Even Cops Call 911

11. März 2014

(Ja, ich weiß natürlich, dass archäologische Notgrabungen eigentlich nichts besonders Lustiges sind und offenbar sogar den Großteil der heute in Deutschland stattfindenden Grabungen ausmachen, aber der Begriff klingt halt so schön albern, dass ich meine Assoziationskette nicht mehr ganz unter Kontrolle halten konnte.)

Neulich in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Einige Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Einige weitere Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

Rrring.

Am selben Tag, einige Stunden später in der archäologischen Notrufzentrale:

Klick.

[Einige Minuten Pause.]

„Ja.

[..]

Hallo.“

[…]

Am nächsten Tag in der archäologischen Notrufzentrale:

„Hier ist die archäologische Notrufzentrale.

[Einige Stunden später.]

Was können wir denn für Sie tun?“

[…]

„Oh.

[…]

Oh ja.“

Am nächsten Tag in der archäologischen Notrufzentrale:

„Das klingt wirklich nach einem Notfall.“

Einige Tage später in der archäologischen Notrufzentrale:

„Wo befindet sich denn der Ausgrabungsnotfall?“

[…]

„Ah. Danke.“

[Einige Stunden später]

„Das Wichtigste ist dass Sie jetzt Ruhe bewahren. Wir rechnen damit, dass wir noch in dieser Epoche jemanden zu Ihnen schicken können.“

Einige Legislaturperioden später, am Fundort:

Ein Mobiles Archäologisches Einsatzkommando trifft mit eingeschaltetem Infrarotlicht ein. Der Lautsprecher auf dem Dach knackt in regelmäßigen, sehr langen Abständen.

Der Einsatzleiter führt den Kalendervergleich mit seinem Team durch, springt aus dem Wagen, liest eine Ausgabe des American Journal of Archaeology, trinkt einen Kaffee, packt seinen Laptop aus, schreibt einen Aufsatz über die Bedeutung von Runensteinen in protogermanischen Stammesgemeinschaften und eilt sofort anschließend mit gezogenem Flüssigszintillationsspektrometer auf den Fundort zu.

Ein Bauarbeiter: “Hey, was machen Sie denn hier? Hier ist Helmpflicht. Hey! Sie! Hallo! Nun sagen Sie doch endlich was! Sie da! Ja meine Güte …”

Der Einsatzleiter des Archäologischen Einsatzkommandos: “Keine Bewegung!”

Ein Teammitglied, mit Taschenlampe, hinter ihm: “Schon gut, die sind inzwischen eh alle nach Hause gegangen. Wollen wir denn jetzt loslegen?”

Einsatzleiter: “Nicht so eilig! Sehen Sie die Klinge da drüben?”

Teammitglied: “Nein! Es ist stockfinster.”

Einsatzleiter: “Leuchten Sie doch mal mit der … oh, egal, jetzt ist eh gerade die Sonne aufgegangen. Also, was ich sagen wollte: Der sieht mir doch sehr nach einem Henkerbeil aus.”

Teammitglied: “Verdammt.”

Einsatzleiter: “Schnell! Rufen Sie ein rechtsarchäologisches Notgrabungsteam!”

Teammitglied: “Meinen Sie nicht, dass es dafür zu spät ist?”

Einsatzleiter: “Wieso? Und können Sie bitte die Taschenlampe wieder einschalten, man sieht hier ja …”

Teammitglied: “Naja, in sieben oder acht Monaten ist doch schon wieder Winter, und bei gefrorenem Boden hat das doch hier alles keinen Zweck.”

Einsatzleiter: “Sie haben Recht! Lassen Sie uns … Ähm, hallo? Was ist denn … Wo wollen Sie denn hin?”

Teammitglied: “Ich bin in Rente.”

Einsatzleiter: “Verdammt.”


Ich hatte ja keine Ahnung!

8. November 2013

Leute, wir müssen etwas tun. Wir müssen helfen. Schnell. Unbürokratisch. Jetzt sofort.

Nicht länger dürfen wir zögern, es ist die Zeit zu handeln. Die Zeit zu helfen.

Oder vielmehr: Der ZEIT zu helfen.

Oder vielmehr: Den ZEIT-Redakteuren. Denn die Arbeit für die ZEIT scheint das schlimmste Los diesseits der Minen von Mordor zu sein, das einen Menschen ereilen kann.

Die Arbeit in der ZEIT-Redaktion ist unmenschlich, entwürdigend, und verleugnet am Ende gar die Existenz derer, die sie erbringen.

Ich hätte das auch nicht gedacht, aber es muss so sein.

Wie sonst könnte man sich erklären, dass sogar für den stellvertretenden ZEIT-Chefredakteur Bernd Ulrich das Erbringen einer Leistung für einen anderen Menschen gegen Geld offenbar die größte Entfremdung ist, ein Akt, der einem, je länger man darüber nachdenkt, desto verzweifelter vorkommt?

Anderen Menschen Geld für eine Leistung zu bieten, macht diese in seinen Augen zum Objekt.  Wird vielleicht deshalb, wie man hört, die Bezahlung von Journalisten immer prekärer?

Irgendwie liegt es ja nahe. Herr Ulrich will halt sein Büro nicht zu einem Schauplatz der Dürftigkeit machen, indem er einen Journalisten dafür bezahlt, dass er verschwindet, während die ZEIT seine Texte veröffentlicht, um eine Sau rauszulassen, die wahrscheinlich schon lange nicht mehr in ihr

Moment mal, steht das da wirklich? Ähm … Ja. Hat Herr Ulrich so geschrieben.

Na gut. Verstehe ich nicht ganz, aber was soll man sagen?

Ich schätze, die ZEIT ist Herr Ulrichs Fluchtburg vor den freien Entscheidungen anderer Menschen mit von seinen abweichenden Bedürfnissen und Anforderungen.

Ich kann das verstehen.

Nur, ist es deswegen schon zwingend, dieses komplizierte, verlogene, nicht minder anstrengende Simulationsspiel in der Redaktion aufzuführen? Lohnt sich die Mühe der wirklichen Nähe nicht, ist das Verschiedenheitsspiel unter Gleichen nicht weit aufregender?

Und mindestens genauso wichtig: Was für ein Zeug ist es, das die da in Hamburg nehmen? Wie kommt man da dran, und ist es teuer?

Darüber wäre zu reden.


Forget science!

31. Oktober 2013

Quelle: Flickr http://flickr.com/photos/41251841@N08/7823977618
Urheber: Christliches Medienmagazin pro
Bearbeitung: Muriel Silberstreif


Der Appell gegen Journalismus

30. Oktober 2013

Die Presse ist “die Vierte Gewalt”? Journalismus ist „ein Beruf wie das Bäckerhandwerk“? Journalismus wird es immer geben, denn er ist unverzichtbar für die Demokratie? Falsch. Auch die Abschaffung der Sklaverei galt vor gar nicht so langer Zeit noch als Utopie. Und auch wenn die Sklaverei aus unserer Welt keineswegs ganz verschwunden ist, so wäre es heutzutage für einen aufgeklärten, demokratischen Staat doch undenkbar, die Sklaverei zu tolerieren oder gar zu propagieren.

Doch genau das tut Deutschland mit dem Journalismus: Es toleriert, ja fördert diese moderne Sklaverei (international „write slavery“ genannt). Das neu geschaffene Leistungsschutzrecht, das angeblich den geschätzt 85.000 deutschen Journalisten nutzen sollte, trägt die Handschrift der Verleger und ihrer LobbyistInnen. Ein deutscher Sonderweg. Selbst Russland rudert zurück. Die arabischen Länder und China haben schon vor Jahren die Ächtung und Bestrafung der freien Presse eingeführt. Die USA und Grobritannien sind im Begriff, es ihnen nachzutun.

Das System Journalismus ist Ausbeutung und zugleich Fortschreibung der traditionell gewachsenen Ungleichheit zwischen Papierzeitungen und Online-Content.  Das System Journalismus degradiert Autoren zur käuflichen Berufsgruppe und verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt “freiwilligen” Journalisten.

Darum fordern wir von Politik und Gesellschaft:

  • Eine Gesetzesänderung, die der Deregulierung von Journalismus (online wie offline) schnellstmöglich Einhalt gebietet und die Journalisten schützt.
  • Prävention in Deutschland und in den Herkunftsländern, sowie Hilfen zum Ausstieg für Frauen im Journalismus. Und Schutz vor Abschiebung von Zeuginnen sowie deren Aufenthaltsrecht.
  • Aufklärung über die Folgen von Zeitungskauf bereits in den Schulen etc.
  • Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Leser; also der Zeitungskäufer, ohne die dieser Menschenmarkt nicht existieren würde.
  • Maßnahmen, die kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung des Systems Journalismus führen.

Ein menschenwürdiges Leben ist denkbar.


Peinlicher Post: Welt.de veröffentlicht Artikel voller leeren Gefasels

7. Oktober 2013

Ein Artikel des Berliner Redakteurs Karsten Kammholz bringt die Welt-Redaktion in Erklärungsnot. In dem Beitrag wimmelt es nur so von inhaltsleeren Nullinformationen.

Eine Kopie des Artikels von Karsten Kammholz in der Welt: Die überflüssigen Passagen hat die "überschaubare Relevanz"-Redaktion ohne die Korrekturzeichen des Dudens handschriftlich blau markiert.

Eine Kopie des Artikels von Karsten Kammholz in der Welt: Die überflüssigen Passagen hat die “überschaubare Relevanz”-Redaktion ohne die Korrekturzeichen des Dudens handschriftlich blau markiert.

Journalisten achten in der Regel auf de Relevanz ihrer Meldungen. Leser mustergültig zu informieren ist eine zwingende Voraussetzung für Erfolg in diesem Beruf, der von der Macht der Worte lebt. In einer Boulevardzeitschrift oder im Feuilleton darf der eine oder andere Artikel schon mal nur aus Gelaber bestehen. Darum soll es hier auch nicht gehen.

Erstaunlich werden Inhaltslosigkeit und informationsfreie Nullmeldungen allerdings, wenn eine Tageszeitung einen Artikel im Politikressort veröffentlicht. Noch erstaunlicher wird so ein Artikel, wenn es sich bei der Tageszeitung um ein überregionales Produkt der selbsternannten Qualitätspresse handelt.

Auf den ersten Blick sieht der der “überschaubare Relevanz”-Redaktion vorliegende Beitrag mit ehrwürdigem Header (“Die Welt”) aus wie ein ganz normaler Artikel eines Online-Portals einer Tageszeitung. Auf den zweiten Blick entpuppt sich das Dokument als peinliche Demonstration von Beckmesserei und unterträglich gewollt-süffisantem Spott.

Eigentlich geht es in dem Post um etwas Ernstes, nämlich um die Kommunikation zwischen den Organen unseres Staates und den Umgang mit den Machenschaften internationaler Geheimdienste. Aber nicht das Was bleibt nach der Lektüre in Erinnerung, sondern das Wie: Die Beherrschung von Humor und angemessenem Sprachstil fiel sichtlich schwer. Mehr noch: Eine inhaltliche Auseinandersetzung wurde vergessen, der gesamte Text ist auf dem Niveau eines schlechten Mein-schönstes-Ferienerlebnis-Aufsatzes geschrieben, aber wenigstens wurde kein Komme gesetzt, wo es nicht hingehört.

Der Reihe nach. Der Artikel beginnt förmlich. Unter dem dominanten Titel “Malu Dreyer schickt Brief voller Fehler an Merkel” hat die Welt maschinenschriftlich einen Teaser hinzugefügt. In gedruckter Sprache geht es weiter, und gleich im ersten Satz wartet der erste Bock. Kammholz erklärt seinen Lesern: “Politiker achten in der Regal auf die Wirkung ihres Auftretens.”

Katze Ich sollte keine Zeitung mehr lesen.


Bundesverfassungsgericht erklärt willkürliche Diskriminierung im Rahmen willkürlicher Diskriminierung für unzulässig

6. Juni 2013

Karlsruhe. Für die Bundesregierung völlig überraschend hat das Bundesverfassungsgericht heute entschieden, dass eine erhebliche Reduktion der Steuerlast aufgrund der vertraglichen Verpflichtung, mit einem anderen Menschen in einer monogamen sexuellen Beziehung zusammenzuleben, zwar nicht zu beanstanden ist, dass von dieser willkürlichen und sinnlosen Vergünstigung allerdings nur bestimmte Arten von monogamen sexuellen Beziehungen willkürlich und sinnlos ausgeschlossen werden dürfen.

Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, bezeichnete den Beschluss als eine Ohrfeige für die Bundesregierung. Frau Merkel wolle nicht wahrhaben, dass

die Zeit längst reif ist für eine weitgehend gleichberechtigte willkürliche Bevorzugung monogamer sexueller Partnerschaften, natürlich mit Ausnahme einiger bestimmter Formen solcher Partnerschaften, für die wir nach wie vor Freiheitsstrafen verhängen.

Andrea Nahles warf der Regierung ein

homophobes, die falschen monogamen sexuellen Partnerschaften willkürlich steuerlich bevorzugendes Weltbild

vor.

Volker Beck (Die Grünen) freute sich, dass das Urteil klargemacht habe:

Niedrigere Steuern für Personen, die sich verpflichtet haben, auf von uns akzeptierte Weise regelmäßig den Beischlaf zu vollziehen, das heißt auch gleiche Ehe. […] Ich hoffe, dass nun in der Union der Widerstand gegen die Gleichstellung nicht vollständig zusammenbricht, sondern nur soweit, dass nun nicht mehr nur hetero-, sondern auch homosexuelle monogame Paare willkürlich vom Staat bevorzugt werden.

Renate Künast (Ebenfalls die Grünen) bot an:

Wir können gleich nächste Woche auf diese neue Form willkürlicher Diskriminierung umstellen, denn der grüne Gesetzentwurf dazu liegt fertig vor.

Einigkeit herrschte unter allen Fraktionen des Bundestages, dass auch in einem neuen Modell gleichberechtigter willkürlicher Bevorzugung das bisherige Grundprinzip des Ehegattensplittings erhalten bleibt, dass monogame hetero- und homosexuelle Paare nur dann von den steuerlichen Vorteilen profitieren, wenn einer der beiden Partner mehr verdient als der andere, solange das gemeinsame Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteige. Diese einhellige Überzeugung begründeten Vertreter aller Parteien in seltener Harmonie mit

Weil … naja, weil … also … Wir finden halt … naja … Artikel 6, und also, Kinder, zum Beispiel, irgendwie, weil, muss zwar nicht, aber ist ja oft, und kann ja auch ruhig, und … also … Hm … Naja … Oh, schon so spät … Ich muss weg!


Aber das ist doch was ganz anderes

4. Juni 2013

Am 1. Juni wurde in Frankfurt am Main eine Gruppe von Menschen, die die Bewegungsfreiheit anderer Menschen durch physischen Zwang einschränken wollte, durch physischen Zwang in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Demonstranten der Gruppe Blockupy, die sich unter anderem für eine stärkere Einmischung der Staatsgewalt in die Vorhaben anderer Menschen einsetzt, zeigten sich entrüstet über diese Einmischung der Staatsgewalt in ihre Vorhaben.

Auch der Juso-Vorsitzende Christian Heimpel, offizieller Demonstrationsbeobachter der Stadt Frankfurt am Main, äußerte scharfe Kritik daran, dass die bewaffneten Beamten, deren Aufgabe darin besteht, gewaltsam zivilen Gehorsam sicherzustellen, gewaltsam gegen zivilen Ungehorsam vorgegangen waren, und sagte, dass der Staat mit Gewalt gegen seine Bürger vorgeht, dürfe nur das absolut letzte Mittel der Auseinandersetzung sein.

Ausnahmen von dieser Grundregel seien in Einzelfällen zwar erforderlich, etwa, wenn es darum gehe, zu bestimmen, wie viele Menschen in bestimmten Funktionen ein bestimmtes Geschlechtsteil aufweisen, welche Mieten für Wohnungen gezahlt werden dürfen, welche Art von Häusen Menschen bauen, welche Arten von Arbeitsverträgen zulässig sind und wie private Organisationen zu gestalten sind, oder um Kraftwerke, Straßen, Opern, Ateliers, Kinderbetreuung oder die Luxuslimousine des Bundespräsidenten zu finanzieren, aber er betonte, zur Unterbindung von Meinungsäußerungen sei der Einsatz von Gewalt keinesfalls akzeptabel.

Eine Ausnahme von dieser Regel sei nach Ansicht von Herrn Heimpel nur dann vorstellbar, wenn es sich um solche Meinungsäußerungen handele, bei denen er es doch sei.


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