Bundeskasse Halle, Kto.: 860 01 040 (BLZ 860 000 00)

Weil man zurzeit so viel davon hört, dass irgendwelche reichen Leute höhere Steuern für “sich selbst” fordern, gehe ich mal noch nicht sofort schlafen, sondern stelle vorher noch flugs eine These zur Diskussion. Und weil ihr so gute Kunden seid, gibt’s noch eine zweite gratis dazu:

  1. Diese Leute fordern keine höheren Steuern für sich selbst, sondern für andere. Wer selbst mehr bezahlen möchte, kann dies schon immer jederzeit tun. Nur wer möchte, dass andere mehr bezahlen, muss dafür höhere Steuern fordern. Das gibt der ganzen Sache aus meiner Sicht den Anschein von Heuchelei.
  2. Sogar wenn alle reichen Menschen in Deutschland (Ob das nun schon alle mit monströsen zu versteuernden Einkommen ab 52.882 EUR oder meinetwegen auch nur die sind, die mit mindestens 250.731 EUR jährlich in die Reichensteuerkategorie fallen, oder sogar nur noch viel reichere Leute, sei mal dahingestellt.), höhere Steuern für sich selbst fordern würden, hätte das nur mittelbar etwas mit der Frage zu tun, ob einer entsprechende Steuererhöhung eine sinnvolle Maßnahme wäre.
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16 Antworten zu Bundeskasse Halle, Kto.: 860 01 040 (BLZ 860 000 00)

  1. malefue sagt:

    nenn mich ungebildet, aber man kann der bundesrepublik deutschland geld “spenden”? das find ich sehr schön.

  2. Madove sagt:

    @malefue
    Nette Frage. Spontan fiele mir nur ein, mutwillig Dinge nicht von der Steuer abzusetzen, obwohl man es dürfte (oder als ersten Schritt, keine abzusetzen, die so nicht gedacht waren). Dafür kriegt man dann aber keine Spendenbescheinigung, kann die spende also nocht von der Stuer absetzen, und …äh… ach egal.
    Aber ich interpretiere die Artikelüberschrift als bessere Antwort.

    @Muriel
    1: Stimmt schon.
    Allerdings könnte, theoretisch, derjenige primär der Ansicht sein, daß im System was nicht stimmt (ein bichen wie der bioanbauwollende Niedriglohnempfänger, aber damit will ich das nicht nochmal aufrollen), und könnte die Tatsache nutzen, daß er einer der “Betroffenen” und kein “Nutznießer” wäre, um seiner politisch-theoretischen Meinung Gewicht zu verleihen.
    Ich bezweifle allerdings, daß das hier der Fall ist.
    2:Indeed.

  3. Sanníe sagt:

    Eigentlich gibt es doch gar keine Reichen, die höhere Steuern für sich selbst “gefordert” hätte. In Artkelüberschriften wird das nur so plakativ zusammengefaßt.

    Diese Leute haben nur darauf hingewiesen, daß es durchaus noch Luft nach oben gibt, denn anders als in der öffentlichen Diskussion immer gern genannt zahlt ja niemand tatsächlich 42% auf sein Einkommen. (Dir muß man den Unterschied zwischen Grenz- und effektivem Steuersatz wohl nicht erklären.)

    Ich finde das ganz ok und bin selbst auch nicht der Meinung, daß ich (als Beispiel für Mittelstand) unbedingt entlastet werden muß.

  4. Muriel sagt:

    @malefue: Nicht wahr?`
    @madove: Ohne dir in irgendwas widersprechen zu wollen, nur der Hinweis: Dass die jeweiligen Personen von der geforderten Steuererhöhung betroffen wären, wäre übrigens auch noch zu belegen.
    @Sanníe:

    anders als in der öffentlichen Diskussion immer gern genannt zahlt ja niemand tatsächlich 42% auf sein Einkommen.

    Du hast Recht. Die tatsächliche Belastung für den durchschnittlichen Bürger liegt bei rund 70%.

  5. Muriel sagt:

    (Und ja, das ist natürlich eine Schätzung, über deren Details man in vieler Hinsicht diskutieren könnte. Im Kern geht es mir vor allem darum, dass der Einkommensteuersatz weit davon entfernt ist, die Obergrenze unserer Belastung durch den Staat wiederzugeben.)

  6. Muriel sagt:

    @Sannìe: Und jetzt habe ich auch noch das eigentliche Thema vergessen, vor lauter Abgabenquotengedöhns.

    Eigentlich gibt es doch gar keine Reichen, die höhere Steuern für sich selbst „gefordert“ hätte.

    Verstehe ich nicht. Inwiefern findest du denn, dass Formulierungen wie
    “Der Staat muss uns Vermögende stärker zur Kasse bitten”
    durch meine Wortwahl unzutreffend wiedergegeben würden?

  7. foster sagt:

    ja nun, es gäbe schon eine Erklärung, nur klingt sie (auch für mich und nicht nur) auf den ersten Blick möglicherweise etwas verdreht:

    Sie wollen nicht mehr zahlen, als sie zahlen _müssen_.

    Hab ich – nicht von einem Multimillionär, sondern von jemandem mit (gerade noch) 5-stelligem Jahreseinkommen – mal so gehört:
    Theoretisch würde es ihn nicht stören, etwas mehr zu zahlen, aber wenn er dem Staat was _schenken_ würde, wär er ja blöde. (es ging dabei nicht um höhere Steuersätze, sondern um die oben schon erwähnte Variante des Verzichts auf künstliches Sich-arm-rechnen.)

  8. Sanníe sagt:

    Die ideologisch verblendeten vom Antbürokratieteam sind so peinlich, kein Artikel, kaum ein Kommentar kommt ohne in Tüdelchen gesetzte Energiewende oder den Hinweis auf linksgrüne Umweltkosten aus. Lästig finde ich das, habe gar keine Lust weiterzulesen, aber tat es doch:

    Das, was sie da verlinkt haben, ist ja ganz niedlich, funktioniert aber auch nur, weil allein ein Auto mit über 15%-Punkten zu Buche schlägt. Ich habe keines, kann aber als Raucher noch eine Extra-Rechnung aufmachen – und vergessen Sie die Sektsteuer nicht. Da kommt bei mir ordentlich was zusammen!

    Um die Abgabenquote dann nochmal unproportional zu erhöhen, werden die (jaja, sogenannten) Arbeitgeberkosten mit 100% aufgeschlagen. Ist das wirklich eine hilfreiche Berechnung, um die tatsächliche Last zu ermitteln?

    Dabei ist es ja richtig, daß gerade die Sozialabgaben und vor allem bei den kleineren Gehältern relativ zu hoch sind. Wenn man diese aber senkt, muß man wieder privat zuversichern – das ist dann ein Betrag, der nicht in dieser Rechnung auftaucht, aber dennoch gezahlt werden muß. Insofern ist das doch populistische Augenwischerei, eine Senkung der Abgabenlast zu fordern, wenn dieses Geld nun einmal benötigt wird und nur unter einem anderen Namen fließt. Die Abgabenquote hätte man dann gesenkt. Aber was war nochmal das Ziel?

    (Was den Begriff der “Forderung” angeht, haben sie natürlich recht, das hatte ich so gar nicht gelesen.)

  9. Muriel sagt:

    @foster: Ich werfe jetzt schon den dritten oder vierten Blick, und es klingt immer noch verdreht.
    Wenn es blöde ist, mehr zu zahlen, als man muss, wie blöde ist es denn dann, öffentlich zu fordern, mehr zahlen zu müssen?
    @Sanníe: Ich biete mal folgenden Vorschlag an: Ich räume ein, dass ich diesen Link besser weggelassen hätte. Die Rechnung dort bringt uns nicht weiter, und ich ziehe meinen Verweis zurück, auch wenn ich gerade die Einbeziehung des Arbeitgeberanteils noch für eine sinnvolle Idee halte.
    Aber ich bleibe dabei, dass der reine Einkommensteuersatz ein verzerrtes Bild von der Abgabenbelastung der Bürger zeichnet und es keinen Sinn ergibt, ihn alleine als Maßstab heranzuziehen. Die Umsatzsteuer, die Mineralölsteuer, die Vergnügungssteuer, und natürlich auch die Steuern auf Tabak, Branntwein sowie jede Gebühr für jeden Handschlag eines Beamten gehören mit in jede vernünftige Rechnung dazu.
    Ich persönlich finde die Staatsquote als Indikator ganz hilfreich (Irgendwas um 46% zurzeit, glaube ich.).
    Nebenbei: Dass ich es für eine gute Idee hielte, Zwangsversicherungen durch freiwillige zu ersetzen, spielt hier thematisch keine Rolle, aber die Bemerkung drängt sich mir nach deinem Kommentar irgendwie auf.

  10. Sanníe sagt:

    Ich finde das gar nicht so verdreht: Es fühlt sich nämlich ungerecht an, wenn man selbst mehr zahlt als andere, die das gleiche leisten könnten.

    Mit Deinem Vorschlag bin ich völlig einverstanden.
    Wenn man nicht nur den Einkommenssteuersatz, sondern die gesamten Abzüge vom Gehalt betrachtet, bleiben jemandem, der 3000 Euro verdient, etwa 62%, jemandem der 12000 Euro verdient etwa 56%. Ersterer wird vermutlich sein ganzes Netto ausgeben müssen, also einen höheren Anteil an Umsatzsteuer entrichten. Wie man den Rest berechnet, erschließt sich mir nicht und ich frage mich auch, warum es eine so wichtige Zahl ist. Wenn die “Staatsquote” niedriger ist, weil die Sozialversicherungen herausgenommen werden, erhalte ich doch auch deutlich weniger Leistung?

    Was den Arbeitgeberanteil angeht, stellt sich die Frage, ob der mir bei einer freiwilligen Versicherung auch zur Verfügung stünde. Mit meinem halben Rentenbeitrag kann ich vermutlich nicht genug rausholen, abgesehen davon, daß mir unwohl wäre, mein Geld an einem Kapitalmarkt anlegen zu müssen, der sich nicht nur für Unwissende wie mich völlig erratisch verhält.

    Zur Abschaffung der “Zwangsversicherung” – das ist so ein Kampfbegriff wie “Einheitsschule”, oder? – die halte ich für eine Errungenschaft: Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem die Leute gezwungen sind, für 4 Euro arbeiten zu gehen und sich dann ganz “freiwillig” krankenversichern (als wäre das etwas, auf das man eben auch verzichten kann, wenn man sich nicht so anstellt) und für ihre Rente an eben diesem Kapitalmarkt vorsorgen müssen.

    Mir grauts vor soviel “Freiheit”. (Aber vielleicht kommen wir jetzt zu weit vom Thema ab?)

  11. Das sind Brot und Spiele für die Linken und für alle, die sonst noch auf dieses Steuererhöhungsgerede stehen. Immer und immer und immer wieder die gleiche alte Leier. Auf beiden Seiten des Atlantiks:

    http://americanviewer.wordpress.com/2011/08/24/der-heilige-buffett/

    Was sollen die meisten Politiker und Reichen auch sonst den ganzen Tag fordern? “Es reicht die Steuern sind hoch genug für die Reichen”. Haha guter Witz. Das ist keine gute PR. Schon gar nicht hier in Europa.

  12. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Dir einmal von Herzen zustimmen würde, Muriel, aber hier tue ich es denn doch.

    Viele Grüße
    Morgenländer

  13. Muriel sagt:

    @Sannìe: Entschuldige bitte, ich habe versäumt, zu antworten. Aber es gibt auch nicht viel Diskussionsbedarf, würde ich sagen.
    Ich wüsste nur noch gerne, was du an dem Begriff der Zwangsversicherung auszusetzen hast. Man ist doch als Arbeitnehmer nun einmal gezwungen, in die staatliche Krankenversicherung einzuzahlen, ob man will oder nicht.
    @Morgenländer: Danke für deine Zustimmung. Mir ist schon ganz warm ums Herz. (Ich lese das gerade noch mal und sehe die Gefahr, dass diese letzte Bemerkung gehässig wirken konnte. Soll sie aber nicht sein.)

  14. mupi sagt:

    Spenden zur Tilgung der Staatsschulden sind bereits seit längerer Zeit möglich. Hierzu wurde ein eigenes Konto bei der Bundeskasse Halle einerichtet:

    Kontoinhaber: Bundeskasse Halle

    Kontonummer: 860 01 040

    Bankleitzahl: 86 000 000

    Kontoführendes Institut: Bundesbank Leipzig

    Verwendungszweck: Einzahlung zur Schuldentilgung für Bundesministerium der Finanzen

    Viel Spaß beim spenden !

  15. Muriel sagt:

    @mupi: Ähm. Danke. Ähm. Aber… Wie soll ich sagen… Ist bei dir wirklich der Eindruck entstanden, diese Information würde hier noch fehlen?

  16. […] die offenbar gemeinsam mit Ihnen in der glücklichen Lage sind, zu viel Geld zu haben, könnten es einfach tun, und uns andere, die wir unser Geld noch selbst brauchen, vielleicht, weil wir nicht das Glück […]

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