Wir verlieben uns nicht in ein Buch oder einen Text

9. Dezember 2013

Wie ist das eigentlich bei der FAZ? Haben die so eine interne Redaktionsregel, dass man zwar dauernd dieses fürchterliche neumodische Internetdings kritisieren muss, dabei aber keinesfalls mal ein halbwegs zutreffendes oder auch nur a priori entfernt plausibles Argument anbringen darf? Ist das so eine Art Spiel für die? Gibt es vielleicht Punkte für die dümmstdreisteste Kritik, und der mit den meisten schlechten Argumenten gewinnt?

Im Vergleich mit anderen Beispielen ist das heutige dabei gar nicht mal preisverdächtig, aber die paar enthaltenen Kritikpunkte sind mal wieder so spektakulär doof und mein Blog hier in den letzten Tag so unspektakulär leer, dass ich sie hier kurz besprechen möchte.

Der Artikel von Lina Timm mit dem beinahe schon wieder erstaunlich uncleveren Titel “Liebe: Mein Herz für deine SMS” verschießt wie von faz.net gewohnt bereits im Teaser sein gesamtes inhaltliches Pulver:

Wer heute unter dreißig ist, der flirtet nicht mehr an der Bar, sondern bei Messaging-Diensten. Das nimmt die Angst vor dem ersten Kontakt, schafft aber in der Liebe ganz neue Probleme.

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Die essen unsere Träume auf

3. Mai 2012

Ich frage mich ja manchmal, ob so Leute, die Facebook gerne mit der Stasi vergleichen, sich wirklich nicht darüber im Klaren sind, dass die Stasi noch ein bisschen mehr gemacht hat, als Daten zu sammeln, die ihr freiwillig zur Verfügung gestellt wurden. Und ob so Leute, die Angst haben, dass Google ihre Daten missbraucht, wirklich eine konkrete Vorstellung davon haben, wie dieser Missbrauch aussehen sollte. Und ob so Leute, die mitleidig und mit ein bisschen Abscheu auf meine Paybackkarte herabblicken, weil ich damit ja mein Einkaufsverhalten offen lege, plausibel erklären können, wo genau der Nachteil darin liegen soll.

Am meisten frage ich mich allerdings in letzter Zeit, was all diese unfassbar niederträchtigen Konzerne eigentlich mit diesem Unmengen kostbarer Daten anfangen, die ich denen über mich zur Verfügung stelle. Auf meine Interessen zugeschnittene Angebote erstellen sie damit jedenfalls bestimmt nicht.

Gläserner Konsument, am Fuß!


Und Brecht muss es ja wissen.

18. April 2012

Ich weiß nicht, ob ich nur zynisch und paranoid bin, aber ich habe derzeit den Eindruck, dass die faz nicht nur Freude daran hat, möglichst viel gehässigen Unsinn über die Piratenpartei zu schreiben, sondern sich dabei außerdem noch eines besonders armseligen Mittels bedient: Des Konsensinterviews. Ich weiß nicht, ob es dafür schon einen anderen Begriff gibt, aber bis auf Weiteres bleibe ich bei meinem, und es gibt eigentlich kaum eine Form von Journalismus, für die ich mich als Journalist mehr schämen würde.

Während Patrick Christian Lindners Bemerkung “Nur weil die Piraten gern gratis Filme, Musik und Bücher aus dem Internet herunterladen, ist das für die Gesellschaft insgesamt nicht gut.” noch eine dumme Gehässigkeit hätte sein können, die wir nur ihm persönlich zu verdanken haben, ist das vorgestrige Interview mit der kulturpolitischen Sprecherin der Grünen Agnes Krumwiede für mich kaum noch anders zu erklären als durch völlig Befreiung von jeglichem Anspruch und Schamgefühl seitens der verantwortlichen Mitarbeiter.

Kurzer Exkurs: Ja, Frau Krumwiede ist auch Pianistin. Ist doch klar, dass ich mich an Künstler wende, wenn ich was zum Urheberrecht wissen will. Wenn es um Jagdrecht geht, ist doch auch ein Hirsch der beste Ansprechpartner.

Konsensinterviews zeichnen sich dadurch aus, dass sie völlig auf investigative Fragen und eigentlich jede Form von Journalismus verzichten, weil es in ihnen nur darum geht, dass die Gesprächspartner einander möglichst nachdrücklich zustimmen. Wenn man noch ein kleines bisschen Respekt vor den Lesern hat, versteckt man das durch Scheinfragen wie:

Brauchen wir ein „neues“ Urheberrecht?

oder

Die Kritiker heben auf die „Verwerter“ ab und sagen, es gelte, deren Interessen auszuschalten, um für die gebeutelten Urheber einzutreten. Geht die Gleichung auf?

(Anscheinend hörte das Interview sehr früh auf, sich auf die Piratenpartei zu beziehen, und drehte sich dann stattdessen um irgendwelche diffusen “Kritiker”. Nicht, dass irgendjemand sich Mühe gegeben hätte, sicherzustellen, dass niemand auf die Idee kommt, es gehe hier um die Position der Piratenpartei.)

Aber man kann natürlich auch völlig enthemmt auf Fragen verzichten und der Interviewpartnerin nur noch Stichwörter geben:

Man kann den Eindruck haben, das Grundsätzliche gerate aus dem Blick.

(Ja, das ist die ganze Frage.) oder:

Es gibt einen erstaunlichen Gleichklang zwischen den Forderungen der Piraten und den Interessen von Internetkonzernen wie Google oder Facebook.

Und diese … naja, Frage fand ich nun schon so perfide, dass mir beinahe die Worte fehlen. The fuck, faz? Ich meine … Bin ich das, oder will Michael Hanfeld hier unterstellen, dass die Piraten in Wahrheit gekaufte Schergen finsterer Konzernbosse sind, traut sich aber nicht, das direkt zu sagen, weil diese Unterstellung sogar für ein FAZ-Interview zu blöde und zu unverschämt wäre?

Frau Krumwiede antwortet darauf jedenfalls einfach mal fröhlich frei:

Forderungen wie nach einer Verkürzung der urheberrechtlichen Schutzfristen bedienen in erster Linie die Interessen großer Internetkonzerne.

Das muss sie natürlich nicht erklären oder begründen, denn es ist ja ein Konsensinterview. So kann sie ganz ungestört weiter erzählen:

Dass Google auch in Berlin ein Institut finanziert zur „unabhängigen“ Erforschung von Internetfragen, bereitet mir Unbehagen.

Unbehagen. Ist klar. Wo kommen wir denn da hin, wenn Unternehmen Forschung betreiben?

Wie unabhängig ist Forschung, wenn sie von einem Internetriesen finanziert wird?

Genau, Frau Krumwiede. Forschung ist natürlich nur dann unabhängig, wenn sie … ähm … nicht finanziert wird. Ansonsten bereitet sie uns Unbehagen. Oder ist es eher so, dass Unabhängigkeit uns nur wichtig ist, wenn sie sich auf Geldgeber bezieht, die wir nicht mögen? Und was hat das jetzt noch mal mit der Politik der Piratenpartei zu tun? Hm. Vielleicht müssen wir darüber noch mal nachdenken. Aber die Hauptsache ist doch:

„Wo die wirtschaftliche Macht ist, verliert der Urheber“, hat Bertolt Brecht erkannt.

Ich schätze, damit ist die Sache klar.

Um Himmels Willen. Ich bin ja nun auch kein Anhänger der Piratenpartei, und ich habe bis auf Weiteres keine Meinung dazu, wie ein vernünftiges Urheberrecht aussehen sollte, aber wenn ich lese, was die FAZ zurzeit so dazu schreibt, bin ich immer ganz ratlos, ob ich die Leute, die dort arbeiten, verachten oder bemitleiden soll, oder ob ich vielleicht doch versuchen sollte, professionelle Hilfe zu organisieren.


New Media und Social Gedöhns

15. April 2012

Ich weiß nicht, ob das für jemanden interessant ist, aber es gibt überschaubare Relevanz jetzt auch als Page bei Facebook. Endlich. Yay.


Ich mag VW ja auch nicht, aber aus anderen Gründen. Und Greenpeace mag ich natürlich noch weniger. Ja, die Überschrift ist zu lang. Und? Verklagt mich!

11. Januar 2012

Ich wüsste ein paar ganz gute Antworten, die ich aber an Volkswagens Stelle wahrscheinlich auch nicht den Mumm hätte zu schreiben. Zum Glück bin ich nicht an Volkswagens Stelle.

Meine spontane Reaktion ginge in die Richtung von: “Why don’t you all stop bitching and put your money where your mouth is? You can make us make “green” cars. It’s easy, although maybe not quite as easy as trolling our new year’s message and trying to bully us into consenting to be forced to comply with your idea of morality: Fucking buy some.”

Wäre ich doch an Volkswagens Stelle, wäre ich natürlich vorsichtiger und würde was versuchen in der Richtung von: “Thank you! We really appreciate your feedback and will continue to try our best to further reduce the environmental impact of our cars, but since our first responsibility is to our customers, please understand that we will always put their needs above your petty and shortsighted ideas of morality and sustainability, and of course we put our bank accounts above your stupid “mother earth”, who do you think you’re talking to? So kindly fuck off and please take your stinking shallow cheap Greenpeace ideals with you, because we… Oh. Sorry. Is this thing already on? Whoops.”

Hm. Ich schätze, es ist echt gut, dass ich nicht an Volkswagens Stelle bin.


Just Three Words

24. Juli 2009

Nein, hier geht es nicht um die aktuell wie Pilze aus dem Boden schießenden Wahlplakate, mit denen hat sich Coffee And TV vorerst ausreichend befasst. Hier geht es um schlechte Kommunikationspolitik und einen schweren Verlust.

Facebook fand ich nie so wahnsinnig interessant. Dann aber entdeckte ich vor vielleicht knapp einem Jahr eine kleine Anwendung, die mich begeisterte und mit der ich sehr viel Spaß hatte. Sie hieß “Just Three Words” und funktionierte denkbar einfach: Man schrieb drei Worte, zum Beispiel “Das riesige Raumschiff”, und stellte diese drei Worte der Anwendung zur Verfügung. Andere Mitspieler konnten dann ihrerseits drei Worte hinzufügen, und immer so weiter. Oft verlief die Sache natürlich im Sand, und manchmal kam nur mehr oder weniger amüsanter Quatsch raus, aber gelegentlich entstanden auch echte kleine Juwelen.

Ergänzung, 06:47: Ich erinnere mich zum Beispiel vage an eine ganz zauberhafte kleine Kindergeschichte von einer Made (Edward, glaube ich), die in einem Komposthaufen lebte, nachdenklich an einem verschimmelten Salatblatt kaute, sich fröhlich durch faule Äpfel fraß und auf einem Thron aus verdorbenem Brot sitzend darüber sinnierte, dass sie sich zum König über diesen ganzen Abfall ernennen könnte und wie schön das doch wäre.

Ich hatte selbst ein paar Drei-Wörter-Geschichten am Laufen, die ich gemeinsam mit meinen Facebook-Freunden kontinuierlich fortschrieb.

Bis eines Tages dieser Hinweis erschien, es gebe da ein Problem mit der Anwendung, und man möge es doch bitte später noch mal versuchen. Dieser Hinweis blieb nach meiner Erinnerung rund ein Vierteljahr in Kraft, bevor er dann gemeinsam mit jedem Hinweis auf die Anwendung ganz verschwand. Heute gibt es “Just Three Words” nicht mehr, und soweit ich weiß, sind alle damit geschriebenen Geschichten mit ihm untergegangen. Erstens macht mich das für sich genommen schon sehr traurig, zweitens ist es mir schleierhaft, wie ausgerechnet ein soziales Netzwerk seine Kundenkommunikation so handhaben kann.

Kennt vielleicht einer von euch die Anwendung? Oder etwas Ähnliches? Weiß jemand mehr als ich? Oder habt ihr vielleicht Lust, “Just Three Words” irgendwo, irgendwie neu aufleben zu lassen?

Ich würde mich freuen.


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