und wenn wir in dieser Welt eins zu viel haben, dann ja wohl Empathie!

29. April 2013

Okay, so kanns gehen, gestern habe ich es noch entrüstet von mir gewiesen, und heute ist es schon so weit, heute bashen wir doch mal ein bisschen die taz. Na gut, sie wird es verschmerzen können, nehme ich an. Von der Zeit sind mir seit meinem gestrigen Post auch noch keine Suiziddrohungen oder Ergebniswarnungen bekannt geworden.

Worum gehts?

Dank des wunderbaren Altpapiers habe ich bei taz. de eine kurze KRITIK zur Verleihung des diesjährigen Nannen-Preises gefunden:

 “Zeit”-Autorin Heike Faller mag den Nannen-Preis für ihre Pädophilenporträts verdient haben. Für den Gegenstand ihres Stücks “Empathie für Pädos” ist er ein Skandal

Ich traue mich ja schon gar nicht mehr das zu sagen, aber: Wat? Hä? Wie? Sie mag den Preis verdient haben. Aber er ist ein Skandal. Der Preis ist verdient, aber ein Skandal. Für den Gegenstand. Wie “für”? Mutmaßlich doch im Sinne von “Wegen”. Aber trotzdem. Sie hat den Preis für diese Arbeit verdient. Aber wegen des Themas der Arbeit ist es ein Skandal, dass sie ihn bekommt. Sie hätte ihn also für diese Arbeit ruhig bekommen sollen, aber die Arbeit hätte ein anderes Thema … ? Ich begreifs nicht. Und so langsam glaube ich wirklich, dass das an mir liegen muss. Es kann doch einfach nicht sein, dass jeder Artikel, den ich in deutschen Zeitungen lese, gleich mit völligem Blödsinn beginnt. Es muss doch auch hin und wieder mal ein Journalist was Konsistentes schreiben.

Egal.

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“ja, eh…”-Woche: Es gibt nur zwei Arten von Menschen

3. Januar 2012

Gestern Abend habe ich “My Name is Khan” gesehen und will über den Film an sich nicht lange reden. Wen es stört, wenn ein Film zu lang und zu albern und gleichzeitig zu pathetisch ist, der sollte keine Bollywood-Filme sehen.

Kurz besprechen möchte ich stattdessen das Motto des Films, das unser Protagonist ziemlich am Anfang von seiner Mutter zum Unterschied zwischen Moslems und Hindus erklärt bekommt:

Es gibt nur zwei Arten von Menschen: gute Menschen, die Gutes tun, und böse Menschen, die Böses tun.

Einerseits erkennt jeder sofort, dass das Unfug ist, wenn er ein bisschen drüber nachdenkt. Aber andererseits ist das so ein Satz, über den viele Menschen wahrscheinlich eben nicht besonders nachdenken, wenn er in diesem Kontext auftaucht.

Wieso, ist doch eine schöne Botschaft? Hindus, Muslime, Atheisten, Scientologen, Republikaner, alles egal, Hauptsache, sie tun Gutes.

Zu dem Problem mit dem Bösen und dem Guten hatte ich ja schon mal was geschrieben, deswegen will ich das hier nicht zu sehr vertiefen, aber kurz gesagt sehe ich das so: Der Begriff “böse” ergibt in sich kaum Sinn. Es gibt keine “bösen Menschen”. Jeder Mensch hat Gründe für das, was er tut. Die können altruistisch sein, oder egoistisch, vernünftig oder völlig banane. Aber diese Gründe basieren natürlich auf dem, was wir glauben, was wir für richtig, und was wir für falsch halten.

Weil wir uns häufig selbst gar nicht genau darüber klar sind, was wir glauben, und was eigentlich die Etiketten bedeuten (sollen), die wir uns aufpappen, ist trotzdem etwas dran an der Botschaft, dass ein Hindu mit einem Moslem mehr gemein haben kann als mit einem anderen Hindu. Aber wer glaubt, dass Weltanschauung keinen Unterschied macht, solange man nur ein guter Mensch ist, der hat eine Meise macht es sich zu leicht. Aus Maos Sicht war die Kulturrevolution eine tolle Sache im Dienste der ganzen Menschheit. Kim Jong-Il hat womöglich wirklich geglaubt, dass er das Beste war, was Nordkorea jemals hätte passieren können. Und die Attentäter vom 11. September 2001 haben sich selbstlos für eine Sache geopfert, die sie für die gerechte hielten.

Das ist ja gerade die Tragödie der Menschheit: Menschen mit den ehrenvollsten Absichten können furchtbare Dinge tun. Tun furchtbare Dinge. Zyniker würden sogar sagen, dass gerade die Menschen mit den ehrenvollsten Absichten oft die furchtbarsten Dinge tun, aber ich schweife ab. Mir geht es darum, dass Gut und Böse keine Eigenschaften sind, die einem Menschen, einer Tat oder einer Sache einfach immanent wären. Gut und Böse sind Urteile, und um sie fällen zu können, muss man die Folgen einer Tat kennen. Und um die Folgen einer Tat zu beurteilen, greift man unweigerlich auf das zurück, was man über diese Welt glaubt, in der wir leben.

Und da macht es unter Umständen einen großen Unterschied, ob ich glaube, dass schon ein Blastozyst von einem allmächtigen Gott mit einer unsterblichen Seele und Menschenwürde ausgestattet wurde, ob ich glaube, dass dieser allmächtige Gott mein Team auserwählt hat, um die Menschheit in sein Heiliges Reich zu bomben, oder ich ich glaube, dass das brennende Fett in meiner Küche sich doch mit diesem Eimer Wasser da hinten prima löschen lassen müsste. Oder abstrakter: Gute Absichten führen in der Regel zu guten Ergebnissen, wenn sie mit realistischen Annahmen über die Folgen unserer Taten einhergehen. Wenn nicht, ist es reine Glückssache. Leider ist es in vielen Fällen schwer abzuschätzen, was die Realität nun eigentlich ist, und was nicht, und leider gibt es auch keinen Satz von ewig gültigen Geboten, denen man einfach nur folgen muss, und alles wird gut, und leider neigt jeder und jede von uns dazu, seine (und ihre) Wahrnehmung dieser Welt von Wünschen und Gefühlen wie Angst und Wut oder auch Liebe und Vorfreude verzerren zu lassen. Und so gesehen gibt es dann eigentlich nur eine Art von Menschen; oder sieben Milliarden. Je nachdem, wie man zählt.

Aber von Annahmen über die Realität gibt es wirklich nur zwei Arten: Wahre, und falsche nicht wahre. Und jeder und jede von uns kann sein Bestes tun, möglichst oft mit wahren zu arbeiten, und möglichst selten mit den anderen. Ihr wisst schon, wie.


Kann das wirklich Zufall sein?

29. März 2011

Während meiner Schulzeit gab es einen Lehrer, den ich wirklich bewunderte. Er war in der Oberstufe mein Tutor, und er unterrichtete Mathematik und Werte und Normen. Er war klug, er hatte Humor, er war immer freundlich, und in unserer Abiturzeitung schrieb er über mich, dass ich eigentlich gar nicht so arrogant sei, wie ich oft wirkte. Ich glaube, er ist inzwischen im Ruhestand, und ich fürchte, dass ich meinen Vorsatz, ihm mal einen Brief zu schreiben, vielleicht nie umsetzen werde, aber zumindest einmal möchte ich es schriftlich festhalten: Sie waren der beste und sympathischste Lehrer, den ich je hatte, und irgendwie sogar ein Vorbild. Vielen Dank, Herr Glimm.

So empfand ich es auch kein bisschen als Strafe, als er mich nach einer längeren Diskussion im Werte-und-Normen-Unterricht aufforderte, meine sonderbare Meinung, dass es das Böse als solches nicht gibt, in einem kurzen Aufsatz zu begründen.

Ich tat das sehr gerne, und er las es, und meinte, es sei sehr interessant, aber überzeugt habe es ihn nicht.

Das war natürlich ein bisschen enttäuschend, aber so geht’s eben, und ich habe es ihm nicht übel genommen. Wäre ja auch noch schöner.

Leider habe ich diesen Aufsatz von damals nicht mehr, aber zu Ehren von Herrn Glimm (und meines Versprechens, mal wieder vom Thema Religion wegzukommen) hatte ich mir gestern vorgenommen, meinen Gedankengang heute für euch noch einmal darzulegen. Und nun, siehe da, als hätten wir uns abgesprochen, veröffentlichte die “Welt” gestern einen langen, dummen Artikel zu dem Thema. Schicksal? Vorsehung? Telepathie? Wer weiß…

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Liebe Leute von Bose

1. Januar 2010

zuerst mal das Einfache: Ich finde eure Ohrhörer nach wie vor toll. Der Klang ist fantastisch, sie tragen sich angenehm, und meiner Meinung nach sehen sie auch gut aus. Eigentlich wollte ich aber über was anderes reden:

Schon die Tatsache, dass ihr mir gefühlt mindestens einmal wöchentlich Post schickt, in der ihr mir euer Klangwunder zu wirklich umwerfenden Konditionen anbietet, beeindruckt mich außerordentlich und zeigt mir, dass eure Kunden euch wirklich am Herzen liegen.

Klangwunder (Bei Interesse klicken, dann wird's groß.)

Durch diese Art aufdringlicher verzweifelter nachhaltiger Kundenkommunikation zeigt ihr mir, dass ihr meine Bedürfnisse und Interessen wirklich verstanden habt und bereit seid, mich als Individuum zu behandeln, statt als Teil einer zu bearbeitenden breiigen Konsumentenmasse.

Neuerdings legt ihr mir nicht mehr bloß eure großartigen Produkte dringend ans Herz, sondern übermittelt mir darüber hinaus auch wichtige Nachrichten mit limitierten Angeboten, die meinen Wunsch nach mitreißendem Klang an jedem Platz in meinem Haushalt erfüllen, wenn ich nur jetzt sofort ganz schnell mit meiner persönlichen Kennziffer bei euch anrufe.

Wichtige Nachricht (Genauso.)

Das begeistert mich nun endgültig und festigt in meinen Augen euer Image als seriöses, vertrauenswürdiges Unternehmen, von dem ich mich ernst genommen und verstanden fühle.

Herzlichst

Euer Muriel Silberstreif

PS: Hoppla, ich sehe gerade hier auf meinem Schreibtisch noch ein paar “nicht”s herumliegen, die ich eigentlich in diesem Brief verwenden wollte, aber anscheinend vergessen habe. Naja. Ihr werdet mich schon verstehen. Ihr habt das ja drauf.


Kundenfreundlichkeit im ganz, ganz kleinen Rahmen

6. Juli 2009

Gestern habe ich meine neuen Ohrhörer von Bose bekommen und ich will nicht verschweigen, dass ich die ganz fabelhaft finde, aber ich habe da doch eine Frage: Wer hat eigentlich diese merkwürdigen Verpackungen aus Panzerkunststoff erfunden, die ganz offenkundig nicht dafür gedacht sind, jemals geöffnet zu werden?

Panzer-Verpackung

Philips nimmt die zum Beispiel auch für Zahnbürstenköpfe. Kennt ihr die? Diese durchsichtigen Kunststoffblister mit daumendicken Schweißnähten, die zwar eine enorm hohe Wertanmutung haben, aber extrem gemein zu ungeduldigen Kunden sind, die sich auf ihr neues Spielzeug freuen? Die man fast ganz rundum aufschneiden muss, weil sie so zäh sind, dass man noch nicht mal dann an den Inhalt rankommt, wenn sie schon auf zwei Seiten offen sind?

Mit bloßen Händen habe ich es nicht einmal versucht, weil klar war, dass ich keine Chance gehabt hätte. Und mit der Schere hat es am Ende zwar geklappt, aber mir taten danach die Finger weh, und es hätte mehrfach nicht viel daran gefehlt, dass ich mich selbst oder die Schere ernsthaft beschädigt hätte. Gar nicht auszudenken, wenn ich aus Versehen das Ohrhörerkabel… Bah, mir wird ganz anders.

Wenn man schon solche Mondpreise für seine High-Tech-Produkte verlangt wie Bose, wäre es dann wirklich zu viel verlangt, irgendwo an der Packung so eine Art Sollbruchstelle anzubauen?


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