Die Megahits der 80er und 90er und das Beste von heute

28. Juni 2011

Vor langerlangerlanger Zeit habe ich schon mal ein Stöckchen von JuliaL49 genutzt, um meinen Unmut über unsere Radiosender auszudrücken.

Eigentlich ist das natürlich nicht genug, aber weil ich selten Radio höre (Für den GEZ-Fahnder, der hier sicherlich mitliest: Das ist eine freundliche Umschreibung für “nie”, denn natürlich habe ich gar kein Radio. Sie können jetzt aufhören, hier mitzulesen. Es sei denn, Sie interessieren sich vielleicht für meine Geschichten. Haben Sie die schon mal versucht? Die sind ziemlich gut. Lesen Sie ruhig mal eine. Yours to keep finde ich beispielsweise zum Einstieg ideal. Äh. Wo war ich? Ach ja: Weil ich selten Radio höre), ist mir das Thema normalerweise nicht so gegenwärtig. Dennoch kommt man manchmal nicht drumrum, ob im Auto (Sind Sie noch da? Natürlich nur, wenn ich bei anderen mitfahre.), im Supermarkt oder im Büro (Wenn jemand zu Besuch kommt, der ein tragbares Radio dabei hat. Nee, ich weiß schon, Entschuldigung, ich höre jetzt auf, mit dem GEZ-Fahnder zu sprechen, damit das hier nicht zu unübersichtlich wird. Tut mir Leid.) zum Beispiel. Und dann kann ich doch jedes Mal wieder darüber staunen, wie schlecht unser Radio eigentlich ist.

Sollte man nicht annehmen, dass Leute, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, andere zu unterhalten, mit der Zeit allein schon durch ihre Erfahrung unweigerlich ein bisschen… Ich weiß nicht, vielleicht: unterhaltsam werden? Sollte man nicht annehmen, dass jemand, der professionell für Geld eine Radiosendung moderiert, die hunderttausende Menschen hören (oder zehntausende, was weiß ich?) im Durchschnitt nicht wesentlich schlechter ist als jeder beliebige gottverdammte Gratis-Podcast, den man irgendwo im Internet runterladen kann?

Exkurs: Und sollte man nicht annehmen, dass es den Radiosendern irgendwann peinlich wird, über Jahre hinweg immer wieder und wieder und wieder und wieder dieselben dummen Männer-gegen-Frauen-Witzchen, -Wettkämpfe, -Meldungen und -Sprüche zu machen? Okay, amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass Männer besser hören können, und ja, da drängt sich geradezu eine humoristische Gegenüberstellung mit dem alten Klischee auf, dass Männer nicht zuhören. Okay, irgendwer hat mal wieder herausgefunden, dass Frauen im räumlichen Denken gegenüber Männern Nachteile haben, und ja, das erklärt, warum sie alle nicht einparken können. Dafür sind Frauen aber klüger und gewinnen immer bei den komischen Quiz-Spielen, die ihr mit euren Zuhörern veranstaltet, zur Not, indem ihr sie durch dreiste Regelbeugung gewinnen lasst, was nicht nur dumm, sondern auch noch herablassend und chauvinistisch ist. Wir haben es verstanden. Ihr könnt euch ein neues Thema suchen, und ihr müsst auch nicht unbedingt um jedem Preis immer jeder Sendung von einem Mann und einer Frau gemeinsam moderieren lassen. Und den Hund könnt ihr auch weglassen, weil der ja sowieso nur die Projektionsfläche für noch mehr dumme Witze der beiden menschlichen Moderatoren ist, was ich schade finde, weil er bestimmt besser moderieren könnte als die beiden. Aber das ist schon wieder ein ganz anderes Thema. Exkurs Ende

Und wäre es nicht schlecht, wenn es zumindest einen einzigen gottverdammten Radiosender gäbe, der ein paar Songs spielt, die nicht sowieso schon jeder auf seinem MP3-Player hat und die auf jeder gottverdammten Party mindestens dreimal laufen? Einen Sender, bei dem man tatsächlich mal was hören kann, was man noch nicht kennt, und was von Leuten ausgewählt wurde, die sich echt mit Musik auskennen und vielleicht auch was von Bands mitkriegen, von denen ich noch nie gehört habe? Wäre das nicht eine echt sinnvolle Sache? Wäre das nicht eigentlich die USP, die ein Radiosender in Zeiten von YouTube und iTunes und Amazon MP3 überhaupt noch haben könnte?

Und wer freut sich eigentlich darüber, dass ihr kostbare Sendezeit damit verschwendet, irgendwelche Vollhonks live auf Sendung zu bringen, die mir dann drei Minuten lang in ihrem unerträglichen Dialekt erzählen, dass an der Ortsausfahrt von Spellahn in Richtung Thunin auf der rechten Seite hinter einer Mülltonne ein Blitzer steht? Könntet ihr diese Zeit nicht stattdessen mal für einen Song benutzen, der nicht von Lady Gaga, James Blunt oder Nickelback ist? Oder, wenn ihr das nicht wollt, für Nachrichten, in denen man tatsächlich was erfährt, und die nicht nur darin bestehen, dass ihr 48mal am Tag dieselben nichtssagenden Schlagzeilen vorlest und dann vielleicht noch mal einen Korrespondenten zuschaltet, der sagt, dass er leider auch nichts Genaues weiß, weil sein CNN-Empfang gerade gestört ist?

Oder, ganz verrückte Idee, sendet doch sogar mal was ganz anderes als Musik, sinnlose Nachrichten, dumme Witze und bescheuerte Gewinnspiele. Sendet doch mal ein Hörbuch, es kann ja ein kurzes sein, oder sogar ein Gedicht, es kann ja auch ein längeres sein, sogar mit Musik (Ist das dann ein Beat-Poem? Egal.).

Ich weiß, meine Meinung ist für euch nicht so wichtig, weil ich ja eben sowieso nie Radio höre. Aber andererseits könnte sich das ja ändern, wenn es eines Tages einen Sender geben sollte, dem zuzuhören sich tatsächlich lohnt. (Ich müsste mir dann natürlich erst ein Radio kaufen, das ich selbstverständlich sofort anmelden würde. Aber vor 2013 wird das wohl eh nichts mehr, deswegen ist es auch egal. Sie können jetzt also wirklich aufhören, hier mitzulesen.) Und vielleicht geht das ja sogar ein paar anderen Leuten auch so. Zum Beispiel all den anderen Leuten, die ich kenne, und die auch alle ausnahmslos sämtliche Radiosender hassen. Bis auf einen, aber der ist auch komisch. Und ihr würdet eben mir persönlich auch eine echt große Freunde machen. Außerdem haben wir doch in Deutschland sogar Radiosender, die gar nicht auf Profit aus sind, sondern auf Bildung und Kultur und so tolle Sachen. Wären die nicht prädestiniert für so ein Experiment? Denkt doch mal drüber nach.

Ach ja, und eins noch: Beseitigt bitte sofort Paul Panzer und den kleinen Nils. Bevor ich es tue.


Tennis ohne Netz

26. Juni 2011

Wenn man sehr weit in die Einzelheiten geht, kann die Frage nach Schuld und Verantwortung außerordentlich kompliziert werden. Deswegen gibt es ja auch Berge von Kommentarliteratur und Gerichtsentscheidungen zu Fragen von zivilrechtlicher Haftung, und zum Strafrecht sicherlich noch mal das Gleiche.

Es gibt aber so eine Grundregel, auf die wir uns wahrscheinlich ohne zu ausführliche juristische Spitzfindigkeiten einigen können: Wenn ich etwas vorsätzlich verursache, obwohl ich mit völliger Gewissheit die Folgen meines Handelns kannte und obwohl ich die Möglichkeit gehabt hätte, diese Folgen zu verhindern, dann bin ich verantwortlich dafür. Diese Grundregel ist eigentlich jedem Menschen intuitiv zugänglich, ohne dass er lange drüber nachdenken muss.

Eben weil das so ist, haben die meisten Christen ein Problem. Sie glauben nämlich einerseits, dass ihr Gott allmächtig und allwissend ist, und dass er das Universum geschaffen hat. Daraus folgt, dass er alles, was in diesem Universum passiert, vorsätzlich verursacht hat, und weil er mit völliger Gewissheit die Folgen seines Handelns kannte und diese Folgen hätte verhindern können, wäre er damit für alles verantwortlich, was in diesem Universum geschieht. Für jeden Mord, für jede Kindesmisshandlung, für jedes überfahrene Reh und für jede Vergewaltigung.

Gleichzeitig glauben die meisten Christen aber, dass ihr Gott seine Schöpfung maßlos liebt, und das absolut perfekte Gute verkörpert. Und weil das schlecht mit der uneingeschränkten Verantwortung für Völkermord und Folter und Krieg und Mukoviszidose zusammenpasst, müssen diese Christen einen sehr starken internen Widerspruch in ihrem Glauben verarbeiten. Sie tun das auf eine Art, die mir persönlich völlig unbegreiflich ist: Sie ignorieren ihn, auch wenn man sie direkt mit der Nase darauf stößt, und scheinen völlig unfähig, auch nur das Problem zur Kenntnis zu nehmen. Ich finde das immer ausgesprochen frustrierend, wenn ich mit solchen Leuten diskutiere.

Regelmäßig sprechen sie dann vom freien Willen, den ihr Gott ja nicht einfach zerschmettern wolle, denn schließlich sei er ein “Gentleman”, der sich nicht aufdrängen wolle und sich deshalb vornehm zurückhalte, wenn man ihn nicht haben wolle.

Regelmäßig greifen sie dann zu vergleichen wie diesem: Stell dir vor, du hättest einen Sohn, der nichts von dir wissen will, und der nicht auf deinen Rat hört, und der etwas tut, das du für schädlich hältst. Was würdest du tun? Du würdest ihn nicht einfach mit Gewalt zwingen, das Richtige zu tun, stimmt’s? Du würdest freundlich versuchen, ihn zu überzeugen, du würdest deine Hilfe anbieten, aber wenn er sie nicht annimmt, würdest du ihn seine eigenen Fehler machen lassen, und hoffen, dass er es irgendwann einsieht.

Und diese Art von Vergleich ist auf so vielen Ebenen falsch, dass man eigentlich nur schreien den Kopf schütteln und das Gespräch abbrechen sollte, wenn jemand damit ankommt. Weil ich gerade ein bisschen gnatzig drauf bin, mache ich das anders und zähle die wesentlichen Fehler auf. Ich hoffe, ihr habt Zeit, es sind nämlich viele. Ich versuche aber, mich kurz zu fassen.

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Restebloggen zum Wochenende (70)

25. Juni 2011
  1. Ihr glaubt ja gar nicht, wie ich mich gefreut habe, als ich erfuhr, dass es noch jemanden gibt, der in seinem Blog eine Art Fortsetzungsroman veröffentlicht. Und noch mehr habe ich mich gefreut, als ich feststellte, dass Ron sogar richtig schreiben kann. Ich empfehle deshalb dringend den sofortigen Besuch bei ihm und die umgehende Lektüre der bisher erschienenen Teile seiner Geschichte “Die Schattenkrieger“. Aber dass ihr mir nachher wieder zurückkommt, um die nächsten sieben Punkte noch zu lesen!
  2. Der Nebel (nach einer Geschichte von Stephen King) ist kein überwältigend guter Film. Aber das Ende ist das Größte und Mutigste (und ich benutze diesen Begriff nur sehr ungerne und zögerlich), das ich seit Langem gesehen habe. Wenn nicht sogar überhaupt. Falls das für euch ein Argument ist, betrachtet dies hier also ruhig als eine sehr, sehr verhaltene Empfehlung.
  3. Wer sich noch gute Plätze für die morgige Nuklearexplosion in Berlin sichern will, kommt gewiss zu spät, kann sich aber immerhin noch bei Astrodicticum Simplex vorab informieren, was er verpassen wird.
    Am 26. Juni 1974 wurde erstmal ein Strichcode im Supermarkt eingesetzt – und jeder weiß ja, dass in diesen Strichcodes jede Menge geheime Botschaften der Weltverschwörung zu finden sind. Am 26. Juni 1472 wird in Bayern die Uni Ingolstadt eröffnet. Und wer wurde in dieser Stadt geboren und hat an dieser Uni studiert? Richtig, Adam Weißhaupt, Gründer des Geheimbundes der Illuminaten! Er starb übrigens am 18. November 1830. Könnt ihr es nicht sehen? 18. November. Der 18.11. 1+8=9. 9.11!!!!
  4. David von Mentalschnupfen hat ein erfundenes Interview mit Frau Koch-Mehrin geführt. Warum ist mir das nicht eingefallen?`
    Mentalschnupfen: Frau Koch-Mehrin, am 15. Juni …

    Silvana Koch-Mehrin: Das war ja klar, daß sie darauf gleich zu sprechen kommen würden, ohne auch nur ein Wort über meine neue Frisur zu verlieren.

    MS: Die ist nett, aber wir haben sowas schon gesehen.

    SKM: Das ist dann die Schuld des Friseurs.

  5. Für die Person, die mir die nette Anfrage über die Suchbegriffe geschickt hat: Ja, ich lese die, und ich freue mich immer, wenn jemand so eine lustige Idee hat, aber ich habe keine so richtig sinnvolle Möglichkeit, auf derartige Zurufe zu antworten. Seid also bitte nicht traurig, wenn keine Reaktion erfolgt.
  6. Ich persönlich war mir ja in der Schule schon sicher: Immanuel Kant war entweder ein Troll, oder sehr, sehr dumm. Wer trotzdem gerne ein bisschen was über die schräge Philosophie des Herrn lesen will, der kann das sehr schön bei Fingerkuppenweitspucken, wo eine dreiteilige Tour de Force durch die Kritik der praktischen Vernunft veröffentlicht ist:
    Freiheit und praktisches Gesetz, so Kant, verweisen wechselseitig aufeinander, und aus einem von beiden kommt unsere Erkenntnis des Unbedingt-Praktischen (des was? Egal). Freiheit ist allerdings ein negativer Begriff, und aus Erfahrung sei auch nicht darauf zu schließen, denn erfahren werden kann nur das Gesetz der Natur, also gerade Nicht-Freiheit. Also kommt auf einmal das moralische Gesetz daher, das weder durch irgendeine sinnliche Bedingung zu überwiegen sei, noch davon überhaupt abhängt, und das ist auf einmal VOR allen anderen Bestimmungsgründen liegt, wenn wir erstmal die pathologisch anklebenden Willensbelästigungen losgeworden sind.
  7. Ich bin noch nicht sicher, ob ich ihm völlig zustimme, aber das Video fand ich jedenfalls echt gut:

    (Ihr habt nicht gedacht, dass es ein Restebloggen ohne antireligiösen Inhalt gibt, oder?)

Ich werde in dem gesamten Artikel keine einzige Bemerkung zu ihrem Äußeren machen. Ehrenwort.

23. Juni 2011

Ich fühle mich im Wesentlichen aus zwei Gründen verpflichtet, zur causa Koch-Mehrin Stellung nehmen, obwohl eigentlich alles dazu gesagt ist: Erstens, weil ich damals bei der Guttenberg-Sache daneben lag und erst viel zu spät die Tragweite der Angelegenheit richtig erkannt habe. Und zweitens, weil ich im allerallerweitesten Sinne ein FDP-Sympathisant bin. Um diese beiden Fehler ausgzugleichen, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, völlig hemmungslos überzureagieren.

Zur Sache: Ich nehme das alles nicht ganz so schwer wie Anatol Stefanowitsch, aber das liegt nicht daran, dass ich ihm irgendwo inhaltlich widersprechen würde, sondern wohl eher daran, dass mein Bezug zur universitären Arbeit ein völlig anderer ist. Trotzdem werden auch mir diverse Körperflüssigkeiten flockig, wenn eine exponierte erfahrene Politikerin es nicht nur nicht auf Reihe bekommt, trotz nur wenige Monate zurückliegenden idealtypischen Vorbilds, wie man es nicht machen sollte, vernünftig auf den Plagiatsvorwurf zu reagieren, sondern sogar noch die atemberaubende Unverschämtheit findet, anderen Leuten ihre eigene Faulheit, Unehrlichkeit, Rückgratlosigkeit und Dummheit vorzuwerfen:

Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört es, in einer Doktorarbeit ordentlich zu zitieren.

Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört es aber sicher auch, eine vorgelegte Arbeit ordentlich zu prüfen.

[...]

Der Promotionsausschuss hat mir im Jahr 2000 in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen.

Heute sieht der Promotionsausschuss das anders.

Diese Entscheidung bedauere ich außerordentlich [...] Ich werde prüfen lassen, ob sie rechtswidrig ist.

Sogar wenn man mal völlig außen vor lässt, dass eine derartige Unfähigkeit, mit eigenen Fehlern angemessen umzugehen, von einem bedauerlich unterentwickelten Gefühl zeugt für Anstand und Respekt vor der Öffentlichkeit, für die man tätig zu sein vorgibt, und nur den pragmatisch-eigennützigen Aspekt berücksichtigt, ist das immer noch eine erbärmlich ungeschickte Reaktion.

Wie enthoben jeglicher Realität muss man eigentlich sein, um heute immer noch nicht begriffen zu haben, wie man damit umgehen sollte, wenn man öffentlich berechtigt eines nachweisbaren Fehlverhaltens beschuldigt wird?

Man kann es in jedem Ratgeber nachlesen, jeder Spin-Doctor und jeder PR-Berater wird es einem bestätigen, und die Medien sind buchstäblich voll von negativen und positiven Beispielen: Man gesteht den Fehler ein, man bittet um Verzeihung, man bedauert ihn, und man zieht irgendwelche Konsequenzen, die nicht mal besonders dramatisch sein müssen. Wenn man nicht gerade mehrere Kinder vergewaltigt hat (und für manche von uns sogar dann) ist die Sache damit erledigt, und man kann sich vor lauter Respekts- und Hochachtungsbekundungen gar nicht mehr retten.

Frau Koch-Mehrin hat es stattdessen vorgezogen, anderen Leuten die Schuld zu geben, ihr eigenes Versagen abzustreiten und und sich vom Europäischen Parlament in den Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie entsenden zu lassen. Und dazu würde ich nun gerne doch noch mal Herrn Stefanowitsch zitieren:

Nur, falls es jemand immer noch nicht verstanden hat: Deutschland wird im Forschungsausschuss des Europaparlaments durch eine überführte wissenschaftliche Betrügerin repräsentiert.

[...]

Aber (und wenn ich die Bibel zitiere, dann ist die Lage wirklich ernst) wer den Wind sät, muss Sturm ernten — einen andauernden, unablässigen, unnachgiebigen Shitstorm, der nicht zu blasen aufhört, bis ihr wenigstens so tut, als ob ihr die Verantwortung für euer Handeln übernehmt.

Hihi, er hat “blasen” gesagt… Verzeihung. Wo waren wir? Ach ja.

Dies ist mein kleiner Beitrag zu besagtem Shitstorm. Nicht, dass er helfen wird, aber ich fühle mich zumindest besser deshalb. Und das ist doch auch schon mal was.

Nachtrag, 27. Juni 2011: Frau Koch-Mehrin hat gestern, am 26. Juni, auf ihre Position in dem Ausschuss verzichtet. Hätte nicht erwartet, dass sie auf mich hört, und bin jetzt entsprechend angenehm überrascht.


You keep using that word. I do not think it means what you think it means.

22. Juni 2011

Seit langerlangerlangerlanger Zeit habe ich hier den Entwurf eines Entwurfs einer Idee eines Anfangs eines christlichen Wörterbuches hier herumliegen, und nachdem ich kürzlich via Der Postillon das energetisch schwingende Wörterbuch entdeckt habe, erwachte in mir wieder der Ehrgeiz, das Konzept zur Veröffentlichungsreife zu peitschen. Ob mir das gelungen ist, müsst ihr mir sagen. Ich bin auf jeden Fall offen für Ergänzungen und Kritik, und ich weiß natürlich, dass ganz ganz viele wichtige Stichwörter noch fehlen.

Vielleicht sollte man mal versuchen, ein Wiki draus zu machen. Oder gibt es womöglich schon eins? Egal. Erst mal zur Sache:

Allwissenheit: Eine mal mehr, mal weniger vage Vorstellung davon, was möglicherweise passieren könnte.

Arroganz: Zweifel an der Idee, dass die Milliarden von Galaxien unseres Universums mit dem hauptsächlichen Ziel geschaffen wurden, uns einen abwechslungsreicheren Nachthimmel zu verschaffen.

Atheist: Jemand, der einerseits vorgibt, genau zu wissen, dass nicht nur der christliche Gott nicht existiert, sondern dass es überhaupt nichts gibt, das die heutige Wissenschaft nicht vollständig bis ins letzte Detail erklären kann und dass man nicht sehen und anfassen kann, der sich selbst für allwissend und allmächtig hält, aber gleichzeitig tief in seinem Innern genau weiß, dass der christliche Gott doch existiert, ihn aber hasst, weil er ihn vom Sündigen abhalten will, das der ->Atheist über alles liebt, weil sein erbärmliches Leben ja ansonsten keinen ->Sinn hat. Die Haltung von ->Atheisten ist zutiefst ->arrogant und ->intolerant.

Bibel: Das Heilige, Unfehlbare und Für Alles Maßgebliche Wort des Einen Allwissenden Allmächtigen Schöpfers des Universums, das man natürlich unter keinen Umständen wörtlich nehmen darf und dessen einzige relevante Aussage im Prinzip lautet: “Liebe deinen Nächsten”. Alles andere ist metaphorisch gemeint oder zumindest im ->Kontext auszulegen.

Christ (im Zusammenhang mit konkreten theologischen Fragen): Der Sprecher selbst, unter Umständen noch seine nächsten Angehörigen.

Christ (im Zusammenhang mit Statistiken, “christlichen Werten” und dem “christlichen Abendland”): So ziemlich jeder, der noch keine Kirche angezündet hat.

Ewige Verdammnis, See aus Feuer, endlose Verzweiflung und Leid, mit eisernem Stabe geweidet werden etc.: Metaphern für einen selbst gewählten Zustand moderater Unzufrieden oder zumindest nicht ganz perfekten Glücks.

Gläubig (Wie in: wissenschaftsgläubig): Jemand, der die Aussagen einer Autorität unreflektiert akzeptiert. Kindisch und erbärmlich.

Gläubig (Wie in: gottgläubig): Jemand, der die Aussagen einer Autorität unreflektiert akzeptiert. Zeichen eines moralisch und intellektuell hervorragend entwickelten Verstandes.

Gott, Codename “der Eifersüchtige” (Exodus 34:14):  Kein objekthaftes übernatürliches Wesen außerhalb von Raum und Zeit, kein im Himmel (lokal verstanden) thronender Übervater, der die Welt „gemacht“ hat, sondern ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält und total sauer wird, wenn man vor einer Statue kniet, die ihm nicht ähnlich sieht. Gott ist ->Liebe.

Intoleranz: Leuten widersprechen, die zum Beispiel Homosexualität als “->widernatürlich und schöpfungswidrig” und Homosexuelle als “Sünder” bezeichnen.

Kontext: Bei der Auslegung der ->Bibel unverzichtbar, um nicht die eigenen Kinder steinigen zu müssen, Kleider aus verschiedenen Stoffen tragen und sich die Haare schneiden zu dürfen. ->Atheisten sind vollständig unfähig, Verse der ->Bibel im richtigen ->Kontext auszulegen.

Liebe: “Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit;  sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.” (1. Korinter 13:4ff.)
S. ->Gott, der ist nämlich ->Liebe, wenn man davon absieht, dass er weder besonders langmütig noch freundlich ist, sich selbst “der Eifersüchtige” nennt, regelmäßig Mutwillen treibt, sich aufbläht, sich ungebärdig stellt, das Seine sucht, sich leicht verbittern lässt und Böses zurechnet, sich gelegentlich der Ungerechtigkeit und der Unwahrheit freut, weder alles glaubt noch hofft, noch alles verträgt, und erst recht nicht alles duldet. Der Rest stimmt aber.

Menschenopfer: Grausamer heidnischer Brauch, den der christliche ->Gott niemals akzeptieren würde. Bis auf dieses eine Mal, aber das zählt nicht. Und das andere Mal, aber das zählt nun wirklich nicht. Und das dritte Mal, aber das war ja nun echt was ganz anderes.

Moral: Die willkürlichen Anweisungen eines ->Gottes. ->Atheisten können demnach logischerweise keine haben.

Natürlich: ->Gottes Willen entsprechend. Wir müssen unsere sündige Natur überwinden, um uns natürlich zu verhalten. S. ->widernatürlich.

Religiös: s. ->gläubig.

Sinn (des Lebens etc.):  Das von einem allmächtigen Wesen (->Gott) fremdbestimmte Ziel unserer Existenz. Unbedingte Voraussetzung für ein freies, selbstbestimmtes Leben.

Sterben, an dem Tage, an dem du von ihm issest: Mehrere hundert Jahre lang leben.

Sterben, ansonsten: Sterben.

Tieropfer: Grausamer heidnischer Brauch, der dem christlichen ->Gott früher großes Vergnügen bereitet hat, aber er hat aufgehört. Mit Pflastern wahrscheinlich.

Toleranz: Andere Leute als “->widernatürlich und schöpfungswidrig” und “Sünder” bezeichnen, ohne sie damit als Person anzugreifen, zu beleidigen oder zu verurteilen.

Widernatürlich: Der menschlichen Natur entsprechend, s. ->natürlich.


Foster hatte kürzlich die Frage aufgeworfen, ob ich mal einen Beitrag schreiben könnte, bei dem der Titel wesentlich länger ist als der eigentliche Artikel. Und weil wir bei überschaubare Relevanz die Wünsche und Kommentare unserer Leser nicht nur ernst nehmen, sondern geradezu religiös befolgen, ist es nun so weit: Challenge accepted.

22. Juni 2011

Matt Dillahunty hat Recht. Trotzdem traurig, dass ihm die Knutsch-Spiel-Assoziation nicht aufgefallen ist.


Isn’t life mysterious?

20. Juni 2011

Does the idea that there might be truth
Frighten you?
Does the idea that one afternoon
On Wiki-fucking-pedia might enlighten you
Frighten you?
Does the notion that there may not be a supernatural
So blow your hippy noodle
That you would rather just stand in the fog
Of your inability to Google?”

Tim Minchin hat diese Zeilen in seinem wunderbaren Beat-Poem “Storm” (aus aktuellem Anlass ohne Link) zwar an eine Esoterikerin gerichtet, und ich habe keinen Grund anzunehmen, dass Tim Kreider es mit der esoterischen Szene hält, aber trotzdem ging mir diese Strophe nicht aus dem Kopf, während ich Kreiders Beitrag in der gestrigen New York Times las. Er heißt “In Praise of Not Knowing”, und darum geht es auch. Irgendwie:

Als Kreider 17 war, entdeckte er ein Musikstück des Komponisten Harry Partch, den außer ihm niemand kannte, und er war von diesem Stück ganz begeistert, und er erfreute sich nicht nur an der Musik selbst, sondern auch an dem Gefühl, dass Harry Partch nur ihm allein gehörte, und einem einzigen Freund, dem er von ihm erzählt hatte.

This was in the ’80s, a time when there was simply no way of learning much more about Harry Partch, at least not that I knew of. If I were a 17-year-old discovering Harry Partch today, I could Google him, and I’d immediately find the Harry Partch Information Center andCorporeal Meadows, where I’d learn all about his system of intonation with a 43-note octave and his instruments made of bamboo, jet-engine nose cones, artillery-shell casings and whiskey bottles, with names like the Gourd Tree, Boo II, Zymo-Xyl and Marimba Eroica.

Und außerdem hätte er die Möglichkeit gehabt, schreibt er, hunderte anderer Menschen kennenzulernen, die auch Fans von Harry Partch sind. Und das ist für Kreider ein Problem:

That proprietary sense that my friend and I had about Harry Partch, our sense of belonging to an exclusive club of cognoscenti, is why teenagers get so disgusted when everybody else in the world finds out about their favorite band. It’s fun being In the Know, but once everyone’s in it, there’s nothing to know anymore.

Und natürlich ist die Möglichkeit, Leute mit ähnlichen Interessen zu finden, nicht das einzige Gefährliche am Internet:

Instant accessibility leaves us oddly disappointed, bored, endlessly craving more. I’ve often had the experience of reading a science article that purported to explain some question I’d always wondered about, only to find myself getting distracted as soon as I started reading the explanation. [...] Just knowing that there is an answer is somehow deflating.

Und ich denke, jetzt müsstet ihr verstehen, warum mich das auf ganz frappierende Weise an Minchins Text erinnert: Wir haben hier jemanden, der tatsächlich offen dazu steht, dass ihn die Idee stört, dass es Wahrheit gibt. Dem die Idee Unwohlsein bereitet, dass ein Nachmittag auf Wiki-fucking-pedia sich als erhellend erweisen könnte, und der gerne im Nebel seiner Unfähigkeit zu googlen verbleiben möchte. Jemanden, der sogar all die Menschen bedauert, die jetzt die Chance haben, mühelos auf das gesammelte Wissen der Menschheit zuzugreifen:

I hope kids are still finding some way, despite Google and Wikipedia, of not knowing things. Learning how to transform mere ignorance into mystery, simple not knowing into wonder, is a useful skill. Because it turns out that the most important things in this life — why the universe is here instead of not, what happens to us when we die, how the people we love really feel about us — are things we’re never going to know.

Es gibt so vieles, was mich an Kreiders Beitrag stört. Zuerst mal (um mit dem am wenigsten wichtigen anzufangen) ist mir nicht ganz klar, wie er den zuständigen NYT-Entscheider dazu bekommen hat, dieses lahme Rumgemeine zu veröffentlichen. Mir ist nach dem Lesen nicht so richtig klar, was er eigentlich fordert oder kritisiert, was er will, abgesehen davon, dass er meint, es wäre irgendwie gut, wenn man nicht alles weiß (als ob man die Wahl hätte). Aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit.

Die zweite Kleinigkeit ist, dass sein Schlusssatz natürlich nicht stimmt. Oder zumindest irreführend ist. Natürlich können wir niemals über irgendwas völlige Gewissheit haben. Wir wissen aber ziemlich genau, was mit uns passiert, wenn wir sterben, und die meisten von uns wissen auch verhältnismäßig gut, wie die Menschen, die wir lieben, in Bezug auf uns empfinden. Das mit dem Universum wissen wir wirklich noch nicht besonders gut, aber ich weiß nicht, wo Herr Kreider die Gewissheit hernehmen will, dass wir es niemals herausfinden können. Aber auch das spielt natürlich eigentlich keine große Rolle.

Die Hauptsache ist, dass ich einfach nicht begreifewie man eine solche Sehnsucht danach empfinden kann, etwas nicht zu können. Wie man auf die Idee kommt, es wäre irgendwie etwas Schlechtes, dass man in einem Zeitalter lebt, in dem die Menschen durch Entfernung kaum noch getrennt werden, und in dem Kommunikation so einfach ist wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wie man ernsthaft nicht nur denken, sondern sogar in eine Zeitung schreiben kann, dass man sich aktiv weigern sollte, Dinge herauszufinden, um sich an Geheimnissen und Rätseln erfreuen zu können, das begreife ich nicht.

Ich will Herrn Kreider nicht Unrecht tun, aber wenn er es irgendwie schaffen könnte, seine Angst vor Informationen zumindest ein bisschen abzulegen, würde er vielleicht herausfinden, dass es noch jede Menge Geheimnisse und Rätsel gibt, und dass man immer besseren Zugang zu immer interessanteren Geheimnissen gewinnen kann, wenn man etwas über die Welt lernt, in der wir leben. Er würde wahrscheinlich erkennen, dass seine Sorge, uns könnten irgendwann die Geheimnisse ausgehen, ungefähr so sinnvoll ist, wie die Angst, vom Rand der Welt herunterzufallen.

Natürlich kann ich den ganzen Tag vor der Spüle in meiner Küche stehen und das Mysterium bestaunen, dass da Wasser aus dem Hahn kommt, wenn ich einen Hebel bewege. Und ich kann mir überlegen, dass das vielleicht daran liegt, dass irgendwo ein paar Heinzelmännchen im Keller stehen und unter okkulten Gesängen das Wasser zu mir rauf in die Wohnung zaubern. Und dann kann ich mich drüber freuen, dass es mir gelungen ist, meine Unwissenheit in ein Mysterium umzuwandeln.

Wenn ich dann aber voller Mitleid auf Leute herabblicke, die versuchen, den Ursprung unseres Universums zu erforschen, herauszufinden, was Zeit eigentlich ist, und ob sie irgendwann aufhören könnte, die die Funktion des menschlichen Gehirns und Bewusstseins untersuchen und die Zusammensetzung ferner Sterne analysieren, weil sie ja diesen schnellen Zugang zu Informationen nutzen, der uns so merkwürdig, gelangweilt, endlos nach mehr dürstend, zurücklässt, dann bin ich doch eigentlich ein ziemlich armer Mensch, oder?


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