Wie war das? Hat da jemand “Hitler” gesagt?

Der Vorschlag, an Flughäfen Passagiere unterschiedlich scharf zu kontrollieren, je nachdem, zu welcher Risikogruppe sie gehören, ist nicht neu. Schon vor vielen Monaten habe ich ihn in der NJW (Ihr wisst schon, die Juristenzeitschrift, die von 100% ihrer Leser gelesen wird.) gefunden, und auch wenn ich mich an die Einzelheiten des Artikels nicht erinnere, weiß ich noch, dass ich ihn prinzipiell überzeugend fand.

Rein sicherheitstechnisch leuchtet es ja auch ein: Terroranschläge werden (praktisch) nie von alten Damen mit Gehwagen verübt, und genauso wenig sprengen sich Mütter mit ihren Kindern in die Luft. Beides ist zwar entfernt denkbar, gehört aber wohl zum hinnehmbaren Restrisiko, das uns unser ganzes Leben lang begleitet. Wenn jemand durch ein Fenster im vierten Stock einbricht und dann zu Fuß flüchtet, fahnden Polizisten typischerweise auch nicht nach korpulenten 90jährigen Rentnern, und beidseitig Beinamputierte werden sie wahrscheinlich auch unbehelligt lassen. Das mag ein Fehler sein, weil der dicke Alte viel vitaler sein könnte, als er aussieht, und der Beinamputierte könnte seine Prothesen getragen haben, aber unsere Sicherheitsorgane verfügen nun einmal nur über begrenzte Ressourcen und müssen diese möglichst da einsetzen, wo der größte Nutzen zu erwarten ist. Die meisten Leute haben auch Verständnis dafür, dass die USA die Grenze nach Mexiko strenger überwachen als die nach Kanada, und werfen ihnen deshalb keinen Rassismus vor.

Um bei den obigen Beispielen zu bleiben: Die Einteilung in Risikogruppen hätte nicht nur Vorteile in Bezug auf die Sicherheit. Gerade für ältere Fluggäste und Mütter (oder Väter) mit Kindern sind die Sicherheitskontrollen oft eine erhebliche Belastung, und man kann wie gesagt ganz gut argumentieren, dass es sich dabei um eine unverhältnismäßige und unnötige Belastung handelt, die man ihnen ersparen sollte.

Was ich damit sagen will: Diskriminierung ist in meinen Augen grundsätzlich nur dann problematisch, wenn sie ohne sachliche Rechtfertigung erfolgt. Wenn ein Basketballteam nur Leute über 1,80m aufnimmt, ist das in Ordnung. Wenn ein Regisseur diskriminiert, indem er für die Rolle des Hamlet nur weiße Männer in Betracht zieht, muss er deshalb kein Rassist sein, und ein Sexist auch nicht.

Natürlich hat die Medaille auch noch eine andere Seite. Nicht erst seit den Anschlägen auf das World Trade Center herrscht in Europa, auch in Deutschland, ein kaum noch latent zu nennender Antiislamismus, und ich ertappe mich sogar selbst hin und wieder dabei, wie ich Sätze mit “Ich habe nichts gegen Muslime, aber” beginnen möchte. Es ergibt also Sinn, bei solchen Sicherheitsmaßnahmen auch an die Wirkung zu denken, die sie in der Öffentlichkeit entfalten. Es wäre aus mehreren offensichtlichen Gründen nicht geschickt, aus jeder Gruppe von Flugreisenden nur die Männer mit Bart und Turban herauszuwinken und den Rest einfach einsteigen zu lassen. Zwar schlägt das so extrem auch niemand vor, aber das Grundproblem bleibt: Durch die – noch so gut begründete – Benachteiligung einzelner Bevölkerungsgruppen laufen wir Gefahr, Ressentiments gegen diese Gruppen zu legitimieren und zu verstärken.

Es sprechen also durchaus überzeugende Argumente sowohl für als auch gegen das Profiling am Flughafen. Die Aufgabe einer freiheitlichen offenen Demokratie wäre nun, diese gegeneinander abzuwägen und die Sache vernünftig zu diskutieren. Glücklicherweise haben wir Politiker, die hier mit gutem Beispiel vorangehen, wie

Dieter Wiefelspütz (SPD): “Schreiben Sie bitte ruhig: Das ist Selektion am Flughafen – gerade in Deutschland wird es das nicht geben”, sagt er mit Hinweis auf die jüngere deutsche Geschichte.

Ruprecht Polenz: (CDU): “Der Vorschlag ist politisch dumm, sicherheitspolitisch gefährlich und verfassungswidrig” “Je schneller dieser Vorschlag in der Versenkung verschwindet, desto besser.”

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP): “Gezielte Differenzierungen nach Heimat und Herkunft bergen die Gefahr der Stigmatisierung” (Na gut, das geht eigentlich sogar noch, aber ich wollte nicht den Eindruck erwecken, ich würde die Liberalen bevorzugen.)

oder unseren Datenschutzbeauftragten Peter Schaar, der möglicherweise den Vogel abgeschossen hat, auch wenn er sich da mit Herrn Wiefelspütz sicher ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert: “Das wäre das Ende des freien Reiseverkehrs.”

Bloß gut, dass unsere Volksvertreter einen Vorschlag nicht einmal zu Ende hören müssen, um sofort in jedes verfügbare Mikrofon jodeln zu können, dass er nur einen Schritt von der Wiedereinführung gelber Sterne entfernt ist.

A propos: Israel nutzt diese Profiling-Methode und kommt damit anscheinend ganz gut zurecht. Andererseits muss ich wohl zugeben, dass Israel vielleicht auch kein Musterbeispiel für das friedliche Zusammenleben verschiedener Ethnien und Religionen ist…

[Weiterführender Hinweis: Rayson auch was ganz Gutes zu dem Thema geschrieben, das ich vorbehaltlos empfehlen kann, auch wenn wir uns aus religiösen Gründen persönlich gerade nicht so besonders lieb haben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.]

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37 Antworten zu Wie war das? Hat da jemand “Hitler” gesagt?

  1. Guinan sagt:

    “…Selektion am Flughafen…” / „Gezielte Differenzierungen nach Heimat und Herkunft bergen die Gefahr der Stigmatisierung“
    Der Zoll macht das doch schon immer so. Was ist denn der große Unterschied zwischen Ankunft und Abflug?

  2. Daniel sagt:

    Eine Argumentation pro Aufrüstung. Seit Jahrzehnten schon nennen die Verstandesmenschen das “Fortschritt”. Tja, wer die Wahl hat, hat eben meist auch den dickeren Katalog an Gläubigertiteln.

    Wozu überhaupt fliegen?

    Ist schon vernünftig, dass irgendwann nur noch Reiche und Doofe sich das Fliegen leisten. Dann werden halt durch aufwändigere Kontrollismen jedesmal wirklich alle wahren Verbrecher erfasst. Und besser für’s Klima wär’s ja auch. Weniger Flieger, mein’ ich.

  3. [...] Wie war das? Hat da jemand „Hiter“ gesagt, fragt sich Muriel nicht ganz zu Unrecht. [...]

  4. Israel ein Musterbeispiel? Sicher nicht bei den linken, wo das Land oft mit dem Dritten Reich vergleichen, und das nur, wenn sie nicht über Apartheid sprechen.

  5. Kein “wo”, sondern “die”… Falsche Sprache :)

  6. Muriel sagt:

    @Daniel: Tut mir Leid, ich verstehe deinen Kommentar nicht. Alles, was ich da herauslesen kann, ist, dass du offenbar reiche und doofe Menschen für Verbrecher hältst, Fliegen nicht so gut findest und dich nich nicht zu den Verstandesmenschen zählst. Der Zusammenhang zu meinem Beitrag erschließt sich mir aber leider nicht. Möchtest du das noch erläutern?
    @derteilzeitberliner: Ob nun links oder sonstwie, man muss schon eingestehen, dass das menschliche Zusammenleben in Israel besser laufen könnte, oder?
    Willkommen bei überschaubare Relevanz übrigens.

  7. Muriel sagt:

    @Guinan: Ach ja, dein Kommentar ist übrigens meiner neuen Selektionspolitik zum Opfer gefallen. Weibliche Bartender mit komischen Hüten und unklarer Herkunft werden hier jetzt als vernachlässigbares Risiko eingestuft und deshalb nachrangig behandelt.
    Ich weiß offen gestanden gar nicht, wie der Zoll vorgeht. Einmal wollten sie mich anhalten, weil ich alleine mit zwei großen Koffern unterwegs war, aber als ich ihnen sagte, dass Keoni irgendwo anders schon auf mich wartet, haben sie mich ziehen lassen.
    Wenn das bei der Abflugkontrolle auch so einfach wäre, würde sich wahrscheinlich niemand beschweren.

  8. ruediger sagt:

    Das Prinzip nennt sich doch wohl Rasterfahndung und wird seit Jahrzehnten schon angewendet, sicherlich ist die Kritik daran hier auch nicht immer unberechtigt. Gerade ein Raster kann durchaus helfen den Kreis der Verdächtigen im Vorgriff handfester Ermittlungen einzugrenzen. Doch wird hier immer repressiv gehandelt, inwieweit das Prinzip auch präventiv greifen könnte ist mir nicht klar.

    OT: Auch mir geht es so, dass ich ohne es zu wollen islamische Menschen sehr schnell in diese Ecke der “ich-will-mich-ins-Paradies-und-die 70-Jungfrauen-vögeln Bomber” stecke. Die Beweggründe von Terroristen sind nicht logisch erklärbar und immer verklärt. Auf der anderen Seite habe ich noch von keinem Christen gehört, der sich in Riad in die Luft gejagt hat. Doch wer weiß ob es nicht passieren würde, wenn der Klerus es den Verklärten glaubend machen könnte, er käme danach ins wirkliche Paradies und nicht wie jetzt in die Hölle (weil Selbstmord).

  9. Muriel sagt:

    @ruediger: Danke für deinen Kommentar, dem ich wie eigentlich immer kaum widersprechen kann.
    Ich erinnere mich an eine Episode der fantastischen Serie “The West Wing”, in der einer der Protagonisten mit einer Schülergruppe über Terror spricht. Er schreibt auf ein Flipchart:
    “Al-Qaida is to Islam as _______ is to Christianity.”
    Die Schüler versuchen ein paar Antworten, und die, die er am Ende aufschreibt, ist: KKK.
    Ich glaube, es hilft, sich gelegentlich dran zu erinnern, sogar, wenn man wie ich auch vom Christentum keine besonders gute Meinung hat.

  10. Daniel sagt:

    Hallo Muriel,

    naja, eigentlich weiß ich gar nicht, halten soll.

    Tut mir leid, ich habe mich bemüht, aber sonst keinen halbwegs sinnigen Gedanken mehr hinzuzufügen. In meinem vorigen Beitrag war wenigstens noch ein Hauch Sarkasmus drin. Fehlt mir jetzt völlig.

    Danke für die freundlichen Worte.

  11. Muriel sagt:

    @Daniel: Ja. Danke auch.

  12. Guinan sagt:

    @Muriel: Ey, Vorsicht, ja? – Mehrhuntertjährige El-Aurianerinnen sind nicht zu unterschätzen. Und was man unter solchen Hüten alles verstecken kann…
    Zoll: Du wirkst wahrscheinlich durch und durch harmlos. Dir glaubt man eben auf’s Wort. Aber hattest du noch nie den Eindruck, die “zufällige” Stichprobenauswahl in der Schlange sei doch sehr zielgerichtet?

  13. Muriel sagt:

    @Guinan: Komische Frisuren zum Beispiel.
    Was meine Harmlosigkeit angeht, bin ich nicht sicher, wie ich das als Kompliment interpretieren könnte, aber ich versuche einfach mal mein Bestes.
    Dass die Stichprobenauswahl nicht vollkommen zufällig erfolgt, klingt für mich sehr plausibel, aber ich kann nicht behaupten, dass ich schon einmal gesehen hätte, wie jemand ausgewählt wurde, außer mir selbst.

  14. Guinan sagt:

    Harmlos ist doch ein nettes Wort, oder? Und woher kennst du meine Frisur?
    Ich hab’s schon gelegentlich mitgekriegt, wie jemand herausgepickt wurde. Zufälligerweise immer zumindest optisch Nicht-EU-Bürger.

  15. Muriel sagt:

    @Guinan: Aus Jumping Jack Flash.
    Und beim Picken habe ich dann wohl einfach andere Erfahrungen als du. Ich bin zwar jetzt nicht blond und blauäugig, aber ich sehe jetzt auch nicht direkt aus wie aus Zaire.

  16. madove sagt:

    Guinan, ist schon klar, wenn mein Freund (kräftiger Südeuropäer mit dunklem Bart) und ich (Hippieklamotten, Dreadlocks) und meine Mutter (zierliche, gepflegte ältere Dame) irgendwo durchmüssen, verlaufen die Kontrollen auch jetzt genau wie erwartet, mein Freund wird komplett auseinandergenommen, ich gut gefilzt und meine Mutter geht lächelnd durch.
    Der entscheidende Unterschied zu dem neuen Vorschlag ist aber, daß man sich im Moment noch jedes Mal wieder darüber ärgern kann und daß alle Umstehenden sagen müssen: Ja, mensch, wie gemein, daß Dein Freund als einziger den Flieger fast verpaßt hat, dabei ist der doch so lieb, und nicht: Ja, ist doch klar, so als Ausländer (oder mit der komischen Frisur), was erwartest Du denn?
    Ich erwarte eine Unschuldsvermutung und eine Gleichbehandlung, bis mein _Verhalten_ etwas anderes rechtfertigt…

  17. derteilzeitberliner sagt:

    @Muriel

    “Ob nun links oder sonstwie, man muss schon eingestehen, dass das menschliche Zusammenleben in Israel besser laufen könnte, oder?”

    Klar. Aber wenn Leute Vergleich mit Apartheid Südafrika oder dem Dritten Reich machen, dann bin ich nicht mehr dabei.

  18. scepticmaniac sagt:

    Ich muss zwei Einsprüche machen. Die Idee, am die Arbeit am Flughafen den Beamten und nicht der Political correctness zu überlassen, ist richtig und führt zu effektiverer Verbrechensbekämpfung. Soweit ist der Artikel sehr gelungen.
    Zwei Hinweise, die so gar nicht dazupassen, stören mich aber:

    1) Der “Antislamismus” (oder “Islamophobie”): Den gibt es so einfach nicht! Nirgenwo werden muslimische Warten boykottiert oder Moscheen von Andersgläubigen in die Luft gesprengt, noch gibt es Pogrome gegen Muslime. Da ein zu großer Teil der Anhänger (nicht alle!) gewaltaffin ist, muss man hier eben schärfer vorgehen. Wenn plötzlich hünenhafte Schweden aufgrund ihres nordischen Götterglaubens bevorzugt Attentate begehen, werden diese ben stärker kontrolliert, fertig. Das hat nichts mit Feindseligkeit gegenüber dem Islam zu tun.

    2)Die israelische Flughafenkontrolle ist ein Musterbeispiel an Perfektion. Die “zwischenmenschlichen Differnezen” beruhen zum Großteil darauf, dass die gesamte arabische Nachbarschaft inklusive der Palästinser tagtägliche nach der Auslöschung des Judenstaates trachtet.

    Aber, wie gesagt, sonst gelungener Artikel.

  19. Muriel sagt:

    @scepticmaniac: Danke für dein Lob und willkommen bei überschaubare Relevanz.
    1) Es gibt, wie hier in den Kommentaren schon dargestellt, eben einen Unterschied zwischen Islam und islamischem Extremismus. Dass stärkere Kontrollen keine Islamfeindlichkeit belegen, ist ja auch meine Meinung, aber sie existiert trotzdem, zumindest hier in meinem Umfeld, und wenn dir ein kleines Beispiel genügt, kannst du sie auch bei PI ganz gut nachlesen. Je nachdem, welche Kriterien man anlegt, sehe ich durchaus die Gefahr, diese Ressentiments durch Profiling am Flughafen und sonstwo zu legitimieren und zu verstärken.
    2) Mag sein. Ich wollte auch nicht behaupten, dass die Kontrollen Schuld am Streit zwischen Israelis und Palästinensern wären. Trotzdem würde ich gern dabei bleiben, dass der Staat Israel insgesamt eher kein Musterbeispiel für einen freiheitlichen Rechtsstaat ist, wie wir ihn uns wünschen würden.

  20. scepticmaniac sagt:

    So, dann setze ich mich mal zur Wehr:-)

    Zu 1)
    Es gibt sicher immer einige Unbelehrbare, die Ausländer, oder speziell Moslems, generell ablehnen. Ich denke aber, das durch das Profiling niemand in diese Ecke gerät. Ansonsten neigen viele Muslime gern zum chronischen Beleidigtsein, anstatt die Schuld dafür mal in den eigenen Reihen zu suchen. Das geht dann soweit, dass “Islamophobie” das gleiche sein soll wie Antisemitismus.

    Zu 2)
    Für mich ist Israel schon ein Musterbeispiel einer funktionierenden Demokratie, fast so gelungen wie die USA. Vielleicht lässt es sich in Deutschland angenehmer leben, weil wir nicht ständig bedroht werden und uns deshalb dieses “Toleranz gegenüber allem” – Gehabe erlauben können. Zur Rechtslage in Israel:
    - einziger Staat im Nahen Osten, in dem man Religionsfreioheit genießt
    -einzige Staat dort, in dem Homosexualität (und jede andere Form der Sexualität) legal ist
    -einziger Staatim Nahen Osten, in dem es Meinungsfreiheit, Menschenrechte und alle anderen demokratischen Grundprinzipen gibt
    Mehr dazu hier: http://markhumphrys.com/israel.defence.html (englisch)

    Grüße und schönen Jahreswechsel!

  21. Muriel sagt:

    @madove: Ich verstehe deinen Einwand sehr gut, möchte aber zweierlei zu bedenken geben:
    Erstens ist das, was du schilderst, eben nicht unbedingt das Ergebnis eines systematischen Profilings, sondern nur der persönlichen Vorurteile der handelnden Beamten.
    Zweitens ist es aus meiner Sicht keine Frage, ob wir diskriminieren, sondern eher wie. Es gibt nun einmal sinnvolle Möglichkeiten, den Kreis der Verdächtigen einzuschränken. Wenn die Polizei einen Vergewaltiger sucht, sollte sie dann Frauen genauso gründlich prüfen wie Männer, einfach nur der Gerechtigkeit halber?
    @scepticmaniac: Ich glaube, unser Zustand hier lässt sich am treffendsten mit dem englischen Begriff “in violent agreement” beschreiben, für den ich leider keine auch nur halbwegs gute deutsche Entsprechung kenne.
    1. Im Prinzip gebe ich dir Recht, und vielleicht sind es nur unterschiedliche individuelle Erfahrungen (Bin, Skeptiker hin oder her, gerade zu faul, eine intersubjektive Datenbasis finden zu wollen), aber mein Eindruck geht schon dahin, dass es eine Menge Armleuchter gibt, die in jeder Frau mit Kopftuch (oder sogar – möge Gott uns allen gnädig sein – in Burka) gleich eine Fundamentalistin sehen, die sofort ausgewiesen und mindestens ausgegrenzt gehört. Eine Selektion, die nur oder schwerpunktmäßig auf die Religionszugehörigkeit der Passagiere fußt, halte ich nicht nur vor diesem Hintergrund auch für bedenklich und außerdem für nicht besonders sinnvoll. Ich weiß, dass die so auch niemand vorschlägt, aber ich halte es auch schon für wichtig, den Anschein zu vermeiden, dass der Staat Muslime generell für Terroristen hält.
    Mehr wollte ich gar nicht sagen.
    2) Klar, verglichen mit anderen Staaten dort ist Israel toll. Aber verglichen mit dem fundamentalistischen Islam und dem Vatikan finde ich auch die evangelischen Kirchen toll. Ich bin sicher, dass du noch zahlreiche weitere schöne Dinge über Israel aufzählen könntest, aber das ändert doch nichts daran, dass es auch einige schwerwiegende Probleme gibt, auch wenn die aus der Situation heraus noch so verständlich sein mögen.
    Einen Staat, der meines Wissens immer noch regelmäßig Folter anwendet, mag ich nicht als Musterbeispiel bezeichnen, und die Siedlungspolitik zum Beispiel halte ich, vorsichtig formuliert, auch für eher ungeschickt.

  22. scepticmaniac sagt:

    “Violent Agreement” triffts wohl ganz gut. Auch wenn ich nicht die Gefahr der Muslim – Dämonisierung sehe. Und ich nach wie vor der Meinung bin, dass Israel durchaus Vorbild für die Bundesrepublik sein kann. Passt jetzt aber thematisch nicht so dazu, deswegen würde ich die Diskussion hier mal stoppen :-)

  23. @ Muriel
    Burkaträgerinnen grenzen sich in Deutschland freiwillig selber aus oder werden von Angehörigen zur Ausgrenzung gezwungen. Ebenso wie sich Bikiniträgerinnen in Riad selber ausgrenzen. Das kann man gut finden oder nicht, deshalb ist aber niemand ein Armleuchter, der das so empfindet.

  24. Muriel sagt:

    @Daniel Drungels: Da kannst du durchaus Recht haben, aber falls du damit meinem letzten Kommentar widersprechen wolltest, sehe ich dein Argument nicht.

  25. War lediglich eine Feststellung, weil mich diese Verdrehung von Ursache und Wirkung stört(e).

  26. Muriel sagt:

    Wo habe ich irgendwas verdreht? Ich kenne Menschen, die es für angemessen halten, Frauen abfällig zu behandeln, die eine Burka tragen. Es ist nicht lange her, dass drüben bei B.L.O.G. Eine Diskussion stattfand, in der die Mehrzahl der Kommentatoren dem zustimmte. Solche Menschen sind in meinen Augen bornierte Armleuchter. Ob und wie diese Frauen sich durch die Wahl ihrer Kleidung selbst ausgrenzen, ist eine völlig andere Frage.

  27. Sehe ich anders. Wer sich freiwillig ausgrenzt, sollte sich nicht darüber beschweren, dass andere Leute ihn ausgrenzen. Wäre auch ziemlich inkonsequent. Das ist diese Punkerlogik. Ich ziehe mir Springer und ‘ne Lederkutte an, färb mir den Iro grün und beschwer mich dann, dass ich den Job am Bankschalter nicht bekomme. Scheiß System und so.

    Dass es bornierte Armleuchter gibt, will ich nicht bestreiten. Vermutlich sind diese bornierten Armleuchter schon vor dem Anblick einer Burka bornierte Armleuchter gewesen. Hier würde ich keinen Kausalzusammenhang konstruieren wollen. Aber selbst diese Armleuchter brauchen einen Anlass zum Pöbeln und diskrimieren. Und diesen Anlass kann man ihnen geben oder nicht. Ein unschöner Umstand, ich weiß.

    Ich denke aber auch, dass die Burkaträgerinnendiskriminierung ein zu vernachlässigendes Phänomen ist.

  28. Muriel sagt:

    @Daniel Drungels: Vielleicht ist es ein bisschen kindisch von mir, jetzt nicht einfach zu antworten: Ja, deswegen habe ich es ja – zusammen mit den Kopftüchern – nur als ein Beispiel aufgeführt für ein Phänomen, das man in Anbetracht des Schweizer Minarettverbotes und der Diskussion darum auch hier in Deutschland wohl kaum ernsthaft leugnen kann.
    Aber die anderen Punkte sind mir irgendwie auch wichtig:

    Wer sich freiwillig ausgrenzt, sollte sich nicht darüber beschweren, dass andere Leute ihn ausgrenzen.

    Nun ist “ausgrenzen” ein sehr unscharfer Begriff, aber zumindest so weit mag ich mich aus dem Fenster lehnen, auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wer Leute abfällig behandelt, weil sie sich nicht ausreichend an gesellschaftliche Konventionen anpassen, ist (in aller Regel, ich will das nicht für jeden denkbaren Fall behaupten) einfach ein bornierter Arsch.
    Kleidungsvorschriften für einen Job mit Kundenkontakt ergeben Sinn, sicher. Aber wer meint, diese Analogie würde es rechtfertigen, Leuten aufgrund ihrer Kleidung kein Eis zu verkaufen oder sonstwie die Interaktion mit ihnen zu verweigern, hat so manches nicht verstanden. (Ja, der bei B.L.O.G. diskutierte Fall war erfunden, das spielt aber überhaupt keine Rolle.)

    Vermutlich sind diese bornierten Armleuchter schon vor dem Anblick einer Burka bornierte Armleuchter gewesen. Hier würde ich keinen Kausalzusammenhang konstruieren wollen.

    Wer würde das denn wollen? Ich habe nicht gesagt, dass die Burka sie dazu macht. Man erkennt sie eben daran.

    Aber selbst diese Armleuchter brauchen einen Anlass zum Pöbeln und diskrimieren. Und diesen Anlass kann man ihnen geben oder nicht. Ein unschöner Umstand, ich weiß.

    Und inwiefern ist das jetzt ein anderes Argument als “Schwule sind ja okay, aber sie müssen es schließlich nicht offen zeigen”?
    Ich glaube, dich gut genug zu kennen, um zu wissen, dass du es nicht so meinst, aber dennoch stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich so einen Spruch lese. Wer diskriminiert und bepöbelt wird, weil er sich nicht genug anpasst, ist selber Schuld, denn er könnte sich ja schließlich anpassen?
    Niemals.

  29. [...] Artikel stoße, verlege ich Teile davon schon gerne mal nach hier, um darauf aufmerksam zu machen. Einer davon stammt von dem Blogger Muriel (hallo!), der diese Kriterien wunderbar erfüllt. Deswegen legen wir [...]

  30. @ Muriel
    Sorry, hatte die Baustelle hatte ich vergessen.

    Vielleicht meine ich aber gerade das. Jemanden zu aufgrund einer Eigenschaft (Hautfarbe, Hakennase, dritte Brust) zu diskriminieren, geht gar nicht. Einverstanden. Aber ein Outfit kann man ein- und ausziehen, da ist jeder selber schuld, wenn er dauerhaft aneckt. Ich trage seit Ewigkeiten Baggypants und weite Joggingpeitschen. Ein entsprechendes Etikett wird mir oft auch angehängt. Das ist natürlich unschön und selbstverständlich kann ich nichts für die Borniertheit der Menschen. Andererseits könnte ich mir auch ne modische Karotte kaufen, wenn’s mich zu sehr belastet.

  31. Muriel sagt:

    @Daniel Drungels: Kein Problem, kommt vor.
    Ich sehe aber nicht, wie dein neuer Kommentar etwas ändert. Ja, man kann Kleidung wechseln.
    Man kann auch entscheiden, ob man seine Homosexualität auslebt, und ob man es offen tut oder heimlich.
    Und?

  32. Was und? Ich kann Heteros nicht mit dem bloßen Auge erkennen. Du?

  33. Muriel sagt:

    @Daniel Drungels: Irgendwie verpassen wir uns gerade. Genau das ist doch mein Punkt. Oder meine Frage. Vielleicht anders: Was wolltest du mir mit deinem letzten Kommentar sagen? Was ist dein Standpunkt?

  34. whynotveroni sagt:

    @Daniel: Naja, bei den angedachten Risikogruppeneinteilungen ginge es aber nicht um eine Einteilung nach Modegeschmack oder Frisur, sondern nach ethnischer und/oder nationaler Herkunft. Und das ist etwas, das gar nicht oder nur schwer zu aendern ist.

    Ich finde es aus Sicht der Kontrollierenden durchaus nachvollziehbar. Leider ist eine gewisse Benachteiligung (mehr Generve beim Fliegen, hoehere Wahrscheinlichkeit, zu unrecht verdaechtigt und festgehalten zu werden) dabei dann nicht auszuschliessen. Moechte nicht in der Haut der Leute stecken, die das entscheiden muessen…

    @Muriel: Dein Beispiel (Homosexualitaet) war glaub ich nicht so geeignet. Ethnische Herkunft/Aussehen ist da glaub ich das bessere…

  35. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Naja. Dass Diskriminierung nach solchen Kriterien nicht akzeptabel ist, hat Daniel doch aber schon eingeräumt.
    Mir geht es um seine Bemerkung:

    “Wer sich freiwillig ausgrenzt, sollte sich nicht darüber beschweren, dass andere Leute ihn ausgrenzen.”

    Ich gehe wohl zu, dass Homosexualität nur halb passt, weil man keinen Einfluss darauf hat, aber man kann es nach außen zeigen oder nicht, man kann es ausleben oder nicht, genau wie man als Muslima die Burka tragen kann oder nicht.

  36. freiheitistunteilbar sagt:

    Der Vergleich mit der Rasterfandung ist haltlos, da es sich nicht um eine zeitlich begrenzte, gezielte Operation handelt, stattdessen ein Generalverdacht einer bestimmten Personengruppe entsteht, wodurch statt mehr Scheinsicherheit, der Sicherheitsgewinn endenwollend sein wird, u. A. auch deshalb Da es nicht nur muselmannische Terroristen gibt – was nicht lediglich ein vertretbares Restrisiko darstellt.

    Dem Mangel an Personal ließe sich durch Effizienzsteigerung un Automatisierung begegnen.

    Das Sicherheitsrisiko wird nicht verringert, sondern verlagert, vom Flugzeug auf die Schiene o. ä.

  37. [...] Das Thema Racial (oder sonstiges) Profiling hatten wir ja eigentlich schon mal. Und eigentlich habe ich meiner damaligen Stellungnahme auch nichts hinzuzufügen, aber aus aktuellem Anlass erinnere ich noch mal daran und ergänze sie ein bisschen. Der aktuelle Anlass ist eine Entscheidung des OVG Rheinland-Pfalz, oder eigentlich zwei Blogartikel zu dieser Entscheidung, denn die Entscheidung selbst gibt so gut wie gar nichts her. A propos. [...]

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