Es könnte alles so einfach sein

Als malefue mich bat anwies, einen Artikel über Spiritualität zu schreiben, war ich zunächst sehr einverstanden. Dann wurde mir klar, wie wenig es eigentlich dazu zu schreiben gibt, und ich schob das Projekt erst einmal auf. Aber heute fiel mir ein, dass es sich vielleicht lohnt, einen Artikel draus zu machen, wenn ich ein bisschen abstrakter werden und allgemein darüber schreibe, wie oft Leute sich und anderen das Leben schwer machen, indem sie nicht richtig darüber nachdenken, welche Worte sie wie benutzen, und was sie eigentlich bedeuten sollen.

Spiritualität ist dafür ein gutes erstes Beispiel. Mit diesem Begriff werfen Esoteriker und manchmal auch religiöse Menschen gerne nach Skeptikern und vernebeln damit die Diskussion, denn für mehr ist er nicht gut. Wikipedia sagt:

Spiritualität (von lat. spiritus ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘ – wie altgr. ψύχω bzw. ψυχή, siehe Psyche) bedeutet im weitesten Sinne Geistigkeit und kann eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung meinen. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht dann auch immer für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.

Wir haben hier also einen Begriff, der in zwei… Nein, man kann nicht mal von “Bedeutungen” sprechen, finde ich, sagen wir also: Sinnen gebraucht wird. Einerseits kann er… ähm… so ziemlich alles heißen, was irgendwie mit Geistigem zu tun hat. Also alles. Und andererseits kann er alles heißen, was die Vorstellung von Transzendentem, Jenseits oder Unendlichkeit einschließt. Also alles, aber mit Bezug auf esoterischen oder religiösen Blödsinn.

Wenn nun unser Gläubiger (Ich benutze das von jetzt als Überbegriff für “esoterischer oder religiöser Mensch”) sowas sagt wie: “Was hast du denn gegen Spiritualität? Die ist doch voll wichtig, zur Selbstreflexion und zum Stressausgleich und schadet niemandem und das ist voll gemein, anderen das verderben zu wollen!” dann sind sie dabei bewusst oder unbewusst nicht ganz aufrichtig und machen genau das, was Christen zum Beispiel auch oft gerne mit dem Wort “Glauben” machen. Sie stellen eine Behauptung auf, die sich auf den weiteren Sinn des Wortes bezieht und ziehen daraus eine Schlussfolgerung, um diese dann auf den engeren Wortsinn zu beziehen.

“Spiritualität (im Sinne von allem Geistigen, also auch Meditation, Selbstreflexion, Nachdenklichkeit, Entspannung, Freude an Kunst…) ist etwas Wunderschönes und gut für den Menschen, also ist es unsinnig und engstirnig, gegen Spiritualität (im Sinne von Glaube an irgendwelchen magischen Blödsinn) zu wettern.”

Das ist ein ganz billiger rhethorischer Taschenspielertrick, aber er wirkt immer wieder bei Leuten, die es nicht gewohnt sind, über solche Dinge nachzudenken. Und das sind viele, und oft genug auch Philosophen und solche, die sich dafür halten.

Protipp: Wenn man in einer Diskussion deutlich das Gefühl hat, dass der andere Blödsinn redet, aber nicht erkennt, wo sein Fehler liegt, lohnt es sich fast immer, mal über die Bedeutungen der einzelnen Wörter nachzudenken und ihn zu fragen, was er damit meint.

Das möchte ich nun gleich einmal anhand eines in der Philosophie sehr bekannten Konzeptes darlegen: Der naturalistische Trugschluss ist gar keiner.

Ich meine das so: Grob gesagt, ist der naturalistische Trugschluss die Idee, man könnte aus dem, was ist, Schlüsse ziehen über das, was soll. Imperative lassen sich aber nicht aus Tatsachen herleiten. Also beispielsweise: “Schafe können nicht sprechen, also sollen Schafe nicht sprechen können.” oder weniger offensichtlich dämlich: “Gewalt verursacht Schmerzen, also sollte man keine Gewalt anwenden.” Leute sagen sowas manchmal vereinfacht, aber dabei unterschlagen sie dann eine zweite Prämisse, die wiederum keine Tatsache ist: “Gewalt versursacht Schmerzen und Schmerz sollte man vermeiden, also sollte man keine Gewalt anwenden.”

Klingt soweit unanfechtbar, aber… Moment. Irgendwo müssen die Imperative doch herkommen, die sind doch nicht einfach so da, und außer aus den Tatsachen können sie doch nirgendwo herkommen, denn was gibt es noch außer der Realität? (Gläubige haben darauf eine klare Antwort, aber die hilft uns ja nicht weiter.)

Hier hilft unsere Frage: Was ist denn eigentlich ein Imperativ? Was bedeutete “sollen”? Genau. Ein Imperativ, ein “sollen” ist immer das Gegenstück zu einem “wollen”, also zum Wunsch eines Menschen. Zu meinem, oder dem anderer Mitglieder meiner Gesellschaft. Und das sind wieder Tatsachen. “Gewalt verursacht Schmerzen, und wenn ich jemandem Schmerzen verursache, wird er mir danach nicht mehr besonders gewogen sein und mir vielleicht schanden, und ich will nicht, dass mir jemand schadet, also sollte ich Gewalt gegen andere Menschen vermeiden.”

Es kann sehr praktisch sein, Worte wie “Imperativ” oder “sollen” zu benutzen. Ich habe nichts gegen diese Worte, versteht mich nicht falsch. Aber man sollte nicht vergessen, dass sie eigentlich etwas bezeichnen, das nicht im absoluten, objektiven Sinne existiert, sondern nur als eine Vereinfachung.

Nach dem gleichen Muster (Keine Sorge, das ist mein letztes Beispiel.) können wir auch auf die oft gehörte These antworten, die Wissenschaft könne nur Fragen nach dem “Wie” beantworten, für das “Warum” brauche man aber Religion.

Was soll das “Warum” in diesem Kontext sein?

“Warum?” im Sinne einer Frage nach Kausalität ist es sicher nicht, denn in der Kausalität ist die Wissenschaft einigermaßen zu Hause, das würde nicht mal ein Fundamentalist bestreiten wollen.

Wir benutzen die Frage aber auch noch in einem anderen Sinne, nämlich dann, wenn wir fragen, welchen Zweck jemand damit verfolgt, dass er etwas tut. Warum schreibe ich diesen Artikel? Warum lest ihr ihn? Da geht es um unsere Absichten. Und nur, wenn man das “Warum” in diesem Sinne versteht, ergibt die These der reinen “Wie”-Wissenschaft halbwegs Sinn.

Aber wenn man sie zu Ende denkt, dann wird sie doch wieder sinnlos. Denn wenn das “Warum” eine Absicht bezeichnet, dann ist es der Wissenschaft damit erstens natürlich keineswegs verschlossen. Welche Absichten Lebewesen verfolgen, und wie sie darauf handeln, ist selbstverständlich eine wissenschaftlich erforschbare Frage. Und zweitens unterstellt das “Warum” damit völlig unberechtigt, dass hinter dem Universum und unserem Leben überhaupt eine Absicht steckt. Wir haben keinen Grund, eine solche Absicht anzunehmen, und wenn wir es doch täten, hätten wir bis auf Weiteres keine Möglichkeit, sie herauszufinden. Richtig formuliert müsste man also sagen:

Die Wissenschaft kann nur Fragen beantworten, für die wir schon sinnvolle Antworten gefunden haben. Für frei erfundene Antworten auf potentiell sinnlose Fragen braucht man dann Religion.

Und so ist es wieder richtig.

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22 Antworten zu Es könnte alles so einfach sein

  1. malefue sagt:

    du bist genau da hingelangt wo ich auch immer hingelange wenn ich über die aussage nachdenke, spiritualität sei doch nichts schlechtes. nämlich genau das mit der warum-frage. angesichts der erkenntnisse über das universum und unsere existenz zu fragen.”warum gibt es uns, was hat das für einen sinn?” ist etwa so sinnvoll wie zu fragen “was für einen sinn hat der baum?”
    keinen inherenten natürlich, genausowenig wie unsere existenz oder die des universums. unsere existenz folgt zwar aus den gesetzen der physik und den umständen bei der entstehung des lebens und der arten, aber aus irgendeinem gefühl des staunens heraus mythisches zu beschwören ist wirklich langweilig und leer.
    dawkins hat glaube ich über aberglauben und bauernfängerei gesagt das wäre der missbrauch des legitimen gefühl des staunens. das triffts punktgenau.

    danke muriel, für deinen text und die aufnahme meines vorschlags. btw, hast du die aktuelle atheist experience gesehen?

  2. Muriel sagt:

    Die Anti-vax? Ja. Und mir ist so, als sollte ich wissen, worauf du anspielst, aber ich komme gerade nicht drauf.

  3. Spiritualität ist wie hochprozentiger Alkohol. Sie mag manchmal für Manchen kurzfristig ein Trost sein, weil sie die Sinne vernebelt und die Realität überdeckt. Aber langfristig tötet sie zuerst die Neugier, dann die Vernunft, und übrig bleibtbenebeltes, dumpfes, lallendes Gestammel.

  4. malefue sagt:

    schöne analogie, elke.

    @muriel: da gabs auch einen anrufer der über spiritualität sprechen wollte. fand ich eine schöne parallelität.

  5. Tim sagt:

    @ Elke Lahartinger

    Ich muß Dir entschieden widersprechen und verweise gern auf diesen Filmbeitrag, der insbesondere ab ca. 6:20 ganz deutlich zeigt, daß Spiritualität in flüssiger Form weder Neugier noch Vernunft tötet und auch nicht zu dumpfem Gestammel führen muß.

  6. Muriel sagt:

    @Elke Lahartinger: Willkommen bei überschaubare Relevanz, und danke für deinen Kommentar. Schön gesagt.
    @malefue: Der ist mir völlig entfallen. Ich erinnere mich noch an den Fake-Christen, an Frank (?) aus Düsseldorf, an den zweiten Fake-Christen, den letzten Anrufer, für den wie immer zu wenig Zeit war… Und das war’s gerade.
    @Tim: BAM!

  7. Ja, in der Tat folgt natürlich (im wahrsten Sinne des Wortes) daraus, daß p, nicht, daß p soll. Allein, wie Du richtig dargelegt hast, folgt daraus, daß p, daß q, daß r …, daß n soll. Ohne Tatsachen keine Imperative, wobei sich aber erst aus den Verhältnissen zwischen den Tatsachen die Imperative ergeben können.
    Hieraus indes eine Art verkappten Utilitarismus zu entwickeln, dünkt mich zum mindesten von zweifelhafter Natur. Der Imperativ, einem andren schmerzfähigen Wesen keinen Schmerz zuzufügen, folgt nicht aus rein rationalem Eigennutzkalkül, sondern auf der Grundlage von Gefühlen im Zusammenspiel mit rationalen Gründen.

  8. Muriel sagt:

    @ichbindaswortistich: Ja, fast.
    Ich halte die Trennung von Gefühlen und rationalen Gründen zumindest hier für überflüssig. Wenn ich weiß, dass ich mich schlecht fühlen würde, nachdem ich meine Mutter ermordet habe, dann ist das ein völlig rationaler Grund, sie nicht zu ermorden.

  9. madove sagt:

    @Muriel
    Aber so ist das doch völlig albern.
    Der interessante Teil wäre doch: Warum würdest Du dich schlecht fühlen, kann man das rationalisieren oder nicht etc.?

  10. Muriel sagt:

    Kommt drauf an.
    Was meinst du mit “rationalisieren”?

  11. madove sagt:

    Ich wollte mich eigentlich nicht einmischen, sondern nur “zuhören”, weil ich mit dieser Diskussion und ihren Begrifflichkeiten (noch) nicht so vertraut bin…hat ja super geklappt. sorry.

    Was ich meinte:
    In meinem Alltag treffe ich die meisten moralischen Entscheidungen ja aus einem Gefühl raus. Also ich füge ja nicht deshalb anderen Leuten keinen Schmerz zu, weil ich länger darüber nachgedacht habe, daß das schlau ist, damit sie mir auch keinen zufügen oder so, sondern weil ein Gefühl mir sagt, daß das nicht gut ist. Ob das jetzt anerzogen oder fest verdrahtet ist, Spiegelneuronen oder wasweißich, keine Ahnung. Auslöser im Alltag ist ein Gefühl von Moralität. Das bis zu einem gewissen Grad ja zB auch Grundschulkinder schon haben können (meine Erfahrung ist eine andere, aber das tut nichts zur Sache ;-) ).

    Und dann kann man sich fragen, warum ich (so als Spezies, oder als Individuum) bestimmte Verhaltensweisen mit diesem Gefühl belegt habe, einem “gut” oder “böse” Gefühl, und dann denkt der Philosoph oder Naturwissenschaftler in mir über den Nutzen bestimmter Handlungen für mich oder das Überleben meines Stammes etc. nach. Das meinte ich mit Rationalisierung.

    Aber zu sagen, es ist eine rationale Überlegung, Deiner Mutter nicht zu töten, weil Du Dich sonst ja irgendwie schlecht fühlen würdest, geht doch irgendwie ins Leere, oder versteh ich irgendwas nicht?

  12. Muriel sagt:

    @madove: Nur Zuhören ist doof, damit hab ich auch keine guten Erfahrungen gemacht.

    Aber zu sagen, es ist eine rationale Überlegung, Deiner Mutter nicht zu töten, weil Du Dich sonst ja irgendwie schlecht fühlen würdest, geht doch irgendwie ins Leere, oder versteh ich irgendwas nicht?

    Wir reden da über zwei verschiedene Herangehensweisen und zwei verschiedene Arten von “Gefühl”, denke ich.
    Ich (und hoffentlich auch ichbindaswortistich, denn sonst hätte ich in der Tat an seiner Argumentation vorbei geredet) meinte nicht das Gefühl im Sinne von “Ich habe das Gefühl, dass ich meine Mutter nicht ermorden sollte, kann aber nicht rational begründen, warum.” oder “Ich habe das im Gefühl, aber ich kann es nicht erklären.”. Das ist dann in der Tat so nicht rational.
    Ich meinte Gefühle im Sinne von Emotionen. Und die in rationale Überlegungen mit einzubeziehen, macht sie nicht weniger rational, sondern mehr, weil es ohne Emotionen überhaupt keinen rationalen Grund geben kann, irgendwas zu tun, wenn ich das richtig sehe.
    Oder anders: Ja, die meisten Leute denken wahrscheinlich nie ernsthaft darüber nach, ihre Mutter zu töten, weil sie gar nicht erst auf die Idee kommen. Man kann insofern nicht behaupten, sie würden sie aus rationalen Gründen nicht töten. Aber wenn ich über moralische Imperative und ihre rationale Herleitung spreche, dann meine ich natürlich nicht diese Art von unreflektierter, beinahe zufälliger Moral, sondern Moral im Sinne eines rational fundierten Regelwerks für das Verhalten gegenüber anderen.

  13. madove sagt:

    @Muriel
    Ah, danke. Versteh ich richtig:
    Du meintest ein auf das Resultat bezogenes Gefühl wie zB. “sie vermissen”, oder “sie geliebt und jetzt verloren haben” oder “jetzt mutterlos sein” (oder irgendein völlig anderes), und kein auf die Tat bezogenes, moralisch wertendes Gefühl wie ein schlechtes Gewissen oder so? Dann macht es natürlich Sinn.
    Bitte entschuldigen Sie die Störung, es gibt nichts zu sehen, gehen Sie weiter.

  14. Muriel sagt:

    @madove: Ich finde, auch das schlechte Gewissen fällt letzten Endes in die gleiche Kategorie wie die anderen Gefühle. Wenn ich weiß, dass ein Mord meinem Wohlbefinden schadet, dann ist es völlig irrational, nur die materiellen Folgen (“Ich erbe ihr Haus!”) zu berücksichtigen und zu vernachlässigen, dass ich womöglich keine Freude am finanziellen Zugewinn hätte, weil ich mich wegen des Mordes schuldig fühle.
    Die gängigen Medien propagieren gerne, dass Rationalität bedeutet, Gefühle zu ignorieren, aber das ist meiner Meinung nach eine völlig unsinnige Perspektive. Sich der Realität zu verschließen, ist so ziemlich nie rational.

  15. madove sagt:

    @Muriel
    Das kommt mir sehr, sehr sinnvoll vor.

  16. malefue sagt:

    schön gesagt., muriel.

  17. Moralität setzt nicht nur Gefühle bei einem selbst voraus, sondern ebensosehr, sich in andre einfühlen, hineinversetzen zu können. Dies letztre ist zum Beispiel das Problem bei der sogenannten Dissozialen (auch: Antisozialen) Persönlichkeitsstörung (früher: Psychopathie, Soziopathie). Diese Menschen haben zwar eigne Gefühle, es ermangelt ihnen jedoch überwiegend an Empathie, der Fähigkeit, sich in andre einzufühlen.
    Insgemein bedeutet Rationalität selbstredend nicht, Gefühle als Entscheidungsgründe auszuschließen. Es gilt nicht, entweder Vernunft oder Gefühl, aber nicht beides, sondern vielmehr: beide ergänzen einander sinnvoll. Es besteht indes zwischen beiden ein empfindliches Gleichgewicht, das durch allerlei Faktoren gestört werden kann und mit zunehmenden Eindrücken leicht zu überfordern ist.
    Vor diesem Hintergrund kommt mir die Argumentation des zwölften Abschnittes Muriels Textes wie ein auf Eigennutzkalkül begründeter Utilitarismus vor. Die Erläuterungen zeichnen indes ein andres Bild. Bist Du Utilitarist, Muriel, oder rechnest Du Dich vielleicht gar keiner moralischen Lehre, gleichviel, in welcher Variante, zu?

  18. Muriel sagt:

    Dies letztre ist zum Beispiel das Problem bei der sogenannten Dissozialen (auch: Antisozialen) Persönlichkeitsstörung (früher: Psychopathie, Soziopathie). Diese Menschen haben zwar eigne Gefühle, es ermangelt ihnen jedoch überwiegend an Empathie, der Fähigkeit, sich in andre einzufühlen.

    Ich vermute, du hast das auch gar nicht unbedingt anders gemeint, aber ich würde sicherheitshalber gerne noch ergänzen wollen, dass fehlende Empathie nicht das Problem ist, sondern eines der vielen, die diese Störung ausmachen. Eine Neigung zur Gewalttätigkeit gehört neben weiteren Merkmalen schon auch dazu.

    Es gilt nicht, entweder Vernunft oder Gefühl, aber nicht beides, sondern vielmehr: beide ergänzen einander sinnvoll.

    Ich finde, wie gesagt, die Unterscheidung schon nicht besonders trennscharf. Magst du vielleicht noch erläutern, wie du das genau meinst?

    Vor diesem Hintergrund kommt mir die Argumentation des zwölften Abschnittes Muriels Textes wie ein auf Eigennutzkalkül begründeter Utilitarismus vor.

    Das war lediglich ein Beispiel.

    Bist Du Utilitarist, Muriel, oder rechnest Du Dich vielleicht gar keiner moralischen Lehre, gleichviel, in welcher Variante, zu?

    Tja… Ich glaube, eher letzteres. Ich sehe keinen besonderen Sinn darin, einer besonderen moralischen Lehre anzuhängen. Ich habe meine Vorstellungen von einer Gesellschaft, in der ich mich wohlfühlen würde, sicher, aber das hängt auch nur mittelbar mit Moral zusammen.
    Allerdings (Vielleicht hilft dir das ja weiter.) sehe ich Moral in der Tat nur als ein Mittel zum Zweck. Nach meinem Verständnis macht mich das nicht zu einem Utilitaristen, aber womöglich hast du ja ein anderes.

  19. malefue sagt:

    dieses verlangen von philosophen und moraltheoretikern alles in kleine schächtelchen zu sortieren hab ich noch nie verstanden. das mag ja für den gepflegten gedankengang zu hause schön sein, aber auf die realität kann man keine reine lehre anwenden.
    im sinne dieser begrifflichkeiten ist jeder mensch anhänger dutzender lehren gleichzeitig.

  20. Malefue, zunächst einmal verlangen Philosophen für gewöhnlich, d. i., wenn sie ernsthafte Philosophen sind, nicht, »alles in kleine [S]chächtelchen zu sortieren«. Wen genau Du mit »[M]oraltheoretikern« meinst, bleibt mir im übrigen unklar.
    Einer meiner Professoren sagte einmal in einem Seminar mit dem Titel »Quellen der Erkenntnis« (ungefähr) folgendes: »Wir stellen [in der Philosophie; ibdwii] Gedankenexperimente nicht an, um zu erfahren, was wirklich ist, sondern um herauszufinden, wie weit unsere Begriffe und Konzepte reichen.« Jede philosophische Lehre stellt mithin nur den Versuch einer angemessenen Analyse menschlicher Moralität dar, um durch die Synthese den Leitfaden dafür zu gewinnen, was wir tun sollten.
    Daß bisher noch jede philosophische Analyse und insonderheit Synthese mit der Wirklichkeit, d. i. der Praxis, dem realen Handeln, kollidiert ist und sich als unzutreffend erwiesen hat, hast Du richtig beobachtet.
    Ich habe Muriel auch nur danach gefragt, ob er Utilitarist sei, weil mich die Argumentation seines Beispiels utitlitaristisch – oder zumindest auf eine Spielart von Utilitarismus hinauszulaufen – dünkte.
    Ich stimme Dir im übrigen zu, wiewohl ich Deine Formulierung für unglücklich halte, daß die Moralität keines Menschen auf einem einzigen Prinzip fußt und sich daher niemand bei dem, was er oder sie tut, auf eine einzige Lehre berufen beziehungsweise stützen kann.

  21. Menschen tun sich deiner Meinung nach also tatsächlich ausschließlich aus Angst vor negativen Konsequenzen nicht gegenseitig weh?

    Komische Meinung hast du da.

  22. Muriel sagt:

    Nicht halb so komisch wie der Umstand, dass ich diese Meinung anscheinend innehabe, ohne es auch nur zu wissen, und gleichzeitig sogar nachdruecklich bestreite, dass das meine Meinung waere…
    Bin schon ein komischer Typ, gell?

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