Restebloggen aus dem Urlaub (67)

28. April 2011
  1. Mir ist gestern etwas klar geworden. Ich bin nicht direkt stolz darauf. Eigentlich ist es mir sogar ziemlich unangenehm. Ich befürchte, dass ich euren Respekt damit aufs Spiel setze, und meine Nerd-Cred sowieso. Aber was soll man machen? Man ist halt Blogger. Hier ist also eine neue unerfreuliche Wahrheit über mich: Ich kann Douglas Adams nicht ausstehen. The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy habe ich, mutmaßlich getragen vom Hype und hohen Erwartungen, überstanden, aber The Restaurant at the End of the Universe habe ich heute nach ziemlich genau der Hälfte endgültig weggelegt, und ich fühle mich echt gut dabei. Es ist schwer, in knappe Worte zu fassen, was mir an ihm so auf den Geist geht, aber wenn ich es versuchen müsste, würde ich es wohl mit der Vorhersehbarkeit seiner Skurrilität, der scheinbaren Tiefe seiner Spaßphilosophie erklären, und der Tatsache, dass er im Grunde nur einen einzigen Gag hat, den er leicht variiert endlos wiederholt.
  2. Serendipity nennt man das auf Englisch, wenn Ereignisse zufällig günstig zusammenfallen. Sie heute zwei Nachrichten, die in meinem Jesus.de-Newsletter direkt aufeinander folgen: Unser zukünftiger Vizekanzler und Vorsitzender der FDP Philipp Rösler spricht darüber, wie wichtig das Christentum und die Bibel für ihn als Wertebasis und so weiter sind, und gleich darunter steht, dass die römisch-katholische Kirche bei der Seligsprechung Karol Wojtylas den Pilgern eine Ampulle mit seinem Blut als heilige Reliquie präsentieren wird. Umm… Ja.
  3. Eine Urlaubsanekdote, die euch wahrscheinlich überhaupt nichts gibt, mir aber so viel Freude gemacht hat, dass ich sie trotzdem hier festhalten will: Ich hatte Koshi Mocha Choc als Dessert bestellt. Die Kellnerin serviert. “Koshi Mochucho…” beginnt sie, verhaspelt sich hoffnungslos und bricht in lautes Gelächter aus. Sie stellt den Teller mit einem resigniert hilflosen Blick vor mich hin und geht, noch immer laut lachend.
  4. madove schreibt (in einem auch ansonsten lesenswerten Beitrag) die beste Begründung dafür, Kinder nicht zu mögen, die mir je untergekommen ist: “Sie erinnern mich an diese Monster, die mit mir in einer Klasse waren. Außerdem ist mir nie klar, was sie verstehen und was nicht, und sie halten sich nicht immer an Höflichkeitsregeln, was ich theoretisch völlig ok finde, mich aber in der Praxis zutiefst verunsichert.
  5. In einem der peinlicheren Moment US-amerikanischer Geschichte hat Barack Obama heute die Langversion seiner Geburtsurkunde vorgelegt, in der sicher vergeblichen (und mutmaßlich auch nur vorgeblichen) Absicht, die Birther-Bewegung und ihre Sympathisanten davon zu überzeugen, dass er in den USA geboren wurde. Ich finde, das eigentlich Albernste an dieser Diskussion ist die Tatsache, dass es überhaupt eine Rolle spielt, wo er geboren wurde. Warum darf jemand nicht Präsident werden, der die Mehrheit der Stimmen bekommt, aber aus Kamerun stammt?
  6. Jan Filter setzt sich mit dem österlichen Tanzverbot auseinander. Und mit dieser Erklärung Sonja Völkers, über die ich mich dermaßen aufregen könnte, dass ich es lieber nicht tue: “An mehr als 350 Tagen im Jahr darf nach Herzenslust getanzt und gefeiert werden. Es ist nicht zu viel verlangt, an wenigen Stillen Tagen aus Respekt vor der Religiosität einer Glaubensgemeinschaft darauf zu verzichten.
  7. You're a turtle.

A dweam within a dweam

26. April 2011

Lange habt ihr nichts mehr von mir gehört. Das liegt daran, dass der Internetzugang hier im Hotel in vielerlei Hinsicht eine Zumutung ist. Und (Das schreibe ich natürlich nur, um nicht ganz so sehr wie ein erbärmlicher Nerd da zu stehen.) außerdem habe ich hier doch ein paar andere Dinge zu tun als zu bloggen. Ist ja schließlich Urlaub.

Aber heute gibt es immerhin wieder was, nämlich einen Reisebericht von Edinburgh. Es war ja für mich das allererste Mal in Schottland.

Ach, Schottland. Deine Glens und Bogs, deine Fens und Marshes, deine nebligen Hügel, dein ewiger Nieselregen, deine Heide und dein Ginster, deine malerische, raue Landsch-

Oh. Entschuldigung. Die Bilder sind ja gar nicht von Schottland, die sind von Gran Canaria, und das ist noch gar nicht dran. Tut mir Leid. Ich fange noch mal an, in Ordnung?

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Boy fiction

18. April 2011

Ich mag die New York Times irgendwie ein bisschen. Ich habe sie auf meinem Kindle abonniert und zwinge mich regelmäßig, sie zu lesen. Manchmal lohnt es sich. Alleine schon, weil die NYT in vieler Hinsicht ganz anders schreibt als unsere deutsche Presse.

Aber bei aller Liebe: Was denkt man sich dabei, die Review der Fernsehserie zu George R. R. Martins “Game of Thrones” von einer Frau schreiben zu lassen, die offenbar Fantasygeschichten schon alleine deshalb nicht mag, weil sie Fantasygeschichten sind, sondern außerdem noch allem Anschein nach nicht mitbekommen hat, dass moderne Fantasy nicht nur aus Tolkien-Remakes besteht?

Ich kenne die Fernsehserie nicht, und vielleicht ist sie grottenschlecht, aber das würde nichts an der Dummheit dieser Review ändern, die eigentlich nicht mal eine ist, sondern nur eine Auflistung der Vorurteile ihrer Verfasserin:

The imagined historical universe of “Game of Thrones” gives license for unhindered bed-jumping — here sibling intimacy is hardly confined to emotional exchange.

The true perversion, though, is the sense you get that all of this illicitness has been tossed in as a little something for the ladies, out of a justifiable fear, perhaps, that no woman alive would watch otherwise. While I do not doubt that there are women in the world who read books like Mr. Martin’s, I can honestly say that I have never met a single woman who has stood up in indignation at her book club and refused to read the latest from Lorrie Moore unless everyone agreed to “The Hobbit” first. “Game of Thrones” is boy fiction patronizingly turned out to reach the population’s other half.

Was zur Hölle, Frau Bellafante? Was ist denn das für ein dummer SPruch? Haben Sie in Ihrem Leben schon viele Männer kennengelernt, die in einem Buchclub aufgesprungen sind und emphatisch forderten, The Hobbit zu lesen? Und wie borniert muss man eigentlich sein, um eine Geschichte nicht nur aufgrund ihres Genres dermaßen abzuurteilen, sondern auch noch frei von jeder Tatsachenkenntnis zu behaupten, sie wäre nichts für Frauen? Was würde Alice Schwarzer eigentlich wohl von der These halten, dass man perversen Sex braucht, um Frauen für eine Fernsehserie zu interessieren?

 If you are not averse to the Dungeons & Dragons aesthetic, the series might be worth the effort. If you are nearly anyone else, you will hunger for HBO to get back to the business of languages for which we already have a dictionary.

Ja, klar. D&D darf natürlich auch nicht fehlen. Wenn ich auch mal ein bisschen mit Vorurteilen werfen darf: Wenn jemand über Fantasy schreibt und dabei ausschließlich Tolkien und D&D erwähnt, dann hat sie keine Ahnung, wovon sie redet.

Ich kann mich über diese schwachsinnige Attitüde aufregen. Vielleicht, weil ich sie auch von meinem Vater kenne, der immer fragte, ob ich nicht langsam zu alt sei für Fantasy. Boah. Leute. Ich habe ja nichts dagegen, wenn jemandes persönlicher Geschmack eben keinen Zugang findet zu Geschichten, die in einer fremden Welt spielen. Wenn jemand nicht gut damit zurechtkommt, dass in einer Geschichte andere Regeln gelten als die, die er aus seinem eigenen Leben kennt, muss er keine Fantasy lesen, das ist in Ordnung.

Aber diese Leute, die so tun, als könne man Fantasyliteratur allein aufgrund ihres Genres nicht ernst nehmen, die sind überhebliche Dummköpfe, und sogar, wenn man das anders sieht, sollte man sie vielleicht wenigstens nicht anrufen, wenn man eine Fantasygeschichte rezensiert haben will, oder?


Ich wette, ihr hättet nicht erwartet, dass der erste Artikel aus meinem Urlaub ein weiterer informationsfreier Rant ist, der weder mit Edinburgh, noch mit Tim Minchin, noch mit Surfen oder Gran Canaria zu tun hat, sondern mit einem Monate alten Artikel von Alice Schwarzer. Tja, ich bin eben immer für eine Überraschung gut.

17. April 2011

Ich glaube, ich habe hier noch nie was über Alice Schwarzer geschrieben. Das hatte einerseits Gründe, ist aber andererseits schade, denn Alice Schwarzer arbeitet hart daran, den Titel des widerwärtigsten journalistischen Stils in Deutschland zu erwerben. Das zeigt sich nicht nur in ihrer Dauerberichterstattung über den Kachelmann-Prozess in der Bild-Zeitung, sondern auch in ihren gelegentlichen Ausfällen, die die FAZ aus mir nicht ersichtlichen Gründen immer mal wieder veröffentlichen zu müssen meint.

Gerade beim Warten vor dem Gate habe ich einen Artikel gelesen, den Frau Schwarzer am 22. Juli 2010 in der FAZ veröffentlicht hat, der aber jetzt aus aktuellem Anlass noch mal auf die Startseite gerutscht ist. Es geht um das Burkaverbot, und weil sich das thematisch gerade so schön einfügt, will ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem ich einerseits dieses symbolisch sehr wichtige Thema noch einmal aufgreife und andererseits endlich mal aufzeige, warum man Alice Schwarzers derzeitige Schreiberei unabhängig von eventuellen früheren Verdiensten eigentlich nur noch als abstoßend bezeichnen kann.

Frau Schwarzer ist natürlich für ein Verbot von Ganzkörperverschleierung, das ist nicht neu, das ist bekannt. Wer eine grobe Vorstellung von ihrer Person hat, wird auch ihre grundlegende Argumentation erraten können: Ganzkörperschleier sind frauenfeindlich, weil Frau Schwarzer das so sagt, und deshalb kommt es geradezu einer Entrechtung der Frauen gleich, wenn der Gesetzgeber ihnen die freie Wahl lässt, was sie gerne anziehen möchten.

Welche perfiden – und ich muss mich sehr zurückhalten, um keinen schärferen Ausdruck zu wählen – Schlangenlinien Frau Schwarzer im Rahmen dieser Argumentation fährt, hat mich dann aber doch so überrascht, das ich mir beim Lesen einige verwirrte Blicke der übrigen Wartenden zuzog. Das hier zum Beispiel schreibt sie über den Ehemann einer Frau, gegen die eine Geldstrafe verhängt wurde, weil sie mit Nikab Auto gefahren war:

Habbadj hat übrigens noch drei weitere Ehefrauen, mit denen er jedoch nicht nach französischem, sondern nur nach islamischem Recht verheiratet ist. Als die Justiz ihn wegen Polygamie anklagen wollte, ging der offenbar gut Geschulte cool an die Öffentlichkeit und erklärte, dann müssten aber auch die vielen französischen Männer, die Geliebte haben, der Polygamie angeklagt werden. 

Ja. Hm. Ich bin versucht, hier einen längeren Exkurs darüber einzufügen, warum es in meinen Augen ohnehin unerträglich ist, dass ein moderner säkularer Rechtsstaat Staat Polygamie bestraft, und dass es niemanden etwas angeht, wie Menschen ihre Beziehung untereinander zueinander gestalten, aber das lasse ich mal bleiben, weil dieses Flugzeug, in dem ich gerade schreibe, sicherlich irgendwann landen wollen wird. Also, der Pilot natürlich, und die anderen Leute hier. Dem Flugzeug wird’s egal sein. Naja, also was ich sagen will: Ich will nicht abschweifen.

Lies Habbadj ist also keineswegs ein naiver Gläubiger, sondern ein taktisch agierender Islamist, für den das Strafmandat seiner Frau vermutlich ganz in seinem Sinne war, da er auf Provokation des Rechtsstaates aus zu sein scheint.

Falls es euch beim Lesen nicht schon sofort selbst aufgefallen ist: Ja, Frau Schwarzer entlarvt hier jemanden als perfiden, abgefeimten Islamisten, weil er angesichts versuchter Strafverfolgung öffentlich wahrheitsgemäß darauf hinweist, keine Straftat begangen zu haben. Ein echter Teufel. Den sollte man schon mal prophylaktisch einsperren. Welche weiteren Beweise braucht man noch, dass der Kerl ein Terrorist sein muss?

Bei aller gebotenen Vorsicht gegenüber Vorurteilen: Bin ich böse, wenn ich einen Zusammenhang zwischen Frau Schwarzers Tätigkeit für die Bild-Zeitung und ihrer Neigung sehe, Leuten übel zu nehmen, wenn sie sich gegen strafrechtliche Verfolgung verteidigen?

Ganz wie einst die Deutsch-Afghanin Fereshta Ludin, die für das Recht von Lehrerinnen auf das Kopftuch in der Schule über acht Jahre lang bis zum höchsten Gericht klagte. 

Klar. Dass eine Frau ihr Recht, ein Kleidungsstück zu tragen, auf dem rechtsstaatlich vorgesehenen Weg verteidigen möchte, ist dann konsequenterweise ein genauso zwingender Beleg dafür, dass sie nicht weniger als den gewaltsamen Umsturz und die Errichtung einer islamischen Theokratie plant.

Himmel. Erwähnte ich schon, wie sehr dieser Artikel mich anwidert?

 Burka und Nikab sind zutiefst menschenverachtend. Nicht nur für die in ihren Stoffgefängnissen eingeschlossenen Frauen, sondern auch für die Männer, denen ja unterstellt wird, sie würden sich auf jede Frau, von der sie auch nur ein Haar oder ein Stück Haut erblicken, wie ein Tier stürzen.

Sehe ich das eigentlich falsch, oder müsste man auf Basis dieser Argumentation Frauen generell verbieten, Kleidung zu tragen? Ich meine, zum Beispiel die Bikinis, die ich demnächst am Playa del Ingles sehen werde: Isolieren die nicht ihre Trägerinnen, schließen sie sie nicht regelrecht in Stoffgefängnissen ein? Verletzen sie nicht auch meine Menschenwürde, indem sie mir zumindest implizit unterstellen, ich würde wie ein Tier sofort über jede Frau herfallen, die ganz nackt vor mir in der Sonne liegt?

Na gut, vielleicht übertreibe ich ein bisschen. Vielleicht sollte das Tragen von Bikinis nicht gleich strafbar sein, obwohl ich es schon als grobe Unhöflichkeit empfinde. Aber bei Rollkragenpullovern und langen Röcken ist wirklich eine Grenze überschritten, oder? Die sind wirklich nur noch menschenverachtend, und da ist eine Geldbuße von 150 Euro doch beinahe noch zu milde.

Himmel. Erwähnte ich schon, wie unbegreiflich mir ist, dass dieser Stuss in einer als seriös geltenden Zeitung erscheint?

Ganz anders tönen hingegen europäische linke Menschenrechtsorganisationen. So warnte Human Rights Watch vor einer „Stigmatisierung“ der Burka-Trägerinnen durch ein Verbot; erklärte Amnesty International, ein Burka-Verbot verletze „die Grundrechte von Frauen“; und gab Sozialistenführerin Martine Aubry der Sorge Ausdruck, damit „isoliere“ man die Burka-Trägerinnen nur noch stärker. [...] Dieser Paternalismus der Linken ist nicht neu.

Boah. Also, jetzt aber. Ich bin ja eigentlich immer dabei, wenn Linke angegriffen werden, aber es als Paternalismus zu bezeichnen, wenn jemand sich gegen ein staatliches Verbot ausspricht, ist so unverschämt, dass es beinahe schon wieder… Nein, doch nicht. Es ist einfach nur eklig.

Die Gründe für diese scheinbare „Fremdenliebe“, die eigentlich nur die Kehrseite des Fremdenhasses ist, scheinen vielfältig zu sein. 

Was? Spinne ich, oder steht da, dass Leute, die nicht wollen, dass Burkaträgerinnen bestraft werden, Ausländer hassen? Oder wie soll man das sonst verstehen? Und was hat das ganze Thema überhaupt mit “Fremdenliebe” zu tun?

Ein Burka-Verbot sei nur symbolische Politik und das Problem der Unterwanderung durch den schriftgläubigen Steinzeit-Islamismus damit nicht gelöst, argumentieren die ganz Schlauen. Das stimmt. Aber symbolische Politik ist auch Politik. Und ein Verbot wären ein erster Schritt und ein sichtbares Zeichen – nicht nur für die unsichtbaren Frauen.

Auf ungefähr diese Art der Argumentation bin ich ja in meinem letzten Artikel grundsätzlich schon eingegangen, aber dies ist so ein hervorragendes Beispiel dieses Irrsinns, dass ich es gerne wiederholen möchte:

Manche Frauen werden von ihren Männern gezwungen, sich zu verschleiern.

Deswegen ist es ein angemessener Weg, diese Frauen dafür zu bestrafen, wenn sie öffentlich verschleiert erwischt werden.

Frau Schwarzer erkennt dabei zwar an, dass die Maßnahme nicht wirksam ist, aber weil sie meint, dass man der Symbolwirkung halber irgendwas tun sollte, hält sie sie trotzdem für erforderlich. Um die Menschheit zu beschützen.

Ihr könnt das nicht sehen, aber ich sitze hier immer noch mit offenem Mund kopfschüttelnd da, erschüttert und fassungslos im Angesicht von so viel selbstgerechter Dummdreistigkeit. Meine Fassungslosigkeit ist in der Tat so überwältigend, dass mir kein vernünftiger Abschluss für diesen Post mehr einfällt.

Tut mir Leid.


Ten-foot cock and a few hundred virgins

16. April 2011

Nicht nur madove weiß die große Kunst Tim Minchins zu schätzen, auch Keoni und ich sind Fans des lustigen Australiers, und deshalb fliegen wir heute nach Edinburgh, um uns morgen ein Minchin-Konzert anzuhören. Und wenn wir sowieso schon mal weg sind, hängen wir auch noch einen zweiten Surf-Urlaub auf Gran Canaria an, sodass wir insgesamt ungefähr zwei Wochen außer Landes sein werden.

In dieser Zeit wird die Posting-Frequenz hier sicherlich stark sinken, aber gewiss nicht auf Null zurückgehen, und insbesondere bin ich zuversichtlich, dass mir noch vor Ende dieses Monats ein neues Kapitel unseres Fortsetzungsromans “Gefallen” gelingen wird.

Was den Rest und insbesondere die sicherlich früher oder später erscheinenden Reiseberichte angeht, werden wir einfach alle gemeinsam das Beste hoffen müssen. Und falls ihr jetzt ein bisschen Trost braucht: Bisher sieht es so aus, als sei dies der einzige längere Urlaub, den ich dieses Jahr absolvieren werde.


Dieser Artikel ist ein repetitiver Rant ohne neue Informationen

14. April 2011

Boah, die gehören alle geschlagen im Bundestag. Und ich meine nicht nur so eine mädchenhafte Ohrfeige mit flacher Hand auf die Wange. Und so ein comichafter Bratz-Bumm-Hieb, wie Bud Spencer sie austeilt, wäre auch nicht genug, denn der hinterlässt nie ernsthafte Schäden. Ich denke eher an einen soliden Real-Life-Kinnhaken, der auch ein paar der empfindlichen Knochen des Antlitzes des Getroffenen bricht. Und vielleicht auch ein paar in der Hand des Austeilenden, der Gerechtigkeit halber.

So viel zu meinen selbstverständlich ethisch völlig inakzeptablem Wunschträumen. Kommen wir zu ihrem Anlass. Es geht mir keineswegs um angehobene Grenzwerte für radioaktive Kontamination, noch um zu hohe Diäten, noch um zu hohe Steuern, noch um zu niedrige Strafen für Kinderschänder. Wer mich kennt, hat das schon vermutet. Es geht mir um Präimplantationsdiagnostik (PID).

Ich habe gerade im Radio die Ankündigung der heutigen Debatte gehört, und obwohl ich das eigentlich alles schon wusste, hätte ich ins Lenkrad beißen können. Es gibt (auch wenn das in der Berichterstattung manchmal anders klingt) keinen Antrag, der die PID grundsätzlich zulassen wollte. Es gibt nur drei verschiedene Varianten eines Verbotes mit unterschiedlich streng geregelten Ausnahmen.

Ich würde uns das gerne noch einmal ins Gedächtnis rufen:

PID findet naturgemäß nur bei künstlicher Befruchtung statt. Bei jeder In-vitro-Fertilisation werden mehrere Eizellen befruchtet, und meistens auch mehrere eingepflanzt. Im Erfolgsfall werden die überzähligen Embryonen vernichtet. Das ist so, schon immer und auch heute noch, und es ist unbestritten völlig legal.

Ebenfalls legal ist es, wenn eine Frau sich in einem frühen Stadium ihrer Schwangerschaft entscheidet, diese abzubrechen. Sie kann dafür viele Gründe haben, zum Beispiel, dass das Kind einfach nicht in ihre Lebensplanung passt, dass sie sich nicht zutraut, es gut zu versorgen, oder dass sie einfach Kinder hasst. Auch das hält unser Gesetzgeber für in Ordnung.

Selbstverständlich ist es nicht nur legal, dass Leute, die wissen, dass sie die Anlage zu einer Erbkrankheit tragen, sich unter Umständen dagegen entscheiden, Kinder zu zeugen. Ich kenne keine Umfrageergebnisse, aber ich würde behaupten, dass ein Großteil der Bevölkerung es als verantwortungslos empfinden würde, wenn zwei Leute ein Kind zeugen, obwohl sie wissen, dass es voraussichtlich mit Progerie zur Welt kommen und nach ungefähr 14 Jahre langem Leiden sterben wird.

Aber wenn eine Frau im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation nicht zufällig auswählen will, welche Eizelle implantiert wird, sondern vorher zum Beispiel solche aussortieren möchte, die wahrscheinlich bestimmte Fehlbildungen oder Krankheiten entwickeln werden, dann soll sie dafür bestraft werden.

Und was ist der Grund für diese Strafvorschrift, die der Bundestag gerne beschließen möchte?

Tja… Naja… Also… Irgendwie finden wir’s bedenklich, dass Leute sich vielleicht irgendwie selektiv aussuchen könnten, welche von mehreren Eizellen sie eingepflanzt haben möchten, weil das ja schließlich nicht nett ist gegenüber denen, die sie nicht will. Selektion ist unmoralisch. Weiß man doch. Klingt auch schon so fies.

Und Leute, die behinderte Kinder haben, könnten gefragt werden, warum sie die nicht bei der PID aussortiert haben. Und das wäre doch ziemlich frech, jemanden sowas zu fragen, oder? Sowas wollen wir nicht.

Was für ein Blödsinn. Letzten Endes laufen die Argumente unserer Parlamentsmitglieder hinaus auf: Wo kämen wir denn da hin?

Noch mal: Wir reden hier nicht über eine lockere Runde, die darüber diskutiert, was die Teilnehmer persönlich von PID halten und dann zu dem Ergebnis kommt, dass sich das irgendwie nicht richtig anfühlt. Wir reden hier nicht darüber, ob man die Idee emotional vielleicht erst einmal ein bisschen komisch findet.

Wir reden hier über ein gesetzgebendes Verfassungsorgan, das eine Norm diskutiert, die unter anderem auch Strafen vorsieht für Menschen, die sie nicht einhalten. Wir reden über staatlichen Zwang gegen Eltern, die versuchen, eine Familie zu gründen, und die es nicht komplett dem Zufall überlassen wollen, was für ein Kind sie bekommen.

Ich kann verstehen, wenn Menschen diese Entscheidung nicht treffen wollen. Ich kann verstehen, wenn Menschen sich bei der Idee unwohl fühlen. Aber Gesetze dürfen wir nicht auf Basis diffusen Unwohlseins erlassen, sondern auf Basis rationaler Abwägung, welche Entscheidungen ein demokratischer Rechtsstaat seinen Bürgern überlassen kann, und wo er eingreifen muss, um Schaden abzuwenden. Das ist die Verpflichtung eines Gesetzgebers.

Ich kenne kein einziges rational haltbares Argument gegen eine vollständige Legalisierung von Präimplantationsdiagnostik. Trotzdem wird der Bundestag sie untersagen.

Und dafür gehören die alle geschlagen. So richtig. Finde ich.

[Ich habe über dieses Thema schon mal geschrieben, und zwar das und das.]


Es muss nicht immer Deutsch sein

13. April 2011

Today, I happened upon this quaint little bumper sticker, which, like most bumper stickers, doesn’t actually stick on a bumper, but let’s ignore that for now.

I had seen it before, but never actually given it any thought, until today. At first, I thought it was kind of cute, then kind of disgusting, then kind of sad.

I still haven’t made up my mind about how to react emotionwise, but it’s certainy a useful sticker, because it illustrates very concisely one of the features of mainstream Christian belief I find the most disturbing, and one of the features most hard for me to wrap my mind around:

Whatever gives you the idea that you need to be forgiven for not being perfect?


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