Geht sterben (4)

28. November 2012

Es gab mal Zeiten, da hätte ich vielleicht gesagt, dass die FDP mir unter den nicht ganz vernachlässigbaren Parteien tendenziell noch am sympathischsten ist, auch wenn das nicht viel mehr Aussagekraft gehabt hätte als die Bemerkung, dass ich lieber Hodenkrebs hätte als einen Hirntumor. Zwar sind die gelben Gesellen nun einmal immer noch meinen Vorstellungen ein bisschen näher als die anderen, aber den Begriff Sympathie wage ich im Zusammenhang mit denen auch schon lange nicht mehr zu benutzen.

Äußerungen wie diese hier tragen dazu bei, dass das so bleibt.

Google hat eine Kampagne zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage, das am Donnerstag in erster Lesung im Parlament behandelt wird, gestartet. Eine Aktion, die auf breite Kritik stößt. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger äußerte sich gegenüber dem “Handelsblatt” erstaunt darüber, dass ein marktbeherrschendes Unternehmen versuche, die Meinungsbildung zu monopolisieren. Auch FDP-Urheberrechtsexperte Stephan Thomae ist irritiert.

Schon nach diesem ersten Absatz muss ich ernsthaft überlegen, ob es mir die Mühe wert ist, mich noch zivilisiert auszudrücken. Ist es eigentlich nicht. Und ich darf sagen, ich hätte hier dermaßen Lust, mit wüsten Beschimpfungen um mich zu werfen, dass es meine ganze Willenskraft kostet, sachlich zu bleiben. Aber ich habe mir (mutmaßlich zu eurer Enttäuschung) vorgenommen, möglichst auf persönliche Beleidigungen zu verzichten. Diese Leute, die sich da äußern, sind ja vielleicht gar nicht so ignorant und unmoralisch, wie es mir scheint. Vielleicht gibt es ganz andere Gründe für deren Thesen. Opportunismus zum Beispiel, oder Aphasie. Was weiß ich?

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Geht sterben (3)

20. April 2012

Wie sagte Herr Lindner doch kürzlich so schön?

Wir verhindern, dass aus verantwortungsbewussten Bürgern irgendwann Staatsinsassen gemacht werden.

Und wie sagte Herr Zastrow diese Woche der Rheinischen Post?

Wir sind die einzige Partei, die noch ohne Wenn und Aber die Werte der Marktwirtschaft hochhält.

Und wie sieht das in der Praxis so aus?

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Preispolitik der Mineralölkonzerne unter stärkere staatliche Kontrolle stellen. Tankstellen sollen einer neu zu schaffenden „Markttransparenzstelle“ künftig jede Änderung der Kraftstoffpreise differenziert nach Produkt, Zeitpunkt und Produktmengen übermitteln, heißt es einem Gesetzentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt [...] Außerdem müssten sie melden, welche Mengen an Treibstoffen sie wo und wie teuer eingekauft haben.

Den Mineralölkonzernen ist es [...] verboten, Kraftstoffe teurer an kleine und mittlere Konkurrenten, als an ihre eigenen Tankstellen zu verkaufen. Die starken Preisschwankungen von bis zu 15 Cent am Tag sollen dadurch zukünftig verhindert werden.

 Von dem staatlichen Eingriff verspricht sich Rösler mehr Wettbewerb.

Da fällt mir übrigens gerade wieder ein Spruch von Herrn Lindner ein:

Entscheidend ist die neue Glaubwürdigkeit der FDP


Und Brecht muss es ja wissen.

18. April 2012

Ich weiß nicht, ob ich nur zynisch und paranoid bin, aber ich habe derzeit den Eindruck, dass die faz nicht nur Freude daran hat, möglichst viel gehässigen Unsinn über die Piratenpartei zu schreiben, sondern sich dabei außerdem noch eines besonders armseligen Mittels bedient: Des Konsensinterviews. Ich weiß nicht, ob es dafür schon einen anderen Begriff gibt, aber bis auf Weiteres bleibe ich bei meinem, und es gibt eigentlich kaum eine Form von Journalismus, für die ich mich als Journalist mehr schämen würde.

Während Patrick Christian Lindners Bemerkung “Nur weil die Piraten gern gratis Filme, Musik und Bücher aus dem Internet herunterladen, ist das für die Gesellschaft insgesamt nicht gut.” noch eine dumme Gehässigkeit hätte sein können, die wir nur ihm persönlich zu verdanken haben, ist das vorgestrige Interview mit der kulturpolitischen Sprecherin der Grünen Agnes Krumwiede für mich kaum noch anders zu erklären als durch völlig Befreiung von jeglichem Anspruch und Schamgefühl seitens der verantwortlichen Mitarbeiter.

Kurzer Exkurs: Ja, Frau Krumwiede ist auch Pianistin. Ist doch klar, dass ich mich an Künstler wende, wenn ich was zum Urheberrecht wissen will. Wenn es um Jagdrecht geht, ist doch auch ein Hirsch der beste Ansprechpartner.

Konsensinterviews zeichnen sich dadurch aus, dass sie völlig auf investigative Fragen und eigentlich jede Form von Journalismus verzichten, weil es in ihnen nur darum geht, dass die Gesprächspartner einander möglichst nachdrücklich zustimmen. Wenn man noch ein kleines bisschen Respekt vor den Lesern hat, versteckt man das durch Scheinfragen wie:

Brauchen wir ein „neues“ Urheberrecht?

oder

Die Kritiker heben auf die „Verwerter“ ab und sagen, es gelte, deren Interessen auszuschalten, um für die gebeutelten Urheber einzutreten. Geht die Gleichung auf?

(Anscheinend hörte das Interview sehr früh auf, sich auf die Piratenpartei zu beziehen, und drehte sich dann stattdessen um irgendwelche diffusen “Kritiker”. Nicht, dass irgendjemand sich Mühe gegeben hätte, sicherzustellen, dass niemand auf die Idee kommt, es gehe hier um die Position der Piratenpartei.)

Aber man kann natürlich auch völlig enthemmt auf Fragen verzichten und der Interviewpartnerin nur noch Stichwörter geben:

Man kann den Eindruck haben, das Grundsätzliche gerate aus dem Blick.

(Ja, das ist die ganze Frage.) oder:

Es gibt einen erstaunlichen Gleichklang zwischen den Forderungen der Piraten und den Interessen von Internetkonzernen wie Google oder Facebook.

Und diese … naja, Frage fand ich nun schon so perfide, dass mir beinahe die Worte fehlen. The fuck, faz? Ich meine … Bin ich das, oder will Michael Hanfeld hier unterstellen, dass die Piraten in Wahrheit gekaufte Schergen finsterer Konzernbosse sind, traut sich aber nicht, das direkt zu sagen, weil diese Unterstellung sogar für ein FAZ-Interview zu blöde und zu unverschämt wäre?

Frau Krumwiede antwortet darauf jedenfalls einfach mal fröhlich frei:

Forderungen wie nach einer Verkürzung der urheberrechtlichen Schutzfristen bedienen in erster Linie die Interessen großer Internetkonzerne.

Das muss sie natürlich nicht erklären oder begründen, denn es ist ja ein Konsensinterview. So kann sie ganz ungestört weiter erzählen:

Dass Google auch in Berlin ein Institut finanziert zur „unabhängigen“ Erforschung von Internetfragen, bereitet mir Unbehagen.

Unbehagen. Ist klar. Wo kommen wir denn da hin, wenn Unternehmen Forschung betreiben?

Wie unabhängig ist Forschung, wenn sie von einem Internetriesen finanziert wird?

Genau, Frau Krumwiede. Forschung ist natürlich nur dann unabhängig, wenn sie … ähm … nicht finanziert wird. Ansonsten bereitet sie uns Unbehagen. Oder ist es eher so, dass Unabhängigkeit uns nur wichtig ist, wenn sie sich auf Geldgeber bezieht, die wir nicht mögen? Und was hat das jetzt noch mal mit der Politik der Piratenpartei zu tun? Hm. Vielleicht müssen wir darüber noch mal nachdenken. Aber die Hauptsache ist doch:

„Wo die wirtschaftliche Macht ist, verliert der Urheber“, hat Bertolt Brecht erkannt.

Ich schätze, damit ist die Sache klar.

Um Himmels Willen. Ich bin ja nun auch kein Anhänger der Piratenpartei, und ich habe bis auf Weiteres keine Meinung dazu, wie ein vernünftiges Urheberrecht aussehen sollte, aber wenn ich lese, was die FAZ zurzeit so dazu schreibt, bin ich immer ganz ratlos, ob ich die Leute, die dort arbeiten, verachten oder bemitleiden soll, oder ob ich vielleicht doch versuchen sollte, professionelle Hilfe zu organisieren.


Restebloggen (81)

31. Januar 2012
  1. Nonstampcollector ist ja immer umwerfend, aber das hier… Das hier… seht ihr am besten selbst.
  2. Ist doch immer irgendwie enttäuschend, wenn jemand, den man nicht ausstehen kann, sich nicht ganz so arschlochhaft verhält, wie man es erwartet hätte.
  3. “I say, this seems to be an exceptionally black kettle, don’t you think?”
    “Indeed, Mr. Pot, it most certainly is.”
    Das Christliche Informationsforum rezensiert ein Buch über die Vergewaltigung der menschlichen Identität durch das Kritisieren von Geschlechterklischees:
    die Mittel der Wissenschaft erweisen die Unhaltbarkeit der Gender-Ideologie. Es wird erkennbar, „dass weite Teile modischer Diskurse und machtvoller Eingriffe in die Natur des Menschen letztlich einem Popanz folgen und der Kaiser nackt ist. Die Haltlosigkeit steht freilich in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Gefährlichkeit der Gender-Ideologie.
  4. ichbindaswortistich hatte eines dieser spannenden Erlebnisse, bei denen man irgendwo einen einigermaßen harmlosen Kommentar schreibt und dann plötzlich als pädophiler Kommunistennazi dasteht, oder so:
    Du scheinst mit Männern zu sympathisieren, die sich in der Gegenwart hübscher Frauen »einfach nicht zu helfen wissen«.

    Das ist Scheißdreck und Teil des Problems. Wenn Du dies nicht mit einschließen wolltest, möchtest Du in Deiner nächsten Diskussion über sexuelle Gewalt vielleicht die Beschreibung Deiner eignen Libido und wie schwer es für Dich sei, sie in Deiner Hose zu behalten, auslassen.

  5. Wenn ich das richtig sehe, habe ich meine Wette gegen Das Doppelte D auch für mich völlig überraschend gewonnen, denn die FDP hat noch keine Gelegenheit gefunden, in Bezug auf die Finanztransaktionssteuer umzufallen. Wir dürfen uns also demnächst auf eine Gehirnschluckaufrezension zur volkstümlichen Heimatmelodie freuen, und ich bin beinahe ein bisschen enttäuscht.
  6. Schlecker: For you, foreclosed.
  7. The weed of the many outweighs the weed of the few. Jan Filter schreibt über den Entwurf der Linken zur Legalisierung Sozialisierung von Cannabis.

Geht sterben (2)

10. Januar 2012

Ja, ich weiß, aus meiner “Geht sterben”-Serie ist noch nicht viel geworden bisher. Ich versichere aber, dass das weder vorrangig an Restsympathie für diese unerfreuliche gelbe Partei liegt, noch an mangelnden Gelegenheiten, sondern vor allem daran, dass die FDP es auch ohne zusätzliche Aufforderung von mir mit dem Sterbengehen sehr ernst zu meinen scheint und es mir manchmal schwer fällt, jemanden zu treten, der bereits am Boden liegt, auch wenn er fortwährend behauptet, er hätte bloß gerade was verloren und würde gleich wieder aufstehen.

Die FDP lehnt also die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ab. Gute Sache, denn schließlich ist das eine ärgerlich dumme Steuer, die wohl vor allem dem in der Bevölkerung noch vorhandenen Bedürfnis dienen soll, es diesen verfemten Spekulanten endlich mal zu zeigen, die uns unser schönes Europa kaputtmachen wollen? Nein, keine gute Sache, denn wie so oft kommt es nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf die Gründe an.

„Eine solche Steuer muss für alle EU-Staaten gelten, nicht nur für die Euro-Staaten“, mahnte Wirtschaftsminister Rösler, der auch FDP-Vorsitzender ist. „Sonst führt die Finanztransaktionssteuer zu Wettbewerbsverzerrungen und belastet unseren Finanzstandort Deutschland einseitig.“

Ach so… Eine Wettbewerbsverzerrung nennen wir das jetzt, wenn die Wettbewerbsteilnehmer sich nicht über ihre Preise absprechen? Und das Problem mit so einer willkürlichen sinnlosen Steuer ist natürlich nicht, dass sie willkürlich und sinnlos ist, solange sie nur alle Standorte gleichmäßig belastet. Ja, ich weiß, er meint mit das mit den Wettbewerbsverzerrungen anders, aber ich finde die Frage schon berechtigt, warum es eigentlich eine Straftat ist, wenn Unternehmer sich über ihr Wettbewerbsverhalten absprechen, um niemanden einseitig zu belasten, während es bei Staaten offenbar ein unabdingbares Gebot der politischen Vernunft sein soll.


Restebloggen zum Wochenende (75)

9. Oktober 2011
  1. Ich bin ja immer ganz hin und her gerissen, wenn ich lese, dass jemand in seinem Blog Kommentare einer bestimmten Art und Richtung generell nicht mehr akzeptiert. Ich kann das einerseits durchaus verstehen, aber… Ja, was aber eigentlich? Wer ein Blog schreibt, um Spaß dran zu haben, der hat keinerlei Verpflichtung, das auf eine bestimmte Art zu tun, schon gar nicht mir gegenüber. Aber ich finde es andererseits… merkwürdig, wenn jemand einfach eine bestimmte Meinung aussperrt. Klar, Beleidigungen und völligen Unfug, der die Diskussion nur stört, muss man nicht stehen lassen. Aber sachlichen Widerspruch blocken? Ich kann nicht anders, als vor so jemandem ein bisschen Respekt zu verlieren.
  2. Daniel Drungels schreibt kurz aber eindrucksvoll seine eigene Aufforderung an die FDP, endlich einzugehen: “Wie es auch kommen mag. Die FDP wäre in beiden Fällen erledigt, wenn Brüderles Aussage zutrifft. Endlich.
  3. Alle, die sich dafür interessieren, kennen es schon, aber das hat mich ja noch nie aufgehalten:
  4. Jan Filter zur dänischen Steuer auf gesättigte Fettsäuren: “Auch in Deutschland kennen wir bereits jede Menge anderer Steuern, deren Sinn schlicht und ergreifend die Erziehung (und damit einhergehend zwangsläufig die Entmündigung) der Bürger ist: Steuern gibts nämlich auf alles böse, also auf Zigaretten, Alkohol, Glücksspiel, Autos+Benzin+KFZ-Versicherungen usw.usf. Alles kein Zufall, sondern das Ergebnis der Bereitschaft weiter Teile der Bevölkerung, eigenständiges Denken in Raten immer weiter zu verstaatlichen.
  5. Ich weiß, es spricht nicht unbedingt für mich, dass mein Anspruch an Humor schon gedeckt ist, wenn man Leuten große Glubschaugen ins Gesicht photoshoppt, aber ich kann doch auch nichts dafür, ich falle jedes Mal fast vom Stuhl, wenn ich mir Ainulindale21s Videos ansehe:
  6. faz.net ist auch wirklich nichts zu doof, um den Kindle zu dissen: “Möglicherweise hat die hohe Verkaufsrate aber auch etwas mit der Anfälligkeit des Geräts zu tun. Einmal vom Nachttisch gefallen: Bildschirm hinüber. Einmal in der Handtasche eingeklemmt: nichts geht mehr. Es in fünf Monaten auf drei Kindles zu bringen, ist nicht schwer. An diesem ärgerlichen Umstand ändert auch der exzellente Kundenservice nichts, der umgehend kostenlosen Ersatz schickt.
    Also zunächst mal: Ich habe einen Kindle, ich gehe wirklich nicht besonders vorsichtig damit um, er hat mich auch schon mehrfach in den Urlaub und an Strände begleitet, und es war nie irgendwas damit. Und zweitens: Wenn ich ein technisches Gerät innerhalb eines halben Jahres zweimal durch eigene Dummheit zerstört hätte, und es zweimal kostenlos ersetzt bekommen hätte, hätte ich ganz bestimmt nicht die Frechheit, dem Hersteller daraus einen Vorwurf machen zu wollen.
  7. So. Das war’s. Es reicht. Ich hab die Nase voll. Jetzt habe ich einmal zu oft einen Rückgriff auf Ayn Rands Quatschphilosophie im Zusammenhang mit ernsthaften liberalen Inhalten gelesen. Jetzt habe ich genug davon, immer nur sagen zu können, dass ich ihren Bockmist zwar nicht gelesen habe, aber trotzdem beurteilen kann, dass ihr Objektivismus Unfug ist. Jetzt lese ich Atlas Shrugged von Ayn Rand. Und Fuck Me, ist das Ding lang. Boah. Das wird mir noch so Leid tun. Und je nachdem, wie es läuft, werde ich euch über meinen Fortschritt auf dem Laufenden halten. Möglicherweise unter einem Titel wie diesen: “Ayn-Rand-Wochen bei überschaubare Relevanz”; “Am Rand des Wahnsinns”; “Ayn bisschen dumm”; “Rand-Rant”; “Halt den Rand”; “Atlas Sucked”. Mal sehen. Für weitere Vorschläge in den Kommentaren bin ich jedenfalls außerordentlich dankbar.

Geht sterben (1)

12. September 2011

Ach, FDP, ich will dich doch mögen. Genau wie George R.R. Martins Blog, genau wie Six Feet Under, genau wie den Papst. Aber genau wie die auch alle wehrst du dich mit Händen und Füßen und Zähnen und Klauen dagegen. Du demontierst dich zurzeit mit einer Leidenschaft und einer Professionalität, wie ein ganzes Heer von Marketingberatern sie nicht vermitteln könnte und hast es in kürzester Zeit vom strahlenden (wenn auch damals schon unverdienten) Wahlsieger zur Witzfigur unter den Parteien gebracht, die keiner mehr braucht, es sei denn als Objekt des Mitleids oder des beißenden Spotts. Warum nur, FDP?

Wie stellt ihr euch das mit eurer Führung vor? Wollt ihr mit Herrn Westerwelle noch irgendwas machen, oder soll das alles bleiben, wie es ist, damit Herr Rösler und seine Kollegen weiterhin jemanden haben, von dem sie sich in jedem Interview distanzieren können? Ich verstehe das schon, ohne ihn bestünde ja die Gefahr, dass Herr Rösler sich irgendwie inhaltlich äußern müsste, und das wollen wir wohl alle nicht.

Wie wollt ihr euch neben den anderen Parteien positionieren? Wollt ihr eine liberale Partei sein, oder weiter auf dem Weg zur fünften sozialdemokratischen Bundestagsfraktion bleiben? “Es ist nicht marktwirtschaftlich, wenn Menschen acht Stunden am Tag für Löhne arbeiten, von denen sie nicht leben können“? Raffiniert, Herr Garg. Die unsinnige Gängelei wird gleich viel liberaler, wenn man sie nicht mit Defiziten in der sozialen Gerechtigkeit begründet, sondern ihr Objekt als “nicht marktwirtschaftlich” deklariert. Klar. Die Entscheidungen der Marktteilnehmer sind natürlich nur dann “marktwirtschaftlich”, wenn sie den Wünschen der Regierung entsprechen, und müssen ansonsten per obrigkeitlichem Zwang korrigiert werden. Urliberale Position, das.

Ich meine, ihr müsst das wissen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die euch genau sagen können, wie ihr euer Programm ändern müsst, um endlich irgendwo mal wieder mehr als 3% zu erzielen. Ich habe keine Ahnung von Wahlkampf. Vielleicht ist es ein Mords-Erfolgskonzept, die kleinste SPD zu werden. Vielleicht macht ihr aus dieser Sicht alles genau richtig.

Ich gehöre aber ganz bestimmt zu den Leuten, denen ihr es mit solchen Manövern noch mal erheblich erschwert, euch wenigstens als das geringste Übel zu empfinden. Was euch wiederum fast egal sein kann, weil ich außerdem zu den Leuten gehören, die euch sowieso noch nie gewählt haben.

Ich mein halt nur.


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