Projekt 52 Bücher (20-26)

14. Juli 2013

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Ich wette, ihr dachtet, ich hätte aufgegeben. Keineswegs. Es war einfach so, dass mir zum 19. Thema kein befriedigendes Buch einfiel, und dass ich deshalb beschloss, zu warten, bis ich mal wieder da bin, wo die meisten meiner Bücher stehen. Heute ist es nun so weit, und ich habe auch tatsächlich was gefunden zum Thema:

“Wenn der Vater mit dem Sohne…”

Nämlich “Der Sturm des Jahrhunderts”.

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Ich wollte nie ein iPad

12. März 2012

Tatsächlich ist ein Tablet-PC das möglicherweise einzige hippe Gadget, das mich nie auch nur ein Stück interessiert hat. Aber nachdem ich gerade über diesen unsäglich dummen New-York-Times-Artikel zu E-Books auf Tablets gestolpert bin, möchte ich mir schon aus Protest trotzdem eines kaufen. Am besten gleich zwei.

Ich begreife das nicht, ganz aufrichtig. Was ist dran an E-Books, das die Gehirne von Menschen völlig aussetzen lässt, wenn sie über das Thema schreiben?

Der Artikel heißt:

Finding Your Book Interrupted … By the Tablet You Read It On

Und es geht darum, dass Tablets einen manchmal von dem Buch ablenken können, das man darauf zu lesen versucht. Ich weiß, ihr hängt jetzt wahrscheinlich fassungslos auf der Vorderkante eures Sitzes und könnt kaum erwarten, was Julie Rosman und Matt Richtel (Ja, ein Redakteur hätte dafür auch wirklich nicht gereicht.) für die Frontseite der möglicherweise besten Zeitung der Welt darüber herausgefunden haben. Es beginnt mit einer provokanten, einer gewagten, einer tabulos pikant beunruhigend bestürzenden Frage:

Can you concentrate on Flaubert when Facebook is only a swipe away, or give your true devotion to Mr. Darcy while Twitter beckons?

Also, ich kann (Ich weiß das, weil ich zwar kein iPad habe (und deshalb kein iPad habe (denn wenn du kein iPad hast, hast du kein iPad)), aber öfter mal auf meinem PC mit der Kindle-Software E-Books lese.).  Aber das muss natürlich jeder für sich beantworten.

People who read e-books on tablets like the iPad are realizing that while a book in print or on a black-and-white Kindle is straightforward and immersive, a tablet offers a menu of distractions

Echt jetzt? Das Internet kann einen ablenken? Unfassbar. Was diese verrückten Amis wohl als nächstes entdecken.

(Und nebenbei, ist euch aufgefallen, was passiert ist? Es ist jetzt nicht mehr Kindle gegen Papier, es ist jetzt Tablet gegen Kindle und Papier. Denn so richtig gefährlich für den Fortbestand des Abendlandes ist natürlich immer nur das aktuellste neumodische Ding. Alle Stufen davor kennt man jetzt schon und hält man deshalb mit der Zeit unweigerlich für harmlos. Wollen wir vielleicht einen kleinen Wettbewerb veranstalten, wer errät, welches neue Gerät dann den Genuss von Büchern wirklich endgültig ein für alle mal diesmal aber wirklich ganz im Ernst unwiderbringlich zerstören wird, weil es einen noch mehr ablenkt als die traditionellen Papierbücher, Kindles und Tablets.)

E-mail lurks tantalizingly within reach. [...] And if a book starts to drag, giving up on it to stream a movie over Netflix or scroll through your Twitter feed is only a few taps away.

Schrecklich. Bloß gut, dass wir hochwertige Qualitätsmedien haben, die uns über solche Bedrohungen informieren, und über ihre Konsequenzen:

That adds up to a reading experience that is more like a 21st-century cacophony than a traditional solitary activity.

Und das ist schlimm, mkay? Ich verstehe schon an diesem Ansatz mindestens zwei Dinge nicht. Wenn ich Twitter und Facebook und Netflix viel interessanter finde als Flaubert und Darcy, warum verbringe ich meine Zeit dann nicht einfach lieber mit Twitter und Facebook und Netflix statt mich mit Flaubert und Darcy zu langweilen? Und warum ist es eigentlich per se schlecht, wenn ein Tablet meine Leseerfahrung verändert?

Und wie das bei solchen Artikeln immer ist, haben sie dazu noch ein paar Leute interviewt, die offenbar ernsthafte pathologische Tablet-Probleme haben:

“It’s like trying to cook when there are little children around,” said David Myers

Ja, der Vergleich drängt sich auch geradezu auf.

“These apps beg you to review them all the time,”

David…

David…

David?

Komm und spiel mit uns, David!

Wir schweben alle hier unten.

“The tablet is like a temptress,” said James McQuivey, the Forrester Research analyst who led the survey. “It’s constantly saying, ‘You could be on YouTube now.’

Ich bin sicher, dass es so eine App gibt. Aber ich bin auch sicher, dass man diese Funktion irgendwie abschalten kann…

Aber David und James sind nicht die einzigen Opfer des Tablet-Wahns, deren Leben vom iPad zerstört wurden:

Allison Kutz [...] says her reading experience has not been the same [...] She is constantly fending off the urge to check other media, making it tough to finish books. [...] “I’ve tried to sit down and read it in Starbucks or the apartment, but I end up on Facebook or Googling something she said, and then the next thing you know I’ve been surfing for 25 minutes,” Ms. Kutz said.

Kann es sein, dass diese Leute professionelle Hilfe brauchen?

Aber – und das ist für mich beinahe ein bisschen enttäuschend, denn mein Post könnte sonst viel pointierter und unterhaltsamer zu Ende gehen – die NYT wäre nicht die wahrscheinlich beste Zeitung der Welt, wenn sie nicht sogar dieses Thema einigermaßen ausgewogen behandeln würde. Der Artikel enthält auch ein paar Informationen zur Entwicklung des Marktes und dazu, dass Tablets früher oder später wohl die Schwarzweiß-Reader ersetzen werden, und endet mit dieser durchaus treffenden Bemerkung einer anderen Leserin, die offenbar irgendwie ihren Frieden mit dem teuflischen Tablet gemacht hat:

“With so many distractions, my taste in books has really leveled up,” Ms. Faulk said. “Recently, I gravitate to books that make me forget I have a world of entertainment at my fingertips. If the book’s not good enough to do that, I guess my time is better spent.”


Ooooooh, I hate that rabbit!

15. April 2010

Hin und wieder hält faz.net es für angebracht, uns daran zu erinnern, dass sie eBooks doof finden. Weil sie ein anspruchsvolles Qualitätsmedium sind, argumentieren sie dabei differenziert und klug und wägen unter Berücksichtigung aller… Nein, halt, da bringe ich was durcheinander. Ich muss da gerade an ein echtes anderes anspruchsvolles Qualitätsmedium gedacht haben.

Was faz.net wirklich schreibt, klingt so:

“In einer Zeit, in der Kunst, Religion und moralische Ernsthaftigkeit im Westen aus der Mode gekommen sind, ist die Technik zum Opium des Volkes geworden.”

“Das Buch – das traditionelle Buch, ein richtiges Buch – ist [...] die vollkommenste Errungenschaft in der langen Geschichte menschlicher Gestaltung[...]“

“Das E-Book steht für Billigkeit, Effizienz und fässerweise Informationen, die wir herunterstürzen, aber nicht Glas für Glas genießen können.”

“Elektronische Bücher kann man nicht in den Mülleimer schmeißen, doch verwirklichen sie nun das höchste Ideal der Wegwerfbewegung: den künstlerischen und menschlichen Wert der Objekte, mit denen wir umgehen, auf null zu reduzieren.”

“Und Bücher sind nicht nur nützlich, sondern auch schön. Nichts verleiht einem Zimmer so viel Wärme wie ein Bücherregal.”

Ich habe natürlich einiges weggelassen, aber meine Auswahl da oben gibt meiner Meinung nach Habitus und Grundhaltung des Artikels ziemlich umfassend wieder. Fällt euch auf, was diese Argumente da oben gemeinsam haben?

Richtig! Sie sind alle Bullshit. Ohne große Mühe könnte jede dieser Thesen da oben verwenden, um die Überlegenheit der Draisine gegenüber dem PKW zu belegen, oder die Vorzüge richtiger Briefe gegenüber E-Mails, oder die Zeitlosigkeit der Schreibmaschine.

Versteht mich nicht falsch, ich mag echte Bücher auch. Ich sehe auch, dass eBook-Reader für viele Leute gerade im Verhältnis zu ihrem Preis noch keine so überwältigenden Vorteile gegenüber ihren papierenen Gegenstücken bieten. Aber wer sich zu der Behauptung versteigt, das Buch sei nicht etwa nur eine, sondern schlichtweg die vollkommenste Errungenschaft menschlicher Gestaltung, und absolut nichts sei so ein fantastischer Dekorationsgegenstand wie ein Bücherregal, der muss sich vorhalten lassen, dass er wohl mal ein bisschen zu heiß gebadet wurde, und zwar nicht nur deshalb, weil es keinen Sinn ergibt, den Begriff “vollkommen” steigern zu wollen.

Nebenbei: Hat eigentlich noch jemand das Gefühl, dass faz.net sich diesen Artikel von David Gelernter hat schreiben lassen, um hämisch rufen zu können: “Schaut mal, ihr blöden Nerds, die ihr uns nicht abonnieren wollt, weil ihr lieber Schwenzel und Niggemeier lest, sogar eure eigenen Leute finden Papier viel geiler als Bildschirm!” Was qualifiziert denn sonst einen Professor für Computerwissenschaft zu einer Analyse des gestalterischen Wertes und der zukünftigen Marktchancen von Büchern?
(Ja, mir ist aufgefallen, dass es in dem Artikel vorgeblich gar nicht so sehr darum geht, echte Bücher über den grünen Klee zu loben und E-Reader zu dissen. Aber ich habe ihn gelesen, deshalb weiß ich es besser.)

Ich sympathisiere mit jedem Menschen, der sich keinen Kindle kauft, weil er lieber richtige Bücher in der Hand hält. Aber muss man denn deshalb gleich die gesamte Existenzberechtigung von eBook-Readern verneinen und das Buch zum Größten erklären, was die Menschheit je hervorgebracht hat? Nein, das muss man nicht. Das sollte man nicht einmal, weil man sich damit total lächerlich macht.

Taschenbücher kann man in der Wanne lesen, ohne Angst zu haben, dass 300 $ in Rauch auf gehen, wenn man sie mal fallen lässt. Taschenbücher kann man am Strand liegen lassen, während man schwimmen geht, ohne dass sie jemand klaut, und wenn doch, dann hält sich der finanzielle Schaden in Grenzen.
Reader kann man in nahezu jeder Position einhändig lesen. Sie sind (für mich) handlicher und leichter, unabhängig davon, wie dick das Gegenstück aus Papier wäre. Man kann mit ihnen jederzeit von unterwegs ein neues Buch kaufen oder einfach nur einen Auszug herunterladen, wenn man sich noch nicht sicher ist. Man kann sie einfach auf einen Tisch legen und muss sich nicht irgendwelche abenteuerlichen Konstruktionen ausdenken, damit sie nicht von selbst zuklappen, wenn man – wie ich – auch gerne mal beim Essen liest. Reader ermöglichen es, die enthaltenen Texte nach einzelnen Wörtern oder Sätzen zu durchsuchen, wenn man bestimmte Stellen noch einmal lesen möchte.
Mit großen, schweren Folianten kann man prima seine Wohnung dekorieren oder aufdringliche Vertreter in die Flucht schlagen. Zumindest letzteres geht allerdings mit hinreichend großen Readern auch.

So einfach wäre es gewesen: Es kommt wohl darauf an, was man vorhat. Ich zum Beispiel komme mit meinem Kindle wunderbar zurecht und möchte ihn nicht wieder hergeben. Alleine schon, weil ich damit Zeitungen lesen kann, ohne mich beim Umblättern immer wieder total zum Affen zu machen und beispielsweise im Zug mich selbst und meine Sitznachbarn permanent zu gefährden.

Der Artikel von Gelernter ist vom Niveau her ein Rant. Die können toll zu lesen sein, weil sie (fast) immer voller Leidenschaft und meistens auch noch lustig sind. Darunter leidet ihre Ausgewogenheit ein bisschen, aber das nimmt man in Kauf. Dieser hier schafft leider keins von beidem, weil er so tun will, als wäre er eine sachliche Analyse, und ist deshalb am Ende einfach nur dumm.


Caveat emptor

7. Juli 2009

Ich habe heute ein Buch gekauft und gerade eben erst gemerkt, dass es gar nicht die englische Ausgabe war, sondern die übersetzte deutsche. Dabei habe ich es im Laden sogar noch durchgeblättert.
Aber ich behalte das jetzt und lese es trotzdem, dann eben auf Deutsch. Verdammter Stolz.


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