Im Prinzip ja. (2)

22. Mai 2012

Heute geht es um den zweiten Teil der großen Spektrum-der-Wissenschaft-Enthüllungsstory “Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?”, nämlich das Streitgespräch “Was können Wissenschaft und Religion voneinander lernen?” zwischen dem Soziobiologen Eckard Voland und dem Religionsphilosophen Winfried Löffler. Das Gespräch ist nicht frei erhältlich, und weil ich vom entgeltlichen Erwerb dringend abraten muss, gehe ich davon aus, dass sowieso keiner von euch Zugang zum Volltext hat und belasse es deshalb bei diesem einen Link.

Ich habe es auch noch nicht gelesen (Ja, ich weiß, dass ich in meinem ersten Post etwas anderes impliziert habe. Seht ihr nie Dr. House?) und bin deshalb genauso gespannt wie ihr auf das Lernpotential.

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Im Prinzip ja. (1)

16. Mai 2012

Die Redaktion des Magazins “Spektrum der Wissenschaft” hat sich entschieden, im Januar 2012 mal ein ganz brandheißes Eisen anzufassen und eine Frage zu diskutieren, die sonst kaum jemand zu stellen traut und für die wir alle schon so lange atemlos auf eine Antwort warten:

Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?

Und weil ich mir denke, dass es nach der langen Wartezeit auf ein paar Monate mehr nicht ankommt, habe ich entschieden, jetzt mal über diesen Versuch einer Antwort zu berichten. Wer das auch so sieht, findet meinen Bericht hinter dem Klick. (Spoiler: Es wird eher unterhaltsam als lehrreich.)

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Wild wucherndes Gedankenkonvolut über Skeptizismus, Aberglauben und Diskussionen und Zeug

21. April 2012

Habt ihr gerade ein bisschen Zeit? Schön, dann überlegt euch was Schönes, was ihr damit anfangen könnt. Habt ihr gerade ziemlich viel Zeit und seid wirklich verzweifelt auf der Suche nach einer Beschäftigung? Dann hab ich eventuell was für euch. Hinter dem Endloseswirresgelaberwarnungstrennstrich.

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Gastbeitrag: Vom Glauben an die Wissenschaft

13. Februar 2012

Ich weiß nicht, ob ich hier gerade einen Fehler mache. Vielleicht könnt ihr es mir ja sagen. Ich denke, so schlimm kann es nicht sein, deswegen probiere ich’s einfach aus. Thomas hat mir im Anschluss an die Diskussion zu “Was ich nicht verstehe (1)” eine ausführliche Erläuterung seiner Position geschickt. Ich habe begonnen, diese zu lesen, und auf der zweiten Seite beschlossen, dass sie meine Zeit nicht wert ist. Ich werde deshalb auch nichts weiter dazu sagen und mich (voraussichtlich) auch an der Diskussion nicht beteiligen. Zumindest nicht an der inhaltlichen über diesen Text, denn zu dem kann ich mich nun einmal nicht äußern. Wenn ihr über was anderes diskutieren wollt (zum Beispiel darüber, ob es borniert von mir ist, nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen, was Thomas zu sagen hat), bin ich natürlich dabei.

Ich will aber auf der anderen Seite euch nicht die Möglichkeit vorenthalten, genauer zu erfahren, wie er meint, was er geschrieben hat, und ihm die Chance geben, sich gegen die teilweise ja sehr deutlichen Angriffe zu verteidigen, die ihr und ich gegen seine Kommentare unternommen haben. (Darüberhinaus habe ich genug Vertrauen in ihn, um davon auszugehen, dass in seinem Text nichts steht, dessen Veröffentlichung mich in Schwierigkeiten bringt.)

Aus diesen Gründen veröffentliche ich nun zum ersten Mal hier einen Beitrag, den ich nicht nur nicht selbst geschrieben, sondern außerdem noch nicht einmal selbst gelesen habe.

Vielleicht habt ihr ja mehr Spaß dran als ich. Los geht’s:

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Weil wir was ganz Besonderes sind

1. Oktober 2011

Dumme Menschen sagen dummes Zeug, aber damit kluge Menschen dummes Zeug sagen, braucht man Religion.

schrab ich vor Kurzem hier, und erkannte sofort, dass dieser Spruch sehr bald zu mir zurückkehren würde, um mich in den Arsch zu beißen, wenn ich ihn nicht relativierte, und relativierte ihn flugs. Schon gestern war ich (natürlich nicht zum ersten Mal seitdem) froh drüber. Doppelt froh eigentlich, denn ich freue mich besonders über Gelegenheiten, andere Atheisten zu kritisieren, denn das… kommt mir irgendwie besonders ehrenwert vor, weil ich selbst einer bin.

Ich bin also stolz, euch heute ein fabelhaftes Beispiel dafür zu präsentieren, dass man auch ohne Religion reichlich dummes Zeug reden kann:

Ein falsches Wissenschaftsverständnis hat uns überzeugt, dass wir nicht mehr wären als unsere evolvierten Gehirne.

Jedoch, so argumentiert Neurowissenschaftler und Philosoph Raymond Tallis im folgenden Gastbeitrag für Aufklärung 2.0, bereitet eine umfassendere Philosophie über den Menschen den Gegenschlag vor.

Wer das liest und noch nicht ahnt, dass da nichts Gutes kommen kann, ist weniger vorurteilsbeladen als ich. Herzlichen Glückwunsch. Aber wer mir jetzt in die Schatten der Unargumentation von Herrn Tallis folgt und danach immer noch das Problem nicht erkennt, der ist… herzlich eingeladen, in den Kommentaren mit mir zu diskutieren. *Räusper, Hust*

Schaumamal:

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The Dalai Lama walks into a pizza shop

9. September 2011

Einigen von euch ist vielleicht aufgefallen, dass ich im letzten Philoso4 sagte, ich könne den Dalai Lama nicht leiden. Und vielleicht haben einige von euch darauf ähnlich verwirrt, enttäuscht, wütend und traurig reagiert wie Elmo und Du. (Keoni reagiert auf sowas schon gar nicht mehr. Sie weiß, dass ich eigentlich niemanden leiden kann und ist deshalb in einen permanenten Zustand gemäßigter Verwirrung, Enttäuschung, Wut und Trauer übergegangen. Oder so.) Und für die unter euch, die sich mit ihrer Verwirrung, Enttäuschung, Wut und Trauer nicht zufrieden geben wollen und eine Erklärung fordern, liefere ich nun eine. Bitte sehr:

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Isn’t life mysterious?

20. Juni 2011

Does the idea that there might be truth
Frighten you?
Does the idea that one afternoon
On Wiki-fucking-pedia might enlighten you
Frighten you?
Does the notion that there may not be a supernatural
So blow your hippy noodle
That you would rather just stand in the fog
Of your inability to Google?”

Tim Minchin hat diese Zeilen in seinem wunderbaren Beat-Poem “Storm” (aus aktuellem Anlass ohne Link) zwar an eine Esoterikerin gerichtet, und ich habe keinen Grund anzunehmen, dass Tim Kreider es mit der esoterischen Szene hält, aber trotzdem ging mir diese Strophe nicht aus dem Kopf, während ich Kreiders Beitrag in der gestrigen New York Times las. Er heißt “In Praise of Not Knowing”, und darum geht es auch. Irgendwie:

Als Kreider 17 war, entdeckte er ein Musikstück des Komponisten Harry Partch, den außer ihm niemand kannte, und er war von diesem Stück ganz begeistert, und er erfreute sich nicht nur an der Musik selbst, sondern auch an dem Gefühl, dass Harry Partch nur ihm allein gehörte, und einem einzigen Freund, dem er von ihm erzählt hatte.

This was in the ’80s, a time when there was simply no way of learning much more about Harry Partch, at least not that I knew of. If I were a 17-year-old discovering Harry Partch today, I could Google him, and I’d immediately find the Harry Partch Information Center andCorporeal Meadows, where I’d learn all about his system of intonation with a 43-note octave and his instruments made of bamboo, jet-engine nose cones, artillery-shell casings and whiskey bottles, with names like the Gourd Tree, Boo II, Zymo-Xyl and Marimba Eroica.

Und außerdem hätte er die Möglichkeit gehabt, schreibt er, hunderte anderer Menschen kennenzulernen, die auch Fans von Harry Partch sind. Und das ist für Kreider ein Problem:

That proprietary sense that my friend and I had about Harry Partch, our sense of belonging to an exclusive club of cognoscenti, is why teenagers get so disgusted when everybody else in the world finds out about their favorite band. It’s fun being In the Know, but once everyone’s in it, there’s nothing to know anymore.

Und natürlich ist die Möglichkeit, Leute mit ähnlichen Interessen zu finden, nicht das einzige Gefährliche am Internet:

Instant accessibility leaves us oddly disappointed, bored, endlessly craving more. I’ve often had the experience of reading a science article that purported to explain some question I’d always wondered about, only to find myself getting distracted as soon as I started reading the explanation. [...] Just knowing that there is an answer is somehow deflating.

Und ich denke, jetzt müsstet ihr verstehen, warum mich das auf ganz frappierende Weise an Minchins Text erinnert: Wir haben hier jemanden, der tatsächlich offen dazu steht, dass ihn die Idee stört, dass es Wahrheit gibt. Dem die Idee Unwohlsein bereitet, dass ein Nachmittag auf Wiki-fucking-pedia sich als erhellend erweisen könnte, und der gerne im Nebel seiner Unfähigkeit zu googlen verbleiben möchte. Jemanden, der sogar all die Menschen bedauert, die jetzt die Chance haben, mühelos auf das gesammelte Wissen der Menschheit zuzugreifen:

I hope kids are still finding some way, despite Google and Wikipedia, of not knowing things. Learning how to transform mere ignorance into mystery, simple not knowing into wonder, is a useful skill. Because it turns out that the most important things in this life — why the universe is here instead of not, what happens to us when we die, how the people we love really feel about us — are things we’re never going to know.

Es gibt so vieles, was mich an Kreiders Beitrag stört. Zuerst mal (um mit dem am wenigsten wichtigen anzufangen) ist mir nicht ganz klar, wie er den zuständigen NYT-Entscheider dazu bekommen hat, dieses lahme Rumgemeine zu veröffentlichen. Mir ist nach dem Lesen nicht so richtig klar, was er eigentlich fordert oder kritisiert, was er will, abgesehen davon, dass er meint, es wäre irgendwie gut, wenn man nicht alles weiß (als ob man die Wahl hätte). Aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit.

Die zweite Kleinigkeit ist, dass sein Schlusssatz natürlich nicht stimmt. Oder zumindest irreführend ist. Natürlich können wir niemals über irgendwas völlige Gewissheit haben. Wir wissen aber ziemlich genau, was mit uns passiert, wenn wir sterben, und die meisten von uns wissen auch verhältnismäßig gut, wie die Menschen, die wir lieben, in Bezug auf uns empfinden. Das mit dem Universum wissen wir wirklich noch nicht besonders gut, aber ich weiß nicht, wo Herr Kreider die Gewissheit hernehmen will, dass wir es niemals herausfinden können. Aber auch das spielt natürlich eigentlich keine große Rolle.

Die Hauptsache ist, dass ich einfach nicht begreifewie man eine solche Sehnsucht danach empfinden kann, etwas nicht zu können. Wie man auf die Idee kommt, es wäre irgendwie etwas Schlechtes, dass man in einem Zeitalter lebt, in dem die Menschen durch Entfernung kaum noch getrennt werden, und in dem Kommunikation so einfach ist wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wie man ernsthaft nicht nur denken, sondern sogar in eine Zeitung schreiben kann, dass man sich aktiv weigern sollte, Dinge herauszufinden, um sich an Geheimnissen und Rätseln erfreuen zu können, das begreife ich nicht.

Ich will Herrn Kreider nicht Unrecht tun, aber wenn er es irgendwie schaffen könnte, seine Angst vor Informationen zumindest ein bisschen abzulegen, würde er vielleicht herausfinden, dass es noch jede Menge Geheimnisse und Rätsel gibt, und dass man immer besseren Zugang zu immer interessanteren Geheimnissen gewinnen kann, wenn man etwas über die Welt lernt, in der wir leben. Er würde wahrscheinlich erkennen, dass seine Sorge, uns könnten irgendwann die Geheimnisse ausgehen, ungefähr so sinnvoll ist, wie die Angst, vom Rand der Welt herunterzufallen.

Natürlich kann ich den ganzen Tag vor der Spüle in meiner Küche stehen und das Mysterium bestaunen, dass da Wasser aus dem Hahn kommt, wenn ich einen Hebel bewege. Und ich kann mir überlegen, dass das vielleicht daran liegt, dass irgendwo ein paar Heinzelmännchen im Keller stehen und unter okkulten Gesängen das Wasser zu mir rauf in die Wohnung zaubern. Und dann kann ich mich drüber freuen, dass es mir gelungen ist, meine Unwissenheit in ein Mysterium umzuwandeln.

Wenn ich dann aber voller Mitleid auf Leute herabblicke, die versuchen, den Ursprung unseres Universums zu erforschen, herauszufinden, was Zeit eigentlich ist, und ob sie irgendwann aufhören könnte, die die Funktion des menschlichen Gehirns und Bewusstseins untersuchen und die Zusammensetzung ferner Sterne analysieren, weil sie ja diesen schnellen Zugang zu Informationen nutzen, der uns so merkwürdig, gelangweilt, endlos nach mehr dürstend, zurücklässt, dann bin ich doch eigentlich ein ziemlich armer Mensch, oder?


It’s-a me!

23. Mai 2011

Manche Leute sind ja der Meinung, eine wissenschaftlich-skeptische Weltsicht lasse sich nicht mit der Überzeugung vereinbaren, dass Super Mario wirklich existiert, genau wie sein Bruder Luigi und die vielen süßen kleinen Toadpeople, oder wie die heißen. Ich dachte früher auch mal so.

Glücklicherweise weiß ich es jetzt besser, und ich will euch helfen, auch den Weg zur Wahrheit zu finden.

Ich unternehme deshalb nun den Versuch, Naturwissenschaft und den Glauben an die Realität von Nintendo-Spielen nicht mehr als Gegensätze, sondern als aufeinander angewiesen zu begreifen und miteinander ins Gespräch zu bringen, in einen echten Dialog, der disziplinäre Grenzen behutsam überwindet, ohne in kulturimperialistischer Weise den Beitrag der jeweils anderen Art, die Welt zu sehen, zu missachten, und ich würde mich über alle Maßen freuen, wenn ein paar besonders Gelangweilte Mutige unter euch mich dabei begleiten würden.

Es ist doch so: Selbstverständlich spricht vieles dafür, dass die wissenschaftliche Methode der einzige zuverlässige Weg zur Wahrheit ist, und tatsächlich ist Wissenschaft eine sehr nützliche Sache und funktioniert im Alltag auch ganz tadellos.

Aber seien wir ehrlich, Wissenschaft gibt auf manche Fragen einfach keine befriedigenden Antworten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Wer hat Prinzessin Peach entführt? Wie viele Münzen passen in einen Fragezeichenblock? Was für eine Art Tier ist Bowser eigentlich?

Antworten auf all diese Fragen findet man nur bei Nintendo, und beim Glauben an die Wahrheit Marios.

Aber, kann ich euch sagen hören, wie soll das denn zusammengehen? Wissenschaft und Glaube an die Sternengeister? Natürlich geht das! Hawking und die Sternengeister schließen einander nicht aus. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man Begriffe wie “Mario”, “Bowser” oder “Goomba” richtig deutet.

Ein naives Mario-Bild wie das des latzhosentragenden Klempners, der mit dem Kopf gegen Ziegelmauern springt, ohne je Schaden davon zu tragen, wird von Mario-Gegnern oft eingesetzt, um den Glauben an Nintendo und magische Ultrapilze bequem zu diskreditieren. Nur weil Mario und Luigi als Karikaturen dargestellt werden, können sowohl irregeleitete Mariodisten als auch militante Nintendoleugner einen scheinbaren Widerspruch zwischen “Wissenschaftlichkeit” und “Glaube an die Realität von Videospielen” aufbauen,  mal, um Gamer auf die kritiklose Annahme exegetisch unhinterfragter namcoistischer Schöpfungsideen einzuschwören, mal, um jeden Videospielglauben pauschal einer wissenschaftlich unredlichen Weltanschauung zu bezichtigen.

Das alles kann sich sparen, wer erkennt: Mario ist kein objekthaftes klempnerartiges Wesen in seiner eigenen Galaxie, kein in Abwasserrohren (lokal verstanden) herumschwimmender Überfreund, der Peach “rettet”, sondern ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält. Alle Vorstellungen von Mario sind in gewisser Weise hilflose Krücken, nicht aber der Glaube an Mario. Jede Rede von Mario bedeutet, das Unsagbare zu sagen, und Begriffe unserer Vorstellungswelt als Metaphern zu benutzen, um sich Mario zu nähern, obgleich das Scheitern dieses Unterfangens geradezu konstitutiv zum Marioglauben gehört.

Ihr seht also, die Sache ist ganz einfach. Man muss sich bloß von der Vorstellung befreien, dass Super Mario in irgendeinem Sinne wirklich existiert, und schon ist der Glaube an seine Existenz (natürlich stets im ontologisch-dialektischen Sinne von Nichtexistenz verstanden) auch für diejenigen kein Problem mehr, die gerne echte Skeptiker sein möchten, ohne sich von ihren lieb gewonnenen Gewohnheiten zu trennen.

Mamma Mia!


Unmoralische Daten

3. März 2011

Ich habe da gestern diese Rezension einer Voyager-Episode gesehen, und ich wüsste gerne, was ihr darüber denkt:

Für alle, die keine Lust haben, sich das anzusehen, hier eine stark eingedampfte und teilweise nicht ganz detailgetreue Zusammenfassung: Die Chefingenieurin Torres erkrankt, und der Schiffsarzt lässt für die Behandlung ein Hologramm eines bekannten cardassianischen Wissenschaftlers erstellen. Im Laufe der Diagnose stellt sich heraus, dass besagter Wissenschaftler seine Kenntnisse durch mengelehafte Menschenversuche erworben hat. (Eigentlich Baioranerversuche, wenn ich das richtig verstehe, aber diese Differenzierung schenken wir uns, auch weil der Unterschied ausschließlich in der geriffelten Nase besteht.) Daraufhin will die Patientin nicht mehr behandelt werden (eigentlich vorher auch schon nicht, weil sie Cardassianer hasst), aber Captain Janeway entscheidet, dass sie für die restliche Crew so wichtig ist, dass die Therapie trotzdem durchgeführt wird.

Um das ethische Hauptdilemma möglichst klar herauszuarbeiten möchte ich gerne die Frage der Patientenautonomie ignorieren, so wie auch die Tatsache, dass Torres völlig ungeeignet für ihre Position ist und Janeways Begründung deshalb keinen Sinn ergibt. Auch Torres’ debilen Rassismus lassen wir außen vor.

Wir sprechen also nur noch über ein Problem: Jemand hat Erkenntnisse aus unethischen Experimenten gewonnen, bei denen viele Menschen (gegen ihren Willen) gestorben sind. Ist es jetzt ethisch vertretbar, diese Erkenntnisse zu verwenden?

Die Voyager-Autoren scheinen das für ein kniffliges Dilemma zu halten, und sogar sfdebris sieht es so. Er spricht in seiner Review gegen Ende ganz bezeichnend von “unmoralischen Daten” und lobt die Autoren dafür, endlich mal eine schwierige moralische Frage aufgeworfen zu haben.

Ich hingegen sehe das Dilemma nicht. Die Baioraner sind tot, die Daten sind da. Die Verwendung der Daten schadet niemandem mehr, und ich kann deshalb beim besten Willen nicht erkennen, warum es problematisch sein soll, sie zu benutzen, um Menschenleben zu retten. Ich finde es im Gegenteil manifest unethisch, sie nicht zu verwenden. Daten sind Daten, sie sind korrekt oder falsch, aber sie können nicht “unmoralisch” sein.

Ich müsste darüber nicht mal nachdenken. Und ihr?


Argumentum e Boah! Nee, ne?

18. August 2010

Ich weiß gar nicht, ob sich noch jemand an Erich von Däniken erinnert. Ich komme drauf, weil mich kürzlich jemand auf ihn ansprach und damit ungute Erinnerungen daran weckte, dass dieser Scharlatan auch in meiner an sich ziemlich skeptischen Familie völlig unverdientes Ansehen genießt. Meistens sagen die Leute sowas wie “Aber er hat doch ganz interessante Theorien, er stellt unbequeme Fragen, er ist ein Querdenker, daran ist doch nichts Falsches!”

Falls ihr ihn nicht kennt, könnt ihr das Ganze hier aber problemlos auf vergleichbare Blender wie Galileo Mystery oder Welt der Wunder (Laufen die noch?) übertragen. Oder ihr seht euch als Beispiel dieses willkürlich ausgewählte Däniken-Video an (Man kann bei Bedarf ziemlich bald unterbrechen, nach den ersten paar Sekunden kommt nicht mehr viel Neues.):

Erst einmal klingt das ziemlich überzeugend, was er sagt. Gerade wenn man sich mit dem Thema noch nicht so sehr befasst hat, kann man aus einem Däniken-Buch oder -Film durchaus mit dem Eindruck rauskommen, dass kein vernünftiger Mensch daran zweifeln kann, dass Außerirdische diese Welt früher regelmäßig besucht haben müssen.

Däniken und seine Genossen im Geiste arbeiten dabei fast immer mit demselben simplen Trugschluss: Sie sehen eine eindrucksvolle Leistung vergangener Kulturen und stellen fest, dass sie keine Erklärung dafür haben, wie die das damals ohne Hornbach geschafft haben sollen. Dann sehen sie irgendwelche Malereien / Hieroglyphen / Reliefe, auf denen die abgebildeten Menschen ein bisschen komisch aussehen und schließen daraus, dass das fremde Raumfahrer sein müssen. Gerne bedient man sich dabei zum Beispiel der oft anzutreffenden Strahlenkränze, die man flugs zu Weltraumhelmen umdeutet. Und schon hat man die Sensation: Aliens haben die Pyramiden gebaut! Und das wissenschaftliche Establishment will nicht, dass wir davon erfahren.

Habt ihr den Trick bemerkt? Genau: Argument aus Ignoranz. Ich habe gerade kein Idee, wie etwas passiert sein könnte, also ist es auch nicht passiert. Immer gerne genommen, aber dadurch nicht weniger falsch.

Perfide finde ich dabei nicht, dass Däniken falsche Schlüsse zieht. Das ist okay, Menschen machen Fehler, und der wissenschaftliche Prozess funktioniert bei Zeiten auch mal durch Versuch und Irrtum. Perfide ist dabei, dass er und Haarwuchsmittelverkäufer wie er so tun, als hätten sie die Antwort gefunden, und alle anderen wären einfach zu vernagelt, um das zu erkennen, während in Wahrheit so ziemlich das Gegenteil der Fall ist.

Pseudowissenschaftliche Blender wie von Däniken beuten die natürliche Neugier des Menschen aus. Sie leben parasitär von unserer Sehnsucht nach Antworten, indem sie uns mit beruhigenden Scheinerklärungen versorgen, die zunächst mal unheimlich schlüssig wirken, aber keiner genauen Überprüfung standhalten, denn sie sind in Wahrheit nur eine Verlagerung der Frage.

Ursprünglich wussten wir nicht, wie man damals so tolle Bauwerke errichten konnten. Und wäre es nicht unheimlich spannend, jetzt zu versuchen, das herauszufinden? Sich zu überlegen, welche Werkzeuge damals zur Verfügung standen, und welche nicht, und dann so lange herumzutüfteln, bis man einen möglichen Weg gefunden hat? Das ist Wissenschaft, und das ist der Erkenntnisdrang, der es uns ermöglicht hat, Sonden bis an den Rand unserers Sonnensystems zu schicken, auf dem Mond zu landen und geschmacksfreie Fertiggerichte in wenigen Minuten zu erhitzen.

Däniken sagt stattdessen: Äh… Uh… Nääh, das geht nicht, wie sollen die das denn geschafft haben? Das waren Außerirdische! Und wir sollen damit zufrieden sein. Wenn er wenigstens fragen würde, wie die Außerirdischen das nun geschafft haben, und warum – wenn er wenigstens fragen würde, wie sie zur Erde gekommen sind und warum sie uns wieder so komplett verlassen haben, dann wäre er vielleicht noch ein sympathischer Spinner.

Aber Däniken tut nur so, als würde er die Wahrheit suchen. In Wirklichkeit hat er nicht mehr zu bieten als einen billigen Fragenstopper, einen Schnuller für alle, denen Wissenschaft zu anstrengend ist. Und er und seine Jünger haben noch den Nerv, Zweiflern zu unterstellen, sie wären einfach nur zu engstirnig und denkfaul. Man stelle sich vor, diese Methode würde sich durchsetzen.

“Du, Watson, was ist eigentlich aus diesem Desoxyribodings geworden, von dem du mal erzählt hast?”
“Du hast ja keine Ahnung, Crick! Ich hab mir das mal genauer angesehen, und das ist so derbe komplex, das kann nur eine überlegene Technologie sein. Mit unseren Möglichkeiten ist da nichts zu machen.”
“Oh. Naja. Na gut. Aber schon n bisschen schade, oder?”
“Kein Stress. 2012 kommen die Außerirdischen wieder, und dann können wir einfach die fragen.”
“Cool.”


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