Einfach nur, um TakeFive zu ärgern

27. September 2011

Ziemlich wörtliche Wiedergabe eines Gesprächs zwischen mir und einem Christen:

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Da lacht das Web

27. September 2011

Habt ihr auch so einen nervigen Freund, der euch nicht nur dauernd vom neuesten Trend erzählt, sondern dazu auch noch ausführlich erklärt, was daran so besonders edgy, funky und tubular ist? Ich nicht, aber ich habe auch sowieso kaum Freunde… Egal. Jedenfalls sieht Spiegel Online diese Strategie anscheinend als den Weg in die Zukunft für ein traditionsreiches Nachrichtenmagazin. Oder jemand dort in der Redaktion hat einfach nur entdeckt, dass es Witze auf Twitter gibt und hatte dringend noch ein paar Zeilen zu füllen.

Die beiden am häufigsten, in verschiedenen Varianten per Twitter verbreiteten Witze gehen so:

 Der Barkeeper sagt: “Tut mir leid, wir bedienen keine Neutrinos, die schneller sind als das Licht.” Ein Neutrino kommt in eine Bar.

“Neutrino!” – “Wer ist da?” – “Toc, toc.”

Nanu, fragt ihr euch, was ist das denn? Fürchtet euch nicht, denn Spiegel Online hat die Antwort:

Das Ganze ist feinster Nerdhumor, der sich wohl nicht jedem sofort erschließt. Die Surfer jedenfalls sind begeistert.

Die Surfer. Ja… Und warum? wollt ihr jetzt vielleicht wissen. Was ist denn daran komisch? Nun…

Neutrinos beantworten eine Frage, bevor sie gestellt wird. Und sie sind so schnell unterwegs, dass sie den klassischen Witzaufbau auf den Kopf stellen: Die Pointe kommt nicht zum Schluss, sondern gleich zu Beginn.

Verstehen Sie? Verstehen Sie? Crazy, diese Surfer…  Oder? Oder?

Und ihr ahnt es wahrscheinlich schon, diese verrückten Twitter-Nutzer treiben es natürlich immer weiter.

Die mögliche Verletzung des Prinzips von Ursache und Wirkung sorgt unter Twitter-Nutzern für einen regelrechten Wettstreit um den besten, noch verrückteren Neutrino-Witz:

Der LHC-Beschleuniger hat in diesem Jahr schon zum zweiten Mal gegen das Kausalitätsprinzip verstoßen. Das erste Mal wird im Dezember sein.

Wer Spiegel Online nicht kennt, erwartet vielleicht, dass da irgendwann noch mehr kommt. Der denkt womöglich, dass das doch unmöglich alles sein kann, dass da einfach nur identischer Witz an identischen Witz gereiht wird, mit An- und Abmoderationsbrocken dazwischen, auf die Fritz Egner zu besten “Die witzigsten Werbespots der Welt”-Zeiten stolz gewesen wäre. Der irrt natürlich.

Wie aus einem Monty-Python-Sketch wirken folgende zwei Sätze:

[Ich lasse die Witze von jetzt an weg, die könnt ihr euch selbst dazu denken, falls sie euch interessieren. Das Prinzip habt ihr ja hoffentlich verstanden.]

Mittlerweile scheint das Phänomen manchen sogar mächtig zu nerven:

[...]

Die Überlichtgeschwindigkeit von Neutrinos könnte sogar die Datenübertragung im Internet beschleunigen, scherzt der Nutzer I_Madcap:

Stefan Niggemeier fragt sich ja gelegentlich, ob bei den Online-Portalen der deutschen Zeitungen und Nachrichtenmagazine noch Menschen arbeiten. Ich denke, die Frage ist damit beantwortet. Die Maschinen, die ich kenne, wären sich für sowas jedenfalls zu schade.


We don’t hate you. We just think you’re wrong.

25. September 2011

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bereue ich, auf Rachel Lindenbaums letzten Kommentar zu meiner Papstsatire nicht doch ausführlicher geantwortet zu haben. Einerseits gab es natürlich Gründe. Ich war es einfach Leid, zum wasweißichwievielten Mal zu erklären, dass ich all diesen Kram gar nicht denke, der Atheisten so gerne untergeschoben wird, sobald sie mal den Mund aufmachen und ihre Meinung sagen. Ist ja irgendwie noch menschlich verständlich, wird aber dadurch natürlich nicht unbedingt richtig. Gerade weil Rachel in ihren Kommentaren auf geradezu beispielhafte Art einen großen Teil dieser Vorurteile gegen evangelikale Atheisten illustriert hat, wäre das eine Chance gewesen, meine wirkliche Position zu erläutern.

Glücklicherweise kann ich diese Chance ja jetzt immer noch nutzen, und eben weil die zugrundeliegenden Missverständnisse in nahezu jeder längeren Diskussion zwischen Atheisten und Christen auftauchen, habe ich mich entschieden, einen eigenen Artikel dafür zu verwenden. Ich werde dabei Rachels Kommentar zitieren und meine Antworten so formulieren, als wären sie nur an sie gerichtet, aber das heißt natürlich nicht, dass dieser Beitrag nicht auch für andere Leser interessant sein könnte, die mehr über meine Haltung gegenüber Religion und ihren Anhängern erfahren möchten.

[Tja, so, jetzt habe ich es geschrieben, und muss feststellen, dass es doch nicht so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist jetzt doch mehr eine Antwort auf Rachels Kommentar als eine Auseinandersetzung mit allgemeinen Fragen. Naja. Vielleicht interessiert es ja trotzdem den einen oder anderen. Jedenfalls sehe ich gar nicht ein, warum ich das jetzt alles wieder löschen sollte, bloß weil es nicht gut geworden ist. Muss ja niemand lesen. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.]

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Restebloggen zum Wochenende (74)

25. September 2011
  1. Wie madove ihre Dreitagescrushs hat, habe ich meine Zweiwochencrushs, oder so. Diesmal ist es Thatguywiththeglasses, insbesondere in seiner Inkarnation als Nostalgia Critic. Besonders empfehlenswert finde ich seine Nostalgia Commercials. Wer schon immer wissen wollte, was eigentlich ein WonderBoner ist, der ist hier richtig.
  2. A propos Crush: Jeff Strand lässt uns wissen, was er als CEO von Netflix anstelle einer Entschuldigung als Reaktion auf die Kritik an der Preiserhöhung veröffentlicht hätte:
    You whiny spoiled brats think you’re getting ripped off at that price? Shouldn’t you be saying “Holy f***ing s**t! We live in a world where I can pay sixteen bucks and watch as many movies as my eyeballs can handle without melting!”?
  3. Was mag wohl im Kopf eines Menschen vorgehen, der erst schreibt:

    “Auch wenn schrille Töne seit nunmehr drei Jahrzehnten fast überall auf der Welt zur medial verstärkten Begleitmusik nahezu jedes Besuchs eines Papstes gehören, so lassen sich die Deutschen auch diesmal wieder nicht an Respektlosigkeit übertreffen. [...] Doch was wäre gewonnen, wenn die katholische Kirche und ihre Repräsentanten nicht mehr als Urheber alles Bösen in der Welt und als Projektionsfläche jedes noch so absurden Verdachts dienten? Die Welt verlöre das letzte Vorurteil.

    Und dann:

    “Wenn Benedikt von der Ökologie des Menschen spricht, von einer Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann, dann in dem Wissen, dass es außerhalb dieses Glaubens keine Vernunft und kein Heil gibt.

    [Hervorhebung von mir]

    Mir fällt dazu nicht viel ein, außer vielleicht: Seien Sie frohen Mutes, Herr Decker, Ihre Sorgen sind unbegründet. Die Respektlosigkeit der Papstkritiker kann offenbar durchaus übertroffen werden, und auch Vorurteile gibt es noch reichlich. Alles ist gut.

  4. Passend dazu, Hugh Laurie für eine bessere Welt:

    [via Fichtenstein mit mehr Dank, als ich in Worten auszudrücken vermag]
  5. Mit Dank an Katja für den Hinweis: Unintentionally sexy church signs. Obwohl ich bei einigen nicht sicher bin, ob nicht vielleicht doch ein bisschen Vorsatz im Spiel war.
  6. Zynæsthesie mit einem anderen alternativen Ende zum Papstbesuch: Verratzt
    “„… zunächst nur Erstaunen, teilweise Heiterkeit, dann jedoch blankes Entsetzen, das in lautes, ja tränenreiches Wehklagen mündete, als Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. in seiner lang erwarteten Rede vor dem Deutschen Bundestag die Konsequenzen zog, sein Amt niederlegte und zugleich die Auflösung der Römisch-katholischen Kirche…“”
  7. DasSan zeigt uns (mit Hilfe von Savage Chicken), wie man sich Reality TV ansieht. Funktioniert meiner Meinung nach auch mit nahezu jedem anderen Fernsehgenre.

How it should have ended

22. September 2011

Im Berliner Stadtteil Tiergarten wurde am heutigen Vormittag ein offenbar verwirrter älterer Mann aufgegriffen. Der weißhaarige Herr war zwei Polizisten aufgrund seiner ungewöhnlichen Kleidung aufgefallen. Auf Ansprache reagierte er zunächst unauffällig und schien zurechnungsfähig, doch auf eingehendere Nachfragen stellte sich heraus, dass der Mann offenbar unter Wahnvorstellungen leidet. Der noch Unbekannte bezeichnete sich nach Angaben des Pressesprechers der Berliner Polizei als Stellvertreter eines vor Jahrtausenden verstorbenen jüdischen Wanderpredigers und versicherte, in regelmäßigem Kontakt mit einer allmächtigen, körperlosen Entität zu stehen, die nicht nur die Erde und alles Leben auf ihr erschaffen habe, sondern auch das gesamte Universum in allen Details zu jeder Zeit vollständig kontrolliere. Auch weitere Äußerungen des Mannes belegen eine gestörte Wahrnehmung der Realität: So erklärte er beispielsweise, gelegentlich unfehlbare Wahrheit zu verkünden, dazu aber nur sehr selten unter besondere Umständen in der Lage zu sein, und zeigte sich zutiefst betrübt über die Reaktion der Beamten. Ihre Skepsis gegenüber seinen Behauptungen sei gerade im Blick auf die dunklen Seiten der deutschen Geschichte höchst besorgniserregend, da die Rückbindung an einen unsichtbaren Zauberer Voraussetzung für echte Freiheit und Grundlage für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft sei.

Aufgrund seines anscheinend labilen Geisteszustandes nahmen die Polizisten ihn vorläufig in Gewahrsam. Allerdings zeige er keinerlei Anzeichen von Gewaltbereitschaft und betone im Gegenteil sogar immer wieder die hohe Bedeutung von “Nächstenliebe”. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass er aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung eine Bedrohung für andere oder sich selbst darstellen könnte. Als wahrscheinlich erachten die Beamten dies allerdings nicht und beabsichtigen, ihn deshalb in Kürze wieder auf freien Fuß zu setzen. Wie eine Quelle innerhalb der Behörde dieser Zeitung mitteilte, könnte der über Achtzigjährige wegen seines Alters höchstens für Kinder gefährlich werden.


Verbrechen und Strafe, oder wohl doch eher nicht

17. September 2011

Heute bashen wir mal einen anderen dummen Aberglauben als das Christentum: Keoni und ich haben gestern beim Einkaufen an der Supermarktkasse einen Flyer von einer Feinstoffpraxis gefunden, und weil wir beide nicht so genau wussten, was das überhaupt ist, haben wir ihn mitgenommen.

Wenn man ihn mal aufklappt, dann kommt der Blödsinn schnell, und er kommt dicke.

“Über den physischen Körper hinaus haben wir Feinstoffkörper, die wie dieser Schmerzen empfinden oder in Unordnung geraten können, wenn man mit ihnen unachtsam umgeht. Die Auswirkungen können feinstoffliche Schmerzempfindungen sein, wie Ängste, Verzweiflung, Traurigkeit, Trennungsschmerzen oder Antriebslosigkeit. Feinstoffliche Ordnung in unseren Feinstoffkörpern ermöglicht uns Gefühle wie Lebensfreude, Lebenskraft, Zuversicht und Dankbarkeit und die Entwicklung einer individuellen, strahlenden Persönlichkeit.“

“Eine individuelle Persönlichkeit!” Höre ich euch rufen. “Toll! Das wollte ich schon immer mal haben. Wie komme ich da ran?” Ihr werdet euch schon gedacht haben, dass die Antwort sehr einfach ist:

“In der Feinstoffberatung bekommen Sie Unterstützung bei feinstofflichen Schmerzempfindungen wie zum Beispiel Trennungsschmerzen von Menschen oder Orten, Partnerschaftsproblemen, Liebeskummer, […] Traurigkeit [und so weiter]

Für ein Anliegen sollten in der Regel 3 Termine eingeplant werden.”

Der Flyer enthält leider keine Preise, aber er informiert uns auch noch darüber, was in den 3 Beratungstermin nach der Göthertschen Methode passiert:

“Im 1. Beratungstermin sprechen wir über Ihr Anliegen, Sie erleben unter Anleitung das Spüren ihrer [sic] eigenen Feinstoffkörper und ich unterstütze den Voraussetzungsprozess.

Im 2. Beratungstermin findet der feinstoffliche Ordnungsprozess statt.

Der 3. Beratungstermin ist für den Anpassungsprozess – nach Veränderung darf sich im Feinstofflichen wie im Physischen eine Anpassung vollziehen.”

Ich weiß, dass ich schon zweimal geschrieben habe, dass Verträge über übernatürliche… sagen wir in Ermangelung eines besseren Begriffs mal: Leistungen legal und wirksam sein sollten, aber das hier ist doch nun wirklich ein Paradebeispiel für die Fälle, in denen meine Argumentation nicht anwendbar ist. Ich würde nach meinem begrenzten strafrechtlichen Verständnis sogar die Behauptung wagen, dass zumindest nach diesem Flyer zu urteilen jedes einzelne Tatbestandsmerkmal des Betrugs erfüllt sein dürfte:

  • Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen: Check, wenn man davon ausgeht, dass die feinstoffliche Beratung nicht entgegen den Angaben auf der Homepage gratis erfolgt.
  • Erregung eines Irrtums durch Vorspiegelung falscher Tatsachen: Eindeutig Check, denn (so traurig es auch ist, dass man das in dieser Zeit überhaupt noch schreiben muss) wir haben keinen verf%&$§§$$“! Feinstoffkörper, was auch immer das überhaupt sein soll.
  • Und der Versuch ist auch schon strafbar, es muss also niemand tatsächlich bezahlen, damit solche Menschen ihre gerechte Strafe erhalten.

Eigentlich könnte man also direkt Anzeige erstatten und sich auf bis zu zehn Jahre Freiheits- oder Geldstrafe freuen, aber ich fürchte, dass die Sache noch mindestens einen Haken hat: den Vorsatz. Ich will mich jedes Urteils darüber enthalten, ob die Person, die für diesen Flyer verantwortlich ist, den Stuss tatsächlich glaubt, aber wir können wohl unterstellen, dass sie es zumindest standhaft behaupten würde. Und wie ich unsere Gesellschaft kenne, hätte sie sehr gute Chancen, damit zumindest den strafrechtlichen Konsequenzen zu entgehen.

Für mich klänge das zwar ungefähr so glaubwürdig wie die Behauptung eines Autodiebes, er wäre versehentlich in den Wagen gefallen, hätte sich dann im Sicherheitsgurt verfangen und bei seinem Befreiungsversuch versehentlich Zündung, Kupplung, Gangschaltung und Gaspedal betätigt, aber… naja, es gibt ja andererseits offenbar auch wirklich Leute, die glauben, die Römer hätten vor ungefähr 2000 Jahren einen unschuldigen Mann kreuzigen müssen, um der Menschheit Vergebung dafür zu verschaffen, dass noch ein paar Tausend Jahre zuvor die ersten beiden Menschen sich von einer sprechenden Schlange mit Beinen dazu haben überreden lassen, das falsche Obst zu essen.

(Ja, ich weiß, ich wollte heute kein Christenbashing. Aber was soll ich sagen? Ich hab mich da einfach nicht im Griff.)


Es ist doch eigentlich ganz einfach

15. September 2011

Diskutiert ihr auch manchmal mit Christen über Moral? Ich meinte natürlich: mit dieser besonderen Art Christen, die nicht begreifen kann, dass man für Moral keinen Gott braucht? Die sind ja glücklicherweise nicht alle so. Fragt ihr euch auch manchmal, warum das so schwierig ist?

Ganz einfach: Ihr macht es falsch. Und ich zeige euch jetzt mal, wie’s geht. Hier ist der offizielle überschaubare-Relevanz-Guide für Moraldiskussionen mit dieser Art Christen. Und er kostet euch keinen Cent. So geht’s. Einfach vorlesen:

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Ich verstehe das mit dem Datenschutz nicht. So richtig.

14. September 2011

Ich meine… Ich weiß ja, dass ein größeres Problem ein kleineres Problem nicht weniger problematisch macht, und mir gehen ja diese Leute auch auf den Geist, die einem sagen, man solle nicht jammern, weil man seinenen Roboterstaubsauger zwei Tage verspätet bekommt, solange Kinder auf dieser Welt verhundern (btw: Fuck the poor!), aber trotzdem: Wir leben in einem Land, in dem es unter Strafe verboten ist, überregionalen Linienbusverkehr anzubieten. Wir leben in einem Land, in dem ich nicht selbst entscheiden darf, auf wie viele Toiletten ich in den Waschräumen meines Restaurants aufstelle, und ob ich überhaupt Waschräume einrichten will, und wie hoch die Urinale hängen. Ein Richter kann eine Freiheitsstrafe gegen mich verhängen, wenn ich ohne Erlaubnis mehr als eine bestimmte Menge Betäubungsmittel mit mir herumtrage, und als Arbeitgeber muss ich eine bestimmte Anzahl meiner Mitarbeiter komplett von der Arbeit freistellen und ihnen PCs, Seminare und Büros bezahlen, damit sie mir das Leben schwermachen können. Ich muss ein Bußgeld bezahlen, wenn ich mich im Auto nicht anschnalle. Wir bestrafen sogar Leute dafür, dass sie mit den falschen Personen auf die falsche Weise Sex haben!

All das nimmt der Großteil der Bevölkerung selbstverständlich hin oder hält es sogar für völlig unverzichtbare Regeln in einer sozialen Marktwirtschaft.

Aber wenn es darum geht, dass Fingerabdrücke in einem Personalausweis gespeichert werden, oder wenn irgendwo jemand auf einem öffentlichen Platz Kameras aufstellen will, oder wenn die Regierung gerne möchte, dass Netzbetreiber Verbindungsdaten eine Weile speichern, dann ist das plötzlich eine unerträgliche Einschränkung unserer Freiheit? Das können wir dann plötzlich nicht mehr hinnehmen? Dagegen demonstrieren wir?

Ich verstehe die ganze Aufr… Ich meine, warum ist uns denn gerade da unsere Freiheit plötzlich so wichtig? Ich sage ja nicht, dass ich es gut finde, wenn der Staat ohne vernünftigen Grund meine Daten abfragt und speichert. Ich behalte manche Sachen auch lieber für mich. Aber im Vergleich dazu, dass der Staat mich unter Strafandrohung dazu zwingt, Steuern zu zahlen, mit denen er dann unter anderem Kirchen und Bischöfe finanziert, scheint es mir doch noch ein nicht nur relativ milder, sondern auch noch einigermaßen sinnvoller Eingriff in meine Grundrechte zu sein, wenn er sich die Möglichkeit offen hält, irgendwann mal abzufragen, mit wem ich wie lange telefoniert habe. Ich sehe auch wirklich nicht die große Gefahr, die mir aus dieser Richtung droht.

Solange unser Gesetzgeber mir vorgibt, was ich essen darf, welche Drogen ich nehmen darf, zu welchen Konditionen ich einkaufen darf, wie ich mich versichern muss, und unter welchen Bedingungen ich einen verf*&$§! Zwergpudel halten darf, sehe ich ganz ehrlich keinen Anlass, mich darüber aufzuregen, dass er irgendwo am Potsdamer Platz oder auf der A2 ein paar Kameras aufhängt.

Warum ist es völlig in Ordnung, wenn der Staat meine Handlungsfreiheit wieder und wieder und wieder und wieder beschneidet, aber wenn er dann außer unserem Foto, unseren besonderen Merkmalen, unserem Geburtsdatum, unserem Geschlecht, unserem Einkommen, unserer Zugehörigkeit zu religiösen Vereinigungen, der Anzahl der Rundfunkempfangsgeräte in unserem Haushalt und [Liste beliebig erweiterbar, aber ich denke, das Prinzip kommt rüber] außerdem noch unsere Fingerabdrücke speichern will, dann ist plötzlich das Ende der Toleranz erreicht, und wir gehen auf die Straße?

Wieso?


Gefallen (15)

13. September 2011

Tja. Ich weiß, das ist nicht gut von mir, dass ich meinen Fortsetzungsroman zurzeit so vernachlässige. Das hat natürlich Gründe, die euch nicht interessieren, denn für euch ist ja nur entscheidend, dass ich einen Fortsetzungsroman versprochen habe und den jetzt schleifen lasse. Ich kann vorerst nicht einmal Besserung geloben, zumal das Ende sowieso immer das Mühseligste ist, sogar in einer Geschichte, die eigentlich noch lange nicht zu Ende ist, weil sie nur der Einstieg in eine Serie ist. Aber ich bemühe mich. Versprochen.

Viel Spaß.

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Geht sterben (1)

12. September 2011

Ach, FDP, ich will dich doch mögen. Genau wie George R.R. Martins Blog, genau wie Six Feet Under, genau wie den Papst. Aber genau wie die auch alle wehrst du dich mit Händen und Füßen und Zähnen und Klauen dagegen. Du demontierst dich zurzeit mit einer Leidenschaft und einer Professionalität, wie ein ganzes Heer von Marketingberatern sie nicht vermitteln könnte und hast es in kürzester Zeit vom strahlenden (wenn auch damals schon unverdienten) Wahlsieger zur Witzfigur unter den Parteien gebracht, die keiner mehr braucht, es sei denn als Objekt des Mitleids oder des beißenden Spotts. Warum nur, FDP?

Wie stellt ihr euch das mit eurer Führung vor? Wollt ihr mit Herrn Westerwelle noch irgendwas machen, oder soll das alles bleiben, wie es ist, damit Herr Rösler und seine Kollegen weiterhin jemanden haben, von dem sie sich in jedem Interview distanzieren können? Ich verstehe das schon, ohne ihn bestünde ja die Gefahr, dass Herr Rösler sich irgendwie inhaltlich äußern müsste, und das wollen wir wohl alle nicht.

Wie wollt ihr euch neben den anderen Parteien positionieren? Wollt ihr eine liberale Partei sein, oder weiter auf dem Weg zur fünften sozialdemokratischen Bundestagsfraktion bleiben? “Es ist nicht marktwirtschaftlich, wenn Menschen acht Stunden am Tag für Löhne arbeiten, von denen sie nicht leben können“? Raffiniert, Herr Garg. Die unsinnige Gängelei wird gleich viel liberaler, wenn man sie nicht mit Defiziten in der sozialen Gerechtigkeit begründet, sondern ihr Objekt als “nicht marktwirtschaftlich” deklariert. Klar. Die Entscheidungen der Marktteilnehmer sind natürlich nur dann “marktwirtschaftlich”, wenn sie den Wünschen der Regierung entsprechen, und müssen ansonsten per obrigkeitlichem Zwang korrigiert werden. Urliberale Position, das.

Ich meine, ihr müsst das wissen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die euch genau sagen können, wie ihr euer Programm ändern müsst, um endlich irgendwo mal wieder mehr als 3% zu erzielen. Ich habe keine Ahnung von Wahlkampf. Vielleicht ist es ein Mords-Erfolgskonzept, die kleinste SPD zu werden. Vielleicht macht ihr aus dieser Sicht alles genau richtig.

Ich gehöre aber ganz bestimmt zu den Leuten, denen ihr es mit solchen Manövern noch mal erheblich erschwert, euch wenigstens als das geringste Übel zu empfinden. Was euch wiederum fast egal sein kann, weil ich außerdem zu den Leuten gehören, die euch sowieso noch nie gewählt haben.

Ich mein halt nur.


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