Restebloggen (86)

16. März 2013

Und wegen der großen Nachfrage gleich noch mal:

  1. Ob wohl irgendwann mal jemand ein DVD- oder BlueRay-Startmenü entwickelt, dessen Soundschleife nicht so aufgebaut ist, dass man schon nach einer Minute seinen Player am liebsten aus dem Fenster werfen will, und nach zwei vorher noch den Fernseher eintreten? Bin ich denn der einzige Mensch, der die Scheibe manchmal erst einlegt und sich dann noch was zu essen macht oder sonstwas vorbereitet, bevor es losgeht?
  2. Nur fürs Protokoll: Ich würde unter geeigneten Umständen für die Bild-Zeitung schreiben. Ich würde auch für eine Kirche arbeiten. Oder für die Ergo Versicherungsgruppe. Ich bin da nicht so. Aber ihr lest hier ja mit. Ihr wusstet das, oder?
  3. Katja Riemann ist mir plötzlich rund 20% sympathischer. Verstehe aber auch, wenn man das völlig anders sieht. Das liegt ja erstaunlich oft erstaunlich nah beieinander. Also, für mich. Äh. Naja.
  4. Es ist schon manchmal besorgniserregend, wie viel hammerdummen Bullshit ich bereit bin, für interessante Charaktere, gelungene Dialoge und eine brillante Inszenierung zu übersehen. Aber irgendwo gibt es eine Grenze, und dank der vierten Staffel von Breaking Bad hab ich sie gefunden. Dass der Protagonist die mit weitem Abstand uninteressanteste und unsympathischste (Gibt es da überhaupt einen Unterschied?) Figur in der Serie ist, macht die Entscheidung natürlich besonders einfach.
  5. Noch mal kurz das Thema Sexismus: Ich sehe keine angemessene Reaktion darauf, dass, wann immer bei Facebook irgendwo ein Foto einer weiblichen Person erscheint, sofort zahlreiche Kommentatoren herbeigeeilt kommen, um zu betonen, wie hübsch sie ist, deswegen belasse ich es dabei, schweigend die Augen zu verdrehen und mich betrübt abzuwenden. Aber vielleicht ist das auch schon zu viel. Vielleicht bin ich ja nur neidisch. Ich meine … Die meinen das doch nett. Ist doch nichts Schlimmes. Vielleicht sollte ich das im Gegenzug einfach bei den Männern machen. Grundsätzlich keine schlechte Idee. Aber das bring ich dann doch nicht. Nicht zuletzt, weil es bei Facebook echt nicht viele Leute gibt, denen ich was Nettes zu sagen gewillt bin.
  6. Den Postillon hat schon jeder von euch abonniert, ja?
  7. Diese Leute, die nicht verstehen, wie man denkt, wenn man immer nur mit Navigationssystem fährt. Gerade kürzlich wieder: “Können Sie mir vielleicht die Adresse mailen?” “Ja, könnte ich, aber ist eigentlich gar nicht nötig. Sie müssen bloß von Hergrathshausen aus nach Norden die zweite Abfahrt von der A29 nehmen, Richtung Scharndorf, und dann biegen Sie bei der Baustelle auf Höhe Lemmerstraße rechts ab, fahren bis kurz vor Garbstadt und dann halt immer östlich halten.”
    Ich weiß, er meint es gut, aber ich möchte gerne seinen Kopf in die Hand nehmen und gegen irgendwas Kantiges hauen.

Ergibt es Sinn, stolz auf etwas zu sein, zu dem man nichts beigetragen hat?

9. Februar 2012

Ich bin es jedenfalls, sogar ganz außerordentlich.

Joan hat eine Szene aus einer meiner Geschichte gezeichnet, namentlich die Schluss-Szene aus Yours to keep (1), und ich bin völlig begeistert:

(Ihr seht es in groß, wenn ihr draufklickt.)

Ich weiß nicht, wie ich ihr danken soll. Vielleicht wäre ein neues Kapitel ein guter Anfang, aber das dauert leider noch ein bisschen, nicht zuletzt, weil ich doch noch nicht wieder viel da-er bin als zuletzt, denn an diesem Wochenende habe ich eine Party vorzubereiten, und arbeitsmäßig hatten wir auch gerade einen kleinen Zwischenfall (vulgo: geplatztes Heizungsventil und daraus resultierendes Dampfbad), der Zeit kostet. Aber wir hoffen alle mal, dass ich nächste Woche wieder zur gewohnten Form auflaufen kann. Bis dahin erfreut euch je nach individueller Vorliebe an Sheilas oder Daniels oder beider Formen – und nicht vergessen: Abschalten.


Die NYT ist möglicherweise die beste Zeitung der Welt,

1. Mai 2011

aber was heißt das schon?

Wenn man in derselben Ausgabe sowohl so einen völlig nutzlosen und informationsfreien Füllartikel darüber findet, dass Laptops gestohlen werden könnten, wenn man sie unbeobachtet herumstehen lässt, als auch diesen Spruch hier:

Bild, Germany’s most widely read and generally reliable newspaper, reported that the terrorist cell might have planned to hit the popularEurovision Song Contest on May 14, though that event’s organizers said they had not been alerted to any such threat.” [Hervorhebung natürlich von mir]

dann fragt man sich doch schon ein bisschen mehr als sonst, was dieses Medium eigentlich bietet, was man nicht auch gratis bekommen könnte.


Sag mal, muss das so?

27. Februar 2011

Um das ganz klar zu sagen: Ich halte überhaupt nichts davon, Beiträge mit “Um das ganz klar zu sagen” einzuleiten. Ich mache hier aber mal eine Ausnahme. Ausnahmsweise.

Um das ganz klar zu sagen: Die BILD-Zeitung ist das Papier gewordene Böse, und ich bekomme ganz fiese stechende Kopfschmerzen nebst plötzlich aufwallender Übelkeit, wenn ich auch nur deren Titelschlagzeile versehentlich irgendwo lesen. Wer an der heuchlerischen, widerwärtigen, scheinkritischen “Ihre Meinung zu BILD”-Kampagne teilnimmt, hätte meinen Respekt vollständig verloren, wenn daran schon mal jemand teilgenommen hätte, den ich respektiere.
“Wir sind Helden” hingegen und insbesondere ihre Sängerin Judith Holofernes fand ich immer vage sympathisch, und ihre Musik höre ich auch gerne. Ich habe sogar deren erstes Album gekauft.

(c) Megafutzi

Trotzdem gefällt mir ihre derzeit im Netz kursierende Antwort auf die Anfrage der Agentur Jung von Matt zur Teilnahme an der Kampagne nicht, und die Begeisterung, die ihr dafür allgemein entgegenschlägt, ist mindestens überzogen, um den Begriff “hysterisch” zu vermeiden. Wenn Leute Sachen sagen wie: “Endlich wagt mal einer, es auszusprechen” kann mit dem Ausgesprochenen in aller Regel schon irgendwas nicht mehr stimmen.

So auch hier.

Der Einstieg sagt mir durchaus noch zu. “Ich glaub, es hackt.” Das hat Schwung, das hat Stil, das kann man so machen. Und auch was danach kommt, ist erst einmal humorig geschrieben und durchaus treffend. Aber dann kommt der Schluss, und den mag ich gar nicht:

“Das Pro­blem dabei: ich hab wahr­schein­lich mit der Hälf­te von euch stu­diert, und ich weiß, dass ihr im ers­ten Se­mes­ter lernt, dass das Me­di­um die Bot­schaft ist. Oder, noch mal an­ders ge­sagt, dass es kein “Gutes im Schlech­ten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.”

Für mich ist das nichts als sinnlos dahingefaselter Bullshit, in seiner verschwörungstheoriehaften Vorwurfshaltung so unsympathisch und unbescheiden, dass ich gar nicht genau weiß, ob ich einigermaßen auf den Punkt bringen kann, was genau mich daran stört.

Warum muss Frau Holofernes hier betonen, sie habe studiert, und zwar “mit der Hälfte von euch”, und dass sie weiß, was “ihr” da lernt? Glaubt sie im Ernst, dass man irgendwas studiert haben muss, um schon mal den Spruch mit dem Medium und der Botschaft gehört zu haben? Und wie meint sie das überhaupt? Das Medium sind in diesem Fall Plakate. Was für eine Botschaft sind Plakate? Oder meint sie die BILD-Zeitung? Die ist zwar ein Medium, aber nicht in dieser Kampagne, da ist sie die Botschaft, aber das kann sie nicht meinen. Und wer ist überhaupt “euch”? Die Mitarbeiter der Agentur Jung von Matt? Die geheime Weltverschwörung der Marketingisten, die kein hehreres Ziel hat, als uns alle mit ihren subtilen manipulativen Botschaften zu versklaven? Ist Frau Holofernes wohl sehr stolz darauf, durchschaut zu haben, dass eine BILD-Werbekampagne Werbung für die BILD macht?

Ich bin nicht sicher, ob ich zu Recht so viel Blödsinn aus diesen zwei Sätzen herauslese. Kommt euch das auch so vor, oder liegt es doch an mir? Bin ich überkritisch?

Und auch ihre Beschreibung der BILD-Zeitung als “ein bös­ar­ti­ges Wesen, das Deutsch­land nicht be­schreibt, son­dern macht. Mit einer Agen­da.” mag ich nicht. Natürlich heizt das peinliche Blatt vorhandene studipde Ressentiments und Grundstimmungen an, fährt Kampagnen, schreibt Menschen runter und rauf. Unbestritten. Aber dass es Deutschland “macht”, das zu behaupten ist die gleiche unsinnige Übertreibung und Hysterie, der sich auch das Pressegeschwür bedient, das Frau Holofernes kritisieren will. Und der Zusatz “mit einer Agenda” soll wohl bedeutungsschwanger böse klingen, wirkt aber einfach nur albern, denn wer macht schon was ohne “Agenda”, und was ist falsch daran, eine zu haben?

Der Schlussatz – der vom Anfang - ist dann schon wieder schön, aber das rettet auch nichts mehr. Sie hätte es bei diesem Satz belassen sollen, oder sich vielleicht einfach Christian Gottschalk anschließen, der sich auch eine klare Meinung geBILDet hat.


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