Was unser Leben bislang ausmacht

13. Oktober 2014

ist nach Michael Hanfelds Auffassung anscheinend, dass wir es nicht verstehen.

Na gut. Je nach Interpretation ist da natürlich sogar was dran, und wie so oft, wenn jemand meint, so pathetisch schreiben zu müssen, dass ein Wischmop dem Leser schon nicht mehr reicht, sondern ein Schmalzabscheider großindustrieller Dimensionen benötigt würde, um den Bildschirm jemals wieder ganz sauber zu kriegen, lässt Hanfeld uns jede Menge Spielraum für Interpretation, indem er nämlich nichts Greifbares schreibt, sondern nur Stuss blumig-impressionistisch seine eigenen Emotionen in die Tastatur kippt. Also, mutmaßlich. Vielleicht ist es unfair, Herrn Hanfeld zu unterstellen, was er da geschrieben hat, gebe wirklich sein eigenes Meinen und Sinnen wieder. Vielleicht ist es für ihn ja auch nur ein Job. Ich würde es ihm wünschen.

Äh, wo war ich, der ich vor Kurzem noch über anderer Leute gönnerhaft-herablassenden Stil schimpfte?

Richtig, bei Hanfelds, öh, Artikeldings zu der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier:

Der Mensch als Schöpfung

[gefunden via altpapier, das man gar nicht nachdrücklich genug empfehlen kann]

Was ist daran das Problem? Naja. Das gleiche wie eigentlich immer, wenn die FAZ zu diesem Thema schreibt: Natürlich ist Kritik an der Arbeitsweise von Google und Amazon und eBay und Paypal und Facebook nötig, wichtig, nützlich. Natürlich tun die schlimme Dinge, und natürlich wünsche auch ich mir, dass wir als Gesellschaft drüber diskutieren, wie wirs besser machen können.

Aber nicht jedes larmoyante Zetern ist Kritik, und bedeutungsschwangeres, aber inhaltsleeres Raunen über finstere Bedrohungen ist kein Beitrag zu einer konstruktiven Diskussion. Und was mich persönlich halt auch immer mehr ärgert:

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Irritierende Signale

25. September 2014

Gütiger Himmel, wie kann denn, also, wie ist denn, also, haben die denn, also, was zur Hölle qualifiziert denn …

Nee, anders.

Der Ethikrat hat ja kürzlich diese Stellungnahme abgegeben (Dank an onkelmaike für den Hinweis.), in der er sich für eine Abschaffung des Inzestverbotes ausspricht, und weil ich den Ethikrat für eine ziemlich verantwortungs- und ahnungslose Organisation halte, werde ich mich hüten, ihn dafür zu loben, und werde mich nicht mal damit begnügen, die eher missglückte Begründung dieser im Ergebnis berechtigten Forderung zu kritisieren, sondern stattdessen hier für euch die wirklich unfassbare (Es musste zumindest fett sein. Caps-Lock wäre noch besser gewesen, ist mir aber zu Caps-lockig.) Dummheit der Argumentation der neun Ratsmitglieder dokumentieren, die sich dieser Forderung nicht anschließen mochten. Nicht nur aus Missgunst gegenüber diesem armseligen Gremium, sondern auch, weil ich das für mich selbst noch ein bisschen verarbeiten muss, bevor ich wieder ruhig schlafen kann.

Das abweichende Votum erkennt zwar einige der Kritikpunkte der Mehrheit des Rates an, hält sie aber nicht für ausreichend, um das Verbot abzuschaffen, und rechtfertigt das – ihr ahnt es mutmaßlich schon – mit *Trommelwirbel* unser aller Lieblingsfeld aus dem konservativen Bullshitbingo *ansteigender Trommelwirbel*: Dem Schutz der Familie!

Kurze Pause, für alle, die kurz noch ihre Zähne aus der Tischkante hebeln müssen, bevor sie weiter lesen.

Eine wesentliche Aufgabe von Familie ist es, eine Lebensform für verlässliche Beziehungen zwischen Generationen und Geschlechtern zu konstituieren und zu gestalten. Die Erfüllung dieser Aufgabe wiederum ist Voraussetzung für die Realisierung bestimmter familialer „Leistungen“, insbesondere der Herausbildung von individueller und kollektiver Identität. Die inneren familialen Beziehungen werden spezifisch geprägt durch Elemente der Reziprozität oder Komplementarität, aber auch durch den Grad an Intimität. Die jeweiligen „Beziehungsgeschichten“ sind gekoppelt mit unterschiedlichen Rollen und Funktionen. Inzest bedeutet nun eine Rollenverdoppelung und zugleich eine „Fragmentierung familiärer Strukturen“. Damit aber werden die Geltungsbedingungen der – vorstehend skizzierten – familialen Aufgaben- beziehungsweise Leistungserfüllung fundamental infrage gestellt. Diese Gefahr abzuwehren, ist zentrales Anliegen der Strafvorschrift des § 173 StGB.

Oder in deutlich: Diese neun Personen sind der Meinung, die Mitglieder einer Familie haben für einander bestimmte Leistungen zu erbringen. Sie finden weiterhin, dass, wenn wir uns in gegenseitigem Einvernehmen aus freien Stücken dafür entscheiden, darüber hinaus noch eine ganz bestimmte weitere Leistung füreinander zu erbringen, es ihnen daraufhin zusteht, uns dafür zu bestrafen, weil sie die nicht näher begründete Sorge tragen, dass das erstens die Erbringung der von ihnen gewünschten Leistungen erschwert und zweitens ihre eigene Vorstellung dieser Leistungen und der uns von ihnen zugedachten Rollen infrage stellt. Oder noch mal anders: Sie hätten gerne eine Gesellschaft, in der der Staat uns bestimmte Rollen zuweist und uns bestraft, wenn wir sie nicht so spielen, wie er sie gerne hätte.

So weit, so wahnsinnig. Allerdings nicht wahnsinnig genug für unsere tollkühnen Neun, denn die erkennen im Übrigen an, dass § 173 StGB gar nicht macht, was sie bezwecken, weil er zum Beispiel gar nicht wirklich Familienverhältnisse regelt, sondern nur Blutsverwandschaft, ganz unabhängig davon, ob innerhalb oder außerhalb einer Familienstruktur, und darüber hinaus auch keineswegs die Rollenverdoppelung oder Fragmentierung familiärer Strukturen, was immer genau das ist, untersagt, sondern lediglich vaginalen Geschlechtsverkehr. Das ist auch so eine Sache, die man gar nicht genug betonen kann: Homosexuelle Handlungen werden durch diese Vorschrift genausowenig erfasst wie zum Beispiel Analsex, oder eben jegliche Handlung außer der Penetration einer Vagina durch einen Penis.

Oder in deutlich: Die Strafvorschrift ist evident ungeeignet, das von ihnen angestrebte (schreiend illegitime) Ziel zu erreichen, aber das ist ihnen egal, oder in ihren eigenen Worten:

Zwar vermag § 173 StGB insoweit aufgrund seiner Textfassung keine Schutzwirkung zu entfalten; doch lässt dies seine Schutzfunktion im Übrigen unberührt. Die fragmentarische Tatbestandsfassung erlaubt jedenfalls nicht den Schluss, § 173 StGB sei auf den Familienschutz gar nicht zugeschnitten.

Falls jemand raten will, wie das abweichende Votum diese These begründet, schreibe ich sie hier die Antwort mal so hin, dass ihr sie erst lesen könnt, wenn ihr sie mit dem Cursor markiert, sodass ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr euch spoilern lassen wollt: Gar nicht.

Und das ist es. Im Wesentlichen. Natürlich kommt danach noch ein bisschen Text, in dem die tollkühnen Neun versuchen, uns zu erklären, dass sie ja schon einsehen, dass es Einzelfälle gibt, in denen Inzest echt niemandem schadet und völlig okay wäre, dass das dann aber trotzdem schadet und nicht okay ist, weil diese Einzelfälle dann ja das Prinzip aufweichen würden, dass Inzest schadet und nicht okay ist, und dass außerdem ja ohne Inzestverbot ein wichtiges Signal dafür fehlt, dass Inzest verboten ist, und so.

Aber eigentlich ist es das. Mehr haben die nicht.

Da ist also dieses Gremium, das von unserem Bundestag per Gesetz eingerichtet wurde, um als unabhängiger Sachverständigenrat unter anderem die Öffentlichkeit zu informieren sowie Stellungnahmen und Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln zu erarbeiten, und wir wissen jetzt schon mal, dass der Sachverstand von neun seiner Mitglieder offenbar nicht ausreicht, um diese Argumentation als den grässlichen Bullshit zu erkennen, die sie ist.

Liegt das an mir, oder kommt euch das auch ein bisschen bedenklich vor?


gewichtige demokratische Argumente

9. August 2014

Johann Schloemann hat einen sehr merkwürdigen (und leider nicht mehr kostenlos zugänglichen) Text für die SZ geschrieben, und weil dies die Zentrale für die Kommentierung merkwürdiger Texte ist, hat koljazao mir vorgeschlagen, Johann Schloemanns merkwürdigen Text zu kommentieren, was ich nun mit Vergnügen und Verspätung zu tun gedenke:

Es ist falsch, die Vollverschleierung zu verbieten.

Prima, wir sind uns einig, schönen Abend no-

Dennoch gibt es gewichtige demokratische Argumente gegen Burka und Nikab.

Äh. Joa. Och. Ähm. Ja meinetwegen, bestimmt, was auch immer demokratische Argumente sind, ist schon okay, also dann, schönen A-

Man sollte sie nicht einfach als illiberal und intolerant abtun.

Stimmt. Wahrscheinlich nicht. Wenn sie doch gewichtig und demokratisch sind. Hach. Na gut, Herr Schloemann, dann lassen Sie mal hören.

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Kleider machen Leute.

3. Juli 2014

Ich habe gestern diesen Beitrag geschrieben, in dem ich über die jüngste EGMR-Entscheidung zum französischen Verhüllungsverbot schimpfe, und nicht erst wegen Golda Meirs Kommentar bereue ich seitdem, Anlass zu der Vermutung gegeben zu haben, ich wäre der Meinung, derlei Unfug sei eine Spezialität der Franzosen, oder der Belgier, die eine ähnliche Vorschrift haben und deshalb vor dem EGMR auf Frankreichs Seite standen.

Nein, so ziemlich jedes Land schreibt seinen Bürgern und deren Besuchern vor, wie sie sich anzuziehen haben, soweit ich weiß, oder macht zumindest Vorgaben dazu. Auch hier im kuscheliegen Deutschland haben wir nicht die Wahl, wie und ob wir uns kleiden, sondern müssen in aller Regel mit Strafe rechnen, wenn wir uns nicht in der Form verhüllt haben, dass der Rest der Gesellschaft für angemessen befindet.

Und das ist natürlich genauso inakzeptabler und unsinniger Quatsch wie das Verhüllungsverbot in Frankreich, und genauso dumm begründet, vielleicht mit dem geringfügigen Unterschied, dass sie die deutschen Staatsgewalten immerhin darauf berufen können, dass nackte Menschen in der Öffentlichkeit tatsächlich regelmßig eine Störung verursachen, wobei ich natürlich behaupten würde, dass diese nicht von ihnen ausgeht, sondern von den armen bornierten Personen, die sich an ihnen stören, was die Staatsgewalten ein winziges bisschen exkulpiert (wiewohl ich natürlich von ihnen fordern würde, dass sie nicht Unschuldige bestrafen, sondern die Verantwortlichen für ein Problem, wenn sie sich denn schon mal anmaßen, überhaupt jemanden zu bestrafen.), das Gesamtversagen der Gesellschaft aber nicht weniger beschämend macht.

Insofern gilt mein Aufruf zur allgemeinen Scham natürlich nicht nur den Franzosen, sondern uns allen, die wir es in all der Zeit immer noch nicht geschafft haben, eine Gesellschaft zu errichten, die auf blödsinnige Gängelei, willkürliche Bestrafungen und völlig ungerechtfertigte Bevormundung ihrer Mitglieder verzichtet. Ich bin ziemlich überzeugt, dass wir es besser könnten. Aber das macht es im Ergebnis natürlich eher noch schlimmer.

Oder was meint ihr?


Man kann sich gar nicht so viel verhüllen, wie man … äh … Naja.

2. Juli 2014

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat nun also entschieden: Das Verbot von gesichtsverhüllenden Kleidern in Frankreich verstößt nicht gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das ist jetzt eher so mittelüberraschend, klar, und ihr kennt meine Position in der Sache ja ohnehin schon, aber ich finde trotzdem, dass man über die Begründung mal ein bisschen nachdenken darf, und sich fragen, wer sämtlichen für dieses Ergebnis verantwortlichen womöglich in ihrer Kindheit weh getan haben mag, oder so, dass aus ihnen solche Menschen geworden sind.

the Court accepted that the barrier raised against others by a veil concealing the face in public could undermine the notion of “living together”. In that connection, it indicated that it took into account the State’s submission that the face played a significant role in social interaction. The Court was also able to understand the view that individuals might not wish to see, in places open to all, practices or attitudes which would fundamentally call into question the possibility of open interpersonal relationships, which, by virtue of an established consensus, formed an indispensable element of community life within the society in question. The Court was therefore able to accept that the barrier raised against others by a veil concealing the face was perceived by the respondent State as breaching the right of others to live in a space ofsocialisation which made living together easier.

Das ist laut der Pressemitteilung des EGMR die tragende Erwägung.

Zusammengefasst auf Deutsch: Frankreichs Vertreter meinten, dass die Franzosen eben einen Anspruch darauf haben, die Gesichter anderer Menschen zu sehen, und nicht wünschen, an öffentlichen Orten Praktiken oder Haltungen zu sehen, die die Möglickeit zwischenmenschlicher Beziehungen fundamental infrage stellen, und weil Burkas das tun, halten nicht nur das französische Parlament und die französische Regierung es für legitim, Leute zu bestrafen, die anderen lieber nicht ihr Gesicht zeigen möchten. (Und darüber hinaus will Frankreich natürlich die armen Frauen nur vor Unterdrückung beschützen und befreien, indem es sie zwingt, sich so anzuziehen, wie die Franzosen das für richtig halten, und sie sonst bestraft. Isjaklar, ne?)

Mir fällt nicht viel ein, was ich noch sagen könnte, um die unfassbar dummdreiste Anmaßung und widerliche Heuchelei in dieser Haltung angemessen zu kommentieren oder zu verdeutlichen. Diese Begründung spricht für sich selbst. Oder vielmehr gegen sich selbst. Und ich schäme mich, Teil der Gesellschaft zu sein, die sie gerade offiziell für akzeptabel befunden hat.Schämt sich jemand mit? Und noch wichtiger: Weiß jemand, wo man online vernünftige Burkas bestellen kann? Die Auswahl bei Amazon kommt mir nicht ganz zufriedenstellend vor.


Mehr Fairness im Netz

28. Juni 2014

Ayn Rand hätte ihre Freude, wenn sie noch vom Leistungsschutzrecht erfahren hätte, und mich ärgert das ein bisschen, denn ich gönne es ihr nicht. Sogar in ihrer völlig albernen Karikaturwelt waren die Schmarotzer nicht dummdreister und widerlicher, und obwohl ich nur das eine Buch von ihr gelesen habe, will ich wetten, dass sich in ihrem gesamten Werk kein erbärmlicheres Beispiel dafür findet, wie sich Menschen hinter dem Rockzipfel der Staatsgewalt vor der bösen Welt zu verstecken versuchen und schimpfend und zeternd Leviathan dazu auffordern, die Hand, die sie füttert, doch noch ein bisschen kräftiger zu beißen.

Da ist also diese Gemeinschaft von Verlagen, die sich einerseits einbilden, eine unersetzlich kostbare Leistung zu erbringen, die unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Wert konstitutiv für unsere Gesellschaft und die Demokratie und wahrscheinlich auch für den Fortbestand von süßen Katzenbabys ist und ohne die aber auch wirklich gar nichts mehr ginge, und andererseits der Meinung sind, dass diese Leistung nicht angemessen vergütet wird, weil es da dieses niederträchtige, ebenso dreiste wie durchsichtige Unternehmen gibt, das sie anderen Menschen zugänglich macht, davon profitiert, und ihnen dadurch die Kunden und Umsätze wegschnappt, die sie gerne selbst hätten. Auf allfällige Hinweise, dass es ihnen ja jederzeit frei stünde, ihre kostbaren Inhalte nur noch direkt zu vertreiben und durch wenige Tastendrücke dem Zugriff des niederträchtigen Parasiten zu entziehen, reagieren sie wahlweise gar nicht oder mit unverschämten Lügen, und fordern stattdessen eine gesetzliche Regelung, die ihnen eine zwangsweise Vergütung für die Nutzung ihrer Inhalte garantiert, die ihnen wahlweise entweder sowie schon zugestanden hätte oder jetzt willkürlich allen anderen Produzenten anderer Inhalte vorenthalten wird.

Darauf reagiert – wer hätte das gedacht? – der niederträchtige Parasit mit dem Angebot, die kostbaren Inhalte der Verlage einfach nicht mehr weiter zu verbreiten, gibt ihnen aber auch die Möglichkeit, auf ihren Vergütungsanspruch zu verzichten, wenn er es doch tut. Die Verlage entscheiden sich daraufhin mit überwältigender Mehrheit dafür, den Parasiten weiter machen zu lassen, ohne die Gebühr zu bezahlen, weil sie genau wissen, dass in Wahrheit sie selbst es sind, die bisher  unentgeltlich von der Leistung anderer profitiert haben, und dass sie auf die Leistung des Parasiten nicht verzichten können, wenn sie überleben wollen.

Als den Verlagen klar wird, was passiert ist, und wie unschön das ist, beschließen sie nach einiger Bedenkzeit, dass es ja wohl nicht sein kann, dass so unfassbar unverzichtbare Säulen der Gesellschaft, wie sie es sind, sich jetzt schon entscheiden müssen, ob sie ihren Kuchen essen oder behalten wollen. Wo kämen wir denn da hin? Wutentbrannt fordern sie beides: Der Parasit möge bitte zahlen, und zwar ohne die Möglichkeit, auf die Leistung zu verzichten, von der er angeblich so sehr profitieren soll, was – wir erinnern uns – ursprünglich mal die Rechtfertigung der ganzen Aktion war.

Und die Politik ist natürlich dabei, was sicher nichts damit zu tun hat, dass etwa die SPD erhebliche Teile ihres Vermögens in Verlage investiert hat, so dreist und durchsichtig wären die bestimmt nie. Andererseits ist anders schwer erklärbar, auf wie unverschämte Weise sich zum Beispiel unser Justizminister Herr Maas (SPD) öffentlich auf die Seite der Verlage stellt und nun behauptet, wenn Google aufhören würde, auf unverschämte Weise von den ehrlich im Schweiße ihres Angesichts erarbeiteten Leistungen deutscher Verlage zu profitieren, was – ich denke, man kann nicht oft genug dran erinnern – der ursprüngliche Vorwurf der Verlage war, dann wäre das Zensur, und weiter:

Es kann nicht sein, dass Internet-Giganten ihre Marktmacht missbrauchen, um sich auf Kosten deutscher Verlage zu bereichern. Das ist nicht gerecht, das ist nicht fair.

Wir halten fest: Wenn Google die Inhalte der Verlage (auszugsweise) in seinen Suchergebnissen anzeigt und zugänglich macht, dann profitiert es damit auf unlautere Weise von ihrer Leistung, und wenn Google das nicht mehr tut, dann … auch. Oder so. Und deshalb soll Google zahlen, und zwar ordentlich, und zwar schnell, weil sonst ist das nicht fair.

Und währenddessen fordert unsere Arbeitsministerin Frau Nahles (SPD) eine Ausnahme vom Mindestlohn für Zeitungsausträgerinnen, weil es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können, dass es natürlich für das Fortbestehen unserer Gesellschaft unverzichtbar ist, dass wir jeden Tag Tonnen von Papier durchs Land fahren, in denen Leute dann lesen können …

Hat noch jemand das Gefühl, dass da irgendwas strukturell kaputt ist?


Ich bin ja nicht homophob, aber

4. Juni 2014

es wäre in meinen Augen schon evident rational, gerecht und somit für einen ja doch irgendwie säkularen Rechtsstaat die einzig angemessene Lösung, die blödsinnige, insbesondere steuerliche, Bevorzugung bestimmter Formen des binären Zusammenlebens, seien sie nun hetero oder homo, (sowie die strafrechtliche Verfolgung anderer Formen) ganz einzustellen und es jeder einzelnen zu überlassen, ob er (oder sie) gerne alleine, zu zweit mit Mann, Frau, Bruder, Schwester, Onkel, Eltern- oder Großelternteil oder auch zu siebzehnt in allen möglichen wechselnden Konstellationen von sexueller oder auch nur platonischer, freundschaftlicher oder romantischer, oder auch ganz ohne jede Form von Liebe einfach nur als wie auch immer geartete Interessengemeinschaft beliebig lange Abschnitte ihres (bzw. seines) Lebens verbringen will.

Denn, ja gut, klar, man kann die Ungleichbehandlung homosexueller Paare nicht vernünftig rechtfertigen und sollte sie deshalb heterosexuellen Paaren gleichstellen. Aber wenn das nur dazu führt, dass dann halt in Zukunft hetero- und homosexuelle Paare gegenüber allen anderen Konstellationen unfair bevorzugt werden, ist es schon irgendwie … kein so richtig befriedigender Fortschritt, und schon wirklich arg kurz gedacht, oder?

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.


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