Aber ich fürchte, der hier meint es total ernst.

12. August 2010

Ich sage das nicht leichtfertig, ich habe gründlich darüber nachgedacht, und ich rechne damit, dass einige von euch mir widersprechen könnten, aber doch: Nachdem ich mich gerade noch über Peter Richters Alkoholverbotsartikel geärgert gewundert habe, bin ich nun auf den mit hoher Wahrscheinlichkeit dümmsten, melodramatischsten, borniertesten, peinlichsten und, ja, menschenfeindlichsten Artikel gestoßen, den ich je bei faz.net gelesen habe. Es handelt sich um “Die Menschenleser” von dem Direktor der Nordrhein-Westfälischen Landesanstalt für Medien Norbert Schneider. Er lässt sich ganz gut so zusammenfassen, wie faz.net das auch unter der Überschrift getan hat:

“Wer sich im Netz preisgibt, wird zu einem Menschen zweiter Schöpfung: Er gibt den digitalen Göttern Gelegenheit, jede Kontrollmöglichkeit auszunutzen. Es ist an der Zeit, eine vernünftige Regulierung für die Kontrolleure zu finden.”

Und da steht auch gleich schon alles drin, was ich so albern finde an Herrn Schneiders Werk: Schwülstiger Ausdruck bis weit über die Grenze der Selbstparodie hinaus, sinnlose religiöse Anspielungen, ein Habitus, als warnte er vor dem unmittelbar bevorstehenden Herabfallen des Himmels, und die feste Überzeugung, dass wir alle seinen Schutz brauchen, weil wir sonst unsere Individualität, unsere Würde und unseren freien Willen verlieren. Bloß gut, dass es da so selbstlose Menschen wie ihn gibt, die uns in ihrer Güte vorschreiben, wie es richtig geht. Und uns deutlich sagen, wie es falsch ist, nämlich so, wie es zurzeit läuft:

“Konjunktur hat das Öffentliche. Man isst im Freien und telefoniert dabei ungeniert. Statt Gärtchen – der Biergarten. Die Mode veröffentlicht menschliche Körper. Public viewing breitet sich aus. Exhibitionismus wird chic. In der Talkshow, in der Castingshow, im Container von Big Brother”

Wahnsinn. Herr Schneider hat den Exhibitionismus und die Freude an der Öffentlichkeit als neuen Trend ausgemacht. Wie wird er wohl reagieren, wenn er den Buchdruck entdeckt?

“Doch an diesem Punkte wird die neue Anthropologie prekär. Der Mensch als Datenträger wird, indem er lesbar gemacht wird, auch steuerbar, vorhersehbar, kontrollierbar. Er wird, ohne davon irgendetwas zu wissen, zum Objekt einer auf Dauer gestellten Rasterfahndung”

Und das ist dieser Schritt, den er uns nicht so richtig erklärt und der mir auch nicht einleuchtet. Herr Schneider meint, wenn ich im Netz etwas über mich verrate, dann werde ich dadurch unweigerlich “steuerbar”, verliere also meine Fähigkeit, für mich selbst Entscheidungen zu treffen. Ich denke bei dieser Art der Argumentation immer mit einem Schmunzeln an die Gnome in South Park. Schritt 1: Unterhosen klauen. Schritt 2: ? Schritt 3: Profit! Und damit sind wir auch gleich beim Thema:

“[Unsere Daten] werden zur Grundlage von Geschäftsmodellen”

Gütiger Himmel, ja! Man stelle sich vor: Unternehmen nutzen das, was wir ihnen über uns verraten haben, um uns möglichst attraktive Angebote machen zu können! Heilige Marktwirtschaft, Batman, auf zum Medienanstaltmobil!

“Wieder einmal steht nicht weniger als die Würde des Menschen auf dem Spiel.”

Genau. Ich vermute, wenn Herr Schneider vergisst, den Reißverschluss an seiner Hose hochzuziehen, steht für ihn auch jedes Mal nicht weniger als die Würde des Menschen auf dem Spiel. Wieder einmal. Klar, wenn man will, kann man jeden Quatsch irgendwie auf die Würde des Menschen zurückführen. Ich finde aber, dass man ruhig erst mal versuchen sollte, ein paar Stufen niedriger anzusetzen, wenn man nicht ausgelacht werden will.

“Zum Menschenbild der ersten Schöpfung gehört der freie Wille – mit allem, was daraus werden kann. Es ist dafür zu sorgen, dass in einer zweiten Schöpfung dieser freie Willen nicht faktisch ausgelöscht wird.”

Falls das für euch zu schnell ging, noch einmal zum Mitschreiben: Herr Schneider ist der Meinung, dass wir unseren freien Willen auslöschen, indem wir Sachen ins Internet schreiben. Natürlich nur, wenn wir uns dabei nicht an seine Regeln halten. Und hier schimmert meiner Meinung nach das Gefährliche an dieser Denkweise durch:

Herr Schneider sieht, dass wir freiwillig unsere Daten anderen zur Verfügung stellen, und er findet das anscheinend irgendwie anstößig. Außerdem glaubt er, dass wir uns damit schaden. Ich persönlich finde das ein bisschen albern, aber wer weiß, vielleicht hat er ja Recht, und es steht ihm auf jeden Fall zu, uns davor zu warnen, wenn er es nun einmal so sieht.

Das reicht ihm aber nicht. Er weiß so genau, was gut für uns ist, dass er es per staatlichem Zwang herbeiführen will. Natürlich nur zu unserem Besten. Er meint es gut. Und das wird auch nicht besser dadurch, dass seine konkreten Vorschläge (Transparenz des Datenverkehrs und weitgehende Eigentumsrechte an den eigenen Daten) zunächst mal gar nicht besonders bedrohlich daherkommen. Dennoch geht es hier um eine Einschränkung individueller Freiheit, und der völlig überzogene Alarmismus, mit dem er argumentiert, lässt mich durchaus vermuten… Was? Wie? Sie wollen noch was sagen, Herr Schneider? Nur zu.

“Geht es so weiter wie bisher, dann wird eine Pointe der zweiten Schöpfung sein, dass die digitalen Götter sich dadurch an der Macht halten, dass sie eine Kontroll-Lücke schließen – indem sie eine Videokamera auch noch auf den Baum der Erkenntnis richten.”

Oh… Schon gut. Kann dem Mann bitte mal jemand ein kaltes Tuch bringen, oder seine Pillen, oder ein Schmetterlingsnetz?

Ich könnte dazu noch so vieles sagen, aber zum Glück gibt es einen, der das alles viel besser ausdrücken kann, als ich es mit Worten je könnte.


Ich habe einen Schatz gefunden (2)

18. Juli 2009

Du weißt, dass der Tag dein Freund ist, wenn du 274g Mango Melody in einem Beutel findest, der eigentlich nur 150g enthalten dürfte.

Mein Schatzzsss


Ein Beitrag zum Umweltschutz

9. Juli 2009

Wenn mein Mobitelefonie-Anbieter mir mailt, steht in der Fußzeile der Satz: “Nicht jede E-Mail muss ausgedruckt werden.”

Guter Ansatz. Ich habe noch mehr Tipps, die dazu beitragen können, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten:

“Nicht jedes wildlebende Tier muss erschossen werden.”

“Nicht jedes Auto muss verschrottet werden, nur weil der Aschenbecher voll ist.”

“Nicht jeder Wald muss brangerodet werden.”

Und für die ganz harten Umweltsünder noch mal der nachdrückliche Hinweis:

“Nicht jede Nuklearwaffe muss gezündet werden.”


Ich habe einen Schatz gefunden

26. Juni 2009

Du weißt, dass der Tag dein Freund ist, wenn du zwei kleine Holzlöffel im Deckel deines Ben&Jerry’s-Eis-Bechers entdeckst, wo eigentlich nur einer sein dürfte.

2 Holzlöffel


Bad Bank

14. Juni 2009

Bad Bank

Tut mir Leid. Ich konnte nicht anders.


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