Please Mr. Postman

19. Juli 2010

Aus der Reihe “Es könnte alles so einfach sein” oder “Büropsychologie”: City Post hat für lange Zeit gratis die Briefe aus dem Büro abgeholt, dann aber beschlossen, dass das in Zukunft Geld kosten soll. Das wollten wir nicht so gerne, und wir dachten uns, wir sind ja nicht blöd, dann bringen wir die Post eben selbst zum Briefkasten. Ist ja schließlich kein Akt, auf dem Weg nach Hause mal kurz anzuhalten und ein paar Briefe einzuwerfen.

Natürlich hat das nicht so einfach funktioniert, wie wir es uns vorstellten, weil wir von falschen Voraussetzungen ausgegangen waren. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass wir doch blöd sind.

Zuerst war es nur so eine Art Bitte. Es möge sich doch bitte jeden Tag jemand die Briefe schnappen und sie in den Kasten werfen, der übrigens direkt am Straßenrand 500m vom Betriebsgrundstück entfernt steht. Wirklich jeder kommt auf dem Heimweg unweigerlich daran vorbei. Das funktionierte natürlich überhaupt nicht. Es gab genau drei Leute, die es taten, während der Rest die freundliche Bitte einfach ignorierte, was wiederum dazu führte, dass die drei eifrigen Briefträger sich irgendwann ein bisschen, naja, blöd vorkamen und die Betriebsleiterin wegen der Sache ansprachen.

Die Betriebsleiterin dachte sich, Kinderkram, was stellen die sich so an, wies aber noch mal alle darauf hin, dass doch bitte nicht immer nur dieselben Leute die Post mitnehmen sollten. Was natürlich genau gar nichts bewirkte.

Also verfasste die Betriebsleiterin schließlich in ihrer Ratlosigkeit eine Arbeitsanweisung mit einer Liste, aus der unmissverständlich hervorging, wer an welchen Tagen die Post mitzunehmen hatte. Weil es nun keine Bitte mehr war, sondern eine Anweisung, hatte sie sogar den Zusatz aufgenommen, die Betroffenen dürften an ihren Briefträgertagen gerne auch 5-10 Minuten vor ihrem eigentlichen Feierabend Schluss machen, was eigentlich doch eine faire Lösung ist.

Ein Mitarbeiter teilt sich aber mit einem Mitarbeiter aus einem ganz anderen Betrieb ein Auto, sodass es für ihn schwierig ist, 5-10 Minuten früher aufzuhören, denn er fährt ja mit dem anderen zusammen. Außerdem haben wir hier zwei Kollegen, die kein Auto haben und deshalb nicht auf der Liste stehen. Der fragliche Mitarbeiter ist deshalb mit der Anweisung nicht einverstanden und will mal einen Anwalt fragen, ob er die überhaupt befolgen muss. Er finde es nicht fair, dass man dafür bestraft werde, ein Auto zu haben, sagt er.

Bitte fragt nicht, was die Abholung durch City Post eigentlich gekostet hätte. Das wäre ein bisschen peinlich, und es spielt jetzt sowieso keine Rolle mehr.


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