Klassenfeindclown

13. April 2014

Die Zeit der Familienfernsehabende ist vorbei. Und die Zeit der harmlosen Wetten auch. Gewettet wird heute nicht im Fernsehstudio auf kleine Kunststücke, sondern an den Finanzmärkten auf den Kollaps von Staaten. Topp, die Wette gilt!

schreibt Michael Hanfeld in der FAZ [via Altpapier, denn freiwillige lese ich Hanfelds Kram nicht], und ich fand diese Idee gleich auf Anhieb so charmant, dass ich gerne eine entsprechende Show für euch pitchen möchte. Ein angemessener Sendeplatz wird ja demnächst frei, wenn ich alles richtig verstehe. Ob die Sendung dann tatsächlich unter dem obigen Arbeitstitel erscheint, oder unter einem ZDF-zielgruppentauglicheren wie “Spekulieren, dass..?” oder ganz kuschelig “Unser Ulli”, würde ich den verantwortlichen Gremienkonferenzvorsitzendenkonferenzvorsitzendenassistentenstelldicheinschriftführern überlassen, oder gerne auch jemand anderem, falls die Gremienkonferenzvorsitzendenkonferenzvorsitzendenassistentenstelldicheinschriftführer dafür gar nicht zuständig sein sollten.

Zur Sache:

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Murielistan

1. April 2014

Ich wurde ja verschiedentlich schon mal gebeten, nicht immer nur zu sagen, was ich an unserem heutigen Gesellschaftssystem doof finde, sondern einfach mal zu erklären, wie ich mir eine Gesellschaft wünsche. Nicht immer nur, welche Regeln ich doof und illegitim finde, sondern welche ich für angemessen halte, und warum, und wie ich das alles organisieren würde. Zuletzt zum Beispiel hat Onkel Maike, bevor sie mir den Dialog aufkündigte und meine letzten Kommentare löschte, mich hier um eine Erläuterung gebeten. Und weil erstens solche Dinge mir natürlich schon zu denken geben und ich zugeben muss, dass es nicht okay ist, nur rumzunörgeln, ohne zu wissen, wie es besser geht, und weil zweitens hier jetzt echt unangemessen lange kein Beitrag mehr erschienen ist, und ich gerne sicher gehen möchte, dass sich niemand Sorgen um mich micht, und so, dachte ich, ich packe das jetzt endlich mal an und erkläre euch, wie ich diese politischen Systemfragen gerne beantwortet hätten würde.

Nämlich so:

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Even Cops Call 911

11. März 2014

(Ja, ich weiß natürlich, dass archäologische Notgrabungen eigentlich nichts besonders Lustiges sind und offenbar sogar den Großteil der heute in Deutschland stattfindenden Grabungen ausmachen, aber der Begriff klingt halt so schön albern, dass ich meine Assoziationskette nicht mehr ganz unter Kontrolle halten konnte.)

Neulich in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Einige Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Einige weitere Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Am selben Tag, einige Stunden später in der archäologischen Notrufzentrale:

Klick.

[Einige Minuten Pause.]

„Ja.

[..]

Hallo.“

[…]

Am nächsten Tag in der archäologischen Notrufzentrale:

„Hier ist die archäologische Notrufzentrale.

[Einige Stunden später.]

Was können wir denn für Sie tun?“

[…]

„Oh.

[…]

Oh ja.“

Am nächsten Tag in der archäologischen Notrufzentrale:

„Das klingt wirklich nach einem Notfall.“

Einige Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

„Wo befindet sich denn der Ausgrabungsnotfall?“

[…]

„Ah. Danke.“

[Einige Stunden später]

„Das Wichtigste ist dass Sie jetzt Ruhe bewahren. Wir rechnen damit, dass wir noch in dieser Epoche jemanden zu Ihnen schicken können.“

Einige Legislaturperioden später, am Fundort:

Ein Mobiles Archäologisches Einsatzkommando trifft mit eingeschaltetem Infrarotlicht ein. Der Lautsprecher auf dem Dach knackt in regelmäßigen, sehr langen Abständen.

Der Einsatzleiter führt den Kalendervergleich mit seinem Team durch, springt aus dem Wagen, liest eine Ausgabe des American Journal of Archaeology, trinkt einen Kaffee, packt seinen Laptop aus, schreibt einen Aufsatz über die Bedeutung von Runensteinen in protogermanischen Stammesgemeinschaften und eilt sofort anschließend mit gezogenem Flüssigszintillationsspektrometer auf den Fundort zu.

Ein Bauarbeiter: “Hey, was machen Sie denn hier? Hier ist Helmpflicht. Hey! Sie! Hallo! Nun sagen Sie doch endlich was! Sie da! Ja meine Güte …”

Der Einsatzleiter des Archäologischen Einsatzkommandos: “Keine Bewegung!”

Ein Teammitglied, mit Taschenlampe, hinter ihm: “Schon gut, die sind inzwischen eh alle nach Hause gegangen. Wollen wir denn jetzt loslegen?”

Einsatzleiter: “Nicht so eilig! Sehen Sie die Klinge da drüben?”

Teammitglied: “Nein! Es ist stockfinster.”

Einsatzleiter: “Leuchten Sie doch mal mit der … oh, egal, jetzt ist eh gerade die Sonne aufgegangen. Also, was ich sagen wollte: Der sieht mir doch sehr nach einem Henkerbeil aus.”

Teammitglied: “Verdammt.”

Einsatzleiter: “Schnell! Rufen Sie ein rechtsarchäologisches Notgrabungsteam!”

Teammitglied: “Meinen Sie nicht, dass es dafür zu spät ist?”

Einsatzleiter: “Wieso? Und können Sie bitte die Taschenlampe wieder einschalten, man sieht hier ja …”

Teammitglied: “Naja, in sieben oder acht Monaten ist doch schon wieder Winter, und bei gefrorenem Boden hat das doch hier alles keinen Zweck.”

Einsatzleiter: “Sie haben Recht! Lassen Sie uns … Ähm, hallo? Was ist denn … Wo wollen Sie denn hin?”

Teammitglied: “Ich bin in Rente.”

Einsatzleiter: “Verdammt.”


Warum Homophobiephobie unchristlich ist. Oder zumindest manchmal sein kann. Wenn sie schlecht gemacht ist. Ach was weiß ich, ist mir auch egal, ich lass das jetzt so.

20. Februar 2014

Okay. Ich denke, wir sind uns einig, dass es genug Reaktionen auf die jüngste Menschheitsbeschämung von Herrn Matussek gab. Ich werde deshalb keine weitere hinzufügen.

Aber an Reaktionen auf die Reaktionen herrscht meines Erachtens noch ein gewisser Mangel, insbesondere an solchen, die Herrn Matussek verteidigen. Klingt nach einem Job für überschaubare Relevanz, oder?

Um die Menschheit zu beschützen!

Warum Homophobie unchristlich ist

will uns Lucas Wiegelmann erläutern, und dieses Unterfangen wirkt auf den ersten Blick schon so ulkig (nicht etwa, weil Homophobie meines Erachtens unbedingt christlich wäre, sondern eher, weil schon die Frage, ihr wisst schon, oder?), dass ich die Finger nicht davon lassen mag, auch weil der Teaser so schon mutig daherkommt:

Wer sich der Homophobie rühmt, verletzt nicht nur den Konsens der Gesellschaft. Er kann sich auch auf keine christlichen Grundsätze berufen.

Uiuiui, nicht wahr? Keine, schreibt er. Bis auf diese zahlreichen klar homophoben Ansagen in der Bibel, halt, aber wer zählt die schon? Das mit dem Konsens der Gesellschaft würde ich übrigens auch sehr in Zweifel ziehen, aber hier gilt das gleiche wie für so ziemlich alle Meinungsstücke in so ziemlich allen mir bekannten Zeitungen: Wenn wir wahllos jede offensichtlich unfundierte Äußerung kritisieren wollen, sitzen wir morgen noch hier, und das kann ja nun wirklich keiner wollen. Konzentrieren wir uns also auf Wiegelmanns Kernaussage.

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Falsche Branche

20. Februar 2014

Moderne Pflegeheime und Kliniken stehen für Genuss, Geselligkeit und Erholung. Bei der Gestaltung dieser Räume spielt ein Rollstuhl immer häufiger eine zentrale Rolle. So selbstverständlich wie sich bei einer gelungenen, entspannten Party die Gäste in der Küche versammeln, wird der Rollstuhl im Pflegefall zum Mittelpunkt der Mobilität. Hier können die Opfer von Unfällen und Krankheiten sitzen, Speisen zubereiten, gekühlte Getränke genießen und einfach plaudern. Aber auch im Alltag ist es ein Genuss, nicht nur die Faszination der eingeschränkten Beweglichkeit, sondern den ganzen Prozess des Lebens – vom Zubereiten über das Verzehren bis hin zum Ausscheiden von Speisen – in den Rollstuhl zu verlegen.

Ihr Sanitätshaus Silberstreif bietet mit seinen Outdoorrollstühlen faszinierende Möglichkeiten, solche Situationen zu inszenieren. Bei der Entwicklung der Produktlinien waren die Vorgaben ausreichendes Design, medizinische Erforderlichkeit und optimale Wirtschaftlichkeit für die Kostenträger.

Unsere Systeme sind logisch durchdacht und von leidenschaftlichen „Behinderten“ erprobt. So bieten wir z.B. eine angenehme Sitzhöhe, outdoortaugliche Vollgummibereifung, intelligente Urinbeutellösungen und Erweiterungen.

Die Rollstühle vom Sanitätshaus Silberstreif eignen sich für private Projekte, aber auch für den professionellen Einsatz. Immer nach dem Motto: CELEBRATE LIMITED MOBILITY!

Hm.

Nee.

Ich glaube, manche Marketinggepflogenheiten anderer Branchen lassen sich nicht auf den Hilfsmittelsektor übertragen. Wir müssen wohl weiterhin durch Einsatz und Kompetenz überzeugen.


Ohjungeohjungeohjunge

3. Februar 2014

ist das aufregend! Ich weiß gar nicht, wo ich mit meinen vielen ulkig widerstreitenden Gefühlen hin soll!

Ich verabscheue einerseits so ziemlich alles, was mir bisher von Alice Schwarzer untergekommen ist. Von ihren Texten über ihre Haltung bis hin zu dem schlichten Umstand, dass sie sich als Bild-Kolumnistin hergegeben hat über wirklich so ziemlich alles bis hin auch zu ihrer Vergangenheit, die wohl partiell als konstruktiver Beitrag zur Gleichstellung von Männern und Frauen gilt, was ich nicht hinreichend beurteilen kann, um mir eine feste Position dazu erlauben zu können, aber zumindest für eher unplausibel halte.

Ich bin andererseits natürlich nicht der Meinung, dass Steuerhinterziehung moralisch verwerflich wäre und sehe auch grundsätzlich nicht viel Sinn darin, die Straftaten und sonstigen Verfehlungen von Leuten breitzutreten, bloß weil die in der Öffentlichkeit bekannt sind. Tatsächlich scheint mir, dass der Umgang unserer Gesellschaft mit derartigen Verfehlungen immer noch so unvernünftig ist, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob es ethisch noch konsequent ist, dass ich meinerseits drüber schreibe, aber weil ich Alice Schwarzer wie gesagt nicht leiden kann der Meinung bin, dass mein Blog nach Welt, FAZ, Spiegel, Focus und Fernsehnachrichten der Prominenz der Steuerhinterziehung von Frau Schwarzer nicht mehr viel hinzufügen wird, mach ichs einfach mal.

Wiederum andererseits ist natürlich Frau Schwarzers Stellungnahme in eigener Sache mal wieder ein solches Meisterwerk an Unsympathischkeit (Ich weiß, dass das kein Wort ist, aber ich mag es halt lieber als das richtige.), Selbstgerechtigkeit und atemberaubender Dummdreistigkeit, dass man echt nichts mehr dazu kommentieren kann, das es treffender verreißen würde als das schlichte Zitat:

[Der Spiegel] pfeift darauf, dass er damit illegal handelt. Darum werde ich jetzt selber etwas dazu sagen.

Rufschädigung? Klar. Zu viele haben in meinem Fall ein Interesse daran. Ein politisches Interesse. Und ich frage mich, ob es ein Zufall ist, dass manche bei ihrer Berichterstattung über mich gerade jetzt auf Recht und Gesetz pfeifen? Jetzt mitten in der von EMMA angezettelten Kampagne gegen Prostitution, wo es um Milliarden-Profite geht. Bei der Jahrzehnte währenden Kritik von EMMA am Ehegattensplitting, mit dem Vater Staat die Hausfrauenehe mit Milliarden subventioniert. Oder auch nach so scharfen öffentlichen Kontroversen, wie im Fall Kachelmann. 

[Na gut, ein einziger Hinweis vielleicht für alle, die es nicht aus dem Stand so wissen: Der Spiegel handelt natürlich nicht illegal, so er, wogegen meines Wissens nicht spricht, korrekt die Tatsachen wiedergibt, und pfeift deshalb keineswegs auf Recht und/oder Gesetz.]

Wiederum andererseits war mir die Freude darüber, dass Leute, die in der Öffentlichkeit viel über Moral und die Fehler anderer Menschen sprechen, selbst auch Fehler machen und  unmoralisch handeln, stets sehr suspekt, obwohl sie mir selbst auch nicht ganz fremd ist, was aber jedenfalls dazu führt, dass ich sie hier nicht ganz uneingeschränkt genießen und empfinden kann, oder auch nur will, und wäre es nicht auch total cool, wenn ich jetzt diese Gelegenheit ergreifen würde, derjenige zu sein, der Alice Schwarzer in Schutz nimmt, obwohl er sie für einen der schlimmeren Menschen hält, deren Meinung in Deutschland regelmäßig für den großen Kreis veröffentlicht wird, und wenn ich hier ganz selbstlos und prinzipientreu an das Gute im Menschen …?

Naja, nee, das krieg ich nicht hin, und das kauft mir ja eh keiner ab.

Hach.

Ich fühle mich jedenfalls wieder wie ein Einbeiniger beim Arschtrittwettbewerb. Nur dass zum Glück im realen Leben, anders als in dieser etwas geschmacklosen Metapher, die beteiligten Ärsche sich selber treten und jegliche Unterstützung meinerseits völlig überflüssig wäre.

Auch schön, oder?



Kommentar zum Altpapier vom 2. Januar, Teil 2

5. Januar 2014

Kennt jemand die sehr gelungene Serie Newsroom? Ich bin damit ziemlich spät dran und habe gerade erst die erste Staffel gesehen, und da gibt es eine Folge, in der die Protagonisten darüber diskutieren, ob sie über den Prozess gegen Casey Anthony und den Sexting-Skandal um Anthony Weiner berichten sollen. Sie halten es zwar nicht für Nachrichten und außerdem für geschmacklosen Seifenopernmist – völlig zu Recht, natürlich -, haben aber andererseits das Problem, das ihnen die Hälfte ihrer Zuschauer abhanden gekommen sind, seit der Prozess läuft und sie ihn ignorieren.

Das passt zeitlich zufällig gut zum zweiten Teil dieses Altpapierkommentars, in dem es um dieses Zitat aus Tobias Gillens Blog geht:

Ich ärgere mich über ein solches Verhalten. Es ist scheinheilig, weil es dabei rein umKlickgeilheit geht. Würde Schumacher keinen interessieren, würde es keine Liveticker, Eilmeldungen und zig überarbeitete Artikel zu ein und demselben Thema geben. Selbiges gilt für etliche Bilder-Strecken, die mit Nicht-Informationen und Archiv-Bildern vollgestopft wurden.

Und dazu habe ich schon wieder eine zur derzeitigen Tendenz passende nachdrückliche Sowohl-als-auch-aber-so-jedenfalls-nicht-ganz-Ansicht, die ich euch nicht vorenthalten will.

Würde Schumacher keinen interessieren, würde es keine Liveticker, Eilmeldungen und zig überarbeitete Artikel zu ein und demselben Thema geben.

Das ist natürlich der Satz, an dem mein Widerstand sich aufhängt. Weil ich nicht ganz einsehe, warum man Journalisten dafür kritisieren soll, dass sie berichten, was ihre Kunden interessiert. Das ist ihre Aufgabe. Wenn niemand Brötchen mögen würde, würden Bäcker keine backen, und wir alle wissen schließlich, dass Bäcker und Journalisten im Grunde den gleichen … Naja, also, ich habe jedenfalls prinzipiell kein Problem damit, wenn jemand die Interessen seiner Kunden zu bedienen versucht, denn anders geht es ja nicht.

Das gilt natürlich (Ich bedaure, das betonen zu müssen, bin aber fest davon überzeugt.) unabhängig davon, ob ich diese Interessen angenehm oder auch nur verständlich finde. Ich persönlich finde die Berichterstattung über und Reaktion auf Michael Schumachers Unfall und Gesundheitszustand sehr fürchterlich und geschmacklos. Die Einzelheiten interessieren mich nicht nur nicht, ich will sie aktiv nicht wissen.

Nun kann man natürlich sagen, dass Journalisten dieses Interesse andererseits durch ihre Berichterstattung schüren und fördern und in die falsche Richtung lenken, und durch bessere Berichterstattung zu einer Gesellschaft beitragen könnten.

Und da ist was dran. Aber dafür muss jemand ihre Berichterstattung wahrnehmen, und das wiederum funktioniert nur, wenn diese Berichterstattung sich an den Interessen der Kunden orientiert statt an dem, was ich oder ihr oder die jeweilige Journalistin für interessant hält. (Und mal ehrlich, ist so vieles, was im Feuilleton der Zeit steht, objektiv gesehen berichtenswerter und interessanter als Michael Schumachers Rekonvaleszenz? Ich glaube kaum. Das ist jetzt kein TeaParty-Wir-hassen-Akademiker-und-ihre-Scheiß-Bildung-Genöle, sondern nur der Hinweis, dass so ein Konzept wie “objektiv berichtenswert und interessant” schon ein sehr wackeliges, wenn nicht sogar komplett sinnloses Konstrukt ist.)

Und bei der Gelegenheit, kurzer Exkurs: Ist das nur meine Filterbubble, oder gibt es jeden Tag ein Dutzend “Lieber Journalismus, wir müssen reden”-Artikel, aber fast nie mal einen “Liebe Leser/Zuschauer/Zuhörer, wir müssen reden”-Artikel? Man wird doch wohl noch sagen dürfen (Hei, es tut weh, diesen Halbsatz zu schreiben, sogar im Scherz. So weh. Au. Aber was tut man nicht alles für den Kampf um die Wahrheit und das Gute und Schöne in der Welt?), dass die Verantwortung zumindest nicht nur bei den Redakteuren und Managern und Fotografen und freien Mitarbeitern von Bild, FAZ, Welt, BlitzIllu (Gibt es die? Ich traue mich nicht zu googlen.), Bunte und Kölner Stadtanzeiger liegt. Die liegt doch auch zu einem erheblichen Teil (Ich würde sagen: Zum bei Weitem größten.) bei den Menschen, die ihnen ihr Geld und ihre Aufmerksamkeit geben und von ihnen fordern, dass sie einen Liveticker über Anthony Weiners Penis oder Michael Schumachers Skiunfall einrichten: Es wäre rhetorisch vielleicht geschickt, zu sagen, dass “wir” das sind, aber schreibe ich nicht, weil ich das nicht bin, soweit ich es vermeiden kann, und zum Glück ohne Heuchelei behaupten kann, dass das wirklich nicht meine Nachfrage ist, diese diese Maschinerie antreibt. Exkurs Ende

Aber bei aller moralischen Selbstüberhöhung -gönnt sie mir, ich habe sonst so selten Gelegenheit dazu- denke ich auch, dass die Berichterstattung nicht mal besonders viel Schaden anrichtet. Was die Journalisten noch mal ein bisschen mehr aus der Verantwortung nimmt. Denn dass Anthony Weiners Penis das Ende seiner politischen Karriere herbeigeführt hat (Hat er doch, oder? Ich traue mich nicht zu googlen.), ist ja nicht die Schuld der Journalisten, sondern die Schuld der Wähler und der ganzen bekloppten Gesellschaft, die meint, dass zwar jemand ein toller Präsident sein kann, der routinemäßig seine Wähler belügt, dass aber jemand als Politiker ungeeignet ist, der Interesse an Sex mit anderen Menschen als seiner Ehefrau hat. Ja gut, ein bisschen polemisch formuliert so, aber ich finds fair. Nicht die Verfügbarkeit von Informationen führt zum Schaden, sondern erst unser Umgang mit ihnen, und da schließe ich mich jetzt meinetwegen doch mal mit ein, weil wir darin alle noch viel viel besser werden müssen.

Was ich damit sagen will: Wir überschätzen Journalisten, und sie überschätzen sich selbst, wenn wir glauben, wenn sie glauben, dass sie Schuld daran sind, dass viele Menschen lesen wollen, wie Michael Schumachers Knochen heilen, oder wie der Strafprozess gegen Casey Anthony abgelaufen ist, und (was ja das eigentliche Problem ist) sich darüber Vorurteile bilden und sich an fremdem Leid und eigenem Hass aufgeilen. Das ist ein Problem, an dem wir alle arbeiten müssen, denn wir sind alle Mitglieder dieser Gesellschaft. Wir sind alle irgendjemandes Lehrer, Vater, Mutter, Bruder, Freund, Ärztin, und wir können alle daran arbeiten, dass wir anders miteinander umgehen, und mit den Informationen, die uns so reichlich zur Verfügung stehen und mit denen wir doch so beklagenswert wenig anfangen können.


Kommentar zum Altpapier vom 2. Januar, Teil 1

3. Januar 2014

Ja nee, keine Sorge, das wird jetzt keine regelmäßige Serie. Mir ist bloß kein besserer Titel eingefallen, unter dem ich mich mit den Themen des gestrigen Altpapiers auseinandersetzen könnte, was ich wollte, was klar ist, weil ersichtlich, dass ich es zu tun plane, was ja nicht der Fall wäre, wenn ich es nicht wollte, wie ihr euch sicher denken könnt, insbesondere wenn ihr mich schon ein bisschen kennt, was ich annehme, weil doll viel Fluktuation gibt es erfahrungsgemäß unter meinen Lesern nicht, was einerseits schade ist, weil ein nicht ganz rational erklärbarer Ehrgeiz mich wünschen lässt, ich hätte mehr, was echt keinen Sinn ergibt, weil man ja zugeben muss, dass meine Leser und Kommentatoren, auch wenn sie nicht so viele sind, doch größtenteils sehr angenehme Zeitgenossen sind, mit denen sich gut reden lässt, was ich sehr zu schätzen weiß, weshalb es eigentlich echt keinen Sinn ergibt, sich drüber zu ärgern, was aber eigentlich auch egal ist, weshalb wir jetzt

zur Sache kommen:

Greenwald hat in seiner Rede eine Grenze überschritten, als er ‘wir’ sagte statt ‘ihr’. Er hat sich mit den anwesenden Hackern gemein gemacht, mit den Aktivisten und Bürgerrechtlern. Er sieht sich als einer von ihnen.

schreiben Kai Biermann und Patrick Beuth für die Zeit über den Eröffnungsvortrag Glenn Greenwalds zum Kongress des CCC in Hamburg.

Und da sind natürlich schon so ein paar Schlüsselformulierungen drin, die mich zu ganz polemischem Widerspruch reizen. “eine Grenze überschritten”, etwa, oder “sich [...] gemein gemacht”, oder “die Zeit”.

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My body, no choice

6. Dezember 2013

“My body, my choice” only makes sense when someone else’s life isn’t at stake.

Fun fact: If my younger sister was in a car accident and desperately needed a blood transfusion to live, and I was the only person on Earth who could donate blood to save her, and even though donating blood is a relatively easy, safe, and quick procedure no one can force me to give blood. Yes, even to save the life of a fully grown person, it would be ILLEGAL to FORCE me to donate blood if I didn’t want to.

See, we have this concept called “bodily autonomy.” It’s this….cultural notion that a person’s control over their own body is above all important and must not be infringed upon. 

[via zwischendenstuehlen]

Sooooo …

Ich bin mir nicht so ganz sicher, wie ich an diese Sache rangehe, ohne dass bei euch der Eindruck entsteht, dass ich in der etwas länglichen Pause hier angefangen habe, schlechte Drogen zu nehmen, oder einfach meine Blogzugangsdaten irgendwem anders gegeben habe, um zusätzliche Freizeit für eine neue, unterhaltsamere Passion zu gewinnen.

Egal. Ich glaube, wir kriegen das schon hin, zumal die Indizien für diese Position in meinem Blog schon seit langer Zeit zu finden sind, und ich hoffe, dass ich sie einigermaßen plausibel vertreten kann.

Ans Werk:

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