Nicht ohne Ironie

4. November 2013

Die Debatte über den NSA-Skandal und den Datenschutz ist kaputt. Darüber habe ich schon öfter geschrieben, aber das soll mich nicht davon abhalten, es noch mal zu tun, denn wenn die Panikmacher und Datenschützer immer wieder den gleichen Quatsch wiederholen können, dann können die das schon lange. Deswegen spreche ich heute noch mal die beiden meiner Meinung nach wichtigsten und unerfreulichsten Mängel in ihrer Argumentation an.

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Restebloggen (99)

2. November 2013
  1. Was hat sich wohl der Mensch gedacht, der mein Navigationsgerät programmiert hat?
    “Laatzen, Hildesheimer Straße 157.”
    “Meinte Sie Laatzen, Hildesheimer Straße (Gleidingen) 157?”
    “Ähhh… Pfff… Joa, dann wahrscheinlich schon.”
    “Die gesuchte Hausnummer wurde nicht gefunden.”
    “Hrmgrmbl. Laatzen, Hildesheimer Straße 157.”
    “Meinten Sie Laatzen, Hildesheimer Straße (Gleidingen) 157?”
    “Nein.”
    “Bitte wählen Sie einen Eintrag.”
    Und dann steht da zur Auswahl auf dem Display:
    1. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    2. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    3. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    4. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    Ja nee ist klar.
  2. Nicht unbedingt zum Brüllen komisch, aber ich finde die Darstellung des Interviewten toll.

  3. Ich bin eine Liberale, verachtet mich!
    Hauptsächlich natürlich, weil ich dafür eintrete, dass Leute von ihrer Arbeit nicht leben können, im Winter frieren und schlussendlich auf der Straße oder noch besser im Straßengraben verrecken. Hätten sie halt was Vernünftiges gelernt. 
  4. Auch eigentlich viel zu spät, aber so schön gesagt, dass ich es hier noch mal verlinken will:
    “Das Übermaß an Talkshows, Duellen, Reportagen, Dokumentationen und den ganzen schrecklich originellen Wahlsendungen, es wirkt, als wollte jemand kurz vor einem Date noch vier Jahre Fressen und Faulenzen ausgleichen, indem er zwei Tage fastend im Sportstudio verbringt. Vor allem aber vermittelt es mit der Fixierung auf das bloße Zurwahlgehen das Gefühl, dass das schon alles sei, was Demokratie ausmacht: Dass alle im Abstand von vier Jahren irgendwo ihr Kreuz hinmachen, selbst diejenigen, die – bis es ihnen ProSieben erklärte – den ‘Bundestag’ für einen Tag wie den Mittwoch oder den 1. Mai gehalten haben” 
  5. Verflixt noch mal, wie kam das eigentlich, dass die Hersteller von Headsets eines Tages beschlossen, dass es keinen Grund gibt, aus dem Mikrofone irgendwo im weiteren Umfeld des Mundes sein sollten, und dass sie stattdessen offensichtlich direkt ans Ohr gehören?
  6. Wenn Philosophen in Interviews öfter mal was über ihr eigentliches Fachgebiet sagen würden, statt zum Beispiel Blödsinn über Armut, Wirtschaft und Gier zu erzählen, dann wäre mein Respekt vor ihnen sicherlich wesentlich größer, denn ich muss ja zugeben, dass unsere Welt sehr darunter leidet, dass kaum jemand eine klare Vorstellung von Epistemologie hat, oder ein sauberes Konzept davon, wie wir über Dinge nachdenken sollten. Genau darum geht es in diesem – nach meiner bisherigen begrenzten Erfahrung – sehr guten und sehr sympathischen Philosophiekurs der University of Edinburgh, an dem jeder völlig kostenlos teilnehmen kann. Mir gefällt er. Und wenn ich das richtig verstehe, kann man irgendwie sogar so eine Art Schein dafür kriegen. Der kostet dann ein bisschen was, aber dafür hat man dann ja auch sein Jodeldiplom. Empfehlung.
  7. Nicht kostenlos, aber preiswert, und zum Unbedingtmalausprobieren, auch wenn ihr mit Videospielen eigentlich nichts am Hut habt: The Stanley Parable. Zu schön. Lohnt auf jeden Fall auch das Anlegen eines Steam-Accounts, wenn ihr bisher keinen habt. Und falls ihr partout nicht bereit seid, ein paar Euro auszugeben, um es selbst zu spielen, könnt ihr euch zumindest eines der Let’sPlays der RocketBeans ansehen, zum Beispiel dieses mit Trant.
    Ach so, Englischkenntnisse müssen aber sein.

Wie Franz-Josef Strauß immer gerne sagte:

18. Oktober 2013

Wenn jemand den Urheber kennt, bin ich für einen Hinweis dankbar. Ich habs von https://matthias-mader.de/diverses/gleichheit/ via http://guinanxyz.tumblr.com/post/64318925032/gleichheit-naechstens-mehr

Die Frage ist doch eigentlich schon völlig falsch.

Ich mag diese Wortspielereien nicht, und ob jemand mit “Gleichheit” nun das eine oder das andere meint, überlasse ich gerne dieser Person, solange wir beide wissen, wovon wir sprechen.

Viel ergiebiger für die Bestimmung unserer Vorstellungen vom Zusammenleben mit anderen Menschen wären doch Fragen wie

  • Wenn mehrere Leute gerne eine Kiste benutzen wollen, um über einen Zaun zu gucken, wie entscheiden wir dann, wer sie bekommt?
  • Wenn jemand eine Kiste gezimmert hat, auf die er steigen will, um die Äpfel in seinem Garten zu pflücken, darf ich ihm die wegnehmen, damit ich ein Fußballspiel anschauen kann, das jemand hinter einem Zaun abhält, weil er nicht will, dass ich zusehe?
  • Ändert es was, wenn er die Kiste nur gezimmert hat, um sie als Dekoration aufzustellen, einfach weil er sich lieber Kisten anguckt als Fußballspiele?
  • Darf ich jemanden bestrafen, weil er eine Kiste gezimmert hat, deren Kantenlänge nicht den von mir vorgegebenen Maßen entspricht?
  • Darf ich jemanden bestrafen, weil er etwas auf seine Kiste schreibt, das mir nicht gefällt?
  • Darf ich jemanden bestrafen, weil er in seiner Kiste Sitzmöbel aufstellt und Leuten gegen Geld was zu essen serviert, ohne ihnen zugleich eine Toilette anzubieten?
  • Was ist, wenn er eine bestimmte Versicherung für seine Kiste nicht abschließen will?

Und ja, ich weiß natürlich, dass das eine nicht so ganz seriöse Gesprächsführungstechnik von ihm war.  Aber mal ehrlich, die anderen Fragen sind doch wirklich viel interessanter.

Oder?


Ihr seid der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe

18. August 2013

Bei unserer ersten Diskussion hier habe ich das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) ja noch nicht so richtig verstanden. Das ist nicht überraschend, denn es war niemand dabei, der sich so richtig auskannte. Heute war aber nun die angekündigte Podiumsdiskussion, in der ich gemeinsam mit einem Vertreter der EKD (And isn’t it ironic?) vier professionellen Befürwortern des BGE gegenüber stand. Erwartungsgemäß wurden dabei alle Unklarheiten beseitigt, und ich habe nun umfassend begriffen, wie das läuft:

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“Bedingungslos”, schon Scheiße

6. August 2013

Ich werde voraussichtlich demnächst das nicht ganz unzweifelhafte Glück haben, an einer Podiumsdiskussion der Piratenpartei zum Bedingungslosen Grundeinkommen teilnehmen zu dürfen, konkret zu der Frage, ob “wir” dieses Grundeinkommen brauchen. Da ich davon einerseits bisher wenig Ahnung und folgerichtig auch wenig Meinung habe, würde ich mir beides gerne erarbeiten, idealerweise mit eurer Unterstützung.

Dieser Beitrag wird deshalb unter Umständen etwas weniger unterhaltsam als die letzten, dafür aber vielleicht auch etwas sachlicher. Damit eignet er sich vielleicht auch gleich als Gelegenheit für euch, mir sagen, welcher Stil euch besser gefällt, sogar wenn ihr euch zum eigentlichen Thema nicht äußern wollt.

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Hardcore Tristesse fragt, überschaubare Relevanz antwortet

7. Juli 2013

Das im weiteren Sinne befreundete Blog Hardcore Tristesse hat etwas an Liberalen auszusetzen, und obwohl ich diesen Begriff für mich aktuell kaum noch benutze, weil Liberale mir nicht liberal genug sind, kommentiere ich das mal. Vielleicht kann ich ja weiterhelfen. Dafür spricht, dass ich wohl tatsächlich das meiste von dem verkörpere, was die Kritiker des Liberalismus (Ich benutze den Begriff jetzt einfach mal so vage und kläre auf, wenn jemand konkreter werden will.) nicht leiden können, und dass es mutmaßlich schwer wird, jemand Liberaleres als mich zu finden, der noch ganze Sätze äußert. Dagegen spricht, dass ich keiner irgendwie gearteten politischen Organisation angehöre und deshalb für niemanden sprechen kann außer mir selbst.

Schaumermal.

mich erstaunt doch in manchen Bereichen, wie man die liberale Idee so undifferenziert und grenzenlos durchsetzen wollen kann, am deutlichsten beim Thema Verbraucherschutz.

Ich brauchte drei Anläufe, um den Artikel zu lesen, weil Verbraucherschutz ein solches Reizthema für mich ist, dass mein Sputum schon zu schäumen anfängt, wenn ich das Wort bloß höre, aber andererseits hab ich lange nichts mehr geschrieben, und Bettler können nicht wählerisch sein, gell?

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The wrong way to think about surveillance (2)

27. Juni 2013

Soweit ich mich erinnern kann, habe ich nie behauptet, besonders originell zu sein, deswegen erwarte ich keinerlei Beschwerden darüber, dass hier heute noch mal der gleiche Artikel erscheint wie gestern. Außerdem wirds heute kürzer. Also Ruhe im Glied (allgemeines Prusten, Kichern und verschämtes Grinsen, je nach Temperament), und zugehört.

Heute geht es um

Why ‘I Have Nothing to Hide’ Is the Wrong Way to Think About Surveillance

von Moxy Marlinspike in Wired. Natürlich ist “Ich habe nichts zu verbergen” in der Tat kein hilfreicher Gedanke, wenn wir über staatliche Überwachung diskutieren wollen, aber ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich gleich am Anfang sage, dass Herr Marlinspike (Ich bin mir zu schade für Namenswitze (*Räusper, böse guck * Ich sagte Ruhe!), aber der heißt nicht wirklich so, oder?) uns in seinem Meinungsstück nicht viel darüber verrät, warum das so ist.

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