Wenn das Leben eine Folge Criminal Minds wäre

30. März 2013

Die Kamera schwebt von oben auf ein lange nicht mehr geputztes Fenster eines schlichten Bürogebäudes in einem industriell geprägten Gewerbegebiet zu.

Muriel [in nachdenklichem Tonfall, aus dem Off]: “Jean-Jacques Rousseau hat einmal gesagt: ‘Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.'”

Durch das Fenster hindurch sehen wir drei Menschen in einem etwas zu großen Konferenzraum um einen für diesen etwas zu kleinen Tisch sitzen. Einer von ihnen ist ein recht korpulenter Mann mit einem weißen Bürstenhaarschnitt (Herr Müller) einer ist Muriel, und einer ist eine blonde Frau Mitte vierzig (Frau Gantner).

Muriel: “Wie Sie wissen, Frau Gantner, gibt es vier Arten von Rollstühlen: Pflegerollstühle, die typischerweise wegen ihrer Zusatzfunktionen recht groß und sperrig sind, Leichtgewichtrollstühle, die unsere Standardversorgung darstellen, Standardrollstühle, die wir trotz des Namens eigentlich nur selten ausliefern, und Aktivrollstühle als hochwertige Versorgung für mobilere Menschen mit Behinderung, die wir zwar gerne öfter verkaufen würden, für die uns aber das Klientel fehlt.”

Gantner: “Richtig, Herr Silberstreif. Wir handeln mit Rollstühlen.”

Müller: “Genau. Und mit Badewannenliftern. Und wenn wir mehr Aktivrollstühle ausliefern könnten, wäre das wirklich sehr vorteilhaft, denn da ist die Marge höher als bei den normalen.”

[Dramatische Musik beginnt langsam, sich aufzubauen.]

Muriel: “Wir sollten dringend über Maßnahmen reden, um…”

Die Tür öffnet sich, und eine vierte Person tritt ein, eine dunkelhaarige junge Frau (Frau Stein).

Stein: “Herr Silberstreif, das Pflegeheim Harpstorf hat angerufen.”

[Die Musik wird lauter und steuert entschlossen auf einen Höhepunkt zu.]

Gantner: “Mit diesem Pflegeheim arbeiten wir seit Jahren sehr erfolgreich zusammen.”

Muriel [Extrem-Close-up, mit entschlossen zusammengezogenen Augenbrauen]: “Worum geht es?”

Stein: “Sie haben überraschend eine Entlassung reinbekommen und brauchen ein AD-System.” [musikalische Untermalung erreicht Höhepunkt] “Noch heute.”

Muriel [springt auf]: “Ein AD-System!”

Gantner: “Antidekubitusmatratzen und Matratzenauflagen dienen zur Druckentlastung des Gewebes. Viele Hersteller bieten unterschiedliche Systeme an. Der Auflagedruck soll dabei auf möglichst viele Quadratzentimeter verteilt werden. Grundsätzlich kann eine Antidekubitusmatratze eine regelmäßige Lagerung des Patienten nicht ersetzen!”

Muriel: “Danke Frau Gantner.” [Stützt beide Hände auf den Tisch, blickt durchdringend zwischen seinen drei Gesprächspartnern hin und her.] “Sie wissen, was Sie zu tun haben.” [Hebt ostentativ die linke Hand und stellt seine Armbanduhr.] “Wir haben zwei Stunden.” [Drückt den Startknopf für den Countdown, die Kamera zoomt unter dramatischen Dam-dam-daaa auf die Anzeige.]

Die beiden Frauen eilen aus dem Raum, Muriel und Herr Müller bleiben zurück.

Müller: “Glauben Sie, wir schaffen das?”

Muriel: “Ich weiß nicht. Aber dies hier ist verdammt noch mal das beste Team auf der ganzen Welt. Wenn wir es nicht schaffen, wer dann?”

[Fade-Out, Schwarzer Bildschirm, Titel und Erkennungsmelodie]

Muriel [aus dem Off, wieder in demselben getragenen Tonfall]: “Albert Einstein sagte: ‘Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.'”

Die Kamera schwebt auf einen mit quietschenden Reifen durch die Straßen einer generischen deutschen Kleinstadt rasenden weißen Renault Trafic, in dem eng zusammengedrängt Muriel, Frau Gantner und Herr Müller sitzen. Frau Gantner fährt.

Muriel [auf die Uhr schauend]: “Wir haben noch fünfzehn Minuten.”

Gantner [Ohne ihren Blick von der Straße zu nehmen]: “Vertrauen Sie mir.”

Müller: “Viele Entlassungen werden durch die Kliniken sehr kurzfristig entschieden und müssen dann innerhalb von wenigen Stunden durch die Überleitung organisiert werden.”

Muriel [mit zusammengezogenen Augenbrauen und unheilschwangerer Stimme]: “Eine besorgniserregende Tendenz, die durch weitere Sparmaßnahmen der Kostenträger immer mehr verstärkt wird.”

Der Lieferwagen kommt mit abermals quietschenden Reifen vor dem Eingang eines Pflegeheimes zum Stehen, alle drei Insassen springen heraus. Muriel und Frau Gantner öffnen je eine eine Tür des Laderaums und ziehen unter hektischer musikalischer Untermalung eine zusammengerollte in Folie verpackte Antidekubitusmatratze daraus hervor. Muriel klemmt die Matratze unter den Arm und joggt damit in Richtung des Eingangs. Eine weiß gekleidete Pflegekraft tritt aus der automatischen Tür und begrüßt ihn ernsten Blickes.

Pflegekraft: “Sind Sie …”

Muriel [zieht ein Ausweisetui aus seiner Jacketttasche und klappt es für die Pflegekraft auf]: “Sanitätshaus. Wo ist der neue Bewohner?”

[Die Musik macht schon wieder Anstalten, dramatisch zu werden.]

Pflegekraft [stemmt die Arme in die Hüften]: “Wir haben ein Problem.”

Gantner: “Möge Gott uns allen gnädig sein!”

Müller: “Was ist los?”

[Die Musik schwillt schon wieder spannungsgeladen an.]

Pflegekraft: “Wir brauchen außerdem noch eine Toilettensitzerhöhung!”

Muriel [sich zu Frau Gantner umdrehend, die Finger bereits an seiner Armbanduhr]: “Sie wissen, was zu tun ist!”

[Fade-out, schwarzer Bildschirm, Werbung]


Etwas umfangreicheres und meiner unmaßgeblichen Ansicht nach ungewöhnlich interessantes Restebloggen (79)

20. Dezember 2011
  1. Wir diskutieren jetzt über Christian Wulff? Im Ernst? Ja, aber… Wieso das denn?
  2. Dem Kunden ist ein von uns angenähter Gurt abgerissen. Wir haben ihn erneut angenäht. Jetzt will er von mir eine schriftliche Bestätigung, dass die Naht hält. Wahrscheinlich will er die dann dem Gurt vorlegen, falls der wieder auf dumme Ideen kommt.
  3. Christopher Hitchens und Kim Il-Sung  Jong-Il [Danke für den Hinweis an 19Uhr30. Manchmal bin ich echt so doof.] sind gestorben. Sie werden mir beide fehlen, irgendwie. Aber seinen eigenen Nachruf darf nur Herr Hitchens hier veröffentlichen:
    Dear fellow-unbelievers,
    Nothing would have kept me from joining you except the loss of my voice (at least my speaking voice) which in turn is due to a long argument I am currently having with the specter of death. Nobody ever wins this argument, though there are some solid points to be made while the discussion goes on. I have found, as the enemy becomes more familiar, that all the special pleading for salvation, redemption and supernatural deliverance appears even more hollow and artificial to me than it did before. I hope to help defend and pass on the lessons of this for many years to come, but for now I have found my trust better placed in two things: the skill and principle of advanced medical science, and the comradeship of innumerable friends and family, all of them immune to the false consolations of religion. It is these forces among others which will speed the day when humanity emancipates itself from the mind-forged manacles of servility and superstitition. It is our innate solidarity, and not some despotism of the sky, which is the source of our morality and our sense of decency.
    That essential sense of decency is outraged every day. Our theocratic enemy is in plain view. Protean in form, it extends from the overt menace of nuclear-armed mullahs to the insidious campaigns to have stultifying pseudo-science taught in American schools. But in the past few years, there have been heartening signs of a genuine and spontaneous resistance to this sinister nonsense: a resistance which repudiates the right of bullies and tyrants to make the absurd claim that they have god on their side. To have had a small part in this resistance has been the greatest honor of my lifetime: the pattern and original of all dictatorship is the surrender of reason to absolutism and the abandonment of critical, objective inquiry. The cheap name for this lethal delusion is religion, and we must learn new ways of combating it in the public sphere, just as we have learned to free ourselves of it in private.
    Our weapons are the ironic mind against the literal: the open mind against the credulous; the courageous pursuit of truth against the fearful and abject forces who would set limits to investigation (and who stupidly claim that we already have all the truth we need). Perhaps above all, we affirm life over the cults of death and human sacrifice and are afraid, not of inevitable death, but rather of a human life that is cramped and distorted by the pathetic need to offer mindless adulation, or the dismal belief that the laws of nature respond to wailings and incantations.
    As the heirs of a secular revolution, American atheists have a special responsibility to defend and uphold the Constitution that patrols the boundary between Church and State. This, too, is an honor and a privilege. Believe me when I say that I am present with you, even if not corporeally (and only metaphorically in spirit…) Resolve to build up Mr Jefferson’s wall of separation. And don’t keep the faith.
    Sincerely
    Christopher Hitchens
    Naja. Wenn ich ehrlich sein soll: Hätte Herr Kim einen geschrieben, hätte ich den vielleicht auch übernommen.
  4. Ars Libertatis schreibt über Adbusters’ Ideen zur Transaktionssteuer und zum Buy-Nothing-Day genau das, was ich auch gern geschrieben hätte:
    “Ich kaufe mir ehrlich gesagt sehr selten etwas Unnützes. Ich habe zwar auch schon Fehlkäufe getätigt, aber ich hatte nie die Absicht, mir etwas zu kaufen, das mir keinen Nutzen spenden wird. Wenn die Adbuster-Leute dies aber häufig tun, dann ist es wohl gut, wenn sie mal einen Tag lang nichts kaufen und darüber nachdenken, wie sie Fehlkäufe vermeiden und ihren persönlichen Nutzen erhöhen können.”
  5. xkcd hat ein paar fantastische Ideen für optimierte Eselsbrücken. Besonders gefällt mir “Polycytic Ovarian Syndrome Does Cause Problems That Judicious Contraceptives Partially Negate”, aber “Karl Marx Gave The Proletariat Eleven Zeppelins, Yo” ist auch ganz gut.
  6. Für alle die, die unzufrieden sind, weil Atheisten zu wenig auf dem Islam herumhacken, und die das ändern wollen, gibt es jetzt bei islamischerverein die ideale Hackvorlage: Warum greift der Atheismus (ilhad) immer weiter um sich?
    “Der Mangel an ernsthaften Bemühungen um Reflexion schlägt schnell in Nachlässigkeit, Achtlosigkeit und anschließend dann in Atheismus und gelegentlich sogar in Verachtung der Religion um. Atheismus ist also nicht das Resultat vernünftiger Überlegungen, unmittelbarer Erkenntnis und Erfahrung oder wissenschaftlicher Wahrheit, sondern die Konsequenz passiver Gleichgültigkeit oder aktiver und militanter Rebellion.”
  7. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger,
    Anatol Stefanowitsch setzt sich im Sprachlog gerade mit dem generischen Maskulinum im Speziellen und desöfteren mit diskriminierender Sprache im Allgemeinen auseinander. Das Problem beschäftigt mich naturgemäß auch immer mal wieder, denn ich schreibe ja nun einmal, und gerade in erfundenen Geschichten stellt sich immer wieder die Frage, wie man mit gewissen Assoziationen und Vorurteilen umgeht, die gewisse Wörter mit sich bringen. Mir ist in dem Zusammenhang aus aktuellem Anlass (Bright Outlook) ein bestimmter Aspekt des Themas sehr präsent:Wie gehe ich als Autor mit der ethnischen Zuordnung meiner Figuren um? Schreibe ich bei hellhäutigen Charakteren immer dazu, dass sie hellhäutig sind, oder gehe ich davon aus, dass der Leser sich das schon denken wird, wenn ich nicht explizit erwähne, dass sie eine andere Hautfarbe haben? Wie mache ich das bei anderen Ethnien? Schreibe ich bei jedem Schwarzen gleich, dass er schwarz ist, oder erwähne ich es erst, wenn es eine Rolle spielt? In manchen Situationen ist die Antwort ganz einfach, aber in manchen auch gar nicht. Wie empfindet ihr das als Leser, oder vielleicht ja sogar als Autoren?

Restebloggen (76)

24. Oktober 2011
  1. Letzte Woche dreimal nacheinander mit drei verschiedenen Krankenkassen: Wir erhalten einen Brief von unserem Dachverband, in dem sie eine Vertragsabsicht/Ausschreibung ankündigen und uns bitten, uns zur Anforderung der Unterlagen an Mitarbeiterin@Krankenkasse.de zu wenden. Ich schreibe also die erbetene Mail und bekomme eine ziemlich barsche Antwort zurück, in der steht, dass ich mir die Unterlagen doch bitte unter http://www.sonstwas.com/Ausschreibungen runterladen und mich nur für dann noch offene Fragen an die Mitarbeiterin wenden soll. Ich habe das Gefühl, dass man diesen Prozess irgendwie effizienter gestalten könnte. Ich komme nur noch nicht drauf, wie…
  2. Wer nervlich nicht so belastbar ist, möchte sich “He Dies at the End” vielleicht lieber nicht ansehen. Ich persönlich fand den Kurzfilm sehr unterhaltsam und muss zumindest für mich selbst zugeben, dass er trotz der lächerlich einfachen Mittel erschreckend gut funktioniert hat. Mit Dank an Jeff Strand für den Tipp:
  3. Matt Dillahunty hat genau die richtigen Worte für den Papst gefunden. Es geht hier zwar konkret um den Kommentar des Papstes zu den Anschlägen vom 11. September 2001, passt aber zu jeder Gelegenheit.
  4. Für diejenigen unter euch, die sich schon immer gewünscht haben, dass jemand mal die Tafelanschriften in Pornos auf Richtigkeit und Informationswert prüft, gibt es Blackboards in Porn.
  5. Völlig unabhängig von ihrer politischen (und religiösen und religionspolitischen) Orientierung finde ich die polittische Geschäftsführerin der Piratenpartei Marina Weisband gerade ganz toll. Weil sie bedeutende Fragen stellt wie “Ab welchem prozentualen Verhältnis zwischen Medikamenten und Frühstück wird es eigentlich bedenklich?“, und weil wir von ihr lernen können, wie man aus einem Herrenhemd ein Abendkleid macht.
  6. Weil faz.net ein Qualitätsmedium ist, übernimmt man vermeldetete Forschungsergebnisse dort nicht einfach nur kritiklos, sondern recherchiert ganz skeptisch, ob hinter den vermeintlich wissenschaftlichen Studien auch wirklich eine solide Methodik steckt und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind. Das macht man natürlich nur dann, wenn diese Ergebnisse einem nicht so gut in den Kram passen. Sonst muss das nicht sein. Aber immerhin.
  7. Liegt das eigentlich an mir, dass ich Helmut Schmidt inzwischen erheblich lustiger finde als Harald, letztem aber als Bundeskanzler und politischem Publizisten erheblich mehr zutrauen würde?

Oh, hallo Tischplatte. Schön, dich mal wieder zu treffen.

29. August 2011

Vor ungefähr zwei Jahren beglückte mich eine Kollegin mit der Nachricht, dass gerade ein Vertreter da gewesen sei, der eine Unterschrift von mir gebraucht hätte. Weil ich aber nicht da gewesen sei, so sagte sie, hätte sie das schnell für mich erledigt. Es wäre ja schon alles abgesprochen gewesen.

“Ja, nee”, sagte ich. “Da war eigentlich gar nichts abgesprochen.”

“Oh”, sagte sie.

Das wurde natürlich ein ziemliches Theater. Mein Vorgänger hatte sie früher schon mal für einen Auftrag bei demselben Vertreter unterschreiben lassen, deshalb wähnte der sich im Recht und sah überhaupt nicht ein, warum er den Auftrag stornieren sollte, aber am Ende einigten wir uns, und die Kollegin hatte ihre Lektion gelernt und versprach, sich nie wieder so über’s Ohr hauen zu lassen und nie wieder was zu unterschreiben, ohne mich vorher zu fragen.

Zwei Jahre vergingen.

Letzten Freitag hörte ich meine Mailbox ab, und fand darauf eine fröhlich-beschwingte Nachricht derselben Kollegin vor, mit dem ungefähren Wortlaut:

“Hallo Herr Silberstreif, ich wollte Ihnen sagen, ich habe gerade einen Auftrag für [ein Unternehmen] über [eine Leistung] unterschrieben, für [einen Preis], und ich hoffe, dass das in Ordnung war. Rufen Sie doch bitte mal zurück, vielen Dank!”

Ich rief zwar gleich zurück, aber da war sie schon in den Feierabend entschwunden, sie arbeitet nämlich nur halbtags. Ich hatte also das ganze Wochenende Zeit, mir zu überlegen, wie ich reagieren könnte. Und heute auch noch. Gut. Man will ja auch genau die richtigen Worte für sowas finden.


Restebloggen (71)

5. Juli 2011
  1. Wenn ein Leiter eines unserer Fachbereiche in meinem Beisein einem Kunden sagt, eine bestimmte Preisliste sei für ihn maßgeblich, und mir diese Preisliste dann schickt, damit ich sie zusammen mit anderem Kram an den Kunden weiterleite, und mir diese Preisliste dann aber komisch vorkommt und ich diese dynamische Führungskraft vorsichtshalber noch mal anrufe und frage, ob die Preisliste wirklich in dieser Form für diesen Kunden maßgeblich ist, wobei ich mir sehr dumm vorkomme, denn das hat er ja schon zweimal gesagt, und er mir dann aber sagt, nein, sei sie nicht, da käme noch ein Aufschlag dazu, weil wir für diesen Kunden noch zusätzliches Material kaufen müssten, er müsse sich aber noch mit dem Lieferanten in Verbindung setzen und könne deshalb den genauen Aufschlag noch nicht nennen: Was zur Hölle ist mit diesem Kerl nicht in Ordnung? Der Kunde hätte das sicher irre lustig gefunden, wenn ich ihm die Preisliste schicke, er sie einpflegt und bestellt, und dann, wenn unsere erste Rechnung kommt, feststellt, dass die tatsächlichen Preise nichts mit den vereinbarten zu tun haben. Und ich erst.
  2. Bei Unwise Sheep findet ihr das Zeugnis eines Mannes, der an Krebs stirbt:
    Die Bibel sagt in Matthäus 7,11, dass Gott  denen gute Gaben gibt, die ihn darum bitten. Gott kann mir keine schlechte Gabe geben. Aus dieser Sicht kann ich sagen, dass der Krebs das Beste ist, was mir jemals geschehen ist. Ich bin ein besserer Ehemann und Vater, ein besserer Chef und Angestellter, ein besserer Freund und ein besser Nachfolger Jesu. Durch den Krebs hat Gott mir einige erstaunliche Dinge von sich selbst gezeigt. Das sind tatsächlich wunderbare Gaben Gottes.
    Nuff said.
  3. Ich weiß nicht, ob es euch interessiert, aber ich finde es ziemlich spannend, dass der alte britische Grundsatz der Souveränität des Parlaments sich gerade mit der EMRK prügelt. Wie das wohl ausgeht?
  4. Falls ihr mal einen richtig schlechten Podcast über Atheisten hören wollt, dann findet ihr den bei Bayern 2. Schon nach den ersten vier Minuten zum Thema Agnostizismus hätte ich in den Tisch beißen können. Das Schlimmste dabei ist, dass ich nicht mal den Eindruck habe, “Jenseits von Gott – woran glauben Atheisten” würde irgendwas absichtlich falsch darstellen. Sie verstehen es nur eben einfach nicht.
  5. Die New York Times berichtet über die Schwierigkeiten, die sich in den USA für gleichgeschlechtliche Ehepaare daraus ergeben können, dass ihre Ehen nicht überall anerkannt werden:
    “Where can you get a divorce?” asked Tobias Barrington Wolff, a professor at the University of Pennsylvania Law School. “The answer might be nowhere, perversely.”

    Do a little reductio, and it’s not a long way to absurdum.

  6. Vor Kurzem hatte Matthias Matussek in der FAZ existentielle Nöte dadurch für erledigt erklärt, daß er selbst sie nie hatte. Am Sonntag hatte Henryk Broder in der Welt die Emanzipation der Schwulen und Lesben in Deutschland für abgeschlossen erklärt und Proteste gegen die vom Papst vertretene Homophobie für absurd befunden, denn der Papst würde sich ja auch nicht um den Nichtraucherschutz kümmern. Und gestern hat Jan Fleischhauer im Spiegel dem Volke erklärt, daß die Aufregung um Koch-Mehrins Post-Plagiats-Aktivitäten nur zur Ablenkung von der durch die 68er mit der Abschaffung der Habilitation ruinierten deutschen Universitätslandschaft dient.

    Die Wahrheit über die Wahrheit schenkt uns das Schwarze Fanal.

  7. Confused Matthew hält Minority Report auf sehr unterhaltsame Weise für den schlechtesten Film, den er je gesehen hat. Ich würde nicht ganz so weit gehen, aber es ist wirklich ein unfassbar schlechter Film. Bin aber nicht sicher, ob es in Bezug auf schiere Uninteressantheit mit Avatar und Herr der Ringe mithalten kann.

Restebloggen (63)

11. Januar 2011
  1. Montag gegen 11 komme ich aus einer längeren Besprechung und finde zwei Notizen auf meinem Schreibtisch. Eine von 08:10 mit dem Vermerk “Herrn H. ab 12 zurückrufen”, und eine zweite von 10:20 mit dem Vermerk: “Herr H., bitte um Rückruf”. Sowas passiert mir in letzter Zeit dauernd. Grassiert eine Epidemie von Telefon-Tourette?
  2. Lange nicht mehr so gelacht:
    You can either hang out in the Android Loop or in the HURD loop
  3. Lynnea will keine Kinder haben und hat darauf offenbar schon so oft dieselbe Antwort bekommen, dass sie einen sehr lesenswerten Artikel drüber geschrieben hat:
    Maybe you’ll change your mind.” This has always bothered me every time people would tell me this, and it took me awhile to piece together exactly why, but I feel like I’ve put it all together by now, so I’ll go through all the subtly offending social pressures that this phrase exerts.
  4. Falls ihr mal wieder was Tragikomisches lesen wollt, könnt ihr das hier bei der Zeit:
    Heute muss zur Skepsis gehören: Zweifeln auch an diesem religionsfeindlichen Dogma und Offenheit für die spirituellen Erfahrungen, die viele Menschen gemacht haben, Ernstnehmen der geistig-seelischen Lebenswelt der Menschen, aber auch Zulassen von Fragen, die die Wissenschaften nicht beantworten können, wie zum Beispiel die Frage nach dem Sinn des Ganzen, nach den Aufgaben, die uns gestellt sein mögen, nach einer schlüssigen Begründung für die Würde des Menschen und ihre Unantastbarkeit.
    Besonders der letzte Teil ist so skurril, dass ich gar nicht so richtig weiß, wie ich damit umgehen soll. Eine schlüssige Begründung für die Würde des Menschen und ihre Unantastbarkeit. Ähm… Ja. Nein, dazu kann ich nichts weiter sagen.
  5. In Philoso4 schon erwähnt, jetzt auch hier verlinkt: “Apple Claims New iPhone Only Visible To Most Loyal Of Customers“. Unbedingt lesen!
  6. Immer, wenn ich meine beiden Ordner mit den Arbeitsverträgen sehe, lächle ich und schüttle den Kopf. Ich habe sie selbst beschriftet. Auf dem einen steht “A-M”, auf dem anderen “M-Z”. Ich werde das voraussichlich nie korrigieren. Ich bilde mir ein, dass es mich daran erinnert, demütig zu bleiben.
  7. Stefan Niggemeier hat eine Meinung zu “Deutschland sucht den Superstar”, und Matthias Schumacher eine andere. Ich sehe das eher wie Matthias, muss aber zugeben, dass ich die Sendung schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe und deshalb vielleicht nicht so gut geeignet bin, das zu beurteilen. Und ihr?

Restebloggen zum Wochenende (52)

15. August 2010
  1. Wenn ich nicht irgendwo einen Denkfehler mache, heißt die 52 da oben, dass es das Restebloggen jetzt seit einem Jahr gibt. Yay Restebloggen!
  2. Montag habe ich mich immer wieder mal beiläufig gewundert, warum bei uns im Büro so komische Gummidichtungen über den Heizkörpern hingen. Erst Dienstag wurde mir klar, dass ein Zusammenhang mit den Malern bestehen könnte, die gerade die Fensterrahmen neu strichen.
  3. Das BildBlog listet die schlechtesten Gründe gegen Googles StreetView auf, und ich möchte dazu sagen: Wenn jemand gute kennt, immer her damit, mir wären die neu. Ich bin da ziemlich komplett auf der Seite von Anatol Stefanowitsch, der da schreibt:
    Eure Privatsphäre beginnt hinter eurer Wohnungstür. Der Anblick eurer Häuser und Vorgärten ist öffentliches Eigentum.
  4. Dancing is illegal. Wahrscheinlich erinnert sich niemand außer mir, dass das mal das Motto einer durchaus sympathischen, sehr obskuren Mobiltelefonmarke war.

    Heute ist es anscheinend das Motto des Bundesstaates Baden-Württemberg:
    Derzeit dürfen die etwa 600 Diskotheken im Südwesten am Sonntagfrüh zwar bis 5 Uhr morgens geöffnet sein, müssen aber um 3 Uhr ihren Gästen das Tanzen verbieten.” [via Filterblog]
  5. Eine Kundin hat seit Mai eine Matratze von uns. Nun ruft sie bei uns an, weil sie kürzlich festgestellt hat, dass mit der Matratze offenbar etwas nicht stimmt. Ihrer Putzfrau ist nämlich aufgefallen, dass da ganz viel Staub unter dem Bett lag. Und das kann natürlich nur daran liegen, dass die Matratze staubt. Ich glaube, ich muss meinen Matratzenlieferanten auch anrufen, denn mit meiner habe ich das gleiche Problem, wenn ich eine Zeitlang nicht sauber gemacht habe…
  6. Ich weiß, Matrix ist so lange her, dass sich eigentlich schon keiner mehr dran erinnert, aber Nykytyne hat hier so schön über den Film geschimpft, dass ich euch das zeigen muss:

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