Niemand kann ihnen diese Verantwortung abnehmen

25. Januar 2015

Die nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete Serap Güler hat einen Gastbeitrag für die FAZ geschrieben. Darin versucht sie, sich mit dem Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus auseinanderzusetzen und fordert:

Wir dürfen uns nicht länger hinter der Phrase verstecken, Gewalt und Terror hätten nichts mit dem Islam zu tun.

Dass sie das ein bisschen merkwürdig macht, könnt ihr daran erkennen, dass ich diesen Artikel geschrieben habe. Was genau schief gelaufen ist, erfahrt ihr, wenn ihr mir hinter die Trennlinie folgt.

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Das Fremde kommt einem immer so fremd vor

10. Oktober 2014

Natürlich lässt die Kritik an einer Sache sich nicht mit dem Hinweis entkräften, eine andere Sache sei ja auch nicht besser. Aber wenn jemand schon recht deutlich schreibt “Wir habens doch geschafft, warum können die das denn nicht auch?”, dann darf man ihn in meinen Augen darauf hinweisen, dass er gewisse Dinge im Vertrauten völlig okay findet, die ihm am Fremden mordsbedenklich vorkommen, insbesondere dann, wenn die Forderungen, die er aufstellt, ohnehin schon nicht besonders viel Sinn ergeben.

Und deshalb schreibe ich diesen Post über Jochen Bittners Artikel “Wo bleibt ein Imam der 95 Thesen?” auf Zeit.de.

Ich habe also zwei recht unterschiedliche Ansätze von Kritik an Bittners Ausführungen, und der Einfachheit halber handeln wir die mal ganz unoriginell klar getrennt nacheinander ab. Und weil wir ja dafür nun mal irgendeine Reihenfolge brauchen, nehmen wir doch einfach die, die da oben in meinem ersten Absatz mehr oder weniger zufällig schon steht:

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gewichtige demokratische Argumente

9. August 2014

Johann Schloemann hat einen sehr merkwürdigen (und leider nicht mehr kostenlos zugänglichen) Text für die SZ geschrieben, und weil dies die Zentrale für die Kommentierung merkwürdiger Texte ist, hat koljazao mir vorgeschlagen, Johann Schloemanns merkwürdigen Text zu kommentieren, was ich nun mit Vergnügen und Verspätung zu tun gedenke:

Es ist falsch, die Vollverschleierung zu verbieten.

Prima, wir sind uns einig, schönen Abend no-

Dennoch gibt es gewichtige demokratische Argumente gegen Burka und Nikab.

Äh. Joa. Och. Ähm. Ja meinetwegen, bestimmt, was auch immer demokratische Argumente sind, ist schon okay, also dann, schönen A-

Man sollte sie nicht einfach als illiberal und intolerant abtun.

Stimmt. Wahrscheinlich nicht. Wenn sie doch gewichtig und demokratisch sind. Hach. Na gut, Herr Schloemann, dann lassen Sie mal hören.

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Islamkritikquotenbeitrag

9. Juli 2013

Christen werfen uns militanten Skeptikern ja gerne mal vor, wir würden uns nur an ihnen abarbeiten, weil wir Angst haben, dass es von islamischer Seite was aufs Maul gibt, wenn wir Muslime kritisieren. Weil ich aber weiß, dass Muslime genauso wie Christen im Großen und Ganzen total nette und vernünftige Leute sind und weil ich ja unter Pseudonym schreibe schreckt mich das nicht, und weil ich heute Morgen zufällig im Radio einen Beitrag zum Thema Ramadan gehört habe, habe ich auch gleich ein Thema, also frisch ans Werk.

Für alle, die es nicht wissen: Ramadan ist der islamische Fastenmonat, in dem es Muslimen von Sonnenauf- bis -untergang nicht gestattet ist, zu essen oder zu trinken, zu rauchen, Geschlechtsverkehr zu haben und wohl auch noch ein paar andere Sachen, obwohl ich sicher bin, dass es reichlich Muslime gibt, die das nicht, anders, oder nur ein bisschen so machen. Nach Sonnenuntergang darf und soll also wieder gegessen werden, und soweit ich das überblicke sogar nicht zu knapp. Ich habe selbst mal diese angeblich typische Ramadansuppe nachgekocht und fand die zwar köstlich, aber auch unheimlich schwer und kalorienreich. Der Ramadan beginnt in diesem Jahr am 9. Juli, also heute, und endet am 9. August. Ich habe mich spaßeshalber entschieden, das auch mal einen Tag zu versuchen, und damit komme ich auch schon zu meiner Bewertung, denn mir ist klar, dass es insbesondere die muslimischen Leser von überschaubare Relevanz brennend interessieren wird, was dieser Typ mit dem albernen Pseudonym von den Regeln hält, die der allmächtige Schöpfer des Universums ihnen auferlegt hat.

Grundsätzlich bin ich sehr dafür, so ziemlich jeden Quatsch mal auszuprobieren, auch wenn er noch so abwegig ist, und sogar besonders dann. Von unseren Gewohnheiten abzuweichen, ist eine Chance, neue Erfahrungen zu machen und etwas über uns selbst und womöglich auch die Welt um uns herum zu lernen. Speziell bei der Ernährung kann das doppelt sinnvoll sein, denn ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass wir damit vernünftiger umgehen könnten und dass es wohl eher nicht schaden kann, weniger zu essen. Andererseits macht man das im Ramadan gerade nicht, denn was man den Tag über nicht gegessen hat, stopft man dafür ja nachts wiederum in sich rein (Nee, ich weiß, muss man nicht, und wenn Leute das anders handhaben, prima.), was die Sache irgendwie witzlos macht, und richtig besorgniserregend finde ich das Trinkverbot. Da geht es keineswegs nur um Alkohol, sondern um alle Getränke. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Keinen Schluck Wasser, keinen Tee, nicht mal ein freundliches Glas Apfelsaft. Das finde ich schon reichlich bedenklich, und ich vermute, dass es mir extrem schwer fallen wird, wenn ich das Experiment nicht sogar vorzeitig abbreche. Ich trinke nämlich unter gewöhnlichen Umständen sehr viel und fühle mich schon unangenehm ausgetrocknet, wenn ich mal zwei Stunden ohne Flüssigkeit auskommen muss. Mit meiner begrenzten medizinischen Einsicht würde ich auch wetten, dass das unweigerlich die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen muss, insbesondere, wenn man es nicht nur spaßeshalber mal einen Tag lang macht, sondern wirklich einen Monat stur durchzieht.

Na gut, egal, bizarres religiöses Ritual ist bizarr, wer hätte das gedacht? Wo ist denn jetzt die angekündigte furchtlose Islamkritik, du militanter Atheist, du? denkt ihr jetzt, und ihr könnt unbesorgt sein, die kommt jetzt weeeeiiil:

Wenn jemand halt gerne Unfug mit seinem eigenen Körper anstellen will, dann darf er das machen, obwohl es schade ist, aber Muslime haben ja auch Kinder. Und die lernen das auch so. Der Ramadan gilt zwar immerhin nur für Menschen nach der Pubertät und auch nicht für Schwangere und Kranke, aber die Pubertät setzt ja bei Mädchen schon ab zehn Jahren ein, und bei Jungen ab 12, da würde ich schon immer noch von Kindern reden. Darüber hinaus habe ich via Google diesen Hinweis gefunden:

Kinder, die die Pubertät nicht erreicht haben, werden ermutigt so viele Tage zu fasten wie sie können.

Muslimkundige Leser sind aufgerufen, mich zu belehren, aber das klingt für mich erst mal plausibel, und wir haben ja auf jeden Fall unstreitig die Kinder nach der Pubertät, die von ihren Eltern vorgegeben bekommen, dass sie einen Monat im Jahr tagsüber weder essen noch trinken dürfen. Das war übrigens auch der Anlass für diesen Beitrag, denn der Typ im Radio erzählte entrüstet davon, dass er mitbekommen habe, dass muslimische Kinder manchmal von ihren Lehrern gesagt bekommen, dass sie doch ruhig was trinken sollen, wenn sie sich dehydriert fühlen und es ihnen nicht gut geht, und das gehe ja nun mal nicht.

Ich weiß nicht, wie viele Muslime das wirklich so machen. Ich vermute, dass es wie beim Christentum auch in vielen Fällen nicht sehr ernst genommen wird und insofern praktisch meistens viel weniger bedenklich ist, als es hier klingt. Aber so ganz grundsätzlich kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen, wie das keine Kindesmisshandlung sein soll.

Und ihr so?


Der Hass der OZ

13. September 2012

Um meine pathologisch FAZ-Obsession zu lindern, hat mir jemand freundlicherweise ein alternatives Qualitätsmedium empfohlen, das ich nun heute zum ersten Mal gelesen habe, um mich davon zu überzeugen, dass es auch ein Leben außerhalb von faz.net gibt. Und siehe da, ich habe gleich ein Thema gefunden, über das ich so gern schreiben möchte, dass ich mich mal von dem etwas unglücklichen Umstand abhalten lasse, dass dazu eigentlich bei Neues aus Westsibirien schon alles gesagt ist.

Robin Fehrenbach schreibt in der Neuen Osnabrücker Zeitung unter der Überschrift “Der Hass der Andersgläubigen” zu den Angriffen auf das US-Konsulat in Bengasi und die Botschaft in Kairo. Falls ihr davon nichts gehört haben solltest: Manche Muslime fühlten sich von einem Trailer für einen angeblichen Film namens “Innocence of Muslims” beleidigt und dachten sich, ein paar Morde wären darauf wohl die angemessene Reaktion. Was schreibt Fehrenbach nun dazu?

 In ihrem Hass auf Andersgläubige stehen die  Islamisten aus Libyen und Ägypten den geistigen Brandstiftern jenseits des Atlantiks in nichts nach.

Ähm.

Hm.

Wow.

Jemand, der unschuldige Menschen tötet, steht jemandem, der ein unlustiges billiges hämisches YouTube-Video veröffentlicht, in nichts nach? Wie verdreht muss man denn denken, wie vollständig müssen einem die Maßstäbe abhanden gekommen sein, um sowas zu schreiben?

Sie beide sind schlichtweg Fanatiker.

Fehrenbach traut sich anscheinend nirgends, explizit zu sagen, dass er beide Handlungen ungefähr gleich bewertet, aber es kommt in seinem Kommentar für mich unmissverständlich rüber.

Der angeblich von koptisch-christlichen und jüdischen Überzeugungstätern in die Welt gesetzte Film stellt ein abartiges Machwerk dar und ist auf das Schärfste zu verurteilen.

Interessant, dass Herr Fehrenbach das weiß, ohne ihn gesehen zu haben. Er kann ihn nicht gesehen haben, denn niemand kennt den ganzen Film, falls es überhaupt einen gibt. Bekannt ist nur dieser Trailer. Nun mag der reichen, um zu dem Schluss zu kommen, dass der ganze Film ein abartiges Machwerk wäre und auf das Schärfste zu verurteilen wäre (Ich sehe das auch so. Habt ihr diese Green-Screen-Effekte gesehen? Und diese Schauspieler Darsteller? Sowas kann man wirklich nicht scharf genug verurteilen.), aber wenn ich schon für eine Zeitung schreibe, kann ich mich doch auch präzise ausdrücken und von dem Trailer sprechen, den ich gesehen habe, falls überhaupt.

Und dann schreibt er noch, der Produzent sei ja auch abgetaucht, was seine Feigheit demonstriere, als gäbe es im Kontext von massenhafter mörderischer Gewalt nichts Dringlicheres, als diesen Filmproduzenten zu verurteilen. Ja, verurteilen, im doppelten Sinne:

Zudem gehören die Verantwortlichen der virtuellen und realen Taten vor Gerichte.

Und ich frage noch einmal: Wie weit muss man sich von sinnvollen moralischen Vorstellungen entfernt haben, um auch nur zu implizieren, dass Mörder und Produzenten schlechter YouTube-Videos ein vergleichbares Maß an  Schuld tragen? Kann man diesen Satz irgendwie anders verstehen? Bin ich unfair?

Und wenn die Produzenten dieses Videos (und die Darsteller, die Kameraleute, die Effektspezialisten, die Beleuchter? Verantwortlich sind die ja alle irgendwie, oder?) dann schließlich vor Gerichten stehen, was sollen diese Gerichte nach Meinung von Herrn Fehrenbach mit ihnen machen? Was genau ist die “virtuelle Tat”, die wir ihnen vorwerfen?

Sollten wir generell Menschen bestrafen, deren Machwerke wir als abartig beurteilen, oder nur dann, wenn die Gegner dieser Machwerke ein gewisses Maß an Kriminalität und Wahnsinn überschreiten?

Was ist die Strafe für vollständig missglückte und moralisch verwerfliche Meinungsäußerungen, Herr Fehrenbach? Und ist die dann auch für Zeitungsautoren anwendbar?


Good at running to Washington

14. August 2012

Das Bundesland Hamburg beabsichtigt offenbar, einen Staatsvertrag mit drei islamischen Verbänden schließen, und während ich wohl prinzipiell nichts gegen diese Idee habe, auch wenn ich mir als islamischer Verband vielleicht zu schade wäre, mit so einer verkommenen Bande wie den Hamburger Politikern Verträge zu schließen, finde ich doch einiges in diesem FAZ-Bericht, den ich darüber gelesen habe, etwas sonderbar. Es geht ziemlich am Anfang schon los:

Danach sollen an staatlichen Schulen künftig auch muslimische Lehrer das Fach Religion unterrichten dürfen. Der Hamburger Religionsunterricht […] wird […] von der evangelische Kirche verantwortet. Das soll so bleiben

Da möchte man als Freund eines aufgeklärten Rechtsstaates doch schon gleich verzweifeln, oder nicht? An einer staatlichen Schule wird der Unterricht in einem Fach von einer Gemeinschaft bestritten, die ein bestimmtes Bekenntnis in Bezug auf dieses Fach vertritt. Es war bisher offenbar nicht erlaubt, dass jemand dieses Fach unterrichtet, der dieser Gemeinschaft nicht angehört. Jetzt soll Angehörigen einer einzigen von den zehntausend anderen Gemeinschaft ebenfalls gestattet werden, dieses Fach zu unterrichten, aber natürlich weiterhin unter der Ägide der ersten Gruppe.

Ehrlich jetzt. Ich weiß, dass meine Entrüstung vielleicht ein bisschen künstlich rüberkommt, weil wir alle schon lange wissen, dass Religionsunterricht in Deutschland nun mal von den christlichen Kirchen veranstaltet wird, aber ich habe mit dem Thema so selten Kontakt, dass es mich jedes Mal wieder wie ein Schlag trifft. Ich weiß, Schüler können sich weigern, an diesem Unterricht teilzunehmen, aber trotzdem: Wie doof ist denn das?

Man stelle sich vor, der Politikunterricht würde ausschließlich von der CDU organisiert und abgehalten, und ein Bundesland wollte es uns jetzt als großen Fortschritt verkaufen, dass in Zukunft auch Parteiangehörige der FDP unterrichten dürfen, wenn auch natürlich weiterhin verantwortet vom großen Koalitionspartner. Oder man stelle sich vor, Biologieunterricht dürfte ausschließlich von Lyssenkoisten erteilt … Ihr habt das Prinzip verstanden? Okay, bitte um Entschuldigung. Weiter.

Der Vertrag sieht außerdem vor, dass einige muslimische Feiertage […] künftig in Hamburg wie kirchliche Feiertage behandelt werden. Arbeitnehmer haben dann ein Recht auf einen freien Tag, müssen die Zeit aber nacharbeiten oder Urlaub nehmen.

Noch so’n Ding.

Ich muss zugeben, dass der Begriff “kirchliche Feiertage” nicht so ganz eindeutig ist, aber ich wage erst einmal die Behauptung, dass das keine Gleichbehandlung ist. An den großen kirchlichen Feiertagen (Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt, ihr wisst schon) müssen Arbeitnehmer nicht Urlaub nehmen oder nacharbeiten. Sie haben frei. Punkt. (Übrigens, wenn ich kurz zwischendurch auch noch mal den Libertären raus lassen darf: Sympathische Idee, einen Vertrag zu verhandeln, in dem man Dritten (hier: Arbeitgebern) Pflichten auferlegt, ohne diese auch nur zu beteiligen. Stay classy, Hamburg!) Lügt hier die FAZ? Oder hat  Hamburg die FAZ belogen, und die haben das einfach übernommen? Bin ich zu pingelig, und es sind eben die nichtgesetzlichen kirchlichen Feiertage gemeint? Macht es überhaupt einen Unterschied? Und warum nur einige muslimische Feiertage? Wenn es keine gesetzlichen Feiertage sind, warum nicht alle? Die christlichen Kirchen dürfen doch auch nicht nur einige ihrer Feiertage als nicht gesetzliche kirchliche Feiertage deklarieren, oder?

Über die genaue Ausgestaltung des Religionsunterrichts muss allerdings weiterverhandelt werden, der Vertrag gibt dafür fünf Jahre Zeit.

Im Vergleich zu den anderen Sachen vielleicht eine Kleinigkeit, aber doch: Laut diesem FAZ-Artikel hat die Stadt Hamburg bereits fünf Jahre mit den Verbänden verhandelt. Und jetzt ist dabei ein Vertrag rausgekommen, der vorsieht, dass über einen der wichtigsten Kernpunkte “weiterverhandelt werden” muss. Das mag jetzt in diesem Kontext leicht unpassend wirken, aber: Jesus Christus! Bloß gut, dass diese Leute nie in die Lage geraten werden, schnell wichtige Entscheidungen treffen zu müssen.

Hamburg will sich zudem dafür einsetzen, dass die muslimischen Verbände auch einen Sitz in den Rundfunkgremien erhalten. 

Gaahh! Warum? Was haben Vertreter religiöser Organisationen in Rundfunkgremien verloren? Sollten da nicht Leute sitzen, die was von Rundfunk verstehen? Zur Sicherheit: Ich habe nichts dagegen, dass religiöse Menschen solche Gremien bevölkern. Ich begreife bloß nicht, wie man auf die Idee kommt, jemand müsse da Mitglied sein, weil er einer bestimmten Religion angehört. Und was ist mit Juden, Scientologen, Hindus und Buddhisten, Skeptikern, Jedis und Zwölfgöttergläubigen?

Für den gemeinsamen Religionsunterricht an staatlichen Schulen ist festgelegt, dass sich die evangelische Kirche und die muslimischen Gemeinden gleichberechtigt die Verantwortungen für dieses Fach teilen.

Bäh… däh… äh… Was? Stand da nicht irgendwo anders, dass die evangelische Kirche den Unterricht verantwortet, und dass das so bleibt? Wie ist es denn jetzt richtig? Ich weiß es leider nicht, und konnte es auch nicht herausfinden. Auch in anderen Berichten habe ich dazu keine klare Auskunft gefunden.

Fassen wir zusammen: Die Stadt Hamburg will mit einigen muslimischen Verbänden einen Vertrag schließen, der Muslime zwar nicht fair behandelt, und bei weitem nicht so gut wie die evangelische Kirche, aber doch immerhin noch ein bisschen besser als alle übrigen Glaubensgemeinschaften, die nach wie vor gar keine Sonderrechte bekommen, und unsere Qualitätsjournalisten, die sich schon unbändig auf ihre eigenen blödsinnigen Sonderrechte freuen, kriegen es nicht gebacken, einen informativen oder wenigstens in sich konsistenten Artikel darüber zu verfassen.

Und das unter Umständen Traurigste an der ganzen Sache ist, dass wir alle wissen, worum die Diskussion sich drehen wird: Islamisierung! Christliche Tradition! Abendländische Werte! Sharia! wird die eine Seite rufen, und die andere Seite wird von Gleichberechtigung und Integration reden, und kaum jemand davon, dass hier mal wieder jemand die Staatsgewalt nutzt, um sich Privilegien zu verschaffen und dass es ganz egal ist, ob das Christen sind, Muslime, Scientologen, Männer, Frauen, Konzerne oder Verbraucher oder Presseverlage.

Es sind die Privilegien an sich, die unserer Gesellschaft schaden und den Rechtsstaat aushöhlen.


… uuuund wir haben einen Gewinner!

1. Juni 2012

Der hart umkämpfte Wanderpokal für die dümmste Äußerung zur Frage “Gehört der Islam zu Deutschland?” geht heute an den CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl für seinen sensationallen Kommentar:

“Ich halte das, was Herr Gauck gesagt hat, für sehr klug. Nicht der Islam gehört zu Deutschland, sondern die Muslime, die hier auf Dauer leben. […] Der Islam bleibt für uns eine fremde Religion, dennoch sind die Muslime herzlich willkommen.“

Ich kann mir zwar gerade nicht vorstellen, wie das noch jemand toppen will, bin aber sicher, dass ich es bald erfahren werde.


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