was auszuhalten ist

Lange habe ich drauf gewartet, was zu diesem Telefonstreich zu schreiben, nicht zuletzt, weil ich diese dämliche Telefonstreicherei aus dem tiefsten Grund meines Herzens hasse, fast genauso wie Leute, die Einzelpersonen die Schuld für den Suizid anderer Menschen zuweisen, und mich deshalb für hervorragend geeignet hielt, mich dazu unvoreingenommen zu äußern. Was fehlte, war eine gute Vorlage, denn ich bin bekanntermaßen zu faul, eine eigene Meinung zu entwickeln, und ziehe es deshalb vor, die anderer Leute zu kritisieren. Da das besonders einfach ist, wenn es sich um eine völlig dämliche, unfundierte und extrem abwegige Meinung handelt, habe ich mich in der FAZ auf die Suche gemacht.

Natürlich bin ich fündig geworden.

Der Telefonscherz in der Klinik der Herzogin von Wales, der einen Suizid nach sich zog, ist nur das jüngste Beispiel für die zunehmende Gnadenlosigkeit der medialen Verulkungsmaschine.

Ja. Die zunehmende Gnadenlosigkeit der medialen Verulkungsmaschine. Eine Nummer kleiner hatte Niklas Maak es offenbar nicht, als er sich an diesen Artikel setzen sollte, und dann hat er es eben so durchgezogen. Die gnadenlose mediale Verulkungsmaschine (Wie kann ein Mensch dieses Wort eigentlich im Ernst benutzen?) hat wieder zugeschlagen und ein neues Opfer gefordert.

Drei Tage später, am Morgen des 7. Dezember, wurde Jacintha Saldanha in ihrer Londoner Dienstwohnung tot aufgefunden; wie jetzt bekannt wurde, hat sie sich erhängt. Wie ihre drei Abschiedsbriefe belegen, hat sie die Angst davor, wegen des Vorfalls ihre Arbeit zu verlieren und kein Geld mehr für die Familie zu haben, ebenso wenig aushalten können wie die öffentliche Beschämung, dass überall auf der Welt, im Fernsehen, auf unzähligen Internet-Kanälen, ihre Stimme zu hören war, wie sie höflich „Oh yes, just hold on, Ma‘am“ sagt. Jacintha Saldanha hatte den falschen Akzent nicht erkannt.

Man hört richtig das dramatische Dam-dam-daaaaaam am Ende des letzten Satzes, oder?

Und weil Herr Maak gleich eine zumindest für einen einfach gestrickten Menschen wie mich überraschende Volte schlagen wird, nutze ich diese Gelegenheit, um selbst einmal Stellung dazu zu nehmen. Ich fasse mich dabei kurz, weil ich nichts dazu zu sagen habe, das irgendwie originell oder nicht für jeden von euch selbst zu erschließen wäre:

Natürlich ist es tragisch, dass Frau Saldanha sich selbst getötet hat. Ich würde sogar anerkennen, dass es Fälle von Suizid gibt, in denen andere Menschen sich verantwortlich fühlen sollten oder dürfen oder können, oder was weiß ich? Es gibt andere Fälle, in denen jemand freiwillig und vernünftig in Kenntnis aller Umstände entscheidet, seinem Leben ein Ende zu machen. Da ist meines Erachtens dann niemand verantwortlich außer dieser Person selbst. Aber wenn jemand aus Verzweiflung einen irrationalen Entschluss fällt, wie es hier womöglich geschehen ist, dann können und sollten andere Menschen sich schon fragen, was sie hätten anders machen können.

Wir alle machen diese Gesellschaft. Wir alle schaffen gemeinsam eine Welt, in der Menschen nicht wagen, offen über bestimmte Dinge zu sprechen, in der sie glauben, sich für bestimmte Dinge schämen zu müssen, in der sie Angst haben, dass sie wegen eines dummen, aber verständlichen Fehlers ihre Arbeit verlieren und in der sie dann keine Chance mehr sehen, weiter Freude an ihrem Leben zu haben. Wir alle tragen dazu bei. Und wir alle sollten versuchen, das zu ändern, und eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen zu sich selbst stehen können, und zu ihren Fehlern, in der sie über sich selbst lachen können und in der sie wissen, dass ihre Freunde für sie da sind, und vielleicht sogar noch andere Leute, die bisher nicht ihre Freunde sind.

Aber wie idiotisch ist das denn, bei so einem Fall, der uns deutlich aufzeigt, wie weit wir noch von einer solchen Gesellschaft entfernt sind, jemandem die gesamte Verantwortung zuschieben zu wollen, der nur einen dummen Witz machen wollte, und es wirklich nicht besser wissen konnte? Wie dämlich ist denn das, so zu tun, als wäre die Radiomoderatorin Schuld am Suizid der Krankenpflegerin? Wie billig ist denn die Idee, dass ihr Verhalten das eigentlich Falsche in diesem Fall war, ohne auch nur kurz drüber nachzudenken, was wirklich passiert ist, und wie wir das hätten verhindern können? Will Herr Maak uns wirklich einreden, der dumme Witz sei das Problem gewesen, und wenn wir aufhören, andere zu verulken, würde sowas nicht mehr passieren? Kann nicht sein, oder? Ich muss nicht erklären, wo bei diesem Konzept das Problem ist, oder?

Aber es geht noch weiter. Herr Maak hat noch mehr merkwürdige Konzepte für uns:

Im Fall Saldanha kollidieren zwei vollkommen unterschiedliche Kulturen.

Interessanter Aspekt, denkt ihr vielleicht, und dachte ich auch erst. Aber nein.

Der Fall handelt nicht von Indien versus Australien,

Wieso eigentlich Indien? Versteht das jemand? Oben schrieb Herr Maak noch, Frau Saldanha stamme aus dem Oman. Hab ich nicht aufgepasst?

sondern vom Zusammenprall zweier sozialer Schichten

Na, wer hätte das gedacht? Klassenkampf! Vielleicht wusstet ihr auch nicht, dass Radiomoderatoren und Krankenpflegerinnen völlig verschiedenen sozialen Schichten angehören, und versteht deshalb nicht ganz, was das werden soll. Der Artikel lässt uns mit dieser Frage eine ganze Weile alleine und faselt darüber, dass die Moderatorin sich ungeschickt entschuldigt hat, und dass sie natürlich wirklich nicht das Leben der Krankenpflegerin zerstören wollte, sondern sich einfach nicht vorstellen konnte, dass jemand so fragil ist, dass er sich das Leben nimmt, weil jemand sich ihr gegenüber am Telefon als die Queen ausgibt. Aber später kommt er dann wieder zur Sache:

Damit ist die Pranksterkultur aber nur die Bestätigung einer gesellschaftlichen Bruchs im Feld des Humors: Die Sicherheit, zuhause oder bei der Arbeit eine Form von privatem Schutzraum zu genießen, ist dahin.

Ihr kennt das. Dieses sichere Gefühl, dass man zu Hause und bei der Arbeit vollständig vor jeder Form von Humor geschützt ist. Bei der FAZ gibt es das offenbar noch. Seid ihr auch so neidisch wie ich?

Alles kann immer sofort öffentlich werden, alles kann sofort im Internet landen.

Na gut, das der Fairness halber: Herr Maak meint anscheinend gar nicht Schutz vor Humor, sondern Schutz vor der Veröffentlichung eigenen Fehlverhaltens. Das ist vielleicht wirklich nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber was ist denn nun mit den sozialen Schichten?

Der Humor richtet sich hier nicht, wie die klassische Satire, der klassische Witz, gegen eine unangreifbare Macht, sondern weitet deren Herrschaftsraum aus.

Für Herrn Maak muss sollte Humor sich gegen eine unangreifbare Macht wenden. Sobald er sich gegen eine nicht so mächtige Person richtet, weitet er den Herrschaftsraum dieser Macht aus. Oder wird hier der Herrschaftsraum des klassischen Witzes ausgeweitet? Oder der Satire? Haben die einen Herrschaftsraum? Ich verstehe beide möglichen Auslegungen nicht. Was ich übrigens auch nicht verstehe, ist diese Idee, Humor müsse sich überhaupt “gegen etwas richten”. Ich wäre versucht, es mir zu verkneifen dieses Verständnis von Humor als einer Art Waffe, die sich immer gegen jemanden richten muss, als typisch deutsch zu bezeichnen, weil es ja schon furchtbar typisch deutsch ist, etwas als typisch deutsch zu bezeichnen, aber weil es so typisch deutsch ist, nicht typisch deutsch sein zu wollen, mache ich es trotzdem.

Ähm.

Wo war ich?

Solches Prankstertum kann man dennoch als aufklärerische Akte rechtfertigen – ebenso wie die bloße Möglichkeit, dass ein kritisierter Politiker sich in einem labilen Moment als unmittelbare Reaktion auf diese Kritik etwas antut, nicht jede Kritik unmöglich machen kann.

Aha. Jetzt geht es also auf einmal um Kritik statt um Humor. Ist das jetzt das gleiche, oder hat Herr Maak das Thema gewechselt? Keins von beidem, keine Sorge. Er hat das Thema nur kurz vergessen. Aufklärerisch ist es jedenfalls nur, wenn man über die Oberschicht lacht. Das einfache Volk hat mit Humor nichts zu tun. Zumindest nicht mit aufklärerischem Humor.

Die Moderatoren aber machen es wie Cipolla in Thomas Manns „Mario und der Zauberer“, der ausschließlich Vertreter des einfachen Volkes demütigt.

Demütigt? Wer ist eigentlich gehässiger gegenüber dieser Krankenpflegerin: Eine Radiomoderatorin, die sich ihr gegenüber als die Queen ausgibt, oder ein Journalist, der meint, sie wäre dadurch gedemütigt worden? Und noch mal: Was ist das denn eigentlich für ein Verständnis von Humor?

Das Gelächter ist nicht das befreiende über einen Witz, der auf Kosten einer herrschende Macht geht, sondern das Lachen der noch einmal Davongekommenen.

Humor kann eine Form sein, eine herrschende Macht zu kritisieren. Aber Humor und Kritik sind trotzdem zwei verschiedene Sachen. Und beides geht nur dann “auf Kosten” der betroffenen Person, wenn sie selbst nicht damit umgehen kann. Bei der herrschenden Macht ist das klassischerweise so, weil sie zum eigenen Erhalt darauf angewiesen ist, ernst genommen und gefürchtet zu werden. Bei anderen Menschen … Ja, warum eigentlich? Was spricht eigentlich dagegen, über andere Menschen zu lachen auch wenn die nicht besonders mächtig sind?

Noch mehr Finsteres über sein Humorverständnis offenbar Herr Maak uns im nächsten Absatz:

Das Strafrecht kennt den Begriff der Heimtücke. Der Telefonscherz erfüllt alle Charakteristika von Heimtücke

Ja, ähm… Also… Herr Maak, Heimtücke ist aber an sich nicht strafbar. Das StGB kennt den Begriff der Heimtücke nur als ein strafverschärfendes Merkmal beim Töten eines Menschen, und das Konzept des Mordes finde ich ohnehin reichlich zweifelhaft. Da eine Beziehung zu einem Telefonscherz herzustellen, halte ich für einen reichlich geschmacklosen rhetorischen Taschenspielertrick. Eine Überraschungs-Geburtstagsparty erfüllt auch alle Charakteristika von Heimtücke. Oder genauer: Alle bis auf eins. Eine Überraschungsparty ist keine Straftat. Heimtücke ist nur dann Heimtücke, wenn ich einem anderen Menschen etwas antue. Ihm schade. Ihn verletze. Das kann durchaus auch bei einem Scherz passieren, aber nur, wenn etwas schief läuft. Das ist in der Tat ein Risiko, das wir bei Scherzen eingehen, und Herr Maak spricht dieses Thema auch kurz an:

Der Scherz setzt, wenn er harmlos bleiben soll, voraus, dass man sein Opfer einschätzen kann

Das unterbricht vielleicht gerade den Fluss dieses Beitrags, aber mir soll niemand vorwerfen können, ich hätte nur die dummen Passagen aus seinem Text rausgepickt: Da hat er recht. Das ist eine gar nicht so abwegige Bemerkung, und daraus hätte man vielleicht was machen können. Schade, dass er sich stattdessen entschieden hat, so viel anderen Mist zu schreiben.

Herr Maak sagt, Telefonscherze wie dieser könnten nicht als aufklärerische Akte gerechtfertigt werden. Au contraire. Ich würde sogar behaupten, sie können fast ausschließlich als aufklärerische Akte gerechtfertigt werden. Über den Unterhaltungswert geht es nämlich in aller Regel nicht. Wir können aus ihnen zum Beispiel lernen, nicht jedem alles zu glauben, was er uns am Telefon erzählt. Und wer weiter denken will, kann sogar das tun, und erkennen, dass es nicht nur am Telefon eine gute Idee ist, die Behauptungen (nicht nur) wildfremder Menschen erst dann zu glauben, wenn sie irgendwie belegt sind. Und wenn es kein aufklärerischer Akt sein soll, Menschen diese Erkenntnis nahe zu bringen, dann weiß ich nicht, was sonst. Denkt nur mal drüber nach, wie viel schöner diese Welt sein könnte, wenn Menschen sich angewöhnen würden, kritisch zu denken und infrage zu stellen, was andere ihnen aufbinden wollen. Das ist der Urkern der Aufklärung.

Natürlich sind Telefonscherze im Radio in aller Regel nicht lustig, und von mir aus können sie noch heute ersatzlos gestrichen werden, gerne gleich zusammen mit den dämlichen Dudelsendern, die sie veranstalten.

Aber wer so tut, als wäre ein solcher geschmackloser Telefonscherz vergleichbar mit Mord, als wäre gnadenloser Humor ein Kernproblem unserer modernen Gesellschaft, und als wäre Humor generell nur angebracht, solange er mächtige und reiche Menschen verspottet (als wären die irgendwie grundsätzlich anders als andere Menschen), der zeigt damit nicht nur, dass er keine Ahnung hat, was Humor eigentlich ist, er richtet mit seinem Schmarrn auch potentiell viel größeren Schaden an, als ein mäßig lustiger Radiomoderator es jemals könnte. Und bitte glaubt mir, ich sage das nicht leichtfertig dahin.

34 Antworten zu was auszuhalten ist

  1. PlantPerson sagt:

    Ich würd’s dir ja jetzt gerne geben, leider kann ich zu allem was du geschrieben hast nur “Amen” sagen! Fasst alles zusammen, was ich mir über diesen Fall, und v.a. die Berichterstattung darüber, bedacht habe. Merci beaucoup!

  2. Tim sagt:

    habe ich mich in der FAZ auf die Suche gemacht.
    Natürlich bin ich fündig geworden.

    Daß Du aber auch immer wieder auf die Schwachen und Dummen einprügeln mußt, tz, tz!

  3. Muriel sagt:

    @PlantPerson: Dank zurück. Widerspruch ist zwar intellektuell nützlicher, aber Zustimmung wärmt die Seele, und das ist doch auch mal schön.
    @Tim: Die anderen wehren sich, das ist mir zu mühselig.

  4. TakeFive sagt:

    @Tim: Der Maak würde jetzt sagen dass der Muriel mit dieser Kritik diesen Scherzen seinen Herrschaftsbereich ausdehnt indem er sich über die FAZ lustig macht. Nur Schade dass die Wirkung auf die FAZ [sicherheitshalber endet dieser Satz vorzeitig]

  5. Muriel sagt:

    @TakeFive: Aber ist die FAZ nicht auch irgendwie eine unbegreifliche Macht? Oder sowas?

  6. Tim sagt:

    “FAZ”. Als wir noch jung waren, hätte das eine Comicfigur in Yps oder Fix & Foxi sein können.

  7. freiheitistunteilbar sagt:

    Aber wenn jemand aus Verzweiflung einen irrationalen Entschluss fällt, wie es hier womöglich geschehen ist, dann können und sollten andere Menschen sich schon fragen, was sie hätten anders machen können.

    Also Muriel, ein Suizid ist niemals vollständig rational, weil es einfach keinen Masstab für Leid gibt, der sich rational erfassen ließe. Der Eine “zerbricht” an Mobbing, der Andere “zerfällt” förmlich daran.

    Jetzt kann man als Außenstehender einwänden, dass man wegen eines Altherrenwitzes sich nicht am nächsten Laternenpfal aufhängen würde. Stellt sich nur die Frage der Umstände dieser Tragödie. Wurde sie aufs Äußerste gemobbt und ist ist psychisch daran zerbrochen oder war sie vorbelastet?

  8. Muriel sagt:

    @Tim: Der war gut.
    @freiheitistunteilbar: Ich bin ganz froh, dass du hier einen durchaus sinnvollen Kommentar geschrieben hast und will das mit einer Antwort honorieren. (Ob das tatsächlich als Honorierung empfindest, ist natürlich deine eigene Entscheidung, oder eigentlich auch nicht, aber das will ich hier nicht vertiefen.)

    Also Muriel, ein Suizid ist niemals vollständig rational, weil es einfach keinen Masstab für Leid gibt, der sich rational erfassen ließe. Der Eine “zerbricht” an Mobbing, der Andere “zerfällt” förmlich daran.

    Ich glaube, du arbeitest hier mit einem anderen Begriff von “rational” als ich.
    Rational ist, wie ich es hier meine, jede Maßnahme, von der ich vernünftigerweise annehmen kann, dass sie dazu beiträgt, meine Ziele zu erreichen. Wenn ich gerne eine Kugel Eiscreme essen will, ist es zum Beispiel eine rationale Maßnahme, ein Eiscafé aufzusuchen und eine zu bestellen. Keine rationale Maßnahme wäre hingegen, in eine Betonmischmaschine zu springen.
    Ob es nun einen objektiv gültigen Maßstab für das Verlangen nach Eiscreme gibt, spielt dabei in meinen Augen keine Rolle.
    So kann es auch beim Suizid gehen. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich den Rest meines Lebens (etwa aufgrund einer Erkrankung) in schwerstem Leid verbringen werde, und mir dieses Leid ersparen möchte, kann es eine rationale Entscheidung sein, mein Leben zu beenden.
    Wenn ich hingegen zum Beispiel 15 bin und von meinem Freund verlassen wurde und glaube, dass ich deswegen nie wieder glück sich sein kann … sagen wir, dann ist es nur in den seltensten Fällen eine rationale Entscheidung, mein Leben zu beenden, weil ich verkenne, was mir alles noch bevorsteht, und meine langfristigen Aussichten von einer kurzfristigen Gefühlswallung vernebeln lasse.
    So meine ich das.

  9. Henk sagt:

    Mich wundert bei der ganzen Sache, dass keiner der menschenfreundlichen Radiomoderatorenbasher auf die Idee kommt, dass das ganze Radiomoderatorenbashing die Radiomoderatoren am Ende gar in den Suizid treiben könnte – zumindest wenn man das eigene Reiz-Reaktionsschema nicht nur für englische Krankenschwestern gelten lässt.

    Verlogene Bande, die!

    Ansonsten kann ich deinen Ausführungen schon wieder nur applaudieren. Laaaaaangweiliiiiiig!!!

  10. theo sagt:

    Gehe mit vielem d´accord, nur eines sollte man schon festhalten: das Senden solcher Telefongespräche ohne Einwilligung der Betroffenen ist illegal und, besonders bei medial unerfahrenen “Normalos”, schlichtweg eine Sauerei.

  11. Muriel sagt:

    @Henk: Daran habe ich auch schon gedacht, fand dann aber, dass der Artikel lang genug ist. Danke, dass du es jetzt noch mal anführst.
    @theo: Du hast vollkommen recht, obwohl ich auch das damit einschränken würde, dass ich eigentlich mehr die gesellschaftlichen Umstände bedaure, die dazu führen, dass das Senden des Gesprächs von dem Betroffenen als Schaden empfunden wird. Natürlich ändert das nichts daran, dass wir alle mit diesen Umständen leben müssen und auf sie Rücksicht nehmen sollten.

  12. TakeFive sagt:

    @Muriel: Naja eine “unbegreifliche” meinetwegen. Aber Herr Maak fordert etwas anderes:

    Der Humor richtet sich hier nicht, wie die klassische Satire, der klassische Witz, gegen eine unangreifbare Macht, sondern weitet deren Herrschaftsraum aus.

    Unangreifbar ist die FAZ sicher nicht, wie Muriels Post beweist.

    O lala I smell paradoxon! (offtopic: Sollte ich mir diesen Satz schützen lassen?)

    Wenn also der Herr Maak den Humor (wie so schön von Muriel herausgearbeitet) als Waffe begreift, mit welcher Angriffe begangen werden, dann schließt seine Definition die Existenz des “klassischen Witzes” und der “klassischen Satire” selbst aus: Sobald man auf Kosten einer nicht weiter definierten Macht Witze reißt greift man sie an. Damit kann “Unangreifbarkeit” keine ihrer Eigenschaften sein kann. Damit kann auch der genannte hypotethische Witz nicht Maaks Maß von Klassizität erfüllen.

    Was bedeutet das also?
    Loriot-artige Betonung] Der klassische Witz besteht nur als Abstraktum im Raum der Ideen, der “Witz an sich” sozusagen. [/Loriot-artige Betonung]

  13. Muriel sagt:

    Angreifen, begreifen, vergreifen. Wer wird da so kleinlich sein?
    Als nächstes forderst du noch eine Unterscheidung zwischen Kritik, Humor und Demütigung.

  14. freiheitistunteilbar sagt:

    @Muriel

    Ich bin ganz froh, dass du hier einen durchaus sinnvollen Kommentar geschrieben hast und will das mit einer Antwort honorieren.

    Und ich bin froh, dass du endlich einen Kommentar von mir gelesen hast, um das beurteilen zu können. Du dich also gewissermaßen von deinem hohen Schlachtross in meine Gefilde begeben hast und daher meinen Text gönnerhaft honorierst. ;)

    Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich den Rest meines Lebens (etwa aufgrund einer Erkrankung) in schwerstem Leid verbringen werde, und mir dieses Leid ersparen möchte, kann es eine rationale Entscheidung sein, mein Leben zu beenden.

    Beim Suizid zählt die Ausweglosigkeit als Masstab und das “Seelenheil” das Ziel.

    Der Grund für die Annahme der Ausweglosigkeit muss keineswegs rational sein. Die Entscheidung, das Leben zu beenden ist es aber definitiv. Es sei denn, man handelte im Affekt. Hier zwischen kurzfristigen und langfristigen Zielen zu unterscheiden ist sinnlos. Langfristige Einschätzungen sind ebenso fehlbar wie kurzfristige.

  15. okasch sagt:

    Hat sich eigentlich irgend jemand auch erlaubt, die “Selbstmörderin” zu kritisieren / zu verurteilen? Ist ja sonst auch nicht so unpopulär im Mainstream.
    In einem christlichen Blatt laß ich kürzlich erst von einer Autorin, die den Freitod ihres eigenen Vaters als “unwürdige Selbstentleibung” beschrieb……… Und schließlich bietet die Verstorbene im aktuellen Fall dem Mainstream ja auch Angriffsfläche, da sie ihre Kinder alleine läßt. Olle Kurt Cobain hatte man (= in meinem eigenen Freundeskreis!) dafür noch kritisiert.

    Nicht, dass mir was fehlen würde. Frag nur so der Statistik halber.

  16. Muriel sagt:

    @freiheitistunteilbar:

    Und ich bin froh, dass du endlich einen Kommentar von mir gelesen hast,

    Ich lese jeden Kommentar, der hier erscheint.

    @okasch: Ich sag mal, Suizid ist in meinen Augen durchaus eine kritisierbare Handlung. Ich würde sogar die These wagen, dass er so gut wie immer ein reichlich offensichtlicher Fehler ist. Für eine wirklich fundierte Kritik würde mir hier allerdings die Hintergrundkenntnis fehlen.
    Von anderen habe ich da auch noch nichts gelesen, was aber nichts heißen muss.

  17. [...] Muriel schrieb über Humor, Herzogin Kate und das, was auszuhalten ist. [...]

  18. TippEx sagt:

    Lange habe ich darauf gewartet, hierzu ein Kommentar zu verfassen… okay stimmt nicht, ich bin gerade erst auf diesen Blog gestoßen.
    Ich meine zu verstehen, was mit den ominösen „sozialen Schichten“ gemeint sein könnte. Was haben Politiker, Promis und Radiomoderatoren gemeinsam? Sie sind Aufmerksamkeit gewohnt, können durch Ausbildung und/oder Neigung mit Kritik etc. umgehen und leiden vermutlich nicht unter geringem Selbstwertgefühl. Vermutlich wären die beiden australischen Moderatoren richtig gut mit so einem Streich umgegangen und hätten am Ende mitgelacht. Leider sind es häufig solche sehr extrovertierten Typen, die sich schlechter in andere hineinversetzen können.

    Und dann gibt es noch das, was in Zeiten von Facebook und DSDS immer undenkbarer wird: Menschen, die nicht gerne und um jeden Preis in der Öffentlichkeit stehen wollen. Für sie gehört es nicht „dazu“, sich ab und zu zum Affen zu machen. Wäre natürlich schön, wenn jeder über sich selbst lachen könnte. Ich fände es aber ebenso schön, wenn es auch für diese Gruppe Verständnis gäbe.

    Zum Schluß stimm ich nochmal zu. Die Moderatoren sind keine Mörder und Humor ist keine Mordwaffe. Aber man hätte doch mal fragen können, ob es okay wäre, das Gespräch zu veröffentlichen. Oder man hätte den „Schlag“ zumindest abmindern können, indem man die Stimmen der Krankenschwestern verfälscht. Ich weiß es natürlich nicht, aber ich bezweifle, dass mehr als ein Gedanke beim Radiosender den Konsequenzen galt, die dies für die Krankenschwestern haben könnte. Diese Rücksichtslosigkeit sehe ich durchaus als Problem an.

  19. Muriel sagt:

    @TippEx: Alles sehr richtig.
    Dass die sozialen Schichten so vernünftig gemeint waren, wie du sie deutest, glaube ich nicht, denn Herr Maak verwendet wenig später viele Zeilen darauf, uns zu erklären, dass es ihm darum geht, dass man sich über Macht lustig machen darf, nicht aber über normale Leute.
    Zwar traue ich ihm auch durchaus zu, dass er einfach nicht in der Lage war, auszudrücken, was er sagen wollte, aber ich glaube bis auf Weiteres trotzdem, dass du hier zu großzügig mit ihm bist.

  20. Ich will noch Folgendes anmerken: Geben “wir”, geben “die Medien” in dieser Affäre einer Selbstmörderin nicht irgendwie zu viel Macht?

    In einem ganz anderen Zusammenhang habe ich letzthin vom Selbstmord des Typs “Ich gehe und ihr sollt euch deswegen scheiße fühlen” gelesen. Aus informierten Kreisen weiß ich von Fällen, in denen Selbstmörder regelrecht in der Absicht handeln, andere zu traumatisieren. (Wenn z.B. ein Selbstmordwilliger auf dem Hochhausdach steht und verlangt, seine Ex-Frau möge kommen. In dem Moment, in dem sie unten in sein Sichtfeld kommt, springt er.)

    Ob das im vorliegenden Fall vorliegt, weiß ich nicht. Aber ich halte die Haltung “Wer sich verletzt fühlt oder wer etwas bestimmtes tut, weil er/sie sich verletzt fühlt, ist immer im Recht” für sehr gefährlich.

    Wir sollten die Deutungshoheit über etwas nicht per se einer Person geben, die sich umgebracht hat, weil sie sich umgebracht hat.
    Ich persönlich hielt und halte den Scherz für harmlos. Dass sich die Krankenschwester deswegen umgebracht hat, macht den Scherz als solchen nicht per se inakzeptabel.

  21. Muriel sagt:

    @schneeschwade: Deine Position ist mir nicht unsympathisch, aber natürlich sollten wir auch bedenken, dass jeder Schaden immer von der Wahrnehmung des Betroffenen abhängt, und dass es unmöglich sein dürfte, objektiv zu beurteilen, ob eine Äußerung verletzend ist oder harmlos.
    Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer ist zumeist eine gute Idee, auch wenn wir sie natürlich nicht über alles stellen sollte. (Das muss ich natürlich hinzufügen, um einen Fluchtweg offen zu lassen, falls Herr Maak sich jetzt nach Lektüre meines Posts demnächst entleiben sollte…)

  22. stefanolix sagt:

    Ich hatte in meinem eigenen Artikel zu diesem Thema einen anderen Aspekt ins Spiel gebracht: Welche Verantwortung tragen die Führungskräfte der Klinik? Wie sind sie mit der Krankenschwester und mit dem Vorfall umgegangen?

    Ich hole mal etwas aus: Es gibt heute für fast alle Vorgänge in einem Unternehmen irgend eine Art von Managementsystem. Personal- und Organisationsentwicklung sind weitgehend »durchorganisiert«. Man mag dazu stehen, wie man will: Eine sinnvolle Komponente dieser Managementsysteme scheinen mir Betriebsabweisungen für besondere Vorfälle zu sein.

    Nun war das zweifellos ein besonderer Vorfall: Zwei(!) Mitarbeiterinnen haben die Schweigepflicht gebrochen und gewisse Informationen über Patienten herausgegeben. Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob die Auskünfte gesendet wurden.

    Mich interessiert, wie die Führung der Klinik damit umgegangen ist. Hat man der Mitarbeiterin mit Kündigung gedroht? Hat man sie abgemahnt? Hat man sie beruhigt: Der Vorfall würde keine weiteren Konsequenzen haben? Oder – was das Schlimmste wäre: hat man sie während mehrerer Tage im Unklaren gelassen?

    Es gibt eine kulturelle Besonderheit, die zu wenig beachtet wurde: Manche Mitarbeiter haben eine starkes berufliches Ehrgefühl und können sich einen Fehler nicht verzeihen. Dem Vernehmen nach kann man bei Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen aus Indien verstärkt davon ausgehen, dass sie ein Problem mit einem solchen Fehler bekommen würden. Deshalb hätte man eine psychologische Betreuung in Erwägung ziehen müssen.

  23. @Muriel: Willst / wirst du mal einen Post über Suizid schreiben?

  24. Muriel sagt:

    @stefanolix: Ja, auch ein bedenkenswerter Aspekt. Hätte ich mal verlinken sollen.
    @ars libertatis: Ich weiß dazu gerade nicht viel zu sagen, aber kommt Zeit, kommt bestimmt auch dämlicher FAZ- Artikel zu dem Thema.

  25. Mentalreservation sagt:

    Vielleicht kommt auch ratz FAZ ein dämlicher ZEIT-Artikel zu dem Thema.

  26. freiheitistunteilbar sagt:

    @freiheitistunteilbar:
    Und ich bin froh, dass du endlich einen Kommentar von mir gelesen hast,
    Ich lese jeden Kommentar, der hier erscheint.

    @okasch: Ich sag mal, Suizid ist in meinen Augen durchaus eine kritisierbare Handlung. Ich würde sogar die These wagen, dass er so gut wie immer ein reichlich offensichtlicher Fehler ist. Für eine wirklich fundierte Kritik würde mir hier allerdings die Hintergrundkenntnis fehlen.
    Von anderen habe ich da auch noch nichts gelesen, was aber nichts heißen muss.

    Ich hatte eher gehofft, dass du über den “Wir kommunizieren nicht gut miteinander”-Scheiß hinweg gekommen bist. :(

  27. Muriel sagt:

    @freiheitistunteilbar: Ich tue mich recht schwer, über evidente Tatsachen hinweg zu kommen, und auch wenn ich nicht prinzipiell was gegen Zeitverschwendung habe, sollte sie doch wenigstens im weiteren Sinne unterhaltsam sein.

  28. Jan sagt:

    Wie immer sehr schöner Text.
    Bin vor kurzem erst durch deine Gottespenisgeschichte auf deinen Blog gestoßen, welcher mich seither stark begeistert.
    Falls ich irgendwann mal die Zeit finden sollte, werde ich mir mal alle deine bisherigen Texte durchlesen, wobei man hier natürlich einwerfen könnte, wann ein Schüler wohl mehr Zeit hat, als in den Ferien, aber du weißt ja wie das als junger Mensch ist. ;D

  29. Muriel sagt:

    @Jan: Vielen Dank für den freundlichen Kommentar, ich freue mich sehr. Nett auch, dass du verrätst, wie du hergefunden hast, das ist nämlich auch hochinteressant.
    Was die bisherigen Texte angeht, habe ich mich schweren Herzens damit abgefunden, dass es Leute gibt, die dringendere Anliegen haben, als herauszufinden, was mir vor drei Jahren mal im Kopf rumspukte.
    Falls du allerdings auch Freude an Belletristik hast und deine Ferienzeit dadurch aufwerten willst, mal wirklich anspruchsvolle avantgardistische
    außergewöhnliche kostenlose Geschichten zu lesen, kann ich als aufstrebender Autor nicht anders, als auf den entsprechenden Button zu verweisen, unter dem du schön sortiert alle bisherigen fiktionalen Texte von mir findest. Just sayin.

  30. freiheitistunteilbar sagt:

    @freiheitistunteilbar: Ich tue mich recht schwer, über evidente Tatsachen hinweg zu kommen, und auch wenn ich nicht prinzipiell was gegen Zeitverschwendung habe, sollte sie doch wenigstens im weiteren Sinne unterhaltsam sein.

    Evidente Tatsache und Zeitverschwendung? Ich hatte dich eigentlich bislang nicht für einen pharisäischen Dünkel gehalten. Gut das Erkenntnis nicht nur ein bewusster Prozess ist.

  31. Muriel sagt:

    @freiheitistunteilbar: Hauptsache, sie kommt irgendwann.

  32. freiheitistunteilbar sagt:

    @Muriel

    Was in deinem Fall zu hoffen wäre. ;)

  33. freiheitistunteilbar sagt:

    Es verwundert mich nur immer wieder an dir, wie jemand so rationales wie du so dünnheutig sein kann. “Wir kommunizieren nicht gut miteinander” klingt eher danach, als suchte da jemand nach einer selbsterfüllenden Prophezeiung, denn wenn man sich selbst verschließt, der Form halber, kommuniziert man wirklich nicht gut miteinander.

    Wenn ich meinen Nachbarn für ein Arschloch hielte, weil er einen schlechten Witz über mich gemacht hätte und jede weitere Äußerung von ihm dahingehend interpretierte, befände sich unser Verhältnis in einer selbst-referentiellen Endlosschleife.

  34. Muriel sagt:

    Es verwundert mich nur immer wieder an dir, wie jemand so rationales wie du so dünnheutig sein kann.

    Du scheinst anzunehmen, ich wäre beleidigt oder hielte dich für einen schlechten Menschen. Da kannst du aber ganz unbesorgt sein. Ich nehme dir nichts übel, ich finde mich einfach nur damit ab, dass wir verschiedene Sprache sprechen.
    Im Gegenteil tut es mir ein bisschen leid, wie das hier mit dir läuft, denn ich merke ja hin und wieder, dass du aufrichtig versuchst, etwas zum Gespräch beizutragen, und finde es sehr schade, dass niemand sich imstande sieht, darauf einzugehen.
    Vielleicht wird ja eines Tages doch noch mal was draus. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen.

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