Die Aufgabe der Politik

Ich habe jetzt zum ersten Mal diese Kolumne gelesen, die Jakob Augstein auf Spiegel.de schreibt, weil ich mir dachte: Warum nicht?

Es war eine gute Idee, denn meine Frage wurde umfassend beantwortet.

Warum werden die Reichen reicher und die Armen ärmer? Das ist eine Kinderfrage. Aber sie liegt am Grunde der Politik.

Schon am Einstieg finde ich wieder diese Merkwürdigkeiten, die mir in letzter Zeit so oft auffallen, dass ich mich frage, ob es an mir liegt. Vielleicht könnt ihr es mir ja sagen. Bin ich zu schwer von Begriff? Stelle ich mich vielleicht sogar unnötig dumm, weil sich mir schon beim Titel “Im Zweifel links” die Nackenhaare aufstellen? Falls ja, könnt ihr mir vielleicht erklären, warum das eine Kinderfrage ist, was das überhaupt heißen soll, und was er meint, wenn er schreibt, sie liege “am Grunde der Politik”. Falls es tatsächlich stimmt, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden, sehe ich nicht, wieso nur Kinder sich dafür interessieren sollten, woran das liegt. Und sicher, mir ist schon klar, dass er mit dem dritten Satz ausdrücken will, die Frage sei wichtig. Aber wieso liegt sie am Grunde? Was am Grunde von irgendwas liegt, zeichnet sich nicht unbedingt durch Bedeutung aus, es ist einfach versunken und nur mühselig wieder hinauf ans Tageslicht zu holen. Meint er das vielleicht? Hm.

Egal.

 Die Deutschen müssen sich fragen, in welcher Gesellschaft sie leben wollen. 2013 haben sie die Gelegenheit zu einer Antwort. Sie sollten das Jahr der Bundestagswahl zum Jahr der Gerechtigkeit machen.

Ja, sollten sie. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass jedes Jahr für jeden Menschen ein Jahr der Gerechtigkeit sein sollte. Mir ist die nämlich auch sehr wichtig. Aber ich glaube, das geht jedem so. Das Problem ist eher, dass verschiedene Menschen darunter sehr, sehr verschiedene Dinge verstehen, und Herr Augstein demonstriert mir das natürlich auch sogleich:

Aus irgendeinem Grund meint er, zunächst mit Aristoteles anfangen zu müssen. Ein Schelm, wer vermutet, dass es ihm dabei darum geht, ein bisschen Bildungsgeklingel in seinen Text einzubauen, denn Augsteins Bezug zu Aristoteles ist ein ganz konkreter. Wer wirklich einfach nur den Namen droppen will, um sich ein bisschen was von der Autorität dieses antiken Philosophen zu borgen, der sich für sowas wunderbar hergibt, weil kaum jemand ihn gelesen hat, aber jeder große Weisheit mit ihm assoziiert, der würde ein kurzes, völlig belangloses Zitat von ihm bringen und dann seine eigene These auf extrem fadenscheiniger Basis irgendwie Aristoteles unterschieben. Augstein hingegen sagt uns zunächst, es gälten “weder Abendstern noch Morgenstern für so bewunderungswürdig wie [die Gerechtigkeit]” und sagt, falls es uns nicht aufgefallen ist (eine nicht ganz unbegründete Befürchtung für meinen Geschmack), dass das “alte, schöne Worte” seien, um im nächsten Absatz zu sagen, Aristoteles hätte Gerechtigkeit nicht für eine Sache der Natur und der Götter gehalten,

und – wir können das ergänzen – auch nicht unabänderliches Ergebnis anonymer Markt-Mechanismen. Sie ist Menschenwerk.

Ähm, ja. Wir können das ergänzen. Herr Augstein, wofür genau war jetzt Ihr Bezug zu Aristoteles noch mal gut? Hach. Naja. Ich will das nicht zu sehr vertiefen. Ist ja irgendwie Geschmackssache. Der eine findet es cool, Philosophen zu zitieren, obwohl sie nichts zu seiner Sache beitragen, der andere kriegt Plaque davon. Ich gehöre zu letzter Gruppe, Herr Augstein anscheinend zu erster, und ihr dürft das jeder für sich selbst ausmachen. Bleiben wir bei der Sache:

Die Gegenüberstellung ist Unsinn. Der Markt ist Menschenwerk. Anonym ist er nur insoweit, als er typischerweise sehr, sehr viele Menschen beinhaltet. In diesem Sinne ist dann aber auch Politik eine Ansammlung anonymer Mechanismen. Es ist eine falsche Dichotomie, denn sie ist, wie ein Markt, trotzdem Menschenwerk. Und ein Strohmann ist es auch, denn niemand behauptet, Gerechtigkeit sei “unabänderliches Ergebnis anonymer Markt-Mechanismen”.

Herr Augstein beklagt sich hier implizit darüber, dass unsere Gesellschaft kompliziert ist und wir keinen bequemen Schuldigen für die Dinge ausmachen können, die uns nicht gefallen. Aber ihr müsst euch da keine Sorgen machen. Er hat seinen Schuldigen natürlich doch gefunden, und er wird ihn uns auch gleich präsentieren. Sicher könnt ihr es kaum erwarten, herauszufinden, wer es ist, aber einen Moment müsst ihr euch noch gedulden, denn Herr Augstein hat noch nicht genug klassische Bildung versprüht und wechselt deshalb zu der einzigen Quelle ewiger Weisheit, die Aristoteles noch zu toppen vermag: der Bibel.

Selbst Gott muss es sich gefallen lassen, dass das rechte Maß an ihn gelegt wird. “Warum bleiben die Gottlosen am Leben, werden alt und nehmen zu an Kraft?”, fragt Hiob.

Und wie schon bei Aristoteles merkt man sogleich, dass er nicht einmal den Anstand hat, die Quelle, die er zitiert, ernst zu nehmen. Diese Art Zitiererei ist in meinen Augen ohnehin schon nicht besonders sinnvoll, aber wenn man dann die Aussage des Originaltextes völlig verdrehen muss, um die eigene zu stützen, spätestens dann könnte man es sich doch wirklich sparen, oder?

Hiob ist Gott ausgeliefert, aber er ist ihm moralisch überlegen.

Dem würde ich übrigens sogar zustimmen. Wie auch nicht? Mir fällt kaum eine Figur aus Realität oder Fiktion auf, die Jahwe Elohim nicht moralisch überlegen wäre. Aber der Autor des Buchs Hiob sah das völlig anders. Warum eine Quelle als Autorität zitieren, wenn man ihr nicht zustimmt? Ach so, ich wollte mich darüber ja eigentlich nicht mehr ärgern. Aber es kommt gleich noch so ein gutes Beispiel… Na gut, nur noch eins, dann kommen wir wieder zur Politik.

Gott entzieht sich der Frage nach Gerechtigkeit und antwortet, wie Bloch schreibt, “auf moralische Fragen mit physikalischen.” Im großen kosmologischen Sinnzusammenhang, im Meer der universellen Notwendigkeiten löst Gott das Wort von der Gerechtigkeit einfach auf.

Nein. Jahwe stellt Hiob kein physikalischen Fragen. Er sagt, kurz zusammengefasst: Ich bin so groß, und so mächtig, und ich habe das alles hier erschaffen, wie kannst du erbärmlicher Sterblicher es wagen, mich zu kritisieren? Und verdammt noch mal, daraus hätte Augstein doch auch sein nächstes Argument ableiten können, wenn er es unbedingt aus einem biblischen Text ableiten will. Warum muss er den vorher noch so eigenwillig interpretieren?

Gott redet mit Hiob so, wie ein Finanzspekulant mit einem Occupy-Aktivisten reden würde: “Wo warst Du, als wir das globale Wachstum finanzierten und die Welt mit Geld versorgt haben?”

Meine Damen und Herren, ist präsentiere Ihnen die Antwort auf die Frage, die am Grunde der Politik liegt: Die bösen Finanzspekulanten sind an allem Schuld. Und die Occupy-Aktivisten sind ihnen moralisch überlegen. Wer hätte das gedacht? Und jetzt mal ehrlich: Würde Augsteins Argumentation nicht sogar noch besser aufgehen, wenn er den Inhalt des Buches Hiob nicht verzerrt wiedergeben würde? Sein Spekulant stellt doch genau wie Jahwe keine Wissensfrage, sondern eine rhetorische Frage, mit der er sich selbst so weit über seinen Gesprächspartner erheben will, dass er diesem das Recht zur Kritik absprechen kann. Und überhaupt, mal ehrlich: Sogar diejenigen unter euch, die Augsteins Stoßrichtung unterstützen, müssen mir doch zustimmen, dass diese Girlande mit Hiob und der Vergleich von Finanzspekulanten mit dem alttestamentarischen Gott haarsträubender Blödsinn sind, oder?

Gott und die Finanzindustrie sagen: “There is no alternative”. Die an- und abschwellende Flut der globalen Kapitalströme fogt der unabänderlichen Natur des Geldes so wie die Wasser der paradiesischen Flüsse Perat, Pischon, Hiddekel und Ghion dem Wort des Herren folgen.

Naja, nee. Das ist jetzt auch wieder unehrlich. “Tina” ist ein Spruch in Bezug auf die Rettung von Banken mit Steuergeld, der uns sagen will, dass mit diesen Banken die Welt unterginge, wenn wir sie nicht retten würden. Er wird meines Wissens nicht verwendet, um die These zu vertreten, dass Kapitalströme unveränderlich sind und der Natur des Geldes folgen, was auch immer das schon wieder heißen soll.

Ich ahne auch hier wieder, was Augstein sagen will, und wie vorhin schon ist es nicht besonders schmeichelhaft. Er beklagt sich wieder darüber, dass die Welt kompliziert ist. Er findet, dass die globalen Finanzströme gefälligst so fließen sollten, wie er es für “gerecht” hält, und beklagt sich darüber, dass es da gewisse Gesetzmäßigkeiten gibt, die sich nun einmal nicht ändern lassen. Es gefällt ihm nicht, dass das alles so kompliziert ist, und dass er nicht einfach sagen kann: So will ich das, und so muss es jetzt gemacht werden, und dann kommt auch das Ergebnis raus, das ich mir wünsche. Ich könnte ihm damit Unrecht tun. Ich könnte ihn missverstehen. Er hat ja auch alles dafür getan. Aber ich finde, sein nächster Absatz stützt meine Deutung:

Gott fragt Hiob: “Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen und auf dem Grund der Tiefe gewandelt? Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan, oder hast du gesehen die Tore der Finsternis? Hast du erkannt, wie breit die Erde ist? Sage an, weißt du das alles?” Was soll Hiob da antworten? Er weiß von den Toren der Finsternis ebenso wenig wie wir heute von Himalaya Options, Variance Swaps oder Constant Proportion Portfolio Insurances wissen – oder wie die Instrumente sonst noch heißen, mit denen unsere Gesellschaft auf ihren verderblichen Kurs gesteuert wurde.

Augstein tut so, als wären das gleiche Sachverhalte. Als wäre die Forderung, er möge doch bitte versuchen, einen Markt zu verstehen, bevor er ihn mit Zwangsmitteln zu regulieren versucht, das gleiche wie Jahwes Hinweis, dass er hier das Sagen hat, und solange Hiob die Füße unter seinen Tisch … Aber nein, das sind nicht die gleichen Sachverhalte. Wer nichts von Finanzderivaten weiß, der kann nicht beurteilen, wie sie Finanzkrise beeinflusst haben und beeinflussen, und der kann sie auch nicht regulieren. Auch da werden mir sogar die linkeren unter meinen Lesern nicht widersprechen, oder?

Wenn “die Märkte” sprechen könnten, würden sie von uns verlangen zu schweigen.

Was für ein Unfug. Die Märkte sind genau alle Menschen auf der Welt, vielleicht abzüglich der wenigen, die irgendwo ein Eremitendasein ohne jeden Kontakt zu anderen fristen. Was genau meint Herr Augstein? Die Marktteilnehmer können sprechen, und tun es auch, und mir ist derzeit keiner bekannt, der fordert, dass “wir” schweigen. Die Märkte als solche sind nur ein abstraktes Konzept, und natürlich können sie nicht sprechen, aber welchen Sinn bitte hat die These, dass sie von “uns” verlangen würden zu schweigen, wenn sie es könnten? Was anderes kann dieser Satz sein als ein rhetorisches Mittel, mit dem Augstein seine Leser auf Linie bringen will, mit dem er Aggression gegen “die Märkte” wecken will? “So? Wir sollen also schweigen? Die wollen uns den Mund verbieten? Na, die können was erleben, diese Märkte!”

Es ist die Aufgabe der Politik, die Märkte zum Schweigen zu bringen

Aha.

Wir lassen diesen Satz jetzt mal kurz auf uns wirken.

Zuerst mal ist er natürlich lächerlich. Extrem lächerlich sogar. Episch lächerlich. Gerade hat Herr Augstein noch gesagt, dass die Märkte nicht sprechen können, und hat ihnen vorgeworfen, sie würden “uns” den Mund verbieten wollen, wenn sie es könnten, was auch schon lächerlich ist, aber das hier ist noch einmal ein ganz anderes Niveau, denn jetzt sagt er, gleich im nächsten Satz, dass es “die Aufgabe der Politik” ist, diese Märkte, die überhaupt nicht sprechen können, “zum Schweigen zu bringen”, also genau das zu tun, was er gerade den Märkten noch als finstere Absicht unterstellen wollte. Wow. Wenn ich mal ein Lehrbuch über Rhetorik und Argumentation schreibe, werden diese beiden Sätze garantiert drin vorkommen. Ich habe lange nicht mehr so viel konzentrierten Unfug auf so engem Raum gelesen.

Zweitens offenbart dieser Satz aber auch Beängstigendes über das Politikverständnis von Herrn Augstein. Ich weiß zwar wie gesagt nicht genau, was er sich unter “die Märkte” vorstellt, aber ich glaube zunächst mal, dass es nicht “die Aufgabe der Politik” sein sollte, irgendjemanden zum Schweigen zu bringen, und wenn wir – was wahrscheinlich gewagt ist – einfach mal annehmen, dass er mit Märkten ungefähr sowas meint wie der allgemeine Sprachgebrauch, als (reale oder nur vorgestellte) Räume und Mechanismen, über die wir alle Güter und Dienstleistungen austauschen, dann finde ich die Vorstellung wirklich bedrohlich, dass er die Aufgabe der Politik darin sieht, die Eigenschaften dessen, was sie seiner Meinung nach streng regulieren sollte, vollständig zu ignorieren.

Wer meint, er müsste irgendwen zum Schweigen bringen, kann als gute Faustregel nur Finsteres im Schilde führen, und wenn das Jakob Augsteins Vorstellung von einer gerechten Gesellschaft ist, dann will ich bitte nichts mit seiner Gerechtigkeit zu tun haben.

Kurt Kister hat in der “Süddeutschen Zeitung” geschrieben: “Die Beschreibung der Gesellschaft als eines zwischen Arm und Reich zerrissenen Nicht-Gemeinwesens ist nicht hinreichend, ja sie ist angesichts der Vielfältigkeit des Lebens hierzulande sogar falsch.” Der SZ-Chefredakteur hat Recht: Die Gesellschaft besteht nicht nur aus ihrer Spaltung. Aber im Wahljahr lautet die Frage doch nicht: Was ist die Gesellschaft? Sondern: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Das ist in der Tat eine wichtige Frage. Aber natürlich lautet die Frage auch, was die Gesellschaft ist. Wie wollen wir denn sonst entscheiden, welche Maßnahmen wir brauchen, um unsere Ziele zu erreichen? Wie können wir denn beurteilen, was wir ändern müssen, wenn wir uns nicht fragen, in was für einer Gesellschaft wir jetzt leben?

Und ja, ich denke auch, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Mächtigen zu viel Macht haben, und die Schwachen ungerecht benachteiligt werden, im Großen und Ganzen. Ich denke auch, dass wir das ändern sollten. Ich will gerne in einer Gesellschaft leben, in der Menschen besser miteinander umgehen, fairer, und in der auch die Ärmsten und Schwächsten eine Chance haben, etwas aus ihrem Leben zu machen.

Aber ich glaube nicht, dass das eine Welt sein kann, in der die Aufgabe der Politik darin besteht, die zum Schweigen zu bringen, die uns widersprechen. Ich glaube nicht, dass das eine Welt sein kann, in der wir nicht verstehen wollen, was wir regulieren und verbieten, und in der wir die Komplexität der Welt einfach leugnen, um ihr mit Gewalt unsere zu simplen Lösungen aufzupfropfen.

Um fair zu bleiben: Herr Augstein verrät uns nicht, was genau ihm eigentlich vorschwebt. Er schreibt hier nicht, was genau er verbieten will. Er deutet nur an. Aber sagt doch mal ehrlich: Was er andeutet, klingt schon ausgesprochen besorgniserregend, und nach vielem, aber nicht nach Gerechtigkeit. Und ganz sicher nicht nach einer Gesellschaft, in der ich leben möchte. Oder was meint ihr?

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22 Antworten zu Die Aufgabe der Politik

  1. robinhosa sagt:

    Danke – ich hab gestern versucht, den Artikel zu lesen und recht schnell wieder aufgegeben, weil mir die Extrahierung von konkreten Aussagen aus der rhetorischen Verpackung zu aufwändig war (war jedenfalls mein Eindruck, dass er sich hier viel Zeit lässt, um zum Punkt zu kommen, vielleicht war ich auch nur zu faul). Dank dir weiß ich jetzt, was Herr Augstein uns mitteilen wollte.

  2. Tim sagt:

    @ Muriel

    Ich staune ja immer wieder, mit welcher Verve Du bereitwillig auch den größten Quatsch in diversen Boulevardmedien liest(!), analysierst(!) und(!) kommentierst(!). Wären wir Guten nur alle halb so fleißig, hätten wir schon mindestens doppelt so viel Wirkung wie heute!

    Zu Augsteins Blödsinn hast Du ja bereits alles gesagt. Ich hatte mir anfangs ernsthaft vorgenommen, seine SPON-Kolumen ab und zu zu lesen, habe diesen Versuch dann aber schon nach kurzer Zeit beendet. Wahrscheinlich ist diese Kolumne ein einfaches Geschäft auf Gegenseitigkeit: Augstein kriegt eine Plattform (den “Freitag” liest ja keiner), und das Boulevardmagazin SPON bekommt eventuell ein paar Zusatzleser, die seine Gedankenwürste für gelungene linke Analyse halten.

    Also ein ganz ähnliches Prinzip wie hier:

    PS: Mußte gerade an “Jakob der Lügner” denken, aber so eine Überschrift hätte indirekt wahrscheinlich die Verbrechen des Nationalsozialismus in gefährlicher Weise relativiert, oder?

  3. Tim sagt:

    Huch, einbetten klappt nicht. Sorry.

  4. Muriel sagt:

    @Tim: Danke für dein Lob und das Video. Mit den zwei Nasen verbindet mich ja auch einiges. Einbetten müsstest du auchkennen, du musst nur zwischen youtube und der URL ein Gleichzeichen und kein Space setzen.
    Jakob der Lügner hätte mich weniger wegen der Verharmlosung abgeschreckt, als weil ich erstens nicht sicher bin, ob ich Herrn Augstein überhaupt der Lüge bezichtigen will, und zweitens auch der Meinung bin, dass das justiziabel sein könnte.

  5. okasch sagt:

    “Dies ist eine Kinderfrage”: habe ich auch erst nicht verstanden und ich habe Deine Verwunderung geteilt. Dann aber kam mir der Gedanke, dass er lediglich das Wort “typische” [Kinderfrage] vergessen hat.

    Dieser SPON-Autor ist entweder intellektuell ausgebrannt oder von einer Eitelkeit angetrieben, die ihn zu extravaganten, pseudo-tiefsinnigen Stellungnahmen verleitet. Oder natürlich beides, worauf ich tippe. Zumindest ist das mein subjektives Urteil.

    Ich glaube, dass Dein Problem möglicherweise darin besteht, dass Du etwas zu bescheiden bist. (?) Leute mit gesundem Menschenverstand – und für so einen halte ich Dich – müssen sich auch erlauben dürfen, sich zu dieser Kategorie zu zählen. (Das muss ja nicht heißen, dass Du Dich selbst absolut setzt.) Und sie sollten auch erkennen, dass man nunmal in einer Welt lebt, in der Rederecht (in Zeitungen, im Parlament, etc.) leider nicht sehr stark mit gesundem Menschenverstand korreliert (sondern eher mit Macht- und Karrierehunger auf diesen Feldern).

    Überleg mal, ob Du nicht in die Politik gehen willst. Oder ein Buch schreiben. Oder mit anderen zusammen eine Zeitschrift herausbringen. Oder Dich gleich beim Spiegel als Ablösung für diesen “Autor” vorstellen.
    Klingt jetzt vielleicht komisch für Dich. Ich find’s selbst komisch, dass ich das vorschlage, aber ich kann ja nichts dafür, dass die Welt so seltsam ist, dass Leute wie Du hier für umme geistreiches Zeug bloggen und Leute mit Kopf-Aua für Geld in Zeitungen ihren Müll schreiben dürfen.

    Übrigens habe ich mir die komplette Lektüre Deines Blogeintrags diesmal geschenkt. Ich vertrag heut einfach nicht so viel Schwachsinn.

  6. whynotveroni sagt:

    mal OT:
    Frohes Neues Jahr Muriel!
    Frohes Neues auch an euch anderen *wink*

  7. Muriel sagt:

    @okasch:

    Dann aber kam mir der Gedanke, dass er lediglich das Wort “typische” [Kinderfrage] vergessen hat.

    Mag wohl sein, aber das ist dann immer noch merkwürdig. Sind die Kinder, die Herr Augstein kennt, so viel anders als die, die ich kenne? Kommen die wirklich zu ihm und fragen ihn, warum unsere Gesellschaft so ungerecht ist, warum die Reichen immer reicher werden, und warum Collared Floaters nicht verboten sind?
    Hm.
    Ich kenne die Frage eher als eine typische Sozialistenfrage, wobei aus meiner Perspektive zugegebenermaßen so ziemlich jeder ein Sozialist ist…

    Ich glaube, dass Dein Problem möglicherweise darin besteht, dass Du etwas zu bescheiden bist.

    Na, ich habe viele Probleme, aber das gehört bestimmt nicht dazu. Trotzdem vielen Dank.

    Leute mit gesundem Menschenverstand – und für so einen halte ich Dich – müssen sich auch erlauben dürfen, sich zu dieser Kategorie zu zählen.

    Ich danke für die freundliche Bemerkung und weiß die gute Absicht dahinter zu schätzen, auch wenn der Begriff des gesunden Menschenverstandes so überstrapaziert wird, dass ich selbst ihn meide.

    Überleg mal, ob Du nicht in die Politik gehen willst.

    Oh… Du musst hier im Blog nicht lange mitlesen, um zu erkennen, dass ich chancenlos wäre.

    Oder ein Buch schreiben.

    Mach ich ja schon. Mehrere sogar. Aber ich fürchte, nicht die Sorte, an die du denkst.

    Oder mit anderen zusammen eine Zeitschrift herausbringen.

    Ich stehe für Anfragen erfahrener Herausgeber jederzeit zur Verfügung.

    Ich find’s selbst komisch, dass ich das vorschlage, aber ich kann ja nichts dafür, dass die Welt so seltsam ist, dass Leute wie Du hier für umme geistreiches Zeug bloggen und Leute mit Kopf-Aua für Geld in Zeitungen ihren Müll schreiben dürfen.

    Ja… Och, Herrn Augstein wollen im Gegensatz zu mir halt viele Leute lesen, irgendwas macht er also wohl richtig. Ich danke dir jedenfalls sehr für dein Lob, auch wenn ich bis auf Weiteres nicht die gewünschten Konsequenzen ziehen kann.

  8. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Danke, ebenso!

  9. Tim sagt:

    @ Muriel

    Augstein schrieb doch zum Beispiel: “Gott fragt Hiob”. Ich bin ja der Meinung, daß man diese Tatsachenbehauptung mit gutem Grund für eine Lüge halten kann. Aber natürlich lasse ich mich von ihm gern eines Besseren belehren, wenn er Belege für die Aussage hat. Ja, die üblichen Albernheiten, I know.

    Apropos Albernheiten: Haben wir ernsthaft überall in der westlichen Welt im 21. Jahrhundert am 1. Januar einen peinlichen Feiertag, weil die Römer damals ihre Konsuln an diesem Tag ihr Amt antreten ließen? Himmel und Herrgott …

  10. Muriel sagt:

    @Tim: Naja… Wenn ich irgendwo schreibe, dass Hank Rearden irgendwas zu seiner Dagny sagt, dann tue ich das nicht in der Absicht … Antworte ich dir gerade ernsthaft auf diesen Vorschlag? Tse…

    Zu den Feiertagen sag ich jetzt einfach mal, dass für einen staatlich verordneten Feiertag jeder Anlass in meinen Augen ziemlich genau gleich dumm ist.

  11. Tim sagt:

    Ich dachte doch nur, der Tag des Amtsantritts des jeweiligen Fußballbundestrainers wäre ein viel besserer Anlaß für einen staatlichen Feiertag.

  12. Guinan sagt:

    Für eine Passage hier hätte ich sogar 10 Sternchen gegeben.

    Frohes neues Jahr und so weiter…

  13. Muriel sagt:

    @Guinan: Danke!
    Jetzt möchte ich aber auch wissen, für welche.

  14. Guinan sagt:

    @Muriel: Ab “Und ja, ich denke auch…” Wenn du deine Analystenbrille mal kurz absetzt, dann weiß ich wieder, warum ich hier ganz tapfer jeden Artikel lese.

  15. Muriel sagt:

    @Guinan: Ach komm. So eine wohlfeile Bekundung von Gerechtigkeitssinn hat doch nun wirklich keine Sternchen verdient, geschweige denn 10.
    Der Absatz wäre eigentlich komplett überflüssig, wenn ich nicht wüsste, dass viele Leute diesen “Gegen staatlichen Zwang = gegen Gerechtigkeit und arme Menschen”-Reflex in sich tragen.

  16. Guinan sagt:

    @Muriel: Brauchst du jetzt gar nicht schamhaft zu relativieren, bist eh durchschaut.

  17. Muriel sagt:

    @Guinan: Ich relativiere gar nichts, ich weise nur unverdientes Lob zurück. Sagen, dass einem sowas wichtig ist, kostet gar nichts, und man riskiert damit nichts, weil niemand widersprechen wird.
    Interessant wird es erst bei den Details, und über die habe ich hier genauso geschwiegen wie Augstein, weil ich in der bequemen Lage bin, die Position eines anderen zu kritisieren.
    Wir wissen alle, wie unschön es wird, wenn ich da in Bezug auf meine Vorstellungen konkret werde. Das hat mich erst kürzlich Dietmar gekostet, und um den ist es im Gegensatz zu gewissen anderen Kommentatoren sogar wirklich schade.

  18. madove sagt:

    @Muriel
    Natürlich mochte ich den von Guinan erwähnten Absatz auch besonders. Er ist ja auch extra für Leute wie uns geschrieben, gell? Danke. Aber abgesehen von Sympathie-Wohlfühl-Gummipunkten macht es für mich schlicht den Unterschied, warum ich Dir zuhöre, wenn Du Sachen sagst, die mir u.U. nicht gefallen – weil ich Dir bis zu einem gewissen Grad abnehme, daß Deine Werte und Ziele meinen nicht völlig entgegengesetzt sind, sodaß es für mich noch Sinn macht, mich mit Dir über Einzelheiten (auch große……) auseinanderzusetzen.

  19. Muriel sagt:

    @madove: Ich überlege gerade, ob es jemanden gibt, dessen Werte und Ziele unseren völlig entgegengesetzt sind.
    Mir scheint, die Unterschiede sind bei fast allen, auch den scheußlichsten Beispielen wie Broder oder solchen Leuten doch eher solche der Mittel und der dafür angemessenen Maßnahmen.
    Wer sagt denn, dass er für eine weniger gerechte Gesellschaft kämpft, in der die Starken den Schwachen alles wegnehmen dürfen und die Menschen gemein zueinander sind?

  20. freiheitistunteilbar sagt:

    Und ja, ich denke auch, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Mächtigen zu viel Macht haben, und die Schwachen ungerecht benachteiligt werden, im Großen und Ganzen. Ich denke auch, dass wir das ändern sollten. Ich will gerne in einer Gesellschaft leben, in der Menschen besser miteinander umgehen, fairer, und in der auch die Ärmsten und Schwächsten eine Chance haben, etwas aus ihrem Leben zu machen.

    Ach Muriel, es gibt nicht ein zu viel an Macht, die Herrschaft von Menschen über Menschen ist das Problem. Wirklich arm und schwach sind allenfalls 1-2%, weil sie nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen.

    Bei Leuten wie dir weiß ich zumindest, dass das Zitierte keine sozialistische Esoterik ist. :)

  21. John Doe sagt:

    “Und ja, ich denke auch, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Mächtigen zu viel Macht haben, und die Schwachen ungerecht benachteiligt werden, im Großen und Ganzen. Ich denke auch, dass wir das ändern sollten. Ich will gerne in einer Gesellschaft leben, in der Menschen besser miteinander umgehen, fairer, und in der auch die Ärmsten und Schwächsten eine Chance haben, etwas aus ihrem Leben zu machen”

    Erfüllt der Libertarian Paul Ryan mit seinem aktuellen budget proposal die zitierte Prämisse?

  22. Muriel sagt:

    @John Doe: Keine Ahnung. Warum fragst du?

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