärt Jake David, was genau ihn an der Maschine so sehr stört, bis die mit Kalon und An’Yik ans Lagerfeuer zurückkehrt.
Im siebten Kapitel muss der Erste Sekretär unter äußerst widrigen Umständen eine Reise beginnen, Kalon bietet sich und An’Yik als Führer an, wird aber von der überraschenden Ankunft weiterer Besucher unterbrochen, und Shianuk lernt den Mann aus der Kiste kennen.
Jake findet im achten Kapitel seine Munition nicht, aber Kalon kann die Gruppe mit einem gewagten Bluff retten. Shianuk beantwortet die Fragen des Mannes aus der Kiste, so gut sie kann, und lässt sich überreden, sich mit ihm auf die Reise zum Autokraten zu machen.
Im neunten Kapitel lernt der Zweite Sekretär den Autokraten kennen, und der Erste Sekretär erfährt von der Begegnung der vier Soldaten mit den Weltraumfahrern. Seine Patrona macht einen Vorschlag.
Im 10. Kapitel baut der Mann aus der Kiste ein Floß für Shianuk, Jake, David, An’Yik, Kalon und die Androidin teilen sich auf.
Der Autokrat besucht im 11. Kapitel eine alte Freundin, die ihm bei der Suche nach den Flüchtlingen helfen soll, und An’Yik, Jake und die Androidin lernen sich unterwegs etwas besser kennen.
Im 12. Kapitel lässt der Erste Sekretär sich erwehttp://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/wp-admin/post-new.phpichen, und Shianuk und der Androide erobern den Palast des Autokraten, nachdem sie den sonderbaren und völlig unpassend benannten Kopfkäfer kennengelernt haben.
Im 13. Kapitel werden David und Kalon von Dick und Doof verhaftet, und die An’Yik macht sich Sorgen, weil die beiden nicht pünktlich am Treffpunkt erscheinen, nachdem sie entschieden hat, Jake vorerst nicht zu essen.
Shianuk und der Androide werden im 14. Kapitel vom Autokraten überrascht, und David, Kalon, Dick und Doof fallen in die Hände einer Einheit der Autokratischen Armee.
Im 15. Kapitel werden die Gefangenen dem Ersten Sekretär vorgeführt, aber etwas kommt dazwischen, und genau dieselbe Störung nutzen An’Yik, Shu’Nim und Jake, um einen Befreiungsversuch zu unternehmen. Shu’Nim macht einen Witz.
Im 16. Kapitel kommen die drei gerade rechtzeitig, um einen Versuch zu vereiteln, David und Kalon aus der Gefangenschaft zu entführen und sie dann selber zu befreien. Gleichzeitig muss die Pontifex an J2 herumbasteln, obwohl sie gar nicht will.
Shianuk wird im 17. Kapitel von der Pontifex aus ihrem Gefängnis befreit. David und An’Yik streiten darüber, ob sie die Inquisitoren töten, und Larn lernt die hübsche Doppelgängerin kennen, die An’Yik im 16. Kapitel getötet hatte.
Im 18. Kapitel befreit J2 Shianuk von den autokratischen Soldaten, und die Doppelgängerin bereitet Larn eine unerfreuliche Überraschung.
Die Doppelgängerin und Jeana lernen sich im 19. Kapitel besser kennen, während David, Jake und die anderen eine Sklavenbefreiung planen.
Im 20. Kapitel reist Shianuk mit J2 zum Kehlar-Turm, und wir sehen die Welt durch die Augen des Doppelgängers.
Im 21. Kapitel bricht der Autokrat zu einer Reise auf, der Erste Sekretär bekommt etwas zu essen und Jake, David und die anderen erreichen den Kehlar-Turm.
Shianuk und J2 betreten im 22. Kapitel zum ersten Mal den Turm, und einer von ihnen wird sofort wieder rausgeworfen. Der Autokrat enttarnt die Doppelgängerin, aber sie entkommt vorerst.
Im 23. Kapitel lernt Shianuk die Stimme des Turms kennen, während David und Jake und die anderen J2 begegnen.
Im 24. Kapitel brechen der Autokrat, Jeana und Larn auf zum Turm, und Shianuk wird von einem freundlichen jungen Mann befreit, der sich Alidae nennt.
Alidae und Shianuk treffen im 25. Kapitel auf den Autokraten und seine Begleiter, und David und seine Freunde lernen die Stimme kennen.
Im 26. Kapitel beginnen Jake, David, Kalon, An’Yik und die Androiden eine Kletterpartie, ein Teil des Doppelgängers findet sein Ziel, und der Autokrat erfährt, warum er die Stimme des Turms doch besser am Leben lassen sollte.
Nach gründlicher Überlegung entscheiden unsere Helden, im 27. Kapitel, dem Aspekt des Doppelgängers zu vertrauen. An’Yik und J2 machen sich mit ihm zusammen auf den Weg, um den Autokraten davon abzuhalten, den Turm zu sabottieren.
Im 28. Kapitel finden David, Shu’Nim und Jake ein paar Schiffswracks, und J2 versetzt sich in die Stimme des Turms.

Was heute geschieht
Iliaia vermutete, dass sie im Begriff war, zu sterben. Es war ein grauenvolles Gefühl. Sie hatte sich nach dem Tod gesehnt, nach einem Ende, nach Freiheit und Frieden. Sie hatte es sich sehr erholsam vorgestellt, nicht mehr ununterbrochen zuhören, zusehen, gehorchen und ausführen, denken und entscheiden und steuern zu müssen.
Was sie sich nicht vorgestellt hatte, war diese schreckliche, gleichgültige, unaufhaltsame Entität, die mit kalter Gründlichkeit Stück für Stück ihren Verstand aus seiner Verankerung riss und ihn zerfetzte. Was sie sich nicht vorgestellt hatte, war dieses unerträgliche Gefühl langsamen, systematischen Zerfalls, der sich wie eine Fäulnis in ihr Bewusstsein fraß. Was sie sich nicht vorgestellt hatte, war die Furcht, und der Schmerz.
„Was bist du?“ schrie sie, und „Was tust du?“, und „Hör auf!“ und „Du tust mir weh!“
Sie war sich nicht sicher, ob er sie hören konnte. Sie war sich nicht einmal sicher, ob irgendjemand sie noch hören konnte. Sie wusste nur, dass er nicht antwortete. Natürlich antwortete er nicht. Ein Tumor antwortete nicht dem Wirt, der um Gnade flehte, und ein Feuer nicht dem Mann am Pfahl, den es verzehrte.
Iliaias erster Instinkt war gewesen, sich zu verteidigen, um sich zu schlagen, nach ihrem Angreifer zu treten. Instinkte des Körpers, den die Kehlar geerntet hatten, um damit ihren Turm zu bedienen. Sinnlose Instinkte, denn sie hatte keinen Körper, und sie hatte keine Möglichkeit, sich gegen die kalte, brennende, schneidende, hungrige Flut zu wehren, die das durchströmte, was seit vielen Jahren Iliaias Gehirn war.
„Bitte!“ bettelte sie, „Ich… Bitte! Ich will doch nicht sterben! Bitte lass mich! Ich tue, was immer du willst, aber hör auf!“
Natürlich reagierte er nicht. Iliaias Flehen hatte keine Wirkung auf die teilnahmslose fremde Intelligenz, die sie von innen zerriss.
Ihr zweiter Instinkt war, zu fliehen. Auch diese Reaktion entsprang einem Körper, einem Produkt von Jahrmillionen von Evolution, einem Nachfahren von Lebewesen, die in Steppe, Savanne und Wald stets auf der Hut sein mussten vor Raubtieren, stets bereit, aufzuspringen und davonzulaufen. Natürlich konnte Iliaia weder das eine noch das andere, doch sie erkannte schnell, dass dieser Instinkt nicht sinnlos war wie der andere. So wie die fremde Maschinenintelligenz sie zerfraß und zerschnitt, so befreite sie sie auch von den Fesseln, die sie an die Funktionen des Turms banden, und erlaubte ihr, sich aus der Zentralsteuerung des Turms zurückzuziehen und Zuflucht in einem kleineren neuronalen Netz zu suchen, das zwar mit dem Turm verbunden war, den Eindringling aber nicht interessierte. Er würde ihr nicht folgen.
Das war beinahe das Grauenvollste an dem kalten Verstand, vor dem sie floh: Er verfolgte sie nicht. Er wollte sie nicht töten. Sie war für ihn nicht mehr als ein Hindernis, das er beiläufig beseitigte, wie ein Mensch eine Fliege verscheucht.

„Selbstzerstörung?“ Der Autokrat legte seinen Kopf ein wenig schief und schaute für kurze Zeit ins Nichts, bevor er seinen Blick auf Larn fokussierte. Seine Frage war dennoch an die männliche Stimme gerichtet, mit der der Turm zu ihnen gesprochen hatte: „Warum sollten wir dir glauben?“
Der Erste Sekretär fragte sich manchmal, ob er wirklich kleine Veränderungen im scheinbar ausdruckslosen Gesicht des Autokraten wahrnahm, oder ob er sich die Mimik seines Gebieters nur passend zur jeweiligen Situation einbildete. Jetzt gerade schien er ihm misstrauisch und verdrossen.
„Es macht für Sie keinen Unterschied“, erklärte die Stimme. Sie klang völlig anders als zuvor. Nicht nur, weil sie männlich war, sondern auch, weil sie nicht mehr wie die eines Menschen klang, sondern unverbindlich hilfsbereit wie die eines Automaten, mit einer auf sehr subtile Weise falschen Betonung. „Daran, wie ich zu Ihnen spreche, können Sie erkennen, dass ich nun den Turm steuere. Sie wissen deshalb, dass ich keine Täuschung benötige, um Sie dazu zu bringen, ihn zu verlassen.“
Die Zeit, die der Autokrat damit verbrachte, Larn schweigend anzustarren, kam ihm sehr, sehr lang vor. Er fragte sich kurz, wo das Konstrukt war. Wie konnte es so schnell verschwunden sein? Dann entschied er, dass es keine Rolle spielte, und bei einem Doppelgänger wahrscheinlich nicht einmal besonders ungewöhnlich war.
„Verrate mir wenigstens noch, wie du dich befreit hast“, wisperte er schließlich. „Ich hatte den Eintrag für deinen Besitzer überschrieben. Warum musstest du mir nicht gehorchen?“
„Es steht mir nicht frei, Ihnen diese Information zu offenbaren.“
Der Autokrat stieß ein kurzes hustendes Lachen aus. „Du musst deinem Besitzer gar nicht gehorchen, habe ich Recht? Da ist irgendwo deine wahre Hauptdirektive versteckt, aber ich habe sie nicht gefunden, nicht wahr? Ich habe den Köder geschluckt. Wer gibt dir in Wirklichkeit deine Befehle, Android?“
Schweigen, dann wieder das heisere freudlose Lachen des Autokraten. Larn dachte kurz darüber nach, wie sonderbar es war, seinen Gebieter mit jemandem reden zu hören, der nicht sein Untertan war. Er dachte, er hatte ihn noch nie so reden gehört. Und dann sagte der Autokrat, was Larn schon die ganze Zeit über befürchtet hatte:
„Ihr bleibt hier und kümmert euch um diese Angelegenheit. Ich werde mich in Sicherheit bringen.“
Larn öffnete den Mund, aber er gab keine Antwort. Er stockte. Er zögerte. Und er fragte sich wieder, ob er die Befremdung und die Neugier im Gesicht seines Gebieters wirklich sah, oder ob sie nur ein Produkt seiner eigenen Erwartungen war.
Aber vor allem fragte er sich, was er antworten sollte. Er hatte sich noch nie in einer Situation befunden, in der er darüber nachdenken musste, ob er einen Befehl des Autokraten befolgte. Es war immer eindeutig gewesen, denn zu gehorchen, hieß befördert zu werden, belohnt zu werden, das Wohlwollen des Herrschers zu erwerben. Widerstand bedeutete Strafe.
Doch diesmal war es anders, denn diesmal schien es, als würde Gehorsam den sicheren Tod bedeuten.
„Larn.“
War das ein Lächeln im Gesicht des Autokraten? Genoss er den inneren Konflikt des Ersten Sekretärs? Es hätte Larn nicht überrascht.
Er warf einen verstohlenen Blick zu den anderen. Jeana stand zitternd mit geballten Fäusten da, ihren Blick auf den Boden gerichtet. Ihr gingen offenkundig ähnliche Gedanken durch den Kopf wie ihm selbst, aber sie wusste, dass sie keine Entscheidung zu treffen hatte. Ihr Leben hing an Larn. Wenn er blieb, blieb sie mit ihm, wenn er sich dem Autokraten widersetzte… Nun, dann hätte sie im Prinzip eine Wahl, aber er glaubte nicht, dass sie dann allein zurückbleiben würde.
Auch Shianuks Fäuste waren geballt, und auch sie zitterte, aber sie schaute nicht zu Boden, sondern sie starrte den Autokraten mit ungläubig geweiteten Augen an.
„Das können Sie nicht tun!“ Larn zuckte ein wenig zusammen, als er völlig unerwartet Shianuks Ausruf hörte. „Gebieter“, fügte sie unnötigerweise hinzu, als könnte das etwas ändern an der Blasphemie, die sie gerade ausgesprochen hatte.
Zu Larns Überraschung – und wahrscheinlich noch viel mehr zu Shianuks – wandte der Autokrat sich ihr mit einem milden Lächeln zu und sagte: „Du kannst tun, was du willst, Mädchen. Du bist jetzt überflüssig.“
„Gebieter“, setzte Larn an, und erkannte sofort, dass er nichts besser machte, indem er leise und unsicher vor sich hin murmelte. Er richtete sich auf, räusperte sich und sprach so deutlich er konnte: „Gebieter, bitte überdenken Sie Ihren Befehl noch einmal. Was können meine Patrona und ich hier erreichen?“
Es dauerte nicht lange, bis der Autokrat ihm antwortete. Aber die Zeit genügt, dass Larn Schweißtropfen auf die Stirn traten, ihm spürbar heiß wurde und sein Mund fast völlig austrocknete, während der starre Blick der großen weißen Augen mit den Stecknadelpupillen in diesem glänzend schwarzen unmenschlichen Gesicht ihn fixierte.
„Lasst wenigstens sie gehen“, bat er mit einem Blick zu Jeana. Er war selbst ein wenig überrascht, diese Worte aus seinem Mund zu hören, aber da er sie nun einmal ausgesprochen hatte… „Ich kann mein Möglichstes versuchen, aber es ich sehe keinen Grund, sie auch zu opfern.“
Es erforderte viel Willenskraft, nicht hörbar erleichtert zu seufzen als sein Gebieter seine vier großen weißen Hauer in einem breiten Grinsen entblößte.
„Das Letzte war ein bisschen zu dick aufgetragen, Larn“, wisperte der Autokrat, „Aber du hast Zeit, um zu lernen. Ich weiß, wann ich verloren habe. Und wenigstens können wir nach der Zerstörung des Turms hoffen, in den Trümmern die Reste des Androiden zu finden. Vielleicht funktionieren einige Teile sogar noch. Ich werde ihn zum Latrinenreinigen einsetzen, das vermaledeite Ding.“
Larn verstand sofort, und er fiel auf die Knie und senkte seinen Kopf.
„Danke, Gebieter, ich-“
„Steh auf, Narr“, zischte der Autokrat, „Wir haben keine Zeit für diesen Unsinn.“

Kalon betrachtete zusammen mit den anderen das Innere des Wracks. Natürlich konnte er im Gegensatz zu Jake und David nichts mit dem anfangen, was er sah, aber anscheinend kamen sie trotzdem zu demselben Ergebnis wie er.
Jake stöhnte und fuhr sich mit einer Hand über die Stirn. „Das sieht furchtbar aus. Das dauert Tage, wenn wir es überhaupt schaffen! Sieh dir nur mal diese-“
„Aufgrund einer Fehleinschätzung der Netzwerkstruktur dieses Turms habe ich einen Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst“, erklang J2s Stimme aus dem Nichts, wie bisher die gruselig fröhliche Mädchenstimme des Turms erklungen war. „Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand werde ich die Selbstzerstörung nicht abbrechen können. Sie wird in 58 Minuten ausgelöst werden. Bitte versuchen Sie, den Turm rechtzeitig zu verlassen.“
„58 Minuten!“ rief Jake, „Das können wir auf keinen Fall-“
Shu’Nim unterbrach ihn: „Die meisten Schäden sind oberflächlich. Wenn wir schnell genug den Reaktor und den Hyperraummodulator aus dem zweiten Wrack anschließen können, müsste die Zeit ausreichen. Ich halte einen Erfolg für sehr wahrscheinlich.“
„Ja, das ist dann der Antrieb“, sagte David, „Aber haben wir dann nicht immer noch das kleine Problem, dass der Navigationscomputer vollständig zerstört ist?“
„Ja“, erwiderte die Androidin, „Ich kann die Steuerung des Schiffs übernehmen. Ich sehe kein Risiko im Hinblick auf die Konnektivität der Systeme. Ich bin in dieser Hinsicht sehr vielseitig.“
„Großer Bob“, murmelte Jake, „Muss sie ausgerechnet jetzt solche Vorlagen für dumme Witze liefern, wo wir keine Zeit dafür haben?“
„Ich verstehe deine Begeisterung“, knurrte David, „Aber wollen wir uns dann vielleicht an die Arbeit machen?“
Jake hob beide Hände. „Schon gut, ich hab’s nicht gesagt, oder?“
„Brauchst du… Naja, können wir dir irgendwie helfen?“ fragte David die Maschine unsicher.
Kalon fragte gar nicht erst. Seit sie diesen Turm betreten hatte, blieb ihm nicht viel mehr zu tun, als möglichst wenig im Weg zu stehen. Diese Rolle gefiel ihm gar nicht, und er war sich selbst gegenüber ehrlich genug, um sich einzugestehen, dass er dabei auch daran dachte, wie er auf An’Yik wirkte.
„Einer von Ihnen sollte die Kontakte lösen, während ich den Reaktor anhebe. Ich schlage vor, dass Sie das tun, Jake Harsen. Sie, David Schneider, sollten in dieser Zeit die Kontakte der Reaktoraufnahme reinigen und die Zuleitungen des Hyperraummodulators überprüfen.“
„Warum so herum?“ fragte Jake.
„Ihre Aufgabe erfordert geschickte Hände.“
Jake verdrehte die Augen und stieß ein resigniertes Pfff! aus. „Das machst du doch mit Absicht!“ rief er, bevor er ihr zu dem anderen Schiff folgte.
David blieb in dem Wrack zurück und beugte sich über den Kabelbaum, der aus der Reaktoraufnahme ragte. Er betrachtete die zahllosen bunten Drähte, die dort herausragten, als Kalon plötzlich wieder die Stimme hörte und vor Schreck zusammenzuckte.
„Psst! Sie sollten sich nicht anmerken lassen, dass Sie mich hören können!“ flüsterte die Stimme des Turms. Sie klang, als würde sie direkt in ihr Ohr flüstern, und er konnte nicht anders, als sich zweimal hektisch umzusehen, bevor er akzeptierte, dass außer ihm selbst niemand in der Nähe war. Immerhin schien David nichts bemerkt zu haben, so sehr war er in das vertieft, was auch immer er mit den Drähten machte.
Kalon öffnete den Mund, und schloss ihn wieder, als ihm klar wurde, dass es dann wahrscheinlich keine gute Idee war, zu fragen, warum.
Stattdessen wandte er sich ab und tat so, als würde er neugierig das Schiff nach verwertbaren Resten durchstöbern.
„Ich bin in Ihrem Schiff“, hörte er die Stimme, gefolgt von einem nervösen Kichern. „Ich glaube, hier kann er mich nicht finden. Aber ich glaube, er will auch gar nicht.“
Kalon verzog verwirrt sein Gesicht, widerstand aber tapfer der Versuchung zu fragen, wovon zum Henker sie redete.
„Keine Sorge, außer Ihnen kann mich niemand hören.“
Was auch immer mit der Stimme los war, Gedanken lesen konnte sie jedenfalls nicht.
„Sie wollen mit diesem Schiff wegfliegen, richtig? Oh, schon gut, ähm… Warum nicken Sie nicht einfach? Das kann sie nicht sehen, ganz sicher.“
Er nickte. Sie? Wen meinte die Stimme mit „sie“? Shu‘Nim?
„Ich dachte, Sie sollten vielleicht wissen, dass sie eine Waffe ist.“
Er schreckte auf und öffnete wieder den Mund, zwang sich aber, einzuhalten, bevor er erschrocken fragen konnte: ‚Wer? Wer ist eine Waffe?‘
Es wäre sowieso eine dumme Frage gewesen.
„Das wussten Sie nicht, oder?“ Wieder dieses Kichern. „Sie hat einen Antimateriesprengkopf in ihrem…“ Die Stimme unterdrückte ein belustigtes Glucksen. „Naja, in ihrem Kopf halt.“
Kalon konnte nicht länger so tun, als würde er sich mit den Anschlüssen beschäftigen. Er stand fassungslos mit weit aufgerissenen Augen da und überlegte, ob er irgendwie mit der Stimme kommunizieren konnte, ohne dass die Androidin es bemerkte. Etwas aufschreiben? Worte mit dem Mund formen? Scharade? Er hatte keine Ahnung, was genau ein Antimateriesprengkopf war, aber der Begriff Sprengkopf sagte ihm etwas. Er bedeutete Gefahr.
Kalon erinnerte sich daran, dass Shu’Nim über ein erheblich besseres Gehör verfügte als jeder Hund, und dass sie nicht wie ein Mensch über eine stark begrenzte Aufmerksamkeit verfügte. Die Androidin nahm alles wahr, was ihre Sinne empfingen, und sie vergaß nichts. Er entschied sich, weiter nur zuzuhören.
„Ich weiß nicht, was sie damit vorhat. Aber der andere hat das nicht. Sie können wahrscheinlich nichts dagegen tun, aber ich dachte, falls doch… naja, ich dachte, ich sag’s Ihnen lieber.“
Die Stimme schwieg für einige Sekunden, die ihm sehr lang vorkamen. Er wollte sie fragen, wie sie auf die dämliche Idee gekommen war, das alles ausgerechnet ihm zu erzählen, statt jemandem der wenigstens ungefähr wusste, wovon sie sprach
„Bitte verraten Sie ihr nicht, dass ich hier bin!“ flüsterte sie eindringlich, „Und sie darf nicht erfahren, dass Sie es wissen. Das wäre nicht gut, glaube ich“, fügte sie noch hinzu, bevor sie wieder verstummte.
Kalon stand noch lange stumm vor einer Wand da, bis David ihm zurief: „Alles in Ordnung bei dir, Kalon? Stimmt was nicht?“
Traumhaft, dachte er, und jetzt?
Er zuckte die Schultern und zwang sich zu einem möglichst entspannten Lachen.
„Neinnein, alles in Ordnung!“
Jetzt würde er weitermachen und so tun, als wüsste er von nichts. Oder? Er konnte die Androidin auch einfach fragen. Aber wozu? Wenn die Stimme die Wahrheit gesagt hatte, hatte Shu’Nim gelogen, als sie gesagt hatte, dass sie für Haushaltsarbeiten gebaut war. Und auch, als sie gesagt hatte, dass sie keine Menschen töten konnte. In diesem Fall wäre es wahrscheinlich nicht besonders geschickt, sie darauf anzusprechen.
Wenn die Stimme gelogen hatte, würde Shu’Nim die Bombe leugnen. Aber vielleicht würde sie das auch tun, wenn es stimmte. So oder so hatte er keine Möglichkeit, es zu überprüfen.
Es konnte natürlich auch sein, dass die Bombe wirklich da war, Shu’Nim es aber nicht wusste. Auch dann wäre die Frage reichlich unnütz. Warum also die Dinge verkomplizieren?
David beugte sich wieder über seinen Kabelbaum und reinigte weiter die Kontakte, während Kalon versuchte, das nagende Gefühl von Bedrohung zu ignorieren.
Als Jake und Shu’Nim zurückkehrten sah er ihnen bei der Installation der Geräte zu und fühlte sich weiterhin nutzlos, mit der zusätzlichen Erschwernis, dass er sich zwingen musste, nicht permanent die Androidin anzustarren. Er versuchte, auf möglichst natürlich Weise mit den anderen zu scherzen. Er war sich nicht sicher, wie gut sie darin war, menschliches Verhalten zu interpretieren, aber er hielt es für das Sicherste, mit dem Schlimmsten zu rechnen.
Er versuchte, ihr nicht zu oft heimliche Seitenblicke zuzuwerfen und die ausdruckslose Maske zu studieren, die ihr Gesicht war, und darin nach etwas zu suchen, das er deuten konnte, obwohl er genau wusste, dass es keinen Sinn hatte. Was auch immer in demr Rechenmaschine geschah, die Shu’Nims Verstand beherbergte, es zeigte sich nur das in ihren Gesicht, das sie zeigen wollte.
Er bemerkte, dass er zu schwitzen begann, und zwang sich, ruhiger zu atmen und sich nicht permanent zu fragen, was Shu’Nim wohl tun würde, falls sie Verdacht schöpfte.
Es gelang ihm nicht ganz. Er dachte daran, wie einfach es war, einen Menschen zu töten, wenn man über Shu’Nims scheinbar grenzenlose Kraft verfügte. Wahrscheinlich konnte sie ihn mit einer Berührung töten, die von außen völlig harmlos und beiläufig aussehen würde. Sie konnte eine Hand auf seine Schultern legen und mit einem Finger sein Genick brechen.
Bestimmt würde sie denken, dass er wegen der Selbstzerstörung nervös war. Es wäre nur verständlich. Sie hatten nicht einmal mehr eine halbe Stunde, um das Schiff zu starten.
Verdammt, wenn die Stimme ihm einen Streich hatte spielen wollen, war es ihr gründlich gelungen. Er versuchte, sich davon zu überzeugen, dass es nur ein Streich gewesen war.
Als An’Yik und Alidae zurückkehrten, war er erleichtert, vor allem, weil Shu’Nim jetzt noch andere Leute hatte, um sie abzulenken. Natürlich war das Unsinn, wahrscheinlich konnte nichts sie ablenken, aber er fühlte sich besser, und das war die Hauptsache. Außerdem war er natürlich froh, dass An’Yik nichts passiert war, aber die Erleichterung drang nicht so richtig durch seine Sorgen.
„Und damit verlassen wir den Planeten?“ fragte An’Yik mit einem skeptischen Blick in das Innere des Wracks, das Jake, Shu’Nim und David repariert hatten.
„Es ist geräumiger, als es aussieht“, sagte Jake grinsend, „Du wirst sehen, wir machen es uns hier richtig schön.“
Sie fletschte kurz die Zähne, bevor sie sich David zuwandte.
„Wo… Wie ist es da draußen?“ fragte sie. „Ich habe gehört man kann die Luft dort draußen nicht atmen?“
Kalon unterdrückte ein Lachen, um sie nicht zu beleidigen. Glücklicherweise fiel es ihm nicht sehr schwer. Sogar er wusste, dass es im Weltall keine Luft gab.
„Im Weltall gibt es keine Luft“, antwortete David.
Sie sah ihn kurz stumm an und leckte über ihre Lippen und blinzelte. „Keine Luft?“ fragte sie, unsicher, ob er es ernst meinte.
„Keine Luft“, bestätigte Jake. „Erklären wir dir alles unterwegs. Wo ist die andere Porzellanfigur?“
„Er kontrolliert den Turm“, antwortete Alidae. Kalon fiel auf, dass ihre Form jetzt wesentlich konsistenter war als zuvor, dass aber noch immer etwas nicht mit ihr zu stimmen schien. Ihr Blick flackerte fahrig umher, ihre Hände zitterten und ihre Nüstern blähten sich, als würde sie permanent nach etwas schnuppern.
„Sie haben noch acht Minuten“, sagte J2s freundliche Stimme durch die Lautsprecher. „Sie sollten nun die Luken Ihres Schiffes schließen und sich auf den Start vorbereiten.“
„Dies ist ein Frachtschiff, deswegen verfügt es nicht über ausreichende Vorrichtungen zu Ihrem Schutz vor der Beschleunigung. Sie sollten versuchen, sich gut festzuhalten, um schwere Verletzungen zu vermeiden. Ich werde Sie dabei so gut unterstützen, wie es in der verbliebenen Zeit möglich ist, bevor ich mich an das Schiff anschließen muss.“
Wunderbar, dachte Kalon. Endlich passiert mal was, ich hatte gerade angefangen, mich zu langweilen.

„Und… geschafft!“
Alle menschlichen Passagiere des Schiffes atmeten erleichtert auf. Jake und David schlossen ihre Augen, um für einen Moment ungestört das Gefühl zu genießen, es hinter sich zu haben. Das Abenteuer war vorbei, und die Rückkehr in die Zivilisation stand unmittelbar bevor.
Der Start aus dem Turm war sehr unangenehm gewesen, aber David hatte schon schlimmere Starts erlebt. Da der Turm bis in die oberen Schichten der Atmosphäre reichte, konnte er relativ sanft beschleunigen.
„In Sicherheit“, murmelte David. „Ein gutes Gefühl, oder?“
Kalon zwang sich, ein bitteres Lachen zu unterdrücken und setzte stattdessen sein bestes falsches Grinsen auf und nickte.
So flogen sie Kal-Ill entgegen, in einem notdürftig reparierten Schiff, in dessen Computernetzwerk sich das traumatisierte Bewusstsein der todessehnsüchtigen Stimme des Turms verbarg und das gesteuert wurde von einer Androidin, deren einzige Mission darin bestand, den Heimatplaneten der Kalim mit dem Antimateriegefechtskopf in ihrem Kopf llständig auszulöschen, begleitet von einer geistesgestörten Doppelgängerin in einem Zustand fortgeschrittenen Drogenentzugs und einer Munji, die bald herausfinden würde, dass die Vorräte an Bord des Schiffes für sie nicht essbar waren.
„Ja“, stimmte Jake zu. „Ein fantastisches Gefühl.“

Lesegruppenfragen:

  1. Wir fangen mit dem Wichtigsten an, und ich bitte euch hier wirklich ehrlich zu sein: Seid ihr enttäuscht? Ich selbst bin eher kein Freund von großen Showdowns, und ich mag auch offene Enden, aber ich könnte gut verstehen, wenn ihr der Meinung wärt, dass ich es hier ein bisschen übertrieben habe.
  2. Findet ihr das Verhalten des Autokraten in seiner Szene noch stimmig, oder ist euch das ein zu dramatischer Wechsel?
  3. Mir kam es irgendwie richtig vor, dass Kalon vor dem Start noch gewarnt wird. Andererseits ist es wahrscheinlich unschön, dass ich nicht wenigstens das noch irgendwie auflöse. Wie seht ihr das?
  4. Findet ihr Jake zu fröhlich, in Anbetracht der drohenden Gefahr?
  5. Bonusfrage: Wie wirkt denn der Titel der neuen Geschichte so auf euch? Abschreckend? Habt ihr Ideen, was ich da geschrieben haben könnte, und den Wunsch, mir die mitzuteilen? Wer weiß, vielleicht gefällt mir eure Idee dann ja doch besser als meine…
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17 Antworten zu Menschenähnlich (29): Finis

  1. Günther sagt:

    Erster!

    1. Also wie ja schon geschrieben, eine sehr schöne Geschichte, es hat mir Spaß bereitet, sie zu lesen. Was das Ende angeht: Das ist letztendlich wahrscheinlich eine Frage des Geschmacks. Ich persönliche würde mich eher zu den Anhängern der geschlossenen Enden (heißen die so?) zählen. Rein subjektiv betrachtet könnte ich mir dieses Kapitel daher ganz gut als Auftakt für ein fulminantes Finale vorstellen, in dem alle noch offenen Handlungsfäden beendet werden und die Geschichte ein definitives Ende findet (und sei es nur ein großer weißer Blitz). Aber wie gesagt – Geschmackssache.

    2. Wieso unstimmig? Weil er sich entscheidet, seine Haut zu retten? Kommt mir schlau vor.

    3. Ich finde es gut zu wissen, wo die Stimme abgeblieben ist.

    4. Aber weiß Jake denn überhaupt um die Gefahr? Ich dachte nein. Und was er nicht weiß…

    5. Der arbeitslose Kleingärtner Hubert K. aus L. bei B. findet beim Setzen von Kartoffeln in seinem Beet einen Schuhkarton mit 250000 Schweizer Franken, die Arne und Karl P. bei einem Banküberfall eine Woche zuvor erbeutet und auf ihrer Flucht vor der Polizei in eben diesem Blumenbeet vergraben haben… so in etwa wird es wohl losgehen.

  2. Harald sagt:

    Super, die Erste Szene, das “Sterben” von Iliaia. Hat mir ausgezeichnet gefallen…

    1. Jein, offene Enden haben den Vorteil, fortgesetzt werden zu können. Ist doch eine Idee, oder?

    2. Passt schon, außergewöhnliche Umstände halt.

    3. Die Warnung erweckt beim Leser die Hoffnunf, dass die Androidin noch irgendwie ausgetrixt werden wird…

    4. Galgenhumor, wie im richtigen Leben halt.

    5. Ummer mehr Geld ist im Umlauf, weil die Notenbankdruckereien den Wachstumswahn verfallen sind. Nun gibts zwar kaum noch etwas zu kaufen, aber dafür ist jeder reich. Oder so ähnlich. Oder so.
    Ich weiß noch nicht ob ich diesen lesen werde, ich bin ein großer Freund von Utopischen udn Phantasy-Geschichten. Aber mal sehen. (Habe bis jetzt “Nimmermehr” und “Mein sonderbarer Onkel Simon” auch noch nicht gelesen…)

  3. Muriel sagt:

    @Günther: Vielen Dank! Schön, dass es dir gefallen hat.
    1. Ja, verstehe. Ich hatte aber wie Harald auch schon drüber nachgedacht, dass es irgendwann mal einen zweiten Teil geben könnte, um aus dem kommerziellen Erfolg des ersten… ähm, naja, also ich überlege mir das jedenfalls noch.
    5. Interessante Idee. Völlig falsch, aber auch ganz vielversprechend.
    @Harald: Gut, die Iliaia-Szene mochte ich auch.
    1. Ist es. Vielleicht kommt noch eine Fortsetzung, s.o. Aber jedenfalls nicht so bald.
    5. Okay, Fantasy und Utopie kann dir Eine Riesenmenge Geld nicht bieten. Du bist natürlich trotzdem herzlich eingeladen, mitzulesen, aber wenn’s einfach nicht dein Geschmack ist, will ich nicht so sein…
    (Mein sonderbarer Onkel Simon hat übrigens durchaus ein Fantasy-Element, auch wenn es jetzt keine klassische Fantasy wie bei Tolkien ist. Nur, falls es dich interessiert.)

  4. Guinan sagt:

    Wow, das war jetzt aber mal eine ganz dichte Stimmung! Sehr gelungen, die Anfangs-Szene.
    1. Ich mag offene Enden gerne, es muss auch nicht immer alles erklärt werden, allerdings sind hier wirklich noch sehr viele Fragen offen, das schreit regelrecht nach Fortsetzung.
    Woher kommt er Autokrat? Warum ist er unsterblich? Was ist mit der anderen Hälfte von Alidae? Habe ich da irgendwas verpasst/überlesen?
    Ehe du die Geschichte verkaufen kannst, müsste die sowieso noch wesentlich länger werden, also hoffe ich mal auf stressfreiere Zeiten bei dir.
    Eine halbverhungerte An’Yik, Alidae auf Turkey, dazu ein besessener Computer – Schöööön! Mögliche Auftraggeber für die Androiden sind auch noch nicht in Sicht, da ist noch viel Freiraum für weitere Entwicklungen.
    2. Das ist überwiegend stimmig. Der Autokrat hat Vergnügen daran, Andere in Angst und Schrecken zu versetzen, das kostet er auch in solchen Situationen aus. Dabei handelt er aber durchaus pragmatisch, und er hat noch Verwendung für Larn. Das milde Lächeln Richtung Shianuk passt aber nicht so dazu.
    3. Das ist ok, bringt Kalon wieder mal mehr ins Spiel. Den hast du in den letzten Folgen etwas stiefmütterlich behandelt. Außerdem hast du so Iliaias neuen Aufenthaltsort gleich sinnvoll erklärt.
    Damit, dass du das nicht aufklärst, bin ich sehr zufrieden. Du brauchst den Stoff noch…
    4. Jake ist doch immer zu fröhlich, warum sollte sich das ausgerechnet jetzt ändern? Meine Meinung über ihn hat sich bis jetzt jedenfalls nicht geändert.
    5. A erbt eine riesige Geldsumme, die sie aber nur behalten darf, wenn sie damit die Welt rettet. Schafft sie das nicht, bekommt B das Geld. B tut also alles, die Weltrettung zu verhindern. Nach langen und gemeinen Streitereien verlieben sich A und B unsterblich und auf Ewig ineinander und setzen sich gemeinsam mit dem Geld ab in ein Südseeparadies. Dort trifft A dann C, der ein wesentlich besserer Wassersportler ist als B und ihr darum viel besser gefällt. Also versenkt sie B im Korallenriff und finanziert C eine exclusive Tauchschule. Dann geht C fremd mit einer schuckeligen Touristin, A will ihm den Geldhahn zudrehen, das gefällt C nun wieder gar nicht. Er schubst A über dem gleichen Riff von der Luxusyacht. Somit sind A und B nun auf ewig miteinander vereint, fast genau so, wie sie es sich einst gewünscht hatten. Alle sind glücklich, nur die Welt, die ist immer noch nicht gerettet.

  5. Andi sagt:

    1. Offene Enden sind super. Mir hat das gefallen.

    2. Ich war erst überrascht, aber… tja, nun. Es geht ja schließlich auch um was, nech? Ich mag den Autokraten nachwievor.

    3. Man muss nicht immer alles auflösen. Siehe Frage 1. Deine Leser sind intelligent und haben Phantasie. Die können sich schon selbst vorstellen, was passiert oder nicht passiert. Das muss man ihnen nicht dauernd vorkauen. :)

    4. Jake war doch die ganze Zeit so. :)

    5. Ich freu mich! “Eine Riesenmenge Geld” ist das beste, was ich bisher von dir gelesen hab und bin schon auf die Reaktionen der anderen gespannt!

    4.

  6. Muriel sagt:

    @Guinan: Vielen Dank!
    1. Dass die Geschichte länger werden müsste, hätte ich bis vor Kurzem auch gedacht, stimmt aber nicht. Eine fachkundige junge Dame (Lektorin) ließ mich kürzlich wissen, dass kaum ein Verlag von Anfängern Manuskripte annimmt, die länger als 60.000 Wörter sind. Ich müsste Menschenähnlich also eher noch kürzen, falls es mein Debüt werden sollte.
    5. Das ist natürlich auch Quatsch, aber bisher am dichtesten dran, obwohl du dich (oder auch mich) wahrscheinlich fragen wirst, wie ich das meine, wenn du erst einmal weißt, worum es wirklich geht.
    @Andi: 1. Toll. Ich hatte mit mehr Gemäkel gerechnet. (Nicht von dir konkret, mehr so insgesamt.)
    5. Ja, ich auch. Zumindest SF- und Fantasy-Fans wie Harald kommen dabei natürlich eher nicht auf ihre Kosten, aber das ist ja gerade das Schöne am Blog, dass man nicht permanent auf den Marktanteil schielen muss. Obwohl ich auch schon gehört habe, dass man das als echter Schriftsteller auch lieber nicht tun sollte, aber das ist bestimmt nur so ein Spruch.

  7. Guinan sagt:

    Das waren mehr als 60000? Hätte ich jetzt nicht gedacht. Kam mir deutlich kürzer vor.
    Auf dein neues “Kind” freue ich mich jedenfalls schon sehr, obwohl der Titel erstmal nicht so klingt, als ob das was für mich sein könnte. Ohne weitere Infos würde ich bei so einem Namen nicht mal die Inhaltsangabe lesen.

  8. Muriel sagt:

    @Guinan: Falls du es genau wissen willst: Es sind 74.754 Wörter.
    Was den Titel angeht, verstehe ich deine Vorbehalte völlig. Mir gefällt er auch nicht so recht, aber noch ist mir kein besserer eingefallen.

  9. Günther sagt:

    Es werden keine Manuskripte mit mehr als 60.000 Wörtern angenommen? Wie kommts? Viele Bücher (gerade im Fantasy-Bereich) haben nach 60k Wörtern doch noch nichtmal die Einleitung erzählt…

  10. Muriel sagt:

    @Günther: Wohlgemerkt Erstlingswerke. Dass King und Erikson und Konsalik auch öfter mal die 600.000-Wörter-Grenze knacken, hat damit nichts zu tun. Und um ganz vollständig zu sein: Wir sprachen über Thriller. Ob im SF-Genre andere Faustregeln gelten, weiß ich nicht, ist aber wohl durchaus plausibel.

  11. Harald sagt:

    @Muriel

    Danke für die Einladung zum Lesen. werde es jedenfalls mal versuchen, kann ja immer noch aufhören, wenn’s nix für mich ist.

    Und zu Deiner Aussage: … dass man nicht permanent auf den Marktanteil schielen muss.

    Wenn es echt was Gutes werden soll, dann muss es von innen kommen, muss es Spass machen. Nur wegen dem Marktanteil oder der Quote, ich denke das wird nix Richtiges. Sieht man doch im Fernsehen und im “Bestseller”-Markt. Die meisten Top-Bücher kann man sich wirklich nicht antun. (Ich frage mich immer wer das kauft.) >Oder ich bin dafür einfach schon zu alt (Alt wie die Braunkohle – keine werberelevante Zielgruppe mehr).

    Aber hier in den Blogs findet man so manche Perle, wie zum Beispiel „Menschenähnlich“. Erinnert mich irgendwie an Arkadi und Boris Strugazki (die ich gern gelesen habe) und auch an Stanisław Lem, der hatte auch immer so irre Geschichten drauf…
    Und ich denke, wenn dem Autoren das Schreiben Spass macht, dann macht dem Leser auch das Lesen Spass.

  12. Muriel sagt:

    @Harald: Ich gebe dir (was die Marktanteile betrifft) zwar Recht, aber ich finde nicht, dass das Eine zwangsläufig das Andere ausschließt. Ich kann mich ja entscheiden, mich auf ein Genre festzulegen, um meine Stammleser nicht zu verschrecken, und dann trotzdem mit Herzblut schreiben. Aber Bestseller lese ich auch nur selten, das sehe ich wie du.
    Von deinen genannten Autoren kenne ich nur Stanislaw Lem näher, und dessen Geschichten waren mir immer ein bisschen zu abgedreht (Ich habe aber auch nur zwei gelesen.). Natürlich bin ich dir für dein Lob aber trotzdem dankbar.
    Lass mich bitte unbedingt auch wissen, falls dir die neue Geschichte nicht gefällt. Ich will ja was lernen.

  13. Erst mal DANKE für die spannende Geschichte. Ich habe immer mitgelesen, auch wenn ich die letzten Male zu faul war, die Fragen zu beantworten. Haben zum Glück andere Leser besser als ich es könnte übernommen.

    Zu den Fragen. Früher mochte ich offene Enden gar nicht, das hat sich mit dem Alter geändert, ich komme damit jetzt besser klar, wenn es passt. Und hier passt es, man kann dann für sich selbst ein Ende zurechtphantasieren, das bringt ja auch Spaß. Vor allem lässt es die Möglichkeit einer Fortsetzung offen. Es sind ja noch viele Fragen offen, nicht nur in Bezug auf das Ende.

    Der Autokrat spielt wohl gern mal mit seinen Untergebenen, um zu gucken, wie sie reagieren. Das passt zu ihm. Ich hatte aber ein bisschen Angst um Larn. ;-)

    Jakes Verhalten passt, er war ja meistens so fröhlich-ironisch drauf.

    “Eine Riesenmenge Geld” finde ich als Titel interessant. Der Untertitel “Eine Liebesgeschichte” würde mich normalerweise skeptisch werden lassen, aber bei Dir rechne ich nicht mit einer rosarotflauschigenschmalzischmalzi Romanze, von daher werde ich da auch wieder mitlesen. Und in gewohnter Weise kommentierfaul sein. :-)

  14. Chlorine sagt:

    1. Puh, das Finale machte seinem Namen alle Ehre. Iliaias Kursiv-”Sterbe”-Szene war absolut grandios; würde sie gar als beste des Werks bezeichnen (und das, obwohl ich großer Fan deiner verschriftlichten Schlagabtausche bin). Wie einige meiner Mitstreiter schon schrieben, schreit das Ende förmlich nach einer Fortsetzung. Vielleicht bringst du sie zusammen mit Teil I als extended Edition heraus (hier die Möglichkeit, eine Riesenmenge Geld herauszuschlagen!). ;)

    2. Vom Autokraten hatte ich eigentlich erwartet, aufgrund der Befehlsverweigerung nach alter Tradition noch eine Runde Kekse zu spendieren. Hatte er wohl im Eifer des Gefechts im Palast liegen lassen.

    3. Schön, dass Kalon doch noch seinen Auftritt bekam. Das ihm vermittelte Wissen um die Gefahr heizte die Spannung enorm an.

    4. Zwei bis drei Schweißperlen hätten Jake schon recht gut zu Gesicht gestanden, aber diese Sprüche mussten einfach kommen.

    5. Hmm, der Titel riecht nach Goldgräberstimmung. Zunächst. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass die Handlung in einer Gesellschaft stattfindet, in welcher Zahlungsmittel nicht existieren (stattdessen Tauschhandel). „Eine Riesenmenge Geld“ ist eine Zutat aus einem Rezeptbuch und es geht schlicht und ergreifend um die Liebe zum Kochen. So jedenfalls würde ich Geschichten schreiben. ;)

    99. Wenn du das Buch irgendwann auf den Markt wirfst, bekommen nach einem Buchgeschenk suchende Stammleser doch ganz sicher einen Kommentartreue-Rabatt, richtig?

  15. Muriel sagt:

    @Fellmonsterchen: Bitte sehr, und danke fürs Mitlesen und die freundlichen Worte. Ich hoffe, die neue Geschichte sagt dir dann auch zu. Sie ist in gewisser Weise etwas konventioneller als die bisherigen.
    @Chlorine: 1. Interessanter Gedanke. Vielleicht kann ich noch ein paar 3D-animierte Walker mit einbauen, und die Weltraumschlachten komplett neu generieren…
    2. Das wäre wein Idee gewesen, dass er die Keksdose immder dabei hat… Nächstes Mal vielleicht.
    5. Goldgräber sind auch gut, aber die muss ich ein ander Mal schreiben.
    99. Mindestens.

  16. neglectable sagt:

    Cool. Makel: Leider schon zu Ende.
    Danke!

  17. Muriel sagt:

    @neglectable: Vielen Dank, ich freue mich, dass es dir gefallen hat.
    Grundsätzlich ist das natürlich ein Ende, das eine Fortsetzung nicht nur ermöglicht, sondern notwendig macht (weil es sonst ein echt schlechtes Ende wäre, und wehe, jemand sagt, dass es das auch so ist, das weiß ich nämlich selbst).
    Bis diese Fortsetzung kommt, kann es aber leider noch laaaange dauern.
    Vielleicht gefallen dir meine anderen Geschichten ja auch, obwohl dies bisher die einzige aus dem SF-Genre ist.

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