Genau wie wir

30. Januar 2011

Ich glaube, ich habe es schon ein paar Mal hier erwähnt. Ich bin nicht besonders stolz darauf, aber ich sehe keinen Grund, es geheim zu halten. Ich bin immer offen zu euch, und für diese Sache mache ich keine Ausnahme, auch wenn ich mich dafür schäme: Früher mochte ich Star Trek sehr gerne.

Nicht die klassische Serie, die war mir immer zu… alt. Aber Next Generation habe ich sehr gerne und regelmäßig gesehen, und Deep Space Nine war in vieler Hinsicht noch besser. Bei Voyager war dann Schluss, ich habe auch meinen Stolz. Gütiger Gott, wenn ich nur an diese grauenvolle Stimme denke, und Neelix…

Vergessen wir Voyager. Warum erzähle ich euch das alles? Weil ich über ein Klischee sprechen will, das wir in Star Trek vielleicht am deutlichsten und zuverlässigsten beobachten können, das aber nahezu in jeder Geschichte anzutreffen ist, in der nichtmenschliche Charaktere auftreten:

Sie sind genau wie wir.

Egal, ob sie komische Ohren haben, oder Beulen auf der Stirn, grünes Blut oder Kiemen am Hals, ob sie künstliche Lebewesen sind wie Data,  Hologramme oder allmächtige Energiewesen wie die Q: Sie sind im Grunde alle vollkommen menschlich. Sie lieben, sie hassen, sie wollen überleben, sie wollen Macht, und sie sind beleidigt, wenn jemand sie schlecht behandelt. Natürlich nicht immer alles davon, aber in den Grundzügen ist es eigentlich immer erkennbar. Und wenn sie in irgendeinem Aspekt nicht so sind wie wir, wären sie es gerne (Data).

Es hat mich oft sehr geärgert, und das nicht nur aus dramaturgischen Gründen.

Ich erkenne an, dass eine gute Absicht dahintersteckt. Die Autoren wollen uns eine Botschaft vermitteln, die eigentlich sehr lobenswert ist: Auch wenn jemand ein bisschen anders aussieht als wir, sollten wir ihn so behandeln, wie wir auch gerne behandelt werden möchten. Auch wer eine andere Hautfarbe hat, ist ein Mensch wie wir. Das ist keine schlechte Botschaft. Aber sie ist nicht wahr.

Kurzer Rant-Exkurs: Und was, in drei Teufels Namen, denken sich die Autoren eigentlich bei dieser widerwärtigen, rassistischen, abartigen, perversen, beleidigenden, rundum lächerlichen Idee, dass immer alle männlichen Wesen fremder Rassen total auf menschliche Frauen stehen, während diese sie naheliegenderweise ziemlich abstoßend finden. Stichwort Ferengi. Hallo, Freunde, für einen Ferengi sind wir genauso hässlich wie die für uns! Seid ihr wirklich so beschränkt, dass es jenseits eurer Vorstellungskraft ist, dass irgendwo da draußen eine Rasse lebt, die uns nicht für das beste hält, was dem Universum passieren konnte?

So. Jetzt geht’s wieder. Zurück zum eigentlichen Thema:

Diese Botschaft allgemeiner Gleichheit, so nett sie gemeint sein dürfte, verstellt uns den Blick darauf, dass unsere Emotionen und unsere Menschlichkeit (Ich benutze diesen Begriff hier mal zur Vereinfachung in der Hoffnung, dass ihr wisst, was ich meine.) nicht eine zwangsläufige Folge oder Voraussetzung von Intelligenz und Bewusstsein sind. Sie sind eine Folge unserer Entwicklung durch Evolution.

Wir lieben, weil das für unsere Fortpflanzung wichtig ist. Wir hassen, weil wir soziale Lebewesen sind und es deshalb Sinn ergibt, dass sozialschädliches Verhalten wie Mord und Raub Sanktionen nach sich zieht. Wir wollen überleben, weil wir sonst unsere Gene nicht weitergeben können. Und so weiter. Natürlich stark vereinfacht, aber im Prinzip dürfte das der evolutionäre Hintergrund unserer Emotionen sein.

Ein Lebewesen wie ein Q ist mutmaßlich nicht durch einen solchen Evolutionsprozess entstanden und hat deshalb keinen Grund, so zu empfinden. Eine Künstliche Intelligenz hat keinen Grund, einen Selbsterhaltungstrieb zu entwickeln, wenn keiner in ihm vorgesehen ist. Und verdammt noch mal, ein Ferengi wird menschliche Frauen nicht attraktiv finden, sondern unsere mickrigen Ohren, unsere langweilig geformten Schädel, unsere glatten Nasen und unsere Wiederkäuerzähne als abstoßend ansehen.

Nun bin ich der letzte, der von Fiktion erwartet, dass sie stets realistisch ist. Wenn ich Realität will, muss ich keine Geschichten lesen. Aber wenn ein dummes Klischee mit tödlicher Sicherheit immer wieder und wieder wiederholt wird, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass es nicht dramaturgischen Erwägungen entspringt, sondern schlichter Ideenlosigkeit.

Hinzu kommt, dass dieses spezielle Klischee bei vielen Menschen auch als Erwartung für das wirkliche Leben besteht. Echte Künstliche Intelligenz ist zurzeit noch nicht in Sicht, aber wenn man mal ernsthaft mit Leuten drüber redet, hört man nicht selten die ernsthafte Befürchtung, dass die Maschinen sich irgendwann gegen uns wenden könnten. Ein etwas akuteres Beispiel finden wir in der vermenschlichenden Art, in der viele Leute mit Tieren umgehen, mit Pflanzen, oder sogar mit Gegenständen und natürlichen Prozessen, denen wir menschliche Emotionen und Absichten unterstellen. (“Mein Hund versteht alles, was ich sage.” “Die Natur schlägt zurück.” “Auch Pflanzen brauchen Liebe.” “Homosexualität ist falsch, weil wir für heterosexuelle Paarungen geschaffen wurden.”)

Hier kommen wir jetzt zugegebenermaßen in einen Grenzbereich, in dem sich dieser Form der irrtümlichen Vermenschlichung mit anderen Aberglauben und Vorurteilen vermischt, aber ich will darauf hinaus, dass wir nicht unbedingt warten müssen, bis uns tatsächlich mal eine außerirdische Lebensform begegnet, um schädliche Auswirkungen unserer Tendenz zu finden, unser eigenes Denken und Empfinden auf alles um uns herum zu projizieren, auch wenn es offensichtlich nicht gerechtfertigt ist.

Ich würde es deshalb sehr begrüßen, wenn auch fiktive Geschichten uns öfter darauf aufmerksam machen würden, dass andere Lebewesen eben nicht zwangsläufig so sind wie wir, sondern durchaus auf faszinierende oder auch ganz erschreckende Weise völlig anders sein können. Von Pflanzen, Computern und Naturphänomenen ganz zu schweigen.

Ferengis stehen nicht auf uns. Findet euch damit ab.


Frauen in Männerkörpern

28. Januar 2011

Max Steinbeis vom Verfassungsblog berichtet von einem Beschluss des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts, der knapp zusammengefasst besagt, dass eine Ehe (beispielsweise) zwischen einem Mann und einem anderen Mann, der sich als Frau empfindet, möglich zu sein hat, ohne dass einer von ihnen operativ sein biologisches Geschlecht ändern muss, und dass deshalb die personenstandsrechtliche Umschreibung des Geschlechts auch ohne Operation möglich sein muss.

Ich begrüße diese Entscheidung grundsätzlich und habe kein Problem mit Leuten, die sich mit ihrem Geschlecht unwohl fühlen und es deshalb ändern wollen. Aber in Steinbeis’ Artikel kommt eine Formulierung vor, mit der ich nicht einverstanden bin, und die mir in dem Zusammenhang immer wieder auffällt:

Frauen mit männlichen Geschlechtsorganen müssen Frauen sein dürfen.

Ich stimme dem wie gesagt in vieler Hinsicht zu, aber einen wesentlichen Einwand habe ich doch:

Jemand mit männlichen Geschlechtsorganen ist ein Mann.

Ich habe kein Problem damit, ihn als Frau anzusprechen und zu behandeln, wenn er das möchte, und ich finde sowieso, dass jeder und jede gerne jeden und jede heiraten darf und überhaupt dass es niemanden außer den Beteiligten was angeht, wie Menschen sich paaren.

Aber das Konzept von der “Frau im männlichen Körper” ergibt für mich keinen Sinn, auch wenn ich es als Metapher natürlich gut verstehe. Wenn es um Tatsachenfragen geht, oder um die offizielle Einordnung des Geschlechts (z.B. im Personalausweis), dann arbeiten wir aus gutem Grund nicht mit Metaphern.

Wir stecken nicht in unseren Körpern. Wir sind unsere Körper. Und wenn ich nun einmal in einem männlichen Körper stecke (Das war jetzt eine Metapher.), dann bin ich ein Mann. Ich bin keine Frau, auch wenn ich noch so sehr wie eine Frau empfinde (Kann man das überhaupt? Soweit ich weiß, haben die Gelehrten sich da noch nicht ganz geeinigt.) und mir noch so sehr wünsche, eine zu sein.

Und da bin ich dann auch mit dem BVerfG und Herrn Steinbeis verschiedener Meinung: Ich finde nicht, dass Menschen in dieser Situation zwangsläufig einen Anspruch darauf haben, personenstandsrechtlich oder sonstwie in staatlichen Registern als Frauen geführt zu werden. Wenn es keine Rolle spielt, ob ich ein Mann oder eine Frau bin, dann sollte der Staat diese Information über mich gar nicht erheben und irgendwo speichern. Wenn es doch eine Rolle spielt (zum Beispiel bei der Identifikation), dann sollte er diese Information korrekt erheben.

Ich kann doch auch nicht sagen, dass ich ein rothaariger Mann mit schwarzen Haaren bin, oder ein 1,93m großer Mann in einem Körper, der leider nur 1,76m groß ist. Wenn ich rote Haare will, muss ich sie mir färben. Wenn ich groß werden will, muss ich immer artig mein Gemüse essen. Und wenn ich eine Frau sein will, muss ich mich operieren lassen. Bei aller Sympathie für die Probleme und Wünsche Transsexueller: Tatsachen bleiben Tatsachen.


Gefallen (2)

28. Januar 2011

Das zweite Kapitel, und bisher gelingt es ziemlich gut, den Wochenrhythmus einzuhalten. Ich habe mich ja nun schon dran gewöhnt, und Gefallen schreibt sich eigentlich auch sehr angenehm. Ich hoffe, dass euch das beim Lesen auch so geht.

Viel Vergnügen, und schönes Wochenende!

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Taschentuch?

26. Januar 2011

Warum kann eigentlich nicht einmal ein Skandal bei der Bundeswehr stattfinden, ohne dass Leute sich künstlich über Dinge aufregen, die auch jemand als Nichtigkeiten erkennen müsste, der niemals Soldat war?

“Minderwertiges Menschenmaterial” soll der Kapitän also seine Besatzung genannt haben. Uiuiui, wenn das mal keine bleibenden Schäden hinterlassen hat. Ist das psychologische Krisenbetreuungsteam schon vor Ort?

Seeleute, die sich im Hafen betrinken? Der Weltuntergang kann nicht mehr weit sein.

Oder damals 2006, als ein paar Schwachköpfe in Afghanistan Fotos mit Totenschädeln gemacht haben. Da saß ich mal gute zehn Minuten an einem Tisch mit zwei Familienangehörigen, die völlig erschüttert darüber sprachen, wie verroht und unmenschlich man eigentlich sein muss, um sowas zu tun. Und ich war die ganze Zeit über so kurz davor, aufzuspringen und zu fragen, wie borniert und und kleinlich man eigentlich sein muss, um solche dämlichen Scherze für den Gipfel der Unmenschlichkeit zu halten. Ich jedenfalls würde mir unter geeigneten Umständen die gleiche Idiotie auch selbst zutrauen.

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich hätte es auch lieber, wenn alle Menschen immer fair miteinander umgingen, wenn niemand Drogen missbrauchen würde und alle immer Respekt vor den Gefühlen ihrer Mitmenschen hätten. Naja, jetzt, da ich noch mal drüber nachdenke, vielleicht hätte ich das doch nicht lieber. Hm. Aber jedenfalls will ich nicht leugnen, dass das nicht schön ist, worüber berichtet wird. Und natürlich ist der Tod der beiden Soldaten eine völlig andere Kategorie als dieser andere Kinderkram und gehört gründlich untersucht.

Aber wer wirklich behauptet, von Saufgelagen, harten Worten und geschmacklosen Witzen in der Bundeswehr entsetzt zu sein, muss sich in meinen Augen entscheiden, ob er ein Heuchler ist, oder beschränkt, oder beides.

[Nachtrag: Oh. Ich sehe gerade, dass Neues aus Westsibirien mir schon zuvorgekommen ist, wenn auch etwas kompakter im Ausdruck.]


George, you can type this shit, but you sure as hell can’t say it

24. Januar 2011

Mich würde mal eure Meinung interessieren, einfach so auf die Schnelle, ganz unverbindlich und subjektiv. Ich fürchte, ihr seid alle ein bisschen voreingenommen und nicht repräsentativ, schließlich lest ihr dieses Blog, aber vielleicht heißt das gar nichts. Also los:

In Geschichten lese und schreibe ich gerne halbwegs natürliche Dialoge, in denen so Abschnitte vorkommen wie “Ähh… hm… Was?” oder “Naja, pff… Keine Ahnung.”

Sachen, die Leute auch wirklich sagen.

Meine Lektorin markiert mir solche extremen Beispiele und ermahnt mich, dass meine Dialoge literarischer werden müssen. Ich weiß, dass sie da in gewisser Weise Recht hat, aber auf der anderen Seite lese ich gerade ein ziemlich abschreckendes Gegenextrem, und nun komme ich langsam zur Sache.

Geoffrey Cousins “The Butcherbird” ist ein durchaus gelungener australischer Wirtschaftsthriller, der mir bisher (nach zwei Dritteln) eigentlich gut gefällt. Aber es ist diese Art Roman, in der Leute sich treffen und dann solche Sachen sagen wie:

[Als der Protagonist, beruflich Architekt, von einem Bootsausflug zurückkehrt, sagte seine Frau zu ihm:] “So, the great sailor returns from life on the high seas. Didst thou conquer the waves? Didst thou haul on mighty hawsers and splice the main brace? And hast thou returned to thy safe port and the bosom of a soft woman?”

Oder:

[Der Sohn eines Freundes des Protagonisten wurde verprügelt, und sein stolzer Vater sagt in trauter Männerrunde in einer Bar zu den anderen:] “My son. Yes, gentlemen, the fruit of my loins, my only son, Gordy – rugby player, drinker, rooter – all fifteen stone of muscle and meat, beaten, bleeding. Shirt torn. The shirt his mother gave him for Christmas, five years ago admittedly, but ripped, covered in blood. Gordy, my son. I ask you, gentlemen – who would dare lay a finger on my son and expect a happy life?”

Oder Stieg Larsson. Der hat ja offenbar auch irgendwas richtig gemacht, dem Verkaufserfolg nach. Aber er schreibt Dialoge wie diesen hier:

“Du bist Journalist, also betrachte alles, was jetzt kommt, als off the record.“

„Jetzt mach mal halblang! Du kannst mir nicht solche Sachen erzählen und hinterher damit ankommen, dass ich nichts davon weitergeben darf.“

„Und ob ich das kann. […] Über den Rest der Story […] kannst du gerne was schreiben, aber du musst mich als anonyme Quelle behandeln.“

„Aha. Aber in der gängigen Terminologie bedeutet off the record, dass man mir im Vertrauen etwas erzählt, ich aber nichts drüber schreiben darf.“

Für mich können solche Dialoge einen Roman völlig zerstören. Sie reißen mich komplett raus, weil ich beim Lesen immer versuche mir vorzustellen, wie jemand so etwas wirklich sagt – und dabei spektakulär Schiffbruch erleide.

Und das ist im Grunde schon meine Frage. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich will jetzt nicht hören, wie toll ihr meine Dialoge findet. Ich weiß, dass ich daran noch arbeiten muss. Aber mich würde brennend interessieren, ob ihr erkennt, was mich an den Beispielen da oben irritiert, oder ob ich da einfach nur irgendwie den Zugang nicht finde.

Was meint ihr?


Philoso1

23. Januar 2011

Oh weh, was habe ich getan? Eigentlich wollten Elmo und ich an diesem Wochenende die nächste Folge unseres PodCasts aufnehmen. Aber dann hat er mich schmählich im Stich gelassen, ein Wort führte zum anderen, und jetzt… gibt es Philoso1. Die Themen sind meiner Meinung nach eigentlich gut gewählt und geben viel Stoff für Kontroverse, aber natürlich fehlt der Sache doch ein bisschen Würze, wenn außer mir selbst keiner mitdiskutiert. Vielleicht können wir das ja in den Kommentaren nachholen.

Ich kann das guten Gewissens nur Leuten empfehlen, die mich wirklich sehr, sehr gerne mögen. Und vielleicht noch Leuten, die mich wirklich überhaupt gar nicht mögen und ein bisschen schadenfroh sind.

Welcher der beiden Gruppen auch immer ihr euch zugehörig fühlt, ich wünsche viel Vergnügen.

Hier geht’s zum Download


Gefallen (1)

21. Januar 2011

Ein neuer Fortsetzungsroman beginnt, ein neuer Versuch, ein neues Abenteuer, und ich bin gespannt, ob ich euch unterhalten kann und wohin die Reise uns führt.

Ich persönlich bin mit dem Einstieg ganz zufrieden, aber das will natürlich nicht viel heißen, er ist ja von mir. Viel Spaß!

Ach so, eins vielleicht noch, um die Erwartungen gleich zum Einstieg ein bisschen zu dämpfen: Ich verspreche ausdrücklich nicht, dass pünktlich jeden Freitag ein neues Kapitel erscheinen wird. Ich versuche es, falls es passt, aber es kann durchaus auch mal ein bisschen länger dauern.

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