Restebloggen (106)

7. August 2015
  1. In dieser Welt macht der politischen Begriff der „Souveränität” – ähnlich wie der der „informationellen Selbstbestimmung” – keinen Sinn mehr schreibt mspr0.
  2. AS I PASS through my incarnations in every age and race,
    I make my proper prostrations to the Gods of the Market Place.
    Peering through reverent fingers I watch them flourish and fall,
    And the Gods of the Copybook Headings, I notice, outlast them all.
  3. xkcd hat Fragen, und Ethan Siegel hat Antworten.
  4. Egal wie Schaf du bist – Jesus ist Schäfer.
  5. Falls ihr Unbreakable – Kimmy Schmidt noch nicht kennen solltet, solltet ihr Unbreakable – Kimmy Schmidt unbedingt kennenlernen. Weil das ist nämlich gut.
  6. Uiuiui, der ehemalige Game-One-Online-Sympath Wolf Speer moderiert zusammen mit Anne (die auch mal bei Game One war) in so einer PlayStation-Werbesendung, die als Anzeige zurzeit immer nach den Game-One-Sendungen kommt. Er kann sowas nicht so. Wirklich nicht. Der Typ, den die beiden interviewen, kann dadurch natürlich umso besser glänzen, was möglicherweise die Absicht war. In dem Fall große Bewunderung für Sony, die den Mut hatten, einen Mittfünfziger-Management-Typen neben zwei junge hippe YouTube-Videospielsendungsmoderatoren zu stellen, damit er cooler und sympathischer und menschlicher aussieht.
  7. Ich habe kürzlich mal versucht mir vozustellen, wie das wäre, wenn zum Beispiel Anwälte so arbeiten würden wie IT-Support: “Oaah… Äh… Kündigungsschutzklage… Also da hab ich auch keine Ahnung, was das ist. Kriegen Sie das immer, oder nur jetzt dieses Mal? Haben Sie mal versucht, Widerspruch einzulegen, oder sowas? Oft geht das so?” Und dann mach ich das und bekomme vom Arbeitsgericht die Mitteilung, dass dieses Rechtsmittel hier nicht zulässig ist, weil es ein außergerichtlicher Rechtsbehelf gegen Verwaltungsakte ist und deshalb im Zivilprozess nichts zu suchen hat, und dann sagt der Anwalt: “Hmm… Na gut, das ist komisch … Dann weiß ich auch nicht richtig. Warten Sie, ich versuch mal … ist okay, wenn ich schnell anerkenne, oder? Okay, gut. Ich glaube, jetzt ist es weg.”

It’s tempting to get vocal and defensive

31. Januar 2015

Heute und morgen läuft in (Auf? Bei?) der ARD, dem Flaggschiffsender unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, von morgens bis abends die Sportschau, unterbrochen nur durch wenige Minuten einer Alibi-Nachrichtensendung. Ihr wisst schon, dass ist dieses ganz wichtige weil demokratiekritische System, für das wir alle, so ziemlich jede und jeder von uns, verpflichtet sind, monatlich zu bezahlen, ganz gleich, ob wir wollen oder nicht, ob wir es nutzen oder nicht, ob wir es uns leisten können oder nicht. So wichtig ist das. Wegen seines Bildungsauftrags und so. Falls ihr euch fragt, was es da gerade zu zeigen gibt, und ob ihr schon wieder eine Fußballweltmeisterschaft verpennt habt: Es ist Skeleton-Weltcup. Nein, das sind keine Paralympics für extrem kachektische Sportler und Sportlerinnen, sondern sowas.

Und weil mir das gerade aufgefallen ist, habe ich jetzt doch Lust, den gestrigen xkcd-Cartoon zu kommentieren, obwohl ich mich eigentlich schon dagegen entschieden hatte:

Für den Hovertext müsst ihr zu ihm rüber. Hinweis: Es lohnt sich nicht so richtig, aber tut auch nicht weh. Fans greifen zu, der Rest liest direkt hier weiter. Und da die Fans den Cartoon eh schon kennen, lesen wir jetzt alle gemeinsam hier weiter, schätze ich.

Und obwohl ich Randall Munroe bewundere und verehre wie einen Gott, finde ich, dass er hier daneben liegt. Zumindest teilweise. Dafür aber immerhin auf zwei Ebenen. Die erste ist schnell erledigt: Der Cartoon ist nicht lustig, nicht bizarr, nicht originell und auch sonst nicht unterhaltsam. Finde ich. Egal. Geschmackssache.

Zweitens, und viel wichtiger: Es mag sein, dass es, insbesondere unter Leuten, die xkcd mögen, tatsächlich eher eine Mehrheit von Leuten gibt, die auf Sportfans herabblicken und unangemessen unfreundlich und herablassend agieren, weil sie so bemüht sind, sich von ihnen abzugrenzen, und dass Randall dieses Problem zurecht kritisiert, aber ich selbst kenne es nicht, und ich finde vor allem, dass sein Vergleich zwei wichtige Aspekte vernachlässigt und damit irreführend wird, weil diese zwei Aspekte einen grundlegenden Unterschied ausmachen zwischen Sportfantum und Interesse an Klimasystemen und raumfahrenden Robotern:

  1. Sportfantum ist in unserer Gesellschaft so dominant, dass es permanent mit völliger Selbstverständlichkeit nicht nur unterstellt, sondern sogar erwartet wird. Medien, einschließlich der öffentlich-rechtlichen Medien, die ihrem Auftrag nach eben gerade dafür da sind, NICHT der Mehrheit und der Quote hinterherzulaufen, sondern einen Bildungsauftrag zu erfüllen, berichten über Sportereignisse in einer Lautstärke und einem Umfang, die und der meines Wissens buchstäblich jede andere denkbare Meldung nicht nur übertreffen, sondern völlig verschwinden lassen, vom Völkermord über Krieg zu bedeutenden wissenschaftlichen Durchbrüchen. Sportfans laufen gröhlend in Rudeln durch Städte, werfen mit Flaschen um sich und werden gelegentlich physisch gewalttätig gegenüber Leuten, die ihr Fantum nicht teilen. Ich will nicht behaupten, dass das alles für alle Sportfans gilt. Aber ich will darauf hinweisen, dass diese Phänomene im und für das Sportfantum existieren, und im und für das Interesse zum Beispiel an wissenschaftlich bedeutenden Ereignissen absolut gar nicht.
  2. Sportfantum ist schon von seiner seiner grundsätzlichen Ausrichtung her problematisch. Bestimmt existieren auch völlig sympathische und inordnunge Ausprägungen, aber die meiner Wahrnehmung nach dominante besteht darin, einer Mannschaft, der man sich, in der Regel aus lokalpatriotischen, nationalistischen oder sonstigen blödsinnigen Gründen unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistung (worin auch immer die bestehen sollte) verbunden fühlt, den Sieg zu wünschen, und (nur leicht dramatisiert) jeder anderen die Pest an den Hals. Um nur mal ein Beispiel zu nennen. Und auch das ist meines Erachtens eine Besonderheit, die vielleicht nicht nur, aber schon besonders Sportfantum prägt. Womöglich gibt es sogar bedeutende Gruppierungen von kosmologieinteressierten Raumfahrtfans, die ausschließlich Missionen der USA anfeuern und jeder russischen Rakete lautstark wünschen, sie möge schon vor dem Start explodieren, aber ich kenne sie jedenfalls nicht, und traue mir deshalb die These zu, dass sie in der Szene eine eher untergeordnete Rolle spielen. Und fürs Protokoll: Mir ist natürlich klar, das ein Haufen Leute das zum Beispiel im Kalten Krieg durchaus so gesehen haben, unter anderem aus nationalistischen Gründen. Diese Position finde ich dann aber natürlich auch blöd, und von der würde ich mich dann auch auf sehr vokale und defensive Weise abgrenzen wollen, zum Beispiel, indem ich nicht einfach nur interessierte Geräusche mache und begeistert grinsend nicke und zuhöre, während ich mich der Snacks und der Freundschaft erfreue. Ich hätte auch ein unkontroverses Beispiel wie Krebsforschung nehmen können, aber ich kenne ja meine Leser und weiß, dass ihr das sofort als erbärmlichen Versuch durchschaut hättet, einer möglichen Kontroverse auszuweichen. Nix da. So läuft das hier nicht.

Das beides heißt natürlich keineswegs, dass ich es super finde, Sportfans zu beleidigen und zu verachten, weil sie sich für Sport interessieren. Im Gegenteil. Ich stelle es mir brennend interessant vor, mal mit einem Sportfan ganz offen über seine Leidenschaft und deren Hintergründe und Details reden zu können. Ich selbst habe ja durchaus auch zweifelhafte Neigungen und Interessen, bestimmt. Sportfans sind weder schlechtere Menschen, noch ist es jemals in sich falsch, sich für irgendwas zu interessieren oder zu begeistern. Insoweit ist Randalls Cartoon sicherlich guter Rat. Aber insoweit, als er eine Gleichwertigkeit der Philae-Landung mit dem Superbowl impliziert, liegt er daneben, und ebenso in seiner Implikation, dass Sportfantum typischerweise nur eine völlig unproblematische menschliche Leidenschaft ist, der wir komischen verknöcherten Besserwisser uns bloß öffnen müssen, und dann gibt es Freundschaft und Snacks.

Oder was meint ihr?


Restebloggen (82)

15. Februar 2012
  1. Wordmonster schreibt: “Every time an asshole with a microphone calls a politician a “flip-flopper,” he is making the world a more dangerous place.” Und er hat natürlich Recht.
  2. via ProfMTH
  3. xkcd hat den ultimativen Valentins-Comic geliefert. Wer sonst? The worst resolution to the Valentine Prisoner's Dilemma when YOU decide not to give your partner a present but your PARTNER decides to testify against you in the armed robbery case.
  4. Auf einer Liste der Orte, an denen ich erwarte, Haiku vorzufinden, hätte die Herrentoilette einer Berufsschule wahrscheinlich weit unten gestanden. Aber doch:
  5. Ich bin nicht sicher, ob das eine positive oder negative Entwicklung ist, aber meine Toleranz gegenüber Bullshit scheint abzunehmen. Das heißt, eigentlich bin ich mir nicht einmal insoweit sicher. Vielleicht wird der Bullshit auch bloß schlimmer. Meine Mutter hat mir dieses Jahr zum Geburtstag neben einigen anderen wirklich tollen Dingen “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort – die Weltgeschichte der Lüge” von Dieter Hildebrandt und Roger Willemsen zum Hören geschenkt. Nun weiß ich, dass Hildebrandt ungefähr so lustig ist wie ein durchschnittliches Stück Nadelfilz, und Roger Willemsen sieht zwar lustig und sympathisch aus, aber dieser erste Eindruck verflüchtigt sich erfahrungsgemäß schlagartig, sobald er den Mund öffnet. Dennoch habe ich die erste CD heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit eingeschoben, denn ich liebe meine Mutter ja und wollte ihrem durchaus gut gemeinten und und gar nicht schlecht durchdachten Geschenk eine Chance geben. Ich habe nicht mal fünf Minuten durchgehalten. Es war wirklich körperlich schmerzhaft. Es ist gar nicht so sehr, dass man den beiden schon am Anfang jeden Satzes das Heischen um das unweigerlich darauf folgende gutmütige Gelächter des Publikums (Es scheint eine Live-Aufnahme zu sein.) anhört. Es ist mehr dieser unerträgliche “Schaut mal, wir sind clever”-Stil, der so viele populärphilosophische Werke von “Wer bin ich, und wenn ja, wie viele” bis hin zu “The Matrix” durchzieht. Nennt mich elitär, aber ich kann mich aufregen, wenn jemand so offensichtlich um Leute buhlt, die nicht gerne viel nachdenken, aber gerne glauben wollen, dass sie gerne und viel nachdenken. Da wird dann mit scheinbar überraschenden Wahrheiten gespielt, die aber weder überraschend sind (weil jeder, der gerne clever wirken will, dauernd damit spielt), noch wahr (weil man dafür ja wirklich zu Ende denken müsste, und das will man dem Publikum nicht zumuten). So beginnt zum Beispiel dieses Programm damit, dass Willemsen das “sehr geehrte Publikum” begrüßt, und Hildebrandt ihn darauf hinweist, das sei gelogen. Willemsen fährt weiter fort in der üblichen Begrüßung, immer wieder unterbrochen von Hildebrandts Vorwurf der Unehrlichkeit und natürlich dem gutmüigen Gelächter und Applaus des Publikums. Schließlich beendet Willemsen seine Routine und Hildebrandt beginnt eine ehrliche Begrüßung, die beginnt mit einem gebellten: “Publikum! [Gelächter]”, und dann so weitergeht, worauf Willemsen ihm vorwirft er sei zwar ehrlich, aber uncharmant, und… Ach, es tut mir ja leid, aber ich halte diesen gequirlten Mist auch im Rückblick keine Minute länger aus. Bäh.
  6. Kennt ihr eigentlich schon Jesus and Mo?
    marry
    Oder den:
    movie
    Ich finds gut. [Unter Creative Commons License]
  7. Ich neige eigentlich nicht so dazu, viel Geld für nutzlose Dinge auszugeben, die einfach nur hübsch rumstehen, aber hier hab ich mal eine Ausnahme gemacht. War auch eine besondere Gelegenheit.

Gerichtsbekannt

19. Januar 2012

Ein Richter des Amtsgerichts Köln hat im April 2011 (Ich weiß, ich bin ein bisschen hinterher in meiner NJW-Lektüre.) offenbar den xkcd-Comic zur Zitogenese mittels Wikipedia gesehen

,

sich gedacht: “Warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht?”, und sich in seiner Urteilsbegründung einfach direkt auf Wikipedia bezogen. Oder, wenn man es technisch mag: Nicht ganz direkt. Er hat sich auf eigene Kenntnis berufen und diese wiederum auf Wikipedia gestützt.

Für den Kläger war es in diesem Fall sicherlich nicht so lustig, denn es hat ihn (mutmaßlich) den Prozess gekostet. Ich finde die Argumentation des Gerichts in ihrer Offenheit irgendwie rührend. Stark verkürzte Vorgeschichte: Ein Mieter fand es doof, dass sein Vermieter bei der Sanierung von Rohren ein Epoxidharz verwendet hatte, denn das sei krebserregend, und er habe jetzt kein Trinkwasser mehr. Er kürzte die Miete. Der Vermieter verklagte ihn dafür, und verlor, denn:

Es ist dabei gerichtsbekannt, dass Epoxidharz Komponenten enthält, die gesundheitsschädlich sind. Dabei bezieht sich das Gericht auf den Artikel der freien Enzyklopädie Wikipedia zum Thema Epoxidharz. Danach besteht die Harzkomponente aus den Stoffen Bisphenol A und Epichlorhydrin. Bisfinol A wird als endokriner Disruptor verdächtigt, das bedeutet, dass dieser Stoff wie ein Hormon wirken und so das empfindliche Gleichgewicht des Hormonsystems des Menschen stören kann. Gerichtsbekannt ist ferner, dass solche endokrinen Disruptoren schon in geringsten Mengen zu Störungen im endokrinen System führen können. Der Stoff Epichlorhydrin ist laut Wikipedia weiterhin bekannt als giftig und im Tierversuch krebserzeugend. Daher steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass das Wasser in der Wohnung des Beklagten im streitgegenständlichen Zeitraum als Trinkwasser nicht geeignet war und zur Körperhygiene nur bedingt geeignet war. Dies rechtfertigt eine Mietminderung von 20 % monatlich.

Wow.

Nicht nur, dass Wikipedia als Quelle für derartige Erkenntnisse schon a priori ungeeignet ist: Das Gericht unterstellt hier etwas als wahr, weil jemand ins Internet geschrieben hat, dass der Verdacht besteht, dass es so sein kann. Ich würde meinen, dass man nicht mal Jura studiert haben muss, um zu erkennen, dass eine solche, ähem, Beweiswürdigung rechtsstaatlich nicht ganz sauber ist, aber wahrscheinlich wird ein elitärer Volljurist wie dieser Richter sich dergleichen von einem Stümper wie mir nicht sagen lassen, deshalb fahre ich eine unanfechtbare Autorität auf, um meine Kritik zu untermauern. Reicht sicher als Berufungsbegründung.

Sachen gibt’s.


Restebloggen (73)

11. August 2011
  1. Das nächsten “Gefallen”-Kapitel ist in Arbeit. Vielleicht schon morgen.
  2. Du weißt, dass du zuviel Zeit im Internet verbringst, wenn du dir eines dieser billigen Sonntag-Mittag-Märchen nach der Sendung mit der Maus ansiehst und in lautes Gelächter ausbrichst, wenn der Prinz die Prinzessin fragt, was sie denn mit dem vielen Stroh hier vorhat.
  3. Via Wortvogel:
  4. Manchmal möchte man an an seinen Mitmenschen verzweifeln, zum Beispiel, wenn man sowas liest:
    bin total geschockt, nach einigen Monaten Ehe habe ich zufaellig rausbekommen, dass
    mein Mann des oefteren Pornofilme im Internet anschaut und es macht mich einfach
    unglaublich traurig. Wir sind beide wiederbekehrt .
    Ich bin total durcheinander, und habe in den letzten 3 Tagen viel geweint, weil es so demuetigend ist und ich mich auf einmal so wertlos fuehle und ich auch nicht weiss

    Aber dann liest man sowas:
    Ich habe meine Frau dabei ertappt, wie sie Kochsendungen schaut.
    Jetzt fühle ich mich sehr gedemütigt.
    Ich mache ihr nämlich manchmal Rührei zum Frühstück. […]
    Wenn sie einen Mann zu Hause hat, der ihr jederzeit ein Ei brät, warum muss sie dann anderen Leuten beim kochen zusehen?
    Ist da nicht schon der Schritt zum heimlichen Restaurantbesuch der nächste?

    Und dann ist nicht nur alles wieder gut, sondern man weiß auch, dass die Zeit, die man in diesem komischen Forum verbringt, nicht umsonst ist. Schön.
  5. Anatol Stefanowitsch schreibt gerade viel über Pippi Langstrumpf, und ich verstehe, dass nicht jeder Zeit hat, so viel Text über ein uninteressantes rassistisches Kinderbuch zu lesen, aber ich find’s empfehlenswert, ob man ihm nun zustimmt oder nicht.
    Und wenn man zu der Einsicht gelangt ist, dass nur eine Umdichtung noch helfen kann, sollte man auch noch über eine vierte Möglichkeit nachdenken, mit diskriminierenden Kinderbüchern umzugehen: Verlage könnten aufhören, sie nachzudrucken und sie könnten stattdessen neuen Autor/innen und neuen Geschichten eine Chance geben, bessere Geschichten zu schreiben. Und Konsument/innen könnten aufhören, sie ihren Kindern vorzulesen. Es ist ja nicht so, als ob eine Welt ohne Pippi Langstrumpf unvorstellbar oder eine literarische Dystopie wäre. Pippis fünfzehn Minuten Ruhm dauern jetzt schon sechzig Jahre.
  6. Ich habe ein sympathisches Blog entdeckt, und ich verlinke es hier, und jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich nicht jedes sympathisch Blog, das ich entdecke, hier verlinke, aber ich tu’s trotztdem, und hoffe eben einfach, dass die Autoren der anderen sympathischen Blogs, die ich entdeckt, aber nicht verlinkt habe, mir das nicht übel nehmen, sondern sich vielleicht sogar über die Chance freuen, ein sympathisches Blog zu entdecken. Und zu verlinken.
    Natürlich kann sich auch [beim Thema Wetter] politischer Zündstoff einschleichen, zeichnet doch für die häufigen Unwetter und den täglichen Regen in diesen Breitengraden bestimmt auch wieder der vielzitierte Klimawandel verantwortlich. Zu dem habe ich übrigens keine ausgegorene Meinung, außer dass die Forderung, den Planeten zu retten, in diesem Zusammenhang eine ziemlich unsinnige ist, will man doch nur den Planeten für die Menschheit möglichst lebensfreundlich erhalten. Ein bisschen globale Erwärmung juckt ja den Globus selber nicht. Wohl aber gefährdet sie Tiere, und die aktuelle Artenvielfalt zu bewahren stellt interessanterweise trotz der Tatsache, dass deren Wandel und das damit einhergehende Aussterben von auch sehr charismatischer Fauna bisher selbstverständlich zur Erdgeschichte gehört hat, ein völlig fragloses Ziel menschlichen und politischen Handelns dar. – Nicht dass ich dafür wäre, Eisbären, Tiger, Leoparden, Pandas und anderes flauschige Getier auszurotten, keineswegs. (Was gewisses stechendes bzw. unappetitliches Ungeziefer anbelangt, ist meine Haltung zugegeben eine andere, aber auch da gehören ja irgendwelche Ökosysteme erhalten – womit wir eben wieder beim Thema wären:
  7. Nur falls jemand davon genauso überrascht ist, wie ich es war, als ich es erfuhr: Ja, in Deutschland ist es zurzeit noch verboten, überregionalen Linienbusverkehr anzubieten. Und mindestens ein SPD-Politiker will anscheinend tendenziell, dass das so bleibt.
    Die Öffnung des Marktes unterstütze bestehende Tendenzen der Deutschen Bahn, Randlagen im Fernverkehr nicht mehr zu bedienen, kritisierte Beckmeyer. Er forderte, dass Fernbusse Maut zahlen müssen.
  8. Das ist eigentlich ein echt ungünstiger xkcd-Cartoon, um ihn im Restebloggen zu präsentieren, aber er ist zu gut, um es nicht zu versuchen. Wenn ihr es nicht lesen könnt, klickt, dann wird er groß. Es lohnt sich. Kommt schon. Ihr klickt doch auch sonst auf jeden Mist, seid ehrlich.
    You're a turtle.

Restebloggen (63)

11. Januar 2011
  1. Montag gegen 11 komme ich aus einer längeren Besprechung und finde zwei Notizen auf meinem Schreibtisch. Eine von 08:10 mit dem Vermerk “Herrn H. ab 12 zurückrufen”, und eine zweite von 10:20 mit dem Vermerk: “Herr H., bitte um Rückruf”. Sowas passiert mir in letzter Zeit dauernd. Grassiert eine Epidemie von Telefon-Tourette?
  2. Lange nicht mehr so gelacht:
    You can either hang out in the Android Loop or in the HURD loop
  3. Lynnea will keine Kinder haben und hat darauf offenbar schon so oft dieselbe Antwort bekommen, dass sie einen sehr lesenswerten Artikel drüber geschrieben hat:
    Maybe you’ll change your mind.” This has always bothered me every time people would tell me this, and it took me awhile to piece together exactly why, but I feel like I’ve put it all together by now, so I’ll go through all the subtly offending social pressures that this phrase exerts.
  4. Falls ihr mal wieder was Tragikomisches lesen wollt, könnt ihr das hier bei der Zeit:
    Heute muss zur Skepsis gehören: Zweifeln auch an diesem religionsfeindlichen Dogma und Offenheit für die spirituellen Erfahrungen, die viele Menschen gemacht haben, Ernstnehmen der geistig-seelischen Lebenswelt der Menschen, aber auch Zulassen von Fragen, die die Wissenschaften nicht beantworten können, wie zum Beispiel die Frage nach dem Sinn des Ganzen, nach den Aufgaben, die uns gestellt sein mögen, nach einer schlüssigen Begründung für die Würde des Menschen und ihre Unantastbarkeit.
    Besonders der letzte Teil ist so skurril, dass ich gar nicht so richtig weiß, wie ich damit umgehen soll. Eine schlüssige Begründung für die Würde des Menschen und ihre Unantastbarkeit. Ähm… Ja. Nein, dazu kann ich nichts weiter sagen.
  5. In Philoso4 schon erwähnt, jetzt auch hier verlinkt: “Apple Claims New iPhone Only Visible To Most Loyal Of Customers“. Unbedingt lesen!
  6. Immer, wenn ich meine beiden Ordner mit den Arbeitsverträgen sehe, lächle ich und schüttle den Kopf. Ich habe sie selbst beschriftet. Auf dem einen steht “A-M”, auf dem anderen “M-Z”. Ich werde das voraussichlich nie korrigieren. Ich bilde mir ein, dass es mich daran erinnert, demütig zu bleiben.
  7. Stefan Niggemeier hat eine Meinung zu “Deutschland sucht den Superstar”, und Matthias Schumacher eine andere. Ich sehe das eher wie Matthias, muss aber zugeben, dass ich die Sendung schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe und deshalb vielleicht nicht so gut geeignet bin, das zu beurteilen. Und ihr?

Restebloggen einfach so irgendwann mal (61)

20. Dezember 2010

So, das hatten wir lange nicht mehr, weil ich eigentlich bis gestern auch den Eindruck hatte, dass es niemand besonders vermisst, aber ein paar Fans scheint das Restebloggen sich doch erarbeitet zu haben. Viel Spaß:

  1. Lange ist’s her, dass Peter es mir für’s nächste Restebloggen empfohlen hat. Aber hier ist es jedenfalls endlich:
    Not to be confused with making money selling this stuff to OTHER people who think it works, which corporate accountants and actuaries have zero problems with
  2. Eigentlich mag ich diese Videos nicht, in denen Tiere synchronisiert werden, aber dieses fand ich toll:
  3. Was ist eigentlich das Gegenstück zu moralischem Relativismus? Ich denke, das müsste dann moralischer Absolutismus sein, oder?
  4. Ein Mann wandert nichtsahnend eine kleine irische Landstraße entlang, als plötzlich jemand ihn von hinten anspringt, ein Messer an seine Kehle hält und ruft: “Katholik oder Protestant?”
    Der Mann bricht in Angstschweiß aus und überlegt fieberhaft, was die richtige Wahl sein könnte, bevor ihn schließlich ein Geistesblitz trifft.
    “Ich bin Jude!” ruft er.
    Der Mann hinter ihm antwortet: “Echt? Ich bin der glücklichste Palästinenser in ganz Irland!”
  5. Axial tilt is the reason for the season, aber falls ihr euch trotzdem für die biblische Weihnachtsgeschichte interessiert, habe ich hier was für euch:
  6. Michalis Pantelouris hat den möglicherweise besten Artikel aller Zeiten über Guido Westerwelle geschrieben. Ohne seine Leistung damit herabwürdigen zu wollen, möchte ich in diesem Zusammenhang aber doch betonen, dass die Konkurrenz nicht besonders hart ist.
    “Ich kann letztlich nicht beurteilen, ob Westerwelle so flach ist, oder ob er glaubt, dieses Bild von sich zeichnen zu müssen, um seinen besonderen Stil in der Außenpolitik herauszustellen – im Ergebnis wird er jedenfalls von einem Großteil der Bürger des Landes, das er in der Welt vertritt, ziemlich herzlich verachtet.”
  7. Google Chrome erklärt, was die Inkognito-Funktion kann, und was nicht. Mir gefällt besonders der vorletzte und natürlich der letzte Punkt:

Das anonyme Browsen wirkt sich nicht auf das Nutzerverhalten bzw. auf die Funktionsweise von Servern oder Software aus. Vorsicht ist geboten bei:

  • Websites, auf denen Informationen über Sie gesammelt oder weitergegeben werden
  • Internetanbietern oder Arbeitgebern, die die von Ihnen aufgerufenen Seiten protokollieren
  • Bösartiger Software, mit der Ihre Tastatureingaben festgehalten werden (dafür bekommen Sie Smileys gratis)
  • Überwachung durch Ermittlungsbehörden
  • Personen, die hinter Ihnen stehen”

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