Where there’s a rip, there is a way (2)

Was hatte ich noch mal versprochen? Richtig, Puerto de las Nieves und TERRROOOR!

(Ich weiß, hier sagen sie’s gar nicht, aber es ist trotzdem mein Lieblingsclip.)

Und so machen wir es auch.

Die Auswahl unserer Reiseziele in diesem wie auch im letzten Gran-Canaria-Urlaub stützte sich hauptsächlich auf einen etwas sonderbaren Top-Ten-Reiseführer, den wir versuchshalber mal gekauft haben, weil die anderen auch nicht wesentlich vielversprechender aussahen. Die so ziemlich letzten beiden verbliebenen Top-Ten-Ziele waren nun diese beiden, und weil Puerto de las Nieves in der Woche besser, Teror aber am Sonntag am interessantesten sein soll, entschieden wir uns diesen Montag für Puerto de las Nieves. Dort gab es zwar keinen Schnee, aber immerhin einen Hafen, von dem aus nicht nur Fischer und private Yachtbesitzer in See stechen, sondern auch eine große Fähre zur Nachbarinsel Tenerifa, für die wir uns allerdings nicht die Zeit nehmen wollten.

Besonders amüsant fand ich an der Beschreibung des Ortes in unserem Reiseführer, dass zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten gar nicht mehr existieren (der Dedo de Diós wurde bei einem Sturm und eine alte Guanche-Grabanlage bei Bauarbeiten zerstört), eine dritte nur einmal im Jahr im August stattfindet (Bajada de la Rama, und wir mögen auch sowieso keine Margarine) und drei weitere aus meiner Sicht nicht so richtig zählen: Die Fähre wollten wir wie gesagt diesmal nicht nutzen, Angeln gehen wir auch nicht so gerne, und Surfen wollten wir woanders. Es blieb also die Ermita de las Nieves, die entgegen den Angaben in unserem Führer geschlossen war,

die alten Relikte, die teilweise noch ganz gut in Schuss sind, wie diese Windmühle:

,

teilweise schon ein bisschen angerostet waren wie dieser Kran:

und teilweise schon soliden Silent-Hill-Charme versprührten wie dieses… Was auch immer das mal war:

und dann die Strände, an denen das klare Wasser uns angeblich über den steinigen Einstieg hinwegtrösten sollte.

Da das klare Wasser ziemlich schnell tief und dunkel wurde und ich es ohne Ende gruselig finde, wenn man den Grund nicht mehr sehen kann, war es mit dem Trost nicht so weit her. Wir schwammen trotzdem so nah an die Reste des Dedo de Diós, wie wir konnten, ohne der Fere in die Quähre zu kommen, und gingen dann zügig und ausgesprochen durchgefroren wieder an Land.

Nicht in unserem Reiseführer stand die Wellenschutzvorrichtung vor dem Hafen, die eigentlich wohl nur bedingt sehenswert ist, uns aber an einen Mario-Level erinnerte und auch sonst irgendwie putzig rüberkam:

Den passenden Abschluss bildete ein für uns ungewohnt frühes Abendessen in einem der laut Reiseführer ausnahmslos tollen Fischrestaurants am Hafen, in dem wir übrigens schon wieder die einzigen Gäste waren. Na gut, Spanier essen ja meistens etwas später, sagt man, aber vielleicht sollten wir doch anfangen, uns zu fragen, ob das wirklich Zufall ist, oder ob wir was falsch machen.

Auf dem Weg nach Hause trat ich zum zweiten Mal in dieselbe Harke wie nach unserem Spaziergang im letzten Urlaub: Der Weg im Westen der Insel nach Maspalomas sah so schön kurz aus, und das Navigationssystem meinte auch, wir wären nur zehn Minuten länger unterwegs als andersrum, und ich dachte, wäre doch nett, jetzt auch noch mal was anderes zu sehen und außerdem einmal die ganze Insel umrundet zu haben. Ich unterschätzte wieder einmal dramatisch die Macht der Serpentinen. Nicht nur, das die Fahrzeit sich mehr als verdoppelte, ich bescherte uns ungewollt noch ein echtes Abenteuer: Als wir losfuhren, stand die Tankanzeige des Mietwagens noch knapp unter 1/4. Schon nach zehn Minuten leuchtete die Reservelampe auf, zehn Minuten später zeigte die Reichweite noch 15km, und ungefähr 5km weiter hatte sie 0 erreicht. Die Fahrt ging weiter fröhlich schlenkernd steil bergauf, und hinter uns drängelte ein kontinuierlich wütender werdender Busfahrer, der offensichtlich mutiger oder ortskundiger war als ich, eher beides, und uns nach langer quälender Drängelei in einer Kurve unter Einsatz nicht nur seines eigenen Lebens überholte. Ich wusste in dem Momemt nicht, ob ich erleichtert oder verzweifelt reagieren sollte, denn ich befasste mich ja schon eine ganze Weile mit der sehr realen Möglichkeit, dass unser Auto gleich auf dieser mickrigen eineinhalbspurigen Bergstraße ohne Haltebuchten, ohne Randstreifen ein paar Stunden Fußweg zum nächsten Ort liegenbleiben würde, und so sah ich unserer einzigen Transportmöglichkeit für den Notfall nicht ohne Wehmut nach, als sie vor uns davonraste und bald hinter der nächsten Kurve auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Ich warf einen Blick zu keoni auf dem Beifahrersitz, und sie erwiderte ihn. In diesem Moment war uns beiden klar, dass es im Notfall heißen würde: Sie oder ich. Sie war kleiner und würde sich wahrscheinlich zwei bis drei Tage von meinen Überresten ernähren können, wohingegen ich es mit ihr als Proviant wahrscheinlich mit Mühe und Not bis zum Sonnenaufgang schaffen würde. Die Vernunft sagte also, dass ich mich würde opfern müssen, aber was ist schon Vernunft, wenn ihr der schiere menschliche Überlebenswille gegenübersteht und, so…

Naja.

Wie das oft so geht, bewahrheiteten meine Befürchtungen sich nicht, und als wir schließlich die Tankstelle in Mogán erreichten, stand die Reichweitenanzeige dank der vorhergegangenen Wiederbergabfahrt schon wieder auf 20km. Antiklimaktisch für’s Erzählen, aber für uns so erfreulich,dass wir unser Überleben noch mit einer Dose Smarties feierten, bevor wir die ansonsten ereignislose Heimfahrt angingen.

Und dann Teror. Teror ist ein kleiner, aber touristisch und religiös und kulturell sehr wichtiger Ort, weil er einen so lustigen Namen hat, dass ein kurzer Besuch bereits reicht, um Bewohner wie auch Besucher der Insel nachhaltig genug aufzumuntern, um sie diese bescheuerten Serpentinen vergessen zu lassen, die den Zugang zu so vielen schönen Teilen Gran Canarias… Aber ich schweife ab.

In Teror steht zunächst einmal die Basílica de Nuestra Señora del Pino, weil vor längerer Zeit hier jemand offenbar besonders gute Shrooms unter einer Kiefer gegessen hat, und seitdem ist das sozusagen die Schutzfigur der ganzen Insel

und die Leute bringen ihr die ulkigsten Geschenke mit, wenn sie sie besuchen kommen:

Die Kathedrale sieht auch von außen ganz gut aus

und das Hauptschiff ist auch durchaus geschmackvoll hochwertig eingerichtet.

Vor allem ist uns in Teror aber das bereits angesprochene Extreme-regionale-Spezialitäten-Probiering in Erinnerung geblieben. Es fing eigentlich ganz harmlos damit an, dass wir unbedingt die Chorizo de Teror kennenlernen wollten, für die der Ort offenbar berühmt ist, und uns deshalb an das Restaurant hielten, das unser Reiseführer zum besten im Ort erklärt hatte. Und da standen dann in der Karte aber ganz viele lustige Sachen, zum Beispiel eine flambierte Wurst,

toller Hartkäse, eine teroristische Blutwurst, Brot mit Tomaten-Knoblauch-Paste. All diese Gerichte hatten gemein, dass sie gar nicht so übel schmeckten und vor allem furchtbar, furchtbar, furchtbar, sehr fettig waren. Und weil ich dachte, dass ein leichtes Dessert zum Abschluss vielleicht die Sache noch hübsch abrunden könnte, bestellte ich mir eine letzte regionale Spezialität, die sich in der Karte schon merkwürdig las, sich in RL aber als die Hölle auf Erden entpuppte: ZuckereimitMaismehlPampezumSelberanrühren:

Die Idee ist grundsätzlich gar nicht so doof: Das Zuckerei ist natürlich schrecklich süß und völlig ungenießbar und wird durch Einrühren des Maismehls gerade so halbwegs erträglich, dass man es nicht einfach angewidert wegschiebt, sondern aus Pflichtgefühl so lange isst, bis einem wirklich, wirklich, wirlich sehr furchtbar schlecht ist.

Und weil ich dachte, dass ein leichtes Dessert zum Abschluss vielleicht die Sache noch hübsch abrunden könnte, beschlossen wir, noch eine letzte regionale Spezialität auszuprobieren: In Teror gibt es nicht nur die Kathedrale der Kiefernjungfrau, sondern auch noch den Zisterzianischen Konvent, wo die Nonnen mutmaßlich selbstgebackene Kuchendinger verkaufen.

Man betätigt einen Klingelknopf neben diesem Drehfenster. Daraufhin wird man von einer älteren Dame sehr unfreundlich auf Spanisch gefragt, was man will. Wenn man dann sagt, dass man Süßkram kaufen will, dreht sie wortlos das Fenster um und zeigt einem die Auswahl. Man sagt dann was man will und fragt nach dem Preis, worauf man wiederum sehr unfreundlich beschieden wird, dass es drei Euro kostet. Die legt man hin, und dann dreht sich das Glücksrad noch einmal weiter, und im Idealfall hat man am Ende einen Beutel mit sowas:

Ob die Schwestern zum Zubereiten dieser Kringelkekse ein heilig’s Blechle benutzen, haben wir leider nicht endgültig ermitteln können, wir gehen aber bis auf Weiteres davon aus.

Im dritten und letzten Teil dieses Reiseberichts wird es in einem eklatanten Verstoß gegen unseren Deal doch ein bisschen ums Surfen gehen, außerdem noch um eine lebensbedrohliche Bergwanderung, den abgetrennten Kopf unseres Erlösers, das letzte Essen im Samsara, unlautere Machenschaften bei der Wahl zum US-Präsidenten, und um Drogenschmuggel. Wenn das jetzt nicht euer Interesse geweckt hat, dann weiß ich auch nicht.

2 Antworten zu Where there’s a rip, there is a way (2)

  1. JNj. sagt:

    Die Unfreundlichkeit der Nonnen war eine letzte Warnung Gottes von dem Genuß weiterer, schädlicher Nahrungsmittel Abstand zu nehmen ;-)

  2. Muriel sagt:

    @JNj. Ich habe mir sagen lassen, dass ich in Ermangelung des Heiligen Geistes solche Botschaften nicht verstehen kann. Echt ärgerlich in diesem Fall. Ich hab immer noch welche von den Keksen.

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