Musth have

Ja. Und dann waren wir in der Lodge. Man mag nun denken: Im Krüger-Park wart ihr, um Tiere zu sehen, und dann fahrt ihr in eine Lodge neben dem Krüger-Park, um euch Tiere anzusehen. Ist das nicht irgendwie das gleiche?

Genau das habe ich auch gedacht, aber unsere Oberdiplomzertifikatschefreiseberaterin meinte, in so einer privaten Lodge sei das alles noch ein bisschen anders, weil man da zum Beispiel auch zu Fuß rumlaufen und mit dem Auto die Pfade verlassen kann und so. Und dann haben wir das eben gemacht. Sie hatte Recht.

An dem Abend unserer Ankunft war natürlich nichts mehr los. Das Lodge-Erlebnis begann also mit dem Morning Drive am nächsten Tag. Es ging so gegen sechs los, wenn ich mich richtig erinnere. Der Wagen war sehr liebevoll vorbereitet, nicht nur mit Decken (Ja, es wird über Nacht ziemlich kalt, und gerade wenn es windig ist, kann man fies frieren in so einem offenen Auto.), sondern auch mit Wärmflaschen, und so gegen halb acht hielten wir an für eine kleine Teepause.

Während der Pause fiel mir auf, dass der Boden völlig durchlöchert war,

Da waren total viele von diesen kleinen Löchern im Boden. Ihr ahnt bestimmt schon, was das ist, weltgewandte Kenner der Materie, die ihr seid, und ich dachte auch kurz dran, aber es kam mir doch zu unplausibel vor, weil es eben so viele waren, und weil ich nirgends auch nur eine einzige Ameise gesehen hatte. Na gut. Mehr dazu später.

Nach der Teepause erhielt unser Führer einen Funkspruch und fuhr mit uns zügig zu einem Ort, an dem angeblich ein Leopard gesichtet worden sein sollte. Das war zwar für uns grundsätzlich nichts Neues mehr, weshalb wir uns gelangweilt wieder unseren Modezeitschriften zuwandten, aber immerhin erlebten wir hier einen neuen Aspekt der ganzen Sache.

Unser Gastgeber hatte gerade gegessen, und wir sahen sogar noch den Kadaver des Warzenschweins in einem Baum. Unser Führer sagte, dass Leoparden nach Möglichkeit keine Warzenschweine angreifen, weil deren Hauer mordsgefährlich seien, und dass das wohl darauf hindeute, dass unser Leopard ein ziemlich erfahrener Bad-Ass sein müsse. Er sah dann aber eigentlich doch sehr nett aus.

Nachdem wir uns an dem Leoparden satt gesehen hatten, fuhren wir zum Frühstück zurück in die Lodge. Unterwegs begegnete uns noch eine sympathische Schildkröte.

Und anschließend nahmen wir natürlich mit Freuden die Gelegenheit wahr, uns zu Fuß durch das Reservat führen zu lassen. Dabei versucht man natürlich eher nicht, den Big Five zu begegnen, sondern konzentriert sich eher auf … harmlosere Sichtungen.

So lernten wir zum Beispiel, dass ein Elefant im Laufe eines durchschnittlichen Tages leicht mal zehn Bäume umschubsen kann, dass er aber wegen seiner extrem ineffizienten Verdauung im Ergebnis auch sehr viel für die Vegetation tut. Außerdem lernten wir, dass man mit einem geeigneten Multitool und mehr Geduld, als wir dabei hatten, aus den Zweigen eines der Bäume dort eine Zahnbürste machen kann.

Und wir lösten das Rätsel der Löcher im Boden:

Es war natürlich doch ein Ameisenlöwe. Für die, die es nicht wissen. Es handelt sich dabei um das Larvenstadium einer LibelleAmeisenjungfer, und der Löwe vergräbt sich in der Erde, hebt so einen Trichter aus und wartet darunter auf andere Kleintiere, deren Ankunft er durch den herabrieselnden Sand spürt. Dann beschmeißt er sie seinerseits schwungvoll mit Sand und hofft, dass sie zu ihm runterrutschen, damit er nicht mehr so alleine ist in seinem doofen Erdloch. Und so sieht er aus, wenn man ihn rausbuddelt:

Unzufrieden. Aber kann ich auch verstehen. Wäre ich auch.

Viel mehr war bei unserem Spaziergang auch gar nicht los. Der Führer erzählte uns ein paar interessante Sachen und zeigte uns ein paar verwitterte Fährten, die für euch echt nicht interessant wären, deshalb kommen wir wieder zum spannenderen Teil unseren Lodge-Aufenthaltes: Dem Abendausflug. Wir sahen da nicht nur noch mehr Giraffen,

und nicht nur mehr Nashörner,

sondern wir sahen auch einen dieser Musth-Elefantenbullen, von denen wir schon gehört hatten. Die sind auf der Suche nach Weibchen und deshalb besonders streitlustig. Kann ich bestätigen.

Hui, dachten wir, auf den Schreck erst mal nen Löwen.

Bei dieser Gelegenheit lernten wir übrigens auch, wie geländegängig so ein Geländewagen wirklich ist. Wichtig ist natürlich, dass man sehr leise und unauffällig hinter den Tieren her fährt, um sie nicht zu verschrecken, und ihnen auch nicht die Pirsch zu vermasseln. Man trägt ja schließlich eine Verantwortung, und womöglich haben die sogar Babys. Nachhaltiger Tourismus und so. Ihr kennt das.

Leider wurde die Beute der Löwinnen durch den Ruf dieses rücksichtslosen Eulenrowdys verscheucht. Seht ihn euch an, den Blödmann:

Und zu guter Letzt fuhren wir noch mal unseren alten Kumpel den Leoparden besuchen, um zu schauen, was er so mit seinem Warzenschwein gemacht hatte.

War eine gute Idee, denn er hatte es noch mal rausgeholt, um ein bisschen dran rumzuknabbern.

Da war natürlich kaum noch was dran. Sonderbar. Irgendwie scheinen die Raubkatzen in diesem Reservat einfach kein Glück bei der Jagd zu haben. Das sollten die Leute da mal ganz gründlich beobachten, um rauszukriegen, woran es liegt. Wir haben es jedenfalls nicht mehr erfahren und konnten auch nicht lange genug bleiben, um der Sache noch auf den Grund zu gehen. So endete also unser Lodge-Aufenthalt, und wir fuhren weiter nach Österreich. Oder so. Seht ihr dann schon.

Bis zum nächsten Mal!

6 Antworten zu Musth have

  1. Florian sagt:

    Das ist übrigens eine Pantherschildkröte gewesen, falls das jemanden interessiert.
    Ausserdem sind Ameisenlöwen die Larven von Ameisenjungfern, nicht von Libellen. Eher vergleichbar mit den uns bekannten Florfliegen.

  2. Florian sagt:

    Und falls sich jemand ausserdem noch an “Star Trek II: The Wrath of Khan” erinnert fühlt: das Tier dort wird “Ceti eel” genannt.

  3. Muriel sagt:

    @Florian: Danke für den Hinweis. Man sieht mal wieder, dass man nicht einfach übernehmen sollte, was eine Autorität einem sagt. Ich finde den Fehler unseres Führers aber verständlich. Für mich sehen die auch ein bisschen nach Libellen aus. Trotzdem sind es natürlich keine, und ich habe den Fehler korrigiert.

  4. Guinan sagt:

    Wow. Der Elefant ist wirklich beeindruckend.

  5. eumloquatur sagt:

    Aaaaalter, der Elefant hätte mir bis zum Ende meiner Tage Angst eingejagt!!!

  6. energist sagt:

    „Zorn des Khan“? Hah! Enemy Mine ist das Vorbild ;)

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