Una sancta

Spoilerwarnung! Dieser Beitrag ist nicht geeignet für Leser, die ihre Weihnachtsstimmung noch eine Weile beibehalten wollen und die befürchten, dass diese durch die Lektüre eines meiner antireligiösen Rants Schaden nehmen könnte.

VATICAN CITY, VATICAN - DECEMBER 24: Pope Benedict XVI attends the Christmas Eve Mass at St. Peter's Basilica on December 24, 2010 in Vatican City, Vatican. (Photo by Franco Origlia/Getty Images)

Manchmal, insbesondere im Urlaub, besichtigen Keoni und ich Kirchen. Und manchmal finden wir sie sehr schön und denken dann: Eigentlich wäre es doch eine nette Geste, hier jetzt was zu spenden, schließlich haben wir ja keinen Eintritt bezahlt und trotzdem ordentlich was zu sehen bekommen.

Aber dann denke ich wieder an so Fälle wie diesen:

Ein katholisches Krankenhaus in den USA führt einen Schwangerschaftsabbruch durch, der erforderlich ist, um das Leben der Mutter zu retten. Der örtlich zuständige Bischof erklärt daraufhin ein Mitglied des Ethikkommitees der Klinik für exkommuniziert und droht damit, die Unterstützung des Krankenhauses einzustellen. Die Konferenz der US-amerikanischen Bischöfe steht ihm bei.

Und dann denke ich doch wieder, dass ich diesen Laden schon ausreichend fördere, indem ich nicht mit faulem Obst werfe.

Und dann denke ich weiter, und irgendwann bin ich zuverlässig an einem Punkt, an dem ich einfach nur noch kopfschüttelnd neben Keoni herlaufe und mit mir ringe, um ihr nicht schon wieder mit der alten Leier in den Ohren zu liegen. Ich verstehe es aber auch einfach nicht: Da ist diese Organisation, die über Jahrzehnte hinweg Mitarbeiter hin und her geschoben hat, die Kinder vergewaltigt hatten. Das Oberhaupt dieser Organisation, das sich übrigens als Gottes Statthalter auf Erden ausgibt und hin und wieder Unfehlbarkeit für sich beansprucht, war darüber offenbar nicht nur informiert, sondern auch zumindest insofern beteiligt, als es andere schriftlich angewiesen hat, solche Angelegenheiten geheim zu halten. Und das ist nur eine der jüngeren Abscheulichkeiten, die die römisch-katholische Kirche begangen hat.

Hin und wieder verkündet dieser Statthalter Gottes von seinem Thron in seinem riesigen Palast aus, dass er es doof findet, dass so viele Leute an weltlichen Reichtümern hängen, und niemanden interessiert, was das Gewand gekostet hat, das er trägt, während er solche Weisheiten von sich gibt. Die anderen Botschaften dieser Leute sind nicht weniger absurd, zum Beispiel die körperliche Verwandlung von Oblaten und Wein in das Blut und das Fleisch ihres Gottes, die Sündhaftigkeit bestimmter freiwillig zwischen erwachsenen Menschen stattfindenden Sexualakten, das irgendwie manchmal vielleicht doch nicht ganz vollständige Verbot von Verhütungsmitteln sowie natürlich die ewige Verdammnis aller, die ihrem komischen Club nicht beitreten mögen.

Trotz all dem gilt diese erbärmliche Organisation nach wie vor als moralische Autorität, die zuverlässig um ihre Meinung gebeten wird, wenn ethische Regelungen gesucht werden. Wieso? Wenn ich was über fairen Umgang mit Minderheiten wissen will, gehe ich doch auch nicht zum Klan!

Und dieser erbärmliche Kasper, der ihr vorsteht, wird von unseren Medien noch immer so ernst genommen, dass sie jedes Jahr wieder voller Freude herauströten, er hätte seiner Stadt und dem Weltkreis seinen Segen erteilt, und was auch immer er und seine Schergen halt sonst noch so zu sagen hatten. In diesem Jahr haben sie uns vor den Risiken der Präimplantationsdiagnostik gewarnt. Danke.

Dazu kann man stehen, wie man will, das ist ein schwieriges Thema. Aber warum in aller Welt interessiert es jemanden, was ausgerechnet diese Leute dazu zu sagen haben, die schon qua Amt jeglichen Anspruch auf Moral und Seriosität verloren haben? (Am Rande: Da die katholische Kirche es nicht für nötig hält, sich in Bezug auf PID neue Argumente einfallen zu lassen, mache ich das genauso und verweise auf meinen letzten Artikel dazu.)

Warum kann ein Bischof in einer Podiumsdiskussion sitzen und voller Inbrunst davon erzählen, was sein unsichtbarer Freund von uns erwartet, ohne ausgelacht zu werden? Warum können diese Leute noch immer öffentlich ihre bizarren Karnevalreden schwingen und dafür Respekt und Gehorsam beanspruchen? Wo bleibt der Tusch? Was ist eigentlich los mit uns?

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6 Antworten zu Una sancta

  1. Guinan sagt:

    Ruhig, Brauner, gaaaanz ruuuhig :-)
    Es ist Weihnachten, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Trifft zwar nicht zu, tat es noch nie, aber man wird ja noch hoffen dürfen.
    Ein paar alte Männer haben vorsintflutliche Ansichten und die Macht, diese durchzusetzen. Ist nicht viel anders als in der Politik, und da geben wir (oder zumindest ich) die Hoffnung auch nicht auf, dass es doch noch irgendwann besser wird. Mag es auch noch ein paar Jahrhunderte dauern…

  2. Rehspeck! Ich bewundere Dich für diesen doch recht langen Text. Wenn ich versuche über die kathololische Kirche zu sprechen oder zu schreiben, komme ich stets nur bis “Dieser Verein ist so…” und verstumme dann aus Mangel an Worten, die meiner Abscheu auch nur ansatzweise Ausdruck verleihen können.

  3. Ron sagt:

    Ich hätte kein Problem für Kirchen zu spenden. Also für die Bauwerke an sich natürlich nur. Die Organisation bekommt ja nicht mal mehr meine Steuer …

    Weihnachten hatte ich mal wieder Gelegenheit mich als Aussenseiter und Fremdkörper zu fühlen – und es war gut! Ich komme jedes Mal nicht wieder aus dem Kopfschütteln raus, wenn ich wieder in einem (katholischen) Gottesdienst war und mir da die ganzen Rituale anschaue und das hanebüchene Zeugs anhören muss. Aber ok, es soll jeder nach seinem Gusto glücklich sein. Mich regt vielmehr der missionarische Auftrag auf. Lasst doch einfach alle Menschen in Ruhe (ganz besonders auch zum Beispiel mit dem schon im Text genannten Geschwafel über Moral und Ethik in allen Lebenslagen). Wie passt übrigens die Forderung nach Religionsfreiheit zur Mission?

  4. Muriel sagt:

    @Ron: Die Bischöfe werden zum Beispiel von deinen Steuern bezahlt. Und die Wohltätigkeit der Kirchen natürlich auch.
    Und davon abgesehen bin ich nicht überzeugt, dass die Spenden wirklich nur für die Bauwerke verwendet werden, aber das weiß ich nicht genau.
    Und was den Rest angeht… Hm.
    Nein, ich glaube nicht.
    Wenn Christen Recht hätten (und das glauben sie ja nun einmal), wären sie aus meiner Sicht ethisch verpflichtet, ihren Glauben zu verbreiten.
    Ich denke sogar, dass es für unsere Gesellschaft sehr wichtig und nützlich ist, dass ein stetiger öffentlicher Wettkampf der Ideen stattfindet und über die Wahrheit öffentlich diskutiert wird.
    Ich habe deshalb kein Problem mit Christen (Muslimen, Buddhisten, Scientologen…), die öffentlich ihren Glauben verbreiten wollen. Natürlich gibt es mehr und weniger angemessene Methoden dafür, aber grundsätzlich bin ich für Mission.
    Wäre ja auch komisch, sonst…

  5. Ron sagt:

    @Muriel: Was die monetäre Seite angeht wollte ich genau das sagen: ich zahle keine Kirchensteuer mehr, weil vor allem damit die Organisation bzw. das Unternehmen Kirche bezahlt wird. Technisch gesehen zahle ich natürlich keine Steuern mehr, weil ich aus tiefster Überzeugung aus der Kirche ausgetreten bin. Ich würde nur für das Bauwerk “Kirche” (oder Tempel, Schrein, Totempfahl …) spenden.

    Und was die Verbreitung des eigenen Glaubens angeht bin ich anderer Meinung. Mission im Sinne von “Ich informieren mal ganz unverbindlich über meinen Glauben sonst nichts” ist vielleicht noch ok. Wenn aber andere Menschen auf Teufel komm raus vom eigenen Glauben überzeugt werden sollen, dann bin ich entschieden dagegen (es sei denn, die Zielperson ist dafür offen).

    In unserer Gesellschaft mag der “Wettkampf der Ideen” ein öffentlich geführter, meist verbaler Diskurs sein. Anderswo auf der Welt sterben dafür Leute. Beide Ausprägungen entspringen aber dem gleichen Motiv.

  6. Muriel sagt:

    @Ron: Nur damit wir uns richtig verstehen: Du weißt aber, dass z.B. die Bischöfe und die kirchlichen Kindergärten aus dem Einkommensteueraufkommen bezahlt werden, oder?
    Was die Bekehrung angeht, wie gesagt, es gibt akzeptable und inakzeptable Wege, das zu machen.

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