Etwas umfangreicheres und meiner unmaßgeblichen Ansicht nach ungewöhnlich interessantes Restebloggen (79)

  1. Wir diskutieren jetzt über Christian Wulff? Im Ernst? Ja, aber… Wieso das denn?
  2. Dem Kunden ist ein von uns angenähter Gurt abgerissen. Wir haben ihn erneut angenäht. Jetzt will er von mir eine schriftliche Bestätigung, dass die Naht hält. Wahrscheinlich will er die dann dem Gurt vorlegen, falls der wieder auf dumme Ideen kommt.
  3. Christopher Hitchens und Kim Il-Sung  Jong-Il [Danke für den Hinweis an 19Uhr30. Manchmal bin ich echt so doof.] sind gestorben. Sie werden mir beide fehlen, irgendwie. Aber seinen eigenen Nachruf darf nur Herr Hitchens hier veröffentlichen:
    Dear fellow-unbelievers,
    Nothing would have kept me from joining you except the loss of my voice (at least my speaking voice) which in turn is due to a long argument I am currently having with the specter of death. Nobody ever wins this argument, though there are some solid points to be made while the discussion goes on. I have found, as the enemy becomes more familiar, that all the special pleading for salvation, redemption and supernatural deliverance appears even more hollow and artificial to me than it did before. I hope to help defend and pass on the lessons of this for many years to come, but for now I have found my trust better placed in two things: the skill and principle of advanced medical science, and the comradeship of innumerable friends and family, all of them immune to the false consolations of religion. It is these forces among others which will speed the day when humanity emancipates itself from the mind-forged manacles of servility and superstitition. It is our innate solidarity, and not some despotism of the sky, which is the source of our morality and our sense of decency.
    That essential sense of decency is outraged every day. Our theocratic enemy is in plain view. Protean in form, it extends from the overt menace of nuclear-armed mullahs to the insidious campaigns to have stultifying pseudo-science taught in American schools. But in the past few years, there have been heartening signs of a genuine and spontaneous resistance to this sinister nonsense: a resistance which repudiates the right of bullies and tyrants to make the absurd claim that they have god on their side. To have had a small part in this resistance has been the greatest honor of my lifetime: the pattern and original of all dictatorship is the surrender of reason to absolutism and the abandonment of critical, objective inquiry. The cheap name for this lethal delusion is religion, and we must learn new ways of combating it in the public sphere, just as we have learned to free ourselves of it in private.
    Our weapons are the ironic mind against the literal: the open mind against the credulous; the courageous pursuit of truth against the fearful and abject forces who would set limits to investigation (and who stupidly claim that we already have all the truth we need). Perhaps above all, we affirm life over the cults of death and human sacrifice and are afraid, not of inevitable death, but rather of a human life that is cramped and distorted by the pathetic need to offer mindless adulation, or the dismal belief that the laws of nature respond to wailings and incantations.
    As the heirs of a secular revolution, American atheists have a special responsibility to defend and uphold the Constitution that patrols the boundary between Church and State. This, too, is an honor and a privilege. Believe me when I say that I am present with you, even if not corporeally (and only metaphorically in spirit…) Resolve to build up Mr Jefferson’s wall of separation. And don’t keep the faith.
    Sincerely
    Christopher Hitchens
    Naja. Wenn ich ehrlich sein soll: Hätte Herr Kim einen geschrieben, hätte ich den vielleicht auch übernommen.
  4. Ars Libertatis schreibt über Adbusters’ Ideen zur Transaktionssteuer und zum Buy-Nothing-Day genau das, was ich auch gern geschrieben hätte:
    “Ich kaufe mir ehrlich gesagt sehr selten etwas Unnützes. Ich habe zwar auch schon Fehlkäufe getätigt, aber ich hatte nie die Absicht, mir etwas zu kaufen, das mir keinen Nutzen spenden wird. Wenn die Adbuster-Leute dies aber häufig tun, dann ist es wohl gut, wenn sie mal einen Tag lang nichts kaufen und darüber nachdenken, wie sie Fehlkäufe vermeiden und ihren persönlichen Nutzen erhöhen können.”
  5. xkcd hat ein paar fantastische Ideen für optimierte Eselsbrücken. Besonders gefällt mir “Polycytic Ovarian Syndrome Does Cause Problems That Judicious Contraceptives Partially Negate”, aber “Karl Marx Gave The Proletariat Eleven Zeppelins, Yo” ist auch ganz gut.
  6. Für alle die, die unzufrieden sind, weil Atheisten zu wenig auf dem Islam herumhacken, und die das ändern wollen, gibt es jetzt bei islamischerverein die ideale Hackvorlage: Warum greift der Atheismus (ilhad) immer weiter um sich?
    “Der Mangel an ernsthaften Bemühungen um Reflexion schlägt schnell in Nachlässigkeit, Achtlosigkeit und anschließend dann in Atheismus und gelegentlich sogar in Verachtung der Religion um. Atheismus ist also nicht das Resultat vernünftiger Überlegungen, unmittelbarer Erkenntnis und Erfahrung oder wissenschaftlicher Wahrheit, sondern die Konsequenz passiver Gleichgültigkeit oder aktiver und militanter Rebellion.”
  7. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger,
    Anatol Stefanowitsch setzt sich im Sprachlog gerade mit dem generischen Maskulinum im Speziellen und desöfteren mit diskriminierender Sprache im Allgemeinen auseinander. Das Problem beschäftigt mich naturgemäß auch immer mal wieder, denn ich schreibe ja nun einmal, und gerade in erfundenen Geschichten stellt sich immer wieder die Frage, wie man mit gewissen Assoziationen und Vorurteilen umgeht, die gewisse Wörter mit sich bringen. Mir ist in dem Zusammenhang aus aktuellem Anlass (Bright Outlook) ein bestimmter Aspekt des Themas sehr präsent:Wie gehe ich als Autor mit der ethnischen Zuordnung meiner Figuren um? Schreibe ich bei hellhäutigen Charakteren immer dazu, dass sie hellhäutig sind, oder gehe ich davon aus, dass der Leser sich das schon denken wird, wenn ich nicht explizit erwähne, dass sie eine andere Hautfarbe haben? Wie mache ich das bei anderen Ethnien? Schreibe ich bei jedem Schwarzen gleich, dass er schwarz ist, oder erwähne ich es erst, wenn es eine Rolle spielt? In manchen Situationen ist die Antwort ganz einfach, aber in manchen auch gar nicht. Wie empfindet ihr das als Leser, oder vielleicht ja sogar als Autoren?
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11 Antworten zu Etwas umfangreicheres und meiner unmaßgeblichen Ansicht nach ungewöhnlich interessantes Restebloggen (79)

  1. Guinan sagt:

    1. Jedes Volk bekommt den Präsidenden, den es verdient.

    3. Ich überleg’ schon die ganze Zeit, wie Sheila das gedreht hat mit dem Herzanfall.

    7. Ein paar beschreibende Worte, am besten schon relativ früh, finde ich gut, ganz egal bei welcher Ethnie. Ich brauche das für mein Kopfkino. Du erinnerst dich vielleicht dunkel, wie weit unsere Vorstellungen von Morgan auseinandergingen?
    Auch hellhäutig umfasst ja eine breite Spanne. Dabei musst du nicht mal unbedingt die Hautfarbe speziell erwähnen. Allein schon dadurch, dass du Claires Haare von blond auf rot geändert hast, ist ihre Haut in meiner Vorstellung heller geworden.

  2. Muriel sagt:

    @Guinan: 3. Sie hat Mittel und Wege. Aber manchmal ist eine Zigarre natürlich auch nur eine Zigarre.
    7. Ja, das ergibt Sinn.

  3. Daniel sagt:

    6 ist super, kreuz.net für moslems xD

  4. Daniel sagt:

    Auch sehr gut: “Den Muslimen vorzuwerfen, einen imperialistischen Kolonialismus betrieben zu haben, ist ungeheuerlich und absurd. Denn diese Menschen riskierten mit ihrer ehrenhaften Gesinnung ihr Leben, um anderen Völkern die Botschaft des Islam zu bringen.”

    (http://islamischerverein.wordpress.com/2011/12/20/waren-die-islamischen-eroberungen-imperialismus/)

  5. Muriel sagt:

    Auf die Gefahr hin, das Offensichtliche zu schreiben:
    Den Nationalsozialisten vorzuwerfen, einen imperialistischen Eroberungskrieg betrieben zu haben, ist ungeheurlich und absurd. Denn diese Menschen riskierten mit ihrer widerwärtigen Gesinnung ihr Leben, um anderen Völkern die Botschaft des Nationalsozialismus zu bringen.

  6. malefue sagt:

    ihr liegt beide falsch.
    Den Großmogulen vorzuwerfen, einen imperialistischen Eroberungskrieg betrieben zu haben, ist ungeheurlich und absurd. Denn diese Menschen riskierten mit ihrer subkontinentalen Gesinnung ihr Leben, um anderen Völkern die Botschaft des Hühnercurrys(?) zu bringen. [oh mann, miserable form heute]

    btw muriel: erwischt, godwin!

  7. Dietmar sagt:

    Ich trauere wirklich um Hitchens. Allein schon seine mühelose Eloquenz ist unglaublich beeidruckend gewesen.

  8. 19Uhr30 sagt:

    Dann gebe ich mal den Klugscheißer des Tages und stelle in den Raum, dass Kim Il-Sung ja schon ein paar Jährchen länger tot ist als Christopher Hitchens…
    Aber er ist immer noch Staatsoberhaupt von Nordkorea. Ich glaube das macht diesen Staat zur einzigen Nekrokratie der Welt.

  9. Muriel sagt:

    @19Uhr30: Willkommen bei überschaubare Relevanz. Nett, dass du mal vorbeischaust. Und verdammt noch mal, warum hat mich denn vor dir niemand darauf hingewiesen, dass ich um den falschen Diktator trauere?
    Man kommt aber auch leicht durcheinander, wenn die alle gleich heißen…

  10. Muriel sagt:

    Ach so, und: Moment mal. Einzige Nekrokratie? Heißt das etwa, Benedikt ist noch…
    Impossibru!

  11. madove sagt:

    3) Ein phantastischer Text.

    7) Wahrscheinlich würde ich versuchen, es einfach genau an der Stelle zu erwähnen, wo Du auch bei einer nichtdurcheinunsbesonderserscheindesmerkmalgesegneten
    Figur das Äußere (oder die Herkunft o.ä.) beschrieben hättest, oder, wenn es explizit eine Auswirkung auf die Person oder die Handlung hat (was, wie Stefanowitsch in seinem kleingedruckten Nachschlag schreibt, vielleicht häufiger ist, als man als postracismoptimist denkt). Der Versuchung zu widerstehen, es automatisch als Kategorie für die Figur zu verwenden, empfinde ich schon als Fortschritt.
    Aber die Grenzen sind fließend, und es ist eine schwierige Gratwanderung, weil Du ja Bilder in unseren Köpfen bauen willst, und das geht einfach am einfachsten unter Verwendung derer, die wir schon haben. Grade beim freien Erzählen ist aber ja auch schön, daß Du Stereotypen aufbrechen und uns überraschen kannst, indem sich die Figuren gelegentlich nicht so verhalten, wie wir nach deren Einordnung (als “Frau”, “Neger” o.ä.) unbewußt erwarten.

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