Doch.

19. August 2012

Für alle, die gewettet haben: Nicht ganz 24 Stunden hat es gedauert, bis der erste Beitrag erschienen ist, nachdem ich angekündigt hatte, dass ich mich ruhiger verhalten würde. Ich gratuliere unbekannter Weise dem glücklichen Gewinner.

Es geht mal wieder um die FAZ, und der Artikel, der mir keine Ruhe ließ, heißt natürlich

Nicht alles sollte für Geld zu haben sein

Dazu können neoliberale Arschlöcher wie ich nicht schweigen, habe ich mir gedacht, und mich nun doch trotz besagter Ankündigung ein bisschen mit den Argumenten des Verfassers auseinandergesetzt. Und zwar so:

 Einige Dinge aber sollten besser nicht handelbar sein. Sie verlieren sonst ihre Würde.

Dinge haben keine Würde, und überhaupt kann es in meinen Augen mit einer Würde nicht weit her sein, die verloren geht, wenn es nicht verboten ist, ihren Träger freiwillig im Tausch gegen etwas anderes herzugeben. Das war einfach. Nächstes Argument.

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Bitte warten Sie

17. August 2012

Es ist nicht nur so, dass Keoni und ich und Elmi kommende Woche nach Südafrika fliegen und dafür einiges vorzubereiten haben. Nun ist auch noch was anderes dazwischen gekommen. (Es ist nicht keoni, es ist eine andere Person, die mir sehr nahe steht, ich denke, das genügt.)

Ich bitte daher um Verständnis, dass ich voraussichtlich in der nächsten Zeit nicht nur hier etwas ruhiger bleiben dürfte, sondern auch in den befreundeten und aus anderen Gründen regelmäßig besuchten Blogs meiner zustimmenden oder abweichenden Meinung etwas seltener Ausdruck verleihen werde.

Reiseberichte wird es früher oder später natürlich trotzdem geben, und auch Bright Outlook wird weitergehen, ich nehme auch gerne Vor- und Ratschläge für den Urlaub entgegen, insgesamt besteht also kein Anlass zu übermäßiger Sorge.

Ich wollte es nur schon mal ankündigen.


Verdammte Axt

15. August 2012

Wo kommt eigentlich diese merkwürdige Idee her, dass wir heterosexuellen Zwei-Personen-Ehen mit Kindern irgendwas wegnehmen, indem wir auch anders orientierten Menschen gestatten, sich auf eine Art miteinander zusammenzutun, die die gleichen Rechtsfolgen auslöst, die wir gemeinhin mit dem Begriff “Ehe” umschreiben? Und warum erklärt nie jemand diese Idee, der öffentlich drüber schimpft?

Der Aufschrei kommt diesmal aus Daniel Deckers zerrissener Seele und beginnt mit den Worten

Was? Nein, völliger Quatsch. Anders:

Es gibt nicht viele Normen des Grundgesetzes, deren Wortlaut alle Veränderungen seit 1949 überdauert hat. Eine davon ist Artikel sechs Absatz eins: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“

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Good at running to Washington

14. August 2012

Das Bundesland Hamburg beabsichtigt offenbar, einen Staatsvertrag mit drei islamischen Verbänden schließen, und während ich wohl prinzipiell nichts gegen diese Idee habe, auch wenn ich mir als islamischer Verband vielleicht zu schade wäre, mit so einer verkommenen Bande wie den Hamburger Politikern Verträge zu schließen, finde ich doch einiges in diesem FAZ-Bericht, den ich darüber gelesen habe, etwas sonderbar. Es geht ziemlich am Anfang schon los:

Danach sollen an staatlichen Schulen künftig auch muslimische Lehrer das Fach Religion unterrichten dürfen. Der Hamburger Religionsunterricht [...] wird [...] von der evangelische Kirche verantwortet. Das soll so bleiben

Da möchte man als Freund eines aufgeklärten Rechtsstaates doch schon gleich verzweifeln, oder nicht? An einer staatlichen Schule wird der Unterricht in einem Fach von einer Gemeinschaft bestritten, die ein bestimmtes Bekenntnis in Bezug auf dieses Fach vertritt. Es war bisher offenbar nicht erlaubt, dass jemand dieses Fach unterrichtet, der dieser Gemeinschaft nicht angehört. Jetzt soll Angehörigen einer einzigen von den zehntausend anderen Gemeinschaft ebenfalls gestattet werden, dieses Fach zu unterrichten, aber natürlich weiterhin unter der Ägide der ersten Gruppe.

Ehrlich jetzt. Ich weiß, dass meine Entrüstung vielleicht ein bisschen künstlich rüberkommt, weil wir alle schon lange wissen, dass Religionsunterricht in Deutschland nun mal von den christlichen Kirchen veranstaltet wird, aber ich habe mit dem Thema so selten Kontakt, dass es mich jedes Mal wieder wie ein Schlag trifft. Ich weiß, Schüler können sich weigern, an diesem Unterricht teilzunehmen, aber trotzdem: Wie doof ist denn das?

Man stelle sich vor, der Politikunterricht würde ausschließlich von der CDU organisiert und abgehalten, und ein Bundesland wollte es uns jetzt als großen Fortschritt verkaufen, dass in Zukunft auch Parteiangehörige der FDP unterrichten dürfen, wenn auch natürlich weiterhin verantwortet vom großen Koalitionspartner. Oder man stelle sich vor, Biologieunterricht dürfte ausschließlich von Lyssenkoisten erteilt … Ihr habt das Prinzip verstanden? Okay, bitte um Entschuldigung. Weiter.

Der Vertrag sieht außerdem vor, dass einige muslimische Feiertage [...] künftig in Hamburg wie kirchliche Feiertage behandelt werden. Arbeitnehmer haben dann ein Recht auf einen freien Tag, müssen die Zeit aber nacharbeiten oder Urlaub nehmen.

Noch so’n Ding.

Ich muss zugeben, dass der Begriff “kirchliche Feiertage” nicht so ganz eindeutig ist, aber ich wage erst einmal die Behauptung, dass das keine Gleichbehandlung ist. An den großen kirchlichen Feiertagen (Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt, ihr wisst schon) müssen Arbeitnehmer nicht Urlaub nehmen oder nacharbeiten. Sie haben frei. Punkt. (Übrigens, wenn ich kurz zwischendurch auch noch mal den Libertären raus lassen darf: Sympathische Idee, einen Vertrag zu verhandeln, in dem man Dritten (hier: Arbeitgebern) Pflichten auferlegt, ohne diese auch nur zu beteiligen. Stay classy, Hamburg!) Lügt hier die FAZ? Oder hat  Hamburg die FAZ belogen, und die haben das einfach übernommen? Bin ich zu pingelig, und es sind eben die nichtgesetzlichen kirchlichen Feiertage gemeint? Macht es überhaupt einen Unterschied? Und warum nur einige muslimische Feiertage? Wenn es keine gesetzlichen Feiertage sind, warum nicht alle? Die christlichen Kirchen dürfen doch auch nicht nur einige ihrer Feiertage als nicht gesetzliche kirchliche Feiertage deklarieren, oder?

Über die genaue Ausgestaltung des Religionsunterrichts muss allerdings weiterverhandelt werden, der Vertrag gibt dafür fünf Jahre Zeit.

Im Vergleich zu den anderen Sachen vielleicht eine Kleinigkeit, aber doch: Laut diesem FAZ-Artikel hat die Stadt Hamburg bereits fünf Jahre mit den Verbänden verhandelt. Und jetzt ist dabei ein Vertrag rausgekommen, der vorsieht, dass über einen der wichtigsten Kernpunkte “weiterverhandelt werden” muss. Das mag jetzt in diesem Kontext leicht unpassend wirken, aber: Jesus Christus! Bloß gut, dass diese Leute nie in die Lage geraten werden, schnell wichtige Entscheidungen treffen zu müssen.

Hamburg will sich zudem dafür einsetzen, dass die muslimischen Verbände auch einen Sitz in den Rundfunkgremien erhalten. 

Gaahh! Warum? Was haben Vertreter religiöser Organisationen in Rundfunkgremien verloren? Sollten da nicht Leute sitzen, die was von Rundfunk verstehen? Zur Sicherheit: Ich habe nichts dagegen, dass religiöse Menschen solche Gremien bevölkern. Ich begreife bloß nicht, wie man auf die Idee kommt, jemand müsse da Mitglied sein, weil er einer bestimmten Religion angehört. Und was ist mit Juden, Scientologen, Hindus und Buddhisten, Skeptikern, Jedis und Zwölfgöttergläubigen?

Für den gemeinsamen Religionsunterricht an staatlichen Schulen ist festgelegt, dass sich die evangelische Kirche und die muslimischen Gemeinden gleichberechtigt die Verantwortungen für dieses Fach teilen.

Bäh… däh… äh… Was? Stand da nicht irgendwo anders, dass die evangelische Kirche den Unterricht verantwortet, und dass das so bleibt? Wie ist es denn jetzt richtig? Ich weiß es leider nicht, und konnte es auch nicht herausfinden. Auch in anderen Berichten habe ich dazu keine klare Auskunft gefunden.

Fassen wir zusammen: Die Stadt Hamburg will mit einigen muslimischen Verbänden einen Vertrag schließen, der Muslime zwar nicht fair behandelt, und bei weitem nicht so gut wie die evangelische Kirche, aber doch immerhin noch ein bisschen besser als alle übrigen Glaubensgemeinschaften, die nach wie vor gar keine Sonderrechte bekommen, und unsere Qualitätsjournalisten, die sich schon unbändig auf ihre eigenen blödsinnigen Sonderrechte freuen, kriegen es nicht gebacken, einen informativen oder wenigstens in sich konsistenten Artikel darüber zu verfassen.

Und das unter Umständen Traurigste an der ganzen Sache ist, dass wir alle wissen, worum die Diskussion sich drehen wird: Islamisierung! Christliche Tradition! Abendländische Werte! Sharia! wird die eine Seite rufen, und die andere Seite wird von Gleichberechtigung und Integration reden, und kaum jemand davon, dass hier mal wieder jemand die Staatsgewalt nutzt, um sich Privilegien zu verschaffen und dass es ganz egal ist, ob das Christen sind, Muslime, Scientologen, Männer, Frauen, Konzerne oder Verbraucher oder Presseverlage.

Es sind die Privilegien an sich, die unserer Gesellschaft schaden und den Rechtsstaat aushöhlen.


Bright Outlook (16)

14. August 2012

In unserem heutigen Bright-Outlook-Kapitel ereignet sich viel Aufregendes, aber ihr werdet das meiste davon gar nicht mitbekommen, weil es nämlich off-screen passiert. Dafür gibt es für alle Verwirrten unter euch ein niegelnagelneues Dramatis Personae. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.

Jede Woche eine neue Welt hier, was?

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You didn’t build that

13. August 2012

Machmal möchte man wieder zur Monarchie zurück, wenn man schaut, wie Demokratie funktioniert.

Das hat Obama gesagt:

Und das macht Romneys Kampagne daraus:

Und man kann wohl wirklich mit guten Argumenten vertreten, dass Romney Obamas Zitat aus dem Kontext gerissen und verzerrt hat, aber ich verstehe nicht, warum man das tun sollte.

Denn sogar so, wie Romney es aus dem Kontext gerissen hat, stimmt es doch noch: You didn’t get on your own. You didn’t build that. If you were successful, somebody along the line gave you some help.

Stimmt doch alles genau. Davon muss sich niemand beleidigt oder angegriffen fühlen, das ist einfach die Wahrheit. Da sind sich, wie schon andere aufgezeigt haben, Romney und Obama natürlich auch einig.

Warum muss darüber also irgendjemand streiten? Denn der entscheidende Punkt ist doch ein ganz anderer.

Der entscheidende Punkt ist doch: Na und?


Boardwalk Empire

11. August 2012

Eine sehr gelungene Serie über die Zeit der Prohibition. Und falls ihr noch nicht sicher seid, ob ihr sie euch ansehen wollt: Steve Buscemi spielt eine Hauptrolle.

Aber ich will gar nicht zu ausführlich über die Serie reden. Eigentlich will ich gar nicht besonders ausführlich reden, sondern nur kurz sagen, dass ich das Thema Prohibition insofern sehr spannend finde, als dieser kurze fehlgeleitete Versuch, Alkohol zu verbieten, einerseits so ziemlich jedem ein Begriff ist, aber nach meiner Erfahrung trotzdem kaum jemand die Parallelen zu unserer heutigen Drogenpolitik zieht, obwohl sie doch irgendwie offensichtlich sind:

“Here on the south shore of brigantine and here in the back bays of the inlet, boats unload liquor sailed down from Canada, up from the Caribbean, across the Atlantic. It is watered down, mixed with poisons, and sold illicitly by a growing class of criminals for whom murder is a means of doing business. Some of the victims are no better than killers themselves. Others are just unlucky. They are shopkeepers, schoolteachers. One was a baker’s apprentice.”

“Do you mean to be cruel, Mr. van Alden?”

“No, ma’am. I mean to be honest.”

“And what of the law that creates the criminal?”

“That’s the law you’ve just asked me to enforce for the safety of your children, unless I misread your intentions.”

Auch wenn es vielleicht keinen besonders interessanten Blogeintrag hergibt, finde ich, man kann sich ruhig hin und wieder mal bewusst machen, dass wir heute noch Menschen dafür einsperren, dass sie bestimmte Substanzen bei sich tragen oder einnehmen, und dass wir Kampfflugzeuge, Spezialeinheiten, Bomben und Geheimdienste einsetzen, um Farmer zu bekämpfen, die bestimmte Pflanzen anbauen, und dass wir in enormem Umfang Ressourcen und Menschenleben einsetzen, damit der Handel mit diesen Pflanzen und diesen Stoffen nicht legal und transparent stattfinden kann, sondern heimlich und von schwer bewaffneten gewalttätigen Kriminellen durchgeführt werden muss. Wir verschwenden damit nicht nur unser Geld und die Leben der Menschen, die diesen Krieg für uns führen, wir unterstützen damit auch organisiere Kriminalität, stellen sicher, dass Abhängige und sonstige Konsumenten ihre Drogen von hauptberuflichen Verbrechern kaufen müssen und deshalb immer damit rechnen müssen, gestreckte, verschnittene oder halt auch mal direkt giftige Ware zu erhalten, und zwingen sie, ihre Sucht aus Angst vor Strafe geheim zu halten.

Und wir bilden uns ein, wir müssten das tun, um unsere Kinder zu schützen.


Umsonst ist der Tod. Aber muss er das immer sein?

5. August 2012

Wenn jemand gerne sein eigenes Leben beenden möchte, dann ist das seine Entscheidung, und niemand hat ihm die abzunehmen. Und wenn er es selbst nicht kann oder nicht will, und jemand anders ihm dabei hilft, dann ist das auch seine Entscheidung, die ihm niemand abzunehmen hat. Ich würde sogar so weit gehen, es als unmenschlich zu bezeichnen, jemandem den gewünschten Tod zu verwehren, nur weil er nicht in der Lage ist, ihn selbst herbeizuführen. Deshalb denke ich auch, dass der unsägliche Straftatbestand der Tötung auf Verlangen ersatzlos gestrichen gehört.

Ethisch und menschlich ist die ganze Sache natürlich ganz und gar nicht einfach: Ich persönlich würde sagen, dass Selbsttötung so gut wie immer die falsche, die kurzsichtige Entscheidung ist. Wir haben nur dieses eine Leben, und dieses eine Leben ist alles, was wir haben. Wenn es vorbei ist, ist alles vorbei. Oder wie ich gerne etwas kompakter sage: Ich bin noch lange genug tot.

Einerseits ist das leicht zu sagen, solange man noch jung ist, gesund, glücklich, und nicht unter Schmerzen leidet. Andererseits erleichtern Unglück, Krankheit und starke Schmerzen nicht unbedingt das Treffen rationaler Entscheidungen, und gerade in dem kritischen Stadium, in dem man üblicherweise die Entscheidung für oder gegen einen Freitod trifft, ist die Grenze zur Entscheidungsunfähigkeit wohl auch sehr fließend. Und natürlich ist es immer auch die Entscheidung des Helfers: Bin ich bereit, das Leben dieses Menschen zu beenden? Habe ich gute Gründe für meine Entscheidung? Bin ich emotional zu involviert, um überhaupt eine vernünftige Entscheidung zu treffen?

Aber gerade weil diese Fragen so schwierig sind, so persönlich, und so individuell, halte ich es für eine Abscheulichkeit, dass unser Staat sich anmaßt, sie so strikt zu regulieren, wie er es tut. Noch einmal: Wer einem Menschen zwangsweise den Tod verweigert, den er sich (aus für ihn persönlich sicher sehr bedeutenden Gründen) wünscht, der fügt diesem Menschen potentiell einen furchtbaren Schaden zu. Wenn ich den Begriff der Menschenwürde für irgendwie nützlich hielte, würde ich darauf  vielleicht auch noch rekurrieren, aber ich glaube, schon genug Pathos versprüht zu haben.

Juristisch bleibt da aus meiner Sicht nicht mehr als ein Beweisproblem: Wollte der Tote wirklich sterben? Das kann im Einzelfall auch schwierig werden, aber erstens gibt es dafür Mittel und Wege, wie zum Beispiel Formvorschriften oder sonstige Vorgaben zur Beweissicherung, zweitens gibt es juristisch zu jedem Sachverhalt potentiell schwierige Beweisfragen, und drittens geht es darum in der aktuellen Diskussion nicht.

Ich verstehe auch nicht die offenbar einstimmige Ablehnung der gewerblichen Sterbehilfe. Es gibt nun einmal Menschen, die niemanden haben, der ihnen bei der Selbsttötung hilft. Es gibt Menschen, deren Angehörige und Freunde nicht bereit sind, das für sie zu tun, oder die sie damit nicht belasten wollen. Warum sollen diese Menschen nicht die Dienste von jemandem im Anspruch nehmen können, der es professionell macht? Ich will nicht zu weit ausholen, aber ich finde diese verbreitete Verachtung gegenüber der Arbeit für Geld heuchlerisch und unanständig. Wir alle müssen unseren Lebensunterhalt von irgendwas bestreiten, und auch wenn es intuitiv verwerflich scheinen mag, das mit dem Töten anderer Menschen zu tun, sollten wir uns an den Grundsatz erinnern, dass nur verboten sein kann, was jemandem schadet. Eine medizinische Operation ist schwere Körperverletzung, wenn sie ohne Zustimmung des Opfers erfolgt. Erfolgt sie mit, ist sie völlig in Ordnung, und (fast) niemand sieht ein Problem darin, dass die ausführenden Personen damit Geld verdienen.

Genau so ist das mit der Sterbehilfe: Sie ist Totschlag, wenn sie ohne Zustimmung erfolgt. Mit Zustimmung sollte sie völlig legal sein, wie auch immer und von wem auch immer die Betroffene sie gerne ausgeführt haben will.

Die dahinterstehenden Beweisprobleme und die ethischen Fragen sind nicht einfach zu beantworten und sollten wir gründlich durchdenken. Aber den Grundsatz, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, über seinen eigenen Tod frei zu bestimmen, sollten wir anerkennen.


Call a spade a spade

2. August 2012

Das Thema Organspende ist ja eines meiner vielen Steckenpferde. Ihr wisst alle, was ich davon halte. Ich will mich deshalb kurz fassen. Ist ja auch mal schön: Es mangelt an Spenderorganen. Menschen sterben, weil sie nicht rechtzeitig Spenderorgane erhalten. Organe zu spenden rettet also ziemlich direkt Menschenleben. Wer tot ist, braucht keine Organe mehr. Da sind wir uns so ziemlich alle einig. Sogar religiöse Menschen sind meines Wissens zur überwältigenden Mehrheit sicher, dass Organe in einem Grab nichts anderes tun als zu verrotten. Sie helfen dort niemandem. Der Tote kann genauso gut ohne seine Organe da unten liegen. Er merkt keinen Unterschied, sogar wenn er nicht, wie wir eigentlich alle wissen, einfach weg ist, sondern, wie leider immer noch viel zu viele Menschen glauben wollen, irgendwo anders.

Dem sehr wahrscheinlichen Vorteil, ein Menschenleben zu retten, steht also im Falle einer Organspende keinerlei Nachteil für den Spender gegenüber. Buchstäblich gar keiner.

Ich begreife nicht, wie in Anbetracht dieser Tatsachen jemand der Meinung sein kann, man solle keinen moralischen Druck aufbauen. Warum denn nicht? Wenn jemand die Möglichkeit hat, ohne irgendeinen Nachteil für sich selbst das Leben eines anderen Menschen zu retten, warum um Himmels Willen sollten wir auf diesen Jemand keinen Druck ausüben, es zu tun? Wir sollten.

Und kein hehreres Ziel hat dieser Beitrag: Wenn du als Angehöriger oder selbst Betroffener (dann natürlich im Vorhinein per Verfügung) eine Organspende verweigerst, zum Beispiel, weil du Angst hast, dass das Organ vielleicht das Leben von jemandem rettet, der es deiner Meinung nach nicht verdient hätte, weil er jemanden bestochen hat, um an das Organ zu kommen, dann macht dich das nach so ziemlich jedem denkbaren moralischen Maßstab zu einem … Spaten.

Zum Glück hast du die Wahl. Sei kein Spaten. Spende Organe. Zumindest, bis es legal wird, sie zu verkaufen.


Bright Outlook (15)

1. August 2012

Ich hätte euch eigentlich gerne schon pünktlich zum Wochenende ein neues Kapitel unseres interaktiven Fortsetzungsromans angeboten, aber dieses Wochenende habe ich an Nimmermehr und dem Exposé dafür geschrieben – ich hasse Exposés übrigens -, und meine erste Hausaufgabe für einen Novel Writing Course an der London School of Journalism erledigt. Ist doch auch was. Außerdem wäre Keoni sowieso nicht da gewesen, um probezulesen, und so war es für alle Beteiligten eindeutig besser, bis heute zu warten.

Bitte sehr.

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