Rund siebeneinhalb Zwölftel Stunden mit: Ico

31. Oktober 2011

Ja… Ich dachte, ich versuch’s noch mal, und wie so oft, wenn man das denkt, hab ich mich diesmal tatsächlich noch dämlicher angestellt als beim ersten Mal. Den ganz Harten unter euch wünsche ich trotzdem viel Vergnügen, den anderen empfehle ich diesmal dringend, einfach auf den nächsten Post zu warten und so zu tun, als hätte es niemals ein “Let’s Play” bei überschaubare Relevanz gegeben.


Gefallen (17) – Finis

30. Oktober 2011

Nachdem ja das letzte Kapitel eher so mittel bis mäßig war, darf ich mit ein bisschen Stolz sagen, dass zumindest nach meinem Geschmack das letzte Kapitel – also dieses jetzt, denn das letzte war zwar das letzte, weil es vor diesem kam, aber dieses jetzt ist das letzte, oder eigentlich auch nur fast, denn es kommt demnächst noch ein Post mit Bonus-Features zu Gefallen, aber die eigentliche Geschichte ist zu Ende, oder zumindest dieser Teil, denn wie ihr euch vielleicht erinnert, ist Gefallen eigentlich ein Mehrteiler, es gibt also mit voller Absicht kein richtiges Ende im herkömmlichen Sinne – diesmal einigermaßen gelungen ist. Ich hoffe, ihr seht das auch so.

Viel Spaß.

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Wer ist hier paranoid?

27. Oktober 2011

faz.net? Ich? Vier alle?

Vielleicht reagiere ich ja über, aber die Untertöne dieses faz.net-Artikels über die Kölner Zentralmoschee klingen bei mir doch reichlich widerwärtig an. Vorgeschichte: Die Türkisch-Islamische Union (Ditib) als Bauherrin besagter Moschee hat offenbar den Architekten aus dem Projekt geworfen. Und faz.net findet die Gründe dafür nicht überzeugend.

Baumängel und Nachforderungen sind bei Projekten dieser Größenordnung Tagesgeschäft, und es ist Aufgabe des Architekten, sie abzuarbeiten. Daraus eine außerordentliche Kündigung zu konstruieren, erscheint so unangemessen, wie deren Zeitpunkt irritieren muss.

So weit, so egal, und bis dahin habe ich noch kein großes Problem mit der Sache, abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, warum eine überreagionale Zeitung darüber berichtet. Möglicherweise hatte faz.net selbst da auch keine gute Rechtfertigung und beschloss deshalb, noch ein größeres Fass aufzumachen:

So spricht vieles für die Vermutung, dass die Ditib den Architekten loswerden wollte, um freie Hand zu haben. Hat Böhm, den sie gleichsam als Bautrojaner einsetzen konnte, um als weltoffene, liberale Organisation zu erscheinen, seine Schuldigkeit getan?

Wir kennen diese Unterstellungstechnik mit dem Fragezeichen aus einer anderen großen deutschen Zeitung mit einem großen Buchstaben mehr als die FAZ, und wie das oft so ist, wird sie nicht weniger anrüchig, weil jemand anders sie einsetzt. Abgesehen davon, dass ich im Artikel keinerlei Belege für diese Annahme finde, wäre es doch auch eine merkwürdige Technik: Ich suche mir einen Architekten, der mich (Wodurch eigentlich?) weltoffen und liberal darstellen lässt, um dann kurz vor dem Ende meines Bauprojekts eine öffentliche Schlammschlacht mit ihm anzufangen, denn jeder weiß ja: Einen einmal erworbenen guten Ruf kann man durch Fehlverhalten niemals wieder ruinieren. Oder so.

Der Verfasser Andreas Rossmann geht aber noch weiter:

Schlechte Zahlungsmoral, Preisdrückerei, die Qualitätsdefizite zur Folge hat und in Mehrkosten umschlägt, Ignorieren von Absprachen und mangelnde Verbindlichkeit – entspricht das nicht den Klischees, denen “die Türken” sich ausgesetzt sehen?

The fuck, FAZ? Geht es noch ein bisschen schmieriger? Und wenn er erst einmal angefangen hat, bleibt er auch auf dieser Schiene:

Doch hat die Ditib mit der Kündigung des Architekten nicht nur Vorurteile bedient, sondern auch die Sympathie, die die Mehrheit der Kölner dem Projekt bislang entgegenbringt, leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Ach, diese dummen, unzuverlässigen, kurzsichtigen, unehrlichen Türken. Da bedienen sie nicht nur Vorurteile, sondern setzen in ihrer Dummheit und Kurzsichtigkeit auch noch die Sympathie aufs Spiel, die die Kölner ihrem Bauprojekt bislang großzügigerweise entgegengebracht haben.

Es geht nicht “nur” um Architektur, sondern, wie der Umgang mit ihr offenbart, um eine Kulturfrage.

Okay. Und jetzt wüsste ich von euch gerne: Bin ich hypersensibel, wenn ich zu dem Schluss komme, dass der Autor hier nicht nur Vorurteile bedient, sondern auch die Sympathie, die die Mehrheit der Kölner dem Projekt bislang entgegenbringt, leichtfertig aufs Spiel setzt, indem er mehrfach sehr deutlich impliziert, es wäre erstens was Besonderes, dass Deutsche es sich gefallen lassen, dass Ausländer in ihren Städten Moscheen bauen, und zweitens wären “Schlechte Zahlungsmoral, Preisdrückerei, die Qualitätsdefizite zur Folge hat und in Mehrkosten umschlägt, Ignorieren von Absprachen und mangelnde Verbindlichkeit” typisch türkisch und “eine Kulturfrage”? Oder lest ihr das auch so?


Let’s Read: Philoso1: Rund siebeneinhalb Zwölftel Stunden mit: Jesus

26. Oktober 2011

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange es her ist, dass Rayson mir dieses Buch empfahl und ich es bestellte. Ist ja aber auch egal. Jedenfalls fand ich die Idee sehr ansprechend, ein Hörbuch mit Anmerkungen zu machen, und obwohl ich – schon aus rechtlichen Gründen – ernsthaft bezweifle, dass ich Jesus mit euch komplett durcharbeiten werde, habe ich mich spontan entschieden, damit mal einen ersten Versuch zu unternehmen. Und wer es schade findet, dass ich mir als Hörbuch nun gerade so ein doofes ausgesucht habe, der kann sich vielleicht mit dem Gedanken trösten, dass es ja auch so eine Art Philoso1 ist. Vielleicht auch nicht.

Na dann mal los.

Hier direkt hören:

Oder hier herunterladen und immer dabeihaben.

Klaus Berger und sein Verlag folgen mir bitte hier entlang.

Und a propos lästiges Urheberrecht: Die Musik am Anfang ist übrigens “Plastic Jesus” von David Maloney, und die am Ende ist “Praise the Lord and Send Me the Money” von Hugh Moffatt, und die machen doch einen sehr netten Eindruck und haben bestimmt nichts dagegen, dass ich ihr Werk hier auszugsweise mal benutzt habe. Ähem.

Ich glaube, beim nächsten Mal lese ich wieder was Eigenes und singe selbst.


Restebloggen (76)

24. Oktober 2011
  1. Letzte Woche dreimal nacheinander mit drei verschiedenen Krankenkassen: Wir erhalten einen Brief von unserem Dachverband, in dem sie eine Vertragsabsicht/Ausschreibung ankündigen und uns bitten, uns zur Anforderung der Unterlagen an Mitarbeiterin@Krankenkasse.de zu wenden. Ich schreibe also die erbetene Mail und bekomme eine ziemlich barsche Antwort zurück, in der steht, dass ich mir die Unterlagen doch bitte unter http://www.sonstwas.com/Ausschreibungen runterladen und mich nur für dann noch offene Fragen an die Mitarbeiterin wenden soll. Ich habe das Gefühl, dass man diesen Prozess irgendwie effizienter gestalten könnte. Ich komme nur noch nicht drauf, wie…
  2. Wer nervlich nicht so belastbar ist, möchte sich “He Dies at the End” vielleicht lieber nicht ansehen. Ich persönlich fand den Kurzfilm sehr unterhaltsam und muss zumindest für mich selbst zugeben, dass er trotz der lächerlich einfachen Mittel erschreckend gut funktioniert hat. Mit Dank an Jeff Strand für den Tipp:
  3. Matt Dillahunty hat genau die richtigen Worte für den Papst gefunden. Es geht hier zwar konkret um den Kommentar des Papstes zu den Anschlägen vom 11. September 2001, passt aber zu jeder Gelegenheit.
  4. Für diejenigen unter euch, die sich schon immer gewünscht haben, dass jemand mal die Tafelanschriften in Pornos auf Richtigkeit und Informationswert prüft, gibt es Blackboards in Porn.
  5. Völlig unabhängig von ihrer politischen (und religiösen und religionspolitischen) Orientierung finde ich die polittische Geschäftsführerin der Piratenpartei Marina Weisband gerade ganz toll. Weil sie bedeutende Fragen stellt wie “Ab welchem prozentualen Verhältnis zwischen Medikamenten und Frühstück wird es eigentlich bedenklich?“, und weil wir von ihr lernen können, wie man aus einem Herrenhemd ein Abendkleid macht.
  6. Weil faz.net ein Qualitätsmedium ist, übernimmt man vermeldetete Forschungsergebnisse dort nicht einfach nur kritiklos, sondern recherchiert ganz skeptisch, ob hinter den vermeintlich wissenschaftlichen Studien auch wirklich eine solide Methodik steckt und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind. Das macht man natürlich nur dann, wenn diese Ergebnisse einem nicht so gut in den Kram passen. Sonst muss das nicht sein. Aber immerhin.
  7. Liegt das eigentlich an mir, dass ich Helmut Schmidt inzwischen erheblich lustiger finde als Harald, letztem aber als Bundeskanzler und politischem Publizisten erheblich mehr zutrauen würde?

Gefallen (16)

24. Oktober 2011

So. Ich hatte ja so halb versprochen, dieses Wochenende noch ein Kapitel zu veröffentlichen. Sowas überlege ich mir immer gut, denn solche Versprechen sind zweischneidige Schwerter. Einerseits zwingen sie mich dazu, in der angegebenen Zeit noch ein Kapitel zu veröffentlichen, weil ich einen irrational überhöhten Drang verspüre, zu meinem Wort zu stehen. Andererseits zwingen sie mich dazu, in der angegebenen… Moment. Mir wird gerade klar, dass solche Versprechen doch nur einschneidige Schwerter sind.

Jedenfalls schreibe ich das hier, noch bevor ich mit der Arbeit an dem neuen Kapitel begonnen habe, und es ist schon ziemlich spät. Ich bin also wahrscheinlich noch erheblich gespannter als ihr, ob das noch was wird. Vielleicht auch deshalb, weil ihr nur noch drei Sätze weiterlesen müsste, um es herauszufinden. Ich hingegen muss noch ein paar Stunden arbeiten.

Schaumermal (Ja, das zählt als ein Satz.).

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Muriel jumps the shark

22. Oktober 2011

Ja, liebe Leser, der Niedergang dieses Blogs (wie auch der ganzen Welt, wenn wir Ayn Rand glauben können, und nur ein weltfremder Naivling wird bezweifeln, dass es da einen Zusammenhang gibt) ist unübersehbar, und aus diesem Grund dachte ich mir, was soll’s?, ich mach es amtlich und veröffentliche ein “Let’s play”, das ich mit einer Kamera von meinem Fernseher abgefilmt habe.

(Kommentare von Leuten, die mir sagen, dass ich ja wohl der letzte N00b bin und dass das so jawohl mal überhaupt nicht geht, und dass ich Screenshots wahrscheinlich mit einer Polaroid mache, werden ignoriert, wenn sie nicht Hinweise dafür enthalten, wie ich ein besseres Resultat ohne zusätzliche Kosten und nennenswerten Aufwand hätte erreichen können. Ach so, und für die Puristen unter euch: Bei ziemlich genau 15 Minuten endet das Intro, und das eigentliche Spiel beginnt. Aber echt jetzt mal: Wer das Intro überspringt, weil es ihm zu langweilig ist, der sollte am besten gleich dieses ganze Video überspringen und auf bessere Zeiten warten.)

Ja. Und an der Stelle ging der Akku meiner Kamera in die Knie, und obwohl ich die ganze Zeit über dran gedacht habe, dass ich ein Auge auf die Kamera haben muss, damit ich merke, wenn der Akku in die Knie geht, hatte ich kein Auge auf die Kamera und habe deshalb nicht bemerkt, dass der Akku in die Knie gegangen war. Soweit zu den schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht ist, dass ich nur ungefähr fünf Minuten lang weiter gespielt und wie ein Depp mit mir selbst geredet habe (was übrigens nicht daran lag, dass ich das mit dem Akku nicht gemerkt habe; das mache ich sowieso viel), und dass in der Zeit zwar ein bisschen was passiert ist, dass ich aber am Ende doch wieder… naja, am Ende war. Ihr habt also nichts verpasst, und es ginge das nächste Mal wieder von vorne los mit diesem Koloss.

Aber bevor ich euch mit weiteren 37 Minuten meines erbärmlichen (und bis dahin wahrscheinlich arg repetitiven) Rumgestümperes beglücke, wüsste ich zunächst mal gerne, ob ihr überhaupt noch ein solches Video sehen wollt, oder ob ich euch doch bitte in Zukunft mit solchem Kokolores verschonen soll.

Also, was meint ihr?


Sinnloser Gastbeitrag

20. Oktober 2011

Ja, so einfach ist es, einen Gastbeitrag auf überschaubare Relevanz unterzubringen. Schickt mir einfach was, worüber ich sowieso schon viel nachgedacht habe und das möglichst irgendwo nah bei meiner Meinung liegt. So hat TheHax es gemacht, und seht, wie schnell es geht. Hier könnte euer Beitrag stehen!

(Dass es unter Umständen sogar noch viel einfacher sein kann, ist für jeden Stammleser offensichtlich, aber ich halte es nicht für opportun, darauf noch plakativ hinzuweisen. Kommen wir also ohne weitere Umschweife zu TheHax’ Gastbeitrag, für den ich ihm jetzt schon herzlich danke.)

Es war ein Tag wie dieser vor ein paar Monaten, da trug ich einen innerlichen Aufschrei über eines der achso-gar-nicht-sozialen Netzwerke heutiger Tage in die Welt hinaus. Damals wie heute überkam mich eine Gemisch aus Entsetzen und Ärger gepaart mit einem starken Mitteilungsbedürfnis, dem Wunsch möglichst vielen Leuten ordentlich die Meinung zu sagen. Die Meinung worüber? Über vieles. Zum Beispiel: den Sinn des Lebens.

Da wurde mir angeboten, meinen Gedanken in schriftlicher Form verfasst einen Raum zu geben. Diesen Raum. Heute ist es für mich an der Zeit dieses Angebot aufzugreifen und mit ein paar Fragen aufzuräumen.
Warum gibt es uns? Was macht uns so besonders? Warum können gerade wir uns diese Gedanken machen? Wofür sind wir geschaffen? Welchen Sinn haben wir? Und welchen unsere Existenz? Und Alles? Welche Aufgaben haben wir?
Jahrtausendelang haben sich namhafte und weniger namhafte Philosophen über diese Fragen den Kopf zerbrochen. Leider ist die Antwort auf meine typische und eigentlich rethorische Gegenfrage “Who cares?” reichlich unbefriedigend. Denn eine nicht unrelevante Anzahl von Menschen lässt sich diese Fragen nur allzugern mit Ammenmärchen, also mit der Religion beantworten, dabei wird häufig übersehen, dass selbst die Religion vielfach selbst nur äußerst unbefriedigende Antworten liefert.

Dabei lassen sich die Fragen erfrischend einfach klären: Es gibt keinen Sinn. Und damit wäre eigentlich schon alles gesagt.
Doch vielen ist die Klarheit und Logik dieser Erklärung schlicht zu viel, ist unerwartet oder unerwünscht. Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Da gibt es zum Einen die menschliche Annahme, dass (scheinbar) komplexe Fragen auch einer komplexen Antwort bedürfen. Andererseits liegt es in der menschlichen Natur unbekanntes mit bereits bekannten Mustern zu erklären. Das Ursache-Wirkung-Prinzip ist eines der fundamentalen Gesetze im menschlcihen Leben. Da fällt es dem Gehirn schwer zu fassen, dass es für die persönliche Existenz keine (befriedigende) Erklärung gibt.Es kommt aber auch eine gehörige Portion Arroganz hinzu. Seit je her bezeichnet sich der Mensch als “Krone der Schöpfung” oder neuerdings als “Spitze der Evolution”.
Noch Heute, ganz seriös. Als Träger dieses Titels muss man eben einen spezielleren Sinn, eine Rechtfertigung haben.

Aber nicht nur der spezielle Sinn ist eine Fehlannahme, vielmehr ist es die Arroganz des Menschen, der die Sicht auf die Realität verschleiert. Der Titel “spitze der Evolution” an sich ist schon ein völliger Fehlgriff.
Evolution ist ein fortwährender Prozess, der an millionen Punkten zugleich und völlig ohne Ziel vonstatten geht. Der Mensch stellt heute bestenfalls  eine gewisse Anzahl von Punkten in der Evolutionsgeschichte der Säugetiere dar. Sein Bewusstsein stellt er dabei als herausragendes Merkmal dar und spricht sogleich allen anderen Lebewesen (sogar entgegen wissenschaftlich erbrachten Forschungsergebnissen), jegliche Form und Fähigkeit zu ebendiesem ab. Menschen halten sich gern für Einzigartig und leiten den exklusiven Sinn (ihres) Lebens von dieser Einzigartigkeit ab.

Abgesehen davon, dass sich alle Unterschiede zwischen Mensch und Elefant, Ameise, Begonie, Klopapier, Wassertropfen, Staubkorn beliebig marginalisieren und die Einzigartigkeit damit ad absurdum führen lassen, bleibt die Frage nach dem Sinn des Großen, des Ganzen, des Universums und seiner Zusammenhänge.
Aber warum eigentlich? Wozu bräuchte es einen Sinn?
Ein Sinn ist eine Intention, etwas bewusstes. Etwas Ursachengebendes. Einen Sinn zu geben bedeutet in gewisser Weise eine Art Bewusstsein dahinter zu setzen, also eine Art religiöser Instanz.
Ein rein menschliches Bedürfnis, einerseits ebenfalls durch Arroganz geprägt, andererseits durch die Angst vor dem Ungewissen.

Der Mensch hat Angst. Angst vor dem Unbekannten. Was gibt es unbekannteres, ungewisseres als den (eigenen) Tod? Das geben eines Sinnes, eines Bewusstseins hinter der eigenen Vergänglichkeit soll diese Angst lindern.
Jedoch verklärt es den Blick für das Wesentliche. Das Hier und Jetzt.

Die Sinnessuche beraubt den Menschen der Freiheit einer wunderschön relativierenden Erkenntnis:
Nichts hat einen Sinn.


Nieder mit der Menschenwürde

18. Oktober 2011

Ich mochte Art. 1 I GG nie besonders. Ich will nicht leugnen, dass es manchmal eher irrationale Gründe waren, die mir die postulierte Unantastbarkeit der Menschenwürde unsympathisch machten. Sicher hatte meine Abneigung dagegen auch damit zu tun, dass die Leute, die sich extensiv darauf berufen, in der Regel anderer Meinung sind als ich. Aber es gibt auch echte Gründe, aus denen ich diese Norm für keine gute Idee halte, auch wenn ich damit wahrscheinlich ziemlich alleine stehe. Manche sind besser, manche schlechter, aber im Großen und Ganzen führen sie dazu, dass ich mich freuen würde, wenn Art. 1 I GG ersatzlos gestrichen würde.

Zunächst mal ist er einfach überflüssiges Geschwurbel. Lesen wir mal Absatz II:

Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder  menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Nuff said, oder? Was muss man da noch so ein wolkiges Konzept wie die Menschenwürde einführen, die niemals vernünftig definiert wurde und deshalb alles und nichts bedeutet? Was muss man sie für “unantastbar” erklären, obwohl sie es eindeutig nicht ist?  Und seien wir mal ehrlich: Wenn ich mich entscheiden muss, dann hätte ich lieber, dass mein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 II) für unantastbar erklärt werden als meine Würde. Oder vielleicht die freie Entfaltung meiner Persönlichkeit (Art. 2 I). Sicher, Würde ist auch nicht schlecht, aber ich finde, sie wird überschätzt.

Da mag jetzt ein gewisses Ressentiment in euch aufkeimen, aber ich finde, das ist nicht berechtigt, und teilweise (Je nachdem, was ihr sonst so denkt.) auch schlicht heuchlerisch. Wer dieses unselige Rumgekasper an Flughäfen für angemessen hält, und zur Not auch das Innere anderer Menschen auf Drogen untersuchen möchte, der kann mir nicht erzählen, dass die Menschenwürde für ihn “unantastbar” ist. Und das ist doch auch gut so. Nicht unbedingt bei Drogen. Da bin ich noch nicht überzeugt, dass wir diese Branche überhaupt kriminalisieren müssen. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Menschenwürde, was auch immer das ist, und ihre Antastbarkeit. Und ich bin der Meinung, dass die Menschenwürde durchaus mal angetastet werden kann, wenn das sein muss, um Leben und Gesundheit anderer Menschen zu schützen.

Ja, aber darum geht es doch gar nicht, sagen die Verfechter von Art. 1 I GG. Die Menschenwürde ist ja jetzt nicht so unantastbar, dass jeder sich sofort darauf berufen könnte, sobald er sich irgendwie unwürdig behandelt fühlt, weil er sich zum Beispiel nackt ausziehen und von einem völlif Fremden befummeln lassen muss. Die Menschenwürde ist mehr… ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält. Oder so. Also gar nichts. Und dann sind wir wieder bei Anfang: Wofür ist so ein Konzept überhaupt gut?

Wenn ich das richtig überblicke, nutzt unsere BverfG die Menschenwürdegarantie nur als Auffangvorschrift, wenn ihm mal irgendwas nicht in den Kram passt, aber keine einschlägige Grundgesetznorm zur Hand ist. Abschuss von zivilen Flugzeugen? Hm… Schwierig… Recht auf Leben ginge, aber die Leute, die man rettet, haben ja auch eins, da müsste man abwägen, das ist aber doof… Ach komm, Menschenwürde, fertig, auf zum Golfplatz.

Ich kann mich in der Tat kaum an Gelegenheiten erinnern, zu denen jemand etwas Fundiertes zu sagen hatte und sich dazu auf die Menschenwürde berufen musste. Geht es euch da anders? Nach meiner Erfahrung braucht die nur, wer sonst keine Argumente hat. Und damit ist das Konzept erstens nutzlos, und damit zweitens auch gleich schädlich, denn unbedeutendes Gefasel ist keine gute Einleitung für eine Verfassung, sondern entwertet sie, wie dumme und nutzlose Vorschriften jedes Gesetz entwerten.

Down with dignity! Who’s with me?


Die andere Sorte Atheisten

17. Oktober 2011

Vor ein paar Tagen schrieb Florian Freistetter, dass Religion und Wissenschaft nicht zusammenpassen, und er hat natürlich Recht.

In den Kommentaren zu seinem Artikel ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen, was mir unter solchen Artikeln oft nicht zum ersten Mal auffällt: Es ärgern sich Leute darüber, dass der Autor nur auf die naive, simple, dumme, fundamentalistische Art von Religion eingeht und sich überhaupt nicht mit den modernen, aufgeklärten, differenzierten und anspruchsvollen Argumenten für Glauben auseinandersetzt. Wenn man diese Kommentatoren dann fragt, welche Argumente sie meinen, verlinken sie in der Regel auf einen Artikel, in dem jemand ungefähr sowas sagt:

“Natürlich ist Gott kein alter Mann mit langem Bart und weißer Robe. Er ist vielleicht überhaupt kein Individuum in dem Sinne, wie wir dieses Wort verstehen. Gott ist nicht jemand oder etwas, er ist ein allem zugrundeliegendes Prinzip, er ist die Quelle der Naturgesetze, die Grundlage der Logik. Er ist natürlich nicht messbar, und er wirkt keine Wunder. Die Bibel ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern nur eine gleichnishafte Schilderung einer Idee von Gott…” [Nur ein fiktives Zitat]

Ich habe mich hier in meinem Beispiel mit den Fremdworten und komplexer Philosophie noch sehr zurückgehalten. Typischerweise kommen solche Artikel nicht ohne Verweise auf Kant, Hegel, Feuerstein, Marx,  und natürlich Habermas aus und streuen als Würze noch ein paar “Transzendenz”, “Immanenz” und vielleicht noch ein bisschen Postmaterialistischen Säkularismus ein, oder sowas.

Deswegen klingt diese Art der Argumentation in der Tat erst einmal sehr aufgeklärt, differenziert, anspruchsvoll und beinahe wissenschaftlich. Wenn man sie nicht versteht. In Wahrheit ist da überhaupt nichts Anspruchsvolles. Da ist nur das Gottesbild, über das ich mich in meinem Marioismus-Post schon lustig gemacht habe. Und wer dieses Gottesbild vertritt, kann nach meiner Wahrnehmung nur einer von zwei Kategorien entstammen. Bei Unsicherheit, um welche es sich handelt, kann man einfach fragen, wie man eigentlich von einem nichtpersönlichen, transzendenten, nicht handelnden allem zugrundeliegenden Prinzip zu “Du sollst nicht töten” kommt, oder einer beliebigen anderen ethischen Regel, oder überhaupt zu irgendwas.

Versucht unser Gesprächspartner tatsächlich, eine Antwort zu geben, ist er ein Heuchler, der mit all diesen nebeligen Worten nur seinen Gott und dessen Homophobie (zum Beispiel) schön reden will.

Gibt er unumwunden zu, dass das nicht geht und die Existenz (oder vielmehr: Herbeidefinition) seines Gottes keinerlei Konsequenzen für irgendwas oder irgendwen hat, dann ist er ein Atheist, der sich so tief in sein zusammenfabuliertes Weltbild hineingeschraubt hat, dass er noch nicht bemerkt hat, dass er schon wieder auf der anderen Seite herausgefallen ist.

(ab 01:30 beginnt der Hauptteil für die Eiligen)

Faustregel: Wenn du in deine religiöse Argumentation anstelle von “Gott” genausogut “Skippy das Känguruh”, “Chuck Norris” oder “Care Bears” einsetzen kannst, ohne dass sich irgendwas ändert, solltest du sie noch mal überdenken.


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