Verbrechen und Strafe, oder wohl doch eher nicht

17. September 2011

Heute bashen wir mal einen anderen dummen Aberglauben als das Christentum: Keoni und ich haben gestern beim Einkaufen an der Supermarktkasse einen Flyer von einer Feinstoffpraxis gefunden, und weil wir beide nicht so genau wussten, was das überhaupt ist, haben wir ihn mitgenommen.

Wenn man ihn mal aufklappt, dann kommt der Blödsinn schnell, und er kommt dicke.

“Über den physischen Körper hinaus haben wir Feinstoffkörper, die wie dieser Schmerzen empfinden oder in Unordnung geraten können, wenn man mit ihnen unachtsam umgeht. Die Auswirkungen können feinstoffliche Schmerzempfindungen sein, wie Ängste, Verzweiflung, Traurigkeit, Trennungsschmerzen oder Antriebslosigkeit. Feinstoffliche Ordnung in unseren Feinstoffkörpern ermöglicht uns Gefühle wie Lebensfreude, Lebenskraft, Zuversicht und Dankbarkeit und die Entwicklung einer individuellen, strahlenden Persönlichkeit.“

“Eine individuelle Persönlichkeit!” Höre ich euch rufen. “Toll! Das wollte ich schon immer mal haben. Wie komme ich da ran?” Ihr werdet euch schon gedacht haben, dass die Antwort sehr einfach ist:

“In der Feinstoffberatung bekommen Sie Unterstützung bei feinstofflichen Schmerzempfindungen wie zum Beispiel Trennungsschmerzen von Menschen oder Orten, Partnerschaftsproblemen, Liebeskummer, […] Traurigkeit [und so weiter]

Für ein Anliegen sollten in der Regel 3 Termine eingeplant werden.”

Der Flyer enthält leider keine Preise, aber er informiert uns auch noch darüber, was in den 3 Beratungstermin nach der Göthertschen Methode passiert:

“Im 1. Beratungstermin sprechen wir über Ihr Anliegen, Sie erleben unter Anleitung das Spüren ihrer [sic] eigenen Feinstoffkörper und ich unterstütze den Voraussetzungsprozess.

Im 2. Beratungstermin findet der feinstoffliche Ordnungsprozess statt.

Der 3. Beratungstermin ist für den Anpassungsprozess – nach Veränderung darf sich im Feinstofflichen wie im Physischen eine Anpassung vollziehen.”

Ich weiß, dass ich schon zweimal geschrieben habe, dass Verträge über übernatürliche… sagen wir in Ermangelung eines besseren Begriffs mal: Leistungen legal und wirksam sein sollten, aber das hier ist doch nun wirklich ein Paradebeispiel für die Fälle, in denen meine Argumentation nicht anwendbar ist. Ich würde nach meinem begrenzten strafrechtlichen Verständnis sogar die Behauptung wagen, dass zumindest nach diesem Flyer zu urteilen jedes einzelne Tatbestandsmerkmal des Betrugs erfüllt sein dürfte:

  • Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen: Check, wenn man davon ausgeht, dass die feinstoffliche Beratung nicht entgegen den Angaben auf der Homepage gratis erfolgt.
  • Erregung eines Irrtums durch Vorspiegelung falscher Tatsachen: Eindeutig Check, denn (so traurig es auch ist, dass man das in dieser Zeit überhaupt noch schreiben muss) wir haben keinen verf%&$§§$$“! Feinstoffkörper, was auch immer das überhaupt sein soll.
  • Und der Versuch ist auch schon strafbar, es muss also niemand tatsächlich bezahlen, damit solche Menschen ihre gerechte Strafe erhalten.

Eigentlich könnte man also direkt Anzeige erstatten und sich auf bis zu zehn Jahre Freiheits- oder Geldstrafe freuen, aber ich fürchte, dass die Sache noch mindestens einen Haken hat: den Vorsatz. Ich will mich jedes Urteils darüber enthalten, ob die Person, die für diesen Flyer verantwortlich ist, den Stuss tatsächlich glaubt, aber wir können wohl unterstellen, dass sie es zumindest standhaft behaupten würde. Und wie ich unsere Gesellschaft kenne, hätte sie sehr gute Chancen, damit zumindest den strafrechtlichen Konsequenzen zu entgehen.

Für mich klänge das zwar ungefähr so glaubwürdig wie die Behauptung eines Autodiebes, er wäre versehentlich in den Wagen gefallen, hätte sich dann im Sicherheitsgurt verfangen und bei seinem Befreiungsversuch versehentlich Zündung, Kupplung, Gangschaltung und Gaspedal betätigt, aber… naja, es gibt ja andererseits offenbar auch wirklich Leute, die glauben, die Römer hätten vor ungefähr 2000 Jahren einen unschuldigen Mann kreuzigen müssen, um der Menschheit Vergebung dafür zu verschaffen, dass noch ein paar Tausend Jahre zuvor die ersten beiden Menschen sich von einer sprechenden Schlange mit Beinen dazu haben überreden lassen, das falsche Obst zu essen.

(Ja, ich weiß, ich wollte heute kein Christenbashing. Aber was soll ich sagen? Ich hab mich da einfach nicht im Griff.)


The Dalai Lama walks into a pizza shop

9. September 2011

Einigen von euch ist vielleicht aufgefallen, dass ich im letzten Philoso4 sagte, ich könne den Dalai Lama nicht leiden. Und vielleicht haben einige von euch darauf ähnlich verwirrt, enttäuscht, wütend und traurig reagiert wie Elmo und Du. (Keoni reagiert auf sowas schon gar nicht mehr. Sie weiß, dass ich eigentlich niemanden leiden kann und ist deshalb in einen permanenten Zustand gemäßigter Verwirrung, Enttäuschung, Wut und Trauer übergegangen. Oder so.) Und für die unter euch, die sich mit ihrer Verwirrung, Enttäuschung, Wut und Trauer nicht zufrieden geben wollen und eine Erklärung fordern, liefere ich nun eine. Bitte sehr:

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Mit Verlaub, Herr Haas, Sie sind ein

24. Juli 2011

Mensch der offenbar nicht verstanden hat, was Aufklärung bedeutet, aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grund Technologie, Wissen und Vernunft als etwas Beängstigendes empfindet und aus ebenso unerfindlichem Grund das Bedürfnis verspürt, dieses debile Ressentiment sogar in etwas so harmlosem wie einer kurzen Rezension einer kurzen Fernsehserie zu propagieren, was ich als sehr unerfreulich und verwerflich empfinde.

Mir schwante schon Übles ob der Einleitung, die Herr Haas für seinen Text zu der BBC-Serie “Sherlock” gewählt hat. Er spielt Überraschung ob der Entscheidung, Herrn Holmes in die Gegenwart zu versetzen:

“Ein Detektiv also, noch dazu ein Erbe der Viktorianischen Epoche? Einer, der stolz mit den Mitteln der Ratio hantiert, als sei die Aufklärung eine rundum glückliche Veranstaltung gewesen?”

fragt er, und ich frage mich an diesem Punkt noch um Offenheit bemüht, wie er das meinen könnte. Will er vielleicht nur sagen, dass die Aufklärung noch lange nicht abgeschlossen ist und sich als vielfach schwieriger herausgestellt hat als ihre naiven Begründer damals erwarteten? Das wäre ja noch verständlich und richtig, aber das kann es nicht sein, denn erstens drückt Herr Haas durch seine Formulierung aus, dass er es für unangebracht hält, stolz mit den Mitteln der Ratio zu hantieren, und damit erhält auch der ambivalente zweite Halbsatz für mich eine klare Richtung: Die Aufklärung war keine glückliche Veranstaltung, sondern eine unglückliche. Davon wusste ich bisher nichts, und nun hoffe ich, dass Herr Haas sich auch weiterhin vom Thema seines Artikels nicht in der Verbreitung seiner stumpfsinnigen kleinen Vernunftfeindlichkeit bremsen lässt.

Ich werde nur halb enttäuscht, wobei enttäuscht nicht das richtige Wort ist, denn es kommt, wie ich es von so jemandem erwarte: Herr Haas lässt sich zwar nicht bremsen, kommt aber auch nicht zur Sache. Er wirft weiter mit bedeutungsschwangeren Andeutungen um sich, ohne uns naive Fortschrittsgläubige in die Hintergründe einzuweihen. Er schreibt zum Beispiel:

In dieser Figur laufen die Konfliktlinien der modernen Wissensgesellschaft zusammen“,

und dann lässt er uns damit hängen, ohne zu verraten, welche Konfliktlinien er meint. Ich will nicht leugnen, dass es die gäbe, aber in den nächsten Sätzen schildert Herr Schächter Haas, dass Holmes “als Virtuose der analytischen Kombinatorik” (Ist klar, ne?) mit den “Instrumenten unserer Kommunikationstechnologien” umgeht (womit wahrscheinlich Computer und Handys gemeint sind), sich aber trotzdem manchmal bewegen muss, am liebsten aber nur noch denken würde. Sieht da jemand die Konflikte unserer Gesellschaft zusammenlaufen? Oder irgendwas anderes? Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Falls ihr mir jetzt noch Vorurteile und übertriebene Empfindlichkeit unterstellt und denkt, es könne ja alles ganz anders gemeint sein: Das hielt ich offen gesagt auch noch für möglich, bis ich diesen Satz las:

Wir wissen, dass die Aufklärung auch die Barbarei ausbrütet.

Und dazu habe ich so ziemlich nichts zu sagen, das Herr Haas nicht als Anlass zu einer Beleidigungsklage nehmen könnte. Deswegen lasse ich es und fordere euch auf, selbst zu überlegen, wie viele Beispiele für Barbarei auf Basis eines aufgeklärten, wissenschaftlich-rationalen Weltbildes euch einfallen. Und wehe, einer sagt Hitler. Dann schreie ich.

(Die Serie könnte aber gut sein. Heute um 21:45 Uhr, ARD. Falls ihr Lust habt.)


Isn’t life mysterious?

20. Juni 2011

Does the idea that there might be truth
Frighten you?
Does the idea that one afternoon
On Wiki-fucking-pedia might enlighten you
Frighten you?
Does the notion that there may not be a supernatural
So blow your hippy noodle
That you would rather just stand in the fog
Of your inability to Google?”

Tim Minchin hat diese Zeilen in seinem wunderbaren Beat-Poem “Storm” (aus aktuellem Anlass ohne Link) zwar an eine Esoterikerin gerichtet, und ich habe keinen Grund anzunehmen, dass Tim Kreider es mit der esoterischen Szene hält, aber trotzdem ging mir diese Strophe nicht aus dem Kopf, während ich Kreiders Beitrag in der gestrigen New York Times las. Er heißt “In Praise of Not Knowing”, und darum geht es auch. Irgendwie:

Als Kreider 17 war, entdeckte er ein Musikstück des Komponisten Harry Partch, den außer ihm niemand kannte, und er war von diesem Stück ganz begeistert, und er erfreute sich nicht nur an der Musik selbst, sondern auch an dem Gefühl, dass Harry Partch nur ihm allein gehörte, und einem einzigen Freund, dem er von ihm erzählt hatte.

This was in the ’80s, a time when there was simply no way of learning much more about Harry Partch, at least not that I knew of. If I were a 17-year-old discovering Harry Partch today, I could Google him, and I’d immediately find the Harry Partch Information Center andCorporeal Meadows, where I’d learn all about his system of intonation with a 43-note octave and his instruments made of bamboo, jet-engine nose cones, artillery-shell casings and whiskey bottles, with names like the Gourd Tree, Boo II, Zymo-Xyl and Marimba Eroica.

Und außerdem hätte er die Möglichkeit gehabt, schreibt er, hunderte anderer Menschen kennenzulernen, die auch Fans von Harry Partch sind. Und das ist für Kreider ein Problem:

That proprietary sense that my friend and I had about Harry Partch, our sense of belonging to an exclusive club of cognoscenti, is why teenagers get so disgusted when everybody else in the world finds out about their favorite band. It’s fun being In the Know, but once everyone’s in it, there’s nothing to know anymore.

Und natürlich ist die Möglichkeit, Leute mit ähnlichen Interessen zu finden, nicht das einzige Gefährliche am Internet:

Instant accessibility leaves us oddly disappointed, bored, endlessly craving more. I’ve often had the experience of reading a science article that purported to explain some question I’d always wondered about, only to find myself getting distracted as soon as I started reading the explanation. [...] Just knowing that there is an answer is somehow deflating.

Und ich denke, jetzt müsstet ihr verstehen, warum mich das auf ganz frappierende Weise an Minchins Text erinnert: Wir haben hier jemanden, der tatsächlich offen dazu steht, dass ihn die Idee stört, dass es Wahrheit gibt. Dem die Idee Unwohlsein bereitet, dass ein Nachmittag auf Wiki-fucking-pedia sich als erhellend erweisen könnte, und der gerne im Nebel seiner Unfähigkeit zu googlen verbleiben möchte. Jemanden, der sogar all die Menschen bedauert, die jetzt die Chance haben, mühelos auf das gesammelte Wissen der Menschheit zuzugreifen:

I hope kids are still finding some way, despite Google and Wikipedia, of not knowing things. Learning how to transform mere ignorance into mystery, simple not knowing into wonder, is a useful skill. Because it turns out that the most important things in this life — why the universe is here instead of not, what happens to us when we die, how the people we love really feel about us — are things we’re never going to know.

Es gibt so vieles, was mich an Kreiders Beitrag stört. Zuerst mal (um mit dem am wenigsten wichtigen anzufangen) ist mir nicht ganz klar, wie er den zuständigen NYT-Entscheider dazu bekommen hat, dieses lahme Rumgemeine zu veröffentlichen. Mir ist nach dem Lesen nicht so richtig klar, was er eigentlich fordert oder kritisiert, was er will, abgesehen davon, dass er meint, es wäre irgendwie gut, wenn man nicht alles weiß (als ob man die Wahl hätte). Aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit.

Die zweite Kleinigkeit ist, dass sein Schlusssatz natürlich nicht stimmt. Oder zumindest irreführend ist. Natürlich können wir niemals über irgendwas völlige Gewissheit haben. Wir wissen aber ziemlich genau, was mit uns passiert, wenn wir sterben, und die meisten von uns wissen auch verhältnismäßig gut, wie die Menschen, die wir lieben, in Bezug auf uns empfinden. Das mit dem Universum wissen wir wirklich noch nicht besonders gut, aber ich weiß nicht, wo Herr Kreider die Gewissheit hernehmen will, dass wir es niemals herausfinden können. Aber auch das spielt natürlich eigentlich keine große Rolle.

Die Hauptsache ist, dass ich einfach nicht begreifewie man eine solche Sehnsucht danach empfinden kann, etwas nicht zu können. Wie man auf die Idee kommt, es wäre irgendwie etwas Schlechtes, dass man in einem Zeitalter lebt, in dem die Menschen durch Entfernung kaum noch getrennt werden, und in dem Kommunikation so einfach ist wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wie man ernsthaft nicht nur denken, sondern sogar in eine Zeitung schreiben kann, dass man sich aktiv weigern sollte, Dinge herauszufinden, um sich an Geheimnissen und Rätseln erfreuen zu können, das begreife ich nicht.

Ich will Herrn Kreider nicht Unrecht tun, aber wenn er es irgendwie schaffen könnte, seine Angst vor Informationen zumindest ein bisschen abzulegen, würde er vielleicht herausfinden, dass es noch jede Menge Geheimnisse und Rätsel gibt, und dass man immer besseren Zugang zu immer interessanteren Geheimnissen gewinnen kann, wenn man etwas über die Welt lernt, in der wir leben. Er würde wahrscheinlich erkennen, dass seine Sorge, uns könnten irgendwann die Geheimnisse ausgehen, ungefähr so sinnvoll ist, wie die Angst, vom Rand der Welt herunterzufallen.

Natürlich kann ich den ganzen Tag vor der Spüle in meiner Küche stehen und das Mysterium bestaunen, dass da Wasser aus dem Hahn kommt, wenn ich einen Hebel bewege. Und ich kann mir überlegen, dass das vielleicht daran liegt, dass irgendwo ein paar Heinzelmännchen im Keller stehen und unter okkulten Gesängen das Wasser zu mir rauf in die Wohnung zaubern. Und dann kann ich mich drüber freuen, dass es mir gelungen ist, meine Unwissenheit in ein Mysterium umzuwandeln.

Wenn ich dann aber voller Mitleid auf Leute herabblicke, die versuchen, den Ursprung unseres Universums zu erforschen, herauszufinden, was Zeit eigentlich ist, und ob sie irgendwann aufhören könnte, die die Funktion des menschlichen Gehirns und Bewusstseins untersuchen und die Zusammensetzung ferner Sterne analysieren, weil sie ja diesen schnellen Zugang zu Informationen nutzen, der uns so merkwürdig, gelangweilt, endlos nach mehr dürstend, zurücklässt, dann bin ich doch eigentlich ein ziemlich armer Mensch, oder?


Weil einfach einfach einfach ist.

13. Juni 2011

Gerade hat mir einer meiner Facebook-Freunde die Ethikbank empfohlen. Also, nicht nur mir, sondern allen. Ihr wisst ja, wie das geht. Und weil ich mir gleich dachte, hm, Ethikbank, das klingt ja, als wäre das eine total ethische Bank, das muss ja gut sein, habe ich mir die Sache mal näher angesehen.

Auch der Slogan ist einfach Klasse: “Faire Bank statt Bank affaire”. Wahnsinn, oder? Ist euch aufgefallen, was sie da gemacht haben? Faire, affaire? Verstehen Sie?

Auf der Homepage fällt zunächst ins Auge, dass es der Ethikbank offenbar um faires Geld geht. Das finde ich sehr erfreulich, denn das unfaire Geld meiner örtlichen Sparkasse hat sich in den letzten Monaten immer wieder als ein Hindernis bei der Abwicklung meines Alltags erwiesen. Die Ethikbank lohnte also offensichtlich eine nähere Untersuchung.

Im nächsten Schritt bemerkte ich etwas weiter unten links ein Banner zur “Steuer gegen Armut” , und da begann meine Begeisterung schon spürbar nachzulassen. In mir regte sich der Verdacht, dass die Ethikbank in Bezug auf richtig und falsch etwa ähnlich steindumme, unreflektierte, moralinsaure Maßstäbe anwenden wie sie mich auch bei den Grünen so abstoßen. Kann doch gar nicht nicht sein, dachte ich mir, schließlich heißen die doch Ethikbank!

Also war ich mal einen Blick in die Langversion der Anlagekriterien - “für Gründliche” stand da drüber, und das passte ja gut, hier wird schließlich ernsthafter, glasharter Journalismus betrieben bei überschaubare Relevanz. Nur. Immer. -, und irgendwie verfestigte sich dabei mein Eindruck, dass die Ethikbank ihre Vorstellungen von Ethik direkt aus dem Hinterteil von Claudia Roth bezieht.

Sicher, es ist nicht alles schlecht – wer kann das schon? -, aber im Großen und Ganzen herrscht da ein Grad von Borniertheit, der zwar für das Geschäft in Anbetracht der Zielgruppe vorteilhaft sein mag, den ich aber aus meiner Sicht nur als manifest unethisch bezeichnen kann.

Dies sind die Ausschlusskriterien der Ethikbank bei der Kreditvergabe an Unternehmen:

1. Herstellung oder Vertrieb von Militärwaffen
2. Besitz oder Betrieb von Atomkraftwerken
3. Gentechnische Veränderung von Pflanzen oder Saatgut
4. Herstellung oder Vertrieb von ozonzerstörenden Chemikalien
5. Beschäftigung von Kindern
6. Tierversuche bei Kosmetika
7. Eklatante Bestechungs- und Korruptionsfälle
8. Eklatante Verstöße im Umgang mit Menschenrechten

Was hier meiner Meinung nach nicht stimmt, ist die Einfachheit. Die Ethikbank versucht uns eine ganz einfache Lösung zu verkaufen. Sie versucht uns, einzureden, dass ethisches Verhalten eine ganz einfache Sache ist. Man muss sich nur an ein paar einfache Regeln halten, und schon handelt man einfach ethisch. Man stellt keine Waffen her, man beschäftigt keine Kinder, man besticht niemanden, Klappe zu, Affe frei und für immer geschützt vor Tierversuchen. Man führt eine Steuer ein, die “Steuer gegen Armut” heißt, und, zack, hat man einfach was Gutes gegen Armut getan.

Ich finde leider gerade die Stelle nicht, aber ich glaube, ich habe hier im Blog schon mal irgendwo geschrieben, was mit solchen einfachen Antworten nicht stimmt: Sie sind meistens falsch. Die Welt ist nicht einfach. Sie ist kompliziert. Und deswegen ist es auch ein komplizierter Prozess, zu entscheiden, was gut ist, und was nicht, was falsch und was richtig.

Lasst mich an konkreten Beispielen erläutern, was ich meine:

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A propos objektiv

30. Mai 2011

Lang ist’s her, dass ich hier via Astrodicticum Simplex von einem Urteil des OLG Stuttgart schrieb, nach dem Wahrsager keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf die vereinbarte Gegenleistung haben, weil die von ihnen versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind.

Florian Freistetter fand damals:

Schön zu sehen, dass hier auch einmal ein Gericht explizit feststellt, dass der ganze Astrologie- und Wahrsagerquatsch “objektiv unmögliche” Leistungen sind und das man für das “Erbringen” solcher unmöglicher Leistungen auch kein Geld bekommen soll. Eigentlich wäre das ja selbstverständlich – aber wenns um Esoterik & Co geht, ist man ja was Recht und Konsumentenschutz angeht seltsam zurückhaltend.

Ich war etwas anderer Meinung:

[I]ch bin nicht mal sicher, ob ich das gut finde. Wer zu einem Wahrsager geht, sollte wissen, dass er dort für sein Geld irgendwelchen sinnlosen Stuss erzählt bekommt. Sich hinterher dann zu beschweren, finde ich irgendwie kindisch. Andererseits behaupten Wahrsager natürlich ganz im Ernst, die Zukunft zu kennen, die Entscheidung ist also wohl im Ergebnis in Ordnung.

Und jetzt ärgere ich mich ein bisschen, dass ich nicht mutiger mit meiner Überzeugung umgegangen bin.

Zufällig habe ich nämlich gestern erfahren, dass der BGH sich erfreulicherweise im Wesentlichen meiner Argumentation angeschlossen hat. Er war nur nicht so voreilig wie ich, was Ergebnis angeht (Ich zitiere sehr ausführlich. Wer will, kann das überspringen, aber ich finde es sehr schön und treffend ausgedrückt):

Ohne Rechtsfehler hat das Berufungsgericht angenommen, dass die von der Klägerin versprochene Leistung objektiv unmöglich ist. Ginge es im vorliegenden Rechtsstreit also nur um die Frage, ob der Beklagte die von der Klägerin versprochene Leistung verlangen könnte, wäre ein entsprechender Anspruch zu verneinen.
[...]
Aus dem Umstand, dass ein Anspruch auf die versprochene Leistung wegen objektiver Unmöglichkeit ausgeschlossen wäre (§ 275 Abs. 1 BGB), folgt jedoch nicht zwingend, dass der Vergütungsanspruch der Klägerin für die von ihr vorgenommene Tätigkeit nach § 326 Abs. 1 Satz 1 BGB entfällt.
[...]
Zutreffend macht die Revision weiter darauf aufmerksam, dass § 326 Abs. 1 Satz 1 BGB durch Individualvereinbarung abbedungen werden kann.
[...]
Danach können Vertragsparteien im Rahmen der Vertragsfreiheit und in Anerkennung ihrer Selbstverantwortung wirksam vereinbaren, dass eine Partei sich – gegen Entgelt – dazu verpflichtet, Leistungen zu erbringen, deren Grundlagen und Wirkungen nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und Technik nicht erweislich sind, sondern nur einer inneren Überzeugung, einem dahingehenden Glauben oder einer irrationalen, für Dritte nicht nachvollziehbaren Haltung entsprechen. Dies gilt im Hinblick auf § 611 Abs. 2 BGB insbesondere für dienstvertragliche Leistungen, und zwar auch für solche, mit denen eine wie auch immer geartete Lebensberatung verbunden ist. “Erkauft” sich jemand derartige (Dienst-)Leistungen im Bewusstsein darüber, dass die Geeignetheit und Tauglichkeit dieser Leistungen zur Erreichung des von ihm gewünschten Erfolgs rational nicht erklärbar ist, so würde es Inhalt und Zweck des Vertrags sowie den Motiven und Vorstellungen der Parteien widersprechen, den Vergütungsanspruch des Dienstverpflichteten mit der Begründung zu verneinen, der Dienstverpflichtete sei nicht in der Lage nachzuweisen, tatsächlich mittels Einsatzes magischer oder übersinnlicher Kräfte bestimmte Voraussagen machen oder auf die Willensbildung Dritter Einfluss nehmen zu können.
[...]
Da sich das Berufungsgericht mit der Möglichkeit einer Vergütungspflicht trotz Vorliegens einer nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unmöglichen Leistung nicht befasst hat, ist das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache an das Berufungsgericht zurückzuverweisen, um die notwendigen Feststellungen zu treffen.

Für die, die den Urteilstext übersprungen oder nicht verstanden haben: Das ist ungefähr meine Überlegung da oben, nur schöner und fachgerechter formuliert. Und ich finde, der BGH hat völlig Recht und eine Entscheidung getroffen, die mich insbesondere in meiner Eigenschaft als neoliberaler Verbraucherschutzgegner sehr freut:

Wenn beide Parteien sich einig sind, dass sie einen Vertrag über eine Leistung schließen, die nach wissenschaftlichen Maßstäben unmöglich ist, dann ist es nicht gerechtfertigt, dass ein Gericht diesen Vertrag einfach nur deshalb für unwirksam erklärt, weil die Leistung nach wissenschaftlichen Maßstäben unmöglich ist. Oder noch mal anders gesagt: Wenn der Käufer wusste, dass er Blödsinn kauft, kann er hinterher nicht die Zahlung verweigern, weil er Blödsinn bekommen hat. Das ist aus liberaler Sicht genau richtig so, denn der Staat hat den Bürgern nicht vorzuschreiben, was sie kaufen können und was nicht, und er hat nicht für sie zu entscheiden, was Sinn ergibt und was nicht. Sogar, wenn etwas so offensichtlich keinen Sinn ergibt wie Lebensberatung aus Spielkarten.

Es kommt also darauf an, was für einen Vertrag die Parteien ursprünglich geschlossen hatten, und weil der BGH das als Revisionsgericht nicht feststellen kann, und das OLG Stuttgart das nicht festgestellt hat, weil es die Frage fälschlicherweise für unerheblich hielt, ist das ursprüngliche Urteil nun aufgehoben, und das OLG Stuttgart muss neu entscheiden. Ich bin milde neugierig, wie es weitergeht, und falls ich noch was erfahre, halte ich euch weiterhin auf dem Laufenden.

Vielleicht möchtet ihr mich ja so lange wissen lassen, ob es euch stört, wenn ich hier hin und wieder den Juristen rauslasse, oder ob ihr sowas auch interessant findet. Oder ihr wollt über das Urteil diskutieren. Oder über Wahrsagerei. Ich würde mich freuen. Die Kommentarspalte ist bekanntermaßen… Ihr wisst schon.


It’s-a me!

23. Mai 2011

Manche Leute sind ja der Meinung, eine wissenschaftlich-skeptische Weltsicht lasse sich nicht mit der Überzeugung vereinbaren, dass Super Mario wirklich existiert, genau wie sein Bruder Luigi und die vielen süßen kleinen Toadpeople, oder wie die heißen. Ich dachte früher auch mal so.

Glücklicherweise weiß ich es jetzt besser, und ich will euch helfen, auch den Weg zur Wahrheit zu finden.

Ich unternehme deshalb nun den Versuch, Naturwissenschaft und den Glauben an die Realität von Nintendo-Spielen nicht mehr als Gegensätze, sondern als aufeinander angewiesen zu begreifen und miteinander ins Gespräch zu bringen, in einen echten Dialog, der disziplinäre Grenzen behutsam überwindet, ohne in kulturimperialistischer Weise den Beitrag der jeweils anderen Art, die Welt zu sehen, zu missachten, und ich würde mich über alle Maßen freuen, wenn ein paar besonders Gelangweilte Mutige unter euch mich dabei begleiten würden.

Es ist doch so: Selbstverständlich spricht vieles dafür, dass die wissenschaftliche Methode der einzige zuverlässige Weg zur Wahrheit ist, und tatsächlich ist Wissenschaft eine sehr nützliche Sache und funktioniert im Alltag auch ganz tadellos.

Aber seien wir ehrlich, Wissenschaft gibt auf manche Fragen einfach keine befriedigenden Antworten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Wer hat Prinzessin Peach entführt? Wie viele Münzen passen in einen Fragezeichenblock? Was für eine Art Tier ist Bowser eigentlich?

Antworten auf all diese Fragen findet man nur bei Nintendo, und beim Glauben an die Wahrheit Marios.

Aber, kann ich euch sagen hören, wie soll das denn zusammengehen? Wissenschaft und Glaube an die Sternengeister? Natürlich geht das! Hawking und die Sternengeister schließen einander nicht aus. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man Begriffe wie “Mario”, “Bowser” oder “Goomba” richtig deutet.

Ein naives Mario-Bild wie das des latzhosentragenden Klempners, der mit dem Kopf gegen Ziegelmauern springt, ohne je Schaden davon zu tragen, wird von Mario-Gegnern oft eingesetzt, um den Glauben an Nintendo und magische Ultrapilze bequem zu diskreditieren. Nur weil Mario und Luigi als Karikaturen dargestellt werden, können sowohl irregeleitete Mariodisten als auch militante Nintendoleugner einen scheinbaren Widerspruch zwischen “Wissenschaftlichkeit” und “Glaube an die Realität von Videospielen” aufbauen,  mal, um Gamer auf die kritiklose Annahme exegetisch unhinterfragter namcoistischer Schöpfungsideen einzuschwören, mal, um jeden Videospielglauben pauschal einer wissenschaftlich unredlichen Weltanschauung zu bezichtigen.

Das alles kann sich sparen, wer erkennt: Mario ist kein objekthaftes klempnerartiges Wesen in seiner eigenen Galaxie, kein in Abwasserrohren (lokal verstanden) herumschwimmender Überfreund, der Peach “rettet”, sondern ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält. Alle Vorstellungen von Mario sind in gewisser Weise hilflose Krücken, nicht aber der Glaube an Mario. Jede Rede von Mario bedeutet, das Unsagbare zu sagen, und Begriffe unserer Vorstellungswelt als Metaphern zu benutzen, um sich Mario zu nähern, obgleich das Scheitern dieses Unterfangens geradezu konstitutiv zum Marioglauben gehört.

Ihr seht also, die Sache ist ganz einfach. Man muss sich bloß von der Vorstellung befreien, dass Super Mario in irgendeinem Sinne wirklich existiert, und schon ist der Glaube an seine Existenz (natürlich stets im ontologisch-dialektischen Sinne von Nichtexistenz verstanden) auch für diejenigen kein Problem mehr, die gerne echte Skeptiker sein möchten, ohne sich von ihren lieb gewonnenen Gewohnheiten zu trennen.

Mamma Mia!


It was not death, for I stood up, And all the dead lie down

14. Mai 2011

Hin und wieder habe ich hier am Rande schon mal über den Tod gesprochen, und über das religiöse Konzept des ewigen Lebens, und warum ich es ziemlich scheußlich finde. Gerade vor Kurzem habe ich Haukules ein bisschen zu schroff gesagt, was ich davon halte, ohne es besonders gut zu begründen. Trotzdem hat es noch diesen Beitrag bei evangelisch.de gebraucht, damit ich endlich mal ein bisschen ausführlicher dazu Stellung beziehe. (Ich weiß, ihr konntet es sicher alle gar nicht abwarten.)

Es gibt viele Varianten vom Leben nach dem Tod: Es gibt die urchristliche, die ungefähr behauptet, wir alle hätten eine unsterbliche Seele, die Sitz unserer Persönlichkeit sei (oder so ähnlich) und die nach unserem Tod die Ewigkeit in Glückseligkeit oder Leid und Verzweiflung verbringen wird. Der Islam sieht das so ähnlich, wenn ich ihn richtig verstehe. Es gibt die Idee der Wiedergeburt, die sich zum Beispiel im Buddhismus findet, und behauptet, nach unserem Tod würden wir in anderer Form reinkarniert, in einem ewigen Zyklus. Es gibt esoterische Ideen, Geister, oder eben dieses vage Konzept, irgendwas von uns (“Energie” ist in der Esoterik ein beliebter Begriff.) würde zurückbleiben und mit dem Kosmos eins werden oder sonstwas Tolles veranstalten, wenn unser Körper zu zerfallen beginnt. Und natürlich gibt es eben auch Mischformen wie die von Onkel Tom bei evangelisch.de:

Ganz substanziell geht jede/r Gestorbene/r (so er/sie nicht im Raumschiff saß oder lag) in die Substanz der Erde ein – richtig ?? Wohin denn sonst ?

Und was passiert ihm/ihr danach, wenn nicht Verwesung, Ver-HUMUSung, Eingliederung in ewige Lebenserneuerung ? Nichts anderes kann Jesus Christus passiert sein !

Das bedeutet, dass ER heute in jedem/r von uns heute lebt ! Das bedeutet, dass keine unserer Körperzellen stirbt, sondern eingeht in die Substanz, die unsere Erde ist, unserer Kosmos war und unser/sein Himmelreich sein wird – und damit ewig weiter lebt ! 

Viele Atheisten, Ungläubige und Skeptiker (oder wie wir uns nennen wollen) haben dazu nicht mehr zu sagen als dass wir es nicht wissen und es nicht wissen können, bis wir es selbst erfahren haben. Das ist in gewisser Weise keine schlechte Antwort, denn sie hilft, Konflikte zu vermeiden und klingt außerdem sehr tolerant und offen.

Aber ich halte sie für falsch.

Wir wissen es. Wir verstehen noch nicht besonders gut, wie unser Gehirn funktioniert. Wir verstehen nicht besonders gut, was unsere Persönlichkeit ausmacht, und wir können vieles nicht vollständig erklären. Aber dennoch wissen wir ein paar Dinge, und die reichen schon aus, um die entscheidende Frage zu beantworten.

Wir wissen, dass für Gedanken, für eine Persönlichkeit, für einen Verstand, so etwas wie ein Gehirn erforderlich ist. Es muss vielleicht nicht so aussehen wie unseres, aber es funktioniert nicht ohne. Wir wissen, dass Veränderungen in unserem Gehirn sich auf unser Verhalten und unsere Persönlichkeit auswirken. Wenn Broca- und Wernicke-Areal beschädigt werden, leiden unsere Sprachfähigkeiten. Wenn das Corpus Callosum durchtrennt wird, das die beiden Gehirnhälften verbindet, zeigt sich im Verhalten, dass die beiden Hemisphären nicht mehr vernünftig miteinander kommunizieren. Manchmal kann man sogar zwei unterschiedliche Persönlichkeiten beobachten. Und so weiter. Alle bisherige Erkenntnis deutet darauf hin, dass unser Bewusstsein ein rein materielles Phänomen ist, wie alles andere auch. Meine Persönlichkeit, meine Gedanken, mein Verstand, ist eine Funktion meines Gehirns.

Deshalb wissen wir auch, dass mit dem Tod dieses Gehirns auch seine Funktion endet. Wenn mein Gehirn stirbt, sterbe ich. Ich finde gerade den passenden xkcd-Comic nicht, aber seine Metapher trifft es ganz gut für diejenigen, die fragen, wo wir nach unserem Tod hingehen: Wenn ich ein Haus aus Legobausteinen zerstöre, wo geht das Haus dann hin? Wenn ein Auto explodiert, wo geht es hin? Das Haus, genau wie das Auto, genau wie wir alle, ist eine bestimmte Konfiguration von Teilen. Wenn diese Konfiguration zerstört wird, existiert das Haus nicht mehr, genau wie das Auto, genau wie wir.

Ich gehe nicht so weit, zu behaupten, dass das gut so ist. Ich bin sogar vehement dagegen. Ich will nicht sterben. Aber da es nun einmal wahr ist, halte ich es für ziemlich wichtig, sich damit abzufinden. Wenn wir ewig leben, dann sind diese paar Jahre hier nicht wichtig. Wenn wir ewig leben, dann haben wir (buchstäblich) alle Zeit der Welt, um glücklich zu werden, Fehler zu korrigieren, geliebte Menschen wiederzusehen, nachzudenken, zu lernen, uns zu freuen und Gutes zu tun. Aber wir leben nicht ewig. Wir haben nur dieses eine kurze Leben, und gerade das macht es so wahnsinnig wichtig, das Beste daraus zu machen. Wir haben nur diese eine Chance, es richtig zu machen.

Verzeihen – JETZT ! Lieben – JETZT ! Mitleiden und helfen – JETZT ! Aufstehen und Kämpfen – JETZT !

Seht Ihr das auch so ?

Naja. So ähnlich.


Was draufsteht, und was drinsteckt

1. April 2011

Während “Atheist” so ein Etikett ist, das viele Leute aus Harmoniebedürfnis vermeiden, obwohl es eigentlich auf sie passen würde, ist “Skeptiker” ein Etikett, mit dem sich so ziemlich jeder identifizieren würde, in der Regel auf diejenigen, auf die es nun wirklich gar nicht passt. Und “Christ” ist ein Etikett, mit dem man meiner Erfahrung nach wenig bis gar nichts anfangen kann, weil die Bandbreite hier von eigentlich total vernünftigen Leuten reicht, die sich einfach nur gerne vorstellen, dass nach dem Tod noch was kommt, bis hin zu denen, die jeden Tag darum beten, dass das Jüngste Gericht doch bald kommen möge, und die genau wissen, dass die Erde nur 6219 Jahre, vier Monate und elf Tage alt ist.

Deshalb macht Matt Dillahunty es auch ganz richtig mit seiner mantrahft wiederholten Frage: “Was glaubst du, und warum?”, denn die Antwort darauf ist endlos viel aufschlussreicher als ein Etikett wie “Skeptiker”, “Atheist”, “Hindu”, oder was immer einem gerade so einfällt.

Worauf ich damit hinauswill: Heute mal nicht auf Religionsbashing, das mache ich ja oft genug. Heute geht es mir darum, dass auch Atheisten und selbst ernannte Skeptiker manchmal genauso religiös und vernagelt sein können wie Christen, Muslime oder Scientologen. Nicht selten wird “Skeptizismus” als Vorwand verwendet, um alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, abzulehnen und alle Belege, die dafür sprechen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, während man die von Medien und Politik gelieferte Wahrheit unkritisch akzeptiert, ohne zu hinterfragen, wie plausibel sie ist und warum man sie überhaupt glauben sollte.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Vielzahl von Menschen, die davon überzeugt ist, dass Astronauten auf dem Mond waren. Warum? Weil sie es eben so gelernt haben, und weil es überall so steht.

Aber wie überzeugend ist die Annahme eigentlich, wenn man all die Indoktrination mal weglässt, der wir diesbezüglich von Kindheit an ausgesetzt waren? Wenn wir die Annahme einfach mal ganz objektiv nur auf Basis der Beleg begutachten?

Die erste Mondlandung soll am 21. Juli 1969 stattgefunden haben. So haben wir es alle gelernt. Und kaum jemand denkt mal darüber nach, was das bedeutet. 1969! Das war, bevor es Sicherheitsgurte in Autos gab. Von Airbags hat damals noch niemand geträumt. Computer waren einfamilienhausgroße Maschinen, die Lochkarten verarbeiteten und Mobiltelefone oder das Internet wären sogar in einem SF-Roman ziemlich unglaubhaft gewesen.

Und jetzt schauen wir doch zum Vergleich mal, was es heute für einen Aufwand bedeutet, eine Sonde zum Mars zu schicken, trotz unserer heutigen Technologie. (über 40 Jahre später! In Worten: Vierzig Jahre!) Und das obwohl Mars eine viel höhere Gravitation hat und obwohl man natürlich mit einer unbemannten Sonde viel weniger vorsichtig sein muss als mit einem Raumschiff, das nicht nur Menschen transportiert, sondern außerdem nach der Landung noch einmal starten und dann zur Erde zurückkehren soll(!). Dass das damals möglich gewesen sein soll, erfordert also echt gute, überzeugende, zwingende Belege. Und nun wollen wir sehen, was wir haben:

Ein paar Bilder und Funksprüche und Videos. Und was für welche?

Bilder, auf denen keine Sterne zu sehen sind, und auf denen die Schatten zufällig genau so fallen, als würden sie von Studioscheinwerfern ausgeleuchtet. (Achtet mal drauf. Wenn die Sonne die einzige Lichtquelle wäre, müssten alle Schatten parallel sein. Sind sie aber nicht. Außerdem sind die Schatten hell genug, dass man Objekte darin noch erkennen kann. Auch das kann im Sonnenlicht ohne Atmosphäre nicht sein.) Bilder, auf denen die Landefähre auf einer ebenen Mondoberfläche steht – und wo ist der Krater, den sie bei der Landung verursacht hat?

Videos, die angeblich an verschiedenen Orten auf dem Mond aufgenommen wurden, aber genau denselben Hintergrund zeigen. Videos, die zeigen, wie das Landemodul wieder vom Mond abhebt, ohne Flammen aus dem Raketentriebwerk!

Und trotzdem wird man ausgelacht, wenn man bezweifelt, dass die Mondlandung stattgefunden hätte. Wird man verspottet, weil ja schließlich jeder weiß, dass “wir” auf dem Mond waren.

Aber woher eigentlich? Woher wissen wir das, und warum glauben wir es? Eine Frage, die sich ein echter Skeptiker stellen sollte.

Aber es ist eben nicht jeder ein Skeptiker, der sich selbst so nennt.


Mehr, als ihr jemals über Epistemologie wissen wolltet

14. Januar 2011

Ich habe hier schon des Öfteren meine skeptische Weltsicht als Grundlage dafür genannt, dass ich manche Dinge glaube, und andere nicht. Aber soweit ich mich erinnern kann, habe ich noch nie wirklich erklärt, was die Grundlagen dieser Weltsicht sind. Das hatte teilweise auch damit zu tun, dass ich das Thema für ein bisschen ermüdend hielt, und außerdem dachte, es wäre eigentlich klar.

In letzter Zeit habe ich aber so viel mit Leuten diskutiert, die sich offensichtlich nie ernsthaft Gedanken über ihre Epistemologie, also ihre Erkenntnistheorie gemacht haben, und die anscheinend auch wirklich keine Vorstellung davon haben, was sinnvolle Wege zur Wahrheit sind, und was nicht. Und noch schlimmer: Ich habe mit Leuten diskutiert, die sich offensichtlich gewaltig viel Gedanken darum gemacht und sich dabei in Höhen des Unfugs hineingeschraubt haben, dass einem sogar von unten schon schwindlig wird. Viel zu oft hört man Argumente wie: “Gott kann weder bewiesen noch widerlegt werden, deswegen sind Atheisten genauso Gläubige wie Theisten!” oder “Wissenschaft kann keine Antworten auf die letzten, entscheidenden Fragen geben, dafür brauchen wir Religion!”

Deshalb habe ich mich nun endlich einmal zu dem Versuch durchgerungen, einen Blogbeitrag über meine Epistemologie zu verfassen. Die meisten von euch werden das Thema wahrscheinlich furchtbar langweilig finden und sich wundern, dass ich für so was auch nur eine Minute meiner Zeit aufwende. Und die anderen, die jetzt jubeln und rufen: “Na endlich, ich befürchtete schon, das kommt nie!”, die dürfen sich nachher eine virtuelle Umarmung abholen und sich meine Brüder und Schwestern im Geiste nennen.

Ihr seid natürlich trotzdem alle herzlich eingeladen, mir zu folgen, aber sagt bitte nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

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