Wofür hat man denn ein Blog, wenn man nicht auch einfach mal völlig zusammenhanglos über irgendwas schreiben kann, das eigentlich niemanden interessieren sollte?

31. Mai 2011

Whoa. Also… Wie fange ich denn jetzt an?

Vielleicht mal ganz komisch (im Sinne von eigenartig): Viele meiner Leser glauben wahrscheinlich, dass ich eine sonderbare Faszination für Religion empfinde. Da ist natürlich auch was dran, aber es stimmt nicht so ganz. Was mich fasziniert, ist eigentlich allgemeiner bodenlose menschliche Dummheit, ihre Ursachen, ihre Folgen, und wie man sich davor schützen kann. Die findet man natürlich im religiösen Kontext sehr leicht, denn Religion ist ja im irgendwie auch nur organisierte Dummheit.

Aber man findet sie natürlich nicht nur dort, sondern auch woanders. Und gerade heute bin ich auf ein spektakuläres Beispiel gestoßen:

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A propos objektiv

30. Mai 2011

Lang ist’s her, dass ich hier via Astrodicticum Simplex von einem Urteil des OLG Stuttgart schrieb, nach dem Wahrsager keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf die vereinbarte Gegenleistung haben, weil die von ihnen versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind.

Florian Freistetter fand damals:

Schön zu sehen, dass hier auch einmal ein Gericht explizit feststellt, dass der ganze Astrologie- und Wahrsagerquatsch “objektiv unmögliche” Leistungen sind und das man für das “Erbringen” solcher unmöglicher Leistungen auch kein Geld bekommen soll. Eigentlich wäre das ja selbstverständlich – aber wenns um Esoterik & Co geht, ist man ja was Recht und Konsumentenschutz angeht seltsam zurückhaltend.

Ich war etwas anderer Meinung:

[I]ch bin nicht mal sicher, ob ich das gut finde. Wer zu einem Wahrsager geht, sollte wissen, dass er dort für sein Geld irgendwelchen sinnlosen Stuss erzählt bekommt. Sich hinterher dann zu beschweren, finde ich irgendwie kindisch. Andererseits behaupten Wahrsager natürlich ganz im Ernst, die Zukunft zu kennen, die Entscheidung ist also wohl im Ergebnis in Ordnung.

Und jetzt ärgere ich mich ein bisschen, dass ich nicht mutiger mit meiner Überzeugung umgegangen bin.

Zufällig habe ich nämlich gestern erfahren, dass der BGH sich erfreulicherweise im Wesentlichen meiner Argumentation angeschlossen hat. Er war nur nicht so voreilig wie ich, was Ergebnis angeht (Ich zitiere sehr ausführlich. Wer will, kann das überspringen, aber ich finde es sehr schön und treffend ausgedrückt):

Ohne Rechtsfehler hat das Berufungsgericht angenommen, dass die von der Klägerin versprochene Leistung objektiv unmöglich ist. Ginge es im vorliegenden Rechtsstreit also nur um die Frage, ob der Beklagte die von der Klägerin versprochene Leistung verlangen könnte, wäre ein entsprechender Anspruch zu verneinen.
[...]
Aus dem Umstand, dass ein Anspruch auf die versprochene Leistung wegen objektiver Unmöglichkeit ausgeschlossen wäre (§ 275 Abs. 1 BGB), folgt jedoch nicht zwingend, dass der Vergütungsanspruch der Klägerin für die von ihr vorgenommene Tätigkeit nach § 326 Abs. 1 Satz 1 BGB entfällt.
[...]
Zutreffend macht die Revision weiter darauf aufmerksam, dass § 326 Abs. 1 Satz 1 BGB durch Individualvereinbarung abbedungen werden kann.
[...]
Danach können Vertragsparteien im Rahmen der Vertragsfreiheit und in Anerkennung ihrer Selbstverantwortung wirksam vereinbaren, dass eine Partei sich – gegen Entgelt – dazu verpflichtet, Leistungen zu erbringen, deren Grundlagen und Wirkungen nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und Technik nicht erweislich sind, sondern nur einer inneren Überzeugung, einem dahingehenden Glauben oder einer irrationalen, für Dritte nicht nachvollziehbaren Haltung entsprechen. Dies gilt im Hinblick auf § 611 Abs. 2 BGB insbesondere für dienstvertragliche Leistungen, und zwar auch für solche, mit denen eine wie auch immer geartete Lebensberatung verbunden ist. “Erkauft” sich jemand derartige (Dienst-)Leistungen im Bewusstsein darüber, dass die Geeignetheit und Tauglichkeit dieser Leistungen zur Erreichung des von ihm gewünschten Erfolgs rational nicht erklärbar ist, so würde es Inhalt und Zweck des Vertrags sowie den Motiven und Vorstellungen der Parteien widersprechen, den Vergütungsanspruch des Dienstverpflichteten mit der Begründung zu verneinen, der Dienstverpflichtete sei nicht in der Lage nachzuweisen, tatsächlich mittels Einsatzes magischer oder übersinnlicher Kräfte bestimmte Voraussagen machen oder auf die Willensbildung Dritter Einfluss nehmen zu können.
[...]
Da sich das Berufungsgericht mit der Möglichkeit einer Vergütungspflicht trotz Vorliegens einer nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unmöglichen Leistung nicht befasst hat, ist das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, um die notwendigen Feststellungen zu treffen.

Für die, die den Urteilstext übersprungen oder nicht verstanden haben: Das ist ungefähr meine Überlegung da oben, nur schöner und fachgerechter formuliert. Und ich finde, der BGH hat völlig Recht und eine Entscheidung getroffen, die mich insbesondere in meiner Eigenschaft als neoliberaler Verbraucherschutzgegner sehr freut:

Wenn beide Parteien sich einig sind, dass sie einen Vertrag über eine Leistung schließen, die nach wissenschaftlichen Maßstäben unmöglich ist, dann ist es nicht gerechtfertigt, dass ein Gericht diesen Vertrag einfach nur deshalb für unwirksam erklärt, weil die Leistung nach wissenschaftlichen Maßstäben unmöglich ist. Oder noch mal anders gesagt: Wenn der Käufer wusste, dass er Blödsinn kauft, kann er hinterher nicht die Zahlung verweigern, weil er Blödsinn bekommen hat. Das ist aus liberaler Sicht genau richtig so, denn der Staat hat den Bürgern nicht vorzuschreiben, was sie kaufen können und was nicht, und er hat nicht für sie zu entscheiden, was Sinn ergibt und was nicht. Sogar, wenn etwas so offensichtlich keinen Sinn ergibt wie Lebensberatung aus Spielkarten.

Es kommt also darauf an, was für einen Vertrag die Parteien ursprünglich geschlossen hatten, und weil der BGH das als Revisionsgericht nicht feststellen kann, und das OLG Stuttgart das nicht festgestellt hat, weil es die Frage fälschlicherweise für unerheblich hielt, ist das ursprüngliche Urteil nun aufgehoben, und das OLG Stuttgart muss neu entscheiden. Ich bin milde neugierig, wie es weitergeht, und falls ich noch was erfahre, halte ich euch weiterhin auf dem Laufenden.

Vielleicht möchtet ihr mich ja so lange wissen lassen, ob es euch stört, wenn ich hier hin und wieder den Juristen rauslasse, oder ob ihr sowas auch interessant findet. Oder ihr wollt über das Urteil diskutieren. Oder über Wahrsagerei. Ich würde mich freuen. Die Kommentarspalte ist bekanntermaßen… Ihr wisst schon.


Subjekt, Prädikat, Objekt

27. Mai 2011

Ich führe drüben bei jesus.de mal wieder eine Diskussion über das Thema Ethik und so weiter. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um hier kurz ein Kommunikationsproblem anzusprechen, das eigentlich schnell erklärt ist, aber trotzdem ohne Ende Probleme bei Diskussionen zwischen Theisten und Atheisten schafft.

Wie so oft ist es eine Definitionsfrage.

Das Wort “objektiv” bedeutet für mich “unabhängig von jeglichem Bewusstsein”.

Daraus folgt, dass Begriffe wie “objektive Moral” oder “objektiver Sinn” Oxymora sind. Moral oder Ethik bezeichnet einen Satz von Verhaltensregeln, und ein Sinn ist mehr oder weniger synonym mit einer Absicht oder einer Zielvorstellung. Sowohl eine Verhaltensregel als auch eine Absicht sind ohne ein Bewusstsein nicht denkbar.

(Naturgesetze sind natürlich was anderes. Wer Probleme mit der Unterscheidung hat: Naturgesetze erkennt man ziemlich zuverlässig daran, dass man sie nicht brechen kann.)

Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob ich an einen Gott glaube oder nicht. Sogar wenn es einen allmächtigen, allwissenden Gott gäbe, wäre dessen Perspektive immer noch seine eigene, und damit subjektiv. Im besten Fall weiß der dann besser als ich, was gut ist und was nicht, aber dann stellt sich trotzdem noch die Frage, warum und wann ich ihm glauben sollte. Es ist wie immer: Vertrauen in eine Autorität kann eine sinnvolle Sache sein, aber es entbindet mich nicht von der Verantwortung für meine eigenen Entscheidungen.

Na gut. Die Diskussion über religiöse und atheistische Moral hatten wir hier ja schon. Wieder und wieder. Das möchte ich nicht alles wiederholen. Aber ich dachte, dieser Punkt ist es wert, noch einmal festgehalten zu werden:

Den Begriff “objektiv” so umzudefinieren, dass er nicht mehr seine gebräuchliche Bedeutung hat, sondern stattdessen heißt “unabhängig von jeglichem Bewusstsein außer einem, das ich mir aussuchen kann”, ist keine Lösung, sondern nur ein sinnloses Spiel mit Worten. (Übrigens genauso wie das Argument: Es muss ja einen Gott geben, denn nichts kann ohne Schöpfer existieren, bis auf diese eine Sache, die ich mir aussuchen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.)


Kurrrrndle

25. Mai 2011

Ich habe seit einiger Zeit den Verdacht, dass es bei der FAZ irgendjemanden in einer Position nicht unbeträchtlichen Einflusses gibt, der insgeheim gerne einen Kindle hätte. Er liebt die hübschen kleinen weißen Dinger mit ihren putzigen runden Buchstabentasten, ihrem scharfen Tintendisplay und dem geilen silbernen Hinterteil.

Aber ach, das Verlangen des FAZ-Funktionärs bleibt ungestillt, aus einem mir nicht bekannten Grund, und so ist seine unerfüllte Liebe nach und nach in Hass umgeschlagen, der ihn dazu verleitet, jeden noch so blödsinnigen Text sofort einer prominenten Veröffentlichung zuzuführen, solange darin nur die E-Books schlecht wegkommen.

(Ich weiß natürlich nicht, ob das stimmt, aber eigentlich ist das doch ein klarer Fall. Wer eine Sache so militant und fanatisch kritisiert, muss sie doch insgeheim auch für sich selbst wollen, oder?)

Heute hat er wieder zugeschlagen.

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SilberPlag

24. Mai 2011

Ich habe angeboten, und ihr habt angenommen. Alle beide. Und deshalb ist es nun hier: Der Entwurf der ersten Szene meines ganz persönlichen kleinen Portal-Klons. Der Arbeitstitel lautet “Bright Outlook”. Was wäre ein Entwurf ohne Arbeitstitel?

Und bevor jemand fragt: Die Steampunk-Engel sind noch lange nicht bereit. Aber in Arbeit.

Viel Vergnügen!

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It’s-a me!

23. Mai 2011

Manche Leute sind ja der Meinung, eine wissenschaftlich-skeptische Weltsicht lasse sich nicht mit der Überzeugung vereinbaren, dass Super Mario wirklich existiert, genau wie sein Bruder Luigi und die vielen süßen kleinen Toadpeople, oder wie die heißen. Ich dachte früher auch mal so.

Glücklicherweise weiß ich es jetzt besser, und ich will euch helfen, auch den Weg zur Wahrheit zu finden.

Ich unternehme deshalb nun den Versuch, Naturwissenschaft und den Glauben an die Realität von Nintendo-Spielen nicht mehr als Gegensätze, sondern als aufeinander angewiesen zu begreifen und miteinander ins Gespräch zu bringen, in einen echten Dialog, der disziplinäre Grenzen behutsam überwindet, ohne in kulturimperialistischer Weise den Beitrag der jeweils anderen Art, die Welt zu sehen, zu missachten, und ich würde mich über alle Maßen freuen, wenn ein paar besonders Gelangweilte Mutige unter euch mich dabei begleiten würden.

Es ist doch so: Selbstverständlich spricht vieles dafür, dass die wissenschaftliche Methode der einzige zuverlässige Weg zur Wahrheit ist, und tatsächlich ist Wissenschaft eine sehr nützliche Sache und funktioniert im Alltag auch ganz tadellos.

Aber seien wir ehrlich, Wissenschaft gibt auf manche Fragen einfach keine befriedigenden Antworten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Wer hat Prinzessin Peach entführt? Wie viele Münzen passen in einen Fragezeichenblock? Was für eine Art Tier ist Bowser eigentlich?

Antworten auf all diese Fragen findet man nur bei Nintendo, und beim Glauben an die Wahrheit Marios.

Aber, kann ich euch sagen hören, wie soll das denn zusammengehen? Wissenschaft und Glaube an die Sternengeister? Natürlich geht das! Hawking und die Sternengeister schließen einander nicht aus. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man Begriffe wie “Mario”, “Bowser” oder “Goomba” richtig deutet.

Ein naives Mario-Bild wie das des latzhosentragenden Klempners, der mit dem Kopf gegen Ziegelmauern springt, ohne je Schaden davon zu tragen, wird von Mario-Gegnern oft eingesetzt, um den Glauben an Nintendo und magische Ultrapilze bequem zu diskreditieren. Nur weil Mario und Luigi als Karikaturen dargestellt werden, können sowohl irregeleitete Mariodisten als auch militante Nintendoleugner einen scheinbaren Widerspruch zwischen “Wissenschaftlichkeit” und “Glaube an die Realität von Videospielen” aufbauen,  mal, um Gamer auf die kritiklose Annahme exegetisch unhinterfragter namcoistischer Schöpfungsideen einzuschwören, mal, um jeden Videospielglauben pauschal einer wissenschaftlich unredlichen Weltanschauung zu bezichtigen.

Das alles kann sich sparen, wer erkennt: Mario ist kein objekthaftes klempnerartiges Wesen in seiner eigenen Galaxie, kein in Abwasserrohren (lokal verstanden) herumschwimmender Überfreund, der Peach “rettet”, sondern ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält. Alle Vorstellungen von Mario sind in gewisser Weise hilflose Krücken, nicht aber der Glaube an Mario. Jede Rede von Mario bedeutet, das Unsagbare zu sagen, und Begriffe unserer Vorstellungswelt als Metaphern zu benutzen, um sich Mario zu nähern, obgleich das Scheitern dieses Unterfangens geradezu konstitutiv zum Marioglauben gehört.

Ihr seht also, die Sache ist ganz einfach. Man muss sich bloß von der Vorstellung befreien, dass Super Mario in irgendeinem Sinne wirklich existiert, und schon ist der Glaube an seine Existenz (natürlich stets im ontologisch-dialektischen Sinne von Nichtexistenz verstanden) auch für diejenigen kein Problem mehr, die gerne echte Skeptiker sein möchten, ohne sich von ihren lieb gewonnenen Gewohnheiten zu trennen.

Mamma Mia!


Gefallen (10)

22. Mai 2011

Kein Wochenrhythmus, aber den hatte ich ja auch nicht versprochen. Insgeheim (Naja, jetzt ja eigentlich nicht mehr.) bin ich sogar durchaus stolz darauf, dass es diesmal nur etwas mehr als zwei Wochen gedauert hat.

Wie auch immer: Hier ist ein neues Kapitel unseres Fortsetzungsromans “Gefallen”, und auch wenn es diesmal wieder deutlich gemächlicher zugeht als beim letzten Mal, wünsche ich euch viel Spaß dabei!

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