Mysterious Mermaids und beiläufiger Rassismus

11. Oktober 2020

Ich habe heute mal die ersten zwei Folgen der Serie „Mysterious Mermaids“ auf Netflix angeschaut, weil ich den Trailer interessant fand. Und die Serie fand ich sogar auch gar nicht ganz schlecht, wenn auch sicherlich nichts Besonders. Aber eine Sache ist mir aufgefallen, und ich empfinde sie als ein so gutes Beispiel für selbstverständlichen, beiläufigen Rassismus, den die Produzierenden sicherlich (aus ihrer Perspektive vielleicht sogar aufrichtig, denn ich könnte mir gut vorstellen, dass er ihnen mehr versehentlich passiert ist, wobei … Aber dazu später mehr) emphatisch leugnen würden, der aber doch … ein bisschen zu viel Glauben an ulkige Zufälle erfordert, um noch durch solche plausibel erklärbar zu sein. Und zwar so:

Ja, das ist ein furchtbares Bild, aber Netflix untersagt Screenshots, deshalb hab ichs mit dem Handy abfotografiert.

In Mysterious Mermaids gibt es (bisher) zwei Meerjungfrauen, eine Schwarze und eine Weiße. Letztere ist die, die ihr auf dem Bild da oben auf der rechten Seite seht. Die Schwarze wurde gefangengenommen wurde, und die Weiße ist an Land gekommen und sucht jetzt ihre Schwester, mit Unterstützung von einem Weißen Typen und einer Schwarzen Frau (die ihr wiederum auf dem Bild oben links sehen könnt).

Klingt soweit doch erfreulich divers und so, oder? Ja. Einerseits. Aber die beschriebene Situation führt durch die Eigenschaften der jeweiligen Figuren und ihrer Lage zu dem Ergebnis, dass die Schwarze Meerjungfrau jetzt in einem Tank eingesperrt von irgendwelchen Militärforscher*innen fasziniert betrachtet und befummelt werden kann, während die Weiße Meerjungfrau fasziniert die Schwarze menschliche Protagonistin betrachten und befummeln kann, während der Typ irgendwo rumläuft und was tut. Wie in der Szene oben. Da ist er gerade in einer Bar und streitet mit anderen Typen.

Zweimal also gleich Schwarze Frauen, die wie Objekte gegen ihren Willen neugierig von nicht Schwarzen Personen untersucht und begafft und angefasst werden.

[Nachtrag, 21:57 Uhr] Gerade fällt mir noch was ein, was ich noch gar nicht erwähnt habe: Wegen der beschriebenen Situation ist auch die Weiße Meerjungfrau diejenige, die meistens vollständig menschlich auftritt und allmählich zu sprechen lernt, während die Schwarze Meerjungfrau in ihrem Tank eingesperrt in Fischgestalt und deshalb (Stand: Episode 2, wie gesagt) auch stumm bleibt. [Nachtrag Ende]

Und ja, wie gesagt: Ich kann mir noch vorstellen, dass das den Autor*innen irgendwie passiert ist, durch Zusammenspiel verschiedener Elemente, zu denen natürlich auch der Rassismus gehört, den wir alle halt aufnehmen im Laufe unserer Sozialisation in Ländern wie Deutschland oder den USA (wo die Serie produziert wird, wenn ich das richtig sehe). In meinen eigenen Geschichten finden sich auch Beispiele für verschiedene *ismen auf diesem Niveau, keine Frage. Aber meine Geschichten sind halt auch nur mal so nebenbei von einer einzelnen nicht professionell schreibenden Person im Entwurfsstadium für Feedback ins Internet gestellte Geschichten. Sie sind keine für Millionen Dollar von großen professionellen Teams produzierten kommerziellen Produkte, die weltweit erfolgreich vermarktet und auf Pro7 und Netflix übertragen werden.

Und da endet dann meine Fähigkeit zum Glauben an das Gute im Menschen, denn dass das niemandem aufgefallen sein soll, das ist einfach nicht denkbar. Womit es eine bewusste Entscheidung wäre, rassistische Konzepte (him im Prinzip: Schwarze Menschen, die wie Zootiere behandelt werden, oder eigentlich schlechter als Zootiere) zu reproduzieren. Und damit sehr, sehr verwerflich.

Oder was denkt ihr?


Yanis (1)

1. August 2020

Weil ich es hier noch gar nicht erwähnt habe, mache ich es halt jetzt: Drüben in meinem Autorenblog läuft übrigens ein neuer Fortsetzungsroman. Er ist toll und ihr solltet den alle lesen.

Fabian Elfeld, Schriftsteller

Auf ein Neues! Tatsächlich ist diese Geschichte sogar so neu, dass sie noch keinen richtigen Namen hat, deshalb habe ich erst mal den Namen einer wichtigen Figur genommen. Mal gucken.

Und um es gleich noch mal schwerer zu machen: Ich finde, dieses Kapitel ist nicht so gut geworden. Das hat mehrere Gründe. Darüber reden wir in den Lesegruppenfragen.

Allen, die das nicht abschreckt, viel Spaß!

Ursprünglichen Post anzeigen 3.375 weitere Wörter


It’s A Jungle Out There

12. Juli 2020

Ich hab gedacht, ich werfe das gute alte weiße Blog noch mal an, um über

Der böse alte weiße Mann

zu schreiben. Jakob Hayner wiederum hat sich gedacht, er müsste für die jungle.world mal wieder das Martensteinkostüm rausholen und so eine richtig schöne Rassismusapologetik schreiben. Der Teaser nimmt gleich vorweg, was uns erwartet:

Ein paar spöttische Bemerkungen sollen als Beleg dafür dienen, dass Karl Marx ein Rassist und Antisemit gewesen sei. Im Fall Immanuel Kants steht ein entsprechendes Urteil der Öffentlichkeit sogar schon fest. Eine Verteidigung zweier Aufklärer vor dem Furor der Ahnungslosen.

Jetzt lasst das einmal kurz sacken und dann beantwortet mir bitte aufrichtig, ob unter euch auch nur eine einzige Person sich zutrauen würde, diesen Stil in einer nach eigenem Verständnis linken Wochenzeitung von dem zu unterscheiden, den Die Achse des Guten oder Cicero in so einem Zusammenhang bemühen würden. Schon klar, dass es um eine Marxverteidigung geht, macht es ein bisschen leichter, aber so ganz grundsätzlich?

Den Rest des Beitrags lesen »


Bembel Don’t Care

15. Mai 2020

Zuerst die Enttäuschung: Nein, hier gehts nicht um die Faschosprüche von Benedikt Kuhn, oder zumindest nur nebenbei. Hauptsächlich geht es hier um Journalismus, wie er ist, und warum ich das für ein Problem halte. Nein, mir ist schon klar, dass ich da keiner brandheißen Entdeckung auf der Spur bin, von der außer mir noch niemand was ahnt, aber andererseits habe ich das Gefühl, das ein weiteres gutes Beispiel nicht schaden kann, und das hier ist schon ein ziemlich beeindruckendes Beispiel. Find ich.

Die Hessenschau.de hat nämlich über die Konsequenzen aus Benedikt Kuhns Faschosprüchen geschrieben, und legt auch gleich zum Einstieg ganz ordentlich vor:

Den Rest des Beitrags lesen »


You go high, we go low

21. April 2020

Der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro hat mich vor Kurzem freundlicherweise auf die meistens sehr ausgezeichnete Videoserie „The Alt Right Playbook“ vom meistens sehr ausgezeichneten Account Innuendo Studios hingewiesen. Und ich kann die enthaltenen Videos nur allen sehr ans Herz legen, die öfter darüber nachdenken, warum sowas wie Trump und Peterson und PewdiePie und Shapiro funktioniert.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch was zum Widersprechen hätte, aber weil der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro mich da nicht SO ermutigt hat, fange ich mit was ganz Speziellem an, wovon ich nicht mal sicher bin, ob es ein Hot-Take-hafter Widerspruch zu Innuendo ist, oder einfach nur eine Selbstverständlichkeit, die ich so formuliert habe, dass sie ein bisschen anders klingt, als er es in dem Video sagt.

Den Rest des Beitrags lesen »


Ain’t no time for no heroes

24. März 2020

Ich hab mich noch nicht so ganz entschieden. Und ich weiß auch, dass das schwierig ist, wenn ich das sage, weil ich zwar im allerweitesten Sinne auch im medizinischen Bereich arbeite, aber wirklich nur im allerallerweitesten, und deshalb vor allem Nutzer des Systems bin. Aber ich find trotzdem die Held*innenverehrung, die insbesondere Ärzt*innen und Pflegekräften derzeit entgegen schlägt, nicht gut.

Wirbleibenfüreuchda

Warum denn nicht? Die sind doch schließlich toll und machen nicht nur eine ganz wörtlich lebenswichtige Arbeit, sondern sie sind außerdem unterbezahlt, überfordert und unterversorgt und machen Überstunden und reißen sich für uns sämtliche Körperteile auf ihr kennt das. Was hab ich denn gegen die?

Den Rest des Beitrags lesen »


Puns are the lowest form of humor

15. März 2020

Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Kalauer-Beitrag von vor ewigen Zeiten. Wahrscheinlich nicht. Aber dies ist jedenfalls noch einer, aber einer mit nur einer Kalauer-Geschichte.

Sie geht so:

Den Rest des Beitrags lesen »


Wie würde eigentlich ein anarchistischer „Leviathan“ heißen? „Katzenherde“?

26. Dezember 2019

Egal. Ich schreib eh keinen.Aber auf vielfachen Wunsch nicht nur einer einzelnen Leserin habe ich mich entschieden, endlich mal im Ernst genauer zu erklären, wie ich eigentlich auf die Idee komme, dass Demokratie schlecht ist und Anarchie toll.

Den Rest des Beitrags lesen »


Lyrimo 30: Briefgeheimnis

30. November 2019

Sonderbarer Abschluss, denkt ihr vielleicht, aber naja, jeder Abschluss ist irgendwie sonderbar, egal also, ans Werk. Briefgeheimnis. Und weils die letzte Chance ist, bekommt ihr von mir heute mein erstes und womöglich auch einziges Gedicht, das sich nicht reimt.

Haiku zählen nicht, Fresse halten.

 

Wer schreibt eigentlich noch Briefe?

Es ist ein Geheimnis.

Wozu eigentlich noch Briefe?

Niemand weiß es.

Brauchen wir eigentlich noch Briefe?

Es ist ein Mysterium.

Warum bekommen wir eigentlich noch Briefe?

Ein Rätsel.

Werden es nicht sogar immer mehr Briefe?

Jemand sollte es herausfinden.

Wann habt ihr zuletzt in den Briefkasten geschaut?

Ich trau mich schon lange nicht mehr.

Da warten

Briefe

auf

mich

und

niemand

weiß

warum.


Lyrimo 29: Zielgerade / die überwiegende Schönheit aller Dinge / 30 Tage

29. November 2019

Der 29. Impuls besteht aus den beiden Impulsen.

„die überwiegende Schönheit aller Dinge…“
oder
„30 Tage“

30 Tage, bald vorbei

Morgen ist Schuss mit Dichterei.

So nett es ja manchmal auch war,

war’s doch Arbeit, völlig klar.

Drum find ich überwiegend schön,

wenn Dinge bald zu Ende gehn.

Morgen bin ich endlich frei!

Oh wie ich mich darauf freu.