in dem ich demonstriere, dass auch ich meine Krankheiten habe und mich alleine deshalb nicht über andere Leute wegen ihrer eigenen erhebe

30. Dezember 2011

Sollte das jemanden hier ernsthaft überraschen, möge derjenige sich bitte per Mail melden, ich hätte da ein paar sehr preisgünstige Zauberbohnen im Angebot: Ich habe gewisse Schwierigkeiten damit, eine Diskussion einfach mal gut sein zu lassen, und das ist noch sehr zurückhaltend formuliert. Deswegen folge ich jetzt Maiks Vorschlag und schreibe einfach mal einen eigenen Artikel über meine Ansicht von Religion. Ist mir sowieso unerklärlich, dass ich darauf noch nicht selbst gekommen bin.

Kurze Vorgeschichte: Drüben bei Web der Wunder schrob Coco einen Artikel namens “Wenn Religion zu weit geht“, und da musste ich natürlich eine Diskussion anfangen, ist ja klar. Die endete nun kürzlich recht abrupt, indem Maik mich bat, doch Ruhe zu geben und den Artikel mit weiteren Kommentaren zu verschonen. Das gute Recht des Hausherren, und natürlich darf jeder seinen Kommentarbereich nutzen, wie er mag. Nun fand sich aber ausgerechnet im letzten Kommentar, den ich nicht mehr beantworten sollte, eine doch arg grobe Verzerrung meiner Sichtweise, und die möchte ich nun hier richtigstellen.

Dies ist also ein Artikel, den ihr ohne jede Gefahr ignorieren könnt, wenn euch das Thema nicht ähnlich zwanghaft interessiert wie mich. Echt jetzt. Nicht weiterlesen. Ich mache mich hier total zum Honk, und es ist nicht mal lustig. Wartet einfach auf frische Beiträge im nächsten Jahr.

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Gemischter Umgangsformenpost mit Selbstzweifeln

30. Dezember 2011

Wie das manchmal so geht, habe ich in den letzten Tagen viel über Umgangsformen und Höflichkeit und Anstand und Respekt und den ganzen Klumpatsch nachgedacht. Das hat viele Gründe.

Zuerst mal war Weihnachten. Da ist man viel mit Verwandten zusammen, und solchen, die es gerne wären, und überhaupt verbringt man unerquicklich viel Zeit mit anderen Menschen. Mir fällt dabei immer wieder auf, was für eine erstickende Wirkung die gängige Vorstellung von Höflichkeit entfalten kann, zumindest meiner Meinung nach. Der eine fühlt sich verpflichtet, zu fragen, ob der andere noch Kaffee will, und der andere fühlt sich verpflichtet, es anzunehmen, und schon muss der eine in die Küche gehen und Kaffee kochen, obwohl er gar nicht will, und obwohl auch eigentlich niemand Kaffee trinken will, das Gespräch ist unterbrochen, und hinterher müssen alle Kaffee trinken, sogar die, die nicht mal wahrheitswidrig behauptet haben, sie wollten welchen, denn nun ist er da und muss ja getrunken werden, und es wäre ja unhöflich, den Gastgeber darauf sitzen zu lassen.

Oder so.

(Wer hier öfter mitliest, wird sich denken können, dass das für mich weniger ein selbst erfahrenes Problem ist, als eher eines, bei dem ich andere Menschen beobachte. Es tut trotzdem weh.)

Und weil ich sowieso schon dabei war, fiel mir in modernismas eigentlich rundum interessanten Anmachen-Post vor Allem dieser Teil auf:

[...] hat mich in vielleicht ungebührlichem Maße die Aussage pikiert, dass doch in solchen Situationen nicht zu viel verlangt wäre, dem Hoffnungsvollen zu erklären, man sei vergeben [...]

Und verdammt noch mal, da kann einem doch nun wirklich der Kraken platzen (Ich werde das nie wieder richtig schreiben.). Nicht nur, wie Pardette selbst viel besser formuliert, als ich es könnte:

Diese Erwartungshaltung, dass nur die Präsenz oder der Besitzanspruch eines anderen Mannes (bei Frauen mag es das, wie gesagt, auch geben) Eroberungsversuchen ein Ende setzen dürfen, die stößt mir auf.

Es ist auch das Prinzip: Warum zur Hecke können wir denn anderen Menschen nicht einfach sagen, was wir denken und was wir wollen und was wir mögen, und was nicht? Wie schwer kann das denn sein, damit klar zu kommen, dass jemand anders empfindet als ich, irgendwas nicht will, das ich gerne will, oder mit irgendwas nicht einverstanden ist, was ich denke?

Deal. With. It.

Ehrlich, mich regt das auf. Ich finde das anstrengend, und sinnlos, und erbärmlich, und ganz ganz ganz schlimm. Und ich glaube, es ginge auch anders. Ich glaube, das ist so eine Sache, an die man sich gewöhnen kann. Ich jedenfalls weiß, dass ich es sehr schnell könnte. Oder wie ich drüben schon schrieb:

Ich träume von einer Welt, in der Leute mir sagen: „Ich finde dich hässlich, und ich mag dich nicht“, wenn Sie das nun einmal so sehen.

Und – der eine oder andere mag das kommen gesehen haben – das ist auch gleich eine ganz brauchbare Überleitung zum letzten Aspekt des Themas, das sich mir gerade aufdrängt. In den letzten zwei Tagen wurde mir zweimal völlig unabhängig voneinander gesagt, meine Ausführungen zu Religion im Allgemeinen und zum Christentum im Speziellen seien persönlich beleidigend. Einmal hier im Blog, einmal woanders. In beiden Fällen hatte ich nichts Persönliches über irgendwen gesagt. Ich hatte nur den geäußerten Ideen gesprochen, das allerdings in durchaus harten Worten.

Und das ist noch so eine Sache, die ich nicht verstehen kann. (Ganz abgesehen davon, dass es ohnehin ziemlich schwer ist, mich zu beleidigen, sogar wenn man direkt etwas Persönliches über mich sagt.) Wie kommt es, dass Menschen sich so mit ihrer Meinung identifizieren, dass sie eine Kritik an dieser als persönlichen Angriff empfinden?

Wenn ich lese, wie jemand sich über die Evolutionstheorie lustig macht und darüber schreibt, wie offensichtlich diese Welt vor rund 6000 Jahren von Jahwe Elohim in die Existenz gepufft wurde, dann ärgert mich das, dann belustigt mich das, dann macht mich das vielleicht sogar traurig, aber es beleidigt mich doch nicht. Und wenn jemand schreibt, dass er es unbegreiflich dumm findet, keinen Gott anzubeten, weil man sich damit ja die Chance auf ewiges Glück verbaut und außerdem jeder, der ehrlich nach einem sucht, auch einen Gott findet und ihm persönlich begegnen kann und alles, dann ist das doch kein persönlicher Angriff gegen mich.

Andererseits lässt es sich ja nun mal nicht leugnen, dass Kritik an Religion offenbar diese Wirkung auf religiöse Menschen hat, und oft genug sogar auf angeblich nicht religiöse. Einerseits glaube ich, dass das in Ordnung so ist, denn ich bin kein Anhänger der Don’t be a Dick-Fraktion. Andererseits will ich nicht einer von diesen Atheisten sein, die ihren Anspruch auf Skeptizismus und Rationalität aufgegeben haben, den ganzen Tag kindische Beleidigungen gegen Gläubige in die Welt blasen und zu Recht von allen Seiten als eher degoutante Dummköpfe betrachtet werden. Und man weiß ja nie so richtig, wie gut Selbst- und Fremdbild noch übereinstimmen.

Das geht keineswegs nur beim Thema Religion so. Auch politisch werde ich ja hin und wieder sehr deutlich. Ich formuliere hier desöfteren auch erheblich härter, als ich es in einem persönlichen Dialog täte. Das hat natürlich einerseits den Grund, dass der Zweck eines Blogposts ein anderer ist als der eines persönlichen Gesprächs. Es wird aber natürlich auch dadurch erleichtert, dass ich mir gar keine großen Gedanken um die Wirkung meiner Worte machen muss, wenn ich anonym schreibe und davon ausgehen kann, dass Frau von der Leyen meine Meinung erstens niemals lesen wird und zweitens, sogar wenn, nicht darauf reagieren wird.

Insofern biete ich diesen Post hier sozusagen als Open Thread an für eine Diskussion über Umgangsformen allgemein, über meine im speziellen, und vielleicht auch über mein Auftreten gegenüber Religionen im ganz besonderen. Vielleicht hat mir dazu ja jemand was zu sagen. Und falls nicht: Kommt gut ins Neue Jahr, und vergesst nicht, eure Stimmen zu Bright Outlook abzugeben. Vergesst nicht: Jede nicht abgegebene Stimme ist eine Stimme für den französischen Jungen. Die Zeit drängt.


Nur so ein Beispiel

26. Dezember 2011

für die Leute, die fragen, warum Atheisten sich so haben und warum wir so militant sind, und die Religionen nicht einfach friedlich Religion sein lassen, es könnte uns ja egal sein:

Und aufgeklärte Religionen als herausragende Vermittler ethischer Standards – wer anders als sie könnte für Prinzipien wie Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit oder Gleichberechtigung im eigentlichen Sinne des Wortes „glaubhaft“ einstehen? Wenn diese nicht von Religionen vermittelt werden, ist nach meiner Überzeugung die Wahrscheinlichkeit überschaubar gering, dass sie überhaupt dauerhaft vermittelt werden können.

[via recotard]

Dieses Zitat stammt nicht vom Papst oder von einem Bischof oder irgendeinem religiösen Spinner, der mir bei Jesus.de über den Weg gelaufen ist. Es stammt von Norbert Lammert, unserem Bundestagspräsidenten und protokollarisch zweithöchsten Amtsträger der Bundesrepublik. Ich muss zwar eingestehen, dass er trotzdem kaum was zu sagen hat, aber wir alle wissen, dass solche einen Satz genausogut auch Angela Merkel oder Barak Obama hätten aussprechen können, ohne dass jemand sich groß gewundert hätte.

Ja, Religionen sind nicht die Wurzel allen Übels, sie sind nur ein besonders übles Symptom. Aber sie sind ein Symptom, das es unter anderem geschafft hat, dass höchste Würdenträger und – für manche leider immer noch – Respektspersonen öffentlich bekunden dürfen, dass Ethik für sie nur denkbar ist, wenn ein unsichtbarer Zauberer sie verkündet, ohne dass jemand sie auslacht oder ihnen dringend eine Therapie ans Herz legt. Sie sind ein Symptom, das in der Öffentlichkeit noch immer kaum als Zeichen einer Krankheit erkannt wird, sondern immer noch den Nimbus des Guten und Richtigen trägt, und das zu kritisieren immer noch als unanständig und taktlos gilt.

Und es geht noch weiter:

In unserem Zeitalter, in dem wir erschütternde Erfahrungen gemacht haben mit der Selektion vermeintlich wertvollen und angeblich unwerten Lebens, in Zeiten von Massenvernichtungswaffen und drohenden Klimakatastrophen durch menschliche Eingriffe in die Natur sollte der Glaube an die Überlegenheit verselbstständigter Vernunft gründlich abhandengekommen sein.

Und da… Ich weiß kaum, wie ich es sagen soll. Ich bin ein Freund der Meinungsfreiheit und würde niemals nach diesem Impuls handeln, weil ich weiß, dass es auf vielen Ebenen falsch wäre, aber doch: Dafür möchte ich ihn ohrfeigen. Nicht nur, weil es einfach Blödsinn ist, das sind wir ja gewohnt, sondern konkret wegen seines ersten Beispiels. Es gibt da für mich zwei Deutungen. Die erst, die mir einfiel, war das Dritte Reich, denn an das denken ja nun mal die meisten Leute, die den Begriff “unwertes Leben” aus der Mottenkiste holen. Würde es das tatsächlich so meinen, dann wäre nun amtlich, dass der zweithöchste Mann in unserem Staat den Holocaust für einen Akt der Vernunft hält.

Wenn man ihm einen gewissen Benefit of Doubt (Kennt jemand einen gutes deutschen oder zumindest etablierten Begriff dafür?) zugestehen will, könnte man wohl auch sagen, dass er nur von Abtreibung und PID spricht. In diesem Fall rückt er diese beiden medizinischen Instrumente aber bewusst in die Nähe nationalsozialistischen Genozids, und ich bin nicht sicher, ob ich das weniger widerwärtig finde als die erste Alternative.

Wie man es auch dreht und wendet, ich sehe eigentlich keine Möglichkeit, wie einem denkenden Menschen bei der Lektüre solcher Sprüche vom Präsidenten unseres Parlamentes nicht das kalte Kotzen kommen sollte.

Und ihr so?


Philoso1(2) / Ayn Rand kommt selten allein (65%) / Driving home for Christmas

24. Dezember 2011

Ja… Erklärt sich eigentlich von selbst, und ich fand es irgendwie passend, zu einer Zeit, zu der niemand im Internet unterwegs ist, etwas zu veröffentlichen, das niemand hören will.

Echt jetzt. Ist nicht schön. Nur für fanatische Fans, die gerne was hören wollen, um sich zu schämen, während sie Geschenke einpacken. Oder so.


Downloaden könnt ihr das Ganze natürlich auch, und mein Gesang stammt ursprünlich von Funny van Dannen und heißt natürlich “Das Gras vor meinem Fenster”. Wunderbarer Typ, Album kaufen, eignet sich auch prima als Last-Minute-Geschenk, finde ich.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest.


Bright Outlook (2)

22. Dezember 2011

So, ihr habt abgestimmt, ich habe geschrieben, und so geht die Geschichte nun weiter. Das Gute an dieser Interaktivitätssache ist natürlich, dass mir jetzt niemand mehr Vorwürfe machen kann, wenn ihm irgendwas nicht gefällt. Ihr seid ja jetzt an allem selbst Schuld. Dass mir also keiner wagt, einfach nicht mehr mitzulesen oder an irgendwas rumzumeckern.

Hach, das wird ein toller Fortsetzungsroman!

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Ja, gut, vielleicht habe ich mich da ein bisschen reingesteigert.

20. Dezember 2011

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

wir haben jetzt also nicht nur in der Abfallwirtschaft, im Baugewerbe, im Bergbau (, unter Dachdeckern, im Elektrohandwerk, bei den Gebäudereinigern, den Malern und Lackierern, in der Pflegebranche und bei den Sicherheits- und Wäschereidienstleistungen, sondern auch in der Zeitarbeit einen Zwangsmindestlohn. Glückwunsch. Ich bin sicher, dass es total rationale Erwägungen sind, die Sie zu der Erkenntnis geführt haben, dass Arbeitnehmern in genau diesen Branchen unter Strafandrohung ein Mindestlohn in genau der festgelegten Höhe von 6,53 EUR bis 13,40 EUR zu zahlen ist, während in anderen Branchen die Vertragspartner noch mehr oder weniger frei entscheiden können, was sie vereinbaren.

Sicher ist Ihnen klar, dass die möglichen Wirkungen eines solchen Mindestlohns sich in vier Alternativen erschöpfen:

  1. Keine.
  2. Der Arbeitgeber bezahlt mehr, als er eigentlich wollte, und der Arbeitnehmer bekommt mehr, als er gefordert hätte.
  3. Die Arbeit unterbleibt.
  4. Die beiden einigen sich heimlich auf einen niedrigeren Lohn, weil sie sonst nicht mehr wettbewerbsfähig sind, und wieder ist es Ihnen gelungen, ein paar mehr Menschen in die Illegalität zu treiben. Glückwunsch auch dazu. Man kann in Zukunft dann also in diesen Branchen sein Geschäft nur dann noch wirtschaftlich betreiben, wenn man gegen mindestens 15 Gesetze verstößt (bisher 14).

Sie tragen damit nicht nur weiter zur Entmündigung von Arbeitnehmern und generell zur Entwertung der Vertragsfreiheit bei, sondern sie haben auch noch die Chuzpe, offen ein weiteres Ziel zu benennen:

Von der Leyen äußerte sich zufrieden über den ersten Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche, der vor Billigkonkurrenz aus dem Ausland schütze.

Und wie könnte man damit nicht zufrieden sein? Wo kämen wir denn da hin, wenn so dreckige Ausländer guten Deutschen die Arbeit wegschnappen könnten.

 Sie forderte die Tarifparteien auf, „auch den zweiten Schritt zu tun und sich auf einen Zeitpunkt zu einigen, ab dem Zeitarbeiter in einem Betrieb den gleichen Lohn erhalten sollen wie die Stammbelegschaft“.

Sie forderten sie auf? Wie nett. Da bleibt dann also immerhin doch noch ein bisschen Tarifautono…

Sollten sich Arbeitgeber- und Gewerkschaftsseite im ersten Quartal 2012 darauf nicht einigen können, werde die Politik ihre Zusage aus dem Hartz-Kompromiss einlösen: Dann werde sie „den richtigen Zeitpunkt“ für das sogenannte Equal Pay durch eine Expertenkommission ermitteln lassen, kündigte von der Leyen an.

Ach ja, klar, ich vergaß, wie das in einem modernen freiheitlichen Rechtsstaat läuft. Wenn man nicht freiwillig macht, was die Regierung für richtig hält, wird man eben gewaltsam dazu gezwungen. Zum richtigen Zeitpunkt natürlich erst, nicht vorher, oder danach. Erbärmlich, dass Sie nicht einmal den Schneid haben, einfach direkt mit Zwang zu arbeiten, und stattdessen erst einmal mit Drohungen Gehorsam einfordern.

Frau von der Leyen, ich bin froh, dass Sie für diesen ganzen Kram zuständig sind. So muss ich meine Weltsicht nicht groß anpassen, sonder kann die Verachtung, die ich ohnehin schon für so ziemlich alles empfinde, was Sie sagen und tun, einfach ein bisschen upgraden, und alles passt wieder.

Manchmal träume ich ja davon, eine liberale Partei im Parlament vertreten zu sehen. Oder sogar in der Regierung. Hach… Naja, Träume sind das eine, und Sie, Frau von der Leyen, sind unglücklicherweise das andere.

In diesem Sinne, machen Sie’s gut.

Ihr Muriel Silberstreif


Etwas umfangreicheres und meiner unmaßgeblichen Ansicht nach ungewöhnlich interessantes Restebloggen (79)

20. Dezember 2011
  1. Wir diskutieren jetzt über Christian Wulff? Im Ernst? Ja, aber… Wieso das denn?
  2. Dem Kunden ist ein von uns angenähter Gurt abgerissen. Wir haben ihn erneut angenäht. Jetzt will er von mir eine schriftliche Bestätigung, dass die Naht hält. Wahrscheinlich will er die dann dem Gurt vorlegen, falls der wieder auf dumme Ideen kommt.
  3. Christopher Hitchens und Kim Il-Sung  Jong-Il [Danke für den Hinweis an 19Uhr30. Manchmal bin ich echt so doof.] sind gestorben. Sie werden mir beide fehlen, irgendwie. Aber seinen eigenen Nachruf darf nur Herr Hitchens hier veröffentlichen:
    Dear fellow-unbelievers,
    Nothing would have kept me from joining you except the loss of my voice (at least my speaking voice) which in turn is due to a long argument I am currently having with the specter of death. Nobody ever wins this argument, though there are some solid points to be made while the discussion goes on. I have found, as the enemy becomes more familiar, that all the special pleading for salvation, redemption and supernatural deliverance appears even more hollow and artificial to me than it did before. I hope to help defend and pass on the lessons of this for many years to come, but for now I have found my trust better placed in two things: the skill and principle of advanced medical science, and the comradeship of innumerable friends and family, all of them immune to the false consolations of religion. It is these forces among others which will speed the day when humanity emancipates itself from the mind-forged manacles of servility and superstitition. It is our innate solidarity, and not some despotism of the sky, which is the source of our morality and our sense of decency.
    That essential sense of decency is outraged every day. Our theocratic enemy is in plain view. Protean in form, it extends from the overt menace of nuclear-armed mullahs to the insidious campaigns to have stultifying pseudo-science taught in American schools. But in the past few years, there have been heartening signs of a genuine and spontaneous resistance to this sinister nonsense: a resistance which repudiates the right of bullies and tyrants to make the absurd claim that they have god on their side. To have had a small part in this resistance has been the greatest honor of my lifetime: the pattern and original of all dictatorship is the surrender of reason to absolutism and the abandonment of critical, objective inquiry. The cheap name for this lethal delusion is religion, and we must learn new ways of combating it in the public sphere, just as we have learned to free ourselves of it in private.
    Our weapons are the ironic mind against the literal: the open mind against the credulous; the courageous pursuit of truth against the fearful and abject forces who would set limits to investigation (and who stupidly claim that we already have all the truth we need). Perhaps above all, we affirm life over the cults of death and human sacrifice and are afraid, not of inevitable death, but rather of a human life that is cramped and distorted by the pathetic need to offer mindless adulation, or the dismal belief that the laws of nature respond to wailings and incantations.
    As the heirs of a secular revolution, American atheists have a special responsibility to defend and uphold the Constitution that patrols the boundary between Church and State. This, too, is an honor and a privilege. Believe me when I say that I am present with you, even if not corporeally (and only metaphorically in spirit…) Resolve to build up Mr Jefferson’s wall of separation. And don’t keep the faith.
    Sincerely
    Christopher Hitchens
    Naja. Wenn ich ehrlich sein soll: Hätte Herr Kim einen geschrieben, hätte ich den vielleicht auch übernommen.
  4. Ars Libertatis schreibt über Adbusters’ Ideen zur Transaktionssteuer und zum Buy-Nothing-Day genau das, was ich auch gern geschrieben hätte:
    “Ich kaufe mir ehrlich gesagt sehr selten etwas Unnützes. Ich habe zwar auch schon Fehlkäufe getätigt, aber ich hatte nie die Absicht, mir etwas zu kaufen, das mir keinen Nutzen spenden wird. Wenn die Adbuster-Leute dies aber häufig tun, dann ist es wohl gut, wenn sie mal einen Tag lang nichts kaufen und darüber nachdenken, wie sie Fehlkäufe vermeiden und ihren persönlichen Nutzen erhöhen können.”
  5. xkcd hat ein paar fantastische Ideen für optimierte Eselsbrücken. Besonders gefällt mir “Polycytic Ovarian Syndrome Does Cause Problems That Judicious Contraceptives Partially Negate”, aber “Karl Marx Gave The Proletariat Eleven Zeppelins, Yo” ist auch ganz gut.
  6. Für alle die, die unzufrieden sind, weil Atheisten zu wenig auf dem Islam herumhacken, und die das ändern wollen, gibt es jetzt bei islamischerverein die ideale Hackvorlage: Warum greift der Atheismus (ilhad) immer weiter um sich?
    “Der Mangel an ernsthaften Bemühungen um Reflexion schlägt schnell in Nachlässigkeit, Achtlosigkeit und anschließend dann in Atheismus und gelegentlich sogar in Verachtung der Religion um. Atheismus ist also nicht das Resultat vernünftiger Überlegungen, unmittelbarer Erkenntnis und Erfahrung oder wissenschaftlicher Wahrheit, sondern die Konsequenz passiver Gleichgültigkeit oder aktiver und militanter Rebellion.”
  7. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger,
    Anatol Stefanowitsch setzt sich im Sprachlog gerade mit dem generischen Maskulinum im Speziellen und desöfteren mit diskriminierender Sprache im Allgemeinen auseinander. Das Problem beschäftigt mich naturgemäß auch immer mal wieder, denn ich schreibe ja nun einmal, und gerade in erfundenen Geschichten stellt sich immer wieder die Frage, wie man mit gewissen Assoziationen und Vorurteilen umgeht, die gewisse Wörter mit sich bringen. Mir ist in dem Zusammenhang aus aktuellem Anlass (Bright Outlook) ein bestimmter Aspekt des Themas sehr präsent:Wie gehe ich als Autor mit der ethnischen Zuordnung meiner Figuren um? Schreibe ich bei hellhäutigen Charakteren immer dazu, dass sie hellhäutig sind, oder gehe ich davon aus, dass der Leser sich das schon denken wird, wenn ich nicht explizit erwähne, dass sie eine andere Hautfarbe haben? Wie mache ich das bei anderen Ethnien? Schreibe ich bei jedem Schwarzen gleich, dass er schwarz ist, oder erwähne ich es erst, wenn es eine Rolle spielt? In manchen Situationen ist die Antwort ganz einfach, aber in manchen auch gar nicht. Wie empfindet ihr das als Leser, oder vielleicht ja sogar als Autoren?

Pardon, wem?

13. Dezember 2011

Nachdem das gestern so erfolgreich war, habe ich heute gleich noch mal die faz.net-Startseite überflogen, und siehe da, ich bin wieder fündig geworden. Kein Geringerer als Sigmar Gabriel erklärt uns dort, “Was wir Europa wirklich schulden“. Wahrscheinlich, weil sie keinen Geringeren finden konnten. Egal. Ich will uns hier nicht mit niveaulosen Späßen über die Person Sigmar Gabriel aufhalten, sondern die Gelegenheit nutzen, mal was über die so genannte Eurokrise zu schreiben, was ich in Anbetracht der aktuellen zumindest scheinbaren Bedeutung derselben viel zu selten tue. Was auch immer man sonst über Gabriel und seinen Aufsatz sagen könnte, zumindest bietet er dafür eine ganz brauchbare Vorlage.

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Lange nicht mehr auf faz.net rumgehackt

13. Dezember 2011

Deswegen bin ich mir für nichts zu schade und greife nach jedem Strohhalm, so zum Beispiel diesem putzigen kleinen Kommentar zur Wüstenrot-Affäre (von der ich seit ungefähr zehn Minuten Kenntnis habe, aber das soll mich nicht davon abhalten, fundiert Stellung zu beziehen):

Auf einer Belohnungsreise der Bausparkasse Wüstenrot haben sich einige Mitarbeiter mit Prostituierten vergnügt. „Außerhalb des offiziellen Besuchsprogramms“, wie der Konzern betont. Das aber ist ganz unerheblich.

Recht hat er, möchte man sagen, aber nein. So meint Herr Krohn das nicht. Er meint, dass es keine Rolle spielt, ob der Sex mit Prostituierten Bestandteil der Belohnungsreise war oder nicht.

Wenn die Vertreter auf Konzernkosten unterwegs sind, stehen sie damit unter Beobachtung der Kollegen und der Öffentlichkeit. [...] Wer mit dem Geld von Kunden spielt, muss sich insgesamt besser verhalten, um Vertrauen zu gewinnen.

Als ich anfing, diesen Post zu schreiben, schien mir der Anlass wirklich ein sehr mickriger. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto ärgerlicher erscheint mir die Dummdreistigkeit dieser Forderung. Liegt das daran, dass ich mich sinnlos in Stimmung schreibe, oder versteht ihr, was ich meine? Ich versuche mal, zu erklären:

Wir gehen mal davon aus, dass die Prostituierten nicht vergewaltigt wurden und auch sonst keine Straftat vorlag und dass das Vergnügen in gegenseitigem Einvernehmen stattfand. Herr Krohn hätte anderenfalls mutmaßlich darauf hingewiesen, falls er das nicht auch unerheblich findet. Aber ich schweife ab. Sex zwischen einvernehmlich handelnden geschäftsfähigen Personen geht niemanden etwas an, außer diesen Personen selbst. Ob er nun heterosexuell, homosexuell, sadomasochistisch, kostenpflichtig oder in pelzigen Tierkostümen stattfindet. Wenn jemand sich bereit erklärt, mit einem anderen Menschen gegen Zahlung zu koitieren, sehe ich darin kein moralisches Problem. Herr Krohn offenbar schon. Er findet Sex mit Prostituierten offenbar nicht gut. Er nennt es ein “Fehlverhalten”. Und er findet, dass andere Leute sich danach zu richten haben, was er gut findet.

Und damit habe ich ein Problem. Es geht ihn nichts an, und es geht uns alle nichts an. Wie albern ist denn das, hier im Bariton großer Besorgnis darüber zu referieren, welche Vorbildwirkung das Verhalten der betroffenen Wüstenrotmitarbeiter hat und dass man sich “besser verhalten” muss, um Vertrauen zu gewinnen?

Ja wo kämen wir denn hin, wenn Konzernangestellte außerhalb der Arbeitszeit einfach machen könnten, worauf sie Lust haben, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass sie “unter Beobachtung der Kollegen und der Öffentlichkeit” stehen? Was wäre das denn für eine Welt, in der es uns zeitweise einfach mal egal sein könnte, welches Verhalten wohl am ehesten den Vorstellungen unserer Kunden und der Journalisten von faz.net entspricht?

Und wenn Krohn selbst die Verbindung zur Finanzkrise zieht,

Deutsche Verbraucher sind in Sorge. In der Finanzkrise tun sie sich schwer, passende Anlageprodukte zu finden, die ihnen zumindest einen Inflationsausgleich sicherstellen. Ihnen gegenüber sitzen zum Teil leider Ratgeber, die das Vertrauen der geplagten Anleger nicht verdient haben.

dann könnte er in meinen Augen an dieser Stelle vielleicht erkennen, dass diese Krise auch von Anfang an ein beklagenswertes Versagen der Medien war, und dass es vielleicht kein Schritt in die richtige Richtung ist, öffentlich zu diskutieren, was “Ratgeber” (Verdammt noch mal, diese Leute nennen sich vielleicht aus offensichtlichen Gründen selbst Ratgeber, aber warum bitte sollte ein Journalist diesen bescheuerten Titel übernehmen? Ich kaufe mein Auto doch auch nicht vom Kraftfahrzeugberater!) in ihrer Freizeit mit wem wo veranstalten und wie er zu ihren Freizeitaktivitäten steht, statt die besorgten Verbraucher tatsächlich zu informieren.

[Ein Nachtrag, den ich untypischerweise schon vor der Veröffentlichung einfüge: Gerade lese ich, dass die Reise nach Brasilien ging, wo Prostitution offenbar strafbar ist. Na gut. Auch dumme Gesetze sollte man als Tourist tendenziell einhalten. Ändert aber meines Erachtens nichts an meinen Ausführungen, außer dass der Begriff "Fehlverhalten" dann wohl doch gerechtfertigt ist.]


Bright Outlook (1)

10. Dezember 2011

Oh Jungejunge.

Vielleicht habe ich das schon mal gesagt, aber dann sag ich’s eben wieder: Ich glaube, ich war noch nie so unsicher mit einem Projekt hier im Blog. Das liegt gar nicht so sehr daran, dass dies mein erste interaktiver Fortsetzungsroman wird. Das macht mir keine Sorgen. Erstens, weil ich damit rechne, dass eure Anweisungen die Sache eher interessanter und unterhaltsamer machen als wirklich anstrengender und zweitens (Wir sind ja schließlich Skeptiker hier, deswegen versuche ich gar nicht, euch da was vorzumachen.), weil ich natürlich die Fragen so stellen kann und werde, dass mir keine zu unangenehmen Überraschungen ins Haus stehen. Ich denke, Letzteres ist in unser aller gemeinsamem Interesse, auch wenn es das Experiment vielleicht ein paar Avantgarde-Punkte kostet.

Nein, meine Nervosität liegt eher darin, dass ich bisher bei jedem Fortsetzungsroman wenigstens eine ungefähre Vorstellung vom Plot hatte, und davon, wohin er uns führen soll, und wie lang er wird. Die habe ich manchmal beim Schreiben über Bord geworfen, nicht immer mit besten Resultaten (*Räusper*Menschenähnlich*Hust*), aber ich hatte sie immerhin. Diesmal nicht. (Sollte ich das gleiche schon mal behauptet haben, war das wahrscheinlich gelogen. Oder ich lüge jetzt. Weiß ich selbst nicht mal so genau.) Und so führt der Pfad der Zweifel dann vielleicht doch wieder zurück zur Interaktivität, denn wenn die nicht wäre, würde es sich ja lohnen, eine solche ungefähre Vorstellung zu entwickeln. Ich habe mich aber dagegen entschieden, um uns allen ein bisschen mehr von der offensichtlichen Illusion von Freiheit zu lassen, ungefähr wie im richtigen Leben. Aber es nützt ja nichts, das Ergebnis der Leserbefragung ist diesmal wirklich eindeutig, und ich will auch nicht behaupten, ich würde die Geschichte bisher nicht gerne schreiben. Im Gegenteil.

Viel Spaß mit dem ersten Kapitel von “Bright Outlook”. Einige von euch kennen ja den Anfang schon, aber erstens haben sich, denke ich, einige Details geändert, außerdem ist dieses erste Kapitel länger als der Teaser. Es lohnt sich also für alle, es ganz zu lesen.

Los geht’s.

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